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Fundacion Omar Mosquera (Ecuador)

Verschiedene - SCOPH (Public-Health Austausch)
Anonym

Motivation

Ich entschied mich für den Public Health Exchange, da ich medizinsch praktische Erfahrungen sammeln und zudem ein neues Land entdecken wollte.

Vorbereitung

Gleichzeitig mit der Zusage für den Platz im HAACH erhielt ich ein Informationsblatt der bvmd über Riobamaba, Ecuador und das HAACH. Dort fand ich auch Kontaktdaten für Gastfamilien. So war es sehr einfach eine Unterkunft zu organisieren. Ansonsten war beschränkte sich die Vorbereitung auf die Buchung des Flugs und den Antrag zur Fahrtkostenerstattung.

Visum

Bei der Einreise in Ecuador erhält man automatisch ein Touristenvisum für 90 Tage. Möchte man länger im Land bleiben kann man dieses einmalig um 90 Tage verlängern lassen. Dafür wird jedoch eine Gebühr von 126 US Dollar fällig.

Gesundheit

Da Teile Ecuadors Gelbfiebergebiete sind, sollte man vor Abreise eine Gelbfieberimpfung durchführen lassen. Da man dort in einem Krankenhaus arbeitet sollten man zudem eine Hepatitis A/B Impfung haben. Jedoch sind keine Untersuchungen oder Impfungen vorgeschrieben.

Sicherheit

Als hellhäutige, blonde "Gringa" wurde ich dabei öfters zur Atraktion, wenn ich durch die Stadt und über die lokalen Märkte geschlendert bin. Davon darf man sich jedoch nicht beirren lassen. Und es ist ohne Probleme möglich als Frau alleine herum zu reisen. Man sollte dennoch immer aufpassen und sich an Ratschläge der Einheimischen halten, was den Besuch bestimmter Viertel, das Benutzen öffentlicher Verkehrsmittel oder Herumlaufen bei Nacht angeht.

Geld

Im Jahr 2000 hat Ecuador eine Währungsreform durchgeführt und den US Dollar als offizielle Währung eingeführt. Am besten ist es, mit einer Kreditkarte Geld vor Ort abzuheben und dann bar zu bezahlen. Besonders preiswert kann man auf den lokalen Märkten einkaufen, gerade frisches Obst und Gemüse erhält man dort sehr günstig. Artikel in Drogeriemärkten sind hingegen vergleichsweise teuer.

Sprache

In Ecuador gibt es zwei Amtssprachen Spanisch und Kiwcha. Wobei primär Spanisch gesprochen wird. Dass man mit Spanisch nicht weiter kommt ist mir nie passiert. Obwohl gerade ältere Menschen in machen andinen Dörfern nur Kiwcha sprechen. Es findet sich jedoch immer ein Übersetzet. In Hostels und bei geführten Touren reicht meist sogar Englisch aus um zurecht zu kommen.

Verkehrsbindungen

Das Busnetz in Ecuador ist sehr gut ausgebaut. Da Riobamba ziemlich mittig im Land liegt ist es ein zentraler Verkehrsknotenpunkt und man kommt mit Fernbussen fast überall im Land hin. In Riobamba selbst ist vieles zu Fuß zu erreichen.

Kommunikation

Es lohnt sich, sich eine ecuadorianische SIM-Karte für das Handy zu besorgen. So ist man einfach immer erreichbar und kann auch leicht mit seiner Gastfamilie kommunizieren. Jedoch findet man auch fast in jedem Café Wifi und bei meiner Gastfamilie hatte ich immer WLAN-Zugang.

Unterkunft

Während meiner Zeit in Riobamba habe ich bei Inez Rodriguez und ihrer Familie gewohnt. Ich wurde dort sehr nett aufgenommen und habe mich sofort wohl gefühlt. Neben Inez gehören die Oma, Inez Kinder, Santiago und Jeannine, und drei Hunde mit zur Familie. Wobei beide Kinder schon erwachsen sind. Santiago ist mitte dreißig, arbeitet in einem Transportunternehmen und wohnt Zuhause, es sei denn er ist mit der Firma unterwegs. Jeannine ist anfang zwanzig und studiert in Quito, weswegen sie selten Zuhause ist.
Inez ist eine typische südamerikanische Mutter. Sie nimmt einen sehr herzlich auf und schnell bezeichnet sie einen als „mi niña“. Sie kann sehr gut kochen und bereitet auch das ein oder andere typisch ecuadorianische Gericht zu, damit man die ecuadorianische Küche kennen lernt. Wie selbstverständlich wird man zu Festen bei Freunden der Familie mitgenommen und in den Alltag der Familie eingebunden. Dies alles führt zu einer sehr familiären Atmosphäre und ich habe mich dort recht schnell eingelebt und zuhause gefühlt.

Literatur

Bereits ein paar Wochen vor meiner Abreise hatte ich mir einen Reiseführer gekauft. So konnte ich mich bereits ein bisschen über die Kultur und Geschichte von Ecuador informieren. Auf der Hompage des Auswärtigen Amts habe ich mich über aktuelle Reiserisiken informiert.

Mitzunehmen

Da Riobamba in den Bergen liegt, kann es durchaus recht kühl werden. Zudem kann sich das Wetter in den Bergen innerhalb von Minuten ändern. Es lohnt sich also immer eine Regenjacke dabei zu haben. Und auch über Mütze, Schal und Handschuhe war ich bei der einen oder anderen Wanderung froh. Fährt man jedoch in Ecuador an den Strand kann es schnell 30 Grad warm werden. Man benötigt also definitiv Sommer- und Winterkleidung.

Reise und Ankunft

Ich bin an einem Freitag in Quito angekommen und habe dort erstmal eine Nacht in einem Hostel verbracht. Am nächsten Tag bin ich dann mit dem Fernbus nach Riobamba gefahren und habe dort ein Taxi vom Busbahnhof zu meiner Gastfamilie genommen. Am Montag fing dann mein Praktikum im Krankenhaus an. Ich bin einfach am Montagvormittag in die Klinik gegangen und habe mich dort vorgestellt. Der zuständige Arzt hat mich dann direkt in die Abteilung gebracht, in der ich die erste Woche verbringen sollte.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Der Aufbau des Public Health Exchanges am HAACH ist typischer Weise wie folgt:
1. Woche: Aternative Medizin
2. Woche: Andine Medizin
3. und jede weiter Woche: nach Absprache in den ambulanten Sprechstunden der jeweiligen Fachbereiche

An meinem ersten Tag im HAACH hat mich Dr. Solis, der für uns Gaststudenten zuständig ist, in aller Eile in Empfang genommen und in die Abteilung der Alternativen Medizin gebracht. Dort habe ich eine Woche mit den dortigen Pflegerinnen die Behandlungen durchgeführt. Ein paar der Behandlungen waren für alternative Medizin üblich, so gab es Akkupunktur, Therapeutische Massagen und Homoöpathie. Jedoch waren auch einige für mich exotische Sachen wie Iridologie und Reiki dabei. Was ziemlich interessant zu beobachten war.
Nach dieser Woche wechselte ich eine Etage tiefer zur Andinen Medizin. Dort kam mir wirklich nichts bekannt vor. Es war ziemlich spannend den indigenen Heilern bei ihrer Arbeit zuzusehen. Man bekommt Dinge zu sehen, wie sogenannte rituelle Reinigungen, bei denen man sich aus europäisch, westlicher Sicht fragt, wie das eigentlich helfen kann. Aber es hilft den Menschen dort, sie fühlen sich danach besser und die Heiler genießen zumindest bei denen die diese Richtung der Medizin bevorzugen ein sehr hohes Ansehen. Wechselt man dann zur dritten Woche in die Sprechstunden der klassischen Schulmedizin, bemerkt man jedoch schnell, dass die dort arbeitenden Ärzte sehr wenig von ihren Kollegen im Nebengebäude halten.

Wie schon erwähnt hospitierte ich die folgenden Wochen nur in den ambulanten Sprechstunden verschiedener Fachbereiche. Dr. Solis meinte, es sei für uns ausländische Studenten verboten in den OP, auf Station oder in die Notaufnahme zu gehen. Ich weiß nicht, ob das wirklich verboten ist oder ob er es nur mir verboten hat. Nachdem ich ein paar Tage mit in seiner Sprechstunde war, hat er mich sexuell Belästigt, woraufhin ich ein Gespräch mit dem Krankenhausdirektor gesucht habe. In Ecuador ist es üblich, dass man sich zur Begrüßung und zum Abschied eine leichte Umarmung und einen Wangenkuss gibt. Die Umarmung ist jedoch von seiner Seite zu fest und zu lange ausgefallen und der Kuss von ihm war nicht auf meine Wange sondern auf meinen Mund.
Das darufhin folgende Gespräch vor dem Krankenhausdirektor war meiner Ansicht nach nicht erfolgreich. Dr. Solis hat auf die Erklärung meiner Sichtweise ziemlich aggressiv reagiert. Er hat sich lautstark verteidigt, alles abgestritten und meine Aussage als falsch hingestellt. Seiner Meinung nach habe ich überreagiert und die Situation falsch interpretiert. Damit gab sich der Krankenhausdirektor zufrieden. Meine Bitte um einem anderen Arzt als Ansprechpartner, da ich nach diesem Vorfall nicht weiter mit Dr. Solis zusammen arbeiten wollte, wurde abgelehnt. Aus Sicht des Direktors hatte sich alles geklärt. Ich hospitierte danach nicht mehr in den Sprechstunden von Dr. Solis, musste mit ihm jedoch immer abklären wann ich zu welchen Sprechstunden gehen konnte. Diese Situation war mir sehr unangenehm und ich konnte sie nicht lange durchhalten, sodass ich das Praktikum frühzeitig abbrach. Zudem hat er mir mit seiner aggressiven Reaktion bei dem Gespräch mit dem Direktor Angst gemacht. Ich hatte Angst, die Situation zu schildern und an die Verantwortlichen des bvmd in Deutschland weiter zu leiten solange ich noch vor Ort war. Ich hatte die Befürchtung, dass es auf mich zurück fällt und er seine Wut an mir auslässt sollten ihm doch irgendwelche Konsequenzen drohen, dadurch dass sich der bvmd als Organisator des Public Health Exchanges einschaltet.

Während ich in den verschiedenen Fachbereichen hospitierte, habe ich feststellen können, dass viele Ärzte an mehreren Krankenhäusern gleichzeitig arbteiten oder nebenher noch eine eigene Praxis betreiben. In den ambulanten Sprechstunden gab es immer recht wenige Patienten. Wenn mir gesagt wurde, ich solle um neun Uhr da sein, da der erste Patient um halb zehn erwartet würde, kam es nicht selten vor, dass der Arzt nach halb zehn und der Patient gegen zehn Uhr oder gar nicht kam. So gab es einige Tage an denen ich unverrichteter Dinge wieder Heim gegangen bin. Meine Hoffnungen viel zu sehen, zu lernen und auch selbst praktische Erfahrungen sammeln zu können haben sich nicht bestätigt. Rückblickend waren die zwei Wochen in der alternativen und andinen Medizin die interessantesten.

Nachdem ich das Praktikum am HAACH nach fünf Wochen aus oben genannten Gründen abgebrochen habe (geplant waren drei Monate), habe ich Kontakt mit der Fundación Omar Mosquera aufgenommen. Ich wollte mich nun sehr gerne dort einbringen. Gerne wäre ich mit der Fundación in die umliegenden Gemeinden gefahren und hätte bei der medizinischen Versorgung vor Ort geholfen. Leider fahren sie nur in die Communidades wenn sie ausländische Ärzte zu Gast haben. Dies war für Januar geplant. Bis dahin hat mir Omar geholfen eine Möglichkeit zu finden die Zeit zu überbrücken. Er ist sehr nett und hilfsbereit und hat für mich versucht einen Job in einer Schule für geistig behinderte Kinder zu organisieren. Dort sollte ich damit anfangen Krankenakten der Kinder anzulegen. Jedoch war die Direktion nicht sehr begeistert von der Idee, nachdem nach ein paar Tagen der zusätzliche Arbeitsaufwand für das dortige Personal deutlich wurde. Denn die Kinder mussten einzeln zu mir gebracht werden und während des Wartens und der Untersuchung auch angemessen betreut werden. Dies konnte die Schule personell nicht stemmen, weswegen nach einigen Tagen die Aktion abgebrochen wurde. So kurz vor Weihnachten war es dann leider selbst für Omar mir seinen vielen Beziehungen nicht möglich mir noch eine weitere Stelle zu vermitteln. Anfang des neuen Jahres stellte sich dann heraus, dass die für Januar angekündigten amerikanischen Ärzte nicht kommen würden. Sie hatten ihren Aufenthalt in Ecuador auf den Sommer verschoben.

So endete mein Aufenthalt in Riobamba mit einer Enttäuschung. Denn sehr gerne hätte ich das Leben und die medizinische Versorgung in den Communidades mit erlebt.
Anfangs hatte ich gedacht, dass ich im HAACH und der Fundación parallel mitarbeiten könnte. Zum Beispiel unter der Woche im Krankenhaus hospitieren und am Wochenende mit der Fundación in die Gemeineden fahren. Dies ist jedoch nicht möglich. Früher wurde die Fundación wohl vom Krankenhaus unterstützt, dies ist inzwischen jedoch nicht mehr der Fall. Möchte man zusätzlich in der Fundación arbeiten, sollte man sich vorher mir Omar in Verbindung setzten und nachfragen ob vor oder nach dem Public Health Exchange im HAACH die Möglichkeit dazu besteht.

Land und Leute

Ecuador, das Land am Äquator, bietet in einem relativ kleinen Land (zumindest klein für südamerikanische Verhältnisse) alles was man sich nur wünschen kann. Von Sandstränden am Meer über Berge und Vulkane in der Andenregion bis hin zum Dschungel im Amazonasgebiet ist alles dabei. Und dafür muss man nicht einmal wahnsinnig lange Busfahrten auf sich nehmen wie in manch anderen Ländern. Was sich für Wochenendtrips als sehr praktisch erweist.
Auch ansonsten zeigen sich Land und Leute laut, bunt und vielseitig. Anfangs ist es recht ungewöhlich, dass man auf der Straße von jeder Seite angesprochen wird und einem versucht wird etwas zu verkaufen oder dass die Busfahrer aus den Bussen heraus brüllen wohin sie fahren um somit Fahrgäste anzulocken. In vielen kleineren Städten gehört es zum alltäglichen Stadtbild, dass Frauen in traditioneller Kleidung herum laufen und dass mindestens einmal die Woche ein Umzug zu Ehren eines Heiligen statt findet. Dabei dürfen laute Musik, traditionelle Tänze und Lieder natürlich nicht fehlen und der gesamte Verkehr wir für die vom Umzug betroffenen Straßen gesperrt. Bei diesen Umzügen lässt sich sehr gut die Diversität des Landes beobachten. Katholische Heilige werden geehrt indem ein Umzug mit idigenen Trachten und Tänzen veranstaltet wird. Diese Mischung aus Moderne und Tradition macht Ecuador aus. An das bunte, chaotische Treiben auf den Straßen gewöhnt man sich recht schnell. Ich habe es richtig genossen durch die Straßen oder über den Markt zu schlendern.

Riobamba ist eine kleine, gemütliche Stadt ungefähr vier Stunden Autofahrt südlich von Quito und liegt damit fast in der Mitte von Ecuador. Dies macht sie zum idealen Ausgangspunkt für zahlreiche Wochenendausflüge. Zudem fährt in Riobamba einer der berühmten ecudoriansichen Züge los um den Vulkan Chimborazo ein Stück weit hinauf zu fahren. Und auch zur bekannten Zugstrecke „Nariz del Diabolo“ ist es nicht weit. Leider kann man nicht selbstständig in der Umgebung wandern gehen, da es angeblich zu häufig zu Raubüberfällen kommt. Ich habe mein Glück was das angeht, lieber nicht herraus gefordert. Möchte man sich dennoch sportlich betätigen kann man unter der Woche jeden Abend um 19 Uhr zur öffentlichen „Baile Terapia“ gehen, eine Art Zumba. Jedoch sollte man sich nicht wundern, dass man anfangs recht schnell außer Atem kommt. Schließlich liegt Riobamba auf 2750m Höhe. Auch ein Blick in das Angebot des „Casa de la Cultura“ lohnt sich. Bieten sie doch viele kostenlose Konzerte, Tanzaufführungen und Filmabende an.
Ist man zufällig zum Stadtfest anfang November in Riobamba, kann man bei einem Reiterumzug mit Delegationen der umliegenden Gemeinden zusehen, sich im großen Stadion ein Rodeo anschauen oder einfach das fröhliche Treiben in der Stadt genießen. Neben dem Umzug ist ein großes Highlight des Stadtfestes das Konzert einer bekannten südamerikanischen Band am Samstagabend.

Fazit

Trotz allem war der Public Health Exchange eine berreichernde Erfahrung. Dadurch dass ich bei einer ecuadorianischen Familie gelebt habe, mit ihnen Feste gefeiert habe und auch den Alltag miterleben konnte, habe ich viel über Land, Leute und Kultur lernen können. Zudem ist es immer eine Erfahrung eine Weile aus der behüteten, europäisch-westlich geprägten Welt hinaus zu kommen und über den Tellerrand zu schauen. Bietet sich einem so eine Möglichkeit, sollte man sie ergreifen. Auch wenn man natürlich nie weiß, was einen erwartet.

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