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Thailand (IFMSA-Thailand)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Miriam, Würzburg

Motivation

Ich wollte ins Ausland gehen, um einmal über den Tellerrand des deutschen Gesundheitssystems hinauszuschauen. Außerdem mag ich es, mit Menschen anderer Kulturen in Kontakt zu kommen. Da mich Asien schon immer besonders fasziniert hat, war für mich schnell klar, dass ich für meine Famulatur in ein asiatisches Land reisen möchte.

Vorbereitung

Für meine Famulatur habe ich keine speziellen Vorbereitungskurse besucht, allerdings habe ich mich im Internet über das Land und die Kultur informiert.
Organisatorische Fragen konnte ich zum Glück sehr einfach per Mail mit meinem Ansprechpartner vor Ort klären.

Visum

Für eine Famulatur in Thailand muss man das Non-Immigrant-Visum ED beantragen. Das Verfahren war sehr unkompliziert - ich konnte in der Botschaft auf die Ausstellung des Visums warten und es danach gleich mitnehmen. Allerdings sollte man beachten, dass das Visum nach Ausstellung nur für 3 Monate gültig ist. Daher nicht zu früh beantragen!

Gesundheit

Ich habe mich bei der reisemedizinischen Beratung informiert und mich auch dementsprechend impfen lassen (Typhus, Japanische Enzephalitis, Tollwut und Meningokokken ACWY). Eine kleine Reiseapotheke mit dem Wichtigsten und Moskito-Spray sollte man auf jeden Fall dabei haben. Auch ein bisschen Desinfektionsmittel für unterwegs kann ich empfehlen. Spezielle Untersuchungen wurden von mir nicht verlangt. Eine Auslandkrankenversicherung hatte ich sowieso schon, sonst hätte ich aber auf jeden Fall eine abgeschlossen.

Sicherheit

Thailand ist ein sicheres Land, ich habe mich dort in keiner Situation unsicher oder bedroht gefühlt. Die Menschen sind unglaublich freundlich und haben mir in vielen Situationen sehr weitergeholfen.
Nur im Straßenverkehr habe ich mich das ein oder andere Mal etwas unwohl gefühlt. Gerade die Fahrer von Minivans scheinen ihren Van mit einem Rennwagen zu verwechseln und auch das Überqueren einer mehrspurigen Straße wird schnell zu einem kleinen Abenteuer….

Geld

Die Währung in Thailand sind Baht. Leider muss man um Geld am Automaten abzuheben eine recht hohe Gebühr bezahlen (ca. 6€). Wie ich am Ende meiner Reise von anderen Reisenden erfahren habe, kann man diese wohl umgehen, indem man zu einem Bankschalter geht und dort sein Geld abhebt (ich hatte allerdings keine Möglichkeit mehr, das selbst auszuprobieren). Eine andere gute Alternative ist, Geld mitzunehmen und vor Ort zu wechseln.
Die Preise sind im Vergleich zu Deutschland viel niedriger.

Sprache

Die Landessprache ist Thai. Leider können die allerwenigsten Patienten Englisch, sodass es sehr schwierig ist, mit ihnen zu sprechen und sie allein zu untersuchen. Wenn man nicht gerade selbst Thai spricht, ist es daher kaum möglich, selbstständig Aufgaben zu übernehmen. Dessen sollte man sich unbedingt bewusst sein!
Ärzte und Studenten (sowie einige wenige Krankenschwestern) sprechen aber meist recht gutes Englisch, haben allerdings manchmal auch einen sehr gewöhnungsbedürftigen Akzent… Die Ärzte haben für mir sehr viel auf Englisch erklärt und in den Besprechungen und Visiten die Fälle ins Englische übersetzt. Auf diese Weise kann man eine Menge mitnehmen!

Verkehrsbindungen

Günstige Flüge nach Thailand findet man für 500-700€.
In Thailand selbst ist das Reisen sehr günstig! Viele Städte sind durch Buslinien miteinander verbunden, eine schnellere Alternative dazu sind Minivans (die Fahrer sind allerdings verkorkste Rennfahrer). Auch Inlandsflüge sind recht günstig zu bekommen.
In Bangkok selbst bin ich wenn möglich mit dem Skytrain, der Fähre (kann ich nur empfehlen!) oder mit öffentlichen Busses gefahren. Mit Google Maps ist es ziemlich einfach, den richtigen Bus und die richtige Haltestelle zu finden. Auch Taxen sind viel günstiger als in Deutschland und daher ein beliebtes Mittel zur Fortbewegung. Im Vergleich zu den öffentlichen Verkehrsmitteln sind Taxen allerdings wesentlich teurer. Man sollte außerdem darauf bestehen, dass die Taxifahrer das Taximeter einschalten, da das immer günstiger ist als irgendein Festpreis. Bei mir hat das zum Glück jeder Taxifahrer ohne Widerspruch gemacht, ich habe aber auch von anderen Erfahrungen gehört…

Kommunikation

Vor Ort habe ich mir eine thailändische Sim gekauft, sodass ich überall das Internet nutzen konnte (kann ich sehr empfehlen!). Eine Sim bekommt man dort in jedem Seven Eleven. Interessanterweise gab es auf meinem Campus Eduroam, sodass ich sogar das WLAN nutzen konnte. Leider war die Verbindung in meinem Wohnheim allerdings so schwach, dass ich das WLAN dort nicht nutzen konnte und mich immer raus setzen musste, wenn ich ins Internet wollte.

Unterkunft

Die Unterkunft wurde von meiner Kontaktperson für mich organisiert. Ich habe in einem Wohnheim gewohnt und mir dort das Zimmer mit einer Ärztin aus Indonesien geteilt. Man sollte auf jeden Fall darauf achten, dass das Zimmer über eine Klimaanlage verfügt! Bei mir war die Klimaanlage am Tag meiner Ankunft defekt, in der Nacht habe ich kaum ein Auge zu bekommen… Die Ausstattung im Wohnheim selbst war okay und für 4 Wochen ausreichend. Mein Zimmer hatte ein eigenes Bad, allerdings keine Küche. Da das Essen dort sehr günstig ist, bin ich abends sowieso gemeinsam mit den anderen internationalen Studenten essen gegangen, sodass ich eine Küche auch nicht wirklich vermisst habe.

Literatur

Ich habe mich im Internet über das Land und die Kultur informiert. Spezielle Bücher habe ich dazu nicht gelesen. Zum Reisen kann ich den Lonely Planet sehr empfehlen. Medizinische Literatur habe ich nicht mitgenommen, ich konnte mich aber auch in die Bibliothek der Universität setzen.

Mitzunehmen

Unbedingt mitbringen sollte man Sonnencreme, Moskitospray und etwas Bargeld zum Wechseln (am Bankautomaten bezahlt man jedes Mal eine Gebühr). Das Allermeiste kann man auch vor Ort kaufen. Ich würde daher nicht zu viel mitschleppen und ein bisschen Platz für Souvenirs einplanen...

Reise und Ankunft

Die Reise verlief unkompliziert, am Flughafen wurde ich von zwei Studenten abgeholt. Ich habe einige Tage zwischen Anreise und Praktikumsbeginn eingeplant, was ich auch nur empfehlen kann! So kann man den Jetlag ausschlafen und sich ein bisschen eingewöhnen, bevor das Praktikum beginnt.
Auf meiner Station wurde ich vom International Relations Officer der Universität vorgestellt. Dem gingen allerdings ein ziemliches Chaos und einige Verwirrung um den Beginn meiner Famulatur voraus. Im Endeffekt begann ich meine Famulatur zwei Tage später als ursprünglich von mir geplant, was aber auch überhaupt kein Problem war.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Während meiner Famulatur war ich im Internal Medicine Department eingesetzt. Zwei Wochen habe ich davon auf der Station für allgemeine Innere (wo wirklich querbeet alles lag) gemeinsam mit einem anderen Austauschstudenten aus Japan verbracht und war danach für weitere zwei Wochen auf der Privatstation eingeteilt. Zu Beginn meiner Famulatur erhielt ich sogar eine Art „Stundenplan“, auf dem Vorlesungen und Konferenzen der Assistenzärzte vermerkt waren, zu denen ich mitgehen konnte. Die Veranstaltungen fanden zwar nicht immer laut Plan statt und waren auf Thai, es übersetze aber jedes Mal einer der Ärzte für mich ins Englische.
Auf den Stationen wurde ich sehr herzlich und freundlich begrüßt. Die Ärzte waren sehr bemüht, mir viel zu zeigen und interessante Fälle ins Englische zu übersetzen. Sie nahmen sich auch viel Zeit, um mir das diagnostische und therapeutische Vorgehen genau zu erklären. Sogar die Chefärzte waren sehr um uns internationale Studenten bemüht und erklärten während der Visiten vieles auf Englisch. Visiten gab es dort generell sehr häufig, für mich schienen einige Tage sogar nur aus Visiten zu bestehen: Visite für beatmete Patienten, Visite für Patienten mit COPD, Katheter-Visite, infektiologische Visite und natürlich noch die tägliche Stationsrunde, einmal mit dem Chief Resident und einmal mit dem zuständigen Oberarzt. Gerne wurde auch ausführlich über einige Fälle diskutiert und es war keine Seltenheit, dass bis zu acht Ärzte um ein Patientenbett herum versammelt waren, um die nächsten Schritte miteinander zu diskutierten.
Leider sprachen die Patienten nur Thai, sodass es nicht möglich war, selbständig Patienten zu untersuchen oder mit ihnen zu sprechen. Das sollte jedem bewusst sein, der nach Thailand geht! Doch obwohl ich wegen der Sprachbarriere nicht wirklich selbständig arbeiten konnte, habe ich unglaubliche viele verschiedene Krankheitsbilder gesehen und durch die Erklärungen der Ärzte auch eine Menge gelernt!
Besonders interessant waren für mich drei Vormittage, die ich in der infektiologischen Ambulanz, der Bronchoskopie und der Notaufnahme verbringen konnte.
Das Arbeitsklima im Krankenhaus war sehr entspannt, die Ärzte kannten sich sehr gut untereinander und waren zum Großteil auch noch sehr jung. Auch zu den Oberärzten herrschte meist ein sehr gutes Verhältnis, der Umgang miteinander war aber eher respektvoll. Wenn es für mich gerade nichts Interessantes zu sehen gab, wurde ich ab und zu auch für 3 oder 4 Stunden in die Pause geschickt und es war auch kein Problem, wenn ich freitags mal ein bisschen früher gehen wollte.

Land und Leute

Da die Universität in Bangkok, bzw. im Norden von Bangkok lag, bin ich natürlich oft in Bangkok unterwegs gewesen. Weil ich bis zum Stadtzentrum von meiner Universität aus mindestens eine Stunde unterwegs war (in der Rushhour noch länger), konnte ich nur die Wochenenden nutzen, um die Stadt zu erkunden. Bangkok ist eine ziemlich chaotische und laute Großstadt, die voller Gegensätze steckt. Gerade das macht die Stadt meiner Meinung nach aber auch interessant. Es gibt viele sehr schöne Tempel zu entdecken, besonders empfehlen kann ich Wat Arun und den Golden Mount. Die Aussicht von letzterem ist sehr schön! Wenn man sich die Tempel anschauen will, muss man auf angemessene Kleidung (T-Shirt, das die Schultern bedeckt, und mindestens knielange Hose/Rock) achten. Auch sollte man sich dem Ort entsprechend respektvoll verhalten, es ist wirklich traurig gewesen zu sehen, wie wenig es einige Touristen interessiert hat, dass sie sich gerade in einem Tempel befinden.
Der Große Palast und Wat Phra Kaeo sind ebenfalls wunderschön, leider aber vollkommen überfüllt. Ich bin extra früh dorthin aufgebrochen (was bei anderen Sehenswürdigkeiten sehr nützlich ist, wenn man den Besucherströmen aus dem Weg gehen will), dort war es aber auch morgens schon brechend voll. Wen viele Menschen und Reisegruppen stören, sollte sich daher gut überlegen, ob er sich den großen Palast wirklich anschauen will…
Weiterhin empfehlen kann ich den Chatuchak Markt, der nur am Wochenende geöffnet ist. Der Markt ist ziemlich groß und verwinkelt und man kann dort so gut wie alles finden. Für einen Einkaufsbummel sollte man allerdings früh aufstehen, ab dem späten Vormittag/Mittag herrscht in den kleinen Gassen ein einziges Gedränge und Geschiebe.
Von Bangkok aus bieten sich auch viele Wochenendausflüge an. Ich habe Ausflüge nach Sukhothai, Ayutthaya und Kanchanaburi gemacht, die alle wirklich schön waren. Gern wäre ich auch in den Khao Yai National Park gefahren, der mir von anderen Reisenden sehr empfohlen wurde. Dafür hat meine Zeit allerdings nicht mehr gereicht.
Nach meiner Famulatur hatte ich leider nur noch eine Woche Zeit, um in den Süden zu reisen. Auch dort ist es einfach nur wunderschön, besonders gut gefallen hat mir die kleine und touristisch kaum erschlossene Insel Koh Jum.
Die Thai sind unglaublich freundliche und hilfsbereite Menschen, die es trotz Sprachbarriere immer irgendwie geschafft haben, mich zum richtigen Ziel zu navigieren. Und nicht umsonst wird Thailand als das Land des Lächelns bezeichnet: Von überall bekommt man freundliche Blicke und ein Lächeln zugeworfen. Vorsichtig sollte man nur an sehr touristischen Orten sein, dort lauern einige Menschen, die sich darauf spezialisiert haben, Touristen mit falschen Informationen auf irgendwelche dubiosen Touren zu locken. Das ist zum Glück aber eher die Seltenheit!
Unglaublich stolz sind die Menschen auf ihren König. An jeder Ecke kann mein ein Porträt des Monarchen oder seines verstorbenen Vaters finden. Generell sind die Thai sehr stolz auf ihr Land und freuen sich sehr, wenn man ihnen etwas von seiner Begeisterung für dieses wunderschöne Land zeigt! Und so kompliziert es auch ist - zumindest ein paar Brocken Thai sollte man lernen, es hilft sehr, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, auch wenn sie ihrerseits nur wenige Brocken Englisch sprechen.

Fazit

Mir hat die Famulatur und die Zeit in Thailand unglaublich gut gefallen und ich kann es wirklich jedem nur empfehlen, dort ein Praktikum zu machen!!!
Zwar sprechen die Patienten so gut wie kein Englisch, die Ärzte nehmen sich aber viel Zeit zum Übersetzen und Erklären, sodass man trotzdem eine Menge lernt. Generell sind die Thai sehr freundlich und hilfsbereit, sodass ich mich dort von Anfang an sehr willkommen gefühlt habe. Wer noch ein bisschen herumreisen möchte, wird dort außerdem viele wunderschöne Ziele finden.

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