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Unidad Comunitaria de Salud Familiar (El Salvador)

Verschiedene - SCOPH (Public-Health Austausch)
von Julian, Muenchen

Motivation

Da ich mein erstes Staatsexamen geschoben habe, aber nicht ein Semester nur damit verbringen wollte, zu lernen und auch immer schon gerne Erfahrungen im Ausland sammeln wollte, sei es auf einer Reise oder in einem Praktikum, entschied ich mich, mich für einen Public Health Austausch zu bewerben.
Das Konzept des Public Health Austausches kannte ich vorher nicht, aber es sprach mich gleich an, weil man dadurch die Möglichkeit hat, erstens, einen kleinen Beitrag in hilfsbedürftigen Ländern zu leisten und, zweitens, auf der ersten Ebene der Gesundheitsversorgung einen Einblick bekommt wie die Menschen vor Ort versorgt werden und gleichzeitig etwas an medizinischen Kenntnissen dazuzugewinnen. Es ist also ein Geben und Nehmen, wovon alle Beteiligten profitieren. Das macht das ganze natürlich interessanter als beispielsweise ein Urlaub. Beim Durchscrollen durch die Angebote des Public Health Austauschs der BVMD fiel mir auf, dass viele Projekte klinische Erfahrungen erforderten, die ich nicht hatte. Dann fielen mir 2 Projekte ins Auge, eines in Ecuador, das andere in El Salvador, bei welchen das nicht so war. Die Beschreibung der Projekte sprach mich an, da es sich um ländliche Regionen handelte, wo es die Menschen erstens nötiger haben und zweitens die kulturelle Identität noch mehr erhalten ist. Da ich außerdem Spanisch spreche, war es eine leichte Entscheidung.

Vorbereitung

Die Vorbereitung bestand aus der Organisation der Anreise und aus der Planung möglicher durchzuführender Projekte vor Ort. Der Ort, an dem ich tätig werden sollte, liegt an der Pazifikküste von El Salvador, ca. 4 h mit öffentlichem Verkehr entfernt vom Flughafen. Die Partnerorganisation Unified for Health vermittelte mir verschiedene Kontakte, unter anderem einen Bekannten, Edgar Garibo, der anbot mich vom Flughafen abzuholen. Nachdem die Flüge gebucht waren, musste ich noch meinen Pass erneuern, es waren sonst keine anderen Formalitäten nötig, die man nicht auch bei anderen Reisen hätte (einen internationalen Führerschein hatte ich von einer anderen Reise bereits). Über Facebook und Whatsapp war ich in regem Kontakt mit den vermittelten Kontakten und so war schon bald abgeklärt, wie ich mit deren Hilfe in das kleine Dorf gelangen würde. Bezüglich der Projekte war ich vor Allem mit meiner Vorgängerin in Kontakt und wir haben dann zusammen darüber nachgedacht, was man sinnvollerweise vor Ort noch verbessern könnte.
Des Weiteren habe ich mich natürlich im Vorfeld sowohl über das Internet, als auch bei meinen Vorgängern vor allem über die Sicherheitslage im Land erkundet.

Visum

Für die Einreise nach El Salvador benötigen deutsche Staatsangehörige kein Visum für einen Aufenthalt von bis zu 90 Tagen. Mein Aufenthalt ging über 2 Monate, also musste ich mich in Sachen Visum um nichts kümmern. (Das Touristenvisum wird bei der Einreise direkt am Flughafen erteilt)

Gesundheit

Bezüglich der Krankheiten, die dort vorkommen (können), hatte ich im Vorfeld verschiedene Meinungen gehört. Ich war zum Beispiel war ich auch beim Tropenarzt. Die Region, in der das Dorf sich befindet, ist offiziell kein Malariagebiet mehr und auch die Menschen vor Ort (Ärzte) schätzten die Gefahr als sehr gering ein. Eine Malaria Prophylaxe habe ich nicht verwendet, nur Mückenspray und ein Moskitonetz mitgenommen. Beides ist auch wegen Dengue- und Chikungunya-Fieber zu empfehlen sind, da diese Erkrankungen dort auch vorkommen können und es keine Impfung gibt. Gegen Tollwut war ich schon geimpft, wobei das eigentlich nicht zwingend nötig ist und die restlichen Impfungen haben Medizinstudenten meistens schon wegen Pflegepraktika etc. .

Sicherheit

Die Sicherheitslage und die nötigen Vorkehrungen sind ein schwieriges Thema. Jedem, der sich ein wenig über das Land informiert, wird schnell bewusst, dass es kein sicheres Land ist und dass Vorsicht auf alle Fälle geboten ist. Man muss aber auch sehen, dass, obwohl es im den Land viel Gewalt gibt, dass sich davon ein Großteil in Form von Banden- und Drogenkriminalität abspielt, in die man nur mit sehr viel Pech oder aus grober Fahrlässigkeit als Unbeteiligter hineingerät. Es ist sinnvoll, wenn man die Umgebung nicht kennt, sich zumindest die Hinweise und Ratschläge der Einheimischen zu Herzen zu nehmen.
Der Ort, wo man eingesetzt wird, ist sicher, das Problem besteht aber in und um die Hauptstadt, San Salvador. Dort war ich meist in Begleitung unterwegs, bin aber auch alleine Auto gefahren oder im öffentlichen Verkehr unterwegs gewesen. Mir ist nie irgendetwas passiert, ich wurde weder beklaut noch bedroht, was allerdings nicht heißt, dass man nicht vorsichtig sein sollte.

Geld

Die Währung ist der US Dollar. Es gibt anscheinend auch eine landeseigene Währung, von der ich aber nie irgendetwas gesehen habe, soll heißen, diese wird nicht mehr benutzt und wird maximal nur noch aus Sammelleidenschaft aufgehoben. Ich habe mit der Kreditkarte Geld abgehoben, was nicht immer so einfach war. In dem Dorf gibt es natürlich keinen Geldautomaten und in der nächstgelegenen Kleinstadt (Cara Sucia) konnte ich mit meiner Visa Karte an keiner der 3 Banken abheben. Warum, konnte mir weder die Bank vor Ort noch meine Bank sagen. Geld abheben konnte ich also nur in der nächsten Großstadt (Sonsonate).
Die Lebenshaltungskosten sind niedriger als in Deutschland, wobei es hier auf die Produkte, das Herkunftsland und auch den Ort, wo man es kauft ankommt. In dem kleinen Dorf z.B. konnte man ein (sehr) schlichtes, privates Zimmer für einen US Dollar pro Tag mieten. Generell ist Wohnen und Essen ziemlich billig. Produkte, die aus dem Ausland stammen, wie z.B. Fast Food haben ähnliche Preise wie in Deutschland.

Sprache

Die Sprache ist Spanisch. Wenige Menschen sprechen gut Englisch, in ländlichen Regionen noch weniger. Ich selber habe 7 Jahre Spanisch in der Schule gelernt und konnte mich vorher schon recht fließend verständigen.
Um ein Public Health Projekt dort zu machen, muss man auf jeden Fall gut Spanisch sprechen. Wie gut, kann ich an Hand von der A1 bis C2 Abstufung nicht sagen, aber man sollte sich ohne größere Schwierigkeiten verständigen können. Viele Menschen vor Ort (in dem Dorf) sprechen Dialekt und können sich auch nur bedingt an die Sprachkenntnisse von nicht-Spanisch Muttersprachlern anpassen, aber Mühe geben sich alle und verständigen kann man sich.

Verkehrsbindungen

Aus Europa fliegt man am besten nach El Salvador. Die meisten Verbindungen gehen über Spanien und die USA/Panama. Meine Flüge kosteten mit 2 Zwischenstopps zwischen 500 Euro, einfach. Das ist natürlich abhängig von Buchungszeitpunkt und Ansprüchen.
Der öffentliche Transport ist nicht vergleichbar mit Deutschland. Es gibt Kurz- und Langstreckenbusse, welche sehr billig sind aber (bis auf einige Ausnahmen) nur wenig Komfort bieten und langsam vorankommen.
Aus dem Dorf selber heraus gibt es 4 Busverbindungen pro Tag, diese sind jedoch nicht 100 Prozent verlässlich.

Kommunikation

Anrufe aus El Salvador nach Deutschland kosten normal ca. 1 Dollar pro Minute, es ist also empfehlenswert, über das Internet zu telefonieren. Ich habe mir vor Ort eine SIM- Karte gekauft und auf diese dann Internetguthaben geladen. 2 Gigabyte Datenvolumen kosten ca. 6 Dollar und reichen recht lang, wenn man nicht Videos anschaut. W-LAN hatte ich nur vereinzelt, im Dorf nie.

Unterkunft

Die ersten 2 Wochen bin ich in einem privat vermieteten Zimmer untergekommen. Sehr billig (ca 1 Dollar pro Tag), dementsprechend auch wenig Komfort, aber alles vorhanden was man zum Überleben so braucht. Danach bin ich in eine Art einfaches Hotel gewechselt. Bettwäsche hatte ich dabei, war aber nicht nötig. Kühlschrank, Herd oder Küche gab es in keiner der beiden Unterkünfte. Aus diesem Grund habe ich meist 3 mal pro Tag bei Sonia, einer Einwohnerin gegessen, gegen Bezahlung versteht sich.

Literatur

Ich habe mich davor über die Website des Auswärtigen Amtes informiert und im Internet Erfahrungsberichte und Blogs von anderen Mittelamerikareisenden gelesen.
Medizinische Fachliteratur habe ich keine besorgt.
Die Informationen, die ich beispielsweise für meine Vorträge brauchte, habe ich aus dem Internet zusammengesucht.

Mitzunehmen

Man sollte unbedingt denken an einen Steckdosenadapter, Sonnencreme, Mückenspray und andere Pflegeartikel (vergleichsweise teuer vor Ort).
Ich habe außerdem wie gesagt ein Moskitonetz mitgenommen und sonst eigentlich nur Dinge, die man bei anderen Reisen auch benötigen würde.

Reise und Ankunft

Ich bin über Spanien und Panama angereist und wurde vor Ort in San Salvador von Edgar Garibo empfangen. Ich bin abends angekommen und am nächsten Morgen Richtung Dorf an der Küste weitergereist: Edgar hat mich den halben Weg gebracht, dort haben wir dann die Doktorin getroffen und ich bin zusammen mit ihr weitergefahren. Am selben Tag habe ich das Praktikum praktisch auch begonnen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Vor Ort, in dem kleinen Dorf namens El Zapote, gibt es eine kleine Gesundheitseinrichtung, die 2 Dörfer betreut und Patienten allgemeinmedizinisch versorgt, ähnlich wie ein Hausarzt bei uns. Außer einer Ärztin haben dort auch eine Krankenschwester und 2 Gesundheitsförderer gearbeitet, die Hausbesuche machten. Die Promotores sind zuständig für Impfungen, teilweise auch von Haustieren, verteilen Medikamente, z.B. an Schwangere (Eisensupplemente), und geben generelle Ratschläge und Empfehlungen, die zu einem gesünderen Leben führen. Ich hatte keinen festen Stundenplan und auch keine verpflichtenden Tätigkeiten, wobei gewisse Erwartungen natürlich schon von der Partnerorganisation gestellt wurden. Was ich prinzipiell immer machen konnte (und auch gemacht habe) ist, in der Gesundheitseinrichtung in der Sprechstunde dabei zu sein und gegebenenfalls der Ärztin assistieren. Meine persönlichen Projekte haben sich aber unabhängig von dem Tagesablauf der Einrichtung abgespielt, da ich nämlich erstens mit jeweils einer Gruppe von Diabetikern in den beiden Dörfern Treffen organisiert habe und ihnen Vorträge gehalten habe über Themen wie Ernährung, Sport, Komplikationen des Diabetes etc. Indirekt hat das natürlich auch die Arbeit der Gesundheitsförderer unterstützt.
Zweitens, habe ich versucht mich in den Unterricht der Schule einzugliedern und habe dort Unterricht über Sexualkunde und auch Deutschkurse gegeben. Natürlich waren auch teilweise Projekte ganz anderer Natur dabei, wie z.B. das Streichen der Gesundheitseinrichtung (mit Hilfe von Freiwilligen). Medizinisch habe ich wahrscheinlich weniger dazugelernt als ich in 2 Monaten in einem deutschen Krankenhaus gelernt hätte, was aber nicht heißt, dass ich nichts gelernt hätte. An den Tagen wo ich mit in der Sprechstunde war, wurde mir untere anderem gezeigt wie man ein Otoskop bedient und wie man damit das Ohr untersucht, wie man den Bauchumfang einer Schwangeren misst, wie man einen Rachenabstrich macht etc. Mit dem Personal der Einrichtung habe ich mich sehr gut verstanden und wurde von allen fair und respektvoll behandelt, da ja auch keiner vor Ort mein Vorgesetzter war. Verständigungsprobleme gab es mit den Mitarbeitern der Einrichtung eigentlich überhaupt nicht. Bei manchen Patienten die starken Dialekt sprachen, musste ich manchmal nachhaken. Ich hatte auch Kontakt mit einem Arzt, der für die Administration der Region zuständig ist, und konnte durch ihn einen Einblick bekommen, wie das Gesundheitssystem aufgebaut ist. Einblicke in die medizinische Ausbildung vor Ort habe ich auch erhalten, da die Ärztin in der Einrichtung in ihrem letzten Jahr der Ausbildung war und eine Art praktischen Dienst ableistete. Die Ausbildung dauert dort 8 Jahre und ist auch anders strukturiert als bei uns.

Land und Leute

Natürlich blieb auch Zeit, Land und Leute kennen zu lernen. Gerade an den Wochenenden bin ich oft in die Hauptstadt gefahren, zu dem UFH Teammitglied, habe dann bei ihm von Freitag bis Montag übernachtet und bin dann Montag früh morgens wieder Richtung Küste gefahren. Von der Hauptstadt aus habe ich, meist zusammen mit ihm oder anderen Freunden, Ausflüge in und um San Salvador machen können. Beispielsweise habe ich von San Salvador aus Ausflüge zu Vulkanen, in die Berglandschaft um die Hauptstadt und zu den Stränden gemacht. Es gibt aber auch vieles um das Dorf an der Küste herum zu sehen, da es malerisch an einer großen Bucht gelegen ist, die Verbindung zum Pazifik hat, mit Blick auf die Vulkankette.
Die Nähe des Wassers erzeugt eine außerordentliche Landschaft mit Mangrovenwäldern, in denen Krokodile und Schlangen zu finden sind.
Tourismus ist eher noch in den Startlöchern in El Salvador, weswegen man sich auf eine andere Infrastruktur etc. gefasst machen sollte, als man sie von touristischeren Regionen kennt (Öffentlicher Transport wieder als Beispiel) Das heißt aber nicht, dass es sich nicht lohnt, das Land zu erkunden.
Generell gibt es ein paar touristische Hotspots, so zum Beispiel die Strände in der Nähe von Puerto de Libertad, die sich besonders für Surfbegeisterte als Reiseziel herauskristallisiert haben. Es gibt aber auch große Teile des Landes, wo man weit und breit keinen Touristen sehen wird.
Die Kultur der Menschen dort ist geprägt von Herzlichkeit und Freundlichkeit. Das wenige, was die Menschen dort teilweise haben, teilen sie trotzdem bereitwillig mit Ausländern, die sich an ihrer Kultur interessiert zeigen. Obwohl mich keiner kannte, wurde ich in dem Dorf sehr herzlich empfangen und habe mich sehr willkommen gefühlt, da die Menschen dort immer gerne Reisenden ihr Land zeigen möchten.
Interkulturelle Missverständnisse gab es so gut wie nie. Das einzige Thema, was möglicherweise mit etwas Fingerspitzengefühl behandelt werden sollte, ist die Religion.
Das Land ist, wie die anderen zentralamerikanischen Länder auch, sehr religiös. Öffentliche Busse sind verziert mit Glaubensbekenntnissen und die Phrase ,,gracias a dios'', also ,,Gott sei Dank'', wird bei allem angewendet. Auch wenn ich nicht glaube, dass es zu Streit kommen würde, wenn man sagt man ist Atheist oder ähnliches, negativ oder abfällig sollte man sich auf keinen Fall über Gott oder ihre Religion äußern. Religion ist dort Teil des öffentlichen Lebens, anders als bei uns in Deutschland. Das Essen war gut. Es wird viel Mais, Bohnen und Gemüse gegessen.

Fazit

Mein persönliches Fazit zu der Erfahrung ist uneingeschränkt positiv. Es lief alles im Großen und Ganzen viel problemloser ab, als ich es erwartet hätte und ich bin sehr dankbar diese Erfahrung, die auf jeden Fall meinen Horizont erweitert hat, gemacht haben zu dürfen. Ich würde auf jeden Fall wieder in das Land reisen, auch wenn ich zuerst andere Teile Zentralamerikas kennen lernen wollte.
Ich bin durch meine Erfahrungen dort gereift und habe sehr viele für mich persönlich wertvolle Erfahrungen gesammelt, die ich nicht missen möchte.
Ich bedanke mich aufrichtig bei der BVMD und bei Unified for Health mir das alles ermöglicht zu haben.

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