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Chile (IFMSA-Chile)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Selina Teresa, Krefeld

Motivation

Da meine Mutter aus Venezuela kommt bin ich bereits mit lateinamerikanischer Kultur und Spanisch aufgewachsen. Auch war ich als Kind mal dort, wollte aber schon seit langem auch die anderen Länder in Südamerika kennenlernen und habe mich daher für 3 Länder dort beworben, wobei ich einen Platz in Chile bekommen habe. Neben dem kulturellen Aspekt wollte ich mein Vokabular auf Spanisch ausweiten, insbesondere Hinsichtlich der Begriffe im medizinischen Bereich.

Vorbereitung

Da ich selber bereits im Referat Austausch als Contactperson gearbeitet hab, war ich mit dem Bewerbungsablauf vertraut. Hierzu gibt es alle Informationen auf der bvmd Internetseite. Das geforderte DAAD-Sprachzertifikat für Englisch und Spanisch habe ich an der Uni erhalten. Den Flug habe ich erst gebucht als klar war, dass die Famulatur in Santiago stattfindet, wodurch dieser jedoch recht teuer wurde. Meine Kontaktperson war auch schon im Vorfeld ansprechbar und ich konnte alle Fragen (u.a. Gastfamilie, was muss ich mitbringen etc.) klären. Bei welcher Gastfamilie ich wohnen werde habe ich auch erst kurz vorher erfahren (ca. 2 Wochen), dann aber auch direkt problemlos Kontakt mit ihr aufgenommen, was sehr hilfreich war.

Visum

Für den Aufenthalt in Chile war kein Visum nötig. Bei der Einreise habe ich den Letter of Invitation vorgezeigt und bekommt man nur einen Zettel von der Policía de Inmigración den man bei der Ausreise wieder vorzeigen muss.

Gesundheit

Ich hatte bereits unabhängig vom Famulaturaustausch eine Auslandskrankenversicherung, die auch für diesen Aufenthalt genügt hat. Das Krankenhaus wollte davon extra nochmal eine schriftliche Bestätigung per Email geschickt bekommen. Es waren keine besonderen Impfungen erforderlich. Grundsätzlich gibt es in Santiago viele Apotheken, man muss also nicht zwangsläufig Medikamente mitnehmen.

Sicherheit

Chile gilt als eines der sichereren Länder in Südamerika, was ich nur bestätigen kann. Ich habe mich in Ruhe dort mit öffentlichen Verkehrsmitteln bewegt, auf Strecken die mir bekannt waren auch nach Einbruch der Dunkelheit. Meine Gastfamilie hat mir zu Anfang erklärt welche die sichereren und unsichereren Stadtviertel sind, wobei ich in den unsicheren Vierteln nicht unterwegs war.
Wie in jeder Großstadt wurde ich auch in Santiago vor Taschendieben gewarnt und habe daher mein Handy und Geld eng bei mir getragen. Um den Pass nicht zu verlieren habe ich direkt zu Anfang eine Kopie vor Ort für ca. 1,50 Euro beglaubigen lassen und den Pass dann zu Hause gelassen. Die beglaubigte Kopie war völlig ausreichend, selbst um das Regierungsgebäude „La Moneda“ zu besichtigen.

Geld

Die Landeswährung in Chile ist der chilenische Peso, wobei 1 Euro ca. 740 Pesos entspricht. In Deutschland habe ich bei der Reisebank (schlechterer Wechselkurs) etwas Geld gewechselt um bereits ein paar Pesos bei der Einreise zu haben. Dann habe ich Euros mit nach Chile genommen und vor Ort in Wechselstuben gewechselt zum o.g. Kurs. Man sollte dabei beachten dass die Wechselstuben nur größere Scheine (über 20 Euro) annehmen. Grundsätzlich kann man auch überall mit Kreditkarte bezahlen, hier wurde mir aber bei jeder Transaktion 1,7% Gebühren berechnet. Die Lebenshaltungskosten sind mit denen in Deutschland vergleichbar.

Sprache

In Chile wird Spanisch gesprochen, wobei viele auch (etwas) Englisch sprechen.
Da ich zweisprachig (deutsch, spanisch) aufgewachsen bin hatte ich keine Probleme mit der Sprache. An die Aussprache der Chilenen musste ich mich aber doch einige Zeit gewöhnen und im medizinischen Bereich habe ich oft Wörter nachschlagen müssen. Ich fand es sehr spannend „chilenische“ Begriffe zu lernen wie z.B. palta (Avocado), polollo/pololla (Freund/Freundin), bacán (super), cachaí? (verstanden?).

Verkehrsbindungen

Da ich den Flug erst sehr spät gebucht habe war er dementsprechend teuer (ca. 1100 Euro). In Chile war ich nur in Santiago, Viña del Mar und Valparaíso. In Santiago gibt es eine U-Bahn und Busse, womit man überall hinkommt. Eine Fahrt (innerhalb von 2 Stunden eine Metro + Bus oder zweimal Bus) kostet ca. 90ct. Die U-Bahn ist recht modern und funktioniert sehr gut, ist allerdings zu Stoßzeiten sehr überfüllt. Die Busse sind von der Qualität der Fahrzeuge her nicht so super, kommen allerdings an den meisten Haltestellen alle paar Minuten. Man muss also nie lange warten. In den Bussen werden die Haltestellen leider nicht angesagt/angezeigt, daher habe ich immer parallel auf google maps geguckt wo ich bin und aussteigen muss. Nach Viña del Mar bin ich mit dem Bus gefahren (ca. 12 Euro Hin- und Rückfahrt).
Wenn man abends nicht mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren möchte kann man auf Uber ausweichen, das in Santiago sehr beliebt ist.

Kommunikation

An meinem ersten Tag in Santiago habe ich mir eine SIM-Karte von Claro gekauft und für 10 Euro einen Plan mit 600 Freiminuten und 4GB Internet um unterwegs überall Internet zu haben, u.a. um google maps zu nutzen. Im Krankenhaus und bei meiner Gastfamilie hatte ich WLAN.

Unterkunft

Ich bin bei einer Gastfamilie untergekommen, wobei eine meiner Gastschwestern Medizin im 1. Semester studiert. Ich hatte dort ein eigenes Zimmer und Badezimmer. Die Familie war sehr nett, ich habe mich sehr wohl gefühlt. Wir haben morgens und abends immer zusammen gegessen und erzählt, wobei ich einiges über die Kultur und das Alltagsleben in Chile gelernt habe. Der einzige Nachteil war, dass die Familie recht weit vom Zentrum entfernt gewohnt hat, sodass ich für eine Fahrt vom Krankenhaus nach Hause ca. 1,5 Stunden mit öffentlichen Verkehrsmitteln brauchte.

Literatur

Ich habe vor der Reise nichts über Chile gelesen. Während meiner Zeit dort habe ich „El amante japonés“ und das „Geisterhaus“ von der chilenischen Autorin Isabel Allende gelesen, auch um mein Spanisch zu verbessern.

Mitzunehmen

Als ich im März in Santiago war, war es sehr warm dort (tagsüber durchschnittlich 25-30 Grad) und es hat kein mal geregnet, daher hat es gereicht Sommerklamotten mitzunehmen. Drogerieprodukte habe ich aus Deutschland mitgenommen. Für die Famulatur habe ich Kittel und Stethoskop sowie einen Notizblock mitgenommen. Da ich in der Stadt viel rumgelaufen bin hat es sich gelohnt bequeme Schuhe mitzunehmen.

Reise und Ankunft

Meine Reise nach Santiago habe ich mit einem Umstieg in Madrid bei Iberia gebucht. Der Hinflug war leider sehr chaotisch, da der Flug nach Madrid Verspätung hatte und ich dort den Anschluss nach Santiago verpasste habe. Also musste ich eine Nacht in Madrid bleiben (das Hotel wurde von Iberia gezahlt) und das Ticket wurde für den nächsten Tag umgebucht, wobei ich dann einen weiteren Zwischenstopp in Sao Paulo hatte. Als ich endlich gut angekommen bin ist mein Koffer dann aber in Sao Paulo geblieben, den ich erst 2 Tage später erhalten habe. Ich kann also nur empfehlen die wichtigen Sachen und ein paar Klamotten im Handgepäck mitzunehmen.
Die Rückreise verlief komplikationslos.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe die gesamten 30 Tage mit dem Team der Infektiologie verbracht. Jeden Tag musste ich um 8.30 Uhr im „edificio academico“ sein, wo sich das Team trifft und u.a. die Laborwerte der Patienten im System in ein laufendes Dokument aller Konsile einträgt. Jede Woche gibt es einen „Chef“ der verantwortlich ist für die Visite.
Jeden Montag findet erstmal die Visite mit diesem „Chef“ statt, wobei die Assistenzärzte (becados) alle Patienten vorstellen die aktuell in infektiologischer Mitbetreuung sind. Nach dieser Visite gab es dann eine Mittagspause, wobei ich mit den Assistenzärzten und PJlern im Krankenhaus oder einem nahegelegenen Restaurant gegessen habe. Ab mittags/nachmittags bin ich dann mit den Assistenzärzten auf die Stationen gegangen, wo wir die Patienten erneut untersucht/evaluiert haben. Zwischendurch treffen immer wieder neue Konsile ein (v.a. von den Intensivstationen), die wir dann auch bearbeitet haben. Je nach dem wie viele Konsile eintreffen arbeiten die Assistenzärzte bis 19 oder 20 Uhr, ich durfte jedoch meistens so zwischen 16 und 17 Uhr nach Hause gehen.
Die Infektiologie ist generell ein eher theoretisches Fach, wobei man wenn man Interesse zeigt durchaus auch die Patienten untersuchen darf und so interessante, seltene Krankheitsbilder zu sehen bekommt. Den Assistenzärzten wurden immer wieder Fragen zu Diagnostik/Therapie gestellt, die ich auch beantworten durfte aber nicht musste.
Bei neuen Konsilen habe ich mir auch die gesamten Patientengeschichten durchgelesen, sowie Laborwerte und Bildgebung nachgeguckt, wobei die Ärzte immer für Fragen offen waren falls ich etwas (auch wegen der Sprache) nicht verstanden habe. Durch diese intensive Bearbeitung der Fälle habe ich theoretisch viel im Fach Infektiologie lernen können.
Die Arbeitsatmosphäre im Krankenhaus war sehr angenehm, insbesondere ist mir die Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Pflegekräften positiv aufgefallen.
An den Vorlesungen zu ausgewählten infektiologischen Themen (1x/Woche) für die PJler und Assistenzärzte durfte ich auch teilnehmen.
Die Arbeitsweise im Krankenhaus hat mich sehr an die Verhältnisse in deutschen Krankenhäusern erinnert, wobei die Ärzte meinten dass das daran liegt dass ich in einem privaten Krankenhaus die Famulatur absolviert habe. In öffentlichen Krankenhäusern muss sich ein Arzt wohl um viel mehr Patienten kümmern, das habe ich jedoch nur erzählt bekommen. Etwas gewundert hat mich allerdings der Umgang mit Privatsphäre, da die Kommunikation über die Patienten z.T. auch über Whatsapp läuft und jeder Patient auf der Intensivstation videoüberwacht wird.

Land und Leute

Dafür dass Chile mit ca. 6,5 Millionen Einwohnern eine sehr große Stadt ist habe ich mich außerordentlich wohl und sicher gefühlt. Egal wo man hingeht, v.a. im Stadtzentrum, es ist immer etwas los. Die einzelnen Stadtteile sind auch sehr verschiedenen und toll zu entdecken. Dinge die ich besichtigt habe sind u.a. La Moneda (Regierungsgebäude), Cerro Santa Lucia, Cerro San Cristobal, Barrio Bellavista, Barrio Lastarria und La Chascona (eines der Häuser von Pablo Neruda), wobei sich alles gelohnt hat. Insbesondere durch den Besuch des Museo Histórico National und La Moneda habe ich viel über die Geschichte Chiles lernen können. Als Teil des social program war ich an einem Wochenende auch in Viña del Mar und Valparaíso, ebenfalls schöne und interessante Städte zum Besichtigen! In Valparaíso gibt es ein weiteres Haus von Pablo Neruda (La Sebastiana) dass ebenfalls einen Besuch wert ist. Hier gibt es einen vergünstigten Eintritt für Studenten, allerdings nur für Inhaber einer internationalen Studentenkarte, die ich leider nicht hatte. In der Nähe von Viña del Mar, in Concón, sind wir auch an den Strand gegangen, der in Chile allerdings nicht so schön ist (dunkler Sand, sehr kaltes Wasser). Der Blick aufs Meer von den Dünen von Concón aus dagegen war einfach atemberaubend!
Ich hatte wirklich Glück mit meiner Gastfamilie und habe es sehr genossen mit Ihnen auch über Geschichte und Politik zu reden. Das Land ist sehr gespalten bezüglich den politischen Richtungen, man kann aber durchaus ohne Probleme mit jedem über Politik reden. Ich durfte bei meiner Gastfamilie frühstücken und zu Abend essen und habe so einige typische Gerichte (Porotos granados, Pastel de choclo) kennengelernt. Das Essen im Krankenhaus war auch in Ordnung, das Essen an kleinen Buden ist aber eher ungesund (viel frittiert, viel Zucker). Vielen Chilenen gefällt es in den kleineren Städten und auf dem Land besser als in der Großstadt Santiago, ich fand aber dass es viele Grünflächen zur Erholung gab und auch die öffentlichen Verkehrsmittel, insbesondere die Metro, sehr gut funktionieren. Wirklich beeindruckt hat mich auch der Hauptbahnhof (estación central), der mir von der Größe her eher wie ein Flughafen vorkam. Ich habe ständig die Entfernungen in Santiago unterschätzt und bin dadurch das ein oder andere mal zu spät zu einer Verabredung gekommen. Der Fußweg zwischen zwei Metrostationen dauert nämlich gerne mal zwischen 15 und 20 Minuten, also lohnt es sich die Metro auch nur für 1-2 Stationen zu nehmen. An einem Wochenende ist meine Gastfamilie an den See Vichuquén (ca. 4 Stunden weiter südlich) gefahren, wo ich mitkommen durfte. Da ich nur für die Zeit der Famulatur dort war konnte ich leider nicht mehr von Chile bereisen.

Fazit

Ich hatte eine tolle Zeit in Santiago und werde auf jeden Fall nochmal nach Chile reisen um meine Gastfamilie zu besuchen und auch die anderen Teile des Landes kennenzulernen.
Im Krankenhaus war alles gut organisiert mit einem Ansprechpartner für ausländische Studenten und ich durfte die Zeit in einem netten Team verbringen. Die Famulatur war sehr interessant, auch wenn ich mehr theoretisch als praktisch gelernt habe, was auch sicherlich an dem Fach selber liegt.
Ich kann Santiago de Chile für eine Famulatur sehr empfehlen!

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