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Neurologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Paul, Freiburg

Motivation

Ich wollte Einblick in ein anderes Gesundheitssystem gewinnen und dabei noch in einem schönen Land reisen.

Vorbereitung

Die Vorbereitung war eher minimal: Ich habe mir einen Reise- und einen Wanderführer gekauft (siehe unten) und mit mit Bekannten unterhalten, die in letzter Zeit dort waren. Es gab eigentlich keinerlei Schwierigkeiten.

Visum

Für Island ist kein Visum nötig. Die Einreise ist mit einem deutschen Personalausweis möglich.

Gesundheit

Außer wetterfester und warmer Kleidung sind für Island an sich keine besonderen Vorkehrungen nötig. Allerdings muss man einen negativen Tuberkulose-Test, einen negativen MRSA-Abstrich und einen Hepatitis-B-Impfschutz nachweisen. Zum Glück hat der betriebsärztliche Dienst meiner Uniklinik das übernommen. So wirklich hat es in Island dann niemanden interessiert. Das schien aber eher Zufall zu sein - andere Austauschstudis wurden danach gefragt.

Sicherheit

Auf Sicherheitsvorkehrungen kann man in Island meines Erachtens ziemlich pfeifen. Die größte Gefahr dürfte ein Vulkanausbruch sein und vor dem kann man sich wohl schwer schützen. Am ehesten indem man sich beim Wandern in Vulkangebieten vorher informiert, was im Fall des Falles zu tun ist und welche Signale dann ausgesandt werden.

Geld

Es wird in Isländischen Kronen (ISK) bezahlt. Vor Ort wird viel mit Kreditkarte bezahlt. Ich hatte nur eine EC-(maestro-)Karte dabei, womit ich auch gut durchgekommen bin. Geld abheben ist damit kein Problem. Am Flughafen schienen mit die Wechselgebühren etwas höher als in der Stadt. Es gibt ansonsten aber keinen Grund, vorher Geld zu wechseln.
Die Lebenshaltungskosten sind sehr hoch, circa 2-3 mal so hoch wie in Deutschland. Das gilt besonders für Alkohol.

Sprache

Landessprache ist isländisch. Isländisch ist eine skandinavische Sprache und somit mit norwegisch, schwedisch und dänisch verwandt. Leider haben mir meine (gar nicht so schlechten) Norwegisch-Kenntnisse im alltäglichen Umgang wenig gebracht.
Dafür sprechen fast alle relativ gut Englisch. Ob sie darauf auch Lust haben, ist jedoch individuell sehr unterschiedlich. Mit den Patient*innen wird natürlich isländisch gesprochen.

Verkehrsbindungen

Ich bin mit der isländischen low-cost-Airline WOW Air geflogen, die von verschiedenen deutschen Flughäfen fliegt. Gabelflug Berlin-Keflavik-Frankfurt kostete 300 Euro. Dafür sind Ankunft und Abflug dann meist mitten in der Nacht. Ist aber kein Problem, weil die Flughafen-Busse fast die ganze Nacht fahren.
Wer etwas mehr Zeit hat, kann natürlich auch mit der Fähre fahren und noch einen Abstecher auf den Färöer-Inseln machen.
Vor Ort ist der ÖPNV ausschließlich mit Bussen organisiert. Für den Stadtverkehr in Reykjavik bekommt man erfreulicherweise ein Monatsticket von IMSIC gestellt.

Kommunikation

Island ist Teil des europäischen Roaming-Abkommens, sodass Telefonieren dort zu den selben Preisen wie innerhalb Deutschlands möglich ist.
Im Wohnheim wie auch im Krankenhaus gibt es WLAN. Im Wohnheim war der Empfang leider nicht überall ausreichend.

Unterkunft

Die Unterkunft war ein separates Gebäude neben dem Psychiatrie-Gelände. In dem Haus waren alle 12 IFMSA-Austauschstudis in 1- bis 4-Bett-Zimmern untergebracht. Bettwäsche gab es vor Ort.
Es gibt eine spartanisch eingerichtete Küche mit 4 Kochplatten und einem Kühlschrank. Außerdem 2 Bäder mit Klo und ein separates Klo ohne Licht. Das Haus ist eher ein bisschen ranzig, aber für einen Monat ist es allemal okay.

Literatur

Ich hatte dabei:
- Island: Trekking-Klassiker (Der Weg ist das Ziel), Erik Van de Perre, Conrad Stein Verlag (Outdoor-Reihe) - fand ich gut
- Reiseführer Island, Erik Van de Perre, Bruckmann Verlag - fand ich nicht so gut

Empfehlenswert soll außerdem sein:
- Island. Die schönsten Küsten- und Bergwanderungen. 55 Touren, Rother Wanderführer

Für einen ersten Einblick lohnt sich außerdem:
http://de.visiticeland.com/
http://www.visitreykjavik.is/

Mitzunehmen

Ich hatte ausreichend Outdoor-Equipment dabei. Mit Zelt, Schlafack, Isomatte, festen Schuhen und langer Unterwäsche spart man sich einigen Stress und kann einiges erleben. Unverzichtbar ist natürlich wetter- und regenfeste Kleidung.

Als überflüssig hat sich hingegen mein Kittel herausgestellt, weil Kasaks vor Ort von der Klinik gestellt werden.

Reise und Ankunft

Die Anreise verlief problemfrei. Obwohl die meisten Flüge nachts ankommen, bieten die Contact Persons an, vom Busbahnhof in Reykjavik zur Unterkunft zu shutteln. Was sich etwas merkwürdig anfühlt, aber bei der Ankunft natürlich sehr angenehm ist.
Es kommt auch am ersten Tag im Krankenhaus immer eine Person mit, um Orga-Krams abzuklären und einen beim Betreuer auf Station vorzustellen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war wie alle IFMSA-Studis in der Uniklinik in Reykjavik. Diese hat zwei Standorte und ist das einzige große Krankenhaus der Insel. Es gibt noch 4 weitere Akutkliniken, die an den vier Enden der Insel verteilt sind, jedoch nur für die Grundversorgung zuständig sind. Alle komplexeren Fälle müssen nach Reykjavik verlegt werden. Insbesondere gibt es dort keine dauerhafte fachärztliche Versorgung. Gelegentlich reisen die Fachärzt*innen aus Reykjavik in die kleineren Häuser und bieten dort Sprechstunden an um die ambulanten Patient*innen dort zu versorgen.

Am ersten Tage wurden alle zunächst zur Verwaltung begleitet und dann auch auf die Station und dort unseren Betreuer*innen übergeben. Grundsätzlich kamen wir morgens zur Frühbesprechung, die leider auf isländisch abgehalten wurde, sodass wir dort nichts verstanden haben. Dennoch schien uns, dass eigentlich erwartet wurde, dass wir anwesend sind. Gelegentlich gab es am Ende der Morgenbesprechung auch kurze Vorträge oder Fallvorstellungen, die teils uns zuliebe auf Englisch gehalten wurden. Ich war eigentlich in der Neuro-Ambulanz eingeteilt, die von einem einzigen Assistenzarzt geschmissen wurde. Dessen Hauptbeschäftigung war es, am Telefon mit den Hausärzt*innen und anderen Niedergelassenen über die Behandlung gemeinsamer Patient*innen zu reden - natürlich auf isländisch. Leider hat er mir in den ersten Tagen auch auf Nachfrage nicht klar kommuniziert, wie sein Tagesablauf aussieht und war auch nicht wirklich ansprechbar um darüber zu reden, wo ich sinnvoll aufgehoben wäre. Als ich nach einigen Tagen verstanden hatte, dass ich dort nur meine Zeit absitzen werde, habe ich mich dann eher den anderen Austauschstudis auf der Station angeschlossen und bin bei den Visiten mitgelaufen. Dort konnten wir meist aushandeln, dass uns jemand ein bisschen übersetzt. Teils konnten wir dann auch mit in die Notaufnahme gehen und dort Patient*innen sehen. Allerdings hatten wir insgesamt kaum die Möglichkeit, selber Patient*innen zu betreuen und zu untersuchen.

Als Ende August die isländischen Studis nach den Sommerferien die isländischen Studis in die Klinik kamen, wurde etwas netter und abwechslungsreicher. Die konnten uns einiges übersetzen, zeigen und erklären. Außerdem gab es ab da auch Lehrveranstaltungen, die dann unseretwegen teils auf Englisch abgehalten wurden. Ab da hatte meine Famulatur dann eher den Charakter eines Blockkurses - war aber unter dem Strich interessanter als zu Beginn. So hat mir die Famulatur zumindest als kleiner refresher gedient. Wirklich viel gelernt, insbesondere was praktische Fertigkeiten angeht, habe ich aber leider nicht.

Land und Leute

Ich bin zu Beginn erstmal den Laugarvegur von Skogar nach Landmannalaugar gelaufen - eine sehr beliebte Mehrtageswanderung, ca. 4 Busstunden von Reykjavik entfernt. Auch wenn die Wanderung sehr beliebt und entsprechend stark frequentiert ist, kann ich es tatsächlich sehr empfehlen, weil die Landschaft sehr abwechslungsreich ist. Wenn man in Landmannalaugar kommt dann als Highlight das Bad in den heißen Quellen. Das war sicherlich das Highlight meines Aufenthalts und wirklich sehr empfehlenswert. Es lohnt sich dafür natürlich, Zelt, Schlafsack und Isomatte und wetterfeste Kleidung mitzunehmen.
Sehr empfehlenswert fand ich auch den Ausflug nach Hveragerdi - ca. eine Busstunde von Reykjavik entfernt und somit gut als Nachmittagsausflug auch wochentags nach der Klinik zu machen. Mit den öffentlich Bussen ist die Anreise sehr günstig und der letzte Bus zurück nach Reykjavik fährt auch recht spät. In und um Hveragerdi stehen die isländischen Öko-Gewächshäuser, die die Insel mit Gemüse und Obst versorgen - auf Grundlage geothermischer Energie. Vor allem kann man aber in ca. 1 Stunde zu einem heißen Fluss wandern (vom Busbahnhof zum Startpunkt am besten trampen), in dem man hervorragend baden kann. Auch hier ist man natürlich nicht alleine, aber gerade gegen später werden es doch weniger Leute und ich fand es wunderschön dort.
Auch den Golden Circle sollte man sich m.E. nicht entgehen lassen. Es handelt sich um eine Rundtour zu mehreren Naturwunder rund um Reykjavik: Geysire, Erdspalte zwischen Europa und Amerika, Gullfoss - ein ziemlich beeindruckender Wasserfall, und noch einiges mehr. Wenn man sich nicht stressen will, sollte man dafür schon einen Tag einplanen. Dann hat man Zeit, sich alles in Ruhe anzugucken. Leider hatten wir an dem Tag ziemlich beschissenes Wetter, aber schön war es trotzdem. Wir haben uns dazu zu dritt ein Auto gemietet, was dann günstiger war, als eine geführte Bustour und uns natürlich auch mehr individuelle Gestaltungsmöglichkeiten gelassen hat.
Insgesamt ist Island ein sehr entspanntes aber sauteures Reiseland. In den letzten Jahren ist Island von einer Tourismuswelle überflutet worden, was man natürlich auch als Touri merkt. Zum einen, weil die Tourismus-Infrastruktur entsprechend gut ausgebaut ist - zum anderen aber auch weil man vielen Leuten schon anmerkt, dass sie davon etwas abgegessen sind und sich entsprechend nicht so sonderlich auf Touris einlassen. Das kann man auch gut verstehen, wenn im Sommer auf der Insel mehr Touris als Inselbewohner*innen sind. Außerdem führt der Tourismusboom zu einer neuen Immobilienblase und ich habe einige Leute getroffen, die sagten, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis Island in die nächste Wirtschaftskrise rutscht. Für die Leute macht sich der Tourismus insbesondere an deutlich steigenden Mieten bemerkbar und dadurch, dass bisher als Wohnraum genutzte Gebäude nun als Touri-Unterkünfte genutzt werden.
Fürs Essen sollte man wahrlich nicht nach Island reisen. in Restaurants essen ist ohnehin nicht bezahlbar, aber auch die Preise im Supermarkt sind ziemlich hoch und die Auswahl begrenzt. Aber für ein paar Wochen war das für mich schon auszuhalten.

Fazit

Ich hatte unter dem Strich eine sehr schöne Zeit in Island. Als Reiseland würde ich es auf jeden Fall empfehlen, auch wenn es durch den Tourismusboom natürlich etwas ausgelutscht ist. Von der Famulatur selbst war ich nicht so begeistert, hatte allerdings auch nicht die höchsten Erwartungen.

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