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Eat to Fight your Disease (Ruanda)

Pädiatrie - SCOPH (Public-Health Austausch)
von Lisa, Tübingen

Motivation

Ich war schon immer in andere Gesundheitssysteme, Probleme in der Krankenversorgung aber auch Kulturen interessiert. Da ich mich besonders für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin interessiere, war ein Land in Afrika natürlich die beste Wahl. Ruanda hat neben den interessanten medizinischen Fälle natürlich auch eine unglaublich interessante und einzigartige Geschichte.

Vorbereitung

Nach der Bewerbungen über die bvmd muss man sich zusätzlich noch bei der Universität selbst bewerben. Damals war das alles etwas undurchsichtig, und im Endeffekt wusste dort dann nur die Uni dass ich dort anfange, die Klinik aber nicht. Als wir dort waren haben wir aber versucht dies etwas besser zu klären, und ich hoffe dass nun auch die Klinik immer Bescheid bekommt wenn jemand über die bvmd angemeldet wird.
Sonstige Vorbereitungen waren bei mir nicht anders als vor einer anderen Reise. Impfungen ( auch Gelbfieber, weil ich noch nicht genau wusste wo ich danach noch hingehe), normale Reiseapotheke, Malariaprophylaxe...

Visum

Bei der Einreise nach Ruanda kann man sich entweder das East Africa Visum holen, was vorher online beantragt werden muss, 100 Dollar kostet und 90 Tage gültig ist in Ruanda, Kenya und Uganda ( wenn man aber diese drei Länder verlässt, und zum Beispiel in die DRC geht, verfällt das Visum.. ist mir natürlich passiert.. ) oder aber ein einfaches Einreisevisum für 30 Dollar, das man on arrival bekommt und 30 Tage gilt. Mir wurde dann ans Herz gelegt, noch das N2 Visum zu beantragen (ca 50 €), anscheinend auch aus versicherungstechnischen Gründen. Das kann man in Butare beantragen, hat allerdings um die 3 Wochen gedauert. Polizeiliches Führungszeugnis haben sie von mir nicht gewollt, generell scheint es aber sehr willkürlich zu sein, was sie von wem wollen. Jeder musste irgendetwas anderes zusätzliches vorzeigen, deshalb muss man sich wohl vor Ort überraschen lassen, ist aber alles irgendwie machbar! Mit dem N2 Visum ist man dann Resident und kommt außerdem kostenlos nach Uganda und ich glaube Kenya und bekommt sonst auch Rabatte in den Nationalparks usw

Gesundheit

Wie gesagt, ich war 5 Monate unterwegs und habe mich dann doch vor Ort noch entschieden die Malariaprophylaxe (Malarone) durchzunehmen. Muss aber jeder für sich selbst entscheiden. Impfungen wie Tollwut, Typhus usw sind auf jeden Fall sinnvoll. Typhusfälle gab es schon einige. Im Krankehaus selbst gab es auf der Pädiatrie selbst eigentlich nicht so viele TB Fälle, auf der Inneren aber schon-richtigen Schutz davor ist sehr schwierig, weil viele undiagnostiziert bleiben.
Außerdem habe ich noch Praziquantel vor Ort (bzw in Malawi) gekauft, als Schistosomiasis Prophylaxe.

Sicherheit

Ruanda ist meiner Meinung nach sehr sicher, ich bin auch nachts alleine durch die Straßen in Butare gelaufen. Natürlich kommt es mal vor, dass was geklaut wird oder ähnliches aber ich habe mich nie unsicher gefühlt. Wenn man sich etwas der Kultur anpasst, und vielleicht nicht jeden Tag im Minirock und Auschnitt bis zum Bauchnabel durch die Gegend läuft, wird man zwar immer noch angeschaut aber die Leute sind sehr freundlich und ich wurde nie in irgendeiner Weise schlecht behandelt.

Geld

In Ruanda zahlt man mit Rwanda-Franc. Ich hebe genrell im Ausland immer mit Kreditkarte ab. Außer wenn die Automaten mal leer sind oder meine Karte nicht bei allen Banken akzeptiert wurde, gab es da keine Probleme, Sonst kann/manche sachen muss man auch in US-Dollar zahlen. Dabei muss man nur beachten dass sie nicht älter als von 2009 und weder beschriftet, noch eingerissen, noch verknittert... sein dürfen. Manche Sachen wie frisches Obst und Gemüse sind sehr viel billiger als in Deutschland, westliche Artikel aber ungefähr gleich teuer.

Sprache

im Krankenhaus wird hauptsächlich Englisch geredet, kommt aber auch vor, dass eine Visite mal auf der Landessprache gemacht wird. Auch an einen Mix aus englisch/französisch/kinyarwanda muss man sich gewöhnen. Ich hatte vorher keinen Kurs oder ähnliches und habe vor Ort die wichtigsten medizinischen Fragen und andere Wörter gelernt. Dass man aber damit mit den Patienten reden kann ist leider unrealistisch. Wenn niemand zum Übersetzen da war, konnte man sich mit den paar Wörtern und Zeichensprache einigermaßen durchboxen. Mit den Kollegen kam man natürlich meistens gut mit Englisch zurecht.

Verkehrsbindungen

Ich bin von Malawi nach Ruanda, also Kigali geflogen. Um sich innerhalb der Städte zu bewegen gibt es Motorradtaxis, die in Ruanda im Vergleich sehr sicher und angenehm fahren, man bekommt sogar einen Helm! Sonst kann man jede Strecke mit Bussen zurücklegen, die relativ billig sind. Die typischen Minibusse wie in anderen afrikanischen Ländern gibt es eigentlich nicht so richtig. Es ist alles sehr organisiert mit Ticketkauf und festen Sitzplätzen und pünktlichen Abfahrten.

Kommunikation

Mobiles Internet ist in Ruanda super gut verbreitet ( anscheinend ist Airtel als Anbieter für das Internet besser als MTN..). Es ist außerdem auch sehr einfach sich einfach eine lokale Sim-Karte zu kaufen um damit ins Internet und telefonieren zu können. WLAN gibt es eigentlich nicht so häufig, wenn dann in Hostels.

Unterkunft

Ich habe im RVCP Haus gewohnt, was ich sehr empfehlen kann. Es ist zwar verhältnismäßig teuer (200 Dollar im Monat) dafür trifft man super nette Studenten, die tolle Projekte auf die Beine gestellt haben und uns auch ab und an mitgenommen haben um uns zu zeigen, wohin das meiste der Miete fließt. Von dem Geld werden dann Toiletten gebaut, Nähprojekte von Frauen unterstützt usw. Es gab eine nicht sehr gut ausgestattete Küche, in der man aber schon kochen konnte, mit kleinem Kühlschrank und zwei Kochplatten. Sonst wurde auch alles (Bettwäsche, Decke, Kissen, Moskitonetz.. ) gestellt. Strom und warmes Wasser gibt es auch.

Literatur

Wenn man nach Ruanda geht sollte man sich davor natürlich mit der Geschichte des Landes, vor allem dem Genozid befassen. Dafür gibt es einige Bücher. Ich habe z.B. Season of Blood gelesen und ein anderes von dem ich den Titel schon wieder vergessen habe, es gibt aber viele Bücher die alle lesenswert sind. Außerdem auch einige gute BBC Dokumentationen die eventuell auch etwas kritischer mit der jetzigen Regierung sind ( sollte man nur vielleicht vor Ort nicht unbedingt jedem erzählen.. )
Medical English Bücher sind natürlich immer hilfreich!

Mitzunehmen

Mitnehmen sollte man eben alles, was man auch sonst so auf Reisen mitnimmt plus Kittel und eventuell OP-Kasaks falls man dort arbeitet. Auf meiner Station waren alle in Privatkleidung+ Kittel, und eher etwas schicker angezogen. Regenjacke war für uns in Ruanda auch oft nötig, und auch mal warme Klamotten.

Reise und Ankunft

Ich bin nach Kigali geflogen, ca 1 Woche vor Prakitkumsbeginn. Deshalb war ich noch Reisen und bin dann mit dem Bus nach Butare gefahren, wo ich vond en Leuten vom RVCP Haus super nett empfangen wurde. Ein Tag vor Praktikumsbeginn habe ich dann noch organisatorische Sachen, wie die Gebühren und andere Dinge erledigt, war bei Alexis, dem Ansprechpartner von der Uni der uns dann auch den Kontakt in der Klinik (elias ) genannt hat. Leider wusste dieser nichts von meiner Ankunft und ich musste mich dann nochmals dort bei der Klinik separat bewerben. Als aber alles Bürokratische geklärt war, war alles entspannt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war für 6 Wochen auf der Pädiatrie. Davon war ich die ersten zwei Wochen auf der Allgemeinpädiatrischen Station, danach 4 Wochen auf der Neonatologie. Im Prinzip konnte ich mir da aussuchen wo ich gerne hinwollte. Der Tagesablauf war eigentlich immer relativ gleich. Um 7:30 war Frühbesprechung, davor hat man selbst eine Pre-round gemacht, um Neuigkeiten aus der Nacht, (falls die Schwestern englisch konnten, wenn nicht können aber sonst alle Schwestern eigentlich französisch) neue Patienten oder andere wichtige Dinge auf Station mitzubekommen, je nachdem wie viele Patienten musste man dann eben früher dort sein. Nach der Morgenbesprechung ging es dann weiter auf Station, wo man alle seine Patienten untersucht hat, und alles dokumentiert hat inklusive den Plan, den man für diesen Patienten für den Tag aufstellen wollte. Im Laufe des Vormittags kamen dann die Oberärzte und man hat mit dem ganzen Team die Visite gemacht. Während der Visiste musste man seine Patienten vorstellen, und es wurde besprochen wie man weiter verfährt. Außerdem wurde man teilweise schon sehr kritisch ausgefragt, alles was man nicht wusste musste man nachschauen bzw eine Präsentation darüber für den nächsten Tag erstellen. Man war eigentlich immer noch mit mindestens einem ruandischen Medizinstudenten (Pjler) auf Station und hat sich so die Arbeit aufteilen können, und auch nach Hilfe fragen, falls man fachlich oder sprachlich Schwierigkeiten hatte. Die Mitstudenten waren alle super nett und man hat sich mit allen gut verstanden!
Nach der Visiste und der Nachbereitung kam dann eine wohlverdiente Mittagspause in der man mit den anderen Studenten in die Cafeteria im Krankenhaus gegangen ist. Nachmittags bis ca 17:00 gab es dann immer theoretischen Unterricht mit allen Medizinstudenten, der aus Präsentationen, Bed-side teaching oder Diskussionen bestand. Der Ausbildungsstandard und das Wissen der Ärzte und auch der Studenten hat mich sehr beeindruckt, es wurde sehr viel Wert auf Lehre gelegt und ich habe in den 6 Wochen super viel über Pädiatrie gelernt! Leider arbeitet man, außer die körperlichen Untersuchungen am Morgen, nicht so viel praktisch wie in Deutschland. Aufgaben wie Blutabnahmen, Zugänge usw sind alle von den Schwestern erledigt worden.
Was man bedenken muss, ist dass das CHUB ein Uniklinikum ist, und nur spezielle und schwierige bzw. komplizierte Fälle dort behandelt werden. Will man also viele Malariafälle, Infektionen oder ähnliches sehen sollte man vielleicht eher in ein ländlicheres Krankenhaus gehen. Ich hatte zum Beispiel keinen wirklichen Malariafall dafür aber viele angeborene Herzfehler, Fehlbildungen, usw. Die richtigen medizinischen "Alltagsprobleme" werden eher in den ländlicheren Kliniken behandelt. In Ruanda sind alle im Prinzip Krankenversichert, müssen aber trotzdem einen gewissen Anteil (mind10%) der Krankenhausrechnung und der Untersuchungen (im Voraus!) selbst bezahlen, was oft dazu führt, dass sich Untersuchungen oder Therapien um etliche Tage verzögern und am Ende eventuell nicht das richtige Medikament für den Patienten zugänglich ist, was sehr schwierig sein kann.

Land und Leute

Ich war an jedem Wochenende im Land unterwegs, da Ruanda sehr klein ist, bieten sich Wochenendtrips sehr gut an, da man alles relativ schnell erreichen kann. Ich muss sagen, dass mir alles super gut gefallen hat; Lake Kivu ist sehr schön und man kann dort gut entspannen und baden, der Nyungwe Nationalpark war auch sehr schön, vor allem wenn man Regenwald un Natur mag! Auch Kigali als Stadt, fand ich super schön und wirklich interessant, Das Genozidmuseum dort sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen, aber auch abends kann man dort gut feiern gehn und es gibt immer etwas, was man noch nicht entdeckt hat! Außderm war ich noch im Akageranationalpark zur Safari, man hat vielleicht nicht die Big 5 gesehen aber Landschaftlich unterscheidet sich der Osten nochmal komplett vom restlichen Land.
Ruanda ist das sauberste Land was ich in langer Zeit gesehen habe, ich würde sogar sagen fast sauberer als Deutschland. Jeden letzten Samstag im Monat sind alle Geschäfte vormittags geschlossen, und alle helfen zusammen um aufzuräumen und die Gemeinde sauber zu halten. Sogar auf den Dörfern, wo die Kinder teilweise mangelernährt und sehr arm sind, sieht man keinerlei Müll herumliegen!
Wirtschaftlich und politisch ist Ruanda sehr stabil, und gerade deshalb ein Vorzeigeland in Afrika. Die Bevölkerung ist im Durchschnitt super stolz auf ihr Land und auf ihren Präsidenten, weshalb kritische Äußerungen gegenüber der Regierung nicht gerne gehört werden. Der Genozid wird im Moment noch eher verdrängt, bis auf Memorials und das Museum wird darüber im Alltag sehr wenig gesprochen und auch die Aufteilung in die zwei Stämme wird nicht mehr in den Mund genommen. Man hatte den Eindruck, dass die Menschen dort erstmal vergessen wollen was damals so schreckliches geschehen ist.

Die Menschen in Ruanda sind an sich sehr sehr gastfreundlich und nett, es wird einem ständig geholfen wenn man etwas verloren durch die Gegend läuft. Sogar auf dem Markt wird einem das Essen zum normalen Preis angeboten und ich war überrascht, wie wenig es einen"Ausländerzuschlag" auf den Preis gab! Alle sind sehr ehrlich und freuen sich, andere Menschen aus anderen Kulturen kennenzulernen.
Was das Essen angeht, gibt es hautpsächlich Kohlenhydrate. Das typische "African-Buffet" das es an jeder Ecke gibt, besteht aus Kartoffeln, Reis, Maniok, Maisbrei, Nudeln, Kochbanane, Bohnen und falls man Glück hat noch irgendein grünes Gemüse. Um Abzunehmen kommt man also nicht unbedingt nach Ruanda. Ich habe dort alles gegessen was es gab, und hatte nie irgendwelche gesundheitlichen Probleme.
Ruanda ist ein sehr kleines Land, und ich konnte mit meinen Wochenendausflügen und der Woche vor Beginn meines Praktikums (die ich hautpsächlich aber im Kongo verbracht habe) meiner Meinung nach, sehr viel vom Land sehen. Wer also danach oder davor noch mehr Zeit hat, dem empfehle ich eher noch in die umliegenden Länder zu reisen, die alle wirklich auch sehr sehenswert und toll sind!

Fazit

Im Endeffekt habe ich in meinem Praktikum fachlich sehr viel gelernt, auch wenn ich es mir etwas zwangfreier und entspannter vorgestellt habe. Wer sich für Pädiatrie interessiert und teilweise stressige Tage und hoher Anforderung wegstecken kann, dem kann ich das Praktikum wirklich empfehlen.
Ruanda als Land ist meiner Meinung nach auch sehr interessant und auch im Vergleich zu seinen Nachbarländern etwas besonderes! Ich könnte mir durchaus vorstellen mal in Afrika zu arbeiten, aber dann vielleicht eher in einem ländlicheren Krankenhaus.

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