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Atahualpa (Ecuador)

Intensivmedizin - SCOPH (Public-Health Austausch)
von Felix Maximilian, Düsseldorf

Motivation

Ich wollte gerne eine Famulatur in Ecuador machen, da ich eine Famulatur mit Reisen verbinde und so nicht nur im Bereich der Medizin etwas von der Famulatur mitnehmen kann, sondern viel mehr: Eine andere Kultur, Sprache, Freunde, großartige Erlebnisse, ein anderes Gesundheitssystem sowie eine andere Art Medizin zu machen, die meinen Horizont erweitert.
Die Wahl fiel auf Ecuador aufgrund der Kombination aus Sprachkurs und Famulatur, sowie aufgrund Ecuadors Vielfältigkeit.

Vorbereitung

Zur Vorbereitung gehört die Bewerbung bei der BVMD auf das Projekt.
Ansonsten muss man nicht viel organisieren, man bekommt ein Willkommensschreiben in dem der Ablauf grob geschildert wird und ich war direkt damit einverstanden und musste nichts nachorganisieren. (2 Wochen Sprachkurs und Unterkunft bei einer Gastfamilie, danach 4 Wochen Famulatur und Unterkunft in einer Studentenwohnung (WG)).
Dann heißt es Flugdaten mitteilen und Klamotten für das Krankenhaus besorgen(Kittel/Kasacks), Gastgeschenke und Rucksack packen und los geht es.
Man braucht nicht alles ganz genau im Voraus zu organisieren, es fügt sich alles vor Ort.

Visum

Für bis 90 Tage Aufenthalt kein Visum nötig (deutscher Pass).

Gesundheit

Eine Gelbfieberimpfung hatte ich schon, empfehle ich aber für Ecuador, da für das Amazonasgebiet Impfpflicht besteht, genauso empfehle ich eine Impfung zum Schutz vor Tollwut (wilde Hunde), Typhus und Meningitis.
Ansonsten reicht eine gewöhnliche Reiseapotheke, alles Nötige gibt es in zahlreichen sehr gut ausgestatteten Apotheken vor Ort.

Sicherheit

In Quito, generell in Städten, bei Gedränge und in Bussen sollte man auf sein Gepäck und Taschen achten, es empfiehlt sich die Taschen nach vorne vor der Brust anstatt auf dem Rücken zu tragen.
Sobald es dunkel ist sollte man nicht mehr alleine rumlaufen und eher ein Taxi nehmen und sich generell in Quito über die Sicherheitslage der jeweiligen Stadtviertel erkundigen, exzellente Information gibt es in der Sprachschule.
Mir ist nichts passiert in Ecuador.

Geld

In Ecuador wird mit dem USD gezahlt, es gibt überall immer wieder einen Geldautomaten, an dem man problemlos USD abheben kann mit einer Kreditkarte.
Auch die Kosten für den Sprachkurs und die Unterkunft würde ich in bar vor Ort bezahlen, da eine Überweisung von ungefähr 1000 USD nach Ecuador von einem deutschen Konto um die 30-40 € Gebühren kostet.
Man muss dann halt einmal mit dem ganzen Geld vom Automaten zur Sprachschule laufen.
Ein Almuerzo (3 Gang Mittagessen mit Saftgetränk) bekommt man für 2,5$ und eine Busfahrt in Quito kostet rund 0,25$.
Ich empfehle die großen 20$ Scheine aus dem Automaten bei Käufen zu verwenden, wo man erwartet, dass sie wechseln können (Supermarkt, Busticketverkauf, usw.) um Kleingeld für den Bus und kleinere alltägliche Käufe zur Hand zu haben.

Sprache

In Ecuador wird Spanisch gesprochen und es ist notwendig um zurechtzukommen. Ein wenig Basics sind sicherlich vorab sinnvoll, ich habe es ohne geschafft.
Nach 2 Wochen Sprachkurs habe ich sehr viel verstanden und kam in der Famulatur zurecht, einem kommen die guten Lateinischen/ Griechischen Kenntnisse entgegen, die im spanischen auch Fachsprache sind.

Verkehrsbindungen

Ich bin mit dem Flugzeug nach Quito gekommen und habe mich in dem Land mit Bussen fortbewegt. Das ist das gängigste und bis auf das Taxi einzige Verkehrsmittel.
Man muss sich über die Routen der Busse erkundigen und kann eigentlich immer ein und aussteigen wo man möchte.

Kommunikation

An öffentlichen Orten und in der Sprachschule sowie in Unterkünften gibt es WLAN , ich habe mir zusätzlich eine Simkarte für 5$ (Claro) gekauft und kam mit 30$ Guthaben gut in 7 Wochen aus.
Deutsche Handys haben problemlos funktioniert.

Unterkunft

Die Unterkunft ist meist am Anfang sprachkursbegleitend bei einer Gastfamilie oder in einer Studenten WG, in der du alles hat was man braucht.
Man kann gut mit Martha (Leiterin der Sprachschule) andere Wünsche besprechen.
Ich wohnte erst in einer super lieben und tollen Gastfamilie etwas außerhalb und bin dann zur Famulatur in das Apartment der Sprachschule gezogen.

Literatur

Ich habe einen Reiseführer über Ecuador im Gepäck gehabt und eine Spanisch App auf dem Handy, sowie Amboss als App.
Vor Ort empfehle ich das lesen der Zeitung zB. El Comercio.
Ich hatte einen Herold dabei, brauchte ihn aber nicht.

Mitzunehmen

• Gastgeschenk für die Gastfamilie
• Geschenk für den Arzt/ das Krankenhaus
• Kittel/Kasacks
• Stromstecker
• Wandersachen
• Sonnenschutz
• Warme Jacke und Regenfest
• Ecuador liegt sehr hoch in den Anden und Quito liegt auf 2850m fast direkt am Äquator, dementsprechend stark ist die Sonne auch an bedeckten Tagen und auch das Wetter kann sich sehr schnell ändern und in der Regenzeit regnet es in der Regel einmal stark am Tag.
• Alle Produkte die zur Kategorie Kulturbeutel zählen sind sehr viel teurer, daher empfehle ich ausreichend Vorrat mitzubringen.
• Und was ihr sonst auch zum Reisen und Leben braucht.

Reise und Ankunft

Ich kam Sonntagabend am Flughafen in Quito an und wurde von einem Freund der Gastfamilie vom Flughafen abgeholt und ich wurde sehr herzlich von der Gastfamilie aufgenommen.
Am nächsten Morgen hat der Gastvater mich auf dem Weg zur Arbeit mit nach Quito zur Sprachschule gebracht und ich hatte direkt am ersten Tag Sprachkurs.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Meine Famulatur fand im Hospital Ingles in Quito auf der Intensivstation statt.
Der sehr freundliche, fachlich hochkompetente Dr. Miguel Llano war mein betreuender Arzt.
Die Famulatur begann um 12.30 und endete um 16 Uhr.
An manchen Tagen sahen die Arbeitszeiten etwas anders aus, da Dr. Llano auch in anderen Krankenhäusern arbeitet und man ihn dorthin begleitet was sehr interessant und spannend ist, da so der Eindruck, den man vom ecuadorianischen Gesundheitssystem bekommt viel größer ist.
Andere Ärzte und Mitarbeiter lernt man selbstverständlich auch kennen und kann jederzeit mitmachen und Fragen stellen.
Am Anfang des Tages werden gemeinsam alle neuen Patienten besprochen und vorgestellt, sowie die Neuigkeiten bezüglich der schon bekannten Patienten und neuen Untersuchungsergebnisse.
Dr. Llano erklärt überaus verständlich und gibt sich sehr viel Mühe bezüglich Fragen und der sprachlichen Schwierigkeiten.
Es herrscht ein komplett anderes Klima auf der Intensivstation als ich es aus deutschen Häusern kenne. Die Pflege und auch das ärztliche Team hat außerordentlich angemessen Zeit um sich um die Patienten sehr umfangreich zu kümmern und daher ist das Arbeitsklima ein sehr angenehmes, auch unter Kollegen verstehen sich alle ziemlich gut.
Die gute Kommunikation fiel mir als sehr positiv auf.
Praktische Aufgaben sind nicht Teil der Famulatur, die Pflege übernimmt typische Famulantenjobs. Daher beschäftigt man sich viel mit den Akten der Patienten und bespricht das Behandlungsschema, die Pathophysiologie und diagnostischen Ergebnisse bezüglich der Patienten.
Ein sehr lohnendes Gesprächsthema ist die Physiologie/Pathophysiologie und Medizin des Menschen in der Höhe, sehr interessant und relevant, da Quito auf 2850m liegt, auf diesem Gebiet ist Dr. Llano sehr bewandert.
Das ecuadorianische Gesundheitssystem lernt man auf jeden Fall kennen.
Des Öfteren kommt es auch vor, dass man Leerlauf hat, sprich alle Patienten besprochen sind und Dr. Llano mit Papierkram oder anderen Aufgaben beschäftigt ist.
In dieser Zeit kann man andere Stationen besuchen oder sich entspannen und mit Kollegen Spanisch üben.
Es wird viel auf hygienische Standards geachtet und sehr vieles gewaschen und mehrmals gebraucht bzw. fehlt, was in Deutschland nur einmal benutzt wird.
Außerdem ist es schwer zu ertragen zu sehen, wie wichtige Medikamente, Operationen und Interventionen nicht von der Versicherung übernommen werden.
Die Ausstattung der Intensivstation würde ich als sehr gut beschreiben.
Schade, dass man nichts Praktisches machen und lernen kann, dafür aber sicherlich sehr interessant und lohnenswert, dass der Horizont mit einem anderen Gesundheitssystem und ärztlichen Stil erweitert wird, abgesehen von dem Land Ecuador und der Leute dort die man neben der Famulatur kennenlernt.

Land und Leute

An den Wochenenden und am Ende der Famulatur hatte ich Zeit durch das Land zu wandern, wortwörtlich da es schier unglaublich viele Wandermöglichkeiten und Bergsteigerrouten gibt.
In Quito selbst war ich gefühlt in der ganzen Stadt unterwegs, man kann super vor der Famulatur, oder nach dem Sprachkurs vieles machen.
Außerdem sind Tages Ausflüge von Quito aus gut zu machen nach Papallacta(heiße Thermen) oder Mitad del Mundo(Äquator mit Denkmälern und Museen).
Ein erster Trip führte mich nach Banos, coole Stadt am Übergang Sierra-Oriente, wo ich viel in atemberaubender Natur wandern war und in heißen Vulkanthermen baden war.
Dort kann man noch viele weitere Abenteueraction erleben von Bungee-Jumping über Rafting bis zum Extremschaukeln.
In Otavalo und drum herum habe ich Wasserfälle, einen Markt und die wunderschöne Lagune von Cuicocha besucht.
In Quilotoa, einem wunderschönen Andendorf, bin ich um die Lagune gewandert und bin auf dem Kratersee Kanu gefahren.
Einen Trip in den Dschungel kann ich sehr empfehlen, sowie wenn das nötige Kleingeld vorhanden ist einen Trip auf die Galapagos Inseln.
Es gibt noch viele andere tolle Ziele in Ecuador!

Die Leute in Quito sind sehr nett und hilfsbereit, wenn es mal sprachliche Probleme gibt, sind sie sehr geduldig und bemüht. Bei Leuten, die etwas verkaufen wollen sollte man ungefähr wissen was der wirkliche Preis ist um eine Verhandlungsbasis zu haben.
Mir ist öfter passiert, dass ich klar und deutlich etwas gesagt habe, was überhaupt nicht wahrgenommen wurde, sodass ich bestimmter aufgetreten bin und öfter nachgefragt habe um sicherzugehen, dass die Kommunikation klappt, das Problem hierbei war nicht die Sprache, es war eher der Fall, dass das gewöhnliche angenommen wurde und nicht das genau gesagte. Mit zunehmender Sicherheit in der Sprache fiel das Problem weg.
Zum Thema Kulinarik kann ich nur sagen: Unglaubliches Obst Angebot, ich werde definitiv die Mango zwischendurch vermissen. Es gibt viel Reis mit Huhn in verschieden Kombinationen zum Mittagessen, dazu immer eine Suppe. Das Selbstkochen war eine gute Abwechslung.
Das Land hat eine unglaubliche Vielfalt mit den 3 geographischen Abschnitten der Costa, Sierra und dem Oriente: Küste, Strand und Meer, dann weiter östlichen die Anden mit fantastischen Möglichkeiten zum Wandern und Bergsteigen und spektakulären Vulkanen und dann der Amazonas mit Flüssen und Urwald.
Im Dschungel ist die Flora und Fauna einfach unglaublich, ich empfehle sehr einen Besuch in der Forschungsstation Jatun Sacha bei Tena.

Fazit

Ecuador ist ein tolles Land mit sehr liebenswerten Menschen, ich würde sehr gerne wiederkommen.
Am Ende war ich überrascht wie gut das Spanisch lief und bezüglich der Famulatur kann ich sagen, überarbeitet habe ich mich nicht, ich habe einiges gelernt, wenn auch nichts Praktisches, dafür Theoretisches und Gesundheitspolitisches.
Bezüglich der Sprachschule Atahualpa kann ich nur sagen, dass das Angebot für ecuadorianische Verhältnisse sehr teuer ist (Wohnen, Abholung vom Flughafen, Kulturprogramm und Sprachkurs), dafür man sich nicht um viel kümmern muss.
Daher muss man Abwägen, ob man den Preis bezahlt oder selbst alles organisiert, das war mir vor der Famulatur nicht bewusst.

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