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Institute for Indian Mother and Child (Indien)

Verschiedene - SCOPH (Public-Health Austausch)
Anonym

Motivation

Schon zu Beginn meines Studiums hatte ich den Wunsch, hinter die Kulissen eines Entwicklungsprojektes zu blicken und zu verstehen, wie eine NGO funktioniert. Ich habe mich dann über die Homepage des bvmds über mögliche Projekte informiert. Nachdem ich einige Erfahrungsberichte zu dem Projekt des IIMC gelesen hatte, war die Entscheidung schnell gefallen. Zudem hat mich Indien als Land mit seiner facettenreichen Kultur schon lange interessiert.

Vorbereitung

Da ich vor dem Aufenthalt in Indien im Prüfungsstress war, hatte ich wenig Zeit zur Vorbereitung. Auch wenn ich mir direkt vor der Abreise gewünscht habe, dass ich doch ein wenig mehr Zeit in die Vorbereitung gesteckt hätte, war es im Endeffekt gut, einfach mit einer offenen Einstellung nach Indien und in das Projekt zu fahren, ohne zu viele Erwartungen zu haben. Eine aufwendigen Vorbereitung auf den Aufenthalt bedarf es meiner Meinung nach nicht.

Visum

Das Visum habe ich online beantragt. Ich habe ein eVisum gehabt, was vollkommen ausgereicht hat. Das Beantragen kostet etwas Zeit und der Fragebogen ist recht detailliert, es gab aber kein Problem bei der Bewilligung des Visums.

Gesundheit

Circa 4 Wochen vor Abreise habe ich mich mit den Impfungen beschäftigt. Ich musste einige Impfungen, wie z.B. Tollwut, auffrischen lassen. Falls ihr noch keine Reiseimpfungen in der Vergangenheit erhalten habt, solltet ihr euch frühzeitig mit den Impfungen beschäftigen, um ohne Stress alles nötige impfen zu lassen.
Ich habe Malaria-Standby Medikamente mitgenommen und während der Zeit keine dauerhafte Prophylaxe eingenommen. So haben es fast alle Freiwilligen gehandhabt. Ausreichend Mückenspray würde ich in jedem Fall mitnehmen. Ich habe hatte Nobite dabei, das hat super funktioniert. Ein Mückennetz gab es in dem Guesthouse über jedem Bett und muss also nicht von Deutschland aus mitgenommen werden.
Ansonsten ist es sicherlich eine gute Idee die typischen Medikamente gegen Magendarmbeschwerden mitzunehmen.

Sicherheit

Vor meiner Abreise waren einige Freunde und Familienmitglieder wegen der Sicherheitslage für Frauen in Indien besorgt. Ich habe mir im Vorhinein wenig Gedanken über evtl. Sicherheitsbedenken gemacht und wollte erst einmal die Situation auf mich zukommen lassen. Während meines Aufenthalts habe ich dann auch keine Situation erlebt, in der ich mich unwohl oder unsicher gefühlt hätte. Auch eine Nachtfahrt in einem indischen Zug war vollkommen unproblematisch. Ich würde nachts nicht alleine durch die Straßen Kalkuttas marschieren und mich auch kleidungsmäßig an die indischen Gegebenheiten anpassen. Ich denke, dann braucht man sich keine Sorgen machen.

Geld

Die Lebensunterhaltungskosten sind in Indien sehr gering. Das Mittagessen in der Klink ist lecker und sehr günstig, aber auch ein Besuch im Restaurant kostet umgerechnet nur etwa 2 Euro. Geldautomaten sind an jeder Ecke zu finden und Bezahlen mit der Visakarte ist auch fast überall möglich. Für die Fahrten mit einer Autorikscha oder dem Bus sollte man immer ein wenig Kleingeld dabei haben, weil oft das Geld nicht gewechselt werden kann.

Sprache

Mit Englisch kommt man gut zurecht. Untereinander haben wir uns auf Englisch unterhalten und auch mit den Projektkoordinatoren wurde Englisch gesprochen. Mit den Patienten ist die Kommunikation problematischer. Am Anfang des Monats hat man einige Bengali-Sprachstunden. Danach kann man ganz wenige Sätze Bengali sprechen. Ein Gespräch mit den Patienten ist meisten nur mit Händen und Füßen möglich, was dann ein wenig frustrierend ist, weil man sich gerne mehr unterhalten würde.

Verkehrsbindungen

Vom Guesthouse zum Projekt fährt man jeden Tag circa 45 Minuten mit der Metro und der Autorikscha. Pro Fahrt kostet die Metro 10 Rupees, die Autorikscha nochmals 10 Rupees pro Fahrt. Sollte es einmal später werden und die Metro nicht mehr fahren, empfiehlt es sich, ein Uber zu bestellen. Das klappt super in Kalkutta!

Kommunikation

Es gibt kein WLAN im Guesthouse und in der Indoorclinic funktionierte es so gut wie nie. Am einfachsten ist es, sich eine indische SIM-Karte zu kaufen. Die kostet circa 8 Euro und man hat 1GB Internet pro Tag, um untereinander und nach Hause zu kommunizieren.

Unterkunft

Ich habe in dem Guesthouse mit den anderen Volunteers gewohnt. Die meisten Zimmer sind Mehrbettzimmer. Es ist nicht luxuriös und der Kühlschrank ist in dem Monat einige Male ausgefallen, aber ich habe mich trotzdem sofort wohlgefühlt. Das Zusammenleben mit den anderen Freiwilligen macht viel Spaß und man wächst als Gruppe schnell zusammen. Über jedem Bett hängt ein Mückennetz und Kissen und Bettlaken sind vorhanden. In der Küche findet man alles, was man zum Kochen braucht.

Literatur

Ich habe einen Reiseführer über den Norden Indiens mitgenommen und ein Bengali-Englisch Buch ist manchmal auch hilfreich, um mit den Patienten ein wenig besser kommunizieren zu können. Ansonsten habe ich keine Literatur gelesen oder mitgenommen.

Mitzunehmen

Das Einzige, was wirklich unverzichtbar ist, ist genügend Mückenspray! Ein Hüttenschlafsack ist praktisch und ein Tagesrucksack für die Fahrt aufs Land und das freie Wochenende lohnt sich mitzunehmen.

Reise und Ankunft

Ich bin am Flughafen von einem Mitarbeiter des Projektes abgeholt worden. Das hat super geklappt. Dafür müsst ihr einfach eine Email mit Ankunftsdatum und –zeit einige Tage vor Ankunft an das IIMC schicken.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Das IIMC hat viele verschiedene Projektzweige und kümmert sich vorallem um die Unterstützung von Frauen und Kindern. Neben verschieden Outdoorclinics gibt es eine Indoorclinc mit mehreren Betten für Patient mit dermatologischen Problemen und Patienten mit Verbrennungen. Nachmittags findet hier jeden Tag eine Visite statt. Die Outdoorclinics gibt es an verschieden Standorten in der Umgebung von Kalkutta und sind an verschieden Tagen der Woche vormittags für die Patienten geöffnet. Dort wird vorallem die Wundversorgung und die Behandlung von Pilzinfektionen durchgeführt, Injektionen verabreicht und Blutdruck gemessen. Jeden Montag und Donnerstag öffnet die größte Outdoorclinic ihre Türen für die Patienten. Hier gibt neben der Abteilung für Wundversorgung, Blutdruckmessen und Injektionen auch weitere Ambulanzen für beispielsweise gynäkologische oder pädiatrische Patienten. Ebenso gibt es einen Zahnarzt und Augenarzt, eine Apotheke und ein Bereich, in der das Gewicht der Kinder überprüft wird und bei Bedarf Nahrungsergänzungspulver ausgeteilt wird. Auch in diesen Bereichen der Klink kann man ein wenig mitarbeiten oder einfach den Ärzten und Krankenschwester über die Schulter schauen.
Neben den Einsätzen in den Klinken kann man sich an der Gesundheitsaufklärung mit Vorträgen für z.B. Schulklassen beteiligen. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht und war, in meinen Augen, eine sinnvolle Aufgabe. Es gibt zudem ein Kinderheim und eine Kindertagestätte, die man immer besuchen und Zeit mit den Kindern verbringen kann. Jeden Mittag gegen 13 Uhr kann man sich bei der Zubereitung von dem Nahrungsergänzungspulver für Kinder beteiligen.
Ebenso kann man sich in dem Sponsored Child-Programm, dem Microcredit-Programm oder anderen Projektbereichen einbringen. Es dauert ein wenig, bis man seine Aufgaben, die einem Spaß machen, gefunden hat und es hängt einiges vom Eigenengagement ab, aber man ist überall immer willkommen mitzuwirken.
Jeder Freiwillige verbringt zudem einmalig von Mittwoch bis Samstag einige Tage auf dem Land an einem Standort des IIMC, an dem es unteranderem eine Klink und eine Schule gibt. Das war definitiv eine der besten Erfahrungen des Monats. Die Mitarbeiter sind unglaublich gastfreundlich. Darauf könnt ihr euch sehr freuen! Zudem tut es sehr gut, für einige Tage dem Großstadt-Dschungel Kalkuttas rauszukommen und die Natur zu genießen und noch einmal einen völlig anderen Einblick in das indische Leben zu bekommen. Zusätzlich hat jeder ein verlängertes freies Wochenende zu Verfügung, an dem man nach zum Beispiel Varanasi oder Darjeeling fahren kann. Ansonsten verbringt man von Montags bis Samstags von circa 10 Uhr morgens bis 18/19 Uhr die meiste Zeit im Projekt.

Land und Leute

Jeder Freiwillige hat ein freies verlängertes Wochenende zur Verfügung. An meinem freien Wochenende bin ich nach Varanasi gefahren. Andere Freiwillige haben Darjeeling besucht. Dort fliegt man am besten hin. Alternativ kann man zum Beispiel auch ein Wochenende in den Sundarbuns verbringen.
Um nach Varanasi zu kommen, haben wir den Nachtzug gewählt. Frühzeitiges Buchen empfiehlt sich! Die Betten im Zug sind schnell ausgebucht. Untergekommen sind wir im Hostel LaVie, was auch sehr zum empfehlen ist. Für Sonnenaufgangsfahrt auf dem Ganges lohnt sich das frühe aufstehen allemal.
Die Stadt hat mich begeistert! Es gibt unendlich viel zu entdecken, spirituelle Zeremonien finden dort neben dem täglichen Leben am Ganges statt. Einmalig und sehr zu empfehlen!
Ansonsten kann man an den freien Sonntagen Kalkutta entdecken, hier hat mir zum Beispiel der Blumenmarkt sehr gefallen. Shoppen kann man wunderbar auf dem New Market oder der Parkstreet. Dort findet man alles, was das Herz begehrt. Jeden Sonntagmorgen haben wir auf der Dachterrasse des Guesthouses zusammen ausgiebig gefrühstückt, um gemütlich in den einzigen freien Tag der Woche zu starten.
Einmal im Monat wird vom IIMC ein „Social Evening“ veranstaltet, an dem jeder gebeten wird, in traditioneller Kleidung zu erscheinen. Dafür haben wir uns Saris besorgt und es kam extra jemand, der uns geholfen hat, den Sari zu binden. Das ist gar nicht so einfach, wie man auf den ersten Blick denkt;)
Das indische Essen hat mir immer gut geschmeckt, aber in 99% der Fälle ist es scharf, aber man gewöhnt sich auch hier schnell dran. Auf jeden Fall solltet ihr so viel Streetfood wie möglich ausprobieren! Momos oder Veg Rolls kann man immer und überall gut essen.
Indien ist ein aufregendes und farbenfrohes Land mit unglaublich freundlichen und großzügigen Menschen! Ich habe selten zuvor Menschen kennengelernt, die so selbstverständlich teilen und hilfsbereit sind. In den ersten Tagen wundert man sich ein wenig über ihre Ungeduld, da sie sich gerne mal an der Metrostation oder im Restaurant oder auf dem Markt vordrängeln, aber auch damit weiß man mit der Zeit umzugehen. Man muss sich erst ein wenig an den Lautstärkepegel, den Verkehr und die hohe Luftverschmutzung gewöhnen, aber schon nach 1-2 Tagen findet man sich in dem Chaos zurecht und fühlt sich "wie zu Hause“. Wenn ihr ein wenig Zeit zum Reisen davor oder danach habt, macht das auf jeden Fall! Es gibt so viel zu entdecken! Hätte ich ein wenig mehr Zeit gehabt, wäre ich auf jeden Fall auch noch nach Darjeeling gefahren, um die Berge des Himalayas aus der Ferne zu bewundern.

Fazit

Mein Aufenthalt bei dem IIMC in Kalkutta hat mir sehr gut gefallen. Ich würde es uneingeschränkt weiterempfehlen! Die Mitarbeit im gesamten Projekt hängt vom persönlichen Engagement ab. Wer etwas zum Projekt beitragen möchte, ist immer willkommen und findet seine Aufgaben mit der Zeit. In medizinischer Hinsicht habe ich von vorneherein nicht viel erwartet und bin deshalb auch nicht zu sehr enttäuscht gewesen. Dennoch muss ich sagen, dass mir der medizinische Zweig des Projektes am wenigsten gefallen hat, da ich die Behandlung der Patienten in vielen Fällen als nicht sinnvoll empfunden habe.
Das Zusammenleben mit den anderen Freiwilligen ist eine wunderbare Erfahrung und hat den Aufenthalt in Indien zu etwas Besonderem gemacht. Indien hat mich jeden Tag aufs Neue begeistert und mich immer wieder staunen lassen-jeder Tag ist ein kleines Abenteuer! Die Menschen haben mich mit ihrer Freundlichkeit und Wärme sehr berührt. Alles in allem bin ich sehr dankbar, dass ich die Möglichkeit hatte, diesem Monat bei dem IIMC zu verbringen!

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