zurück

Radiologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Jana, Dallgow-Döberitz

Motivation

Ich wollte unbedingt nach Quebec um eine Famulatur in einem französischsprachigen Gebiet zu machen, um weiterhin mit meinem Französisch in Übung zu bleiben. Kanada soll ein sehr gutes Gesundheitssystem haben mit einer tollen Lehre, welches ich mir einmal persönlich anschauen wollte. Gleichzeitig bietet Kanada unglaublich schöne Reisemöglichkeiten, von denen ich nach meinem SCOPE Praktikum natürlich auch profitieren wollte.

Vorbereitung

Für die Bewerbung muss man lange Zeit vorher planen, da man sich bei der Bvmd eine Austauschsaison früher bewirbt, als normalerweise üblich. Eine Famulatur darf in Kanada nur ein „final year student“ absolvieren, d.h. man kann sie erst nach dem 9. bzw. 10. Fachsemester machen.
Die Bewerbung für eine Famulatur in Montreal ist sehr aufwendig. Man durchläuft verschiedene Etappen bei der Bewerbung und muss gefühlt eine Millionen Dokumente einreichen. Es wurden von mir verlangt: Ein Schreiben des Dekans meiner Fakultät, ein Motivation letter, ein CV, Evaluationen von mindestens 3 bereits abgeleisteten Famulaturen, alle meine Noten der Uni, ein Impfnachweis, beglaubigte Kopien meines Reisepasses und Personalausweises, Fotos, ein Sprachnachweis, ein Versicherungsnachweis und eine medizinische Untersuchung von einem bei der kanadischen Botschaft registrierten Arzt. Die Dokumente müssen selbstverständlich alle auf Französisch sein.
Ich war jedoch trotzdem wild entschlossen eine Famulatur im französischsprachigen Teil Kanadas zu absolvieren und habe die bürokratischen Hürden auf mich genommen. Jedoch sollte man sich gut überlegen, ob man das wirklich will. Es war sehr aufwendig und leider ist Kanada auch nicht das günstigste Land zum Leben und Reisen.

Visum

Glücklicherweise braucht man, um eine Famulatur in Kanada zu machen, kein spezielles Visum. Es reicht das eTA = electronic travel authorization mit dem auch jeder Tourist nach Kanada einreist. Es stellt das Pendant zum ESTA für die USA dar. Innerhalb von 10 Minuten lässt sich das eTA bequem online beantragen und man zahlt dafür 7 CAD.
Einen Weg zur Botschaft konnte ich mir damit ersparen.

Gesundheit

Um in Kanada im medizinischen Gesundheitssystem arbeiten zu können, muss man sich von einem kanadisch zertifizierten Arzt in Deutschland untersuchen lassen. Das ist leider sehr nervig, da es momentan nur 7 solcher Ärzte in Deutschland gibt (glücklicherweise auch eine Ärztin in Berlin). Dort wird eine Anamnese, körperliche Untersuchung, ein Sehtest und eine Blutuntersuchung gemacht. Auch ein Röntgen-Thorax ist notwendig und die Ärztin akzeptierte auch nicht mein aktuelles Röntgen-Thorax von einem anderen Arzt. Für diese Untersuchung musste ich 260€ in bar bezahlen.

Sicherheit

Bezüglich der Sicherheit hatte ich für Kanada keine Bedenken und habe dementsprechend auch keine weiteren Vorkehrungen getroffen. Eine Krankenversicherung und Berufshaftpflicht sollte man, sofern man noch keine hat, abschließen, bzw. sich versichern, dass diese auch im Ausland gültig sind.

Geld

In Kanada gibt es den kanadischen Dollar (CAD), der in der Zeit, als ich dort war, recht schwach war. 1 CAD entspricht ca. 65Cent. Es ist im Gegensatz zu Deutschland viel üblicher in Kanada mit Karte zu bezahlen, so dass man auch kleine Beträge mühelos mit Kreditkarte bezahlen kann. Nur in den wenigsten Fällen ging dies nicht und so ein bisschen Bargeld kann ja nie schaden. Mit meiner Kreditkarte konnte ich kostenlos von allen Automaten Bargeld abheben. Verschiedene Bankinstitute bieten diesen Service an: z.B. DÄF und die DKB.
Was mich verwunderte, war, dass man im Bus nur mit Kleingeld bezahlen kann und auch kein Wechselgeld bekommt. Ein Einzelticket kostet 3,25CAD.
Prinzipiell sind die Lebenshaltungskosten teurer als in Deutschland und man muss damit rechnen, viel Geld auszugeben. Für Essen muss man mehr Geld einplanen, als man in Deutschland ausgeben würde, allerdings kann man auch etwas günstiger beispielsweise auf bestimmten Märkten einkaufen. Insbesondere Hygieneartikel sind in Kanada deutlich teurer, so findet man z.B. kaum eine Zahnpasta unter 4-5€.

Sprache

Zwar ist Kanada ein englischsprachiges Land, die Provinz Québec ist jedoch sehr französisch geprägt. Montreal ist dabei noch die internationalste Stadt und man hat die besten Chancen mit Englisch weiterzukommen, sollte man kein Französisch sprechen. Sobald man weiter ins Umland fährt, wird man mehr und mehr Probleme haben sich ohne Französisch zu verständigen.
In Montreal leben ungefähr 80% frankophone und 20% anglophone Einwohner. Alle Straßennamen, Schilder und Aushänge sind auf Französisch. Da ich mein Praktikum an der Université de Montréal gemacht habe, habe ich die ganze Zeit französisch gesprochen. Ich habe ein Jahr in Frankreich studiert und spreche deshalb fließend Französisch. Als Vorbereitungskurs würde ich ansonsten aber jedem einen Französischkurs z.B. an der Uni oder einen medizinischen Französischkurs ans Herz legen. Gut ist auch die Lektüre „Französisch für Mediziner“ vom Elsevier Verlag. Dieses Buch hat mir in Frankreich sehr gute Dienste geleistet und hat ein tolles Abkürzungsverzeichnis hinten drin.
Das Französisch in Québec ist aber ein deutliches Kontrastprogramm zu dem Französisch, welches ich aus Frankreich gewohnt war. Sie verwenden teilweise komplett andere Wörter, wandeln Wörter ab und benutzen eine andere Satzstellung/Grammatik. Das war für mich besonders zu Beginn sehr verwirrend und ich habe einige Zeit gebraucht, um gewisse Wörter bzw. Sätze zu verstehen. Vor allem ist die Aussprache sehr gewöhnungsbedürftig, wenn man nur das französisch aus Frankreich oder Schulfranzösisch kennt. Man darf sich aber nicht schämen, immer und immer nachzufragen, wenn man etwas nicht verstanden hat.
Erstaunt war ich, wie gut die Montrealer Englisch sprechen. Alle sprechen fließend Englisch und viele sogar akzentfrei, da sie bilingual aufgewachsen sind. Wusste ich mal ein Wort nicht auf Französisch, konnte ich es auf Englisch sagen und man verstand mich problemlos. Das kann ich von Frankreich leider nicht behaupten.

Verkehrsbindungen

Von Berlin aus gibt es keine Direktflüge nach Montreal. Mit British Airways bin ich über London Heathrow nach Montreal geflogen. Für die Flüge im Februar habe ich 540€ bezahlt. Von der Billigairline WOW, die über Island fliegt, würde ich Jedem abraten. Die Flüge sind zwar deutlich günstiger (399€), allerdings kommt hinzu, dass man Gepäck extra bezahlen muss, kein Essen im Flieger und auch generell keinen Service hat. Eine meiner Freundinnen hat ihren Koffer erst 4 Tage nach Ankunft bekommen, da sie den nicht ins Flugzeug gepackt haben. Wenn man einen Anschlussflieger verpasst und niemanden als Ansprechpartner am Flughafen hat, den man Fragen kann, ist das schon ziemlich doof. Außerdem lief es letztendlich fast auf das gleiche Geld hinaus mit British Airways zu fliegen.
In Montreal habe ich mir ein Studententicket für den öffentlichen Verkehr für 50CAD gekauft. Dafür musste ich einmal in die Université de Montréal und mir einen Zettel unterschreiben lassen und dann bei der STM (société de transport de Montréal) ein Foto und die Karte machen lassen. Ein reguläres Monatsticket kostet 83CAD. Im Sommer soll das Bikesharing sehr beliebt und verbreitet sein, das kam im Winter für mich allerdings weniger in Frage.
Für das Reisen empfehlen sich Busse und Züge. Züge sind generell etwas teurer, sollen aber auch sehr bequem und angenehm zum Reisen sein. Da ich sehr kurzfristig meine Reiseroute aufgestellt hab, bin ich günstiger mit Bussen gefahren. Einige Busunternehmen sind: Greyhound-Bus, Orleansexpress und MegaBus. MegaBus bietet die günstigsten Tickets an.
Auch Carsharing, ähnlich wie Blablacar, gibt es in Quebec. Ich selbst habe damit nur gute Erfahrungen gemacht und bin mit Amigo Express von Montreal nach Quebec City gefahren. Es ist deutlich günstiger (20CAD mit Amigo Express vs. 65CAD mit Bus) gewesen und ich finde es ist eine super Gelegenheit mit den Quebecern in Kontakt zu kommen und sich auszutauschen.
Bezüglich Auto: Für einige meiner Reiseziele war ein Auto unentbehrlich. Für ca. 4 Tage ein Auto über ein Autovermietungs-Unternehmen zu mieten, hätte mich >200€ gekostet. Es kommen viele Extragebühren hinzu: Zuschlag für junge Fahrer, für eine bestimmte Anzahl an Kilometern, fürs Tanken, etc. Eine Freundin hat mir den Tipp gegeben, über „Turo“ ein Auto zu mieten. Das ist eine Art Airbnb für Autos, d.h. Privatpersonen stellen ihr Auto ins Internet, das man sich für bestimmte Tage mieten kann. Das habe ich gemacht und keine Probleme damit gehabt. Für die 4 Tage habe ich 100 CAD bezahlt, macht also einen riesen Preisunterschied.

Kommunikation

Montreal hat viele Orte an denen es kostenloses WiFi gibt. Um jedoch auch mobiles Internet zu haben, habe ich beschlossen mir eine kanadische Simkarte zu kaufen. Für Nicht-Residents ist das sehr teuer, da es keine Tarife gibt, bei denen man nur Internet ohne Freiminuten, SMS, MMS, hat. Für eine Simkarte mit Allnetflat und gerade einmal 400MB bezahlt man 55CAD/Monat. Lediglich für Residents ist ein Vertrag nur mit Internet ohne Allnetflat möglich und so habe ich glücklicherweise über eine Freundin einen Vertrag mit 3GB für 15CAD/Monat bekommen.

Unterkunft

Die Unterkunft wurde von der IFMSA organisiert. Mir wurde vorab nur eine Adresse mitgeteilt. Meine Kontaktperson wusste leider auch nicht, um welche Art von Wohnung es sich handele. Wie wir herausfanden, handelte es sich um eine Wohnung mit insgesamt 5 Zimmern, gemeinsamer Küche und Bad. Als ich ankam, wohnten bereits 2 Chinesen in der Wohnung. Generell wohnten in dieser Wohnung nur Chinesen, da diese über eine chinesische Vermieterin organisiert war. Dementsprechend gab es auch nur chinesische Küchenutensilien und Kochzubehör. Leider bin ich mit der Wohnung sehr unzufrieden gewesen, da sie sehr dreckig war und deshalb fühlte ich mich dort auch nicht wohl und vermied es dort zu kochen. Die beiden Chinesen reisten nach einigen Tagen wieder ab und ich wusste nicht, ob ich noch weitere Mitbewohner haben werde oder nicht. Schlussendlich kam niemand mehr und ich wohnte fast die gesamte Zeit alleine in der Wohnung. Das war natürlich sehr schade, denn ich hätte gerne noch ein bisschen Kontakt zu Anderen gehabt. Außerdem war die Wohnung recht schlecht gelegen: zur nächsten Metrostation war es eine halbe Stunde Fußmarsch und so war ich immer auf den Bus angewiesen, der alle 2 Straßen anhält. Mein Zimmer an sich war groß und ausreichend ausgestattet. Ich glaube, dass ich letztendlich aber glücklicher gewesen wäre, wenn ich mir meine Wohnung selbst organisiert hätte und sie ein bisschen zentraler gelegen hätte. Vielleicht habe ich einfach ein bisschen Pech gehabt.

Literatur

Ich habe mich über Quebec und Montreal vor allem im Internet belesen. Sicherlich ist aber auch der Lonelyplanet keine schlechte Wahl. Ich habe außerdem ein bisschen in den Reiseführern von Stefan Loose „Kanada der Osten“ und von Reiseknowhow „Kanada der maritime Osten“ gestöbert.
Bezüglich medizinischer Literatur empfehle ich, wie bereits oben erwähnt: „Französisch für Mediziner“ vom Elsevier Verlag!

Mitzunehmen

Da ich Mitte Februar und dementsprechend noch im Winter angereist bin, habe ich viel Winterkleidung mitgebracht. Schlussendlich war es aber viel zu viel an warmer Kleidung, was ich mitgenommen hatte. Lieber sollte man sich auf weniger beschränken und dafür öfter waschen, um leichter reisen zu können.
Ein guter Wintermantel ist aber sehr wichtig. Er sollte winddicht, wasserabweisend und auf jeden Fall warm sein! Das Wetter in Montreal kann schnell umschlagen und ein Schneesturm plötzlich auftauchen. Für eine Huskyschlittentour, die ich noch gemacht habe, brauchte ich auch eine Skihose, sowie dicke Winterstiefel.
Nicht vergessen, sollte man einen Steckdosenadapter, der zum Glück, der Gleiche ist, wie für die USA.
Überflüssig mitzunehmen, war auf jeden Fall mein Arztkittel und mein Stethoskop. In der Radiologie braucht man kein Stethoskop und ich habe Arbeitskleidung vom Krankenhaus gestellt bekommen.

Reise und Ankunft

Ich hatte vermutet, dass es bei der Einreise einige Probleme geben würde, da ich nicht als normaler Tourist, sondern Medizinstudierende einreise, die in Kanada ein Praktikum machen möchte. Von den USA war ich große Diskussionen gewöhnt. Bei der Einreise in Kanada zeigte ich meinen Praktikumsbescheid vor und wurde ohne Diskutieren weitergelassen.
Am Flughafen wurde ich von meinem Contactperson und zwei seiner Freunde herzlich empfangen. Sie haben sogar eine Collage auf einem Tablet für mich zusammengestellt. Dann haben sie mich mit dem Auto zu meiner Unterkunft gebracht und wir sind noch gemeinsam in eine Bar gegangen. Der Empfang war also super!
Ich bin 4 Tage vor Praktikumsbeginn angekommen und hatte so noch das Wochenende um die Stadt ein bisschen anzuschauen, bevor die Arbeit losging.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

In Montreal gibt es 2 Universitäten: die frankophone Université de Montréal und die anglophone McGill University. Da ich unbedingt noch eine Famulatur auf Französisch machen wollte, habe ich mich für die Université de Montréal entschieden.
Zu der Uni gehört ein Verband aus mehreren Krankenhäusern. Ich wurde an das CHUM eingeteilt: das centre hospitalier de l’université de Montréal. Es ist das größte und neueste Krankenhaus in Montréal und wurde erst im Oktober 2017 eröffnet. Nach und nach sind die einzelnen Stationen in das Krankenhaus eingezogen und erst im Januar 2018 sind die letzten Stationen komplett umgezogen. Es war also eine super Erfahrung für mich in ein so neues und modernes Krankenhaus zu gehen. Bereits von außen beeindruckt die riesen Glasfassade und der Hochhausgebäudekomplex. Ich muss ehrlich sagen, dass ich nicht das Gefühl hatte ein Krankenhaus zu betreten, als ich das erste Mal hineingegangen bin. Alles ist sehr weitläufig, modern und schick eingerichtet. Es ist echt riesig und man kann sich leicht verlaufen. Die Auskunft hilft einem aber immer sehr freundlich weiter.
Ich habe leider nur meinen 5.Wunsch in der Radiologie bekommen, muss aber sagen, dass ich letztlich super glücklich damit war. Ich wusste, dass ich in der interventionellen Radiologie sein werde, viel mehr aber auch nicht. Zwar war die Organisation der gesamten Famulatur sehr strikt und durchgeplant, aber irgendwie hatte jemand mir vergessen, die wichtigsten Informationen, nämlich wann und wo ich am ersten Arbeitstag erscheinen solle, zukommen zu lassen. Also bin ich in das Bureau de l’einseignement, von denen ich vorab viel Informationsmaterial bekommen hatte und habe dort am ersten Tag nachgefragt. Den Damen dort tat es wirklich leid, dass man mich vergessen hat. Sie haben ein Foto von mir gemacht und mir meine Zugangskarte ausgestellt. Diese Karte braucht man, um durch viele Türen zu kommen, die man als Patient oder Besucher nicht kommen würde (u.a. für den unterirdischen Zugang, der die Metro direkt mit dem Krankenhaus verbindet!). Danach sollte ich zur Angiografie gehen. Dort wurde ich von einer sehr netten Sekretärin in Empfang genommen. Sie ist mit mir ein paar Formulare durchgegangen und führte mich anschließend herum. An einem Automaten zeigte sie mir, wie ich meine Arbeitskleidung bekomme. Ich hatte das Anrecht auf 3 Kasacks, 3 Hosen und 2 Kittel gleichzeitig. Das lief wirklich sehr unkompliziert. Außerdem wurde mir ein Spindfach mit Schlosskombination in einer Umkleide zugeteilt, in dem ich meine Sachen lagern und mich umziehen konnte. Anschließend zeigte sie mir die Cafeteria, die Radiologie, die wichtigsten Lehrräume und die Angiografie-Säle.
In der ersten Woche meiner Famulatur fühlte ich mich noch ein wenig verloren, wusste nicht wohin und hatte nicht wirklich das Gefühl, dass jemand sich für mich zuständig fühle. Insgesamt war das Ärzte- und Pflegepersonal sehr offen und freundlich und spätestens ab der zweiten Famulaturwoche waren alle Sorgen verflogen. Ich fühlte mich sehr in das Team integriert und hatte das Gefühl, alle waren sehr interessiert an einer ausländischen Studentin.
Ein normaler Arbeitstag begann um ca. 8 Uhr. Jeden Morgen gab es eine Besprechung von radiologischen Bildern für die Assistenzärte der Radiologie aus allen Bereichen. Von einem Fellow, Oberarzt oder Chefarzt geleitet, wurden verschiedenste Bilder (Röntgen, MRT, CT, ...) durchgesprochen und ich hatte das Gefühl, dabei mein nicht so sehr geübtes radiologisches Auge etwas schulen zu können. Nach 45min-1h war der Kurs vorbei und ich bin anschließend in die Angiografie-Säle. Insgesamt gab es 5 Allgemein-Angiografie- und 2 Neuroangiografie-Säle. Ich habe mir das ein oder andere Mal eine Thrombektomie in der Neuroradiologie angeschaut, allerdings fand ich es insgesamt sehr hektisch dort und fühlte mich dem anderen Team zugehöriger. Zu dem Zeitpunkt meiner Famulatur gab es 3 Fellows (aus Algerien, Marokko und Quebec), die viele Interventionen komplett alleine oder unter der Anleitung und Hilfe der Chefs („Patrons“) durchführten. Deren Aufgabenbereich umfasste viel mehr als nur die „klassischen pAVK Angiografien“ von denen man anfangs vielleicht ausgeht. Sie führten u.a. folgende Interventionen durch: Chemoembolisation, Behandlung von AVM, Stents, Ballondilatationen, Cholangiografien/-drainagen, Nephrostomien, Portkatheter, Anlage von Dialysekathetern, ZVKs, PICC-Lines, u.v.m. Ich durfte bei eigentlich allen Interventionen, bei denen ich wollte, assistieren und mich mit einwaschen. Am Anfang war ich natürlich noch ganz schön überfordert mit den verschiedenen Kathethern und Systemen und hatte das Gefühl eher eine Last zu sein. Das legte sich aber schnell, da ich mich schnell einarbeitete und oftmals wurde dann nach meiner Hilfe gefragt. Ich habe mich also sehr nützlich gefühlt und die chirurgische Arbeit macht mir auch sehr viel Spaß.
An mehreren Tagen die Woche gab es mittags eine interdisziplinäre „Réunion“ mit Ärzten aus verschiedenen Fachabteilungen. So gab es z.B. eine Réunion hépato-gastro mit den Gastroentereologen und Radiologen. Dort bringt jeder sein Lunch mit und nebenbei werden auf einem Beamer radiologische Befunde gezeigt und die Patienten besprochen. Besonders interessante oder schwierige Fälle werden dort gezeigt und daher bin ich gerne zu diesen Reunions gegangen.
Ein Arbeitstag ging meistens so bis ca. 17 Uhr. Ich bin sogar mal einen Tag bis 19:30 geblieben. Sicherlich hätte ich auch einfach früher gehen können, wenn ich gefragt hätte. Mir hat die Arbeit aber irgendwann echt Spaß gemacht und wollte auch zeigen, dass ich motiviert bin. Ich glaube auch deswegen haben mich die Ärzte viel praktisch arbeiten lassen.
Eine Aufgabe der Studenten dort ist es, PICC-Lines durchzuführen. Am Anfang fand ich das echt krass, dass die Studenten diese Art peripherer Venenkatheter, die zentral bis zur V.cava/Vorhofmündung vorgeschoben werden, legen. Dabei muss man schließlich auch röntgen und ich glaube in Deutschland bedarf es schon einem Röntgen-Schein, um das durchführen zu dürfen. Ich wurde aber sehr gut angeleitet, wie man einen PICC-Line Katheter legt. Sonogestützt zu punktieren ist nicht leicht und bedarf einiger Übung. Zunächst habe ich eine Olive in einer Hühnerbrust punktiert und als das gut funktioniert hat, durfte ich die PICC-Lines dann auch am Patienten legen. Am Ende der Famulatur hat das so gut geklappt, dass ich dabei keine Hilfe mehr brauchte und die PICC-Lines selbstständig durchführte.
Generell am kanadischen Gesundheitssystem hat mich das Teaching beeindruckt, das meiner Meinung stark an das US-amerikanische System angelehnt ist. Es wird sehr viel Wert auf Lehre gelegt und das merkt man überall im Krankenhaus. Interdisziplinäres Arbeiten ist dort im Alltag wirklich angekommen und ich denke davon könnte sich das deutsche Gesundheitssystem noch eine Scheibe abschneiden.
Rundum hatte ich zwar anstrengende Arbeitstage mit langen Arbeitszeiten aber eine super Famulatur, bei der ich viel gelernt habe!

Land und Leute

Montreal ist eine wunderschöne, internationale und kosmopolitische Stadt. Ich habe mich in die Stadt verliebt. Sie ist kleiner als Berlin, erinnerte mich aber oft an meine Heimatstadt. Es gibt sehr diverse Viertel, so z.B. ein portugiesisches, griechisches, italienisches, chinesisches und japanisches Viertel, in dem man entsprechende kulinarische Köstlichkeiten findet. Auf den Mont Royal, den Hausberg Montreals, sollte man auf jeden Fall, denn von dort oben hat man einen fantastischen Ausblick auf das Stadtzentrum. Das Hafenviertel ist etwas französisch angehauchter und hat einen süßen Charme. Im Plateau findet sich die etwas coolere Hipster-Zone. Viele Künstler, Franzosen und generell junge Leute haben sich dort niedergelassen. Dementsprechend gibt es viele Bars und nette Läden. Einen Ausflug zum Olympiapark mit angrenzendem Jardin botanique lohnt sich vor allem im Sommer, wenn alles schön blüht.
Nach meiner Famulatur bin ich noch 2 Wochen gereist. Ein Abstecher nach Toronto lohnt sich und von dort kann man auch einen Tagesausflug zu den Niagarafällen machen. Die Niagarafälle im Winter zu sehen war eine einzigartige Erfahrung und sie waren echt beeindruckend zu dieser Jahreszeit. Im Sommer muss dies wohl ein ganz anderes Erlebnis sein. Nach Quebec City bin ich auch für 2 Tage gefahren. Die Stadt ist viel kleiner und hat mehr europäisches Flair. Das Château Frontenac ist wirklich schön und ebenfalls sehr beeindruckend. Nach Ottawa könnte man ebenfalls noch fahren, dafür blieb mir aber keine Zeit.
Von Mitte Februar bis Anfang April ist die Zeit, in der der Ahornsirup gewonnen wird. Ein absolutes Highlight zu dieser Jahreszeit ist es in ein authentisches Cabane à Sucre (bzw. Sugar Shack) zu fahren. Das sind meist rustikale, gemütliche Holzhütten, in denen man ein leckeres Mehrgänge-Menü isst. Dabei ist dreht sich alles rund um den Ahornsirup. Gleichzeitig gibt es noch eine Hütte, in der erklärt wird, wie der Ahornsirup gewonnen und verarbeitet wird, sowie eine Bäckerei, Kutschfahrten durch den Wald und man kann gefrorenen Ahornsirup am Stiel essen = tire à neige.
In den Bergen Laurentides kann man im Winter Ski- und Snowboard fahren (im Sommer wandern) und dort habe ich auch eine Huskyschlittentour gemacht. Es war eine einzigartige Erfahrung und hat sich wirklich gelohnt.
Der Parc Omega ist ein großer Tierpark und ganzjährig geöffnet. Man findet dort fast alle typischen kanadischen Tiere und fährt mit einem Auto einen Rundgang entlang. Lässt man die Fensterscheibe etwas herunter, lassen sich Waipitis, Hirsche, Rehe und Schweine vom Auto mit Karotten füttern. Außerdem gibt es im Park Elche, Bisons, Wölfe, Schwarzbären, arktische Wölfe und Füchse, Karibous, etc. Ein Besuch lohnt sich zu jeder Jahreszeit und ich werde auf jeden Fall noch einmal im Sommer wiederkommen.

Fazit

Von Seiten der IFMSA muss ich gestehen bin ich leider enttäuscht worden, da kein Social Program angeboten wurde, die Kommunikation mit der zuständigen LEO sich als sehr schwierig und kompliziert gestaltete und ich mit meiner Unterkunft auch nicht zufrieden war.
Dennoch bin ich froh, nach Kanada gegangen zu sein. Die Famulatur hat sich sehr gelohnt, ich habe neue fachliche Eindrücke gewonnen und vieles dazulernen können. Ein so modernes Krankenhaus zu sehen war eine tolle Erfahrung und ich wurde super in das Team integriert.
Kanada ist ein fantastisches Land und den Leuten wird zu Recht nachgesagt, dass sie ein sehr freundliches, hilfsbereites und offenes Volk seien.
Zwar war die Bewerbung mehr als aufwendig und bedarf einiger Vorlaufzeit, der Aufwand hat sich aber gelohnt und für mich wird dies nicht die letzte Reise nach Kanada gewesen sein.

zurück