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Atahualpa (Ecuador)

Intensivmedizin - SCOPH (Public-Health Austausch)
von Leonie, München

Motivation

Ich wollte schon seit einiger Zeit Spanisch lernen, weil ich die Sprache sehr schön und hilfreich fürs Reisen finde. In meiner Schule wurde leider kein Spanisch angeboten. Deswegen habe ich mich entschlossen erst einmal einen Sprachkurs in Ecuador zu machen und gleichzeitig wurde mir dort von der Sprachschule eine Famulatur organisiert. Da ich eine Famulatur im Ausland machen wollte, hat sich der Public Health Austausch für mich perfekt angeboten.

Vorbereitung

Als Vorbereitung habe ich selber mit einem Buch von Langenscheidt Spanisch gelernt, damit ich nicht ganz ohne Vorkenntnisse nach Südamerika reise. Das kann ich auch jedem empfehlen, da man dadurch gleich von Anfang an besser kommunizieren kann. Einen richtigen Sprachkurs habe ich im Vorfeld allerdings nicht besucht. Es waren auch andere Sprachschüler da, die ganz ohne Vorkenntnisse nach Ecuador gekommen sind. Das war auch kein Problem, aber für mich war es angenehmer, dass ich schon ein wenig reden konnte.

Visum

Für Ecuador benötigt man kein Visum, wenn man weniger als 90 Tage im Land bleiben will.
Gesundheit:
Ich habe mich im Vorfeld gehen Tollwut, Typhus und Gelbfieber impfen lassen. Außerdem ist es sinnvoll genug Sonnencreme und Insektenabwehrmittel mitzunehmen. Die Stärke der Sonne am Äquator darf man nicht unterschätzen.

Gesundheit

Ich habe mich im Vorfeld gehen Tollwut, Typhus und Gelbfieber impfen lassen. Außerdem ist es sinnvoll genug Sonnencreme und Insektenabwehrmittel mitzunehmen. Die Stärke der Sonne am Äquator darf man nicht unterschätzen.

Sicherheit

Ecuador ist ein recht sicheres Reiseland. Natürlich muss man auf seine Wertgegenstände aufpassen, vor allem in öffentlichen Bussen und in einsamen Gassen. Auch in der Dunkelheit würde ich, wenn man alleine unterwegs ist, immer ein Taxi nehmen. Ich habe mich in meiner Zeit in Quito allerdings nie unsicher gefühlt.

Geld

Geld abheben ist mit den gängigen Kreditkarten ohne Probleme möglich. Ich hatte allerdings trotzdem ein paar Dollarscheine mitgenommen, da ich von meinem letzten Urlaub noch ein paar übrig hatte und ich mir deswegen die ersten Tage nicht über Geld Gedanken machen musste.

Sprache

Die Menschen in Ecuador sprechen bis auf wenige Ausnahmen nur Spanisch. Da ich nie Spanisch in der Schule gelernt habe, habe ich ein halbes Jahr vor meinem Aufenthalt bei 0 angefangen und mir solide Grundkenntnisse selbst angeeignet, was auch wirklich sinnvoll war. Ich kann jedem empfehlen, etwas Spanisch im Vorfeld zu lernen. Vor Ort lernt man in dem Sprachkurs dann auch nochmal einiges. Am Ende meines Austausches konnte ich einiges verstehen und auch ganz gut reden. Sicherlich ist mein Spanisch nicht perfekt geworden, aber fürs Reisen reichen meine Spanischkenntnisse jetzt aus.

Verkehrsbindungen

Flüge nach Quito sind leider recht teuer. Wenn man allerdings ein bisschen flexibel bezüglich Tagen und Länge des Fluges ist, kann man trotzdem ganz gute Angebote finden. Ich bin mit Turkish Airlines über Istanbul und Panama nach Quito geflogen und habe für meinen Hin und Rückflug nur 630€ gezahlt. In Ecuador selber werden so gut wie alle Strecken mit dem Überlandbus befahren. Dieser kostet in der Regel ca. $1/h.

Kommunikation

Es gibt zahlreiche Restaurants und Cafés mit Wifi und auch bei meiner Gastfamilie gab es eine Internetverbindung, die allerdings oft sehr schlecht war. Ich habe mir aber trotzdem keine Sim Karte für unterwegs geholt, weil mir das Internetangebot gereicht hat. Von anderen Schülern habe ich aber gehört, dass Sim-Karten sehr leicht zu beschaffen und auch nicht teuer sind.

Unterkunft

Ich habe während meiner Zeit in Ecuador bei Martha und Vicente, den Besitzern der Sprachschule, gelebt. Dort hatte ich mein eigenes Zimmer. Leider muss ich sagen, dass ich unter Gastfamilie etwas anderes verstehe als das, was ich in Ecuador erlebt habe. Martha und Vicente waren für mich eher Dienstleister, die mich bekocht haben und Wäsche gewaschen haben. Ein Interesse an mir und meiner Person war von beiden eher nicht vorhanden. Außerdem gab es immer mal wieder Probleme mit der Kommunikation. So wurde mir zum Beispiel nicht Bescheid gegeben als die ganze Familie in den Urlaub gefahren ist. Dies habe ich nur durch einen Zettel auf meinem Bett erfahren. Ich hatte trotzdem eine schöne Zeit bei den beiden und wenn es Probleme gab oder ich Fragen hatte, konnte ich mich auch immer an einen der beiden wenden. Andere Austauschschüler wurden in anderen Gastfamilien untergebracht, die teilweise auch etwas weiter außerhalb von Quito gewohnt haben.

Literatur

Ich hatte nur einen Reiseführer als eBook auf meinem Handy dabei. Ich wollte nicht noch ein Buch mit mir rumtragen und für mich hat das eBook gereicht. Aber das muss im Endeffekt jeder selber wissen.

Mitzunehmen

Im Februar ist das Wetter in Quito sehr unberechenbar. Am Vormittag scheint oft die Sonne und es ist warm. Am Nachmittag kann es allerdings auch mal stark regnen. Ich empfehle deswegen auf jeden Fall eine gute Regenjacke und warme Sachen mitzunehmen.

Reise und Ankunft

Mein Hinflug lief ohne Probleme. Obwohl ich insgesamt 28 Stunden unterwegs war, würde ich es wieder genau so machen. Am Flughafen in Quito wurde ich dann von Vicente abgeholt. Als kleiner Tipp kann ich sagen, dass ein Taxi vom Flughafen bis zur Sprachschule etwa halb so teuer ist wie der Transport, der von der Sprachschule angeboten wird. Wer also $20 sparen will, sollte mit dem Taxi fahren.
Ich bin an einem Freitag Abend angekommen. Am Wochenende gab es gleich ein volles Programm, da ich während Fasching angekommen bin. Mein Sprachkurs hat dann am darauffolgenden Mittwoch begonnen und meine Famulatur am folgenden Montag. Die Organisation mit meiner Famulatur war etwas schwierig, da ich eigentlich in ein anderes Krankenhaus sollte. Im Laufe meiner Zeit in Ecuador habe ich festgestellt, dass Martha unsere Famulaturen immer sehr spontan plant. Bei einer anderen Studentin war bis zum ersten Tag der Famulatur nicht klar in welchem Krankenhaus sie arbeiten soll. Außerdem hatten wir den Eindruck, dass sie mittlerweile nur noch Kontakt zu Dr. Llano im Hospital Ingles hat, da wir in meiner letzten Woche zu viert auf einer Station waren. Für mich war das allerdings kein Problem.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe meine Famulatur wie die meisten Medizinstudenten im Hospital Ingles auf der Intensivstation bei Dr. Miguel Llano gemacht. Dr. Llano ist ein sehr kompetenter und netter Arzt, der uns mit langsamen Spanisch viel erklären konnte. Gearbeitet haben wir fast jeden Nachmittag von ca 13-16 Uhr. In der Regel hat unser Tag mit einer Stationsvisite begonnen, bei der wir die Patienten gemeinsam mit ihm durchgesprochen haben und er uns das weitere Vorgehen erklärt hat. Falls wir noch weitere Fragen hatten oder wir etwas nicht vertanden hatten, hat Dr. Llano sich immer für uns Zeit genommen. Danach haben wir uns meistens die Akten durchgelesen oder uns die Patienten nochmal selber angeschaut.
Die Intersivstation ist im Vergleich zu Deutschland sehr ähnlich ausgestattet. Natürlich sind die Geräte etwas älter, aber im Allgemeinen hatte ich mir das Gesundheitswesen etwas weniger fortschrittlich vorgestellt. Bei medizinischen Eingriffen wurde versucht recht hygienisch zu arbeiten was allerdings meiner Meinung nach nicht immer geklappt hat. Die sterilen Arbeitsmaterialien sind in Tücher verpackt, die zwar sicherlich bei über 100 Grad gewaschen wurden, allerdings nicht sehr hygienisch aussahen. Außerdem wurde nicht viel Wert auf Strahlenschutz gelegt. Patienten wurden auf Station mit einem möbilen Röntgengerät geröntgt, ohne jeglichen Strahlenschutz für die anderen Patienten oder das Personal. Die medikamentöse Versorgung ist für Standardmedikamente gut. Sobald ein Patient allerdings ein etwas spezielleres Medikament gebraucht hat, wurde es schwierig.
Das Gesundheitssystem in Ecuador ist anders organisiert als das in Deutschland. Die Patienten kommen zuerst in ein reginales Zentrum, bevor sie weiterverlegt werden. Wenn die medizinische Versorgung in dem kleineren Haus nicht mehr ausgereicht hat, wurden sie weiter in ein größeres Haus verlget. Dadurch lagen auf der Station oft eher wenige und wenn dann schwer kranke Menschen. Besonders mitgenommen hat mich eine junge Patientin, die durch eine Leberverfettung in der Schwangerschaft nach der Entbindung in ein fulminantes Leberversagen gerutscht ist und beinahe transplantiert werden musste. Transplantationen werden allerdings laut Dr. Llano in Ecuador aus religiösen Gründen sehr selten durchgeführt. Die Leber der jungen Patientin hat sich dann allerdings doch noch von alleine regeneriert.
Praktisch arbeiten konnten wir leider gar nichts. Das lag zum einen sicherlich an den Sprachkenntnissen, aber es gab auch einfach nicht viel zu tun, also haben wir uns oft mehr mit dem Personal unterhalten als zu arbeiten.
Der Krankenhausalltag im Hospital Ingles ist im allgemeinen eher sehr entspannt im Vergleich zu dem Krankenhausalltag in Deutschland.
Trotzdem hat mir meine Zeit im Hospital Ingles gefallen und ich kann jedem empfehlen eine Famulatur in Ecuador zu machen, auch wenn man fachlich nicht viel lernt.

Land und Leute

Ecuador ist ein wunderbares Land. Die Menschen sind sehr nett und sehr offen. Als Ausländerin wird man sowieso immer wieder angesprochen und kann sich mit den Menschen sehr nett unterhalten.
An den Wochenenden hat man immer frei und so konnte ich mit den anderen Austauschschülern Ausflüge in die Umgebung machen. Da das Land noch nicht zu touristisch ist, sind die meisten Sehenswürdigkeiten auch nicht komplett überlaufen, was mir sehr gefallen hat. Ich war an den Wochenenden in Mindo, Baños, Otavalo und in Quilotoa. Überall gibt es schöne Strecken zum Wandern und besonders zu empfehlen ist meiner Meinung nach die Umwanderung der Quilotoa-Lagune. Die Lagune ist einer der schönsten Bergseen, die ich je gesehen habe. Allerdings sollte man sich schon etwas an die Höhe akklimatisieren bevor man zu lange Wanderungen startet. Besonders empfehlen kann ich auch einen Tagesausflug zum Cotopaxi. Die organisierte Tour startet von Quito und man hat die Möglichkeit bis zur Schneegrenze des Cotopaxi-Vulkans zu wandern, die bei 5000m liegt. Bei gutem Wetter ist der Blick genial und der Ausflug ist sehr gut organisiert. Da es sich beim Cotopaxi um einen Nationalpark handelt, war eine organisierte Tour sehr angenehm. Die restlichen Wochenendtrips kann man auch gut selber organisieren.
Während unseres Praktikums hatten wir vormittags und nachmittags Zeit Quito zu erkunden. Die Altstadt ist sehr schön und auch die Neustadt hat einiges zu bieten. Allerdings ist der Verkehr katastrophal und die Luftverschmutzung ebenso. Ich war jedes Wochenende froh, nicht der stickigen Quito-Luft ausgesetzt zu sein.
Zum Essen gab es in Ecuador sehr oft Hähnchen mit Reis. Nach einiger Zeit hängt einem das immer gleiche Essen etwas aus dem Hals raus, aber dafür ist das Obst richtig toll. Eine regionale Spezialität ist das Cuy, also Meerschweinchen, das ich auch einmal probiert habe. Abgesehen davon essen die Ecuadorianer sehr gerne fritiertes Essen.
In meinen letzten zwei Wochen in Ecuador bin ich dann noch alleine in den Dschungel und auf die Galapagos-Inseln gereist. Die Galapagos-Inseln waren das absolute Highlight auf meiner Tour. Die Strände sind sehr schön und die vielen Leguane, Seelöwen und Schildkröten, die ich dort in freier Wildbahn gesehen habe, waren es eindeutig Wert. Allerdings muss man für Galapagos etwas mehr Budget einplanen als fürs Festland. Im Dschungel konnte ich auch viele Tiere sehen und hatte eine unvergessliche Zeit. Ich würde beides sofort wieder machen.
Leider hatte ich nur eine sehr kurze Zeit zum reisen. Ich würde empfehlen, sich nach dem Praktikum noch mindestens drei Wochen Zeit zu nehmen, damit man das Land richtig erkunden kann.

Fazit

Meine Zeit in Ecuador war unvergesslich. Ich habe viele tolle Leute kennengelernt und durfte viele neue Erfahrungen sammeln. Auch wenn ich fachlich nicht viel dazugelernt habe, würde ich es jederzeit wieder machen.


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