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Slovakia (SloMSA)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Amelie, Heidelberg

Motivation

Mein Erasmussemester in Warschau hat mir gezeigt, dass ich eine eher düstere, triste Vorstellung von den Ländern des ehemaligen Ostblocks hatte, die aber eigentlich nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Letztlich habe ich mich dann spontan dazu entschlossen, mich um einen der Restplätze in der Slowakei zu bewerben.

Vorbereitung

Ich habe keinen speziellen Vorbereitungskurs oder ähnliches besucht. Sehr kurz vor meiner Abreise wurde uns mitgeteilt, dass wir eigene Kasacks mitbringen sollten. Ich habe meinen in einem Geschäft für Arbeitskleidung erhalten, leider hatte man dort nur noch ein Exemplar in meiner Größe, daher rate ich dazu frühzeitig nachzufragen, ob man Arbeitskleidung im Krankenhaus erhält oder sich welche besorgen muss.

Visum

Für meine Famulatur in der Slowakei brauchte ich kein Visum.

Gesundheit

Von einer der Ansprechpartnerinnen im Gastland wurde uns mitgeteilt, dass wir einen Impfnachweis für Hep B und TB, sowie einen TB-Titernachweis vorlegen müssten. Der Gamma-Interferon-Test kostete bei meinem Hausarzt 80€, was, da keine Indikation für TB vorlag, nicht von der Krankenkasse übernommen wurde und letztlich hat keiner die entsprechenden Nachweise sehen wollen. Daher würde ich empfehlen, vorher nachzufragen, ob der Nachweis wirklich in den vorherigen Jahren verlangt wurde.

Sicherheit

Ich habe ohnehin eine berufliche und private Haftpflicht-, sowie eine Unfall- und Auslandskrankenversicherung. Spezielle Sicherheitsvorkehrungen habe ich sonst nicht getroffen und ich hielt bzw. halte die Sicherheitslage in der Slowakei für unbedenklich.

Geld

In der Slowakei zahlt man ebenfalls mit Euros. Wenn ich Geld brauchte, habe ich vor Ort mit einer Kreditkarte (bei meiner Bank gebührenfrei) Geld abgehoben oder mit Karte gezahlt. Im Allgemeinen sind die Lebenserhaltungskosten geringer als in Deutschland, außerdem werden abends die Preise von übergebliebenem Obst oder Gemüse in den größeren Supermärkten oftmals zusätzlich reduziert. Die Preise in den Restaurants variieren stark, wir haben Pizza für 0,50€ und Hamburger für fast 10€ gegessen.

Sprache

Neben der Landesprache Slowakisch werden teilweise Englisch und Deutsch gesprochen, wobei das ärztliche Personal in der Regel befriedigend bis gut Englisch sprechen konnte, das Pflegepersonal und die Patienten jedoch überwiegend kein Englisch sprachen. Ich habe vorher keinen Slowakischkurs absolviert, würde aber, da die Visiten oftmals komplett auf Slowakisch stattfanden, zu einem Kurs raten. Im Alltag habe mir meine Polnischkenntnisse (beides slawische Sprachen) geholfen.

Verkehrsbindungen

Ich bin von Köln/Bonn aus mit dem Flugzeug in die Slowakei gereist, Flug und Gepäck haben mich etwa 60€ gekostet. Innerhalb der Slowakei waren wir sowohl mit dem Bus, als auch dem Zug unterwegs, wobei beides sehr günstig war. Ein Busfahrt innerhalb von Košice kostete 0,60€, meistens sind wir jedoch zu Fuß gegangen. Zwei kleiner Supermärkte und ein Restaurant befanden sich etwa 5 min vom Wohnheim entfernt und bis zum Stadtzentrum brauchte man circa 20 min zu Fuß. Der Preis eines Zugtickets richtet sich nach den Kilometern, sodass unterschiedlich schnelle Verbindungen für die gleiche Strecke gleich viel kosten, obwohl der eine Zug zwei Stunden braucht und der andere vier Stunden. Busse/ Züge waren in der Regel zuverlässig und pünktlich.

Kommunikation

Da die Slowakei in der gleichen Ländergruppe ist wie Deutschland, kann man mittlerweile ohne Extrakosten mit dem Handy telefonieren etc. Im Wohnheim gab es Internet, allerdings nur mittels LAN-Verbindung. Man muss daher ein Kabel mitbringen oder sich dort besorgen und zur Not einen virtuellen Router installieren, wenn man auf Wifi angewiesen ist.

Unterkunft

Wir haben alle Zimmer im Wohnheim erhalten, diese musste man sich mit ein bis zwei anderen internationalen Studenten teilen. In den Zimmern gab es pro Person ein Bett, einen kleinen Kleiderschrank, zwei Regale und einen Schreibtisch. Frische Bettwäsche, ein kleines Handtuch und ein Stück Seife wurden vom Wohnheim gestellt. Wenn man Glück hatte, gab es von den eigentlichen/ vorherigen Bewohnern einen Kühlschrank (dieser muss von den Studenten selbst angeschafft werden, daher haben nicht alle Zimmer einen). Jeweils zwei Zimmer teilen sich eine Toilette und ein kleines Badezimmer mit Dusche. Auf jedem Stockwerk gibt es eine Küche mit einer Spüle, ein paar Schränken, einem Herd und einer Waschmaschine. Küche, Flur und Bäder werden täglich durch Reinigungskräfte geputzt.
Insgesamt erfüllt das Wohnheim alle grundlegenden Bedürfnisse, allerdings war es im August super heiß, es gab keine Klimaanlage und wir hatten echt Probleme die Zimmer kühl zu halten. Selbstverpflegung funktionierte eigentlich nur, wenn man einen Kühlschrank besaß oder sich einen teilen konnte.

Literatur

Ich habe mich im Vorfeld nicht über das Land belesen, aber wir hatten das Glück, dass einer der Ärzte uns eine Liste mit verschiedenen Sehenswürdigkeiten erstellte. Auf dieser Liste stand unter anderem Kežmarok, eine kleine historische Stadt, die wir auch besucht haben und die ich sehr empfehlen kann.

Mitzunehmen

Ich habe eine Grundausstattung (eine Pfanne, einen Topf, zweimal Besteck, zwei Becher und einen Teller) an Küchenutensilien mitgenommen, was ich nur empfehlen kann. Außerdem sind Reisehandtücher sehr praktisch, da sie weniger Platz im Gepäck wegnehmen, und eine Handvoll Klammern. Da es keine Trockner gibt, hatten viele Studenten eine Wäscheleine auf dem Balkon angebracht, jedoch gab es nicht immer Wäscheklammern. Sehr wichtig sind außerdem Kopfhörer, schließlich teilt man sich ein Zimmer und will gelegentlich einen Film gucken oder Musik hören.

Reise und Ankunft

Bereits vor unserer Abreise wurden wir von einer Kontaktperson aufgefordert unsere Ankunftsdaten und -zeiten anzugeben, damit man uns am Wohnheim empfangen oder ggf. abholen konnte. Ich bin zwei Tage vor Beginn der Famulatur von Köln/Bonn Flughafen nach Košice geflogen. Der Flughafen in Košice ist mit dem Taxi nur etwa 10 min vom Wohnheim entfernt. In Köln hatte ich bereits ein paar nette Slowaken aus Košice kennengelernt, die sich mit mir ein Taxi teilten und dem Taxifahrer erklärten, wo ich hin wolle. So schaffte ich es ohne Problem zum Wohnheim, wo ich von gleich zwei Kontaktpersonen freundlich empfangen wurde. Diese besorgten mir den Zimmerschlüssel, halfen mir beim Ausfüllen der Dokumente für das Wohnheim und zeigten mir mein Zimmer. Nach einer kurzen Verschnaufpause traf man sich bei der Rezeption, um gemeinsam essen zu gehen.
Am Abend vor dem geplanten Beginn der Famulatur wurde uns zum einen mitgeteilt, dass man einen Tag später beginnen würde, und zum anderen, dass sich ein paar Stationszuteilungen geändert hatten. Ich würde meine Famulatur nicht in der Rechtsmedizin, sondern in der Inneren machen, da die Rechtsmedizin gerade renoviert wurde. Diese kurzfristige Änderung war schon ein wenig ärgerlich, da mir mein Platz in der Rechtsmedizin bereits bestätigt worden war. Anderseits hatte ich so eine spanische Famulaturpartnerin. Zwei Tage später machten wir uns morgens gemeinsam mit den Kontaktpersonen auf den Weg zum Krankenhaus. Dort mussten wir immer wieder warten, während die Kontaktpersonen uns auf die verschiedenen Stationen brachten.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Wie bereits erwähnt, absolvierte ich meine Famulatur auf der Inneren. Außer der spanischen Famulantin und mir famulierten während der ersten zwei Augustwochen noch zwei slowakische Studenten. Für uns zuständig war ein junger Stationsarzt, der sowohl Englisch wie auch Deutsch sprach. Der erste Tag war eher etwas ernüchternd: unser betreuender Arzt versicherte uns gleich im ersten Gespräch, dass es überhaupt kein Problem sei, wenn wir mal mehrere Tage fehlten, da es oftmals für uns nicht besonders viel zu tun gäbe und er auch in der Regel sehr viel Papierkram zu erledigen habe, da er kein Lehrarzt sei. (Am Krankenhaus gibt es Lehrärzte, die sich um die Ausbildung und Betreuung der Studenten kümmern und dafür weniger bürokratische Aufgaben haben, und normale Ärzte, die sich um die Versorgung der Patienten kümmern). Diese Vorhersage hat sich leider an den meisten Tagen auch bestätigt, wobei man unserem Arzt zur Gute halten muss, dass er immer versucht hat, uns etwas Praktisches zu zeigen. Bereits am ersten Tag gab es nach Blutdruck messen und einer kurzen Visite für uns nichts mehr zu tun, sodass unser Arzt uns auf der gastroenterologischen Station vorstellte und wir dort an einer Darmspiegelung teilnehmen konnten.
Im Allgemeinen liefen die Tage auf der Station folgendermaßen ab: Um 8 Uhr morgens kamen wir bereits im Kasack auf die Station, da es für uns im Krankenhaus keine Möglichkeit gab uns umzuziehen. Zunächst maßen wir bei allen Patienten erst einmal den Blutdruck, dann begann auch schon die Visite.
Wenn die Oberärztin dabei war, fand die Visite hauptsächlich auf Slowakisch statt und die slowakischen Studenten übersetzen teilweise, was gesagt wurde, und wir konnten weniger Untersuchungen durchführen. Dafür besprach die Oberärztin an manchen Tagen die Patienten anschließend mit uns.
Während einer Visite mit ausschließlich unserem betreuenden Arzt, übersetze dieser, was die Patienten sagten, wir konnten Fragen an die Patienten stellen und bei auffälligen Befunden abtasten, abhorchen etc. Abschließend wurde dann vielleicht ein EKG interpretiert oder ein Ultraschall durchgeführt. Danach versuchten wir unser Glück auf der Gastro, nahmen dort an der Visite teil oder schauten uns invasivere Untersuchungen an.
In der zweiten Woche war unser Arzt im Urlaub und die beiden Vertretungsärztinnen waren weniger sicher in ihrem Englisch, sodass wir nicht viel von der Visite verstanden und mehr Zeit auf der Gastro verbrachten.
Ab der dritten Woche wurde es wirklich gut, wir wurden immer mehr bei den Visiten mit eingebunden und durften unter Aufsicht Magensonden und Blasenkatheter legen und Aszitespunktionen durchführen. Außerdem konnten wir uns eine ERCP ansehen.
Zum Thema Unterschiede zwischen dem slowakischen und dem deutschen Gesundheitssystem fällt mir folgende Aussage unseres Arztes ein: Man habe den gleichen Wissensstand wie im Westen Europas, aber die Untersuchungsmöglichkeiten und den Technikstandard wie in der 1990iger Serie Emergency Room. Wir waren in einem etwas älteren Krankenhaus untergebracht, daher ist das Fehlen von Klimaanlagen, verfärbte Böden und auch Aufzüge, deren Türen sich auf bestimmten Stationen nicht mehr öffneten, wahrscheinlich wenig repräsentativ für die finanzielle Situation des Gesundheitssystem in der Slowakei. Aber dass es nur einen Desinfektionsspender auf jeder Station gab, hat mir doch vor Augen geführt, welchen Luxus wir in deutschen Krankenhäusern genießen.

Land und Leute

Wir hatten ein sehr umfangreiches „social program“ und haben fast täglich etwas unternommen. Mit unseren Kontaktpersonen waren wir in verschiedenen Restaurants, Kneipen und Bars. Sie haben für uns eine Stadtführung organisiert und wir waren auf einem Aussichtsturm, im Schwimmbad, Karaoke singen und wandern. Außerdem gab es noch einen viertägigen Ausflug zusammen mit den internationalen Famulanten zu Gast in zwei weiteren slowakischen Städten. An diesem langen Wochenende haben wir die Zipser Burg und eine Eishöhle besichtigt, waren in einem Wasser- und dem Nationalpark und sind auf einem traditionellen Floß den Dunajec entlang gefahren. Die Kontaktpersonen haben wirklich ein erstklassiges Programm auf die Beine gestellt! Insgesamt muss ich sagen, dass ich von der slowakischen Landschaft absolut begeistert bin. Ich bin eigentlich kein großer Fan vom Wandern, aber der Ausflug in den Nationalpark war ein unglaublich tolles Erlebnis und ich werde irgendwann wieder dorthin fahren. Dann aber mit richtigen Wanderschuhen!
In Košice ist besonders das Stadtzentrum sehenswert, dort sollte man auf jeden Fall den singenden Brunnen und die Kathedrale besichtigen. Den Turm der Kathedrale kann man ebenfalls besteigen, das kostet allerdings 2€. Von oben hat man aber einen super Ausblick auf das Stadtzentrum. Außerdem gibt es noch verschiedene Denkmäler, einige Museen, ich war zum Beispiel im Miklus Gefängnis, und eine kleine archäologische Grabungsstätte. Letzte ist wirklich klein und nur wenig beschriftet, ohne besondere archäologische Vorkenntnisse hat sich die Besichtigung für mich nur mäßig gelohnt. Dafür hat es aber auch nur 0,50€ Eintritt gekostet.
Wie bereits erwähnt, sind wir an einem Wochenende mit dem Zug nach Kežmarok gefahren. Die Fahrt dorthin dauerte etwa 2 Stunden und kostete 5,90€. Auf Straßenschildern innerhalb der Stadt wird ein historischer Erkundungspfad dargestellt, den wir entlang gegangen sind. Eins der Highlights an diesem Vormittag war sicherlich die hölzerne Artikularkirche. Die evangelische Holzkirche ist von außen eher unscheinbar, aber innen ist sie, einschließlich der Decke, wunderschön bemalt und verziert. Sie gehört seit 2008 zum Teil des UNESCO-Welterbes. Ein Ticket kostet 2€ und schließt auch die danebenstehende neue Kirche mit ein. Des Weiteren gibt es in Kežmarok noch eine Stadtburg, das Thökölyschloss. In der Burg gibt es zahlreiche Ausstellungen, u.a. kann man verschiedene Waffenkammern und eine mittelalterliche Apotheke besichtigen. Eine Ausstellung ist darüber hinaus dem slowakischen Arzt, der als erstes in der Slowakei ein Röntgengerät besaß, gewidmet. Außerdem gibt es noch eine tragische Geschichte bezüglich eines einstigen Burgherr und seiner Gemahlin. Der Eintritt für die Burg kostet 2,50€, allerdings kann man das Schloss nur im Rahmen einer Führung betreten, und diese finden ausschließlich auf Slowakisch statt. Um auch etwas verstehen zu können, erhält man am Eingang das Programm auf Englisch (mehrere Seiten Text). Für Kežmarok sollte man etwa einen halben Tag einplanen. Wir sind von dort mit dem Zug bis zur nächstgelegenen Station am Fuß der Hohen Tatra gefahren und waren den restlichen Tag wandern.

Fazit

Während meines Aufenthalts in der Slowakei habe ich wunderbare Menschen von überall auf der Welt kennengelernt und einen Einblick in ein Gesundheitssystem erhalten, das ich vorher nicht kannte und vermutlich sonst auch nie kennengelernt hätte. Zu Beginn hätte die Famulatur selbst sicherlich besser sein können, trotzdem würde ich mich jeder Zeit wieder für den Austausch entscheiden. In der Zukunft werde ich auch gewiss noch einmal in die Slowakei reisen, denn die Landschaft um die hohe Tatra und den Nationalpark ist einfach atemberaubend.

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