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Morocco (IFMSA-Morocco)

Chirurgie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Roxana, Halle

Motivation

Nach meinem ersten Famulantenaustausch in Brasilien war ich mir sicher, dass ich noch eine Famulatur im Ausland machen wollte. Das ifmsa-Programm ermöglicht es einem, sehr einfach mit den Menschen des Landes in Kontakt zu kommen und von ihnen viel über das Land und die Menschen zu lernen. Dieses Mal entschied ich mich für Marokko, weil ich von Freunden gehört hatte, die dort einen Austausch oder einen Urlaub gemacht hatten und begeistert davon erzählten. Ich interessiere mich sehr für die nordafrikanischen Länder, außerdem habe ich in Marokko die Möglichkeit, mein Französisch etwas aufzufrischen. Auf meiner Länderwunschliste standen danach noch Tunesien und Ägypten.

Vorbereitung

Da es mein zweiter bvmd-Austausch ist, und ich außerdem als LEO in Halle engagiert bin, kenne ich den Bewerbungsablauf der bvmd. Wenn man doch nicht weiter weiß, ist es hilfreich sich die Internetseite der AG Austausch der bvmd und die exchange conditions des jeweiligen Wunschlandes genau anzusehen.

Visum

Mit einer deutschen Staatsbürgerschaft muss man kein Visum für Marokko beantragen. Bei der Ankunft und Abreise am marokkanischen Flughafen musst du ein „Fiche d'embarquement/ dembarquement“ mit deinen Daten ausfüllen, um die Passkontrolle passieren zu können.

Gesundheit

Ich habe auf der Internetseite des RKI die empfohlenen Reiseschutzimpfungen nachgesehen, habe mich aber schlussendlich gegen eine Hepatits A-Impfung entschieden, und nur die Auffrischungsimpfung für Tetanus (in Kombination mit Diptherie und Polio) machen lassen. In Marokko hatte ich immer meinen Impfpass und eine Bescheinigung für mein Auslandskrankenversicherung dabei.

Sicherheit

Trotz früherer terroristischer Anschläge in Marokko, auch in Urlaubsgebieten, fühlte ich mich während meines Aufenthalts relativ sicher. An den touristischen Plätzen ist immer Polizei oder Militär. Nach Einbruch der Dunkelheit und spätabends sollte man allerdings vor allem als Frau und allein vorsichtig sein, bestimmte Stadtteile meiden und besser zu zweit oder in einer Gruppe unterwegs sein. Am besten man spricht sich mit seiner Gastfamilie ab, und als Gaststudent wird man meistens nach Hause begleitet.

Geld

In Marokko wird mit marokkanischem Dirham gezahlt. In stark touristischen Gebieten wie zum Beispiel Agadir konnte man ab und zu auch in Euro zahlen. Es ist verboten, MAD ein-/auszuführen, daher ist ein Umtausch in Deutschland nicht möglich. Man kann vor Ort Euro in Dirham umtauschen, oder hebt über eine Kreditkarte Geld ab. Da ist es allerdings vom Automaten abhängig, ob es funktioniert und kostenlos ist. Sollte ein Automat mal nicht funktionieren, einfach bei der nächsten Bank probieren. Zur Bezahlung von Taxis, Händlern im Souk oder im Café ist es immer gut, Kleingeld dabeizuhaben, da viele keinen 200 Dirham Schein wechseln können.
Essen ist in Marokko sehr günstig, und meistens auch sehr schmackhaft. Man bekommt ein komplettes Frühstück (frisch gepressten Orangensaft, marokkanische Pfannkuchen mit Honig/Oliven/Käse und Kaffee) für ca 20 Dirham, umgerechnet etwa 1,80€. Allerdings variieren die Preise sehr stark je nachdem, ob ihr mit Marokkanern unterwegs seid, arabisch sprecht oder sehr europäisch ausseht. Zur Sicherheit lieber vorher nach dem Preis fragen oder aushandeln.

Sprache

Die Einheimischen sprechen arabisch und/oder berberisch, vor allem in abgelegenen Gebieten ist manchmal ein Berberdialekt die einzige gesprochene Sprache. In touristischen Gebieten kommt meist noch Französisch, manchmal auch deutsch und englisch dazu.
Die gebildeten Schichten sprechen gut französisch, auch die Lehrsprache im Krankenhaus ist französisch. Viele Studenten sprechen auch Englisch, Ärzte und Professoren aber meistens nur sehr schlecht. Die Patienten sprechen oft nur arabisch oder berberisch.

Verkehrsbindungen

Ryanair bietet sehr günstige Flüge (15-100€, abhängig von der Strecke und dem Zeitpunkt) nach Marokko, zB von Frankfurt-Hahn, Hamburg oder Bremen aus, nach Fes und Tanger. Man muss das Aufgabegepäck aber dazubuchen (~20€), im Ursprungspreis ist nur das Handgepäck enthalten! Ich bin von Frankfurt-Hahn nach Fes geflogen, habe dort ein Wochenende verbracht und bin dann mit dem Bus (CTM, ~15€) nach Marrakesch gefahren. Das Busnetz ist gut ausgebaut und sicher, die Busse fahren verlässlich und sind nicht teuer. Zur Buchung sollte man einen Tag vorher an die Haltestelle gehen und das Ticket kaufen, die Webseiten der Unternehmen funktionieren nur eingeschränkt und die Zeiten dort sind falsch. CTM und Supratours sind die beiden Hauptunternehmen. Manche Städte sind an das Zugnetz angeschlossen.
In Marrakesch nimmt man am einfachsten ein Taxi, fährt aber nur bei eingeschaltetem Taxometer oder vorher verhandeltem Preis. Da meine Unterkunft relativ gut gelegen war, bin ich zum Krankenhaus oder in die Medina gelaufen, beides ca ½ Stunde. Wer weiter außerhalb wohnt, kann auch einen Bus nehmen, da sollte man aber einen Marokkaner nach der Buslinie, Richtung und Haltestellen fragen.

Kommunikation

Zur Kommunikation habe ich mir eine SIM-Karte bei „Orange“ für 30Dh, mit 5GB Datenvolumen für 50DH, gültig 30 Tage, gekauft. Das hat für die 4 Wochen Praktikum völlig ausgereicht. Das einzige Problem war, dass meine Gastgeschwister beide kein mobiles Internet auf dem Handy hatten, sodass ich sie nur sporadisch auf dem Handy erreichen konnte, wenn sie Internet eingeschaltet haben. Das ist aber eher der Ausnahmefall.

Unterkunft

Ich war bei einer Gastfamilie untergebracht, zusammen mit meiner Gastschwester habe ich in einem Zimmer geschlafen. Meine Gastschwester und -bruder studieren beide Medizin. Meine Gastfamilie hat sich sehr um mich gekümmert, ich konnte dort Wäsche waschen und ich habe zusammen mit der Familie gefrühstückt und zu Mittag gegessen. Die Wohnung lag in der Mitte zwischen Medina(Altstadt) und Krankenhaus, sodass ich beides in einer halben Stunde zu Fuß erreichen konnte, in einer guten Wohngegend.

Literatur

Dieses Mal habe ich mich nicht wirklich auf die Famulatur vorbereitet, sondern alles auf mich zukommen lassen. Ich habe viel französische Literatur zur Sprachvorbereitung gelesen. Für Marrakesch hatte ich einen Reiseführer von einem Bekannten. Die besten Tipps habe ich von meiner Gastfamilie und den anderen Austauschstudenten, die schon zwei Wochen vor mir da waren, bekommen.

Mitzunehmen

Ich habe versucht, mit möglichst wenig Gepäck zu reisen, weil man flexibler ist und um in Marokko viel einkaufen zu können. Das ist sehr zu empfehlen, ich habe Olivenöl, Amlou (eine Mandel-Arganöl Paste), Arganöl, Oliven, Datteln und Gewürze gekauft, alles in besserer Qualität und günstiger als in Deutschland. Grundsätzlich würde ich nie mehr als einen großen Wanderrucksack mitnehmen, der lässt sich überall mitnehmen. Da es im Februar und März auch kalt werden kann, vor allem am Abend, einen warmen Pullover einpacken. Und dank Klimawandel kann es auch im März in Marrakesch noch regnen, daher auch wetterfeste Sachen einpacken. An Elektronik reichte mir mein Handy und ein Fotoapparat, einen Laptop würde ich nur mitnehmen, wenn man keine anderen Reisepläne hat. Für das Krankenhaus habe ich OP-Kleidung, OP-Schuhe (Clocks) und Kittel selbst mitgebracht, das Stethoskop habe ich mir in seltenen Fällen von anderen Studenten leihen können.

Reise und Ankunft

Die Anreise mit Bahn, Flixbus und Flugzeug verlief glatt und ich traf mich nach Absprache am Flughafen von Fes mit zwei anderen Austauschstudenten, und wir teilten uns ein Taxi zum Hostel. Von Fes sind wir mit dem Bus (CTM) nach Marrakesch zurückgefahren, dort holte mich mein Gastbruder mit dem Auto von der Busstation ab. Zuhause wurde ich von meiner Gastfamilie mit einem tollen marrokanischem Frühstück empfangen und mir wurde die Wohnung gezeigt. Da wir die Nacht durchgefahren sind, legte ich mich dann schlafen, am Nachmittag nahmen mich meine Gastgeschwister auf eine Erkundungstour in die Altstadt von Marrakesch mit. Am nächsten Tag brachte mich ein Freund meines Gastbruders auf die Station und ich stellte mich im Krankenhaus vor. Leider wusste die Sekretärin nichts von mir, und mit meinem LEO stand ich nur in Whatsapp-Kontakt. Sie versprach mir, jemanden vorbeizuschicken, der das mit der Stationssekretärin klären sollte. Nach einigem Hin-und Her war dann anscheinend alles geklärt, was das Problem war weiß ich aber bis heute nicht. Auf Station waren 27 Studenten, und mir wurde ein Ansprechpartner zugeteilt, den ich alles fragen konnte.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Auf der Station waren 27 3.-Jahr-Studenten, und jedem war ein Bett zugeteilt. Zu dem Patienten in dem Bett führt der jeweilige Student dann die Aufnahme durch, Anamnese, körperliche Untersuchung und dokumentiert Diagnose, Therapie und weiteren Verlauf.
Nach den anfänglichen organisatorischen Schwierigkeiten am ersten Tag begleitete ich meinen zugeteilten Studenten und fragte ihn über Klinikalltag und Lehrbetrieb aus. Wir untersuchten gemeinsam seinen Patienten. Die Patienten sprechen meistens nur arabisch oder berberisch, deswegen beschränkte sich mein Part auf die körperliche Untersuchung. Aufgrund der Anzahl der Studenten ist danach nicht mehr viel zu tun, sodass viele in die Cafeteria gehen oder sich auf dem Gang zu kleinen Grüppchen sammeln und reden. So verbrachte ich den ersten Tag damit, Freundschaft mit den anderen Studenten zu schließen. Um 12 Uhr endete die Schicht.
Die Praktikumszeit beginnt um 8.30 Uhr mit der Visite, bestehend aus einem Professor, den Fach- und Assistenzärzten, Pflegern und Studenten. Danach konnte ich mich entscheiden zwischen auf der Station bleiben oder in den OP gehen. Da es auf der Station nur wenig zu tun gab, entschied ich mich öfters für den OP. Dort konnte ich die verschiedenen Operationen beobachten (Gallenblasen-, Magen-, Leber-, Rektumkarzinom-OPs, Appendizits, Gallenblasensteine,...), aber leider nicht assistieren, das wird erst ab dem 6.Jahr gemacht. Außerdem gestaltete sich die Kommunikation mit den Professoren auf englisch eher schwierig, sodass es sehr nützlich war, zumindest etwas französisch zu verstehen bzw klingen die Fachbegriffe auf französisch ähnlich den deutschen, sodass der englische Begriff nicht unbedingt notwendig war. Die Professoren gaben sich Mühe und erklärten die OP und zeigten uns die anatomischen Strukturen. Auf Station gab es einmal in der Woche eine Unterrichtseinheit mit einem Professor. Ein Student simulierte dabei einen Patienten, die anderen befragten ihn und diskutierten dann zusammen Diagnose, Differentialdiagnosen und Therapie, was ganz interessant und lehrreich war.
Epidemiologisch unterscheiden sich die Krankheitsbilder, sodass ich oft Patienten mit Echinokokkose oder fortgeschrittenen Karzinomen sah. Traditionell gehen viele Menschen, vor allem aus den unteren Schichten, aber auch gut verdienende, immer noch zu Hexen/Heilern, deren Behandlungsversuche manchmal noch an Kratzern oder kleinen Verbrennungen am Thorax zu finden sind.
Unser deutsches Gesundheitssystem lernte ich hier zu schätzen: In Marokko gibt es zwar ein öffentliches Gesundheitssystem und eine soziale Grundsicherung, die aber wenig ausgebaut ist. Wenn man genügend Geld hat, geht man in eine private Klinik und zahlt dort hohe Preise. Damit verdienen Ärzte im privaten Sektor sehr gut, sodass viele Ärzte nebenbei zu ihrer Arbeit im öffentlichen Sektor noch ein privates Unternehmen haben. Inwieweit das gesetzlich geregelt ist, ist alles undurchsichtig und konnte mir keiner so genau sagen.
Die Ausbildung an der Uni ist sehr praxis-intensiv: Ab dem 3.Studienjahr verbringen die Studenten jeden Tag von 8.30 bis 12 Uhr im Krankenhaus,die Station wird alle 6 Wochen gewechselt. Allerdings ist der Lerneffekt abhängig von Station und Professoren, und kann bei entsprechenden Bedingungen sehr gering sein. Nachmittags finden Vorlesungen und Seminare statt. Aber keine Sorge, als Austauschstudent musst du diese nicht besuchen, solltest du aber gerade nichts besseres zu tun haben, kann es auch sehr interessant sein mal ein Seminar zu besuchen.

Land und Leute

Marrakesch hat viel zu bieten, und so hatte ich meistens nachmittags und abends Programm. Sehr zu empfehlen ist der Djemaa el Fna am Abend, wo Geschichtenerzähler, Musiker und Schlangenbeschwörer auftreten, und man für 5 Dirham frisch gepressten Orangensaft genießen kann. Auch ein Kaffee oder Nous-Nous (eine Hälfte Milch und eine Hälfte Kaffee) von der Dachterasse des Café de France (das höchste am Platz) oder des Café des épices (etwas versteckt im Souk) lohnt sich um die Aussicht zu genießen. Im Souk (Markt) findet sich alles was das Touristenherz begehrt, von Gewürzen, Lederwaren, bunten Kaftans, Blecharbeiten und Tüchern. Auch das Handeln macht Spaß, man sollte allerdings Zeit mitbringen und eine ungefähre Preisvorstellung, oder einen Marokkaner, der das für einen übernimmt. Mit der Zeit lernt man auch mit dem ständigen Angesprochen werden umzugehen bzw Händler mit einem entschiedenen „non, merci“ abzuwimmeln. Als Frau muss man leider auch mit vielen blöden Sprüchen und Flirtversuchen umzugehen lernen. Der Badia-, Bahia-Palast und die Saadiergräber gehören auch zum Must-see. Der Jardin Majorelle ist ein hübscher kleiner botanischer Garten mit einem sehr interessanten Berbermuseum. Allerdings lohnt es sich nicht, dafür 1-2h anzustehen, sodass man besser unter der Woche sehr früh hingeht, um den Touristenmassen zu entgehen. Abends ist das Café Clock sehr schön, wir haben da einige Veranstaltungen besucht: Sonntags findet immer ein Gnaoua-Konzert (von ehemaligen Sklaven aus Ghana entwickelte Musikrichtung ), donnerstags traditionelles Geschichtenerzählen, aber mit englischer Übersetzung, statt. Montags waren wir im Café du livre, dort findet ein Quiz auf englisch statt. Feiern gehen kann man in Marrakesch in sehr feinen Clubs, die auch Alkohol ausschenken. Für Frauen ist das oft günstig, als Mann zahlt man ab 20€ Eintritt. Es ist spannend, mal in einen der teureren Clubs/Restaurants zu gehen um sich dort die Show anzusehen (zB. ins Jad Mahal).
Im Februar und März gibt es kein offizielles social-program, sodass ich mir mit den anderen Austauschstudenten und meinen Gastgebern selbst was organisiert habe. Ein Wochenende verbrachte ich in Fes (von dort haben wir einen Tagesausflug nach Chefchaouen, die blaue Stadt, gemacht). 2h Fahrt mit einem großen Taxi von Marrakesch entfernt kann man nach Oukaimeden. Zu dieser Jahreszeit liegt dort noch Schnee, wir haben uns Skier geliehen und sind damit 1h gefahren. Danach haben wir uns sehr gute Tajine in Ourika schmecken lassen. Auch ein Wanderausflug nach Sitti Fatma zu den Wasserfällen ist schön, auch dorthin gelangt man gut mit dem großen Taxi (pro Person 30 Dirham, für Europäer 50 Dirham). Nach meiner Famulatur verbrachte ich noch etwas Zeit in Agadir, allerdings hat die Stadt kulturell nicht so viel zu bieten wie Marrakesch, schön ist aber der Strand.

Fazit

Meine Famulatur in Marokko hat mir sehr gefallen, ich wurde sehr gut von meiner Gastfamilie aufgenommen,die Menschen sind sehr freundlich und offen und das Essen sehr lecker. Meine nächste Reise dorthin wird mich aber eher in die Berge und in die Wüste führen, da mir die Stadt auf lange Zeit zu laut und zu viel wurde. Im Krankenhaus habe ich viel gesehen, konnte aber wenig selbst im OP machen, aufgrund der Sprachbarriere und dem Ausbildungssystem (erst ab dem 6. Studienjahr ist die Assistenz bei OPs üblich). Ich habe das deutsche Gesundheitssystem und unsere soziale Grundsicherung in Marokko sehr schätzen gelernt, und die deutsche Krankenhausausstattung mit Desinfektionsmitteln.

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