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FGMSA(Ghana);TB Resistance Study

Chirurgie - SCORE (Forschungsaustausch)
von Jennifer, Magdeburg

Motivation

Es gibt, meiner Meinung nach, kaum einen besseren Zeitraum, um für längere Zeit ins Ausland zu gehen als während des Studiums. Mit der bvmd hat man die Möglichkeit, günstig und sicher in einen Austausch zu starten. Für einen Forschungsaustausch gibt es nicht ganz so viele Auswahlmöglichkeiten an Zielen als für eine Famulatur. Ghana ist zu meinem Wunschziel geworden, da es englischsprachig ist, ziemlich sicher und außerdem auf einem Kontinent liegt, wo ich zuvor nie gewesen bin: Afrika. Ich bin nicht mit der Erwartung losgefahren, dort im Labor extrem viel Neues zu lernen sondern eher einen Blick über den Tellerrand zu werfen und Laborarbeit mit dem Kennenlernen von Land, Leuten und dem Gesundheitssystem dort zu verbinden.

Vorbereitung

Kurse oder Vorbereitungsseminare habe ich zuvor nicht besucht. Meiner Meinung nach ist das auch nicht nötig. Meine einzigen beiden Informationsquellen waren eine Freundin, die mir von ihrem Krankenpflegepraktikum im Nachbarland Togo erzählt hat sowie das Internet. Gute deutschsprachige Reiseführer gibt es, meines Wissens nach, nicht. Der amerikanische „Bradt“ ist sehr ausführlich, aber für Ghana-Reisen ein Muss.
Wer noch nie mit bvmd einen Austausch gemacht hat, sollte sich ganz zu Beginn des Bewerbungsprozederes durch die Website „kämpfen“ und sich eine To-Do-Liste anfertigen, um den Überblick über Deadlines etc. zu behalten. An sich ist das alles aber nicht sehr schwierig, nur zeitintensiv.

Visum

Das Visum ist bei der Botschaft in Berlin bzw. über deren Website zu beantragen. Ein normales, drei Monate gültiges Single-Entry-Visum kostet aktuell 110€, ein Eilvisum, das offiziell drei Tage Bearbeitungszeit braucht, kostet 160€. Je nach dem, wie schnell ihr alle Informationen, die für das Visum benötigt werden, wie zum Beispiel Kontaktadressen, zusammenhabt, ist es empfehlenswert, den Eilantrag zu nehmen. Wenn ihr nicht wisst, welche ZWEI Kontaktpersonen ihr im Antrag angeben sollt: Entweder eure offiziellen Contact Persons, falls ihr zwei davon habt, oder einfach irgendein Hostel, welches man schnell über eine Website buchen und anschließend wieder stornieren kann.
Die Bearbeitung meines Visums hat leider länger als angegeben gedauert. Anrufe zur Botschaft sind schwierig und die Website ist auch alles andere als selbsterklärend. Fangt damit rechtzeitig an und lasst euch nicht frustrieren. Auch zu bemerken ist, dass ihr ab der AUSSTELLUNG des Visums (und nicht ab Einreise) drei Monate im Land bleiben dürft. Deshalb sollte man das Visum auch nicht viel zu früh beantragen. Das Personal am internationalen Flughafen in Accra handelt aber auch willkürlich und unnachvollziehbar, indem es durch einen Stempel im Reisepas das Visum doch auf 60 oder nur 30 Tage verkürzt.

Gesundheit

Wichtig ist, rechtzeitig mit allen Impfungen zu beginnen. Gelbfieber ist für eine Einreise nach Ghana vorgeschrieben, der Rest ist dem Reisenden selbst überlassen. Es ist empfehlenswert, sich an einen spezialisierten Reisemediziner, und nicht nur an den Hausarzt zu wenden. Dieser kann einen auch über die passende Malariaprophylaxe beraten. Ich habe Malarone genommen und das ohne Nebenwirkungen vertragen. In der Reiseapotheke sollten verschiedene Präparate gegen Durchfall und Dehydratation enthalten sein, sowie alle anderen Standard-Mittel. Insektenschutz kauft ihr am besten direkt in Ghana. Der Supermarkt in der Nähe der Klinik in Kumasi hatte zum Beispiel welches für 12 Cedi (2 Euro), während man in Duetschland mindestens das Fünffache zahlt. Als Reisekrankenversicherung habe ich die der Deutschen Ärzte Finanz gewählt, habe sie aber nicht benötigt.

Sicherheit

Es ist empfehlenswert, sich vor der Bewerbung auf der Website des Auswärtigen Amtes über die Sicherheit in deinem Land zu informieren. Ghana ist eines der wirtschaftlich wachsenden und stabilsten Länder Afrikas. Meine Sorgen um meine Sicherheit dort waren, wie sich schnell rausstellte, unbegründet. Dieser stabile Zustand ist jedoch weniger auf die Anwesenheit von Polizei oder Militär zurückzuführen, sondern meiner Meinung nach mehr auf die Mentalität der Leute dort. Kriminalität, allem voran das Stehlen, wird in Ghana mit Selbstjustiz am Ort des Geschehens bestraft. Mehr, als dass mich auf dem Markt in Kumasi ein Verkäufer etwas fester am Arm gepackt hat, um seine Sachen anpreisen zu können, ist nicht passiert. Von Diebstahl habe ich auch nur ein einziges Mal gehört. Auch als Frau kann man sich überall allein bewegen oder allein verreisen. Hot Pants oder kürzere Kleider habe ich persönlich nicht eingepackt und hätte mich damit außerhalb des Strandes dort vermutlich auch nicht wohlgefühlt. Schlimm wäre es aus kultureller Sicht jedoch nicht gewesen.

Geld

Zahlungsmittel ist der Ghana Cedi. Momentan entspricht ein Euro etwa 5,5 Cedi. Da die Währung nicht aus Ghana exportiert werden darf, kann man sie nicht im Vorfeld gegen Euro eintauschen. Ich habe ganz einfach nur meine Kreditkarte (Visa wird öfter angenommen als Mastercard) mitgenommen, sowie etwa 200 Euro in bar für den Notfall. Empfehlenswert ist eine Kreditkarte der Apo-Bank, da die fünf Euro, mit denen die Kreditkarte bei jedem Geldabheben belastet wird, auf Antrag nach Rückkehr nach Deutschland zurückerstattet werden. ATMs gibt es in den großen Städten an jeder Ecke. Empfehlenswert ist zum Beispiel „Ecobank“, aber auch mit „No Name“-Automaten habe ich nie schlechte Erfahrungen gemacht. Für Reisen in Nationalparks oder sonstige schmal bevölkerte Regionen sollte man sich immer genug Bargeld mitnehmen, da es dort kaum funktionsfähige ATMs gibt und Bargeld dort auch in Hostels Zahlungsmittel der Wahl ist. Für ein langes Wochenende sollte man insgesamt mit 200 Euro Ausgaben rechnen.
Die Lebenshaltungkosten sind sehr gering. Für eine warme Mahlzeit zahlt man zwei bis acht Cedi, eine Busfahrt in den komfortablen Reisebussen von einer Großstadt zur nächsten zahlt man 40 bis 60 Cedi. Bei einer Nacht im Hostel muss man etwa mit 25 bis 60 Cedi rechnen.
Dafür, dass ich jedes Wochenende verreist bin und viel erlebt habe, habe ich insgesamt, mit einem Monat Leben in Deutschland verglichen, sogar noch Geld gespart.

Sprache

In Ghana spricht die Ober- und die breite Mittelschicht Englisch. Vor allem im ländlichen Raum sprechen die Menschen eher ihre ursprünglichen Sprachen, von denen es in Ghana sehr viele verschiedene gibt. Selbst in der Stadt kommt man oft mit Englisch nicht sehr weit. In Kumasi spricht man ursprünglich Twi. Im Handel gibt es ein kleines Wörterbuch hierzu, zu dem ich aber nicht unbedingt raten würde. Wenn man die Worte nach der Lautschrift dieses Buchs ausspricht, wird man eher nicht verstanden. Frag am besten Freunde in Ghana nach einigen nützlichen Floskeln, das ist sinnvoller und macht Spaß. In der Klinik wird unter dem Personal Englisch gesprochen, mit den Patienten meistens Twi. Das macht es nicht so einfach, während der Visite alles mitzubekommen. Erschwert wird die Verständigung auch noch dadurch, dass das Englisch, das dort gesprochen wird, meistens einen speziellen afrikanischen „Klang“ hat, an den man sich erst gewöhnen muss. Außerdem hatte ich den Eindruck, dass es im Krankenhaus zum guten Ton gehört, in Vorträgen oder auf Visite möglichst leise zu sprechen, was die Sache nicht einfacher machte;) Ich habe C1-Niveau und konnte mich (manchmal mit Nachfragen) doch meistens gut verständigen.

Verkehrsbindungen

Die verschiedensten Airlines verkehren regelmäßig nach Accra, der Hauptstadt. Wer rechtzeitig bucht, kann recht günstige Flüge bekommen und verdient somit nach Erhalt des Fahrtkostenzuschusses noch Geld. Von Accra gibt es entweder günstige Inlandsflüge zu den anderen Großstädten oder (was ich schöner finde), nimmt man stattdessen einen Reisebus (entweder VIP (komfortabel, fährt los wenn voll), oder STC (nicht ganz so luxuriös wie VIP, trotzdem gut, mit Reservierung, fährt zu festgelegten Zeiten los), um gleich etwas vom Land zu sehen. Man sollte sich eine Fleecejacke mit in den Bus nehmen, da es Ghanaer mit Klimaanlagen gerne übertreiben;)
Die Fortbewegung im Land funktioniert folgendermaßen: Die großen Reisebusse verbinden die Großstädte. Fahrten damit sind „teurer“, aber dafür schnell, komfortabel und sicherer. Eine Alternative sind Trotros, meist jahrzehntealte, umgebaute Kleinbusse mit Platz für ca. 15 Personen. Hier muss man sich nach Abfahrtsorten und Destinationen in der Stadt durchfragen, was aber nie ein Problem darstellte. Trotros verkehren sowohl zwischen großen Städten, als auch innerhalb der Stadt und zwischen kleinen Dörfern. Sie sind Hauptverkehrmittel für die meisten Ghanaer, während die großen Reisebusse eher etwas für die Oberschicht sind. Trotros sind sehr billig, dafür ist die Gefahr, mitten im Nirgendwo liegen zu bleiben, deutlich größer und die Unfallgefahr höher. Wo es keine Trotros gibt, findet man Taxis. Hier ist Verhandlungsgeschick gefragt. Angenehmer fand ich in den großen Städten Uber, da diese meist günstiger und die Autos neuer sind. Am besten ist es, einen Ghanaer aus dem Austauschteam zu fragen, wie man zu bestimmten Orten kommt.

Kommunikation

Gleich nach Ankunft in Ghana kauft ihr euch am besten eine ghanaische Simkarte, zum Beispiel von Vodafone, an einem der zahlreichen kleinen Stände in der Stadt. Wenn der Händler diese für euch gleich aktiviert und ihr euch am selben Stand Credit dazukauft, könnt ihr gleich loslegen. Credit für 50 Cedi (8 Euro) waren für mich mehr als genug für vier Wochen. Kauft euch am besten für einen bestimmten Anteil eures Credits ein Internet Bundle. Das ist günstiger. Ich bin mit 4 GB Internet gut ausgekommen und habe mir unterwegs viel Musik, Karten, zwei Apps und Bilder usw. runtergeladen.
Ich habe direkt über meine ghanaische Simkarte nach Hause telefoniert (günstiger als anders herum; über Whatsapp- oder Skype-Anrufe zu viele Störungen) und konnte für acht Cedi (ein bis zwei Euro) 22 Minuten sprechen.
In Kumasi hatten wir im Student Hostel W-Lan, welches aber nicht so gut war wie das mobile Internet und ich es meistens nicht benutzt habe.
Auch interessant: Eine Postkarte nach Hause benötigt etwa drei bis vier Wochen. Also am besten gleich am Anfang losschicken!

Unterkunft

Wer nach Kumasi kommt, wird normalerweise in einem der Student Hostels (Studentenwohnheime) auf dem Gelände des Komfo Anokye Teaching Hospitals untergebracht. Dort gibt es einige Zimmer, die extra für Austauschstudenten da sind, weshalb sich dort über die Jahre haufenweise Kittel, Scrubs, Handschuhe, Desinfektionsmittel, Sonnencreme, Moskitonetz usw. angesammelt haben, die nicht mehr zurück nach Deutschland mitgenommen werden wollten. Die Zimmer sind Doppelzimmer. Man teilt sich ein Bad mit einer bis drei anderen Personen. Bett, Schrank, Tisch, Stuhl, Ventillator, Kühlschrank und Wasserkocher sind in allen Zimmern vorhanden. In manchen gab es eine ganze Küche. Vorsichthalber würde ich trotzdem einpacken: Kissen, Bettwäsche, leichte Decke, Moskitonetz.
Wäsche waschen konnte man entweder per Hand selbst, oder man gab seine Wäsche bei einer der Waschfrauen ab, die man tagsüber in den Hostels trifft. Waschmaschinen gibt es keine.
Falls man irgendetwas braucht oder vergessen hat: Auf dem Markt, im Supermarkt oder der Mall findet man fast ALLES. Nur vielleicht keine Sonnencreme.

Literatur

Der englischsprachige „Bradt“ ist DAS Buch über Ghana. Deutschsprache Reiseführer sind meist viel zu ungenau. Vor der Reise hatte ich mich kaum belesen, was ich auch nicht bedauert habe, denn man bekommt sowieso das meiste vor Ort mit, bzw. hat auch noch genug Zeit, sich unter der Woche mit Weekendtrips zu beschäftigen. Google Maps war mein ständiger Begleiter, wenn ich allein unterwegs war oder Trips geplant habe.

Mitzunehmen

Wichtig (unsortiert): schicke Kleidung für die Klinik (Bluse, schöne Hose oder Kleid und Ballerinas etc.), als auch einen kleinen Rucksack, wo ihr den Arbeitstag über eure Scrubs, Wasser, etc. mit euch rumtragen könnt, da Studenten keine Möglichkeit haben, ihre Sachen irgendwo abzusellen; einen mittelgroßen Rucksack für Weekendtrips. Eine Stirnlampe (immer mal wieder nützlich), eine Powerbank, ein Steckdosen-Adapter. Euren Impfausweis zum Vorzeigen am Flughafen (hatte ich vergessen, woraufhin ich die Mitarbeiterin mit 10 Euro bestechen musste, mich passieren zu lassen), vielleicht eine zweite Kreditkarte für den Notfall. Ein oder zwei Bücher (Buchläden habe ich in Ghana nie gesehen), Sacrotan-Tücher für den Einzug ins Hostel. kleine Gesellschaftsspiele sind lustig, um manche langen Wartezeiten auf Trotros etc. zu überbrücken. Sonnencreme mit LSF 50. Ansonsten alles, was man so für einen Urlaub braucht.
Was ich besser hätte mitnehmen sollen: „schickere“ Kleidung. Die Ghanaer laufen, auch außerhalb von Klinik und Großstadt, meist eher schick gekleidet rum, womit ich nicht gerechnet hätte.

Reise und Ankunft

Nach meiner Ankunft in Accra übernachtete ich eine Nacht im „Somewhere Nice“-Hostel (sehr empfehlenswert!) um dann am nächsten Tag mit einem VIP-Bus nach Kumasi zu fahren. Meine Contact Person holte mich von der Haltestelle ab und brachte mich zum Student Hostel. Ärgerlich war nur, dass er noch Student in der Vorklinik am Hauptcampus war und deshalb keine Ahnung hatte wie alles auf dem klinischen Campus so funktioniert weshalb ich in Deutschland kaum an Informationen kam. Als ich dort ankam, wusste auch niemand von mir. Trotzdem wurde ich durch den Leiter der Austausch-AG dort herzlich empfangen und gleich untergebracht. Ich hatte schon ein schlechtes Gewissen, dass durch die Verspätung von einem Tag aufgrund von Flugverspätungen Probleme entstehen würden, doch in Ghana ticken die Uhren sowieso langsamer. Wirklich langsamer. Es dauerte dann tatsächlich noch eineinhalb Wochen, bis ich klinisch tätig werden konnte. Das Problem war, dass die Dame, die für den Forschungsaustausch zuständig ist, bei meiner Ankunft verreist und nicht zu erreichen war, aber auch niemandem von mir erzählt hatte. Der Professor, in dessen Institut mein Austausch hätte stattfinden sollen, war ebenfalls verreist und wohl nicht zu erreichen. Auch der Assistenzarzt von dort, mit dem man schließlich Kontakt herstellen konnte, konnte keinerlei Auskünfte geben. So wartete ich Tag für Tag auf Neuigkeiten bezüglich des Beginns meines Forschungspraktikums, doch es tat sich nichts. Es kam nach und nach raus, dass die Leute aus der lokalen Austausch-AG dort keinerlei Erfahrung mit SCORE hatten und so wurde ich nach einer Woche gefragt, ob ich nicht einfach zu SCOPE wechseln möchte, weil das andere höchtwahrscheinlich nicht stattfinden könne. Meiner Enttäuschung über die nicht stattfindende Forschung überwog aber letztendlich die Freude, endlich etwas tun zu können. Nachdem es dann noch bis Mittwoch dauerte, bis alle Formalien unterzeichnet waren (man muss ich auf die Langsamkeit dort einlassen, ansonsten verliert man den Spaß an der Sache), konnte ich dann noch zweieinhalb Wochen Famulatur in der Chirurgie machen. Man muss dazu sagen, dass alle Menschen aus dem Komitee dort wirklich sehr nett sind und sich rund um die Uhr um einen kümmern und sorgen. Für die ineffizienten Strukturen dort sind größtenteils andere verantwortlich.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich durfte mir mein Tätigkeitsfeld innerhalb der Chirurgie aussuchen. Ich entschied mich zur Hälfte für General und Neuro Surgery. Der Tagesablauf war in beiden Bereichen ähnlich: Nach einem Morning Meeting mit mehr oder weniger interessanten Themen und Fallbesprechungen ging es entweder in die Notaufnahme, auf Visite oder in den OP. Man wird am ersten Tag einem Team zugeteilt, dem man die meiste Zeit folgt. Wirklich etwas praktisch tun durfte ich in der kurzen Zeit leider kaum. Jedoch konnte man durch Fragen und selbstständiges Nachlesen trotzdem etwas lernen. Man muss den Leute dort von sich aus Fragen stellen, ansonsten kommt man oft nicht mit. Da, wie oben erwähnt, mit den Patienten meist Twi gesprochen wird, fehlt einem auf Visite ein Großteil an Informationen. Und STÄNDIG nachzufragen habe ich mich dann auch nicht getraut. Deshalb habe ich nach einigen Tagen zugesehen, dass ich meist in den OP komme, da dort die Ärzte untereinander meist Englisch sprechen. Die Eindrücke, die man von einem Krankenhaus in einem Entwicklungsland erhält, sind jedoch kaum zu ersetzen und deshalb war mir trotzdem jeder Tag dort sehr viel wert.
In der Notaufnahme bekommt man einen unglaublich guten ersten Eindruck, wie das Gesundheitssystem von Ghana funktioniert, bzw. nicht funktioniert. Es gibt viele Patienten mit Verkehrsunfällen und sehr niedrigen Glasgow Coma Scores. Ich habe es oft mitbekommen, dass diese Patienten dann mindestens bis zum nächsten Morgen dort in einem der Betten des großen Raumes liegen, bis in der Visite dann beschlossen wird, ein CT zu machen oder anderes. Die meisten Menschen in Ghana sind entweder privat oder zumindest über en Staat krankenversichert, was aber noch lang keine adäquate Behandlung verspricht. Das liegt meist an folgenden Dingen: Erstens gibt es teilweise keine technische Ausstattung, beziehungsweise ist diese kaputt, beispielsweise das MRT. Zweitens werden essentielle Untersuchungsmethoden oder Diagnostik von der Versicherung nicht gedeckt, zum Beispiel CT-Bilder. Drittens mangelt es teilweise an Personal. Was ich aber am erschreckendsten fand, war die teilweise Gleichgültigkeit oder auch Hoffnungslosigkeit, mit der manche Ärzte (oder auch bereits Studenten) an Fälle herangehen. Man muss jedoch auch sagen, dass ich in meinen Erwartungen, was die Standards in dieser Klinik angeht, doch insgesamt übertroffen wurde. Für ein westafrikanisches Land sind die Ausstattung, die Lehre und das Wissen der Mediziner doch bemerkenswert.
Die medizinische Ausbildung dort dauert auch sechs Jahre und gliedert sich auch in Vorklinik und Klinik. Im sechsten Jahr jedoch rotieren die Studenten praktisch durch alle klinischen Fächer, haben also nicht die Wahl wie in Deutschland. Nach dem Studium werden die Studenten für zwei Jahre zu sog. „House Officers“, was mit Interns in Amerika vergleichbar ist. Danach folgt die Assistenz- und Oberarztzeit.

Land und Leute

Ich habe mich jedes Wochenende mit den anderen Austauschstudenten zum Reisen zusammengetan. Da ich leider keine Zeit hatte, vor oder nach dem Austausch noch länger in Ghana zu bleiben, musste alles in vier Wochenenden „abgearbeitet“ werden. Mein Plan war folgender:
1. Lake Bosomtwe
2. Mole Nationalpark
3. Die Küste
4. Volta Region
Damit hat man das Land in einer kurzen Zeit schon sehr gut abgedeckt.
Der Plan hat sich schließlich auch als sinnvoll und machbar herausgestellt. Am besten ist es, du sprichst mit deinen Vorgesetzten, ob du beispielsweise den Freitag oder Montag frei bekommst, damit sich die langen Fahrten auch lohnen. Politisch ist das Land sehr stabil, den gleichen Eindruck hatte ich von der wirtschaftlichen Situation. Die Bevölkerung im Allgemeinen ist sehr freundlich und hilfbereit. Natürlich muss einem klar sein, dass dabei in der Unter- und Mittelschicht auch meist die Hoffnung auf einen kleinen Verdienst oder selten sogar eine Reise nach Deutschland mitschwingt. Das Essen war SEHR lecker. Manche mögen das Nationalgericht „Fufu“ sehr gerne, manche nicht. Mein Lieblingsgericht dort war „Redred“, gegrillte Kochbanane mit einer würzigen Soße aus Bohnen. Obwohl aus gesundheitlichen Gründen vor Abreise in Deutschland vor dem Verzehr von Street Food gewarnt wird, muss ich ausdrücklich empfehlen, sich quasi davon zu ernähren. Überall auf den Straßen werden frisches Obst, Eis, Backwaren, Hauptmahlzeiten und Getränke verkauft. Erstens ist es billig und zweitens schmeckt es so viel besser als das abgepackte Zeug aus dem Supermarkt. Natürlich sollte man auf sein Bauchgefühl hören und sich kein Obst kaufen, welches vermutlich aufgeschnitten schon zwei Stunden in der Sonne steht. Ich jedenfalls habe mich durch fast alles probiert und bin in vier Wochen ohne größere Erkrankung davongekommen.
Meine Erfahrungen mit den Menschen während der Trips waren überwiegend sehr positiv. Die Leute sind entspannt, hilfsbereit und kontaktfreudig. Ich habe die Erfahrung gemacht, allein mit Google Maps, WhatsApp (und Geld) gut und selbstständig durch Land reisen zu können, ohne mich großartig vorbereiten zu müssen. Das Austauschkommittee ist super hilfsbereit, was Organisation von Reisen, Unterhaltung am Nachmittag und Abend oder Kontakte-knüpfen angeht. Auch wenn man allein reist, kann man immer herumfragen, wo man beispielsweise den Abfahrtsort von Bussen findet. Irgendjemand kennt dann meist die Kreuzung, und die Leut an dieser Kreuzung weisen dir den Weg zum richtigen Bus oder Trotro. Ich empfand also alles als sehr angenehm und fühlte mich stehts willkommen.

Fazit

Der Auslandsausfenthalt war eine super Erfahrung, die ich nicht missen möchte! Ich würde es auf jeden Fall wieder tun und kann Ghana als Ziel deutlich empfehlen. Wenn du wert darauf legst, in deiner Famulatur sehr viel für dein Studium zu lernen, ist das Land vielleicht nicht ganz das richtige. Wenn man aber etwas ganz Neues, Ungewohntes kennenlernen und sich in diesem Sinne weiterbilden möchte, ist es genau das Richtige. Durch den Austausch habe ich gelernt, in einer völlig fremden Kultur allein zurechtzukommen, auf fremde Menschen zuzugehen und mutiger zu sein. Bei Fragen dürft Ihr mich gern anschreiben.

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