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Peru (IFMSA-Peru)

Gynäkologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Sarah, Brunnthal

Motivation

Eine deutlich andere Kultur zu erleben, allerdings mit der Möglichkeit durch meine Spanischkenntnisse wirkliche Beziehungen zu den Leuten vor Ort aufzubauen.

Vorbereitung

Keine spezielle Vorbereitung, keine Kurse, keine Schwierigkeiten. Ich habe mich im Nachhinein geärgert, dass ich keinen Error Fare für den Flug mehr bekommen habe. Urlaubspiraten und Tripdoo haben What's App-Verteiler über die sie euch über Error Fares und andere gute Angebote informieren.

Visum

Nach Peru kann man bis zu 90 Tagen pro Halbjahr ohne Visum einreisen.

Gesundheit

Auslandsreisekrankenversicherung über Kreditkarte abgedeckt. Reiseapotheke mit Malarone als Stand-by-Medikation gegen Malaria und Notfall-Antibiotikum, sonst typische Reiseapotheke – hab nichts davon gebraucht. Peru fordert einen Nachweis, dass man TBC-negativ ist.
Wenn man einen Aufenthalt im Urwald (Amazonas) plant, wird eine Gelbfieber-Impfung empfohlen.

Sicherheit

Die Seite vom auswärtigen Amt ist ganz hilfreich, klingt aber gefährlicher, als es sich vor Ort dann anfühlt. Unsere LEO-in und Contacts haben uns auch immer wieder darauf hingewiesen, wo Gefahren lauern, allerdings habe ich das mit der Zeit eher entspannter gesehen, als die Peruaner. Mit gesundem Menschenverstand alles halb so wild.

Geld

4 Soles entsprechen ca. 1 Euro. Ansonsten werden in den Touristen-relevanten Orten auch US-Dollar akzeptiert. Vielerorts kann mit Kreditkarte gezahlt werden (Visa wird häufiger akzeptiert als Master Card). Geld habe ich immer mit Kreditkarte abgehoben, auch wenn man dann fast immer ca. 5€ zahlt (gibt wohl auch Automaten, wo nicht). Preise in Peru viel günstiger: Mittagsmenü für 10 soles, 1 colectivo-Fahrt in Arequipa 0,50 soles

Sprache

Offizielle Sprache in Peru ist Spanisch. Ansonsten werden Quechua und einzelne andere Lokalsprachen gesprochen. Englisch wird eher nur in den großen Städten und in Touristenzentren gesprochen. Ich habe das Semester vor meiner Peru-Famulatur in Spanien studiert und daher keinen weiteren Sprachkurs belegt (Niveau ca. B2). Voraussetzung für Famulaturaustausch ist B1 und darunter nimmt man wahrscheinlich auch wenig aus dem Praktikum mit.

Verkehrsbindungen

In Arequipa bin ich mit colectivos/combis/micros (Linien-Sammeltaxis ohne Fahrplan) durch die Stadt gefahren (0,50 soles/Fahrt). Zwischen den großen Städten kann man fliegen (etwas teurer) oder mit Bussen (günstiger, aber für die meisten Strecken mind. 10 Stunden, dafür deutlich luxuriöser, als in Deutschland) reisen. Ich hab auch einige Nachtfahrten gemacht – bei den großen, guten Linien problemlos und ungefährlich.

Kommunikation

Mein LEO-in hat mir eine peruanische SIM-Karte besorgt (30 soles, ausreichend Internet/SMS/…). In meiner Gastfamilie hatte ich WLAN für Skype o.ä. Unterwegs hat man in allen Hostels und vielen Restaurants/Bars WLAN.

Unterkunft

Wir incomings wurden vom LEO-in in peruanischen Gastfamilien von Medizinstudenten untergebracht. Ich hatte ein eigenes Zimmer und durfte alles im Haus benutzen (Küche, Bügelbrett, …). Ich durfte bei allen Mahlzeiten am Tag mitessen, habe aber auch ab und zu im KH oder der Stadt gegessen.

Literatur

Über Peru habe ich mich auf info-peru.de (gut!) und im Lonley Planet (naja…) informiert. Während der Famulatur habe ich Dinge bei Amboss nachgelesen, aber keine spanischsprachige Fachliteratur besorgt.

Mitzunehmen

Es wird (vor allem am ersten Tag!) erwartet, dass man in „formeller Kleidung“ erscheint und laut meiner contacts hätte ich nicht in Jeans kommen dürfen. Nachdem meine (extra gekaufte) schwarze Nicht-Jeans kaputt gegangen ist, bin ich dann aber doch in Jeans gegangen und es hat nie jemand was gesagt.

Reise und Ankunft

Mein Praktikum sollte zum 1. am Donnerstag losgehen und eigentlich wollte ich die Zeit zwischen meiner Landung am Sonntag und Donnerstag zum Reisen nutzen, aber der LEO-in hat mich gebeten am Dienstag in Arequipa anzureisen. Also habe ich nur 3 Tage in Lima verbracht und bin dann nach Arequipa geflogen. Dort wurde ich von ca. 10 Leuten (Gastmama + 4 Gastgeschwister, LEO-in und weitere IFMSA-Peru-Leute) mit Blumen und Willkommensplakat begrüßt. Leider hat mein Praktikum, dann doch erst am Freitag beginnen sollen, was wegen Streik in der Belegschaft dann auf Montag verschoben wurde – ich hätte also noch deutlich mehr Zeit zum Reisen haben können. Die Zeit bis dahin habe ich mit diversen Stadtführungen durch die IFMSA-Leute und das Wochenende mit einem anderen incoming und dessen Gastfamilie am Strand verbracht.
Am Montag wurden wir dann von unseren contancts und dem LEO-in ins Krankenhaus begleitet und dort von einer Verwaltungsangestellten der Universidad catolica (meine Austausch-Uni) theoretisch unseren Tutoren (Oberärzten) vorgestellt. Leider war mein Tutor natürlich gerade nicht auf Station, sodass ich das typische verlassen-auf-Station-rumstehen hatte bis ich einen Assistenzarzt zum hinterher laufen gefunden habe.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war zwei Wochen in der Geburtshilfe und zwei Wochen in der Gynäkologie. Der erste Tag war typisch-wirr, aber innerhalb der ersten Tage konnte ich mich ganz gut einfinden. Mein Arbeitstag ist immer um 7.00 Uhr losgegangen. Ab 13.00 Uhr durfte ich offiziell jederzeit gehen (theoretisch auch schon früher), ich bin aber häufig auch noch geblieben. Der Tag hat immer mit einer Fortbildung und anschließender Morgenbesprechung begonnen. Danach 1-2h Visite. Die restliche Zeit Aufnahmen und Untersuchungen. Häufig wurde ich mit in den OP genommen für Kaiserschnitte (2. Assistenz). Bei den gynäkologischen OPs, durfte ich häufig nur zuschauen, sodass ich das eher weniger gemacht habe. Um bei vaginalen Geburten dabei zu sein, musste ich eigeninitiativ nachfragen ob gerade eine Patienten im Kreissaal ist.
Blutabnahmen und Vigos legen ist Schwesternaufgabe, dafür durfte ich viele Patienten aufnehmen, untersuchen (Leopold-Hangriffe, vaginale Tastung, …) und habe gelernt den Schwangerschafts-Ultraschall durchzuführen. Im OP durfte ich häufiger assistieren, leider bin ich nie zum Nähen gekommen.
Meine Hauptansprechpartner waren die Assistenzärzte und PJler (internos genannt), aber auch die Pfleger und Oberärzte waren alle sehr freundlich und hilfsbereit. Es hat ein paar Tage gedauert, bis alle gemerkt haben, dass ich a) spanisch spreche (wohl nicht immer der Fall) und b) tatsächlich auch arbeiten und etwas lernen möchte (wohl auch nicht immer der Fall). Danach waren alle noch offener und motivierter mir Dinge beizubringen.
Schwierig fand ich häufig die Arzt-Patienten-Kommunikation. Zum Beispiel wurde bei einer Patientin (einige Tage über errechnetem Geburtstermin) ein Oligohydramnion festgestellt und alles, was ihr gesagt wurde war: „Sie müssen operiert werden.“ Als sie darauf hin meint, dass sie lieber keine OP hätte, meint der Arzt nur genervt, dass „sie dann halt unterschreiben müsse.“ Erst als sie fragt, warum sie etwas unterschreiben müsse, wird ihr erklärt, dass sie damit die Verantwortung für alle Risiken übernimmt. Daraufhin fragte sie, welche Risiken denn gemeint seien und erklärt, dass sie natürlich kein Risiko für ihr Kind wolle. Letztendlich wird sie also doch mit ihrem Einverständnis operiert. Das hätte man mit zweieinhalb Sätzen mehr zu Beginn des Gesprächs vielleicht auch gleich so einfädeln können…
Ich war im Krankenhaus Yanahuara – ein Krankenhaus der Versorgungsstufe III, das für alle Arbeitnehmer zuständig ist. Diese „Arbeitnehmer“-Krankenhäuser stellen das Mittelmaß in Peru dar. Daneben gibt es private clinicas, die ungefähr auf europäischem Standard arbeiten und hospitales publicos, die wohl sehr mit ihren knappen Resourcen kämpfen. Die Medizinstudenten in Peru haben 6 Jahre Theorie und anschließend ein praktisches Jahr, bei dem sie täglich 12 Stunden arbeiten und jede 4. Nachtschicht übernehmen müssen, ohne dafür frei zu bekommen (d.h. alle 4 Tage 36h am Stück) – daher wird das praktische Jahr dort auch als internado bezeichnet…

Land und Leute

In Arequipa hatten wir ein social programm. An einzelnen Nachmittagen haben wir ein survival training for Arequipa bekommen, die ruta del Sillar und das monasterio Santa Catalina besucht. Wichtiger Bestandteil natürlich auch das international dinner zum Abschied. Außerdem haben wir incomings uns ab und zu „privat“ getroffen, um die Kathedrale oder Museen (Museo Santuarios Andinos) zu besichtigen. Es gibt auch eine Boulder- und Kletterhalle und einige sehr nette Restaurants. Als Wochenendtrips haben wir (neben dem Wochenende am Strand) einen Wochenend-Trek im Colca-Canyon und einen Wochenend-Trek auf Chachani (einer der 3 Vulkane Arequipas) gemacht. Am Ende hatte ich noch etwas Zeit zum Reisen und bin mit einem Incoming nach Puerto Maldonado in den Dschungel und von dort alleine weiter nach Cusco.
Die Familie in der ich gelebt habe, war sehr offen und hat mich voll integriert. Mit meinem Gast-Opa hatte ich auch einige Gespräche zur politischen Situation (der Präsident ist während meines Aufenthalts aufgrund von Korruptionsvorwürfen zurück getreten). Die Korruption ist wahrscheinlich aktuell das größte Problem der Peruaner. Wirtschaftlich sieht man eine deutliche Schere zwischen arm und reich – wobei man als Gast bei Medizinstudenten eher die Sonnenseite kennenlernt. Ich habe Hunter (einem peripheren Stadtteil Arequipas) gewohnt, wo man als „Gringa“ (Weiße) ziemlich auffällt. Die meisten Leute gucken „unauffällig“, und grüßen freundlich zurück, wenn man sie anspricht. Etwas mürrisch sind die colectivo-Schaffner, aber wenn man nach einer Station fragt, zu der sie auch fahren, dann bekommt man ein „si“ und mehr braucht man ja auch nicht ;)
Das Essen ists sehr lecker und wenn man etwas sucht, findet man auch als Vegetarier immer was. Zwei gute Restaurants in Arequipa mit vegetarischen Mittagsmenüs für 10 soles sind „El Veggie“ und „Omphalos“.
Ich wurde wunderbar in meine Gastfamilie aufgenommen und wurde bestens versorgt! Fast ein bisschen zu gut („Bist du sicher, dass du da alleine hin willst? Das ist gefährlich…“), aber nach einiger Zeit konnte ich mir meine Freiheiten „erkämpfen“ und mir ist keine einzige gefährliche Situation begegnet. Die Peruaner sind insgesamt sehr gastfreundlich und offen (mich hat ja eben auch die Gastfamilie eines anderen incomings mit auf ihren Wochenend-Trip genommen) und auch alle IFMSA-Peru-Leute, die wir kennen gelernt haben waren super hilfsbereit und immer lustig.
Beim Reisen am Ende hätte ich gerne noch ein bisschen mehr Zeit gehabt. Allein in Cusco und Umgebung hätte ich locker 2 Wochen bleiben können mit Trekking und Valle Sagrado und und und…

Fazit

Meine Erwartungen wurden erfüllt und übertroffen! Ich würde jederzeit wieder mit der bvmd nach Peru fahren und kann mir auch vorstellen irgendwann nochmal dorthin zu fahren, um die „fehlenden“ Sehenswürdigkeiten nachzuholen. Arbeiten möchte ich – zumindest langfristig – eher nicht in Peru: alleine schon nicht in der Muttersprache zu praktizieren empfinde ich als anstrengend, außerdem haben die Peruaner recht lange Arbeitszeiten und die bisweilen schwierige Arzt-Patienten-Beziehung würde mich auch stören.
Die Erfahrung lohnt sich auf jeden Fall! Ich würde mich immer wieder bewerben :)

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