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Spain (IFMSA-Spain)

Urologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Jana-Fabienne, Jena

Motivation

Andere Länder und Kulturen faszinieren mich. Im Urlaub kann man Land und Leute nie so kennenlernen, wie in einem Austausch. Nach früheren Auslandsaufenthalten in Frankreich (2 Monate) und Südafrika (12 Monate) war nun ein spanisch-sprachiges Land für mich an der Reihe. Da ich durch die Doktorarbeit schon einige Zeit im Studium verloren habe, kam ein Erasmus-Semester für mich leider nicht in Frage, zumal unsere Universität auch nur Städte in Katalonien anbietet. Eigentlich wollte ich gerne nach Chile, habe dann aber meinen Zweitwunsch, Spanien erhalten. Hauptsächlich erhoffte ich mir durch den Austausch meine Spanischkenntnisse verbessern zu können und ein anderes Gesundheitssystem kennenzulernen. Fachlich erwartete ich (aufgrund meines eher lückenhaften Spanischen) nicht allzu viel.

Vorbereitung

Als ich nach Spanien kam, fühlte ich mich ziemlich unvorbereitet. Ich habe vorher eine Auslandsreiseversicherung der Hanse-Merkur für ein Jahr abgeschlossen. Sprachvorbereitung siehe unten. Ansonsten ist noch wichtig zu wissen, dass es in den Wintermonaten im Norden Spaniens zwar wärmer ist, als in Deutschland, die Häuser dafür aber kaum isoliert sind und es drinnen meistens genauso kalt ist wie draußen (vor allem nachts!) Ich hatte die Heizung die ganze Zeit laufen und es war trotzdem nie besonders warm! Also unbedingt an warme Klamotten denken!

Visum

Nein, weil EU!

Gesundheit

Von Spanien oder der Uniklinik in Santiago wurden keine besonderen Impfungen verlangt. Ich hatte sicherheitshalber meinen Impfpass dabei, habe ihn aber nicht gebraucht. In meiner Reiseapotheke befanden sich Ibu, Loperamid, Dimenhydrinat, Nasenspray und Hustenbonbons. Habe den Monat damit trotz Problemen (wahrscheinlich durch das Leitungswasser) in der ersten Woche gut überstanden. Es könnte sich lohnen, sich im Vorjahr gegen Influenza impfen zu lassen, wenn man wie ich in den Wintermonaten kommt, da man in der Unterkunft auf relativ engem Raum zusammenwohnt und die Hälfte von uns 1-2 Wochen flach lag.

Sicherheit

Santiago habe ich als eine sehr sichere Stadt empfunden. Im Vorfeld wurde ich gewarnt, dass in Spanien (v.a. in Madrid) viele Taschenräuber unterwegs sind und war deshalb am Anfang sehr vorsichtig, das war aber eigentlich nicht notwendig (Geldbeutel in der Jackentasche und Telefon in der hinteren Hosentasche völlig OK!). Auch als Frau kann man nachts alleine nach Hause laufen, ich hatte nie Angst.

Geld

Ich hatte zusätzlich zu meiner Kreditkarte ca. 100 € in bar dabei, zusätzlich bekamen wir vom Austauschteam vor Ort 70 € pocket money für unsere Verpflegung. In der Stadt gibt es zahlreiche Geldautomaten, ist also gar kein Problem. Die Preise für Lebensmittel im Supermarkt sind etwa mit Edeka/REWE in Deutschland zu vergleichen, Restaurants und Cafés sind deutlich billiger als in Deutschland (Stück Torte und Kaffee 4 €, Bier 1-2 €, Abendessen ab 5-7 €, nach oben gibt es natürlich wie in DE keine Grenze). Für Lebensmittel habe ich in den 5 Wochen ca. 100 € ausgegeben.

Sprache

Obwohl die IFMSA Spanien keine Spanischkenntnisse für den Austausch verlangt, halte ich es für unbedingt notwendig und sinnvoll, wenigstens Grundkenntnisse (A1-2) in Spanisch zu besitzen. Die Spanier in Santiago sprechen sehr schlecht und die Älteren auch sehr ungerne Englisch. Ich selbst hatte in der Schule 2 Jahre Spanisch und habe 3 Semester den Unikurs besucht, der mich bis zum Niveau B1 brachte. Leider waren v.a. die B Kurse an unserer Uni ziemlich schlecht, weshalb ich mir zusätzlich im Semester vor dem Austausch eine Spanisch-sprechende Tandempartnerin suchte. Dafür gab es eine Facebook Seite meiner Uni. Mit der Tandempartnerin traf ich mich einmal pro Woche für ca. 2 Stunden. Das hat mein Spanisch richtig gepusht und man lernt vor allem viel flüssiger zu sprechen. Für alle, die Netflix haben, kann ich nur empfehlen im Vorherein spanische Serien mit spanischem Untertitel wie Las Chicas del Cable, Casa de Papel etc. zu gucken, die vor allem das Verständnis verbessern.

Verkehrsbindungen

Ich persönlich bin mit Ryanair von Frankfurt Hahn direkt nach Santiago geflogen. Hat mit einer 20 kg Tasche ca. 150 € für Hin- und Rückflug gekostet. Am Flughafen sollte mich eigentlich meine Kontaktperson abholen, er hatte aber keine Zeit, zum Flughafen zu kommen. Ich bin also mit dem Bus in die Stadt gefahren (ganz easy, fährt direkt vom Ausgang des Flughafens ab, kostet ca. 3 €) und habe ihn dort getroffen. Von unserer Wohnung aus zum Krankenhaus waren es ca. 3 km, am Anfang habe ich immer den Bus Nr. 1 genommen (fährt alle 16 Minuten, mit Buskarte, die man beim Fahrer kaufen und aufladen kann 60 ct pro Fahrt, sonst 1 €), bin aber dann meistens gelaufen (ca. 25 min).

Kommunikation

Dank der neuen Roamingbestimmungen in Europa konnte ich mit meinem Aldi-Talk Paket meine Freiminuten und MB auch hier ganz normal benutzen. In der Wohnung gab es außerdem WLAN um nach Hause zu telefonieren/skypen. In Spanien haben wir hauptsächlich über WhatsApp kommuniziert, sowohl mit meinen Mitbewohnerinnen, als auch mit dem spanischen Austauschteam.

Unterkunft

Wir waren im Februar insgesamt 6 Austauschstudenten und haben zusammen in einer Wohnung in der Nähe der Plaza de Galicia gewohnt. Die Wohnung ist glaube ich normalerweise eine Ferienwohnung und wird von der IFMSA Spanien für die Austauschmonate Februar-April angemietet. Wir hatten jeweils zu zweit ein Zimmer mit eigenem Bad, außerdem eine ziemlich große Wohnküche mit Sofa und Esstisch. Da ich die Erste war, die angekommen ist, musste ich ein paar Sachen für die Wohnung kaufen (Handtücher, Alufolie, Schwämme zum Abwaschen etc.), für die Studenten, die jetzt im März kommen, ist jetzt alles noch da. Handtücher und Bettwäsche wurden einmal die Woche von einer Putzfirma gewechselt. In der Küche gab es genügend Aufbewahrungsplatz für unsere Lebensmittel, nur der Kühlschrank war meistens randvoll. Außerdem gab es ein kleines Gefrierfach, ein Cerankochfeld, einen Sandwichmaker, eine Mikrowelle und eine Espressomaschine (so eine manuelle italienische), keinen Wasserkocher (!). Mit den vorhandenen Küchenutensilien kamen wir gut zurecht.

Literatur

Im Internet fand ich ein Urologiebuch auf Spanisch, das man kostenlos herunterladen konnte. Darin und auf anderen Seiten im Internet habe ich mir den Wortschatz für Anamnese und Untersuchung angeguckt, was wirklich geholfen hat. Die Organe heißen z.T. ganz anders als bei uns z.B. Leber (el higado), Milz (el bazo) und es schadet sicher nicht, sowas vorher zu wissen. Hatte außerdem ein dickes Langenscheidt Wörterbuch dabei, in das ich kein einziges Mal einen Blick geworfen habe. leo.org und ein offline Wörterbuch auf dem Handy sind meiner Meinung nach sinnvoller.

Mitzunehmen

1. Regenschirm: Santiago ist die Stadt mit dem zweithäufigsten Niederschlag in Europa, es gibt kaum einen Tag, an dem es nicht regnet, außerdem ist der Wind oft sehr stark, also am besten einen stabilen (!) Regenschirm und festes Schuhwerk mitnehmen
2. Hausschuhe: In der Wohnung ist der Boden sehr kalt, und wenn man nicht alles mit seinen (meistens nassen) Straßenschuhen beschmutzen will, definitiv eine gute Idee
3. Reiseapotheke: Falls ihr ebenfalls Probleme mit dem lokalen Wasser bekommt. Außerdem kann es furchtbar anstrengend werden, den ganzen Tag Spanisch zu sprechen, ich habe z.T echt Kopfschmerzen bekommen.

Reise und Ankunft

Ich flog 2 Tage vor Beginn des Praktikums nach Santiago, weil der Flug am billigsten war und kam um 22:00 an. Die Anreise lief problemlos und ich wurde in der Stadt von meiner Kontaktperson Joel empfangen und zur Wohnung gebracht. Da ich die erste anreisende Studentin war, konnte ich mein Zimmer frei wählen. Joel hat sich anschließend viel Zeit für mich genommen und er hat mir dann nachts noch das Stadtzentrum gezeigt und mich am nächsten Tag zu seinem Fußballspiel eingeladen. Er hat sich sehr bemüht, langsam mit mir zu sprechen und ich habe das meiste verstanden. Ich war dann am nächsten Tag erstmal einkaufen und habe mir die Stadt angeschaut und mich auf das Krankenhaus vorbereitet. In der Wohnung habe ich mit 5 anderen Studentinnen gewohnt (3 aus Chile, eine aus Argentinien und eine aus Peru). Wir haben immer Spanisch miteinander gesprochen. Obwohl ich oft nichts verstanden habe oder erst zu spät / falsch reagiert habe, hatte ich nicht das Gefühl, von den anderen ausgeschlossen zu werden und habe z.T. gute Freundinnen gefunden. Die Mädels hier hatten einen (leicht) anderen Tagesrhythmus als ich, an den ich mich aber im Laufe des Monats gewöhnt habe: nach dem Krankenhaus so um 14:00-16:00 wurde erstmal geschlafen so bis 18:00, dann haben sie meistens so um 22:00 gekocht und sind um 00:00 -01:00 ins Bett gegangen, nur um dann wieder um 07:00 aufzustehen. Meine Zimmermitbewohnerin aus Chile war leider nicht sehr rücksichtsvoll, z.T. hat sie mitten in der Nacht Whats App Sprachnachrichten abgehört (sie hatte natürlich keine Ohrstöpsel dabei…) oder laut Musik gehört, sodass ich recht froh war, dass sie eine Woche früher abgereist ist. Ansonsten lief das Zusammenleben sehr gut und wir haben viel zusammen unternommen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich hatte mich für die Urologie beworben, weil ich bereits eine Urologie-Famulatur in der Schweiz gemacht hatte und hoffte, durch meine Vorkenntnisse mehr zu verstehen/machen zu dürfen. Am ersten Tag wurde ich von meiner Kontaktperson in die Klinik begleitet, es gibt eine große Umkleide für Studenten mit Spinden (10€ Pfand) und ich konnte mich umziehen und meine Sachen einsperren. Umziehen heißt hier soviel wie Kittel überwerfen, weil im Krankenhaus in normalen Straßenklamotten (außer natürlich im OP) gearbeitet wird. Joel hat mich dann auch in die Morgenbesprechung der Urologie begleitet und mich anschließend dem Chefarzt vorgestellt. Leider gab es auf der Urologie auch viele andere spanische Studenten aus dem 3. – 5. Studienjahr (meistens 8-12) und es gab keine klare Zuordnung zu den Ärzten, die Studenten entschieden sich nach der Morgenbesprechung, ob sie in die Sprechstunde, in den OP oder auf die Station gehen wollten. Deshalb hatte ich keinen Ansprechpartner und wurde am ersten Tag in die Sprechstunde zu einem Arzt gesteckt, der eher wenig begeistert war, dass er sich jetzt um die ausländische Studentin kümmern musste. Nach einigen Tagen hatte ich das Glück, mit OA Dr. Blanco in der Endoskopie zu landen, der sich fortan mit viel Engagement um mich kümmerte und sehr viel erklärte. Leider fanden auch die anderen Studenten Dr. Blanco sehr cool, deshalb war es meistens ein Kampf, wer ihn am jeweiligen Tag begleiten durfte.
Unter den Studenten gab es außerdem eine What’s App-Gruppe, in die auch ich durch Joels Engagement hinzugefügt wurde, aber anfangs hat sich niemand für mich interessiert. Ich habe eine Nachricht geschrieben, dass ich deutsche Austauschstudentin bin und evtl. Hilfe bei Verständigungsproblemen benötige, habe darauf aber nie eine Antwort erhalten. Mit einigen der Studenten habe ich mich danach aber im RealLife echt gut verstanden.

Land und Leute

Santiago ist bis auf den vielen Regen eine echt tolle kleine Stadt in der man viel unternehmen kann. Unser Austauschteam vor Ort und vor allem die LEO, Bea, waren sehr aktiv und haben uns viele Aktivitäten angeboten. Meist habe ich zusammen mit meinen Mitbewohnerinnen Sachen unternommen. Es gibt sogenannte „Free Tours“ mit verschiedenen Themen durch Santiago, die dauern ca. 2 Stunden, man kann sich im Internet anmelden und am Ende eine Spende geben. Lohnt sich total! Es gibt einen schönen Park (Parque de Alameda), in dem man gut joggen gehen kann und unzählige Museen (z.T. kostenlos). Empfehlen kann ich auch die Cidade de la Cultura auf einem Hügel ca. 2 km von der Unterkunft entfernt. Dorthin bin ich oft spazieren gegangen um alleine zu sein/nach Hause zu telefonieren wenn die Wohnung voll war und man hat einen schönen Blick über die Stadt. Unter der Woche sind wir oft mit den Austauschleuten was trinken gegangen. Am Wochenende sind die meistens nach Hause, in der Umgebung von Santiago, gefahren und wir haben an den Trips für Erasmus-Studenten teilgenommen. Ich habe eine Exkursion nach Finisterre gemacht, die ich sehr empfehlen kann, sowie einen Wochenendtrip nach Porto in Portugal (ca. 3 h entfernt). Außerdem wurde noch eine Fahrt zum Karneval in Verín und eine Exkursion nach A Coruna angeboten. Man hätte sicher viele Erasmusstudenten (viele aus Südamerika) kennen lernen können, ich hatte aber mit meinen 5 Mitbewohnerinnen schon genug zu tun und wir blieben eher unter uns.
Wirtschaft/Politik: Man merkt die Wirtschaftskrise in Spanien. Während ich dort war, gab es eine politische Debatte, ob das Gesundheitssystem privatisiert werden solle, um Geld zu sparen, und es gab eine massive Demonstration in Santiago (der gesamte Kirchplatz war voller Menschen). Zudem hat eigentlich keiner der Studenten einen Nebenjob, weil es einfach keine Arbeit gibt. Einer sagte zu mir: Ja, warum arbeiten in Spanien keine Studenten bei McDonalds? Weil dort schon die promovierten Physiker arbeiten… auch für die Medizinstudenten sieht es hier recht düster aus: es gibt jährlich doppelt so viele Studenten wie freie Plätze in den Krankenhäusern, und wer den Abschlusstest versaut, muss ihn entweder im Jahr darauf wiederholen oder einen Aushilfsjob im Krankenhaus für wenig Geld annehmen.
Tagesrhythmus: An den Tagesrhythmus meiner südamerikanischen Mitbewohnerinnen (relativ ähnlich zu den Spaniern) musste ich mich erstmal gewöhnen. Meistens kamen sie früher aus dem Krankenhaus als ich (so 12:30-14:00), haben gegessen, 2-3 Stunden geschlafen, haben so um 22:00 angefangen, Abendessen zu kochen und gingen um 01:00 ins Bett, nur um dann wieder um 07:00 aufzustehen. Ich hatte ständig das Gefühl, nicht genug zu schlafen. Am Anfang war ich aufgrund der fremden Sprache eigentlich immer müde, dann hatte ich zwei Wochen die Grippe und danach ging es dann besser, was auch daran lag, dass meine Mitbewohnerin auszog.

Fazit

Meine Famulatur in Spanien hat mich extrem motiviert, auch einen Abschnitt meines PJ im Ausland machen zu wollen. Allerdings bin ich froh, dass ich nur zur Famulatur hierher gekommen bin. Im PJ werde ich mich für ein anderes Land entscheiden, weil man in Spanien als Student praktisch, vor allem im OP nicht genug lernen kann. Mir persönlich gefällt das deutsche System besser, ich habe das Spanische Gesundheitssystem als sehr unpersönlich (Patient ist eine Nummer), sehr langsam (Patient wartet bei Erkrankung mit geringem Risiko bis zu 2 Jahre auf OP) und z.T. fahrlässig (extrem hohe Anzahl nosokomialer Infekte durch vermeidbare mangelhafte Hygienebereitschaft) erlebt. Ich bin sehr froh, dieses Gesundheitssystem kennengelernt zu haben und werde fortan das deutsche System höher wertschätzen. Mein Spanisch hat sich stark verbessert und ich hoffe, es irgendwann im Krankenhaus mal anwenden zu können, wenn spanischsprachige Patienten kommen!! Außerdem war ich positiv überrascht vom Engagement des lokalen Austauschteams und habe vor, mich nun auch in meiner Stadt im Austauschteam zu engagieren. Die Famulatur in Santiago kann ich Spanisch-begeisterten nur empfehlen!

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