zurück

;LeMSIC(Lebanon);Diabetes Induced Solid Tumour Risk,

Verschiedene - SCORE (Forschungsaustausch)
von Debora, Freiburg

Motivation

Da ich seit einiger Zeit arabisch lerne, wollte ich in ein Land des Mittleren Ostens. In einigen Ländern war ich schon dort, aber Libanon stand noch auf meiner Liste. Außerdem wollte ich in einen ungezwungen Verhältnis die Arbeit im Labor kennenlernen und so viel meine Wahl auf einen Forschungsaustausch im Libanon, da gab es nämlich noch Restplätze.

Vorbereitung

Da ich bis kurz vor Abreise noch viele Prüfungen hatte, habe ich mich nicht groß vorbereitet. Meine Suche nach einem guten Reiseführer war auch ergebnislos und so blieb es bei einer kurzen Google-Suche, was es für touristische Attraktionen im Libanon gibt. Es war aber auch nicht schlimm, dass ich mich nicht weiter vorbereitet habe, vieles hat sich spontan ergeben und die Informationen bekommt man am besten von den Leuten vor Ort. In dem Wohnheim leben eine Menge deutscher Theologiestudenten, die können einem praktische Tipps geben, wo man wie am besten hinkommt und manchmal ergab es sich auch, dass man gemeinsam losgezogen ist.
Ich konnte schon ein bisschen arabisch, was es mir in einigen Dingen leichter gemacht hat – ist aber keine Voraussetzung, die allermeisten Menschen sprechen English und die geläufigen wichtigen Wörter schnappt man auch schnell während des Aufenthalts auf.

Visum

Ein Visum braucht man nicht extra beantragen, man darf einen Monat visumfrei im Land verbleiben. Wichtig ist, dass man keinen israelischen Stempel im Pass hat (auch kein Grenzübertritt Israel-Jordanien).

Gesundheit

Ich habe meine übliche Reiseapotheke mitgenommen, aber nicht gebraucht bis auf mein Mückenspray und Fenestil. Das Wasser sollte man nicht aus dem Hahn trinken, zum Zähneputzen hab ich es trotzdem genommen und mir ist nichts davon passiert.

Sicherheit

Ich habe mich registrieren lassen beim Auswärtigen Amt. Beim Taxifahrer soll man als Frau besser hinten einsteigen. Insgesamt habe ich mich aber sicher gefühlt und auch Taxis/Sammelbusse/etc. alleine und bei Dunkelheit ohne irgendwelche Probleme genutzt, aber es soll wohl schon vorgekommen sein, dass gerade an dem Busumschlagsplatz Dawra oder im Taxi auf dem Beifahrersitz Frauen belästigt wurden. In manche Gegenden soll man als Tourist nicht hingehen, wir sind mit einer geführten lokalen Touristentour dann gefahren (z.B. nach Baalbek oder Tripoli), das waren dann lokale Guides und die machen die Touren nur, wenn sie es auch wirklich für sicher halten.

Geld

Die Währung sind Libanesische Pounds (1800=1€) oder Amerikanische Dollar (1500=1$). Beide Währungen sind gleichwertig, sodass man am Ende sein Geld in Dollar umtauschen kann, die wird man vermutlich eher wieder los, als Lebanese Pounds. Ich habe immer am Automaten Geld abgehoben, mit Kreditkarte kein Problem. Streetfood ist relativ günstig, ebenso Taxis. Ansonsten sind die Lebenskosten vergleichbar hoch wie in Deutschland, Milchprodukte eher teurer. Wir haben drei Mahlzeiten kostenlos in der Kantine des Krankenhauses essen dürfen, sodass wir meistens kein Geld für Essen ausgeben musste. Durch die ganzen Ausflüge kam ich am Ende dann auf vergleichbare Ausgaben wie während einem Monat leben in Deutschland.

Sprache

Die Libanesen sprechen einen lokalen Dialekt des Arabischen. Auch wenn man Hocharabisch lernt/gelernt hat, kommt man damit wenig weit. Es kann einem helfen, dass man Dinge lesen kann und vielleicht auch manches sagen oder verstehen kann und generell bereits ein Gehör für die Sprache hat, aber man kann sich drauf einlassen und den libanesischen Dialekt adaptieren, die meisten Libanesen korrigieren einen gerne, wenn man was auf Hocharabisch sagt. Der Unialltag findet auf Englisch statt, und eigentlich können fast alle gut Englisch zumindest in der Hauptstadt oder Französisch. Gerade für die Arbeit ist es wichtig, dass man sich gut auf Englisch verständigen kann. Bevor jetzt also jemand Geld in einen 2 Wochen Intensiv-Arabisch Kurs steckt, empfehle ich eher die Zeit zu nutzen, um das medizinische Englisch-Vokabular aufzufrischen.

Verkehrsbindungen

Der Verkehr im Libanon ist ein großes Chaos, Verkehrsstaus, wo sich nichts mehr bewegt an der Tagesordnung. Sodass ich wann immer möglich zu Fuß gegangen bin, so lernt man die Stadtviertel auch gleich besser kennen. Es gibt ein Taxisystem, das folgendermaßen funktioniert. Autos mit roten Nummernschildern sind Taxis, die hupen einen an oder man kann sie heranwinken. Dann nennt man sein Ziel und fragt: Service? Das ist ein Fixpreis von 2.000. Der Fahrer entscheidet dann, ob er dich mitnimmt oder nicht. Für längere Strecken oder bei viel Stau verlangen sie auch mal zwei Service, also 4.000. Bei Ausländern probieren sie es auch bei Kurzstrecken mit 4.000 (Servican). Da muss man dann bestimmt bleiben, und eventuell auch auf libanesisch sagen „La, misch servican. Ila *Ort* Service“ vielleicht lässt der Fahrer sich davon beeindrucken und er nimmt dich für 2.000 mit. Service bedeutet auch, dass andere Leute mitfahren können, wenn sie in eine ähnliche Richtung wollen. Wenn man Taxi sagt, bleibt man alleine im Auto aber es wird auch deutliche teurer. Es gibt auch größere Sammeltaxis (weiße Busse), da kostet eine Fahrt 1.000 und sie fahren auf mehr oder weniger festen Routen. Praktisch ist z.B. der 4er Bus zwischen Hamra (Unikrankenhaus) und Downtown (große Moschee) oder der 15er zwischen Corniche (Unicampus) und Dawra (Busumsteigeplatz). In die meisten Stätte kommt man auch mit größeren Bussen, da kann man von Dawra aus in den Norden fahren und zahlt je nach Strecke 1000-3000) und von Cola aus geht es in den Süden. Da könnt ihr aber auch gut die Studenten aus dem Wohnheim fragen, die wissen das genau.
Für weitere Touren, Baalbek oder die Cedar Trees, lohnt es sich mit Lokals unterwegs zu sein, die ein Auto haben oder mit Touristentouren.

Kommunikation

Am Unicampus und im Krankenhaus hat man eduroam WLAN. Im Wohnheim gibt es auch WLAN aber nur 3G, für nur Whatsapp reicht es, aber WhatsappCall oder Google Recherchen würde ich vom Campus aus machen. Lokale Sim-Karten sind recht teuer (mindestens 25$) von dem her habe ich davon abgesehen. Wir sind gut damit zurecht gekommen.

Unterkunft

Man wohnt im Wohnheim der Near East School of Theology. Ich habe in einem 2-Bett-Zimmer mit einer anderen Deutschen Austauschstudenten geschlafen. Das Zimmer hat ein eigenes Bad, Schrank, Betten, 2 Schreibtische und einen Balkon. Man kann die Küche mitnutzen, aber da wir in der Kantine essen konnten, haben wir das kaum genutzt. Außerdem gibt es eine Lounge mit Sofas, wo man gut andere Studenten kennenlernen kann und es gibt eine Sporthalle, in der immer Dienstagabend Volleyball gespielt wird. Bettwäsche wurde gestellt, aber wer hygienisch etwas pingelig ist, sollte sich lieber sein eigene mitbringen.

Literatur

Ich habe auf Tripadvisor mir Dinge über die wichtigsten touristischen Attraktionen durchgelesen. Wer sich für die Geschichte des Landes interessiert, dem kann ich empfehlen einen historischen Roman zu lesen über die Zeit des Bürgerkriegs oder den Film „The Insult“ anzuschauen, kommt im Juli in Deutsche Kinos und thematisiert die Folgen den Bürgerkriegs und wie die Gesellschaft davon geprägt ist. An medizinischer Literatur habe ich nur gelesen, was mein Labor mir an Papers zuvor gegeben hatte. Da ich am Ende ja in einem anderen Projekt gelandet bin, hat das mir aber nicht viel geholfen.

Mitzunehmen

Im Frühjahr kann es schon ganz schön warm werden aber es ist noch angenehm. Ich empfehle leichte Kleidung aber auch einen dicken Pulli für kältere Tage. Man kann im Wohnheim Waschmarken kaufen und die Waschmaschine mitnutzen. Daher braucht man nicht ganz so viel einpacken. Wichtig sind Insektenspray und etwas für Stiche. Man kann die Sportanlagen der Uni mitnutzen, also kann man sein Sportzeug und Schwimmsachen (Pflicht ist eine Badekappe) mitbringen.

Reise und Ankunft

Ich bin direkt aus Frankfurt nach Beirut geflogen. In Beirut konnte mich meine Contact Person leider nicht abholen. Ich habe dann ein Uber Taxi genommen bis zur Universität, wo ich meine CP getroffen habe, die mich dann in die Unterkunft gebracht hat. Am nächsten Tag ist der LORE mit mir an die Uni gegangen, um einen Studentenausweis machen zu lassen und mich im Labor vorzustellen. Da ist dann aufgefallen, dass mein eigentlicher Tutor nicht da ist und ich bin kurzerhand in einem anderen Labor gelandet.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe im Labor im Gebäude für Medizinische Forschung gearbeitet. Der erste Tag war etwas chaotisch, da ich in einem anderen Labor gelandet bin und dort niemand was von mir und dem Austausch wusste. Mein Tagesablauf sah in der Regel so aus, dass ich um 9Uhr gekommen bin und an einer Literaturrecherche gearbeitet habe, die mir mein Tutor in Auftrag gegeben hatte. Gegen 10/halb 11 sind dann 2 meiner Kolleginnen gekommen und wir sind zu den Zellkulturen gegangen, diese haben wir dann behandelt (zunächst das Wachstum beurteilt, dann die Zellen ausplattiert in 96-wells und die Zellen mit unterschiedlichen Konzentrationen und unterschiedlichen Inkubationszeiten behandelt. Anschließend wurde dann die Zellviabilität durch Fotometrie gemessen (Proliferation Assay), Ich durfte die verschiedenen Schritte praktisch zunächst unter Anleitung und später auch selbstständig durchführen. Je nachdem was dran war gingen die Versuche bis 13 oder 15Uhr. Und im Anschluss habe ich entweder bis um 15/16Uhr noch an meiner Recherche gearbeitet. Mittagessen gab es oft keins, weil die Versuche irgendwie immer um die Mittagszeit gelegt waren. Ich durfte auch bei anderen Projekten im Labor zuschauen /assistieren, z.B. bei einem Tierversuch mit Raten, die Blutzucker zu messen und Diabetes zu induzieren. Oft habe ich aber auch nur zugeschaut. Meine Kolleginnen waren jedoch alle sehr nett und haben mich gut integriert, dafür, dass ihnen keiner gesagt hat, dass ich komme. Mein Professor war auch sehr freundlich und hat sich regelmäßig nach mir erkundigt. Die Zusammenfassung meiner Recherche konnte ich ihm am Ende geben und er hat mir konstruktive Kritik gegebeb. Das war sehr herausfordernd auf Englisch alles zu schreiben, aber eine gute Übung. Ich konnte somit praktische Fertigkeiten im Umgang mit Tieren und Zellkulturen lernen, als auch die Verwendung von Suchmaschinen (z.B. pubmed) für die Literaturrecherche. Alles auf Englisch auszudrücken viel mir nicht immer leicht, aber insgesamt konnten wir uns gut verständigen. Die Ausstattung der Labore war vergleichbar mit Deutschland. Die Uni folgt dem Amerikanischen System. Die Kosten belaufen sich auf mehreren tausend Dollar pro Semester. Die Studenten sind in einem starken Konkurrenzkampf vor allem um die Plätze für den Assistenzarzt. Viele Versuchen daher nach dem Studium ins Ausland zu gehen. Die medizinische Versorgung hat einen hohen Standard, allerdings sind viele Menschen nicht gut versichert und können sich die meisten Behandlungen nicht leisten, sodass sie sich mit unbefriedigenden Schnellverfahren zufrieden geben müssen.

Land und Leute

An den Wochenenden haben wir die größeren Städte wie Tyros, Sidon, Baalbek, Byblos, Bathroun, Zahle und die umliegenden Sehenswürdigkeiten wie Jeitta Grotto, Cedar Trees, Khalil gubran Khalil - Museum etc. besucht. Unter der Woche, dann eher die Sehenswürdigkeiten in Beirut selbst wie z.B. die Marienstatue Harissa, die Pidgeon Felsen (lohnt sich vor allem bei Sonnenuntergang), Sursock Museum, Beit Beirut Museum (das einzige, das sich mit der neuen Geschichte des Landes beschäftigt), verschiedene Kirchen, Mineral Museum (MiM) etc. Besonders schön war, dass sich einiges ergeben hat mit den Leuten vor Ort, so konnten wir einen Ausflug mit meinen Kolleginnen aus dem Labor machen und auch mit den Leuten aus dem Wohnheim. Im Wohnheim haben wir einen Studenten getroffen, der uns mit in seine Kirche genommen hat. Da ich auch Christ bin, hat es mich sehr gefreut, lebendige Christen im Libanon zu treffen. Mit den Menschen, die wir in der Kirche getroffen haben, haben wir dann auch paar Mal abends was unternommen. Bald sind Wahlen (Mai 2018), deswegen waren viele politische Diskussionen im Gange, die meisten jungen Menschen sind aber enttäuscht von ihrer Regierung und gehen nicht wählen. Über viele Dinge, Bürgerkrieg, Flüchtlinge, Geschichte etc. wird nicht gesprochen. Das Essen war sehr lecker, wenn auch manchmal etwas zu fettig/ölig. Es gibt auch nicht nur Falaffel, sondern eine Vielfalt an Streetfood (Saj, Man'ouche, Ma'ajanat...) Schön war auch in libanesische Familien mithinein genommen zu werden und ihre Esskultur und Feierkultur (Palmsonntag) kennenzulernen.
Noch eine abschließende Bemerkung. Im März gab es nur mich und noch eine andere Austauschstudentin. Wir waren quasi „out of the season“ und hatten zwar Contact Persons, aber kein social programm. Und auch unsere CPs hatten Prüfungen und haben nichts mit uns gemacht. Dadurch war fast alles spontan, was sich eben ergeben hat. Im August jedoch ist der offizielle Austauschmonat und es sollen wohl 30-40 Studenten gleichzeitig da sein und ein gut organisiertes Social Programm geben. Da lernt man dann eher weniger die lokalen Studenten kennen als Austauschstudenten aus aller Welt. Dafür muss man sich keine Gedanken machen, wie man von a nach b kommt. Es hat wohl beides seine Vorteile. Aber wer eher schüchtern ist und sich nicht zutraut in einem chaotischen Land vieles selbst zu organisieren oder nicht so spontan ist, am Freitagabend noch nicht zu wissen, dass man samstags einen großen Ausflug machen wird, sollte eher nicht während dem Jahr sondern im August kommen.

Fazit

Die Menschen im Labor und aus der Kirche sind mir sehr ans Herz gewachsen. Wenn ich die Möglichkeit hätte, würde ich jederzeit wieder in den Libanon gehen. Es ist landschaftlich, kulturell, und geschichtlich gesehen ein sehr interessantes Land und bietet viele Möglichkeiten. Das Unikrankenhaus soll ein gutes Lehrkrankenhaus sein, vielleicht werde ich dort mal eine Famulatur machen.

zurück