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Indonesia (CIMSA-ISMKI)

Tropenmedizin - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Caspar, München

Motivation

Über Indonesien wusste ich bisher nur, dass es sich um ein Konvolut aus unzähligen Inseln in den tropischen Breitengraden Asiens handelt. Für eine Famulatur wurde das Land insbesondere aufgrund der geographischen Lage in den Tropen und seinem Entwicklungsland-Status interessant. Infektionskrankheiten, insbesondere tropische, ausgeprägte pathologische Befunde bei fortgeschrittenen Krankheitsbildern und natürlich die Aussicht auf die Erkundung der größten muslimisch geprägten Gesellschaft der Welt und deren Kultur waren die Hauptgründe für die Ortswahl.

Vorbereitung

Die Vorbereitung von meiner Seite war recht überschaubar. Ich wählte Tangerang überwiegend wegen der hervorragenden Verkehrsanbindung für Internationale Flüge und der Nähe zur Küste. Leider gab es noch keine Erfahrungsberichte für Tangerang. Neben der Lektüre eines Reiseführers ist sind noch Reiseimpfungen zu empfehlen (gegen Thyphus, Meningitis und evtl. Tuberkulose) Malariaprophylaxe braucht man nicht in allen Regionen Indonesiens. In Tangerang gab es nur Dengue, weshalb ich mit Repellent und langer Kleidung zur Risikominimierung von Mückenstichen achtete. Außerdem ist eine Auslandskrankenversicherung für den Austausch verpflichtend.
Wichtig ist bei der Wahl des Reisezeitpunktes die Beachtung der Klimatischen Bedingungen. Von ca. November bis März ist Monsunzeit und es regnet fast täglich insbesondere in den höheren Regionen Indonesiens, während Küstenregionen auch in der Regenzeit relativ trocken bleiben können. Also bei der Ortswahl auch die Jahreszeitliche Niederschlagsverteilung beachten! Ich habe als heller Hauttyp die meist geschlossene Wolkendecke und die „kühlen“ Temperaturen von meist 25-30 °C in der Monsun Zeit genossen ;) Allerdings würde ich nicht in eine hoch gelegene Region mit hohem Niederschlagsrisiko während dieser Zeit gehen.

Visum

Die Beantragung eines Visums ist Pflicht. (Das Visum bei Ankunft im Land wird vom Krankenhaus nicht akzeptiert) Mein Visum habe ich bei der Botschaft in Frankfurt beantragt. Nach Zusendung des Personalausweises, der Einladung, des Antragsformulares, der Passbilder, meines Kontostandes und der Überweisung von 50€, kam das Visum 10 Tage später retour. Eine Beantragung 8 Wochen vor Reiseantritt wird empfohlen.

Gesundheit

Neben Reiseimpfungen (am besten Reiseziel abhängig von einem Tropenmediziner beraten lassen) war ein Tuberkulintest vom Krankenhaus verlangt. Eine kleine Reiseapotheke ist sicher sinnvoll, allerdings können alle Medikamente wahrscheinlich günstiger im Zielland erworben werden. Insbesondere, da man sich ja eh die ganze Zeit im Krankenhaus aufhält ;) Zum Schutz vor Mückenstichen empfiehlt sich ein Repellent und lange Kleider, mein Mückennetz hab ich bei den meist gut geschützten Schlafzimmern nie ausgepackt. Im Krankenhaus besteht ein reelles Risiko, sich mit Tuberkulose anzustecken, da es nicht an offenen Lungentuberkulose Patienten mangelt. Die Studenten vor Ort haben steht gescherzt, dass sie nun bald mal selbst einen Röntgen Thorax machen sollten ;)

Sicherheit

Bezüglich der Sicherheitslage habe ich mich auf der Seite des Auswertigen Amtes informiert. Indonesien und insbesondere die Hauptstadtregion ist sehr sicher. Es besteht lediglich ein erhöhtes Erdbeben Risiko. Während meines Aufenthaltes gab es davon 2 der Stärke 6,5 von denen ich allerdings nichts mitbekam. Ich habe mich nie unsicher gefühlt, auch nicht bei nächtlichen Unternehmungen. Von unserer vierköpfigen Reisegruppe wurde meines Wissens nie jemand übers Ohr gehauen bei Einkäufen. Busfahrer gaben stehts das richtige Wechselgeld zurück. Kurz gesagt: Ich hätte keine Bedenken, alleine das Land zu bereisen.

Geld

Landeswährung ist der Rupia, wobei ca. 15 000 Rupia einem Eruo entsprechen. Ein vegetarisches Hauptgericht kostet in Tangerang im Schnitt 1,50 €. Im Großen und Ganzem ist Indonesien für europäische Verhältnisse sehr günstig. Natürlich gibt es bei Luxus auch in Indonesien bei Preisen keine Grenzen nach oben.
Zum Überblick ein paar Beispiele: Fahrt vom Flughafen zum Krankenhaus mit dem Taxi über eine Stunde: 6€; Ganzkörpermassage: 10€; eine Nacht in einem Inselresort mit Anfahrt, Essen und Schnorcheln: ca. 100€; eine Kurzstreckenfahrt mit einem Hop on Hop off Bus: 0,20 €.
Ich habe pro Woche mit Wochenendausflügen im Schnitt 100€ ausgegeben. Preise sind überwiegend in touristischen Regionen und Städten wesentlich höher. Man kann überall problemlos mit der Kreditkarte Geld abheben und meist auch bezahlen. Sicherheitshalber habe ich auch noch genügend Bargeld in Euros mitgenommen, um für den Fall eines Verlustes meiner Kreditkarte abgesichert zu sein.

Sprache

Die Sprache ist wohl der wichtigste Aspekt bei dem Auslandsaufenthalt. Denn wenn du nicht gerade Bahasa sprichst, bist du von Übersetzungen der Ärzte und Studenten abhängig. Die Studenten sprachen zum größten Teil sehr gutes Englisch in Tangerang, bei den Ärzten war es hingegen oft recht durchwachsen. Nur ein Viertel der Seminare wurde in Englisch gehalten, beim Rest war ich auf Übersetzungen angewiesen. Von Patienten kann man grundsätzlich keine Englischkenntnisse erwarten, sodass eine direkte Kommunikation nicht möglich war. Aufgrund der Sprache würde ich nur Praktika, welche kaum Arzt – Patienten Kommunikation erfordern, empfehlen. In der Tropenmedizin ist eine Famulatur aufgrund der fehlenden Sprachkenntnisse zum Großteil auf das Beobachten und Lehrveranstaltungen beschränkt. Auch das Reisen ist ohne Bahasa nicht leicht. Sehr oft mussten wir auf Google Translate zurückgreifen ;)

Verkehrsbindungen

Ein Großteil der Flüge nach Indonesien geht über Jakarta, weshalb man leicht einen Flug in Jakartas Satellitenstadt Tangerang findet. Mit Qatar Airways hat dieser mit einem Transit 600€ gekostet. Der billigste Flug hätte ca. 450€ gekostet.
Der Verkehr in Jakarta ist ein fürchterliches Gewühle aus Autostaus und Motorroller, für welche scheinbar keine Verkehrsregeln gelten. Am besten meidet man die Hauptverkehrszeiten, da man allein in Jakarta von A nach B gut einundhalb Stunden brauchen kann. Das beste Verkehrsmittel ist ein Taxi, welches man mithilfe einer App (Uber, Go Car, Grab Car) ordert. Diese gibt den Standort an den Taxifahrer weiter, setzt den Preis im Vornhinein fest und man kann mithilfe der App auch verfolgen, dass man ans richtige Ziel kommt. Kurze Strecken (bis 150 km) kann man mit dem Bus und auf wenigen Strecken auch mit dem Zug begehen. Für längere Strecken muss man in der Regel einen Innlandsflug buchen, will man nicht einen ganzen Tag auf der Straße verlieren. In der Stadt verkehren auf festgelegten Routen kleine Hop on Hop off Busse, welche sehr preisgünstig sind und das Reisen recht spannend machen.

Kommunikation

Es empfiehlt sich eine Sim Karte zu besorgen, schon allein des Transports wegen. Diese kostet mit umfangreichen Datenvolumen ca. 10€ für einen Monat. Überdies gab es im gesamten Wohnheim und Krankenhaus W-Lan.

Unterkunft

Die Unterkunft wurde von der Gastorganisation ca. 5 min vom Krankenhaus in einem bewachten Bezirk gestellt. Durch die Eingangskontrolle hat man sich stets sicher gefühlt und keine Angst vor Diebstahl gehabt. Die Unterkunft war ein verhältnismäßig luxuriöses Studentenwohnheim mit Küchen, Aufenthaltsräumen, klimatisierten Einzelzimmern und eigenem Bad mit Warmwasser. Da unsere gesamte Austauschgruppe im gleichem Gebäude untergebracht war, konnte man sehr einfach gemeinsame Unternehmungen starten und somit war die wichtigste Grundlage für eine ganze Menge Spaß gegeben ;) Das beste an der Unterkunft: täglicher Wasch und Bügelservice, was man bei 30 °C und Dresscode im Krankenhaus sehr zu schätzen lernt!

Literatur

Ich habe mir den Reiseführer von Stefan Loose besorgt, welcher sehr ausführlich ist aber trotzdem nicht aktuelle Informationen im Internet oder die Ratschläge von Einheimischen ersetzen konnte. Die wichtigste Informationsquelle war für mich die Einheimischen vor Ort. Es gibt lange nicht für alles eine Web-Präsenz, sodass die Mundpropaganda oft die einzige Informationsquelle bleibt.

Mitzunehmen

In der Klinik herrscht ein strenger Dress Code mit Hemd und langer Hose bzw. Rock/Kleid. Grundsätzlich kann man in den großen Städten von Indonesien alles kaufen, was man in Europa findet. Also gibt es kein Produkt, das man unbedingt einführen müsste.

Reise und Ankunft

Nach Ankunft am Flughafen am Vorabend des Praktikum Beginns wurde ich vom LEO abgeholt und ins Wohnheim gebracht. Dies verlief problemlos, nachdem wir vorher Kontakt aufgenommen hatten. Am morgen darauf trafen wir erneut unseren LEO und wurden unserem Betreuer vorgestellt und kurz durchs Krankenhaus geführt und mit den Regeln und Formalitäten vertraut gemacht.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Meine Erwartungen an das Praktikum waren einen Einblick in das lokale Gesundheitssystem zu bekommen, mehr über exotische Tropenerkrankungen und die lokale Epidemiologie von Erkrankungen zu erfahren und natürlich das Arbeiten in einem Krankenhaus im Entwicklungsland.
Grundsätzlich sind immer zwei Studenten einem Oberarzt zugeteilt. Diese müssen für ihn die Patienten in der Visite und im Outpatient department vorbereiten. Du bist also der dritte im Glied und an den Betreuer gebunden. Der Arbeitsablauf in der Inneren Medizin (welche auch Tropenmedizin beinhaltete) war Folgender: ca. 8 Uhr Beginn, treffen mit den Studenten, welche meist schon seit ein bis zwei Stunden im Krankenhaus waren, um die Visitendokumentation vorzubereiten und in die Morgenbesprechung zu gehen. Danach zog sich meist eine Betreuerabhängige Wartezeit, welche wir meist mit Vorbereitungen, Quatschen oder auch Frühstück füllten. Irgendwann kam dann der Oberarzt, um mindestens 30 Patienten in unter 2 Stunden in der Ambulanz zu sehen. Dabei ging es meistens um die Volkserkrankungen Bluthochdruck, Diabetes, Tuberkulose oder Hep.-B Leberzirrose. Die durchschnittliche Konsultationsdauer für Allgemeinversicherte belief sich auf unter 5 min in der Visite bzw. Ambulanz. Bei den privatversicherten etwas länger, leider besuchte der Oberarzt die Privaten aber meist ohne Studenten. Eine Mittagspause konnte ich einlegen, wann immer ich wollte. Essen gab es an allen Ecken im Krankenhaus, von traditionellen Gerichten über Sushi zu Meeresfrüchten eine große Auswahl an leckeren Gerichten. Nachdem wir am frühen Nachmittag die Dritte Klasse Patienten und die Zweite Klasse Patienten abgeklappert hatten, gab es oft noch ein Bedside teaching oder einen Case report und um ca 14:00 bis 15:00 wurde man meist entlassen. Um ein paar Fälle zu bearbeiten habe ich auch einen Casereport pro Woche geschrieben und am Ende eine kleine Präsentation gehalten. Ein Highlight war es, Leprapatienten zu sehen, eine Erkrankung, die ich als ausgestorben wähnte. Leider musste man aber lange auf die betreuenden Oberärzte warten, was insbesondere den Studenten vor Ort Arbeitszeiten von 6:00 bis 18:00 bescherte. Dazu kam noch ein 24 h Dienst ohne Kompensation pro Woche und ein Dienst am Samstag Vormittag. Dabei Verrichteten die Studenten nur Schreibkram und Schwesternaufgaben, ärztliche Skills wurden über Anamnese und Untersuchung hinaus nicht vermittelt. Dementsprechend war man auch als Praktikant nicht im Krankenhausalltag integriert, sondern verfolgte die Studenten bei ihren Tätigkeiten. Um die Sprachbarriere in der Inneren Medizin zu umgehen, bat ich in der dritten Woche, auf die Intensiv zu wechseln. Auch wenn dort für die gesetzlich versicherten Patienten nur eine ärztliche Schicht bereit gestellt wurde (und dementsprechend auch nicht viel passierte) hatte man doch immer einen Arzt als Ansprechpartner.

Land und Leute

Kurz zum Gesundheitssysthem: Auch in Indonesien bekommt man heute zutage eine erstklassige Behandlung, wenn man genug Geld hat. Allerdings sind nur die wenigsten Privat versichert, für die Gesetzlich Versicherten werden kaum Medikamente und Leistungen erstattet und ein großer Teil der Bevölkerung ist gar nicht Versichert. Die Gesetzliche Versicherung lässt sich in die Klassen 1-3 Unterteilen, wobei für die dritte Klasse ein Saal mit Vorhängen zwischen den Betten zur Verfügung steht, das Labor nur alle paar Tage angefordert werden kann und auch nur wenige Medikamente verschrieben werden können. Für die Privatpatienten hingegen gab es auch ein Gamma knife ;) Die Arztgang für allgemeinversicherte verläuft Folgendermaßen: Zuerst sucht man einen Allgemeinarzt auf, welcher an die 100 Patienten am Tag sieht. Dieser ist in der Diagnostik und Zeit recht eingeschränkt, sodass er auch einfache Patienten an eine C oder B Klinik weiterleitet. Dort sind gibt es dann Experten und mehr diagnostische Möglichkeiten. Die höchste Stufe der Versorgung ist das A Krankenhaus für Komplexe Patienten.
Indonesien zählt mit knapp 340 Millionen Einwohnern zu den Bevölkerungsreichsten Ländern der Welt und die vorherrschende Religion ist der Islam. Daran wird man bereits um 5 Uhr morgens erinnert, wenn der Muezin zum ersten Gebet ruft. Bis auf die zahlreichen Gebeten und der Absenz von Alkohol in den meisten Restaurants fällt die muslimische Kultur nicht allzusehr auf. Beim Leben- und Kleidungsstil erschien die Bevölkerung recht tolerant.
Die Universität von Tangerang ist ein christliches Pflaster und daneben eines der reichsten Gebiete Indonesiens, was man an Autos, Malls und den gepflegten Anlagen erkennen konnte. Insbesondere die Privatuniversität war wie aus dem Ei gepellt. Auf dem Campus gab es zwei schöne Pools mit toller Aussicht, welche wir regelmäßig nach der Arbeit frequentierten. Die „Lokals“ sind ausgesprochen höflich und herzlich. Als Europäer ist man vielerorts noch ein Exot und wird um ein Foto gebeten. Und die Kulinarik kommt sicher nicht zu kurz: neben exotischen Früchten (davon gibt es diverse Arten, die in Europa beim Großteil der Konsumenten völlig unbekannt sind) findet man nette Restaurants, welche Essen auf Bananenblättern servieren und frische Fruchtsäfte bzw Kokusnüsse anbieten. Nahe des Wohnheims befindet sich eine Art permanentes Food festival, welche eine große Auswahl leckeren Essens bietet. Selber kochen wurde nur von wenigen praktiziert ;)
Das Social Program und die Abende mit den Locals waren echte Highlights. Neben einer Willkommens und Abschiedsparty mit Meeresfrüchteessen ging es an den Wochenenden ins Hinterland, wo wir Vulkane, Reisfelder, Teeplantagen, Wasserfälle und Heiße Quellen erkundeten. Ein weiterer Ausflug führte auf eine Insel mit türkisem Wasser und herrlichen Korallenriffen!

Fazit

Rundum hat mir der Aufenthalt sehr viel Spaß gemacht! Aufgrund der fehlenden Sprachkenntnisse würde ich aber Fächer wie Anästhesie oder Radiologie empfehlen (dort hat man auch genügend Gelegenheiten exotische Krankheiten zu sehen und immer einen Ansprechpartner). Tangerang ist eine Großstadt, also sollte man nicht dorthin fahren, wenn man von Naturheilern, Menschen in Bambushütten und unberührter Natur träumt ;) Indonesien würde ich sehr gerne wieder bereisen, dabei aber am liebsten Papua, wo der Entwicklungsstand noch etwas niedriger ist und man auf ursprüngliche Lebensformen der Eingeborenen treffen kann!

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