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Portugal (PorMSIC)

Orthopädie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Tamara, Erlangen

Motivation

Ich wollte gerne für meinen ersten Austausch in Europa bleiben und war noch nie in Westeuropa, deswegen habe ich mit zuerst diese Länder angeschaut. Zusätzlicher Bonus war natürlich, dass es im März in Portugal wärmer ist als in Deutschland. Überhaupt weg wollte ich einfach aus Abenteuerlust und weil ich in der Schule nie viel in Austauschprogrammen mitgemacht habe und dementsprechend Nachholbedarf habe. Erwartungen hatte ich kaum, Vorfreude dafür umso mehr.

Vorbereitung

Um ehrlich zu sein habe ich mich kaum vorbereitet. Ich kann kein Portugiesisch, habe es dort aber auch nicht gebraucht weil die jungen Leute alle gut Englisch sprechen (vor allem die Ärzte) und die älteren Menschen Französisch. Ich habe medizinisches Englisch gelernt, da habe ich einfach nach Vokabellisten gegoogelt und eine etwa 100 seitige Liste von Springer gefunden, die ich dann durchgegangen bin. Visa etc braucht man ja nicht. Ich hatte eine Reiserücktritt-, eine Berufs- und Privathaftpflicht und eine Auslandskrankenversicherung. Das war es eigentlich.

Visum

In Portugal braucht man kein Visum, da es ja in der EU liegt. Ich konnte einfach mit meinem Personalausweis hinfliegen und hatte keine Probleme.

Gesundheit

Ich hatte alle Impfungen aufgefrischt, die man laut Impfpass in meinem Alter haben sollte und habe mich zusätzlich noch gegen Hepatitis A impfen lassen (wobei das in Portugal auch nicht dringend notwendig gewesen wäre). Es gibt dort eigentlich keine speziellen Tropenkrankheiten etc. Es gab in meinem Krankenhaus einen Masernausbruch, aber dagegen ist man ja geimpft. Eine Auslandskrankenversicherung hatte ich und Reiseapotheke nur die üblichen Dinge wie Aspirin complex, Vomex und Fenistil und solche Sachen.

Sicherheit

Portugal ist ein sicheres Land, ich habe mich nie gefährdet oder unwohl gefühlt, auch wenn ich nachts alleine unterwegs war. Das war wirklich nie ein Problem, da hatte ich in Deutschland schon mehr unangenehme Situationen als dort. Ich hatte eine Haftpflichtversicherung und eine Reiserücktrittsversicherung, aber sonst nichts.

Geld

Portugal hat den Euro, es sind überall wo ich war ausreichend Geldautomaten zur Verfügung gestanden. Am besten hat man eine Visa, mit der man kostenlos abheben kann (gibt es zB bei der apobank), sonst könnte es Gebühren kosten. Die Preise sind ein wenig niedriger als in Deutschland (vor allem Getränke), aber nicht wesentlich.

Sprache

Landessprache ist Portugiesisch, junge Leute können gutes Englisch, ältere Leute eher Französisch. Spanisch wird verstanden, ist aber weniger gerne gesehen als Englisch. Ich habe vorher kein Portugiesisch gelernt und das war okay, dort schnappt man ein paar Worte auf, aber sprechen kann ich es nach wie vor nicht. Es ist meiner Meinung nach auch nicht nötig für 4 Wochen eine Sprache zu lernen. Man sollte gutes Englisch sprechen und wenn man Französisch kann ist es auch nicht verkehrt. Aber mit Englisch bin ich überall wunderbar zurecht gekommen.

Verkehrsbindungen

Ich bin direkt nach Porto geflogen, es gibt aus verschiedenen Städten sehr günstige Ryanairflüge dorthin. Fliegt man mit anderen Fluggesellschaften kosten die Flüge um die 150 – 200€. In Portgal selbst kann man sich ein Auto mieten, alle gängigen Vermietungen sind dort vertreten, es gibt zwischen den großen Städten Expressbusse und ein gutes Zugsystem. Für längere Zugstrecken zB nach Lissabon gibt es „youth discount“ wenn man jünger als 25 ist. Innerhalb Portos kann man fast alles in der Innenstadt laufen, sonst gibt es Bus und Metro.

Kommunikation

Roaminggebühren sind abgeschafft worden in der EU also konnte ich ganz normal meine SIM-Karte weiterverwenden mit Internet und allem. Es gab keine zusätzlichen Kosten. Und in allen Unterkünften in denen ich war gab es WLAN. Postkarten brauchen aber lange nach Deutschland - etwa 4 Wochen :D

Unterkunft

Ich habe in einem internationalen Studentenwohnheim 10min entfernt vom Krankenhaus gewohnt, welches mir von der dortigen Organisation organisiert wurde. Dort gab es Zweierzimmer, meine Mitbewohnerin war aus Timor-Leste und wir haben uns gut verstanden. Die Unterkunft war okay, es war relativ schmutzig in der Küche weil es nur eine einzige gab für um die 70 Bewohner ohne Backofen. Es gab aber Eisfächer und Kühlschränke für alle. Man konnte sich also schon selbst was kochen, man musste nur schauen dass man Geschirr auftreiben kann, davon gab es nämlich viel zu wenig und es war alles ein bisschen dreckig wie gesagt. Heiß duschen war auch so eine Sache - es gab nicht jeden Tag warmes Wasser in den Gemeinschaftsduschen und wenndann erst spätabends. Bettwäsche, Handtücher, etc mitbringen musste man nicht. Das Haus selbst war schön mit Gemeinschaftsräumen und Garten, wo man sich an den Obstbäumen und Avocadobäumen bedienen durfte.

Literatur

Ich hatte einen Reiseführer für Porto, ansonsten habe ich viel gegoogelt und auf Tripadvisor nachgelesen und ich habe viele Tipps von Freunden und Bekannten bekommen. Auch die Ärzte im Krankenhaus haben mir viele coole Dinge empfohlen. Medizinische Literatur hatte ich nicht dabei.

Mitzunehmen

Im Frühling nach Porto sollte man eine windfeste Jacke mitnehmen und wärmere Kleidung als man denkt. Die Häuser sind nicht für Kälte ausgelegt deswegen gibt es kaum Heizungen und warme Decken. Das Wetter in Porto ist immer deutlich kühler als im Süden, da merkt man einen großen Unterschied. Sonst wüsste ich jetzt nichts super Spezielles was man mitnehmen muss. Man packt eigentlich wie für einen Städtetrip nur mit mehr Klamotten und eventuell Bikini.

Reise und Ankunft

Die Anreise verlief holprig, weil mein Flug gestrichen wurde und ich dann sehr umständlich mit ICE nach München fahren musste, um von dort zu fliegen, weshalb ich aber dann zu spät im Wohnheim war und die erste Nacht ins Hostel musste. Das ist aber ja nicht der Regelfall. Am Flughafen wurde ich von zwei netten portugiesischen Studentinnen abgeholt und mit dem Auto zu meinem Hostel gebracht. Man hätte aber auch Metro fahren können. Ich bin am 01.03 angekommen und am 02.03 um 8 Uhr war ich zum ersten Mal im Krankenhaus. Dabei hat mir eine andere nette portugiesische Studentin geholfen, die sich mit mir und einer anderen Austauschstudentin am Eingang des Krankenhauses getroffen hat und uns alles gezeigt hat und auch dem Team erklärt hat, wer wir sind. Das hat sehr geholfen, danach haben sich die Ärzte um mich gekümmert. Vorkehrungen treffen musste ich ansonsten keine mehr.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war auf der orthopädischen Chirurgie im Hospital Santo Antonio in Porto. Am ersten Tag wurde ich nach der Morgenbesprechung von einer portugiesischen Studentin dem Team vorgestellt, dem ich zugeteilt war, danach gingen wir erstmal frühstücken. Das war immer das Ritual des Ärzte: 8 Uhr Besprechung 8:30 Frühstück gegen 9 dann OP. Ich durfte alle Operationen besuchen, die ich wollte und mir wurde immer erklärt, was passiert, aber selbst machen durfte ich fast nichts. Das scheint in Portugal normal zu sein, war aber auf Dauer etwas langweilig. Gegen 13 Uhr hatte ich dann meisten frei, konnte noch in die Mensa gehen, wo die Austauschstudenten kostenlos essen durften und hatte dann Freizeit, sodass ich wirklich viel Zeit hatte mir alles in Porto und Umgebung anzuschauen. Auch die Wochenenden hatte ich immer frei und konnte so im Land herumreisen. Das war herrlich entspannt. Außer im OP war ich auch manchmal in der Notaufnahme dabei, es kamen aber in dieser Zeit keine spektakulären Polytraumen oder so etwas sondern eher alte Menschen, die seit 3 Monaten Rückenschmerzen haben :D War aber trotzdem auch ganz cool. Ich durfte an meinem letzten Tag gipsen üben, aber nur an mir selbst und den Ärzten. Sonst haben Sie mir alles immer übersetzt, was sie mit den Patienten besprochen haben mir die Röntgenbilder erklärt und die Tests gezeigt, die man machen muss. Einmal war ich auch in der Ambulanz um mir Wundmanagement anzuschauen, da war ich bei einer supernetten Schwester dabei, die auch gutes Englisch konnte, die hat mir auch viel erklärt. Mit den Ärzten, vor allem mit den Assistenzärzten habe ich mich sehr gut verstanden, mit dem Pflegepersonal hatte ich quasi keinen Kontakt und außer mir gab es nur noch einen portugiesischen PJler auf Station, der auch super nett war. Mein Tutor hat sich so gut es geht um mich gekümmert - er hatte immer viel zu tun aber hat mich mitgenommen wo es ging und mir ansonsten immer einen anderen Arzt organisiert, der mir irgendwas gezeigt hat. Vom Persönlichen her war also immer alles toll! Viel gelernt habe ich allerdings nicht, praktisch eigentlich nichts außer gipsen, theoretisch schon mehr, aber ich hatte Unfallchirurgie erst im Semester vorher und viel Neues war nicht dabei. Die Methoden sind in Portugal dieselben wie in Deutschland. Die Medizinstudenten dort haben es aber relativ hart – es gibt nach dem Studium einen extra Test mit 100 Fragen, dessen Note darüber entscheidet, welchen Facharzt man wählen darf. Und es gibt nicht genug Stellen für alle Absolventen, der Druck ist also hoch.

Land und Leute

Meine Erstwahl war Lissabon, aber im Nachhinein bin ich super froh nach Porto gekommen zu sein! Porto ist eine wunderschöne, übersichtliche, malerische Stadt mit viel Kunst, Kultur und gutem Wein, die völlig unterschätzt wird. Auch die Umgebung bietet viel, ich habe wirklich jeden Tag etwas unternommen. Sehenswert sind auf jeden Fall im Umland Braga, Coimbra und Guimares, sonst habe ich ein Wochenende Lissabon besucht, war in Nazaré und habe am Ende noch eine Woche an der Algarve verbracht (auch im Frühling sehr sehr zu empfehlen!!). In Porto selbst gibt es schöne Strände sowohl in nördlicher als auch südlicher Richtung vom Zentrum wo man spazieren kann, es gibt tolle klassische Konzerte in der Casa da Musica (einem berühmten Konzerthaus), moderne Kunst im Serralvesmuseum, Weinkeller mit Tastings und Führungen auf der anderen Flußseite des Zetrums (Gaia), Kirchen (zB Kathedrale Sé), Museen (Botanischer Garten mit Galeria da biodiverité), man kann Douroflußfahrten machen, in viele süßen secondhand-Läden shoppen gehen und und und. Hightlight für mich war unter Anderem der botanische Garten mit einem süßen Museum in der Mitte, in dem es um Artenvielfalt und Biodiversität geht. Auch die Weinproben machen Spaß und vom Preis-Leistungsverhältnis top. Essenstechnisch bietet Porto „Francesinha“, ein Steak-Käse-Toast mit einer Soße, deren Rezept ein Geheimins ist (am besten im Café Santiago), viel Fisch und Meeresfrüchte (an der Ribeira oder in Matisinhos essen) und natürlich Pastei de Nata an jeder Ecke (besonders zu empfehlen die fabrica de nata). Auch vegetarische und vegane Restaurants gibt es einige. Alle waren immer sehr nett zu mir und haben mir weitergeholfen, wenn ich Fragen hatte, Portugiesen sind wirklich gastfreundliche Menschen. Und es scheint auch als wären einfach alle grundsätzlich besser gelaunt als in Deutschland! Dafür nimmt man es manchmal mit Wartezeiten/Busfahrplanen etc nicht so genau, aber das ist ja in allen südeuropäischen Staaten so und eigentlich nicht schlimm. Ich habe auf jeden Fall Geduld und Entspanntheit dort mitgenommen. Die portugiesischen Studenten waren auch alle wahnsinnig nett und bemüht und haben uns viel geholfen, hatten aber im März durch die Uni nicht so viel Zeit. Mit den anderen Austauschstudenten hatte ich leider nicht so großes Glück, obwohl sogar noch eine zweite Deutsche da war, aber da sind leider keine wirklichen Freundschaften entstanden. Ist aber auch nicht schlimm, ich hatte viel Besuch von zuhause, weil Porto von Deutschland aus super zu erreichen ist. Man sieht viele Studenten überall in Porto, die Stadt wirkt jung und kreativ. Ich habe mich sehr wohlgefühlt.

Fazit

Ich habe meine Zeit in Porto wirklich genossen und habe Portugal als wunderschönes, vielseitiges Land erlebt. Ich würde und werde weitere Austausche machen, ich plane für den Sommer 2018 schon den nächsten Auslandsaufenthalt. Porto kann ich jedem nur empfehlen! Ich habe mich sehr in die Stadt verliebt. Im März ist es noch kühl, aber nichtsdestotrotz habe ich sie in sehr guter Erinnerung behalten. Mit den anderen Austauschstudenten muss man eben Glück haben, aber von den portugiesischen Studenten kann ich nur sagen, dass alle sehr lieb waren. Arbeiten würde ich dort trotzdem nicht – es gibt kaum genug Stellen für die eigenen Absolventen und die Konkurrenz ist hart. Aber für einen Austausch war es ideal! Viel Spaß jedem, der auch dorthin geht!

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