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Czech Republic (IFMSA-Czeck Republic)

Notfallmedizin - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Rebekka, Dresden

Motivation

Grundsätzlich bin ich eine Person, die gern in fremde Länder reist. Ich hatte schon immer Freude daran, Fremdsprachen zu lernen und Menschen aus anderen Kulturen kennen zu lernen. Eine Famulatur im Ausland ist eine großartige Gelegenheit, die Menschen im Gastland wirklich kennenzulernen und nicht nur wie ein Tourist, die hübschen Fasaden zu bestaunen.
Als ich erfahren habe, dass ich einen Platz in Tschechien, was ich als Drittwunsch angegeben hatte, bekommen habe, was ich zuerst enttäuscht. Ich hatte Tschechien nur eingetragen, weil ich das Feld nicht leer lassen konnte. In der Schule hatte ich ein paar Jahre Tschechischunterricht gehabt, also habe ich dieses Land als Drittwunsch ausgewählt.

Vorbereitung

Mein Tschechischunterricht in der Schule lag schon eine ganze Weile zurück, also besuchte ich ein Semester lang einen Basis-Kurs an der Universität, um meine Sprachkenntinisse aufzufrischen. Das war nicht nötig, um am Austauschprogramm teilnehmen zu können, aber im Rückblick doch der wichtigste Teil meiner Vorbereitung. Niemand hat nach Impfnachweisen gefragt. Mein Personalausweis war abgelaufen, aber der Reisepass war ausreichend. Da die Bundestagswahl in diesen Zeitraum fiel, hab ich mir Briefwahlunterlagen geholt. Ein Problem war für mich noch der Laptop. Ich besitze keinen und der, den ich mir dann ausgeliehen habe, musste erstmal repariert werden. Ohne Laptop hätte ich aber ein Problem bekommen, da manche Einschreibungen vor Vorlesungsbeginn online vorgenommen werden müssen. Ich brauchte also ein mobiles Endgerät, um mit meiner Universität in Kontakt treten zu können. Es wäre auch sehr sinnvoll gewesen, hätte ich mich vorher ein Bisschen über Sehenswürdigkeiten in Brno informiert. Dann wäre mir am ersten Wochenende nicht so langweilig gewesen.

Visum

Ich brauchte kein Visum.

Gesundheit

Auf mögliche gesundheitliche Probleme habe ich mich nicht speziell vorbereitet. Meine Krankenversicherung gilt auch in Tschechien. Die Gastorganisation wollte, dass ich Nachweise über bestimmte Impfungen mitbringe, die aber in Deutschland auch Standard sind. Den Nachweis zu erbringen, dass ich keine Tuberkulose habe, war viel schwieriger. Und den wollte dann niemand sehen. Das hat mich sehr geärgert.
Am zweiten Wochenende in Brno wurde ich krank. Das war am Freitag schon abzusehen, also ging ich in eine Apotheke und kaufte passende Medikamente. Der Apotheker hätte sogar Deutsch sprechen können, wie wir am Ende festgestellt haben. Aber mit Hilfe des Wörterbuchs und meiner teilweisen Kenntnisse der tschechischen Sprache kam ich auch in dieser Situation zurecht.

Sicherheit

Über die Sicherheit habe ich mir keine Gedanken gemacht. Tschechien gehört zu Europa. Ich war schon häufiger dort. Es ist ein Bisschen so als ginge man die Nachbarn besuchen. Als ich dort war habe ich mich geärgert, dass ich meine Gürteltasche für wichtige Dokumente vergessen habe. Ich habe aber nichts verloren und niemand hat mir etwas gestohlen. In Deutschland trage ich meinen Ausweis ja auch im Rucksack mit mir rum. Ich habe mich dort nicht anders verhalten als hier.

Geld

In Tschechien bezahlt man mit Kronen. Von früheren Aufenthalten in dem Land hatte ich noch etwas tschechisches Geld. Das habe ich mitgenommen, was für den Anfang auch sehr gut war. Das von der Gastgeberorganisation versprochene Taschengeld habe ich erst sehr verspätet bekommen. Man bezahlt in Brno viel mit Bargeld. Es gibt auch mehrere Stellen in der Innenstadt, wo man Geld tauschen kann. In den meisten Geschäften werden aber auch EC- oder Kreditkarten akzeptiert. Man sollte sich vorher bei seiner Bank informieren, welche Gebühren dafür anfallen.
Die Preise sind in Tschechien ähnlich wie in Deutschland oder etwas niedriger. Das hängt sehr davon ab, was man kauft. Kosmetikprodukte und Schokolade sind z.B. in Deutschland günstiger, viele Grundnahrungsmittel sind in Tschechien günstiger.

Sprache

Amtssprache in Tschechien ist Tschechisch und mir sind auch gelegentlich Menschen begegnet, die kein Wort Englisch oder Deutsch sprachen. Besonders mit der Unterkunft hätte ich große Probleme gehabt, hätte ich gar kein Tschechisch verstanden. Die anderen drei Austausch-Famulanten waren sehr dankbar, dass ich versucht habe für sie zu übersetzen.
Während des Praktikums wäre ich auch mit Englisch zurecht gekommen. Alle Ärzte dort konnten recht gut Englisch sprechen, auch wenn sie sich oft nicht getraut haben. Wenn mal jemand nicht wusste, wie er etwas ausdrücken soll, haben wir gemeinsam nach dem passenden Wort gesucht.
Die Schwestern sprachen nur selten Englisch. Eine sprach Deutsch. Mit ihnen habe ich tschechisch gesprochen. Sie waren sehr begeistert davon, dass eine Deutsche tschechisch spricht. Eine der Ärztinnen ging auch dazu über, mit mir tschechisch zu sprechen, als sie bemerkte, dass ich das verstehe. In meinen Augen waren meine Tschechischkenntnisse aber zu gering, um im Krankenhaus arbeiten zu können. Ich hatte immer ein kleines Tschechisch-Wörterbuch dabei, sodass ich auch Anamnese-Dokumentationen und Beschriftungen übersetzen konnte. Es dauerte oft eine Weile, bis ich verstand und reagieren konnte. Tschechen haben auch einen speziellen Humor, und es fiel mir meistens sehr schwer, den Witz zu finden.
Für das Praktikum und für touristisches Programm ist das geforderte B2-Niveau für Englisch gut. Man muss nicht Tschechisch sprechen, um in Tschechien zurecht zu kommen, aber es erleichtert die Sache ziemlich.

Verkehrsbindungen

Ich bin mit der Bahn nach Tschechien gefahren. Es war auch kein Problem, auf der Internetseite der Deutschen Bahn ein Ticket nach Brno zu buchen, nur für die Rückfahrt funktionierte das nicht. In Tschechien ist das Bahnfahren recht günstig. Man kauft die Fahrkarten noch schön nostalgisch am Schalter im Bahnhof. Brno hat viele Straßenbahnen und Busse, für die ich eine Monatskarte gekauft habe. Man muss dabei beachten, dass Studententickets nur von Studenten bis 26 Jahre gekauft werden dürfen. Ich musste also den Normalpreis zahlen. Die Straßenbahnen fuhren tagsüber im 5-Minuten-Takt und abends bis ca. 22 Uhr. Später musste man Nachtbusse benutzen.

Kommunikation

Zum telefonieren und SMS schreiben konnte ich meine deutsche SIM-Karte benutzen. Ich habe trotzdem eine tschechische gekauft, weil das günstiger war. Man bekommt SIM-Karten in jedem Kiosk, der dort “trafika” heißt, und kann das Guthaben auch dort wieder aufladen. Tschechen schreiben gerne SMS. Unter den Studenten ist aber auch WhatsApp verbreitet.
Im Wohnheim gab es WLAN, allerdings nicht in unserem Gebäude. Ich saß also oft im Nebengebäude im Foyer, um Mails zu schreiben, oder mich mit dem kommenden Semester zu beschäftigen.

Unterkunft

Die Gastgeberorganisation hat für mich einen Platz in einem Studentenwohnheim organisiert. Das war wohl ursprünglich anders geplant gewesen. Eigentlich sollte ich, und auch die drei anderen ausländischen Famulantinnen, in einem Wohnheim der Universität, zu der auch das Krankenhaus gehörte, untergebracht sein. Das wurde, wie mir berichtet wurde, einen Tag vor meiner Ankunft storniert. So kurzfristig eine Ersatzlösung zu finden, war sicher nicht einfach. Aber das Wohnheim, wo ich dann wohnen musste, war in meinen Augen eine Zumutung.
Es ist nicht schlimm, das Zimmer mit einer anderen Studentin zu teilen. Ich bin nur furchtbar erschrocken, als sie plötzlich da war, denn man hatte mir gesagt, dass ich allein bleibe, obwohl da ein zweites Bett steht. Wir haben uns aber sehr gut verstanden. Was mich an dem Wohnheim am meisten gestört hat, waren die Duschen, es gab 8 Duschen, die von Männern und Frauen gemeinsam genutzt wurden, in einem großen Raum auf einem Flur mit 32 Doppelzimmern. Zwei der anderen Austauschstudentinnen kamen aus dem nahen Osten und konnten damit gar nicht umgehen. Aber auch ich fand es sehr unangenehm, mit den Männern zusammen duschen zu müssen. Die Toiletten hatten den Vorteil, dass man die Tür hinter sich zu machen konnte, wenn man an den Pisoirs vorbei war. Insgesamt war das Ganze auch nicht gerade sauber. Wenn ich etwas kochen wollte, musste ich vorher erst mal grob sauber machen, um sehen zu können, wo die Herdplatte ist. Es gab Herdplatten in der Küche und Kühlschränke, die man sich mit anderen teilen musste, wie das für ein Wohnheim normal ist. Nur die Sauberkeit schien das Klischee der unordentlichen Afrikaner zu bestätigen. Die meisten Studenten auf unserem Flur kamen aus Afrika. Einmal bin ich ausgerutscht, weil ich beim Betreten der Küche nicht auf den Boden geguckt habe, und jemandem vorher eine Ölfasche runter gefallen ist. Das Öl sammelte sich in einem kleinen See in der Mitte des Raumes, aber drum herum waren die Fliesen natürlich rutschig. Und niemand hielt es für nötig sauber zu machen.

Literatur

Ich kann keine Literaturempfehlung abgeben, da ich es versäumt habe, mich vor meinem Praktikum genauer über Brno zu informieren. Über Tschechien im Allgemeinen wusste ich einiges schon aus dem Tschechischunterricht und dem Kurs an der Uni. Ich habe mir auch keine medizinische Literatur auf tschechisch besorgt. Natürlich habe ich vorher gezielt medizinisch relevante Vokabeln, wie zum Beispiel Körperteile, geübt. Da man auf der Intensivstation mit dem beatmeten Patienten nicht so viel sprechen kann, wäre es aber vielleicht auch sinnvoll gewesen englische medizinische Vokabeln zu üben, um mit den Ärzten über die Patienten sprechen zu können. Das wichtigste Buch war in meinem Augen so ein kleines Wörterbuch, das in jeder Kitteltasche Platz hat, um das eine Wort, dass grad niemandem einfällt, nachschlagen zu können. Ich habe mir auch in einem kleinen Notizheft eine Sammlung mit wichtigen Vokabeln angelegt.

Mitzunehmen

Ich hatte viel zu viel Sommerkleidung dabei. Als ich meine Tasche packte, waren 30 Grad Celsius. Das hat sich aber schnell geändert. Auch die vielen weißen Hosen waren überflüssig, weil ich die ganze Zeit entweder Lila (OP) oder Rot (Intensivstation) getragen habe. Mein eigenes Stethoskop habe ich auch nicht einmal benutzt, weil die dort patientengebunden benutzt wurden, um zu vermeiden, dass man Krankheitserreger von Patient zu Patient weiterträgt.
Mir wurde gesagt, ich sollte mein eigenes Geschirr, Besteck und Kochtöpfe mitbringen. Die anderen drei Mädels hatten diese Information ignoriert, sodass mein Topf zu einem sehr beliebten Gegenstand wurde. Ich habe auch sehr viel gekocht, da die Mensa zwar direkt neben unserem Wohnheim war, aber nur bis 14:00 Uhr geöffnet hatte. So früh war ich nur ein einziges Mal aus dem Krankenhaus zurück.
Ich hatte sehr viel Gepäck dabei, sodass ich unterwegs von manchen Leuten verspottet wurde. Trotzdem fehlte mir manches. Aber in Brno kann man genauso einkaufen, wie in einer deutschen Stadt. Ich hatte weder Mütze noch Schal noch Handschuhe mitgenommen, auch keinen Schneebesen oder Waschmittel. Das waren ja aber Kleinigkeiten.
Ich war froh darüber, dass ich einen Laptop dabei hatte. Auch meine Gitarre habe ich häufig benutzt. Wörterbücher für Englisch und Tschechisch waren wichtig. EKG-Pocket war auch nicht schlecht, denn sowas gab es zwar auch dort, allerdings auf tschechisch. Die anderen medizinischen Bücher, die ich dabei hatte, habe ich nicht genutzt.
Ein elegantes Kleid mitzunehmen, war für mich genauso überflüssig wie die Wanderschuhe, aber ich denke, dass man, wenn man nicht krank wird, durchaus beides gut gebrauchen kann.

Reise und Ankunft

Die Fahrt nach Brno im EC war bequem. Dass der Zug 20 min Verspätung hatte, fand ich nicht schlimm, aber die Person, die mich abholen sollte, hatte damit ein großes Problem. Ich wurde am Bahnhof abgeholt. Die Studentin, die mich abholte, hatte aber keine Zeit. Wir rannten dort hin, wo man die Monatstickets für den öffentlichen Personennahverkehr kaufen kann. Anschließend wollte sie mich allein zum Wohnheim schicken. Da ich aber nicht wusste, wo ich hin muss, und wie ich da hin komme, hat sie mich dann doch dorthin begleitet. An der Rezeption ließ sie mich mit den Worten “Wir sehen uns morgen” stehen. Dann hab ich sie drei Wochen lang nicht mehr gesehen. Da die Rezeptionsdame nur tschechisch sprach, wurde das kleine Wörterbuch schnell zu meinem besten Freund. Die Frau war sehr nett und erklärte mir, wie man sich im Wohnheim zu verhalten hat, wo ich meinen Mietvertrag unterschreiben gehen muss und wo ich den nächsten Supermarkt finde. Einen kleinen Stadtplan für das Zentrum gab sie mir auch mit, sodass ich mich ein Bisschen orientieren konnte. Die ersten drei Tage waren die Rezeptionsdamen im Wohnheim meine Gesprächspartner. Die anderen Studenten auf meinem Flur sprachen Französisch oder andere mir nicht bekannte Sprachen und meine Contact person war verreist. Die anderen Austauschstudentinnen reisten später an.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Das Praktikum in der Notfallmedizin war super. Deswegen würde ich den Aufenthalt dort auch weiterempfehlen, auch wenn das Drumherum schlecht organisiert und schmutzig und unfreundlich wirkte. Mein eigentlicher Tutor war auch sehr selten anwesend. Manchmal hab ich ihn zur Morgenbesprechung gesehen. Aber er hat für mich organisiert, dass ich eine Woche in der Anästhesie verbringen kann um mich mit Beatmung und Narkosemedikamenten zu beschäftigen. Und anschließen war ich 3 Wochen auf der Intensivstation. Da mein Tutor nicht da war, war ich die meiste Zeit mit dem Leiter der Intensivstation unterwegs.
Schon im OP haben die Ärzte sich sehr viel Mühe gegeben, mir alles zu erklären. Einer von denen redete offenbar sehr gern, und freute sich, dass ihm jemand zuhört. Er sprach recht gut Englisch und hörte gar nicht auf Vorträge zu halten. Als ihm die medizinischen Themen ausgingen, machte er mit tschechischer Geschichte weiter. Die anderen Ärzte machten Witze über die verrückten, die den ganzen Tag mit Fremdwörtern um sich warfen. Sie wussten ja nicht, dass ich auch ein Bisschen tschechisch verstehe. Im OP konnte ich auch vieles praktisch üben. Aufgefallen ist mir dabei, dass es nicht erwünscht ist, wenn ich Aufgaben der Schwestern übernehme. Ich habe also in den vier Wochen nicht eine Flexüle gelegt. Aber ich habe Maskenbeatmung geübt, bis ich Krämpfe in der linken Hand hatte.
Mir wurden keine Aufgaben übertragen, die ich selbstständig hätte erledigen sollen. Einmal hatte jemand die Patientin im OP-Saal abgestellt, bevor die Anästhesie-Schwester oder der Arzt kamen. Da habe ich dann einfach angefangen mit dem Monitoring und den Kontrollfragen. Sonst habe ich alles nur unter Aufsicht getan. Selbstständigkeit war nicht so gefragt.
Auf der Intensivstation habe ich noch mehr Zeit nur mit Zuhören verbracht. Mir wurde sehr viel gezeigt und meistens auch parallel erklärt, wozu das gut ist. Ich hätte mir gewünscht, dass ich noch mehr selbst tun darf. Eine ZVK-Anlage anzusehen ist ja nicht verkehrt, aber in meiner Krankenschwesternausbildung habe ich dabei assistiert. Es fiel mir schwer, mich auf Kopfarbeit zu beschränken. Wenn ich gerade nichts zu tun hatte, hätte ich auch beim Putzen geholfen oder die Schwestern bei irgendwas unterstützt. Das war aber nicht erwünscht. Es wurde klar zwischen ärztlichen und pflegerischen Aufgaben getrennt.
Am besten fand ich die Betreuung durch den Leiter der Intensivstation. Da mein eigentlicher Tutor so gut wie nie anwesend war, habe ich mich an ihn gehalten. Er gab sich große Mühe, mir alles mögliche beizubringen. Obwohl es ihm schwer fiel, Englisch zu sprechen, beantwortete er mir jede Frage ausführlich. An meinem ersten Tag auf der Intensivstation fragte er, was ich gern mal lernen würde. Da ich unter anderem EKG-Auswertung genannt habe, hielt er erst einen kleinen Vortrag dazu, wertete dann ein EKG eines aktuellen Patienten aus, und legte mir dann eins zum Auswerten hin. Am nächsten Tag kam er von der Mittagspause mit einem ganzen Stapel EKGs zurück, die ich auswerten sollte. Wir haben sehr viele Dinge theoretisch besprochen. Dieser Arzt wirkte so begeistert von seinem Beruf, dass er mir möglichst viel darüber erzählen wollte. Er war auch ständig auf der Suche nach Patienten mit speziellen Erkrankungen, Komplikationen oder sonst irgendetwas, was mich interessieren könnte. Wenn es auf einer anderen Intensivstation etwas spannendes gab, ging er mit mir da hin. Zweimal standen wir auf dem Hubschrauberlandeplatz und warteten auf Polytrauma-Patienten. Ich habe nicht viel praktisch getan, aber viel zu sehen bekommen.

Land und Leute

Da ich krank war sind Ausflüge und Unternehmungen bei meinem Aufenthalt in Brno etwas zu kurz gekommen. Am ersten Wochenende war mir ziemlich langweilig, da ich mich im Vorfeld nicht gut informiert hatte, was ich alles unternehmen könnte, und meine contact person keine Zeit hatte. Ich bin mit meinem kleinen Stadtplan durch die schöne Innenstadt spaziert. Es gibt viele katholische Kirchen, die man ansehen kann, und wo auch abends oft Messen stattfinden. In der Stadt gibt es auch viel Musik von Straßenmusikern oder als Konzert, wo man keinen Eintritt zahlen muss. Es gibt auch einige Museen, aber ich bin in keinem gewesen.
Man könnte Ausflüge nach Prag oder Karlovy vary unternehmen. In Mähren kann man sicher schön wandern gehen. Man kann in Brno, wie in jeder Großstadt, ins Kino oder Theater gehen. Für alles das hatte ich keine Kraft. Nachmittags gingen die anderen Austauschstudenten zum shoppen, ins Kino oder zu McDonalds. Ich ging meistens schlafen. Ich war froh, dass ich es geschafft habe zum Praktikum zu gehen.
Von Brno ist es auch nicht weit nach Wien. Dort war ich für einen Tag. Die free walking tour, an der ich teilgenommen habe, war lustig und gab einen guten Überblick über die schöne Altstadt. In Wien gäbe es viel zu sehen, aber Übernachten ist teuer. Nach Wien kann man mit dem Fernbus fahren, was günstig ist, bei mir aber nicht funktioniert hat, weil der Bus nicht kam. Also bin ich doch mit dem Zug gefahren.
Mit den tschechischen Studenten habe ich nicht wirklich viel unternommen. Einmal haben wir einen Ausflug zu einer Burg in der Umgebung gemacht und es gab eine Stadtführung, die ich aber auch hätte gestalten können, da ich am ersten Wochenende allein durch die Stadt spaziert bin.
Das Essen ist in Tschechien nicht so viel anders als bei uns. Man kann in Brno genauso Fastfood kaufen wie hier. Ins Restaurant zu gehen ist aber günstiger als in Deutschland. Tschechen essen gerne süß und wenn es was herzhaftes gibt, ist es meist mit Kümmel gewürzt. Niedlich fand ich kleine von Fahrrädern gezogene Wägen in der Innenstadt, an denen Kaffe oder Eis verkauft wurde. Das Pflaumeneis habe ich probiert und würde es weiterempfehlen.
Zur politischen und wirtschaftlichen Situation des Landes kann ich nicht viel sagen. Ich habe den Wahlkampf miterlebt, der mich aber sehr an zuhause erinnerte. In der Innenstadt traf man immer mal auf Parteimitglieder, die Flyer verteilten, und überall hingen Plakate. Inzwischen haben die Tschechen eine Minderheitsregierung.

Fazit

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich einen sehr guten Famulaturplatz bekommen habe. Tschechien ist für mich kein exotisches Land. Ich werde sicher gelegentlich wieder dort hin fahren. In Tschechien zu arbeiten, stelle ich mir schwer vor, da ich die Sprache nicht so sehr gut spreche, und ist auch nicht mein Ziel.
Den Nebeneffekt anderer Auslandsaufenthalte, dass man eine fremde Kultur kennenlernt, hatte ich in Brno nur sehr beschränkt. Trotzdem bin ich froh über die gemachten Erfahrungen. Ich habe keine Fotos, die an Urlaub erinnern, wie das bei anderen Auslandsaufenthalten üblich ist, aber ich habe ein Stück hervorragende Ausbildung genossen.

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