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Thailand (IFMSA-Thailand)

Anästhesie - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Thailand war meine erste Auslandsreise nach Asien und ich kann jedem dieses Land nur empfehlen.
Mein Ziel dieses Austausches war es einen Einblick in ein anderes Medizinsystem zu erlangen und einmal „über den Tellerrand“ zu schauen.
Ich wollte gerade nach Asien gehen, weil ich nach dem Abitur schon im Ausland in westlichen Kulturen war und nun meinen Erfahrungshorizont auf asiatische Kulturen ausdehnen wollte.

Vorbereitung

Auf den Austausch vorbereitet habe ich mich, in dem ich ein bisschen was über die thailändische Kultur gelesen habe, zum Beispiel, wie der Buddhismus dort gelebt wird und welches Essen es gibt.
Außerdem habe ich mich im Internet beim auswärtigen Amt erkundigt, welche Impfungen ich brauche und diese durchgeführt. Dafür und für die Beantragung des Visums in Essen braucht man etwas Zeit, sollte also rechtzeitig anfangen.
Kurz vor der Reise habe ich mich dann noch ein bisschen mit Medikamenten eingedeckt, vor allem aber auch, weil ich nach dem Austausch noch in Laos gereist bin, wo Medikamente nicht so einfach verfügbar sind.

Visum

Für den Austausch habe ich ein non immigrant visum beantragt. Dafür habe ich alle im Internet gelisteten Unterlagen gesammelt und bin nach Essen gefahren, innerhalb von einer Stunde habe ich dort ohne Probleme mein Visum erhalten.

Gesundheit

Vor der Reise habe ich wie oben beschrieben die vom auswärtigen Amt empfohlenen Impfungen durchgeführt. Außerdem habe ich mir eine Reiseapotheke zugelegt (Loperamid, Antibiotika, Ibuprofen, Pflaster und ein paar Cremes gegen Pilzinfektion, gegen Juckreiz und auch noch MCP), ich denke aber dass das für Thailand nicht unbedingt nötig ist, da man zur Not diese Dinge auch im Krankenhaus bekommt. (Loperamid schon zu haben gibt einem aber vielleicht ein sicheres Gefühl

Sicherheit

Khon Kaen, insbesondere das Campusgebiet ist sehr sicher. Auch nachts bin ich alleine unterwegs gewesen, wenn ich auch versucht habe möglichste wenig alleine unterwegs zu sein, was nicht schwer war, weil mich eigentlich immer jemand nach Hause gebracht hat. Downtown und vor allem in größeren Städten in Thailand ist es mitunter nicht so sicher, ich denke die größte Gefahr mögen hier, vor allem in Touristengebieten, Diebe sein. Khon Kaen dagegen ist überhaupt nicht touristisch, oftmals war ich die einzige Weiße…so dass ich dadurch manchmal angestarrt, aber nie belästigt wurde.

Geld

In Thailand wird mit Baht bezahlt, etwa 40 Baht entsprechen einem Euro. ATMs gibt es an jeder Ecke und die Lebenhaltungskosten sind vergleichsweise günstig, ein gutes Essen auf der Straße bekommt man für etwa 40 Baht. Ich habe ein bisschen was umgetauscht vor der Reise, würde aber beim nächsten Mal einfach am ATM am Flughafen abheben, das spart die Gebühren der Reisebank.

Sprache

Thai ist eine sehr schwierig zu erlernende Sprache, da die Intonation, die für uns vielleicht schonmal zu überhören ist, sehr bedeutend ist. So hat beispielsweise das Wort ma je nach Intonation fünf verschiedene Bedeutungen. Ich habe trotzdem versucht ein bisschen Thai zu lernen, nicht nur, weil es die locals unheimlich freut, wenn man es probiert, sondern auch, weil es in Khon Kaen manchmal unheimlich hilfreich war ein paar Wörter zu können. Im Krankenhaus lief die Kommunikation aber auf Englisch…mit den Ärzten.

Verkehrsbindungen

Ich bin von Düsseldorf über Helsinki nach Bangkok geflogen und dann von Bangkok nach Khon Kaen. Da Innlandsflüge in Thailand vergleichsweise günstig sind, wollte ich nicht die Tortour einer Busfahrt auf mich nehmen. Generell kann man aber auch gut mit Bussen fahren, diese sind preislich noch ein bisschen günstiger, und zuverlässig und meistens auch bequem und klimatisiert. Züge habe ich selber nicht ausprobiert, sollen aber nicht so zuverlässig sein. Bus und Zug lassen sich entweder vor Ort oder über 12goasisa.com buchen.

Kommunikation

Wie gesagt, habe ich im Krankenhaus mit den Ärzten Englisch gesprochen. Nachdem ich mich an den asiatischen Akzent gewöhnt hatte, hat das meistens gut geklappt. Wlan gibt es im Krankenhaus und auch im Dormitory und in den meisten Cafes. Das Internet sonst ist vorhanden, aber nicht immer zuverlässig.

Unterkunft

Ich habe in einem Einzelzimmer im Dormitory übernachtet, welches mir das International Office in Khon Kaen organisiert hatte. Es hatte ein eigenes Bad und war nach asiatischen Standards sehr gut. Bettwäsche war auch vorhanden und in der Küche des Dormitorys gab es einen Kühlschrank und eine Mikrowelle, die ich manchmal genutzt habe.

Literatur

Ich habe mir eine veraltete Ausgabe vom Lonely Planet über rebuy besorgt und dort die allgemeinen Infos über Thailand vorab gelesen. Die Berichte zu den Regionen jeweils kurz vor einer Wochenendreise.

Mitzunehmen

Mückenspray ganz wichtig. Am besten 30% DEET. Dieses gibt es in Thailand nur in den großen Supermärkten und dann muss man immer erst dahin fahren. Ansonsten helle, dünne, lange Kleidung und auch ein paar kurze Sachen für die Freizeit. Ein paar Medikamente und vielleicht ein kleines Gastgeschenk für die Kontaktpersonen.

Reise und Ankunft

Meine Anreise verlief problemlos. Meine Kontaktperson hat mich am Flughafen empfangen, dann haben wir erstmal was zusammen gegessen und dann hat sie mich ins Hotel gefahren, da mein Zimmer erst am Sonntag frei geworden ist. Das Wochenende über habe ich dann alleine und mit meinen Kontaktpersonen etwas unternommen und am Montag haben sie mich dann ins Krankenhaus zum internationalen Office begleitet, wo ich eine Einführung erhalten und dann auf die Station begleitet wurde.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Generell war die Arbeitsatmosphere sehr entspannt und die Leute super nett. Sowohl in der Anästhesie als auch in der Notfallmedizin habe ich meistens die „Assistenzärzte“ begleitet. Dabei haben sie sich große Mühe gegeben mir alles zu erklären und zu zeigen und mich auch möglichst viel selber machen zu lassen. Aufgrund der Sprachbarriere (es sei denn man spricht fließend Thai) empfehle ich aufjedenfall ein Fach, wo die sprachliche Kommunikation mit dem Patienten nicht im Vordergrund steht, das fördert, dass man selbstständig handeln kann. Die Fortbildungen für die Assistenzärzte habe ich auch immer mit besucht, sie waren zwar bis auf wenige Ausnahmen in Thai, aber die Folien waren meistens auf Englisch, so dass ich auch so etwas mitgenommen habe.
In der Anästhesie durfte ich intubieren üben und in der Notfallmedizin arterielle Blutgaspunktion und Aszitespunktion machen. Generell ist das Equipment etwas anders als in Deutschland, da kein Geld für die super modernen Dinge da ist. Blut abnehmen machen die Krankenschwestern. Einen Großteil der Zeit habe ich auch einfach nur zugeschaut, was die Assistenzärzte gemacht haben, dabei konnte ich immer Fragen stellen und habe viel erklärt bekommen.
Das Thailändische Gesundheitssystem sieht vor, dass jeder kostenlos medizinische Behandlung bekommen kann (also nur für die privaten Krankenhäuser muss der Patient selber zahlen). Dies zieht zur Folge, dass es sehr viele Patienten gibt, jeden Tag, da die Behandlung umsonst ist und somit die Patienten auch mit kleinere Leiden zum Arzt gehen.
Auf der anderen Seite gibt es gerade um Khon Kaen herum noch viele weit entfernte und abgelegene Gegenden, von denen der Patient lange bis zum Arzt braucht und daher häufig erst im fortgeschrittenen Zustand einer Erkrankung den Weg zum Krankenhaus auf sich nimmt.
Darüber hinaus gibt es ein erhöhtes Auftreten von Erkrankungen, die in Deutschland eher seltener sind, darunter fallen scubbs typhus, Dengue Fieber etc..
Wenn sich doch mal andere Ausländer nach Khon Kaen verirrt hatten und ins Krankenhaus mussten, wurde ich immer gerufen, um mit bei der englischen Kommunikation zu helfen. Einmal war auch eine andere Deutsche da, welche sehr erleichtert war, mich im Krankenhaus anzutreffen.
Für Thailänder ist gutes Essen sehr sehr wichtig, so kam es, dass ich fast überall wenn ich neue Leute kennengelernt habe, erst einmal zum Essen eingeladen wurde.
Außerdem sind die meisten eher schüchtern, so dass ich mich am Anfang gewundert habe, warum sie nicht mit mir reden. Im Nachhinein hat sich rausgestellt, dass sie Angst hatten ihr Englisch sei zu schlecht und ich würde sie nicht verstehen.

Land und Leute

Die Ärzte haben mich sehr dazu ermutigt an den Wochenende und an freien Tagen das Land zu bereisen und zu erkunden, was ich nur empfehlen kann. In Khon Kaen selber gibt es nicht viele Sehenswürdigkeiten. Es gibt ein paar schöne Nationalparks in der Nähe, um diese zu erreichen braucht man aber ein Auto und sollte auch nicht alleine fahren und dann noch ein paar süße Dörfchen und ein großes Dinosauriermuseum, weil es viele Fossilienfunde in der Gegend gab.
Die Stadt selber hat ein paar schöne Tempel (den mit den neun Stockwerken kann ich sehr empfehlen, weil er einen super Ausblick bietet) einen See (der zur Zeit aber mit Bauarbeiten geschmückt war) und ein super schönes Campusgelände mit viel Natur bei der Faculty of Agriculture.
Darüber hinaus gibt es Downtown eine riesen große und moderne Shoppingmall, auf die alle sehr stolz zu sein scheinen.
An den Wochenenden bin ich sowohl nach Bangkok, Chiang Mai, als auch an den Strand in Ao Nang im Süden von Thailand geflogen und kann alle Orte sehr empfehlen.
Bangkok ist sehr groß, laut und dreckig, aber gerade in den Randgebieten kann man schöne Gegenden finden und es gibt viel zu sehen.
Chiang Mai ist Thailands zweitgrößte Stadt mit super vielen Tempeln und Studenten umgeben von Bergen. Hier lohnt es sich aufjedenfall den Elefantenpark (elephantnature) zu besuchen. Dieses non-riding non-profit Sanctuary war eines meiner Hihglights meiner kompletten Reise.
Der Strand von Thailand ist super schön, weiße Strände, blaues Wasser und ganz viel Sonne. Allerdings auch jede Menge Touristen und gerade in der Hauptsaison ist es schnell überfüllt.
Als weiteres Ziel in Thailand kann ich Sukhothai empfehlen. Sukhothai hat einen historischen Park voller Khmer Ruinen und bietet das perfekte Ausflugziel für eine kleine Fahrrad- oder Motorradtour.
In meiner freien Zeit unter Woche habe ich mich häufig mit den Ärzten zum Abendessen getroffen oder auch um ein bisschen Sport zu machen. Wie schon gesagt, es sind alle super nett und wenn sie Zeit haben, unternehmen sie auch alle gerne was mit einem.
Dabei fande ich es wirklich interessant wie wichtig das Essen für Thais zu sein scheint. Meistens haben sie mich in ein Restaurant eingeladen, wenn ich sie kennengelernt habe. Besonders weil ich Vegetarierin war, war die Wahl des Restaurants nicht immer einfach, so konnte es schonmal passieren, dass sie zwei Stunden darüber diskutiert haben in welches Restaurant wir zum Essen gehen sollten. Wenn wir dann das zweite Mal zusammen essen gegangen sind, wollte ich häufig hilfreich sein und habe, wenn ich das Essen beim ersten Mal gut fande, gesagt, dass ich dort gerne wieder hingehen würde. Dies war aber meistens nicht mit der Vorstellung der Thailänder in Einklang zu bringen, es schien mir fast so, als wäre es peinlich einen Gast zweimal ins gleiche Restaurant einzuladen, so dass häufig wieder neu überlegt wurde, in welches Restaurant man gehen könnte.

Fazit

Ja, ich würde auf jeden Fall wieder nach Thailand reisen und werde es wahrscheinlich auch tun. Die Gastfreundschaft dort hat mir super gut gefallen und hat mich inspiriert hier auch mal anzuhalten, zuzuhören und ggf meinen Tagesplan zu ändern, wenn ein Fremder in meinem Land Hilfe braucht.

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