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Thailand (IFMSA-Thailand)

Chirurgie - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Ich wollte schon immer während meines Studiums ins Ausland, um neue Menschen und Kulturen kennenzulernen. Über die Mitgliedschaft in der bvmd Austausch AG an meiner Universität habe ich viele ausländische Studenten getroffen und war besonders fasziniert von der thailändischen Mentalität. Da ich mehr über Thailand und seine Menschen erfahren wollte, erschienen mir die Möglichkeiten, die mir der bvmd-Austausch bot, ideal.

Vorbereitung

Für Thailand wurde lediglich ein Englisch-Sprachzertifikat vorausgesetzt. Nachdem ich eine Zusage erhalten habe, fingen die richtigen Vorbereitungen an: mich bei meiner Krankenkasse bzgl. Impfschutz und anfallende Kosten beraten lassen, einen Reisepass beantragen (was leider sehr nervenaufreibend war, da unser Stadtbüro immer total überfüllt ist), Visum beantragen und mich erkundigen, was meine Auslandskrankenversicherung alles abdeckt und für welchen Zeitraum. Ich rate euch, da genau nachzufragen, da meine Auslandsversicherung z.B. nur 45Tage abdeckte. Da mein Aufenthalt 50 Tage betrug, musste ich mir einmalig ein zusätzliches Packet dazu buchen (hat ca. 26€ gekostet).

Visum

Da mein Aufenthalt länger als 30 Tage betrug und ich ein Praktikum im Ausland machen wollte, brauchte ich das ein verlängertes Visum für 60€. Im Flugzeug hat man eine Arrival- und Departure Card bekommen, die man ausfüllen musste. Der Zettel ist sehr unscheinbar und es wird einem nicht gesagt, wie wichtig er ist. Aber Vorsicht: Es ist wichtig diese nicht zu verlieren, da sie für die Ein- und Ausreise und das Visum zwingend erforderlich ist!

Gesundheit

Auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes findet man eine Liste der empfohlenen Impfungen. Ich habe diese nochmal mit meiner Hausärztin besprochen und mich letztendlich entschieden, alte Impfungen aufzufrischen und mich zusätzlich gegen Hep A, Tollwut, Cholera und Typhus impfen zu lassen. Kleiner Tipp: fragt am besten mal bei eurer Krankenkasse nach, ob sie die Kosten erstatten. Meine Krankenkasse hat einen Teil der Kosten übernommen. Da es viele Straßenhunde in Thailand gibt, würde ich auf jeden Fall dazu raten, sich gegen Tollwut impfen zu lassen. Auch wenn man, falls etwas geschieht, nochmal vor Ort Spritzen kriegt, ist es doch sehr beruhigend zu wissen, dass man schon geimpft ist. Ich persönlich weiß von 2 Freunden, dass sie in Indien und Hongkong von einem Hund bzw. Affen gebissen wurden. Also sicher ist sicher.

Sicherheit

Thailand habe ich als sehr sicheres Land wahrgenommen. Besonders in großen Städten, wo viele Menschen sind, muss man keine Sorge vor Raubüberfällen haben. In dunklen Ecken am Abend, in verlassenen Straßen und besonders in kleinen Städten, wo es kaum Taxen gibt, habe ich mich dagegen schon etwas unsicherer gefühlt. Es ist jedoch nichts Schlimmes passiert. Mit gutem Menschenverstand und etwas Vorsicht sollte da auch nichts passieren. Worauf wirklich zu achten ist, ist der Verkehr! Die Thailänder sind sehr wilde Autofahrer und es ist oftmals schwierig über die Straße zu kommen, da nicht (immer) an Zebrastreifen und Ampeln angehalten wird (auch bei rot!). Daher würde ich raten lieber einmal mehr aufzupassen und zu warten. Oft finden sich auch nette Thailänder, die einem hierbei helfen.

Geld

Die thailändische Währung ist bath und der Wechselkurs während meines Aufenthaltes lag immer um die 1 (€):40 (TB). Es ist für uns Europäer also sehr günstig dort. Mein Geld habe ich vor Ort gewechselt, da mir der Kurs, den mir meine Bank angeboten hat, sehr unvorteilhaft erschien. In Thailand kann man entweder in einer Bank sein Geld kostenlos wechseln (hierzu braucht man jedoch immer einen Reisepass und man muss etwas Glück haben eine Bank zu finden, die sich bereit erklärt) oder man hebt sein Geld am Automaten ab, der an jeder Ecke zu finden ist. Bei letzterer Option wird eine Gebühr fällig, die bei ca. 230bath liegt (knapp 6€). An einigen Automaten ist der Betrag auch höher, also aufpassen. Übrigens ist die Gebühr am Flughafen nicht teurer als üblich, daher habe ich auch hier getrost mein Geld wechseln können (da hat es sich auf jeden Fall gelohnt gleich größere Mengen abzuheben).
Was die Finanzen angeht, war der Flug eindeutig das Teuerste an dieser Erfahrung. Alles andere war wirklich günstig. Aber durch frühes Buchen, einen Glücksgriff oder den Fahrkostenzuschuss kann man auch hier gut sparen. Grundsätzlich kann man sagen, dass der Norden etwas günstiger ist, als der Süden und Bangkok.

Sprache

Thai ist eine sehr melodische Sprache, die wirklich schwer zu erlernen ist! Ich habe es daher nicht geschafft, mehr als die Basics zu erlernen: „Guten Tag“, „Danke“, die Zahlen 1-10. Trotzdem bin ich gut zu Recht gekommen. Auch wenn ich mal mit Englisch nicht weiter kam, gab es immer nette Menschen, die einem trotzdem versucht haben zu helfen (und sei es mit Händen, Füßen und Google Maps ;) ). Grundsätzlich gilt: die studierten Menschen und Großstädter sprechen eher und besser Englisch als der Rest der Thais.

Verkehrsbindungen

Wie bereits berichtet kann man die generelle Verkehrssituation als chaotisch bezeichnen. Mein Universitätskrankenhaus lag auf dem Campus, ca. 40km entfernt vom Zentrum Bangkoks. Dennoch war es immer möglich günstig in die Hauptstadt zu kommen. Mit dem Van (für ca. 12 Leute) kam man für 40bath, mit dem Bus noch günstiger ans Ziel. Problematisch und zeitaufwändiger konnte es in den Rushhours werden… Nicht nur die Fahrt nach Bangkok konnte dann mal statt 40min knappe 3h dauern, sondern auch Bangkok selbst konnte dann zu einer einzigen Qual werden. Wenn möglich, sollte man dann schon an einem Wunschort sein oder die Metro nutzen. Allerdings ist diese in Bangkok leider nicht so gut ausgebraut. Eine Taxifahrt in Bangkok ist super günstig, aber besonders Touristen werden gerne abgezockt. Obwohl vom Staat Preise pro km festgelegt sind, versuchen die Taxifahrer einem einen ordentlichen Preis aufzudrücken. Achtet also immer darauf, das oben „Taximeter“ steht, dass das Taximeter (vorne auf dem Armaturenbrett) auch wirklich angeschaltet wird und lasst euch nicht überreden einen anderen Preis zu nehmen (spätestens der 3. Taxifahrer, den ihr ansprecht ist kein Abzocker). Ich habe z.B. in Bangkok für 7,5km knapp 100bath bezahlt oder für eine Taxifahrt von Bangkok zur Thammasat Rangsit Universität (40km) etwa 400bath (10€).

Kommunikation

Die Kommunikation war, wie bereits oben geschrieben, auf Englisch fast immer irgendwie möglich. Im OP-Saal, wo ich während meiner Famulatur eingeteilt war, haben viele Ärzte und Studenten perfekt Englisch gesprochen und die, die es nicht taten, haben sich meistens trotzdem viel Mühe gegeben. An den thailändischen Akzent musste ich mich erst gewöhnen. Später fiel mir das dann aber auch leichter ;)
Mit den Studenten in Thailand stand ich schon früh in Kontakt und auch vor Ort war immer jemand, den ich auf Probleme oder Ähnliches ansprechen konnte.

Unterkunft

Die Austauschstudenten (wir waren 3) wurden im Studentenwohnheim auf dem Campus, knapp 5Min. vom Krankenhaus entfernt, untergebracht. Es gab geschlechtergetrennte Bereiche, aber zum Kartenspielen hat man sich dann einfach im Gemeinschaftsbereich getroffen.

Literatur

Eine Literaturempfehlung kann ich euch leider nicht geben. Im Internet konnte ich mich gut über das Land und seine Menschen belesen. Auf der Seite des Auswärtigen Amtes kann man sich gut über notwendige Impfungen etc. informieren

Mitzunehmen

- meine Uni wollte eine weiße Bluse und einen schwarzen Rock als Arbeitskleidung
- Stethoskop, Arztkittel (habe ich aber de facto nie gebraucht)
- Eine Kopfbedeckung (Hut/Kappy) und ausreichend (!) Sonnencreme (das sollte man wirklich nicht unterschätzen, auch wenn man ein dunkler Hauttyp sein sollte oder Sonne gut ab kann; die Sonnencreme in Thailand ist unglaublich teuer oder hat einen „Blass-mach-Effekt“, da die Thailänder Blässe bevorzugen)
- Mückenspray

Ich rate von weißer Kleidung ab! Diese wird wegen der Abgase schnell braun/gelb und das kann man z.T. leider nicht mehr rauswaschen

Reise und Ankunft

Nach einer insgesamt 20 stündigen Reise bin ich am Abend am Flughafen Suvarnabhumi in Bangkok angekommen. Abgeholt wurde ich von einem Studenten der Universität, mit dem ich auch später viel unternommen habe. Typisch thailändisch wurde ich direkt mit allem Nötigen versorgt. Mir wurde mein Schlafplatz gezeigt, etwas zu Essen gegeben, ein WLAN-Zugang organisiert und und und. Nach einer kurzen Nacht wurde ich am nächsten Morgen von zwei anderen thailändischen Studenten und meiner Mitbewohnerin aus Spanien abgeholt und mir wurde gezeigt, wie man sich über den Campus fortbewegen kann (denn zu Fuß gehen ist in Thailand überhaupt nicht üblich). Nach einem thailändischen Frühstück, das bei uns auch ein Mittag- oder Abendessen sein könnte, ging es auf Erkundungstour nach Bangkok. Auch dort sind wir auf nette Studenten anderer Universitäten und Austauschstudenten gestoßen und haben zusammen viel unternommen!

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Am ersten Famulaturtag hatten wir einen Termin mit Mr. Boonsong, der uns freundlich willkommen hieß und uns zusammen mit unseren Kontaktpersonen das Krankenhaus und den OP-Bereich zeigte. Direkt am ersten Tag ging es dann auch schon interessant los. In der Gefäßchirurgie habe ich direkt mein persönliches Highlight erlebt: ich durfte bei dem Annähen eines Meshgrafts assistieren!
Ich war sehr beeindruckt von der fachlichen Kompetenz der Operateure in Thailand. Sie scheinen wirklich gut in ihrem Beruf zu sein und waren, wie auch die Studenten, unglaublich engagiert und lange auf Arbeit. Da ich im OP-Saal leider nicht selber mithelfen konnte, habe ich mich immer sehr gefreut, wenn man mir viel erklärt hat und wenn ich nah am Tisch stehen konnte, um zu sehen was genau passiert. Besonders interessant war es Röntgen- oder CT-Bilder mit den Ärzten zu besprechen und die Biopsate genau unter die Lupe zu nehmen. Oftmals durften wir auch tasten, um zu sehen, wie sich die Strukturen anfühlen oder auch nicht anfühlen sollen. Am informativsten war es für mich, wenn wir vor der Operation die Symptome, Pathogenese und OP-Verfahren eines Krankheitsbildes besprochen haben und während der Operation nochmal auf die einzelnen Schritte hingewiesen wurde. So konnte ich vieles von dem, was ich in Theorie schon einmal gehört habe, besser nachvollziehen.
Mir ist aufgefallen, dass Thailänder und Europäer andere Hygienemaßnahmen im Operationssaal haben. Einerseits war es dem thailändischen Personal schon wichtig, dass der Patient steril ist und doch andererseits konnte man des Öfteren beobachten, dass die Haare aus der Haube rausfielen oder der Mundschutz unter der Nase saß. Für mich war das ein sehr ungewöhnlicher Anblick, da dies in Deutschland absolut undenkbar wäre.
Die thailändischen Studenten sind unglaublich fleißig und zielstrebig. Ich habe mich oft gewundert, woher sie die Kraft für so viel Studium und so wenig Freizeit nehmen. Zumal es oft der Wunsch der Familie und nicht der eigene war, Medizin zu studieren. Ich hatte das Gefühl, dass das Thema Burnout und Depressionen in Thailand ein Tabuthema ist und totgeschwiegen wird.
Besonders lange werde ich mich sicherlich an die extremen Fälle, wie beispielsweise einen Nierentumor, der den halben Bauch füllte, die Behandlung eines Gehirnaneurysmas, das Zusammenschrauben von Gesichtsknochen nach einem Autounfall, das Zusammenflicken des Nervus laryngeus recurrens nach einer Neck-Dissection oder auch die erste Whipple-OP, die ich gesehen habe, erinnern.

Land und Leute

Wenn man die Thailänder kurz beschreiben sollte, würde man sie am ehesten als höflich und zuvorkommend bezeichnen. Hilfsbereitschaft steht bei den Thais an erster Stelle und so kommt es durchaus auch vor, dass einem trotz fehlender Englischkenntnisse doch irgendwie der Weg gezeigt wird. Man kann außerdem sagen, dass die thailändische Bevölkerung ihrer Königsfamilie sehr verbunden ist. Es wird daher als große Respektlosigkeit empfunden, wenn man sich über diese schlecht äußert.
Von Bangkok aus kann man viele verschiedene Ausflüge machen. Besonders lohnt es sich einen Wochenendtrip nach Kanchanaburi zu den blue waterfalls zu machen. Die Natur ist atemberaubend! Die Hauptstadt selbst bietet natürlich auch eine riesige Auswahl an Attraktionen. Ob es nun Shopping in einem der zahlreichen Einkaufsparks, Tempel- oder Marktbesuche oder ein Spaziergang durch den Lumpinipark ist, es ist für Jeden etwas dabei. Besonders lohnenswert (wenn auch etwas kostspieliger) ist der Ausblick vom 64. Stock eines Skyscrapers aus. Das solltet ihr auf jeden Fall auf eure To-Do-Liste setzen.
In den ländlicheren Gegenden kann man sich wunderbar ein Moped mieten. Auch als ungeübter Fahrer kann man so unglaublich viel sehen und erleben. Ihr solltet allerdings besonders in der Regenzeit nasse Straßen (besonders bei beginnendem Regen) und im Süden den Sand nicht unterschätzen und immer einen Helm tragen! Ich habe viele Leute kennen gelernt, die durch unvorsichtiges Verhalten gestürzt sind. Die Vermieter verdienen durch das einfache Vermieten der Mopeds nicht viel und versuchen daher durch verursachte Schäden zusätzlich Geld zu machen. Daher ist es ein MUSS die vorhandenen (und zahlreichen) Schäden an den Maschinen gut zu dokumentieren. Dazu reichen auch schon einfache Handyfotos. Oftmals verlangen als sie als Sicherheit einen Reisepass. Darauf sollte man sich aber nicht einlassen, sondern auf eine Kaution in Bargeld bestehen. Obwohl das alles sehr negativ klingt, kann ich euch nur empfehlen dieses Erlebnis zu wagen. Das Freiheitsgefühl und die Flexibilität sind einfach unbezahlbar und man kommt an Ort, die man sonst nie gesehen hätte.
Das Essen in Thailand kann besonders zu Beginn gewöhnungsbedürftig für den europäischen Magen sein, da wir die dort übliche Schärfe meistens nicht auf Anhieb vertragen. Ich persönlich fand die thailändische Küche richtig toll! Ich liebe Curry und probiere mich gerne an neuen Schärfegraden aus. Nach ein paar Wochen habe ich besonders Milchprodukte wie Käse und ordentliches Brot vermisst. Gleichzeitig habe ich es geliebt, neue Früchte zu kosten, frische Smoothies zu trinken und thailändische Spezialitäten zu probieren. Die Küche ist sehr vielfältig und man lernt schnell, dass Curry nicht gleich Curry ist! Ein typisches Frühstück mit Brötchen etc. kann man außerhalb der touristischen Gegenden nicht erwarten. In Thailand gilt, dass schon vom frühen Morgen an warme Gerichte (z.B. Bratreis) auf den Teller kommen. Bevor ihr etwas auf den Märkten kauft, schaut euch um, wie insbesondere Fleisch und Fisch gelagert sind. Die Thailänder nehmen es da manchmal nicht so genau mit der Kühlung.

Fazit

Die Zeit in Bangkok war eine wunderschöne Erfahrung und wird mir lange in Erinnerung bleiben! Ich kann nur jedem empfehlen während des Studiums mal ins Ausland zu gehen, aufgeschlossen und mutig in Kontakt mit anderen Menschen und Kulturen zu kommen und sich auf Neues einzulassen.

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