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Finland (FiMSIC)

Neurologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Ein Auslandsaufenthalt während des Studiums kann auf unzählige Weise bereichernd sein. Das Gesundheitssystem eines Anderen zu erleben und daraus Inspiration für das deutsche System zu erhalten war der Hauptgrund für meinen Aufenthalt.

Vorbereitung

Ich habe mich nicht wirklich auf den Austausch vorbereitet. Es würde selbstverständlich Sinn machen, Finnisch zu lernen. Angesichts des Arbeitsaufwandes und des geringen Nutzens nach dem Aufenthalt ist ein Mangel an Ambition aber verständlich. Es macht Sinn, sich ein wenig mit Medical English auseinanderzusetzen, sofern einem die Begrifflichkeiten nicht geläufig sind.
Durch die unhandlichen Bewerbungsmodalitäten musste ich über ein halbes Jahr auf meine endgültige Zusage warten (Card of Confirmation).

Visum

Dank der Europäischen Union und des Schengener Abkommens war kein Visum nötig.

Gesundheit

Es wurden ein negativer MRSA-Abstrich und eine Bescheinigung über eine Auslandskrankenversicherung gefordert. Beide Dokumente wollte in Finnland aber niemand sehen. Sonstige Vorkehrungen sind nicht nötig.

Sicherheit

Finnland ist sehr sicher. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.



Geld

Finnland ist im Vergleich zu Deutschland sehr teuer. Daher sollte man ausreichende Finanzen einplanen. Es kann eigentlich überall mit Kreditkarte gezahlt werden. Der Besitz einer gebührenfreien Kreditkarte ist empfehlenswert.

Sprache

Die Landessprache ist Finnisch. Diese hat im Grunde keine Ähnlichkeit mit dem Deutschen. Wer ernsthafte Ambitionen hat, sich auf Finnisch zu verständigen, sollte frühzeitig mit dem Lernen anfangen. Ansonsten kommt man mit Schwedisch (zweite Amtssprache) und Englisch gut zurecht. Einige Leute sprechen aufgrund der Nähe auch Russisch.

Verkehrsbindungen

Man kommt mit dem Flugzeug oder mit der Fähre nach Helsinki. Hin- und Rückflug bekommt man für 100 – 200 Euro. Zwar gibt es keinen Fahrtkostenzuschuss von der BVMD. Wer aber durch ein Begabtenförderungswerk (z.B. Studienstiftung) gefördert wird, kann sich um eine Förderung für Kurzpraktika bemühen und bekommt die Reisekostenpauschale nach den Tarifen des DAAD erstattet (aktuell 325 Euro für Finnland).
Das Nahverkehrsnetz in Helsinki ist ausreichend. Eine Monatskarte zu Studentenkonditionen kann durch die FIMSIC leider nicht mehr organisiert werden. Das schränkt die Mobilität durch erhöhte Kosten leider deutlich ein.

Kommunikation

Durch die Abschaffung der Roaminggebühren muss man sich darum keine Gedanken mehr machen. Eduroam ist auf dem gesamten Campus nutzbar.

Unterkunft

Man wird in den Medioma Studentenappartements untergebracht. Diese werden ausschließlich von Medizinstudenten bewohnt und sind zweckmäßig eingerichtet. Das offizielle Apartment der FIMSIC hat zwei Betten, die je nach Bedarf auch beide belegt werden. Das kann in dem kleinen Raum schon etwas eng werden. Ich war jedoch alleine in einem privaten Zimmer im Medioma untergebracht.

Literatur

Einen Reiseführer kann man sich besorgen. Das muss aber nicht sein, da es im Internet eigentlich genug Informationen gibt.

Mitzunehmen

Kommt drauf an, wann man dort ist. Im Winter ist es schon ziemlich kalt.

Reise und Ankunft

Die Anreise von Deutschland aus ist angenehm. In den meisten Fällen wird man von seiner Contact Person vom Flughafen abgeholt. Dort erhält man direkt eine Travelcard. Diese kann in den zahlreichen R-kioski aufgeladen werden. Man sollte sich jedoch deren kurzen Öffnungszeiten am Wochenende bewusst sein! Im Krankenhaus hatte ich keinen direkten Ansprechpartner. Ich bin am ersten Tag einfach auf die Station (7A) gegangen und habe mich vorgestellt. Dann wurde ich einem Arzt zugeteilt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Die Finnen sind qualitativ etwa auf dem gleichen Stand wie in Deutschland. Viel lernt man hier nicht, was man in Deutschland nicht auch gelernt hätte. Das sollte also nicht die Motivation für den Austausch sein. Die Neurologen in Finnland haben einen entspannten Arbeitsalltag. Da viele Arbeiten delegiert werden, haben die Neurologen nicht viel mehr zu tun, als einmal am Tag auf Visite zu gehen und etwas Papierkram zu erledigen. Dementsprechend wenig gibt es für einen Famulanten zu tun. Erschwerend kommt hinzu, dass die Neurologen in Finnland sehr viel Zeit haben, sich mit ihren Patienten zu unterhalten. Das ist im Grunde natürlich positiv, wenn man aber kein Finnisch spricht, steht man so die meiste Zeit nur herum und langweilt sich. Die meisten Ärzte sind jedoch bemüht und erklären im Anschluss an das Gespräch etwas über den Patienten und den weiteren Verlauf. Dazu empfehle ich aber, Initiative zu zeigen und oft nachzufragen, da viele Ärzte von sich aus wenig erklären. Der Arbeitstag beginnt um 8 Uhr. Vor 9 Uhr zu kommen lohnt sich aber meist nicht, da vor der Visite nur ein wenig Schreibkram erledigt wird. Montag und Freitag ist um 8.30 Uhr Radiologie - Besprechung. Das lohnt sich aber nur, wenn man einen Arzt hat, der gewillt ist, die wichtigsten Informationen ins Englische zu übersetzen. Danach läuft man für ca. zwei Stunden bei der Visite mit. Nach dem Mittagessen werden die bürokratischen Arbeiten erledigt, weshalb der Arbeitstag für den Famulanten mittags endet.
Es gibt einige neurologische Stationen. Ich empfehle, sich mehrere davon anzusehen, da sie verschiedene Schwerpunkte haben:
Tower Hospital: 7A+B: Stroke Unit; 6A+B: Allgemein; neurologische Notfallaufnahme
Triangle Hospital: Movement Disorders
Es ist schwierig, eine Empfehlung auszusprechen, da die Qualität des Aufenthaltes sehr vom betreuenden Arzt abhängt und diese in festen Zeitabständen rotieren. Falls man einmal Pech hat, empfiehlt es sich, einfach schnell weiter zu rotieren.
Ich empfehle, viel Eigeninitiative zu zeigen. Dann kann man zumindest ein paar neurologische Untersuchungen an englischsprachigen Patienten durchführen. Sonographie und andere apparative Diagnostik werden leider nur von sehr wenigen Ärzten verwendet.

Land und Leute

Die Finnen sind im Großen und Ganzen doch eher ein verschlossenes Völkchen, dafür sind sie aber sehr hilfsbereit und freundlich. Die lokalen Studenten sind im Grunde sehr bemüht, hilfsbereit und organisieren ab und an etwas Programm, doch meist sind die Incomings auf sich alleine gestellt. Im März waren wir zu viert. Ich denke, im Sommer wird in Verbindung mit den anderen medizinischen Fakultäten mehr Programm auf die Beine gestellt.
Man kann sich selbst aber ein schönes Programm zusammenstellen. Zum Beispiel bietet es sich an, mit der Fähre (Eckerölines, 10€) für einen Tag nach Tallinn zu fahren. Wer die Nordlichter sehen möchte kann nach Lappland fliegen (Wir waren in Ivalo und Inari). Man muss sich aber bewusst sein, dass das Erleben der Aurora Borealis mit großem Glück verbunden ist und die Flüge (Finnair) auch nicht billig sind. Allgemein hat man aber im Februar und März die besten Chancen.
Allgemein wird in Finnland viel Zeit in der Sauna verbracht. In der kalten Jahreszeit ist das eine wirklich schöne Sache, welche man nutzen sollte.
Wer trotzdem etwas erleben und ein paar Leute kennen lernen möchte, dem kann ich es empfehlen, an ein paar Events des Erasmus Student Networks der Universität Helsinki teilzunehmen. Dazu kann man sich auf deren Facebook-Seite (https://www.facebook.com/uni.helsinki.ESN/) informieren.
Helsinki ist eine schöne Stadt, die auch viel Natur bietet. Eventuell hat man davon aber im Sommer mehr, denn im Winter ist es häufig grau und es ist wenig los in den Straßen. Unweit von Helsinki kann man direkt in die Natur eintauchen, was sich aber im Winter nur begrenzt anbietet. Loipen zum Langlaufen starten direkt in der Nähe der Medioma Appartements.




Fazit

Fachlich hat sich diese Famulatur kaum gelohnt. Unter anderem stellte sich die Sprachbarriere als problematischer heraus, als ich erwartet hätte. Zumindest erhält man aber einen interessanten Einblick in das finnische Gesundheitssystem, welches sich doch in einigen Punkten von dem deutschen System unterscheidet. Helsinki ist außerdem eine schöne Stadt und es gibt auch im Winter viel zu sehen, wodurch man sich dort mit ein wenig Eigeninitiative nicht langweilen wird. Ich persönlich kann eine Famulatur in der Neurologie ohne Kenntnisse der finnischen Sprache aber nicht empfehlen und würde es auch nicht wieder machen.

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