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Taiwan (FMS Taiwan)

TCM - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Maya-Lynn, Hamburg

Motivation

Meine letzten Semesterferien vor dem Examen sollten nochmal etwas ganz besonderes werden, da ich noch eine Famulatur absolvieren musste war eine Auslandsfamulatur die optimale Option Reisen und Medizin zu verbinden. Ich hatte mir im Vorherein kein konkretes Land ausgewählt. Möglichst weit weg und möglichst besonders. Im Rahmen meiner Recherche bin ich dann auf Taiwan gestoßen. Ein Land in dem noch nicht so viele von meinen Freunden und Bekannten waren, welches aber trotzdem über ein gutes Gesundheitssystem und eine geringe Kriminalitätsrate verfügt. Ich habe mir erhofft in meinem Aufenthalt viel zu lernen, über andere Kulturen, Menschen und auch über die Medizin in einem so anderen Land.

Vorbereitung

Da ich mich während meiner Bewerbung noch im Erasmus in Dänemark befunden habe, war das zusammensuchen der benötigten Bewerbungsdokumente ein wenig aufwendig. Netterweise konnte ich meinen Tuberkulose Test nach der offiziellen Frist nachreichen.
Die finale Zusage von taiwanischer Seite kam sehr kurzfristig, Anfang Januar, bei einem Famulaturstart am 1.3. Insgesamt wird für Taiwan ein etwas aufwendigeres Gesundheitszeugnis, inklusive Röntgen Thorax, benötigt. Aber insgesamt hat alles reibungslos funktioniert, auch die Reisekostenerstattung über den bvmd war einfach zu beantragen. Für Taiwan gibt es hier (Stand 2018) 475€ Unterstützung.

Visum

Mit einem deutschen Reisepass, welcher noch länger als 6 Monate gültig sein sollte, muss man sich angenehmerweise nicht im vorhinein um ein Visum kümmern. Man bekommt bei Einreise einen Stempel in den Reisepass, welcher einem einen Aufenthalt von 90 Tagen in Taiwan erlaubt. Wer länger bleiben möchte, sollte sich hierfür auf der Seite des Auswärtigen Amtes infomieren.

Gesundheit

Ich habe mich im gegen Tollwut, Typhus und Japanische Enzephalitis impfen lassen. Ich würde jedem empfehlen sich im Tropeninstitut entsprechend der aktuellen Lage beraten zu lassen. Ich war über meine Tollwut Impfung froh, da es sehr viele streunende Hunde gibt und man entspannter ist, wenn man sich keine Sorgen machen muss, dass ein Biss schwerwiegende Konsequenzen haben könnte.
Da ich vor der Famulatur noch in Südostasien reisen war, habe ich eine etwas größere Reiseapotheke mitgenommen, würde da aber zum Minimalismus raten. Ich bin sogar trotz Garküchen- und Night-Market-Besuchen, um die viel prophezeite Lebensmittelvergiftung drumrum gekommen!
Das Krankenhaus in Taiwan wollte, wie oben schon kurz erwähnt, ein etwas aufwändigeres Gesundheitszeugnis haben, inkl.: HBsAg, Anti-HBs, VZV IgG, Röteln IgG, Masern Ab, Röntgen Thorax für Tuberkulose.

Sicherheit

Auslandskrankenversichert bin ich über meine Versicherung sowieso, das Krankenhaus wollte dafür auch einen schriftlichen Nachweis haben.
Ich habe vorher gelesen, dass Taiwan eine geringe Kriminalitätsrate hat und das kann ich aus meinen Erfahrungen heraus auch bestätigen. Ich habe keinerlei Kontakt mit Kriminalität gehabt und habe auch von niemandem Vorort etwas gehört.
Drei Wochen bevor ich losgeflogen bin, gab es in Hualien ein schweres Erdbeben und auch während meiner Zeit habe ich drei kleinere Erdbeben erlebt. Die Natur stellt hier sicherlich die größe Gefahr dar. Es soll wohl auch Taifune geben. Aber insgesamt würde ich mich davon nicht abschrecken lassen. Die Wahrscheinlichkeit, dass einem wirklich etwas passiert, ist sehr gering!

Geld

Gezahlt wird in Taiwan Doller. Ich kann die Apo Bank Kreditkarte für Medizinstudenten empfehlen, mit der man Vorort kostenlos Geld abheben kann. Geldautomaten gibt es an jeder Ecke.
Insgesamt ist Taiwan nicht super günstig, aber was viel günstiger ist, als in Deutschland, ist Essen gehen. Wenn man in der Unterkunft des Krankenhauses wohnt, muss man das auch, da es hier keine Küche gibt. Ansonsten kosten Dinge wie Klamotten, Drogerie-Artikel o.ä. das selbe wie in Deutschland.

Sprache

In Taiwan wird Chinesich und Taiwanesich gesprochen. In Taipeh sprechen viele Englisch, in Hualien eher nicht so viele. Da das Medizinstudium in Taiwan teilweise auf Englisch ist, sprechen die Studenten aber meistens mindestens ein bisschen Englisch und die Ärzte auch. Da die Taiwaner insgesamt ein super freundliches und offenes Volk sind, bekommt man aber viel von der nötigen Kommunikation auch mit Händen und Füßen hin. Wenn du Chinesisch sprichst, Glückwunsch, wird alles super einfach, ansonsten solltest du wenigstens gute Englischkentnisse mitbringen

Verkehrsbindungen

Ich bin von Düsseldorf nach Bangkok geflogen, und dann innerhalb von Asien weiter nach Taipeh gereist. Mein Rückflug ging dann von Taipeh nach Hamburg. Man kann also relativ flexibel nach Gabelflügen gucken!
Für das Reisen in Taiwan gibt es mehrere Möglichkeiten. Die eine ist mit dem Zug. Man kann die gesamte Insel gut mit dem Zug bereisen. Am besten geht dies allerdings von Taipeh aus, da dies das Zentrum des Netzes ist (trotz der dezentralen Lage im Norden). Die zweite Option ist das Automieten. Leider, wie in Deutschland, nicht ganz geschenkt, klappt aber ansonsten problemlos. Und Taiwan mit dem Auto zu umfahren ist wunderschön und jedem zu empfehlen, der ein wenig Zeit hat! Denkt an einen Internationalen Führerschein!

Kommunikation

Stand 2018: 30€ für unbegrenztes Datenvolumen mit perfektem Empfang überall auf der Insel, inklusive der Berge. Besser als in Deutschland! Damit ist es kein Problem kostenlos über Facetime/Whatsapp Call nach Hause zu telefonieren. Der Kontakt, auch mit den Ärzten vor Ort läuft über Facebook.

Unterkunft

Kommen wir zum herausforderndsten Teil meines Taiwan-Aufenthaltes. Ich habe in der vom Krankenhaus gestellten Unterkunft gelebt und musste hierfür nichts bezahlen oder im vorhinein organisieren. Die Lage war top, direkt am Krankenhaus, keine 2min zur Station. Soweit so gut. Woran ich mich erst gewöhnen musste war, dass es sich hier um ein Praktikanten-Wohnheim handelt, in dem sich immer vier Personen ein Zimmer und ein Bad teilen. Die Betten sind super hart, das Bad ziemlich verschimmelt und das Zimmer insgesamt auch eher spartanisch. Ich möchte nicht undankbar sein, da ich diese Unterkunft ja kostenlos gestellt bekommen habe, aber es war schon eine Herausforderung. Ich habe am ersten Tag erstmal Putzzeug gekauft und versucht so viel wie möglich des Schimmels aus dem Bad zu entfernen. Zudem würde ich empfehlen eigenes Bettzeug oder einen Jugendherbergsschlafsack mitzubringen. Man muss sich einfach darauf einstellen, dass diese Unterkunft nicht sehr luxuriös ist. Trotzdem muss ich sagen, dass ich es wieder machen würde! Während meiner Zeit dort war noch eine andere deutsche Famulantin da und wir haben mit zwei Taiwanerinnen zusammen gewohnt. Es war eine spannende Erfahrung so eng und so minimalistisch zu wohnen und man weiß seine Wohnung zuhause danach wieder richtig zu schätzen. Es gibt keine Küche, aber einen Kühlschrank und ein Waschbecken zum Spülen. Trinkwasser/kochendes Wasser gibt es aus einem Spender auf dem Flur. Man kann in der Mensa essen gehen, diese ist, da es sich um ein buddhistisches Krankenhaus handelt, rein vegetarisch und um Müll zu sparen, muss man sich seine eigene Schale und Stäbchen/Besteck mitbringen. Die meisten Studenten essen aber immer außerhalb und freuen sich auf europäischen Studenten ihr Essen zu zeigen, sodass ich wenig im Krankenhaus gegessen habe.

Literatur

Ich habe mir den Lonely Planet Taiwan gekauft und, wie das immer so ist, viel weniger reingeguckt, als ich mir vorgenommen hatte. Trotzdem ganz interessant für den Überblick. Im großen und ganzen hilft Freund-Google.

Mitzunehmen

Man braucht keinen Kittel, sondern bekommt ein wunderschönes Polyester-Exemplar gestellt. Die Taiwaner Studenten tragen dazu ein weißes Hemd, dunkle Hose und dunkle Schuhe. Als Austauschstudent kann man seine normalen Klamotten tragen, ich hab mich mit meinen weißen Sneakern dann aber doch ein wenig unwohl gefühlt. Eine Schale und Stäbchen für das Essen in der Mensa und vielleich ein paar kleine Gastgeschenke aus Deutschland. Ist leichter und besonderer als dort etwas zu kaufen. Ich hab eine Postkarte aus Düsseldorf und Haribos für die Station mitgebracht und ein paar Kleinigkeiten zum so verschenken. Wer in die traditionelle chinesische Medizin geht: China Öl (Pfefferminzöl) aus Deutschland kommt gut an.

Reise und Ankunft

Ich bin aus Ho Chi Minh City nach Taipeh geflogen und dann von da aus mit dem Zug zwei Stunden nach Hualien. Das war kein Problem. Der Zug ist großzügig und man hat genug Platz für das Gepäck. Am Bahnhof wurde ich von meiner Scope Contact Person abgeholt, mit der ich vorher schon gemailt hatte. Sie hat mich dann zur Unterkunft gebracht und mir auch die Station und meine ärztliche Kontaktperson vorgestellt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe meine 30 Tage Famulatur in 15 Tage Traditionelle Chinesische Medizin und 15 Tage Kardiologie gesplittet.
Die Famulaturen waren sehr unterschiedlich. Bei TCM wurde hauptsächlich Chinesisch gesprochen, ich war bei ambulanten Patientengesprächen und Akupunktur dabei. Spannend war der Konsildienst auf der ICU und den Stationen. Insgesamt reichen aber 2 Wochen nicht aus um ein Verständnis für TCM zu entwickeln. Meine Motivation war, Medizin im Kontext einer anderen Kultur kennen zu lernen. Die Zeit reicht aber wirklich nur für einen kleinen Eindruck. Ich habe Akupunkturen beigewohnt und durfte es auch selber ausprobieren, die Ärzte waren super nett und total bemüht, trotzdem würde ich sagen, habe ich hier fachlich, für meine Tätigkeit als spätere Ärztin, nicht viel mitgenommen. Dafür ist es aber zwischenmenschlich sehr interessant und auch kulturell Horizonterweiternd. Totzdem würde ich jemand westlich denkendem wie mir, mit wenig Wissen über TCM von einer 30 tägigen Famulatur abraten, da es irgendwann dann doch langweilig wird, wenn an nicht alles versteht. Aber ein 15 tägiger Einblick ist sehr interessant.
In der Kardiologie wurde dagegen jede Beprechung und jedes Teaching extra auf Englisch gehalten und ich konnte auch fachlich etwas mitnehmen.
Man bekommt in der Kardiologie sowohl einen Eindruck in invasive Maßnahmen im Kathetherlabor, Diagnosik in Form von Echo oder auch Belastungs-EKG und auch vom stationären Ablauf. Die Oberärzte haben immer eine 1,5h Einheit, die sie für Teaching verwenden. Jeder unterrichtet seine Spezialität und das in kleinen Gruppen von circa 5 Studenten. So eine intensive Betreuung durch die Ärzte bin ich aus Deutschland nicht gewöhnt und ich konnte wirklich auch Fachlich viel mitnehmen. Für mich war die Kombination für einen umfassenden Einblick ideal. Achtung nur, es kann sein, dass TCM nicht von jedem LPA anerkannt wird. Ich brauchte nur noch 15d Famulatur und habe ich 15d TCM quasi extra gemacht.
Insgesamt wird sich im Tzu Chi Hospital aber sehr gut um einen gekümmert. Die Ärzte freuen sich, dass man da ist und versuchen einem so viel es geht zu erklären. Am Ende wollten alle ein Foto machen. Und auch die Studenten sind alle sehr nett. Ich habe am ersten Tag direkt eine Taiwanerin kennen gelernt, die als Chinesisch-Lehrerin in Amerika gearbeitet hat, daher sprach sie sehr gut Englisch und hat mit total viel geholfen.
Bei beiden Stationen war das Tagespensum eher entspannt und es blieb genug Zeit, um Hualien zu erkunden.
Taiwan verfügt als eines der wenigen Länder in Asien über eine staatliche Krankenversicherung und die medizinische Versorgung findet auf einem hohen medizinischen Niveau statt.

Land und Leute

Meistens musste ich nur den halben Tag im Krankenhaus arbeiten, so dass ich unter der Woche Hualien erkunden konnte. Es gibt keine öffentlichen Verkehrsmittel in Hualien. Lange Strecken kann man mit dem Taxi fahren. Normalerweise bin ich aber gelaufen oder bin mit einem Miet-Fahrrad (oBike) gefahren. Vom Dorm läuft man zu Fuß circa 25min die Hauptstraße runter in den Innenstadt und Shoppingbereich. Direkt um den Dorm gibt es viele kleine Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten.
Die Taiwaner sagen immer sie finden Hualien sei die schönste Stadt Taiwans. Es ist eine kleine Stadt direkt zwischen den Bergen und dem Pazifik gelegen. Es hat sogar einen kleinen SteinStrand. Aber wenn man aus Deutschland kommt, bekommt man trotzdem einen kleinen Kulturschock, da alles grau gebaut und voll mit Leuchtreklamen ist.
An den Wochenenden bin ich innerhalb von Taiwan gereist. Am ersten Wochenende bin ich in die Hauptstadt nach Taipeh gefahren, das ist unbedingt eine Reise wert! Taipeh ist eine spannende moderne Stadt, welche trotzdem nicht so anstrengend ist, wie viele von den asiatischen Boom-Towns. Am zweiten Wochenende haben wir die Taroko-Schlucht angeguckt. Die kann ich jedem Taiwan-Reisenden empfehlen! Beeindruckende Berglandschaft. Am dritten Wochenende waren wir in der Landesmitte am Sun-Moon Lake. Hier kann ich empfehlen sich ein Fahrrad zu mieten und den See (33km) komplett zu umrunden. Am vierten Wochenende waren wir in Tainan und eine Nacht in Taidong. Tainan hat ein wunderbares Klima mit 30 Grad und Sonne und ist eine lebendige Stadt mit vielen jungen Leuten und Bar-Szene. Taidong lohnt sich vorallem für seinen Night-Markt mit Live Musik am Wochenende und vielen wunderschönen Lampinions.
Die Leute in Taiwan sind super! Man hat das Gefühl als Gast willkommen zu sein. Alle sind super freundlich und um einen bemüht. Und auch untereinander herrscht ein freundlicher Umgangston. Selten, dass man mal jemanden Meckern oder Schreien hört. Zurück in Deutschland hab ich mich erstmal gefragt, warum wohl alle so schlecht gelaunt sind. Scheint aber einfach die normale Ausstrahlung hier zu sein.
Ob wohl ich die asiatische Küche insgesamt sehr liebe, habe ich mich am Anfang ein wenig schwer getan. Die Restaurants mit ihren Plastiktischen und Neonlampen sehen am Anfang wenig einladend aus und auch der Hotpot (eine Art Fondue) mit vielen nicht zuidentifizierenden Inhalten hat mich wenig gereizt. Dazu die chinesische Schrift, was das erkennen der Gerichte unmöglich macht, war schon eine Herausforderung. Ich empfehle hier sich am Anfang an die Studenten zu halten und sich Restaurants und Gerichte empfehlen zu lassen. Die Dumplings fehlen mir jetzt schon!

Fazit

Mein Fazit der Reise: im Zweifel machen! Meistens lohnt es sich! Das gilt für eine Famulatur in Taiwan, für jeden Trip, den man machen kann, für jede Gelegenheit die sich bietet mit einem Local essen zu gehen. Immer dann, wenn man nicht weiß, was man erwarten soll, wird es besonders gut! Ich hatte eine phänomenale Zeit in Taiwan in der ich viel gelernt habe, über mich, über eine ganz andere Kultur, über Menschen und über die Medizin.

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