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Eat to Fight your Disease (Ruanda)

Innere - SCOPH (Public-Health Austausch)
Anonym

Motivation

Gerne wollte ich während meines Studiums eine Famulatur im Ausland, speziell in einem Entwicklungsland, machen, um die dortige Medizin und Unterschiede zu Deutschland kennenzulernen. Ruanda hat mich aufgrund seiner Geschichte und seiner geographischen Lage interessiert.

Vorbereitung

Die Vorbereitung lief nach der Bewerbung über die BVMD vor allem über die Organisation ETFYD, die die Kontaktdaten des Krankenhauses und der Unterkunft vermitteln. An das Krankenhaus musste ich per Email verschiedene Bewerbungsunterlagen schicken, der Kontakt war unkompliziert und zuverlässig. Leider hatte ich vorab kein offizielles Einladungsschreiben in Form eines "Invitation letter" bekommen, den ich im Krankenhaus vorweisen musste. Vor Ort konnte ich aber Kontakt mit der zuständigen Sekretärin aufnehmen, und nachdem sie mir den "Invitation letter" ausgestellt hatte, konnte ich anfangen. Zur Vorbereitung auf Ruanda lohnt es sich, denke ich, sich mit der jüngeren Geschichte, speziell dem Genozid, zu beschäftigen. Hierzu hatte ich viel im Internet recherchiert.

Visum

Da ich im Anschluss noch reisen wollte, hatte ich mir vorab ein East Africa Tourist Visum besorgt, welches für 90 Tage multiple Ein- und Ausreisen in Ruanda, Uganda und Kenia ermöglicht und einfach online beantragt werden kann. Offiziell wird vom Krankenhaus ein N2- Praktikantenvisum gefordert, welches 50 Dollar kostet und vor Ort beantragt werden kann. Da die Bearbeitung allerdings bis zu 4 Wochen dauert und der Reisepass hierfür in die Hauptstadt Kigali geschickt werden muss, habe ich es beim East Africa Tourist Visum belassen, und da ich es nie wieder irgendwo vorzeigen musste, hatte ich auch keine Probleme damit.

Gesundheit

Vorab habe ich einige Impfungen aufgefrischt und die ergänzt, die ich noch nicht hatte, z.B. Meningokokken, Typhus, Gelbfieber etc. Das Auswärtige Amt bietet eine guten Überblick über die Impfempfehlungen für Ruanda. Die Gelbfieberimpfung soll für Ruanda sogar verpflichtend sein, allerdings wurde das bei mir nie kontrolliert. Als Malariaprophylaxe habe ich Malarone genommen und dies auch gut vertragen. Ich würde Malaroneprophylaxe wirklich empfehlen, da Malaria in der Region sehr häufig ist und gerade in den Abendstunden viele Mücken unterwegs sind.

Sicherheit

Ich habe Ruanda als sehr sicher wahrgenommen. Ich bin auch nachts alleine durch Butare gelaufen und habe mich nie unsicher gefühlt. An öffentlichen Plätzen gibt es im ganzen Land eine starke Präsenz von Sicherheitskräften und Militär. Kleinkriminalität gibt es aber natürlich auch in Ruanda.

Geld

Die Währung in Ruanda ist der Ruanda-Franc, aktuell entspricht 1 Euro etwa 1000 Ruanda-Franc. Man kann überall im Land mit der Währung zahlen und in den Städten gibt es meist jede Menge Geldautomaten. Allerdings kann es vorkommen, dass abends die Geldautomaten kein Geld mehr haben und man daher nicht mehr so gut an Bargeld kommt, da der größte Schein ein 5000 Ruanda-franc Schein ist. Obst und Gemüse gibt es auf den Märkten sehr günstig (Avocado 10 Cent, Mango 50 Cent), Milchprodukte und westliche Produkte sind in Supermärkten eher teurer. Die Lebenshaltungskosten hängen also auch davon ab, welche Produkte man kauft, sind aber alles in allem um einiges günstiger als in Deutschland.

Sprache

Amtssprachen in Ruanda sind Kinyarwanda, Englisch und Französisch. Die Ruander sprechen untereinander Kinyarwanda, Englisch - und Französischkenntnisse hängen von Alter und Bildung ab. So sprechen ältere Leute meist eher Französisch, jüngere Leute eher Englisch. In den Städten kommt man eigentlich immer gut mit Englisch zurecht, gelegentlich kann es hilfreich sein, Französisch zu können. Das Personal im Krankenhaus spricht meist gut Englisch, die Patienten, die meist vom Land kommen, sprechen häufig nur Kinyarwanda, sodass man immer einen der Studenten oder der Ärzte brauchte, um zu übersetzen.

Verkehrsbindungen

In Ruanda gibt es ein sehr gutes Busnetz, man kommt mit dem Bus für wenig Geld in alle Teile des Landes. In den Orten gibt es jede Menge Moto-Taxis, also Motorradtaxis, mit denen man günstig und meist relativ sicher (abhängig vom Fahrstil des Fahrers) von A nach B kommt. Es gibt auch Fahrradtaxis, mit denen ich allerdings nie gefahren bin, und Autotaxis, die verhältnismäßig teuer sind.

Kommunikation

Ich habe mir eine ruandische SIM-Karte gekauft und hatte damit fast immer sehr guten Empfang. Mobiles Internet ist in Ruanda sehr günstig, für ca 3 Euro gibt es 6 GB mobile Daten für einen Monat und das hat mir vollkommen ausgereicht, um ab und zu mal einen WhatsApp-Videoanruf nach Deutschland zu machen, dessen Qualität übrigens sehr gut war.

Unterkunft

Ich habe im RVCP-Haus gewohnt und kann das auch sehr empfehlen. Das Haus wird von RVCP, einer Studentenorganisation, vermietet, die soziale Projekte in den umliegenden Dörfern organisieren. Die Miete ist mit 200 Dollar/Monat zwar nicht ganz günstig, geht aber zum größten Teil in die Projekte der Organisation. Die Unterkunft ist mit Bettwäsche und Moskitonetzen ausgestattet, es gibt eine einfache Küche, eine warme Dusche(!) und ein Wohnzimmer. Der Vorteil ist, das man meist mit anderen internationalen Studenten zusammenwohnt und auch schnell Kontakt zu einheimischen Studenten der Organisation knüpft. Man kann aber auch weitaus billiger wohnen, die Studentenwohnheime kosten wohl nur 20- 70 Dollar und sollen auch nicht schlecht sein.

Literatur

Als Reiseführer hatte ich den Ruandareiseführer von Ivanowski's und den Uganda/Ruanda-Reiseführer von Christoph Lübbert dabei, ich fand beide ganz hilfreich. Der Film "Hotel Ruanda" beschäftigt sich mit dem Genozid, außerdem gibt es eine gute BBC-Doku von 2014 auf YouTube zu dem Thema.

Mitzunehmen

Für das Krankenhaus sollte man Kittel, Stethoskop, eigene Handschuhe und ausreichend Desinfektionsmittel für die Kitteltasche mitnehmen, in der Chirurgie braucht man wohl auch eigene OP-Kleidung für den OP. Die Studenten und Ärzte sind alle eher etwas schicker angezogen (Hemd, gute Schuhe), wenn man sich nicht underdressed fühlen will, sollte man also auch Kleidung in der Richtung einpacken. Es ist aber auch überhaupt kein Problem, wenn man Sneaker und T-shirt im Krankenhaus trägt.

Reise und Ankunft

Ich bin nach Kigali geflogen, habe da eine Nacht im Kigali Guesthouse im Viertel Nyamirambo übernachtet (sehr zu empfehlen, da günstig und sauber!) und bin am nächsten Tag mit dem Bus nach Butare gefahren. In meinem Fall habe ich einfach ein Taxi am Flughafen in die Stadt genommen, die RVCP-Studenten holen neue Famulanten aber auch häufig direkt am Flughafen ab. Vor Beginn meiner Famulatur hatte ich noch einen Tag Zeit, an dem ich mich um Organisatorisches gekümmert. Ich bin zuerst zu Alexis, dem Sekretär der medizinischen Fakultät, bei dem man 50 Dollar zahlen muss, und habe mich danach bei Elias, dem Zuständigen im Krankenhaus , vorgestellt. Dort muss man nochmal 100 Dollar zahlen und sowie die Bewerbungsunterlagen (Deans Letter, Invitation Letter etc.) einreichen. Am nächsten Morgen habe ich mich wieder mit Elias getroffen und er hat mich zur Morgenbesprechung auf die Innere gebracht.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Auf der Inneren ging es morgens um 7:30 Uhr mit dem staff meeting los. Hier wurden die Aufnahmen aus dem Nachtdienst vorgestellt und außerdem ein größerer Fall als Lehrfall ausführlicher besprochen. Gerne wurden dabei Fragen an die Studenten gestellt, die Atmosphäre war aber sehr locker und es war überhaupt nicht schlimm, wenn man etwas nicht wusste oder eine falsche Antwort gegeben hat. Danach wurden noch einige ausgewählte Patienten visitiert, die in der Nacht aufgenommen worden waren. Man konnte entweder mitgehen, oder man ist erstmal mit den anderen Studenten in die Cafeteria frühstücken gegangen, was häufiger der Fall war. Nach der Frühstückspause ging es dann auf Station los. Die Stationen auf der Inneren sind nicht nach Fachrichtungen sondern nach Männer- und Frauenstationen aufgeteilt. Pro Station gibt es etwa 10-14 Patienten und meist 2 Residents (Assistenzärzte) und 1-2 Studenten. Als Student hat man meist 1-3 Patienten, die man jeden Tag körperlich untersucht und für die man die Untersuchungsbefunde in der Akte festhält. Meist kam dann so gegen 11:30 Uhr der Senior (Oberarzt) und man startete mit der ward round (Visite), bei der man seine Patienten vorstellte, ggf. weitere Untersuchungen wie Ultraschall machte und das weitere Vorgehen (Therapie,Untersuchungen, Medikamente, Entlassungen etc) besprach. Nach der ward round war man meist fertig und hatte erstmal Mittagspause. Mittagessen gab es sehr günstig in der Cafeteria, für 1 Euro konnte man sich am Buffet mit Reis, Pommes, Bohnen, Spinat, Fleisch und manchmal Salat bedienen. Um 13:30 Uhr fing dann der Nachmittagsunterricht an. Dieser bestand entweder aus Präsentationen, Gruppenarbeiten an Fallbeispielen, Journal Clubs oder Unterricht am Krankenbett zu Untersuchungstechniken. Gegen 15-16 Uhr war man meistens fertig und konnte nach Hause gehen.
Die Famulatur auf der Inneren hat mir sehr viel Spaß gemacht. Die Ärzte und Studenten waren alle sehr nett und haben sich viel Mühe gegeben, einem etwas beizubringen. Vor allem im Nachmittagsunterricht hat man viel gelernt und wichtige Inhalte wurden nochmal gut zusammengefasst. Die körperliche Untersuchung als diagnostische Maßnahme hatte einen hohen Stellenwert, da bildgebende Verfahren wie CT und MRT eingeschränkter zur Verfügung stehen, deshalb konnte man das Untersuchen wirklich gut üben.
Es war interessant zu sehen, wie sich die Krankheitsbilder von denen für Europa typischen Erkrankungen unterscheiden. So gab es zum Beispiel weniger Krebserkrankungen und kaum Herzinfarkte, dafür viele Patienten mit Kardiomyopathien und chronischen Nierenerkrankungen.

Land und Leute

Ruanda ist ein super Land zum reisen und entdecken. Da es relativ klein ist und eine gute Infrastruktur hat, kommt man sehr schnell in alle Gegenden. Zusammen mit den anderen internationalen Famulanten und den einheimischen Studenten haben wir am Wochenende viele Ausflüge gemacht. Wir haben eine Safari durch den Akagera-Nationalpark im Osten des Landes gemacht, waren wandern im Nyungwe-Nationalpark, haben eine Kaffeeplantage in der Nähe von Butare besucht und sind nach Kigali gefahren. Dort sollte man auf jeden Fall das Genozide Memorial besuchen, welches das Thema sehr gut aufarbeitet.
Butare selbst hat auch einiges zu bieten. Es gibt ein Freibad, einige Cafés und Bars, einen Nachtclub und eine Karaokebar, die immer Donnerstag öffnet, sehr zu empfehlen. Außerdem gibt es auf dem Campus der Uni nachmittags immer irgendwelche sportliche Aktivitäten wie Fußball, Basketball etc. Man kreuzt einfach auf und fragt ob man mitmachen kann, die einheimischen Studenten freuen sich meistens über neue Gesichter.
Generell habe ich die Ruander als sehr freundlich und angenehm empfunden. Man fällt als Weißer natürlich auf und am Anfang ist es ungewohnt, so viel angestarrt zu werden. Die Leute sind aber wirklich sehr hilfreich und meist bemüht, einem das Land und die Kultur näher zu bringen. Hingegen fand ich es nicht leicht, mit dem Thema Genozid umzugehen. Zwar sind offiziell alle Ruander sehr bemüht, offen damit umzugehen, es spricht aber tatsächlich kaum jemand im Alltag darüber, und auch kritische Gespräche über die Regierung und den Präsidenten werden in der Öffentlichkeit vermieden.
Das Essen in Ruanda besteht hauptsächlich aus Reis, Kartoffeln, Bohnen, Gemüse, weniger Fleisch. Obwohl es eine Küche in meiner Unterkunft gab, habe ich kaum gekocht, da es sowohl mittags wie auch abends in den Restaurants immer ein African Buffet gab, wo man sich für 1-2 Euro an besagten Zutaten bedienen konnte. Wenn man mal keine Lust auf Buffet hatte, konnte man sich auf dem Markt günstig Avocados und Früchte kaufen, und eine gute Bäckerei gab es in Butare auch.
Ein touristisches Highlight in der Region ist sicherlich das Gorilla-Trekking, welches allerdings in Ruanda mit 1500 Dollar extrem teuer ist. In Uganda kostet es hingegen nur 600 Dollar und im Kongo nur 400 Dollar. Ich bin nach meiner Famulatur noch nach Uganda gereist und habe das Gorilla-Trekking dort gemacht. Meiner Meinung nach war es ein tolles Erlebnis, da man wirklich extrem nah an die Tiere herankommt und einen direkten Einblick in das Zusammenleben einer Gorillagruppe bekommt.

Fazit

Insgesamt hat der Aufenthalt in Ruanda meine Erwartungen mehr als übertroffen. Vor allem die Arbeit im Krankenhaus hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich habe in der Inneren sehr viel gelernt. Ich kann nur jedem empfehlen, mal eine Famulatur im Ausland zu machen, da man jede Menge neue Erfahrungen macht, Eindrücke sammelt und nicht zuletzt auch einen anderen Blick auf die Medizin in Deutschland bekommt.

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