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Eat to Fight your Disease (Ruanda)

Pädiatrie - SCOPH (Public-Health Austausch)
von Paulina, Bochum

Motivation

Ich wollte gerne eine klinische Famulatur außerhalb von Deutschland machen, um einfach mal „über den Tellerrand zu schauen“ und ein anderes Gesundheitssystem kennen zu lernen, und gleichzeitig aber auch ein Hilfprojekt unterstützen. Da mir das Projekt „Eat to fight your disease e.V.“ am ehesten zugesagt hat, und ich nach einiger Recherche über Ruanda herausgefunden habe, dass dieses ein relativ sicheres und politisch stabiles Land des afrikanischen Kontinentes ist, habe ich mich für Butare in Ruanda entschieden. Ich hatte kaum Erwartungen oder Ansprüche an die Auslandsfamulatur, da ich wusste, dass alles sehr neu und anders sein würde.

Vorbereitung

Zu den Vorbereitungen ist zu sagen, dass es zwar nicht schwierig ist, man sich aber rechtzeitig um gewissen Dinge Gedanken machen sollte. Zum Beispiel wie lange man in Ruanda bleiben möchte, um den Flug zu buchen, der mit der Zeit immer teurer wird. Wenn man im Verlaufe der Vorbereitungen Fragen hat, kann man sich aber ganz gut an die Exchange-Facebookgruppe des Projektes „Eat To Fight Your Disease e.V.“ (im Folgenden ETFYD) wenden. Abgesehen von Visa-Unklarheiten und unnötigen Ausgaben dafür, sowie einer recht kurzfristigen Unterkunftszusage, gab es bei mir persönlich keine Probleme bei der Vorbereitung.
An meine Kontaktperon Alexis Rugamba von der medizinischen Fakultät musste ich relativ zügig die Bewerbungsunterlagen für das Krankenhaus (CHUB) zurücksenden, aber noch kein Geld für das Krankenhaus überweisen. Da man im CHUB aber zur Anmeldung (und für ein Empfehlungsschreiben, für ein eventuelles, weiteres Visum) zu Elias muss, wird Alexis bald durch Elias als Kontaktperson ersetzt werden.

Visum

Zum Visum sollte man wissen, dass ein Einreisevisum (30 Dollar) problemlos für die Famulatur (nicht PJ-Tertial) genutzt werden kann, solange man die Dauer von 34 bzw. Ganz genau 35 Tagen im Land nicht überschreitet. Die offizielle Angabe von 30 Tagen kann ohne Strafe bis zu 5 Tagen überschritten werden. (Stand: September 2017) Wenn man sich dazu jedoch bei der ruandischen Botschaft in Deutschland erkundigt, erhält man natürlich die Aussage, dass man eigentlich ein N2-Studentenvisum benötigt, welches offiziell jedoch NUR für den Praktikumszeitraum (also ebenfalls 30 Tage im Falle einer Famulatur) gilt. Ich hatte mich damals aus Unsicherheit leider für die Beantragung eines Studentenvisums vor Ort (nicht von Deutschland aus möglich) entschieden, da ich nach meinem Praktikum noch 8 Tage gereist bin und das Einreisevisum sowieso nicht genügt hätte, und musste somit leider zuerst ein Einreisevisum am Flughafen erwerben, dann ein Studentenvisum für den Praktikumszeitraum und darauf hin nochmal ein Touristenvisum für die verbleibenden 8 Tage Aufenthalt in Ruanda. Eventuell kann man sich aber auch vom Krankenhaus den Praktikumszeitraum inoffiziell für den gesamten Aufenthalt (inklusive Reisezeit) bescheinigen lassen.
Ansonsten empfiehlt es sich, wenn man etwas mehr einen längeren Aufenthalt als die 34 Tage plant, vor Ort die rechtzeitig ein weiteres Touristenvisum (30.000 Rwf, bis max. 90 Tage) zu beantragen oder von Deutschland aus im Vorhinein die Beantragung eines East African Visums, wenn man zum Beispiel noch nach Uganda oder Kenia reisen möchte.
Vor Ort sollte man sich nicht durch die ruandische Bürokratie und beschränkten Öffnungszeiten des Immigration Office entmutigen lassen, bei zeitlichen Engpässen kann immer irgendwie eine Lösung gefunden werden.

Gesundheit

Desweiteren sollte man rechtzeitig einen Termin für die Gelbfieberimpfung machen, und die anderen Impfungen abchecken lassen. Ich habe mich noch für die tetravalente Meningokokkenimpfung, Cholera- und Typhusimpfung und gegen die Tollwutimpfung entschieden (da außer bei engen Tierkontakt keine Gefahr besteht). Außerdem habe ich mich ausreichend mit Malerone/Atovaquon-Proguanil eingedeckt, welche ich soweit gut vertragen haben.

Sicherheit

Wie bereits erwähnt, war, zu meinem Aufenthaltszeitpunkt, die Sicherheitslage in Ruanda sehr gut. Ich konnte abends (als Frau!) alleine laufen gehen (sobald die Beleuchtung auf den Straßen durch die Stromversorgung es zuließ) und mich auch sonst alleine mit öffentlichen Transportmitteln durchs Land bewegen. Der amtierende Präsident Paul Kagame hat eine sehr stabile, wenn auch repressive, politische Lage geschaffen.

Geld

Was das Geld angeht, habe ich einige Dollar (fürs Einreisevisum, Hostel, und das erste Umtauschen in Rwf) mitgenommen, und am Flughafen zu einem natürlich nicht so günstigem Wechselkurs umgetauscht, da man in Deutschland keine ruandischen Franc bekommen kann. In Huye sind aber etliche Banken um Rwf abzuheben, und an der KCB (grüne Bank neben dem Supermarkt) kann man auch Dollar abheben, welche man eventuell für einige wenige Touristenattraktionen benutzen kann. Die Preise für die meisten Lebensmittel (Avocado 10 ct!) sind häufig relativ günstig, Hygieneartikel jedoch relativ teuer. Essen gehen kann man ab 1-2€ für das typische ruandische Buffet, oder auch mehr, für westlichere Menüs.

Sprache

Die offiziellen Sprachen sind 1. Kinyarwanda, 2. Englisch, 3. Französisch, 4. Kisuaheli. Kinyarwanda ist grammatikalisch und phonetisch sehr schwierig zu erlernen, jedoch stoßen ein paar Begrüßungen und sonstige Floskeln bei den EInheimsichen auf große Begeisterung. Dazu habe ich den Sprachführer von Kauderwelsch mitgenommen, und selten auch mal genutzt, da dieser aber auch in der Unterkunft vorhanden ist, würde ich einen Kauf nicht unbedingt empfehlen. Ansonsten sprechen Studenten und jüngere Menschen häufig etwas englisch, und die ältere Generation manchmal wiederrum überraschend gut französisch. Die akademische Sprache ist seit 2006 Engllisch, sodass diese auch im Lehrkrankenhaus (CHUB) vorgeschrieben ist.

Verkehrsbindungen

Den Flug sollte man gut bedacht, je nach Visumsdauer, frühzeitig buchen. Wenn man dann mit dem RVCP (*)-Koordinator („Rwanda Village Concept Project“) Kontakt aufgenommen hat, kann man wie eine Abholung vom Flughafen in Kigali organisieren, sodass man entweder in Kigali zum Hostel oder zum Busbahnhof gebracht wird und bestenfalls in Huye am Busbahnhof abgeholt wird und gemeinsam ein Taxi zum RVCP Haus nehmen kann. Andernfalls kosten Auto-Taxis in Kigali, je nach Strecke, 10-20 $ und Motos 1,000-3,000 Rwf. In Huye angelangt, kann man sich je nach Gepäck wieder ein Auto-Taxi oder Moto (300Rwf) zum RVCP Haus nehmen, wobei man am besten sagt, dass man zum Restaurant Cascade möchte, welches ca. 2 Häuser weiter links vom RVCP-Haus ist. Die Motos sind mal mehr mal weniger sicher, aber das praktischste und am häufigsten genutzte Transportmittel. Man sollte auf einen gute sitzenden Helm achten, und kann dem Fahrer gegebenenfalls vorher oder während der Fahrt „Buraho“ sagen, was „langsam“ bedeutet. Außerdem ist es sinnvoll, wenn man die Preise soweit im Kopf hat, vorher einen Preis auszuhandeln. (In Butare selber ist 300 Rwf Standard)
(*)= siehe Unterkunft

Kommunikation

Eine ruandische Simkarte habe ich zusammen mit Guthaben für Mobile Daten von MTN direkt am Flughafen in Kigali gekauft, was wirklich problemlos lief. Die Netzabdeckung und somit der Internetzugang über mobile Daten in Ruanda ist fast besser als in Deutschland.
In einige Internet-Cafés gibt es WLAN, in der Unterkunft selber nicht.
Für iPhone Besitzer ist an eine Büroklammer oder den speziellen Öffner für das Simkarten-Fach zu denken.

Unterkunft

Um einen Platz im RVCP-Haus habe ich mich relativ kurzfristig selber gekümmert, da der Kontakt zu Alexis irgendwann ziemlich mau wurde. Somit habe ich den derzeitigen RVCP-Koordinator einfach gegoogelt und angeschrieben und die Buchung vereinbart. Die verhältnismäßig teure Unterkunft kostet 200$ pro Monat und beinhaltet ein Bett in einem 2-Bett oder 4-Bett Zimmer (insgesamt 8 Betten), eine Küchenzeile und ein gemütliches Wohnzimmer mit Kühlschrank. Der Vorteil im Gegensatz zum 60$ teuren Fox-Hostel besteht vor allem in der Küche und dem netten Anschluss über RVCP, sowie das kleine Wohnzimmer. Außerdem geht laut Internetseite 40% des Geldes den RVCP Projekten zu Gute. Ich kann die Unterkunft somit für einen Aufenthalt von einem Monat auf jeden Fall empfehlen. Außerdem klappt es manchmal, dass man von den RVCP Studenten am Flughafen abgeholt und zum Busbahnhof/Hotel in Kigali gebracht wird, dass sollte aber wirklich gut vorher abgesprochen werden.

Literatur

Zu dem Punkt Vorbereitungen gehören auf jeden Fall noch eine Auseinandersetzung mit dem Projekt „Eat to fight your disease e.V“ (siehe Punkt Tätigkeitsbeschreibung), um eventuell schon im Vorhinein Spenden zu sammeln, und natürlich sich mit dem Land und seiner Vergangenheit zu beschäftigen.
Ich habe dazu das Buch „Pakt mit dem Teufel“ von Roméo Dallaire, dem damaligen UN-Kommandeur, der 1994 zur Friedenswahrung in Ruanda stationierten UNAMIR-Mission, bestellt, und vorher und während des Aufenthaltes gelesen. Dieses beschreibt sehr (!) genau alle seine und andere politische Handlungen und Geschehnisse. Außerdem kann ich den Bradt Guide als Reiserührer empfehlen, welcher sowohl für die Vorbereitung als auch vor Ort sehr hilfreich und detailliert geschrieben ist.
Das kleine „Kinyarwanda“ Lexikon von Kauderwelsch gab es zu meinem Aufenthaltszeitpunkt noch vor Ort im RVCP Haus, sodass man es nach Absprache bestimmt mal zum Markt oder sonstigem mitnehmen kann. Außerdem habe ich mich im Internet über die studentische Organisation RVCP und deren Projekte informiert.

Mitzunehmen

Die ETFYD-Gruppe wird bald eine Packliste veröffentlichen, welche man dann warscheinlich der Exchange-Facebookgruppe entnehmen kann. OP-Kasacks, Desinfektionsmittel und Kittel sollten rechtzeitig organisiert werden, ich habe zum Beispiel eine Klinik für eine persönliche Spende (zum Eigenschutz und da lassen) angeschrieben. Wenn man organische Samen (Gemüse, Bohnen, etc.) auftreiben kann, wäre das für das Projekt auf jeden Fall hilfreich. Ansonsten sollte man auf mindestens knielange Kleidung achten, gerne kann man auch ältere Klamotten zum da lassen mitbringen, da RVCP Kleidung an Bedürftige verteilt. Falls man etwas sportlich ist, lohnen sich Sportklamotten für Wanderausflüge oder lokale Sportangebote.

Reise und Ankunft

Zur Anreise, siehe Verkerhsverbindungen. Ich bin am Samstagabend in Kigali angekommen, habe dort eine Nacht in dem „Backpacker“-Hostel verbracht und bin am Sonntag mit dem Bus nach Butare gefahren. Dort wurde ich von dem RVCP Koordinator empfangen, und durch Butare geführt. Man kann aber ansonsten durchaus bereits in Kigali zum Memorial Center oder Kimoronko Market, wenn man ein bisschen mehr Zeit vor Praktikumsbeginn hat. Am ersten Famulaturtag bin ich direkt um 7.30 Uhr zur Frühbesprechung in die Pädiatrie gegangen, habe mich kurz vorgestellt und habe danach die Administration (bei Elias) und Bezahlung der Krankenhausgebühr (National Bank of Rwanda) erledigt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Klinik
Ich habe die, das Projekt begleitende, Famulatur in der Pädiatrie des CHUB verbracht. Man kann über die Zeit problems innerhalb der verschiedenen Unterabteilungen (Neonatoligie, Kangaroo-Mother-Care, „Intensivstation“, HDU (high dependent unit)) rotieren, jedoch ist es schon gern gesehen, dass man mindestens eine Woche in der jeweiligen Abteilungen verbringt. Andere Austauschstudenten haben oft auch in andere Fachrichtungen gewechselt, um mindestens mal „einen afrikanischen OP-Saal“ zu sehen. Ich persönlich fand die Mentalität des ständigen Wechseln eher unangebracht, da man so keiner Abteilung richtig eine Chance gibt, und man auch keine wirklich Hilfe ist. Nur eine Sectio und die anschließende U1/Apgar-Erhebung habe ich mir mal angeschaut, da kann man sich am besten bei einem Gyn-Studenten anschließen. Die Tage in der Pädiatrie begannen mit einer meist interessanten Morgenrunde (7.30 Uhr), wo die Aufnahmen und ein komplexer Fall ausführlich besprochen wurden. Außerdem fand morgens manchmal eine Präsentation von Residents zu prävalenten Krankheitsbildern oder eine praktische Schulung statt. Da die akademische Sprache Englisch ist, findet zumindestens in der Pädiatrie die gesamte Morgenrunde auf englisch statt, jedoch machte es der Akzent manchmal doch etwas schwierig hinterher zu kommen. Generell war in der Pädiatrie aber hohe Lehrbereitschaft auf Seite der Oberärtze, sodass man oftmals etwas gefragt wurde und nachlesen sollte, oder auch mal eigene Präsentation halten sollte. Deswegen kann ich nur empfehlen sich ein Pädatriebuch und Notizbüchlein mitzunehmen.
Nach der Morgenrunde ging es dann in die jeweiligen Patientenzimmer. Dort habe ich nach etwas Einarbeitung die tägliche Untersuchung und Dokumentation von 1-3 Patienten übernommen, die man dann in der Visite präsentieren musste. Bei der Anamnese halfen einem ruandische Pfleger oder Studenten. Gemeinsam mit dem Assistenz- und/oder Oberarzt wurde anschließend das weitere Vorgehen besprochen, wobei man sich sehr gut einbringen konnte. Damit war der Tag oft schon mittags vorbei, jedoch wurde es sehr gerne gesehen, wenn man sich mal der Nachmittags-/Abendschicht anschließt. Das habe ich zwar nur zwei Mal gemacht, dennoch schien eine hohe Anerkennung dafür da zu sein. So blieb noch genug Zeit für das Projekt, sonstige Unternehmungen und das Nachlesen/-arbeiten verschiedener Inhalte.
Allgemein war die Lehre unerwartet gut, aber wie immer natürlich, abhängig von der individuellen Motivation des Arztes.

Hilfsprojekt „Eat to fight your disease“
Ich habe mich bereits in Deutschland mit dem Projekt auseinandergesetzt und Kontakt zu verschiedene Aktiven aufgenommen um mich besser vorbereiten zu können und einen Überblick über die Möglichkeiten zu erhalten. „Eat to fight your Disease e.V.“ (im Folgenden ETFYD) ist mittlerweile ein eingetragener Verein, der das Anliegen hat, quasi als Pilotprojekt, die Ernährungssituation in ruandischen Krankenhäusern zu verbessern. So sind viele Patienten unterernährt, und haben, aufgrund der fehlenden Bereitstellung von Krankenhausessen, Schwierigkeiten zu genesen. Da das CHUB als Universitätskrankenhaus zur spezialisierteren Patientenversorgung gehört, sind viele Patenten weit entfernt von ihrer Heimat, was die Versorgung im Krankenhaus durch Angehörige erschwert. Außerdem haben manche Patienten seit dem Genozid gar keine Angehörigen mehr, die sie versorgen könnten oder es fehlen schlicht und einfach die finanziellen Mittel dazu. Deshalb hat es sich ETFYD gemeinsam mit der amerikanischen Organsiation „K.U.“ zum Ziel gemacht, dieser Unterversogrung entgegen zu wirken.
Letztendlich geht es vor Ort vor allem darum, möglichst alle Zuständigen zu kontaktieren und interviewen um einen aktuellen Status des Projekts erheben zu können und diese Informationen am besten noch ansprechend gestaltet auf der Facebookseite zu veröffentlichen.
Zusätzlich sollte man möglichst individuelle Erfolgstorys des Projektes festhalten, also Patienten vorstellen die davon profitieren und mit deren Erlaubnis weitere Facebook-Posts veröffentlichen. Weiterhin ist es wünschenswert, dass viele ruandische Ärzte, Pfleger und Studenten von dem Projekt erfahren, damit alle in Frage kommenden Patienten auch tatsächlich versorgt werden.
Außerdem kann man bei der Essensausgabe helfen, oder auf dem Feld mitarbeiten, jedoch trägt sich das Projekt auch ohne unsere Anwesenheit selber, sodass der Hauptaugenmerk wie gesagt darauf liegt, Leute davon zu begeistern, Spenden zu generieren und vor Ort Kontakte zu pflegen.
Dies kann man natürlich auch schon im Vorhinein tun, indem man vielleicht erst einmal im privaten Bereich für Food-Patenschaften oder auch einmaligen Spenden wirbt.
Wie bereits erwähnt, können auch gerne Samen von Gemüse mitgebracht werden.
Diese sollten jedoch 100% organisch sein, da dass ein Prinzip des Anbaus ist.
Auch im Nachhinein ist eine Mitarbeit im Projekt von Deutschland aus gerne gesehen, auch wenn man nur (eine) kleine Aufgabe(n) übernimmt, da alle Aktiven ebenfalls gut ausgelastete Medizinstudierende und Ärzt*innen sind.

Land und Leute

Ruanda ist relativ klein, sodass man mit Bussen vieles am Wochenende besichtigen kann. Die Landschaft hat wirklich einiges zu bieten, ob man nun zum Lake Kivu oder zum Njungwe Regenwald fährt. Außerdem sind die Genocide Memorials natürlich ein must-do, um sich aus ruandischer Sicht mit dem Genozid zu beschäftigen. In Butare selber gibt es ein ethnisches Museum, welches die traditionelle Lebensweise thematisiert und wirklich viel Anschauungsmaterial beherbegt. Außerdem kann man sich dort das Training der Tänzer*innen anschauen, welche auch professionelle Vorführungen anbieten. Ein weiteres Museum gibt es in Kibuye am Lake Kivu, welches unteranderem Praktiken traditioneller Medizin ausstellt.
Zum Ende meines Aufenthaltes habe ich mit zwei Freunden einen Ausflug zu den Vulkanen gemacht, welches sich Landschaftlich ebenfalls sehr gelohnt hat. Auch wenn man den horrenden Preis für das Gorilla-Tracking (1500$) warscheinlich nicht zahlen möchte, hat man die Möglichkeit auf den anderen Trails ebenfalls Gorillas zu sehen. Bei unserem Aufstiegt zum Vulkansee (Bisoke-Trail) war das zwar nicht der Fall, jedoch haben sich die Kosten und mühen für die Aussicht und die Natur auf jeden fall gelohnt.
Jedoch sollte man bei Touristenattraktionen sehr genaue Preisabsprachen treffen, da es sonst schon mal zu unterschiedlichen Vorstellungen und Missverständnissen kommen kann. Generell ist es besser, Ausflüge mit einigen Personen zu planen, da man sich so einige Kosten (Transport im Auto) teilen kann.
Was das Essen angeht, war die Selbst-Verpflegung sehr gut zu organisieren, denn man konnte fast alle üblichen Lebensmittel auf dem Markt oder im Supermarkt bekommen.
Die Bevölkerung ist sehr herzlich und hilfreich, und freut sich immer einem ein paar Brocken Kinyarrwanda bei zu bringen oder einen durch die Gegend zu führen. Verständigen konnte man sich immer irgendwie, jedoch war es natürlich am leichtesten mit Studenten, akademischen Krankenhauspersonal oder Touristenführern in Kontakt zu kommen. Dabei hatte ich das Gefühl, dass die Ruandesen schon sehr interessiert an einem Austausch waren, einem gerne von den Vorzügen des Landes erzählt haben und generell offen für viele Themen waren. Dennoch fiel es mir nicht leicht, das Thema des Genozides und der aktuellen Lage mit den verschiedenen Bevölkerungsgruppe, sowie die derzeitige Politik differenziert zu diskutieren. Eigentlich alle Menschen dort schienen unglaubliche Fans von Paul Kagame und seiner Regierung zu sein. Jedoch nimmt Ruanda mit seiner stabilen Lage, gut ausgebauten Infrastruktur und wirtschaftlichem Aufschwung auch besondere Position des afrikanischen Kontinentes ein.

Fazit

Ich könnte mir nicht vorstellen, dort dauerhaft zu arbeiten, da die Kultur und Arbeitsmentalität schon sehr unterschiedlich ist, und mir die Immunschwäche vorhandene Sonderstellung als weiße Person nicht immer leicht fiel. Außerdem konnte ich auch deutliche Klassenunterschiede innerhalb der Bevölkerung feststellen, welche natürlich auch in Deutschland existieren, aber viel weniger stark ausgeprägt sind. Jedoch kann ich mir sehr gut vorstellen wieder dorthin zu reisen, um Freunde wieder zu treffen, zu sehen wie die rasante Entwicklung des Landes und des Projektes weiterging und eventuell von dort aus Uganda und Kenia zu erkunden. Abschließend würde ich jedem, der sich auf etwas Neues einlassen kann und möchte und daran interessiert ist eine neue Kultur kennen zu lernen, empfehlen, nach Ruanda zu gehen. Es ist eine einzigartige Möglichkeit über den Tellerrand zu schauen, und ein tolles Projekt zu unterstützen.

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