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Brazil (IFMSA-Brazil)

Chirurgie - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

-Ich war in Florianópolis in der plastischen Chirurgie!-
Ich wollte schon immer viel aus meinem Studium machen und die vielen Möglichkeiten der Praktika im Ausland ausnutzen. Schön, dass sich das so gut mit dem Medizinstudium vereinbaren lässt. So sind solche Erfahrungen professionell und persönlich von großer Bedeutung, weil man das Gesundheitssystem und die Kultur eines anderen Landes kennen lernt.

Vorbereitung

Ich habe mich bei beiden brasilianischen NMOs (National Member Organization) angemeldet und da ich mich in der bvmd engagiere, sozial aktiv bin und den Englischtest gut absolviert habe, konnte ich genügend Punkte sammeln, um meine Erstwahl zu bekommen. Sonst habe ich keine besonderen Vorbereitungen getroffen.

Visum

Als EU-Bürger habe ich kein Visum benötigt, man bekommt ein gratis Touristen-Visum bei der Einreisebehörde.

Gesundheit

Brasilien ist sehr groß und die Krankheiten, die man dort antreffen kann, sind vielzählig und erschreckend. Außer meiner bestehenden Hep A+B-Impfung habe ich jedoch keine andere Maßnahme getroffen. In Florianópolis gab es auch wenig Mücken und sonst hatte ich im März (in Rio und Foz de Iguaçu) mit Mücken überhaupt kein Problem. Wichtig mitzubringen wären Sonnencreme und Mückenspray (in Deutschland deutlich billiger).

Sicherheit

Brasilien ist im internationalen Vergleich nicht das sicherste Land. Die Brasilianer bemühen sich, den Incomings und Touristen ein gutes Sicherheitsbewusstsein einzubläuen, was manchmal auch ein wenig in Panikmacherei übergeht. In Florianópolis hat man in puncto Sicherheit ein sehr kleines Problem, in Rio de Janeiro im Gegensatz dazu ein ziemlich großes. Also hängt die Sicherheit meist vom Standort ab. In Rio nachts alleine herumirren ist keine gute Idee, da auch z.B. das am Tag sehr belebte Viertel Copacabana Ort von Übergriffen ist.
Wenn man größere Strecken mit Uber meistert, Favelas meidet, nicht zu auffällig bekleidet ist, anhand der Brasilianer sichere Orte zum Handy benutzen erschnüffelt und belebte Straßen bevorzugt, ist man auf der sicheren Seite. Wenn man nur das nötige Bargeld und eine Kopie vom Pass mitnimmt, hat man im Falle des Falles auch nicht so viel zu verlieren. Aber keine Sorge, ich konnte auch jeden Tag alleine entlang der Promenade an Ipanema und Copacabana beach skaten, ohne dass irgendwas passiert.

Geld

In Brasilien bezahlt man mit Reais. Die kann man ohne Probleme an Bankautomaten mit der VISA-Karte abheben. Ich musste eine Weile suchen, bis ich ATMs fand, die VISA akzeptieren (ohne Extrakosten). Das waren Banco do Brasil und Itaú.

Sprache

In Brasilien spricht man brasilianisches Portugiesisch. Dieses habe ich leider erst nur im Flugzeug nach Brasilien angefangen mithilfe von Handyapps. Da ich 2 andere romanische Sprachen spreche, war diese romanische Sprache nicht allzu kompliziert zum Erlernen und ich konnte gegen Ende des Monats schon sehr gut mit den Brasilianern kommunizieren. Im Krankenhaus spricht ungefähr jede 4. Person Deutsch, Französisch oder Englisch also kann man auch ohne jegliche Portugiesischkenntnisse den Klinikalltag bestehen. Damit ist aber der Klinikalltag im OP gemeint, nicht auf Station, weil da natürlich nur Portugiesisch gesprochen wird.

Verkehrsbindungen

Nach Florianópolis kommt man per Flugzeug über São Paolo oder Rio de Janeiro. Wer dort vor oder nach dem Praktikum noch ein paar Tage dort verbringen will, soll das auch einplanen. Es lohnt sich auch, in die Facebookgruppe der Outgoings zu schauen, ob sich nicht noch Motivierte für einen ähnlichen Plan vor oder nach der Famulatur finden lassen. Transporte in Brasilien sind relativ teuer, mit Flugzeug und Bus kommt man aber überall hin, man soll beides miteinander auf das Preis-Leistung-Verhältnis vergleichen.

Kommunikation

In Brasilien habe ich mir eine SIM-Karte von Tim gekauft. Dafür braucht man in einigen Fällen eine CPF-Nummer (Cadastro de Pessoas Físicas), die man auch gerne vom Host bekommen kann. Zur SIM-Karte soll man sich ein Internetpaket hinzubuchen, weil man für die Kommunikation hauptsächlich Whatsapp benötigt.

Unterkunft

Ich habe diesen Monat in der Wohnung meines Hosts, eines Medizinstudenten, verbracht, mit dem ich gewohnt habe und mit dem ich mich sehr gut verstanden habe. Es war alles sehr sauber, es gab einen großen Kühlschrank, Küche und auch eine Waschmaschine.

Literatur

Wenn man nach Florianópolis kommt, soll man sich kurz über den Bundesstaat Santa Catarina belesen, sodass man nicht überrascht wird, dass so viele Nachkommen deutscher und italienischer Einwanderer da wohnen. Somit hat dieser Bundesstaat die meisten Hautkrebse in Brasilien, ergibt ja auch Sinn!

Mitzunehmen

Da ich in der plastischen Chirurgie famulierte, war mein Stethoskop einfach nur Extragewicht... Einen Kittel habe ich von meinem Host gestellt bekommen. Die wichtigsten Sachen musste ich mir leider in Brasilien kaufen, weil ich diese im Eifer des Packens vergessen hatte... Es geht dabei um Sonnencreme (man will die Hautkrebsinzidenz dort ja nicht noch weiter hochtreiben!) und Mückenspray.

Reise und Ankunft

Die Anreise verlief problemlos mit einem Transit in São Paolo. In Florianópolis wurde ich dann von einem Freund des Hosts abgeholt, für eine kurze Dusche zum Host und dann direkt an den Strand gefahren. Der erste gute Eindruck war gesichert!

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Hier kommt ein wichtiger Teil, da das Krankenhauspraktikum natürlich einen großen Teil der Zeit in Anspruch nimmt.
Ich wurde gleich am Tag nach meiner Ankunft von meinem Host in der plastischen Chirurgie vorgestellt, daraufhin habe ich mich dem ganzen restlichen Personal vorgestellt und wurde auch sehr herzlich aufgenommen. Ungefähr jede 4. Person dort konnte neben Portugiesisch auch noch Englisch, Deutsch oder Französisch und somit kam mit ein wenig Improvisation auch gar kein Kommunikationsproblem zustande. Die Brasilianer sind auch sehr offen gegenüber neuen Gesichtern und wollen gerne mehr über einen wissen. Da das UFSC-Krankenhaus ein staatliches Krankenhaus ist, sind die plastischen Fälle in der Chirurgie nicht die ästhetischen Fälle für die sehr reichen Menschen, sondern die Fälle auf rekonstruktiver Ebene. Wie vorher schon geschrieben, hat der Bundesstaat Santa Catarina die meisten Hautkrebse in Brasilien, so waren Resektionen mit Lappenplastik im Gesicht an der Tagesordnung. Auch waren Augenlid- sowie Bauchdeckenstraffungen, Lipos und Mammoplastien dabei. Die plastischen Chirurgen waren sehr hilfsbereit und haben immer gerne erklärt, was sie machen. Am Vormittag waren mittwochs und freitags Patientengespräche auf dem Plan, wo man sehr gut die Situation vor und nach der OP feststellen konnte. Montagabends gab es case study. Mittwochnachmittags gab es dann die Ambulanz, wo meistens Hautbiopsien für den Pathologen entnommen wurden. Es war ein Highlight für mich dieses Prozedere unter Aufsicht durchzuführen, also durfte ich die Lokalanästhesie spritzen, die Punch-Biopsie ausführen und danach noch die kleine entstandene Wunde zunähen. Das war vom praktischen Stand aus mehr als ich während meinen anderen Famulaturen machen durfte.
Die meiste Zeit war man mit den 1.-3.-Jahr-Assistenzärzten (residents) im OP, welche die meisten OPs durchführen sollten. In Brasilien ist das Studium auch sehr ähnlich aufgebaut wie in Deutschland. Das führte auch dazu, dass noch einige andere brasilianische Studenten aus anderen Städten in Florianópolis eine Famulatur machten, weil die plastische Chirurgie dort ziemlich bekannt ist. Es war sehr interessant, mit den anderen Medizinstudenten über deren Gesundheitssystem und das Medizinstudium zu reden. Um an einer staatlichen Universität Medizin zu studieren, muss man einen sehr schwierigen Aufnahmetest bestehen. Wer es nicht schafft, studiert dann für viel Geld an einer der vielen zum Teil schlechteren privaten Universitäten. Da Florianópolis auch andere Famulanten über den IFMSA-Austausch aufnimmt, kann man viele andere Medizinstudenten (waren ungefähr 7 Incomings) aus anderen Ländern kennenlernen.

Land und Leute

In Floripa, die liebe Kurzform von Florianópolis, kann man sehr viel machen, zumal viel, was mit Strand zu tun hat. Auf dem Bild sieht man die Brücke, das Wahrzeichen Floripas, welche den Kontinent mit der Insel verbindet. Nach dem Krankenhaus kann man oft die unzähligen, surfbaren Strände der wunderbaren "Insel der Magie" erkunden. Es gibt mehrere Wanderwege zu abgelegenen Stränden und sowieso ist die Gegend doch ziemlich hügelig, also kann man auch Wanderungen zu fabelhaften Ausblickspositionen machen. Diese Strände sollte man gesehen haben: Praia Mole, Campeche, Jurere international, Praia Galeta, Lagoinha do Leste, Naufragados... Sonst ist auch die Strandpromenade neben der Innenstadt sehr sehenswert und auch sehr skateable! Ich war auf jeden Fall sehr froh, mein kleines Skateboard bei mir zu haben, so sieht man mehr von der Infrastruktur als in den Bussen oder Autos. Ein paar Besuche sollte man auch für die Innenstadt einplanen, die Hauptstärke dieser Insel bleibt aber ohnehin bei den Stränden. Dazu ist Floripa wegen der großen und besten Universität des Bundesstaates und der kleineren Unis eine Studentenstadt und man sieht viele junge, gutaussehende Menschen. Ästhetische Operationen werden definitiv mehr in Anspruch genommen als in Deutschland, denn die Brasilianer setzen sehr viel auf Aussehen und einen fitten Körper. Das Unikrankenhaus in dem ich famuliert habe, ist gleich neben der dazugehörigen staatlichen Uni: Universidade Federal de Santa Catarina - UFSC. Der Campus ist echt schön, es gibt reichlich Studentenleben, einen Biomarkt am Mittwoch und auch einige Parties auf dem Campus. Die Medizinstudenten dort haben uns auch auf Parties eingeladen, einige auf dem Campus, andere mit extra Busfahrt zur Venue. Dass die Brasilianer tanzen und feiern können ist nun kein Geheimnis, man soll sich nur erstmal mit der Musik "Funk" auseinandersetzen und dann kann man direkt loslegen. Es empfiehlt sich jegliche Lyrics zu den bekanntesten Liedern zu merken!
Das Essen generell ist ziemlich fleischlastig, was ich aber auch sehr mochte. Traditionelles Essen muss man probiert haben: Feijoada, Churrasco, Tapioca, Açaí, Guava, Guaraná, Brigadeiro, Pão de quejio... sind defintiv typisch brasilianisch und benötigen kulinarisch-gustative Erfahrungen!
Da wegen der vielen deutschen und italienischen Einwanderern der Süden Brasiliens kulturell nicht sonderlich dem Brasilien aus den Medien entspricht, empfiehlt es sich definitiv auch einen Trip in den Norden zu machen. Rio de Janeiro hatte da für mich kulturell mehr Mehrwert und einfach auch mehr Infrastruktur. Zuckerhut, Jesusstatue, Ipanema, Copacabana und das Ausgehviertel Lapa sind auf jeden Fall To-dos in Rio. Es war ein Genuss jeden Tag entlang der Promenade der bekannten Strände in Copacabana und Ipanema zu skateboarden.
Foz do Iguaçu, am Dreiländereck von Brasilien, Argentinien und Paraguay, ist wegen der sehr bekannten Wasserfälle auch sehr empfehlenswert!

Fazit

Die Famulatur in Brasilien hat sich definitiv gelohnt! Die Hilfe durch den Fahrtkostenzuschuss der DAAD war sehr nützlich, da Brasilien überraschenderweise sehr teuer ist. Das Essen an vielen Orten ist so teuer wie in Deutschland (und man findet nicht immer alles in dergleichen Qualität), der Transport ist ebenso teuer, da hat man in Europa den Vorteil von Billigfluglinien. Die Leute sind umso "wärmer", mein Host und die Leute der Austauschorganisation, sowie die Menschen im Krankenhaus waren alle sehr nett und zuvorkommend. Das Krankenhaus und die Station kann ich auf jeden Fall weiterempfehlen, wie auch die ganze Famulatur über die bvmd. Muito obrigado!

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