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Chile (IFMSA-Chile)

Pädiatrie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Kristin, Freiburg im Breisgau

Motivation

Ich wollte sehr gerne einmal Einblick in ein anderes Gesundheitssystem erlangen, von Chile hatte ich außerdem gehört, dass man als Student dort sehr selbstständig arbeiten kann.

Vorbereitung

Ich habe mich nicht speziell vorbereitet. Leider wurde mir von Seiten der IFMSA Verantwortlichen in Santiago erst am Abend vor meiner Abreise meine Unterkunft mitgeteilt. Das war wirklich suboptimal und hat mich sehr verunsichert.

Visum

Um eine Famulatur in Chile zu absolvieren ist kein Visum nötig.

Gesundheit

Meine Versicherung übernimmt Aufenthalte von bis zu 8 Wochen im Ausland komplett, sodass ich keine extra Reiseversicherung brauchte. Das Krankenhaus in Santiago wollte einen Nachweis über die Influenza Impfung, für Chile sind ansonsten keine speziellen Impfungen nötig.

Sicherheit

Auch hinsichtlich der Sicherheit habe ich keine wirklichen Vorkehrungen getroffen. Chile ist ein sehr sicheres Land, solange man ein wenig auf sein Zeug aufpasst und vielleicht eine zweite Kreditkarte beim Gastgeber deponiert, sollte einem wirklich nichts passieren. Ich hab mich nie unsicher gefühlt.

Geld

In Chile zahlt man mit chilenischen Pesos, Kreditkarte wird in Santiago überall akzeptiert, in kleineren Orten eher nicht. Bargeld abheben kostet immer mindestens 4000 (ca 5 €) weshalb es sich lohnt, hohe Beträge auf einem abzuheben. Banco Estado ist es am besten, da man quasi unlimitierte Beträge abheben kann und immer 4000 zahlt. Insgesamt ist Chile nicht billiger als Deutschland, Kleider sind dort sogar eher teurer.

Sprache

Spanisch für den Umgang mit den Patienten ist ein Muss, hier kann fast niemand Englisch. Für die Kommunikation mit Ärzten und anderen Studenten ist Englisch allerdings ausreichend. Ich denke aber trotzdem, dass man mit guten Spanischkenntnissen einfach viel mehr mitnimmt und auch mehr Verantwortung bekommt.

Verkehrsbindungen

Flüge (Iberia oder LATAM) von Frankfurt nach Santiago gehen fast jeden Tag, buchen würde ich aber mindestens 4 Monate im Voraus. Innerhalb Chiles kann man wirklich überall mit dem Bus hinreisen, die sind meistens sehr komfortabel und auch relativ billig.

Kommunikation

Ich habe mir am ersten Tag eine Chilenische Simkarte von Movistar besorgt (gibts an jedem Kiosk) und hatte so zu jeder Zeit mobile Daten. Ich fand es sehr praktisch, ist aber auch nicht wirklich nötig da es im Krankenhaus und zu Hause WLAN gab und man sich Google Maps ja runterladen kann.

Unterkunft

Ich habe bei einem anderen Medizinstudenten gewohnt. Er hat mich super lieb empfangen und mir hin und wieder auch von seinem Essen abgegeben. Das einzige Problem war wie gesagt die Tatsache, dass ich erst am Abend vorm Abflug erfahren habe, dass ich bei ihm unterkommen würde. Ich habe mich was das Thema angeht daher im Vorhinein ziemlich allein gelassen gefühlt (Die anderen IFMSA Studenten in Santiago haben Ähnliches berichtet...)

Literatur

Ich habe mir den Lonely Planet Reiseführer gekauft und so ein bisschen über Chile gelesen. Empfehlen kann ich auch das Buch "Kulturschock Chile", hier erfährt man viele interessante Fakten über die Chilenen und ihre Traditionen.

Mitzunehmen

Ich hatte einen Kittel und mein Stethoskop dabei. Ersteres war absolut unabdingbar, da man sich in Chile grundsätzlich um seine Krankenhausbekleidung selbst kümmern muss. Das Stethoskop war allerdings unnötig, da man immer eins leihen kann.

Reise und Ankunft

Die Anreise war kein Problem, mit dem öffentlichen Verkehr bin ich alleine zu meinem Gastgeber gefahren und wurde sehr nett in seiner Wohnung empfangen (offline Google Maps war hier ein absolutes Muss)

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe meine gesamten 30 Tage auf der Neonatologie verbracht. Der Tag begann morgens um 8 mit der Übergabe auf der Neo-Intensiv, danach ging man entweder mit den anderen Studenten auf die Wochenbettstation oder auf die Neo-Intermediate Care. Die erste Woche muss man als Austauschstudent auf die Wochenbettstation, was auch ganz gut so ist, denn hier besteht die Arbeit lediglich daraus, die Neugeborenen zu untersuchen, eine kleine Anamnese mit der Mutter zu erheben, alles in der Akte zu notieren und dem Arzt dann Befunde usw vorzustellen. Den ersten Tag geht man mit einem anderen Studenten mit, der zeigt einem dann wie die Untersuchung geht und wie man die Dinge auf Spanisch richtig aufschreibt, ab dem zweiten Tag hat man dann seine eigenen Patienten und wird genau wie die Chilenen behandelt. Die nächsten drei Wochen habe ich dann komplett im Intermediate Care verbracht. Hier gibt es deutlich mehr zu tun und vor allem auch zu wissen. Man bekommt 2 oder mehr Patienten zugewiesen für die man quasi alleine verantwortlich ist (quasi deshalb, weil immer andere Studenten dabei sind die viel mehr wissen als man selbst und der Arzt meistens auch einmal am Tag für eine schnelle Visite vorbeischaut). Zusammenarbeit mit dem Pflegepersonal war absolut super, man wurde sehr respektvoll behandelt und konnte jederzeit nachfragen wenn man was nicht wusste. Besonders spannend fand ich die Erstuntersuchung und -Versorgung, die man als Student machen durfte/ musste: Man hat das Neugeborene direkt aus dem Kreißsaal empfangen, musste es dann gründlich untersuchen, vermessen, waschen und Vitamin K usw verabreichen. Der Tag endete um 16 Uhr mit der Übergabe auf der Intensiv (die auch mal 40 Minuten gehen konnte), allerdings hat man hier als Austauschstudent den Bonus, dass man dafür nicht bleiben muss und gehen kann, sobald alles erledigt ist. Nachtschichten darf man machen, muss man aber nicht und würde ich auch nicht empfehlen, da man die vor allem auf der Intensiv verbringt und man hier natürlich nicht so viel machen kann. An manchen Nachmittagen gab es Studentenseminare, die zum Teil wirklich spannend und informativ waren und einem im Tagesgeschäft auch wirklich sehr geholfen haben. Insgesamt fand ich das Praktikum wahnsinnig gut, mit sehr sehr weitem Abstand meine beste Famulatur, da man komplett eigenständig gearbeitet hat und von Patienten, Angehörigen und Pflegern eher wie ein Assistenzarzt als wie ein Student behandelt wurde. Besonders im Vergleich zu so manch einer Famulatur in Deutschland in der man nur dumm rumsteht und den Ärzten beim Briefe schreiben zu schauen muss war die Famulatur in Chile wirklich ein Traum!

Land und Leute

Santiago bietet als 7 Millionen Stadt neben der Arbeit im Krankenhaus natürlich noch sehr viele spannende andere Dinge. Erst mal war es super gut, dass man über IFMSA einige andere Austauschstudenten kennenlernen konnte. Das „soziale Programm“ war zwar nicht besonders ausgefeilt, aber es hat geholfen, um sich kennenzulernen (wir waren nur 4 Studenten insgesamt, davon war ich die einzige Europäerin). In Santiago haben wir die typischen touristischen Dinge unternommen, waren an einem Wochenende im Cajon del Maipo raften und an einem Tag auf dem Manquehue, dem Hausberg von Santiago (unbedingt gute Schuhe anziehen, es geht mitunter super steil bergauf, am besten macht man das ganze früh morgens, da es absolut keinen Schatten gibt). Wir waren oft im Viertel Bellavista etwas trinken und essen, hier gibt es wirklich eine unfassbare Menge an tollen Restaurants und Bars!! Das Highlight meiner Zeit im Praktikum war der Wochenendausflug nach Valparaiso, mit dem Bus ist das von Santiago nur 2 Stunden entfernt und wirklich traumhaft schön. Unbedingt über Nacht gehen und nicht nur einen Tagesausflug machen, um das lebhafte Nachtleben mitnehmen zu können. Neben diesen Aktivitäten mit den IFMSA Leuten war ich auch hin und wieder mit den anderen Studenten aus dem Krankenhaus unterwegs. Die sind leider mit ihren ständigen Wochenenddiensten und Nachtschichten sehr beschäftigt, sodass es nie mehr als ein netter Abend bei einem Bier, ein Kinobesuch oder ein Picknick wurden. Nachdem mein Praktikum zu Ende war, habe ich die Chance genutzt und war noch einen Monat in Chile unterwegs. Das kann ich wirklich nur empfehlen, das Land ist der Wahnsinn, es gibt unglaublich viel zu sehen, man kommt super einfach rum und muss sich auch als alleinreisendes Mädchen überhaupt keine Sorgen um die Sicherheit machen. Zuerst war ich in Pucon, der Adrenalinhaupstadt des Landes. Wenn ich nur 5 Tage hätte um das Land zu sehen, würde ich mit Sicherheit diese 5 Tage in Pucon verbringen. Von Vulkanbesteigungunen über Canyoning, Raften und Hydro bis hin zu Klettern, Reiten und Ausspannen in Thermalbädern gibt es hier einfach alles in der freien Natur zu tun, was man sich vorstellen kann. Ein Muss!! Danach war ich einige Tage in Pichilemu zum surfen, 4 Tage in der Atacama (von Santiago gibt es billige Flüge, sodass man das ganze eventuell sogar an einem langen Wochenende machen könnte) und 5 Tage im Torres del Paine Nationalpark in Patagonien zum wandern. Alles auch sehr sehr schön, die Natur ist unglaublich!!

Fazit

Meine Erwartungen an diesen Austausch wurden mehr als übertroffen, ich bin absolut begeistert und würde jederzeit nochmal eine Famulatur mit der bvmd machen und bin deshalb sogar enttäuscht, dass das meine letzte Pflichtfamulatur war!

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