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Zimbabwe (ZIMSA)

Pädiatrie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Nhung, Dresden

Motivation

Auslandsfamulaturen sind immer eine spannende und bereichernde Erfahrung. Sie ermöglichen, andere Gesundheitssysteme kennenzulernen, Medizin unter verschiedensten Bedingungen zu erleben, neue Kulturen zu entdecken und mit neuen Menschen in Kontakt zu treten. Es ist gerade dieser allbekannte Blick über Tellerrand, den ich so sehr schätze und so oft es geht suche.
Für mich stand fest, dass ich, um es salopp zu sagen, nach Afrika wollte. Dementsprechend fiel meine Länderwahl aus. Simbabwe war dabei auf dem ersten Platz, weil ich das Gefühl hatte, dass es im Vergleich mit bspw. Kenia und Tansania eher der "underdog" ist und ich neugierig über die tatsächliche Situation vor Ort war. Letzten Endes kann ich sagen, dass ich diese Entscheidung in keinem Fall bereut habe.

Vorbereitung

In Sachen Vorbereitung habe ich mich schlichtweg ein bisschen im Internet belesen. Aufgrund von Prüfungen und anderen Dingen vor Antritt der Famulatur würde ich aber nicht sagen, dass ich mega gut vorbereitet war. Ich bin das alles eher spontan angegangen (natürlich mit Ausnahme des Visumantrags und der Impfungen).
Was allerdings zu beachten ist, ist, dass man genug USD mitnehmen sollte. In Simbabwe herrschte zu dem Zeitpunkt meines Aufenthaltes immer noch eine große Finanzkrise und es war sehr schwer, im Land selbst, an Bargeld zu kommen.

Visum

Für Simbabwe gibt es drei Visum-Optionen: Entweder es wird keins benötigt oder man kann es bei Einreise bekommen oder man muss es schon vorher beantragt haben.
Da ich nicht die Deutsche Staatsbürgerschaft besitze, galt für mich letzteres. Hierbei ist zu beachten, dass sich die Botschaft in Berlin nicht um die Visaanträge kümmert, sondern alles nur online nach Simbabwe geschickt und dort bearbeitet wird. Nach anfänglichen Zweifel und Bedenken über die rechtzeitige Abwicklung, war ich überrascht, dass es so schnell ging und ich nach zwei Wochen die Genehmigung per Mail erhalten habe, die ich dann später am Flughafen vorzuzeigen hatte. Auch die Gebühr (ca. $30) wird erst bei Einreise gezahlt.
Am Flughagen werden die Visa nur für 30 Tage ausgestellt. Solltet ihr länger bleiben, so müsst ihr im Laufe eures Aufenthaltes ins Immigration Office im Stadtzentrum. Die Adresse wurde mir netterweise gleich am Flughafen gegeben. Der Verlängerungsantrag ist kostenlos, könnte aber evtl. mehr oder weniger Geduld von euch fordern. Ich musste im Endeffekt vier Mal dorthin, weil mir jedes Mal gesagt wurde, es fehle noch ein Dokument oder weil mein Antrag noch nicht bearbeitet worden sei, obwohl sie mir davor zugesichert hatten, er sei dann und dann fertig.
Im Nachhinein würde ich erst kurz (wirklich kurz) vor Ablauf des ursprünglichen Visums dorthin, damit ihr es gleich bekommt und nicht jedes Mal weiter nach hinten in die Schlange geschoben werdet, weil euch noch ein paar Tage mehr bleiben, bis es wirklich knapp wird. So viel zum Thema Zeitdruck...

Gesundheit

Ich hatte keine "besonderen" Vorkehrungen getroffen außer mich in der Tropenmedizin beraten zu lassen und mir ein paar fehlende Spritzen geben und Malariaprophylaxe verschreiben zu lassen.
Entgegen der Exchange Conditions von Simbabwe braucht ihr aber keinen Röntgen -Thorax. Ich wurde weder bei Einreise noch sonst irgendwann danach gefragt. Später stellte sich heraus, dass simbabwische Austauschgruppe es selbst nicht genau wusste und es einfach sicherheitshalber einfach hingeschrieben hatten.

Sicherheit

Versicherungstechnisch hatte ich nur das Übliche – Auslandsreisekrankenversicherung und berufliche Haftpflichtversicherung für die Arbeit im Krankenhaus.
Ich hatte im Vorfeld einige Bedenken, was die Sicherheitslage und allgemeine Situation in Simbabwe betrifft. Aus Nachrichten und diversen Seiten, wie auch beim Auswärtigen Amt, klang es eher unsicher und nicht gerade angenehm.
Diese Gedanken warf ich aber bei meiner Einreise und als ich dann ein paar Tage dort war, über Bord. Abgesehen von der schlechten wirtschaftspolitischen Lage, die das Land schon so lange bedrückt, hat sich der Rest nicht bewahrheitet. Ich habe mich nie unsicher gefühlt und bin auch öfters alleine durch die Stadt getigert. Natürlich habe ich mich dabei nicht in den hintersten Ecken von Harare herumgetrieben, aber dennoch würde ich sagen, dass das Bild von Simbabwe im Ausland negativer gezeichnet wird als es wirklich ist.

Geld

Im Zuge der Inflation wurde in Simbabwe vor geraumer Zeit der USD als Währung eingeführt. Als Ergänzung gibt es außerdem die landeseigenen Bond Notes, weil nicht genügend Dollarscheine im Umlauf sind. Diese Bond Notes sind 1:1 zum USD. Bei Einkäufen kann mit dem einen oder anderen bezahlt werden oder mit beidem zusammen.
Möchtet ihr allerdings Bond Notes umtauschen in USD, so muss zwangsweise mit Verlusten gerechnet werden, weil der USD so rar gestreut und begehrt ist. Und Bond Notes sind außerhalb Simbabwes wertlos, weil sie per se keine richtige Währung darstellen.
Im Land wird aber mehr und mehr auf Kartenzahlung umgestiegen, sodass wir recht gut bargeldlos unterwegs waren. Und ansonsten hatten wir glücklicherweise ausreichend USD vor Einreise eingepackt.

Die Lebenshaltungskosten im Land sind niedrig – wenn man nicht die ganze Zeit auswärts ist. Die meisten Restaurants, die keine Fast-Food-Ketten sind, haben nämlich eher westliche Preise.

Sprache

Englisch ist die offizielle Amtssprache in Simbabwe und wird von den meisten Menschen, die aus den Städten kommen, gesprochen. Die Mehrzahl der Bevölkerung spricht allerdings Shona.
Ich konnte kein Shona vorher und habe mir, wie man es eben so macht, während des Aufenthaltes ein kleines Vokabular aufgebaut. So bin ich sehr gut zurecht gekommen.
Auch im Krankenhaus, und im Studium allgemein, ist die Lehrsprache Englisch. Der Austausch mit dem Pflegepersonal, den Studenten und Ärzten war also kein Problem – mit Ausnahme des einen oder anderen Fachwortes vielleicht. Für den Austausch ist also Englisch die einzige Voraussetzung.
Die Patientenkommunikation hat sich demgegenüber etwas schwieriger gestaltet. Zum einen, weil ich auf der Pädiatrie war, wo die meisten Kinder noch kein Englisch konnten. Zum anderen, weil die meisten Kinder mit ihren Eltern aus den ländlicheren Regionen kamen, wo nur wenig bis gar kein Englisch gesprochen wird.
Hier waren die Studenten und Ärzte aber sehr hilfsbereit und haben sich al Übersetzer angeboten.

Verkehrsbindungen

Wenn man kein eigenes Auto besitzt, sind die Minibusse, die sog. Kombis, das Transportmittel der Wahl in Simbabwe. Eine Fahrt in Harare kostet 50 cents.
Da Harare sehr weitläufig ist, empfiehlt es sich, ab einer gewissen Distanz von den Kombis Gebrauch zu machen. Außerdem sind sie einfach eine Erfahrung wert und auch ziemlich zuverlässig. Man muss sich nur ein bisschen in das System hineinfuchsen, weil es natürlich keine festen Zeiten gibt oder außerhalb des Stadtzentrums auch keine festen Haltestellen. Da wird man einfach am Straßenrand seiner Wahl abgesetzt und winkt die Kombis auch einfach zu sich.
Ansonsten gibt es noch reguläre Busse, vor allem für Überlandfahrten, oder auch Flüge.

Kommunikation

SIM-Karten sind einfach zu kaufen in Simbabwe, man braucht nur seinen Pass hierfür. Je nach Anbieter gibt es verschiedene Optionen, aber alle sind recht günstig.
WLAN ist nicht Gang und Gebe, weswegen ihr evtl. auf mehr Datenvolumen zurückgreifen solltet, wenn ihr viel im Internet unterwegs seid.

Unterkunft

Wir waren zu dritt bei einer Stiftung untergebracht, die PhD-Studenten betreut. Sie hatten ein ziemlich großes Haus als Sitz, von dem sie einen Teil untervermietet haben.
Wir hatten unsere eigene Küche, ein Wohnzimmer, ein Bad mit Dusche, ein Doppel- und ein Einzelzimmer und einen riesigen Garten...mit Pool. WLAN gab es sogar auch. Das ist normalerweise kein Standard. Wir hatten unglaubliches Glück mit unserer vollausgestatteten Unterkunft.
Auf dem Grundstück hat außerdem der caretaker mit seiner Familie gewohnt, die immer für uns da waren, wenn wir Fragen hatten oder Hilfe benötigten.

Literatur

Ich hatte einfach im Internet über Simbabwe recherchiert und mir noch einen Reiseführer besorgt.
Ansonsten waren wir schon recht früh in Kontakt mit unseren Contact Persons und haben sie einfach zum Land ausgefragt.
Ungemein hilfreich für den Klinikalltag ist definitiv die englische Version von Amboss.

Mitzunehmen

Leicht bereut habe ich nur, die wenige warme Kleidung, die ich eingepackt hatte. Als ich Ende Juli ankam, ist Simbabwe gerade aus seinem Winter gekommen und die ersten eineinhalb Wochen war es doch ziemlich kühl. Aber auch das ging vorbei und danach kletterten die Temperaturen stetig.
Die Abende blieben aber trotzdem immer recht frisch.

Reise und Ankunft

Wir standen, wie gesagt, schon früh in Kontakt mit der simbabwischen Austauschgruppe und sie waren es auch, die mich vom Flughafen abgeholt und zur Unterkunft gebracht haben, wo mir dann alles vom Hausmeister gezeigt wurde.
Ich war das Wochenende vor Famulaturbeginn angereist, weil ich gerne immer ein paar Tage Zeit habe, um schon mal herum zuschnuppern und sich einzugewöhnen.
An unserem ersten Tag wurden wir dann von unseren Contact Persons auf unsere Stationen begleitet und vorgestellt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war hauptsächlich auf der allgemeinen Pädiatrie, habe am Ende aber auch bei der Kinderonkologie vorbeigeschaut.
Der Tag fing 08:00 mit der Visite an. Jeden Donnerstag gab es davor noch eine sog. Grand Round, wo in einem Hörsaal schwierige/interessante Fälle der Studenten- und Ärzteschaft vorgestellt wurden.
Die Studenten sind in Gruppen eingeteilt und jede Gruppe hat ihren verantwortlichen Oberarzt, dem sie folgen. Normalerweise teilen sich die Studenten untereinander die Patienten auf und lernen dann alles zu ihren Patienten, um sie auf eventuelles Fragen während der Visite vorstellen zu können. Die Studenten sind also hauptsächlich mit Anamneseerhebung und grundlegenden körperlichen Untersuchungen beschäftigt.
Ich habe hier einfach ab und zu einen Studenten gefragt, ob er für mich übersetzen kann, damit ich auch Aufnahmen machen konnte. Das ging sehr gut und die Studenten haben eigentlich immer von sich aus ihre Hilfe angeboten.
Nach der Visite begaben sich die Ärzte zu verschiedenen Sprechstunden. Entweder in der HIV Clinic oder im Outpatient Department. Auch hier haben die Studenten die Anamnesen vorab erhoben und sie dann dem Arzt vorgestellt, sobald der Patient ins Untersuchungszimmer gebeten wurde. Anschließend hat der Arzt dann mit uns die körperliche Untersuchung durchgeführt und das weitere Vorgehen besprochen.
Je nach Arzt darf man mal mehr, mal weniger machen. Aber so lange ihr Initiative zeigt, dürft ihr eigentlich immer ran. Und wenn man mehr praktisch machen möchte, empfiehlt es sich, den Junior Doctors zu folgen. Sie sind nämlich für alle procedures verantwortlich, die während der Visite angeordnet wurden. So durfte ich mich z.B. an Blutabnahmen, Lumbalpunktionen; oder auf der Kinderonkologie auch Knochenmarkspunktionen versuchen.

Die allgemeine Atmosphäre auf den Stationen war sehr angenehm. Alle waren nett und interessiert. Ich habe mich sehr gut sowohl mit dem Pflegepersonal als auch mit den Studenten und Ärzten verstanden.
Auch die Patienten waren sehr freundlich und geduldig trotz der erschwerten Kommunikation.

Simbabwe ist zugute zu halten, dass die Behandlung von Kindern bis zu einem Alter von fünf Jahren umsonst ist, genauso wie die Behandlung von HIV-Patienten aller Altersklassen.
Natürlich ist das Gesundheitssystem dennoch bei weitem nicht annähernd gut entwickelt bzw. ausgebaut, genauso wenig wie ausreichende Materialien oder medizinische Geräte m Krankenhaus zur Verfügung stehen. Aber deswegen sind diese Famulaturen so wertvoll, weil sie uns eine andere Seite der Medizin zeigen abseits von all dem Fortschritt, den wir so gewohnt sind.

Land und Leute

Unter der Woche waren wir in Harare und haben uns mit den einheimischen Studenten und deren Freunde getroffen. Die simbabwische Austauschgruppe war wirklich wunderbar. Sie waren immer für uns da und haben uns ihr Land näher gebracht, wie wir es alleine nicht hätten kennenlernen können.
Wir haben zusammen traditionelles Essen typische Getränke probiert. Das Essen ist, wie so vieles andere, Geschmackssache. Am Ende habe ich mich aber dem Sadza, dem typischen Brei aus Maismehl, angenähert. Wenn die Beilagen stimmen, passt es schon. Sonst schmeckt der Brei halt nach nichts.
Wir waren auf den einheimischen Märkten, Karaoke singen, auf Festivals und Konzerten simbabwischer Künstler.

An unseren Wochenendausflügen hat die Lokalgruppe uns meistens nicht begleitet. Aber das ist in Anbetracht der wirtschaftlichen Lage des Landes auch mehr als nachvollziehbar gewesen. Sie haben uns in Planung unserer Aktivitäten jedoch immer geholfen.
So waren wir ein Wochenende Höhlen besuchen, die in der Nähe von Harare liegen und ein sehr beeindruckend tiefblaues Wasserloch haben, wo man auch tauchen gehen kann.
Ein anderes Wochenende waren wir auf Safari. Etwas, dass man sich, wenn man schon einmal in einem Land befindet mit dieser Möglichkeit, nicht entgehen lassen sollte. Es kam leider unvorhergesehen zu Problemen mit unserer tour company, sodass wir früher als geplant abreisen mussten, aber die kurze Zeit, die wir auf Safari waren, waren wirklich unbeschreiblich.
Die tour company (Showman Tours) kann ich jedoch keinesfalls weiterempfehlen.
An unserem letzten Wochenende haben wir die Victoria Falls besucht. Hier bietet es sich an, ein Flugzeug zu nehmen, wenn ihr nicht gerade die Zeit habt, um 10-12 Stunden mit dem Bus von Harare aus durch die Gegend zu fahren. Der Flug ist natürlich teurer als ein Bus, aber es lohnt sich definitiv. Vor allem, wenn man nur ein Wochenende hat. Und macht auf jeden Fall auch den Bungee Jump ;)
Hätte ich mehr Zeit gehabt, hätte außerdem noch die Berge im Osten von Simbabwe besucht. Die Einheimischen, die dort waren, haben nur davon geschwärmt.

Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass alle Menschen, die wir trafen, so unglaublich herzlich waren und uns sehr willkommen geheißen haben. Sie waren so froh darüber, dass wir ihr Land trotz allem besuchten und haben viel dafür getan, dass wir es auch mit positiven Eindrücken wieder verlassen.
Simbabwe hat uns nie das Gefühl von Unsicherheit und Unwohlsein gegeben trotz seiner bedrückenden politischen als auch wirtschaftlichen Probleme.
Den größten Dank verdient hier selbstverständlich die lokale Austauschgruppe. Wir waren deren erster IFMSA-Austausch und sie haben sich so viel Mühe gegeben, es so angenehm und schön wie nur möglich zu gestalten. Ich kann es gar nicht genug betonen, wie engagiert sie waren.

Fazit

Simbabwe ist definitiv ein unterschätztes Land. Die Medien haben Recht in Bezug auf seine wirtschaftspolitische Lage, aber abgesehen davon ist es ein sehr sehenswertes Land mit so netten Menschen, die sich noch ehrlich über Touristen freuen.
Es steht auf jeden Fall auf meiner Liste für einen Wiederbesuch. Sei es für das Privatvergnügen oder vielleicht sogar für die spätere Arbeit.
Der Austausch hat mir vieles wieder vor Augen führen und neue Aspekte aufzeigen können. Ich bin unheimlich dankbar für all die Erfahrungen, die ich während meiner Famulatur sammeln durfte.

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