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Brazil (IFMSA-Brazil)

Chirurgie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Anna, Frankfurt am Main

Motivation

Schon seit Beginn meines Studiums hatte ich den Wunsch, eine Zeit im Ausland zu verbringen,
da sich im Medizinstudium dazu glücklicherweise zahlreiche Gelegenheiten ergeben, in Form von Auslandsfamulatur, Forschungsaustausch oder PJ-Tertial im Ausland.
Der Famulantenaustausch über die BVMD schien für mich perfekt, da man nicht nur organisationstechnisch sehr gut unterstützt wird, sondern auch den Anschluss an die einheimischen Studierenden hat.
Fasziniert hat mich an dieser Möglichkeit, dass man neben dem Sammeln von fachlichen Erfahrungen gleichzeitig auch eine neue Sprache lernen kann, Menschen aus aller Welt und ein fremdes Land kennenlernt und sich meiner Meinung nach in jeglicher Hinsicht weiterentwickelt.
Für Brasilien habe ich mich entschieden, weil ich schon immer gerne mal nach Südamerika reisen wollte und man für die Bewerbung im Gegensatz zu anderen südamerikanischen Ländern lediglich ein Englischzertifikat und keines in der Landessprache portugiesisch benötigt.
Außerdem las ich viele Erfahrungsberichte, in denen von Brasilien sehr geschwärmt wurde, sodass die Entscheidung schließlich klar war.

Vorbereitung

Die Bewerbung für den Austausch erfolgte im Vorjahr, für welche ich alle wichtigen Dokumente rechtzeitig im Onlineportal hochladen musste.
Hierzu gehört unter anderem ein Sprachzertifikat der Heimatuni (wie gesagt in englisch und nicht in portugiesisch).
Als ich dann im Dezember 2016 meine Zusage erhielt, habe ich langsam angefangen, mich auf den Austausch vorzubereiten.
Da es mir persönlich wichtig war, wenigstens etwas portugiesisch zu sprechen, begann ich, mich mit der Sprache auseinanderzusetzen. Hierzu schreibe ich später noch mehr.
Pre-Departure-Training: Dieses von der BVMD in Tübingen organisierte Wochenende war eine tolle Gelegenheit, um sich mit Medizinstudierenden aus ganz Deutschland über unsere geplanten Auslandsaufenthalte auszutauschen und in Workshops Themen wie kulturelle Unterschiede zu diskutieren. Kein Muss, aber sehr empfehlenswert!
Facebookgruppen: Es gibt viele Facebookgruppen, in denen man Gleichgesinnte und eventuell Mitreisende vorher schon anschreiben, Tipps und Ideen austauschen, sowie sich eventuell für gemeinsame Trips verabreden kann.
Leider habe ich meine endgültige Zusage erst knapp zwei Monate vorher erhalten, sodass der Flug zu diesem Zeitpunkt schon ziemlich teuer war. Zum Glück unterstützt einen die BVMD mit einem großzügigen Fahrtkostenzuschuss (rechtzeitig um die Beantragung kümmern!)

Visum

Ich brauchte kein Visum für einen Aufenthalt unter 90 Tagen.
Hier informiert man sich am besten über den aktuellen Stand auf der Seite des Auswärtigen Amtes.

Gesundheit

Impfungen: Hierfür sollte man sich auch rechtzeitig in einer Impfambulanz beraten lassen, wie der aktuelle Stand ist. Ich musste auf jeden Fall noch ein paar Impfungen auffrischen, eine Geldfieberimpfung war beispielsweise für die Einreise vorgeschrieben.
Da man sich gegen Krankheiten wie das durch Mücken übertragene Dengue-Fieber in Deutschland nicht impfen lassen kann, sollte man entweder ein Mückenrepellent einpacken oder dann auf jeden Fall vor Ort kaufen.
Versicherungen: Hierfür bietet beispielsweise die Deutsche Ärzte Finanz speziell für Auslandsfamulaturen ein günstiges Paket aus Auslandsreisekranken-,Haftpflicht- und Unfallversicherung an. Am besten frühzeitig einen Termin machen und beraten lassen.
Medikamente gegen Magenverstimmungen im Gepäck zu haben ist sicherlich ebenfalls sinnvoll, da es den ein oder anderen ja dann doch einmal erwischt :D
Spezielle Untersuchungen waren für meine Famulatur allerdings nicht erforderlich.

Sicherheit

Brasilien ist im Vergleich zu Deutschland ein unsicheres Reiseland, was einen aber auf keinen Fall davon abhalten sollte, dorthin zu reisen.
Als Vorbereitung habe ich mir einen MoneyBelt gekauft, den man wie einen Gürtel unter der Kleidung trägt und dort Kreditkarte und Handy unterwegs gut verstauen kann. In meiner Tasche hatte ich dann trotzdem immer einen kleinen Geldbeutel, in dem ich etwas Bargeld drin hatte und den ich im Falle eines Überfalls gut hätte rausgeben können. Dennoch ist mir in meinen 8 Wochen Aufenthalt nichts dergleichen passiert. :)
An zusätzlichen Versicherungen ist noch eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu erwägen, da man die hygienischen Zustände in den brasilianischen Krankenhäusern vorher vielleicht nicht immer gut einschätzen kann. Ich persönlich habe mich dagegen entschieden und bin im Nachhinein auch froh, da ich mich nie einem erhöhten Risiko in Bezug auf Nadelstichverletzungen o.Ä. ausgesetzt gefühlt habe.

Geld

In Brasilien zahlt man mit Real. Ich hatte immer etwas Bargeld, das ich noch in Deutschland und dann auch vor Ort gewechselt oder direkt am Automaten abgehoben habe.
Ansonsten kann man in Brasilien aber auch sehr gut mit Kreditkarte zahlen.
Hier gibt es mittlerweile auch viele gute Angebote für Auslandsreisen. Am besten frühzeitig beantragen, falls man noch keine hat.
Die Preise in Brasilien sind unterschiedlich, je nachdem wo man sich befindet.
Im untouristischen Nordosten waren die Lebenshaltungskosten günstiger, in Rio jedoch Essengehen zum Beispiel teilweise sehr teuer. Transportmittel sind hingegen sehr günstig.
Je nachdem, wie gut man es sich im Land gehen lässt, kann das Reisen sehr unterschiedlich teuer sein und es lässt sich schwer verallgemeinern. Wissen sollte man, dass die Distanzen in Brasilien sehr viel größer sind, als man es von Deutschland gewohnt ist, sodass man für Reisen innerhalb Brasiliens öfter auch auf das Flugzeug zurückgreifen muss.

Sprache

Mir persönlich war es wichtig, portugiesisch zu lernen, um mehr von der Famulatur an sich und dem Aufenthalt im Land zu profitieren.
Deshalb habe ich mit dem Erasmussprachprogramm der Uni im Internet, sowie mit der App Babbel geübt, einen einwöchigen Intensivsprachkurs belegt und auch in Brasilien nochmal 3 Wochen in einer Sprachschule vor Beginn der Famulatur verbracht.
Es ist kein Muss, portugiesisch zu lernen, man sollte sich aber im Klaren sein, dass in Brasilien nicht viele Leute englisch sprechen (außer beispielsweise die den Austausch vor Ort organisierenden Studenten).
Zum Glück gab es in meiner Abteilung einen Assistenzarzt, der zusätzlich auch immer gerne übersetzt hat, wenn ich etwas nicht verstanden habe.
Es gab aber auch Austauschstudenten, die überhaupt kein portugiesisch konnten und trotzdem zurechtgekommen sind.
Letztendlich hängt es von der eigenen Motivation ab, aber je mehr Sprachkenntnisse, desto mehr wird man definitiv von der gesamten Erfahrung profitieren.

Verkehrsbindungen

Im Land kann man sich neben dem Fliegen auch gut mit Reisebussen fortbewegen, die ich als sehr komfortabel empfand.
Je nach Stadt bewegt man sich mit Bus, Metro oder auch zu Fuß.
Bei Einbruch der Dunkelheit haben wir uns jedoch fast immer ein Taxi oder ein Uber genommen.

Kommunikation

Sehr empfehlenswert ist es, sich für wenig Geld eine brasilianische Simcard mit mobilem Internet zuzulegen, damit man auch unterwegs immer erreichbar ist. Hierfür wird meistens eine sogenannte CPF-Nummer benötigt, die jeder brasilianische Staatsbürger besitzt. Hierbei können euch dann die einheimischen Studenten unterstützen.

Unterkunft

Die Unterkunft wird einem zum Glück von den Studenten vor Ort organisiert.
Je nach Stadt in Brasilien ist man in einem Hostel (so zum Beispiel in Recife) oder in meinem Fall in einer Gastfamilie untergebracht. Ich hatte ein eigenes Zimmer mit Schrank, Bett und Schreibtisch und auch einen eigenen Schlüssel, sodass ich immer kommen und gehen konnte, wann ich wollte.
Meine Gasteltern waren sehr freundlich und bemüht, aber da sie viel und lange arbeiten mussten, haben wir uns nicht oft gesehen. Auch meine Gastschwester, die selbst Medizinstudentin war, hatte leider nicht viel Zeit.
Dafür habe ich viel mit den anderen Austauschstudenten unternommen und bin über das Wochenende verreist.
Bei meiner Gastfamilie arbeitete noch eine sehr liebe Hausangestellte, die mir jeden Tag Essen kochte. Auch sonst durfte ich mich an allen Lebensmitteln bedienen. Zuerst war es mir etwas unangenehm, von der Hausangestellten „bedient“ zu werden, in Brasilien ist dies jedoch nicht unüblich und je besser wir uns kennenlernten, desto entspannter wurde auch die Stimmung. Am Ende haben wir uns viel unterhalten und auch mal gemeinsam gekocht.

Literatur

An Internetseiten empfehle ich die Seite des Auswärtigen Amtes für aktuelle Einreisevorschriften und Impfempfehlungen. Ansonsten hatte ich mir noch den aktuellen Brasilienreiseführer von Lonely Planet zugelegt, mit dem ich sehr zufrieden war und mich im Vorhinein schon etwas über das Land zu informieren. Aktuelle Hostel-,Restaurant-und Ausgehtipps lassen sich aber auch leicht im Internet (TripAdvisor&Co) finden.

Mitzunehmen

Um das Packen zu erleichtern, sollte man sich informieren, in welchen Teil des Landes man reist und welches Klima dort zu welcher Zeit zu erwarten ist.
Da ich mich sowohl im Norden als auch im Süden aufgehalten habe, brauchte ich leider sowohl dicke Pullover, Schal und Jacke (für den Südosten), als auch Bikini und Sommerkleider (im Nordosten). Auch ein Regenschirm und Regenjacke kann je nach Region von Nöten sein.
Außerdem wie schon gesagt nochmal die typischen Sachen für ein tropisches Land: Sonnencreme & Mückenrepellent. Ein Adapter für brasilianische Steckdosen. Einen MoneyBelt, um in großen Städten die Wertsachen unter der Kleidung tragen zu können.

Reise und Ankunft

Bei meinem Flug nach Recife gab es keinerlei Probleme.
Bei dem Flug zu meinem Famulaturort 3 Wochen später verpasste ich jedoch meinen Anschlussflug in Sao Paulo nach Rio, sodass ich mit einer sehr freundlichen brasilianischen Familie 5 Stunden am Flughafen warten musste, was durch die Gesellschaft zum Glück auch kein Problem war.
In Rio holte mich dann meine Gastfamilie mit dem Auto ab, worüber ich sehr froh war, da es durch die Verspätung schon sehr spät am Abend war.
Vor Beginn der Famulatur hatte ich dann noch ein Wochenende Zeit, um die Stadt, meine Gastfamilie und die anderen Austauschstudenten kennenzulernen.
Am ersten Tag brachte mich dann meine Gastschwester auf die Station, wo ich sehr freundlich empfangen wurde.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Die Famulatur habe ich in der Plastischen Chirurgie absolviert und war an manchen Tagen in der Uniklinik, in der nur Eingriffe mit Indikation durchgeführt wurden, und an anderen Tagen in einem kleinen privaten Zentrum für vor allem ästhetische Eingriffe.
Aus diesem Grund konnte ich die ganze Bandbreite an Operationen wie Rekonstruktionen nach Tumoren oder (Brand-)Verletzungen aber auch Liftings an Gesicht und Bauch oder Brustvergrößerungen sehen.
Zwar durfte ich erst in der letzten Woche dann auch bei Operationen assistieren und nähen, aber es war auch davor sehr spannend, die ganzen vielfältigen Eingriffe mal hautnah mitzuerleben.
Den halben Tag wurde immer operiert und die andere Hälfte des Tages gab es eine Sprechstunde in der Ambulanz der Uniklinik, in der Fäden gezogen, Wunden begutachtet und Operationsindikationen gestellt wurden.
Montags gab es morgens eine Besprechung aller plastischen Chirurgen, in der einer der Assistenzärzte immer noch ein aktuelles Forschungsthema präsentierte.
An einem Nachmittag durften wir Austauschstudenten auch an einem Nahtkurs der brasilianischen Studenten teilnehmen..................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................

Land und Leute

Brasilien ist ein riesiges Land, das man nur sehr schwer mit wenigen Worten zusammenfassen kann.
Die Famulatur habe ich in Juiz de Fora gemacht, das sich von Rio in drei Stunden mit dem Bus erreichen lässt. Hier habe ich mich oft mit den anderen Austauschstudenten zum Essen oder in einer Bar getroffen. Im Kino laufen viele amerikanische Filme in der Originalfassung mit portugiesischen Untertiteln.
Da es in der Stadt aber ansonsten nicht so viel zu entdecken gab, sind wir am Wochenende viel verreist (in meinem Fall in benachbarte Kolonialstädte, zweimal nach Rio und einmal mit dem Flugzeug nach Salvador und vor der Famulatur der Aufenthalt im Nordosten).
Meiner Meinung nach sollte man die Zeit unbedingt nutzen, um sich viel von Brasilien anzusehen, da das Land wie gesagt unheimlich vielfältig ist!
Essenstechnisch gibt es sehr viel zu entdecken in Brasilien.
Besonders angetan hatten mir die super günstigen Caipirinhas, das koffeinhaltige Erfrischungsgetränk Guaraná, Tapiokas, die vielen leckeren Früchte und das schier unendliche Angebot an süßen Sachen!
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Fazit

Alles in allem war der Austausch nach Brasilien eine großartige Erfahrung, die ich jedem nur empfehlen kann. Besonders gut gefallen hat mir die brasilianische Gastfreundschaft, das Kennenlernen von Medizinstudenten aus der ganzen Welt, das wunderbare Essen, die schönen Strände, die einzigartige Atmosphäre von Rio de Janeiro, der Ausblick vom Zuckerhut, die wunderschönen bunten Kolonialstädte im Nordosten … Das Land ist so groß und vielfältig, sodass ich in meinen ganzen 8 Wochen noch lange nicht alles gesehen habe. Eine tolle Erfahrung muss es auch sein, Brasilien in der Zeit des Karnevals zu bereisen, der dort ja eine sehr große Rolle spielt und ausufernd zelebriert wird.
Zukünftigen Austauschstudenten möchte ich mitgeben, dass eine Auslandsfamulatur eine super Chance ist, ein fremdes Land intensiv kennenzulernen, wichtige Erfahrungen für das Studium und die eigene Persönlichkeit zu sammeln und Kontakte zu Medizinstudenten aus der ganzen Welt zu knüpfen.
Lasst euch nicht von den organisatorischen Hürden abschrecken und euch vor allem keine Angst einjagen, Brasilien zu bereisen.
Ich bin letztendlich super froh, diese wunderbare Chance genutzt zu haben.

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