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Ghana (FGMSA)

Gynäkologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Carolin, Köln

Motivation

Ein Austausch bietet eine super Gelegenheit neue Länder zu sehen und deutlich enger in Kontakt mit den Menschen vor Ort zu treten, als man es beim Reisen normalerweise tut. Afrika hatte schon lange eine besondere Anziehung auf mich und Ghana bot eine tolle Mischung aus Englisch, Sicherheit und positiven Berichte von Freunden.

Vorbereitung

Im Vorfeld des Austauschs habe ich mich viel mit Studenten unterhalten, die bereits in Kumasi Famulatur oder PJ gemacht haben und mir viel von ihren Erfahrungen berichten konnten. Außerdem habe ich meine Contact Person frühzeitig mit Fragen gelöchert.

Visum

Das Visum ist eine kleine Hürde. Da meine CA zu spät kam und mein Hinflug bereits zwei Wochen vor dem Austauschstart lag, hatte ich nur noch ungefähr vier Wochen für das Visum. Daher habe ich mich für die Expressvariante (160€) entschieden, die vom Absenden der Formulare bis zum Erhalt des Reisepasses ungefähr 10 Tage gebraucht hat. Der Online Antrag ist etwas nervig, da sehr viele Unterlagen eingefordert werden. Also am besten sofort auf der Website nachschauen, wenn ihr die CA erhaltet. Das Foto braucht bestimmte Formate, aber das lässt sich alles mit den Standardfotoprogrammen zurecht schneiden. Das Visum ist ab Ausstellungsdatum 90 Tage gültig. Bei der Einreise erhält man jedoch nochmal einen Stempel mit 30 oder 60 Tagen und das ist dann die eigentliche Gültigkeit. Wichtig ist, dass man darauf achtet, da man eventuell in Ghana nochmal verlängern lassen muss. Da der Antrag selbst manchmal sehr kompliziert formuliert ist, hat es mir geholfen im Internet nach Erläuterungen auf anderen Websites zu suchen.

Gesundheit

Nachdem ich die Zusage der bvmd hatte, war ich beim Reisemediziner und habe mich mit allen empfohlenen Impfungen abgesichert. Es lohnt sich immer den Termin frühzeitig zu machen, da regelmäßig ein Mangel an bestimmten Impfstoffen besteht und eine Gelbfieberimpfung Voraussetzung für die Einreise ist. Ich habe mich für Malarone als Malariaprophylaxe entschieden und hatte damit überhaupt keine Probleme. Nach zwei Wochen in Ghana hat mich, wie fast alle anderen auch irgendwann, schlimme Reisediarrhoe erwischt. Diese habe ich mit Kohle, Elektrolyten und Ciprofloxacin behandelt, die sich auch empfiehlt dabei zu haben, wobei zumindest Kohle in Ghana deutlich billiger ist. Generell hatte ich eine sehr ausführliche Reiseapotheke dabei, die ich aber im Nachhinein gar nicht unbedingt gebraucht hätte, da die Versorgung in den Städten doch sehr gut ist.

Sicherheit

Ich habe mich in Ghana sehr sicher gefühlt. Generell habe ich es schon vermieden, nachts alleine unterwegs zu sein oder Wertgegenstände offen mit mir herumzutragen, aber ich bin nie in eine annähernd unangenehme Situation gekommen. Die Ghanaer sind unglaublich hilfsbereit und auch beim alleine Reisen bin ich nie verloren gegangen.

Geld

In Ghana zahlt man mit Cedi. Ganz grob gerechnet entsprechen fünf Cedi einem Euro. Es gibt Scheine zwischen einem und 50 Cedi, wobei man mit 50 oder sogar 20 Cedi manchmal Probleme mit dem Wechseln hat. Kleingeld ist in Ghana das Nützlichste. Neben den Scheinen gibt es auch Münzen, die aber eigentlich nur am Straßenrand gebraucht werden. Ich hatte eine VISA Card von der Apobank dabei und konnte damit in Kumasi problemlos Geld abheben. Wenn man reist, sollte man immer einen großen Vorrat an Bargeld dabeihaben, da es in vielen kleinen Orten keine ATMs gibt oder sie nicht funktionieren und man generell erstmal davon ausgehen muss, dass man nicht mit Karte zahlen kann. Ghana ist günstig. Unterkünfte haben pro Nacht zwischen 30 und 75 Cedi gekostet, wobei 50 ein guter Preis für ein Privatzimmer ist. Ein Mittagessen auf dem Campus hat mich meistens zwischen 2-5 Cedi gekostet, je nachdem wie groß der Hunger ist.

Sprache

In Ghana kommt man sehr gut mit Englisch zurecht. In den kleineren Orten sind die Gespräche manchmal etwas holprig, da dort auch viel Stammessprache gesprochen wird, aber man kommt gut durch. Unter den Studenten und Ärzten in Kumasi wird fließend und gut verständlich Englisch gesprochen, die Kommunikation mit den Patienten läuft aber meistens auf Twi, der am meisten verbreiteten Stammessprache in Ghana. Die Visiten waren dennoch etwas schwierig zu verstehen, da viele Ärzte sehr leise sprechen und immer viele Hintergrundgeräusche zu hören sind. Im Nachhinein bereue ich, dass ich nicht früher und mehr versucht habe, etwas Twi zu lernen, da man viel auf Twi angesprochen wird und sich die Leute sehr freuen, wenn man Antworten kann. Man wird regelmäßig als „Obroni“ angesprochen und wenn man darauf mit „Obibini“ antwortet, kommt immer freudiges Lachen zurück.

Verkehrsbindungen

Ich bin mit TAP Portugal geflogen und habe inklusive Gepäck 400€ gezahlt. Es gibt große Busunternehmen und viele kleine Minibusse. Bei den großen Reisebussen gibt es vor allem STC und VIP. STC hat einen bestimmten Fahrplan und je nach Route lohnt es sich auch, im Vorfeld ein Ticket zu kaufen. Die VIP Busse fahren ab, wenn sie voll sind. Achtung: Es gibt auch VIP tour, aber die brauchen deutlich länger zum Auffüllen. Am liebsten bin ich jedoch mit trotros gereist. Das sind kleine, klapprige Minibusse, die deutlich günstiger sind und auch in kleinere Orte fahren. Trotros haben feste Preise. Außerdem gibt es noch Taxen, bei denen man zu Beginn der Fahrt den Preis aushandeln muss und in Accra und Kumasi Uber, die mit Taxameter fahren und meistens bessere Autos haben.

Kommunikation

WLan ist eine Ausnahme in Ghana. In den Studenten Unterkünften gibt es zwar WLan, aber das war öfters so langsam, dass wir uns freiwillig entschieden haben, lieber mobile Daten zu verwenden. Eine SIM Karte bekommt man für 1€ an jeder Straßenecke. Am gängigsten sind Vodafone und MTN und generell sind die mobilen Daten deutlich günstiger als in Deutschland. Ich habe niemanden getroffen, der kein Whatsapp hatte.

Unterkunft

In Kumasi wohnen alle Medizinstudenten in Wohnheimen auf dem Krankenhausgelände, was ein reges Studentenleben zur Folge hat. Wir waren in Doppelzimmern untergebracht, von denen sich jeweils zwei eine Dusche und eine Toilette geteilt haben. Jedes Zimmer hatte einen Kühlschrank, ansonsten gab es für uns keine Kochmöglichkeiten. In manchen anderen Zimmern gab es jedoch eine kleine Küchenzeile. Generell muss man alles selbst mitbringen (Kissen, Bettlaken, Schüsseln, Besteck etc.), aber eigentlich ist alles von früheren Incomings vorhanden oder kann für wenig Geld auf dem Markt erworben werden.

Literatur

Ich hatte, wie fast jeder, den Bradt Travelguide und fand ihn sehr nützlich. Grade zur Buchung von Unterkünften hilft er sehr, da viele Hostels gar keinen Internetauftritt haben und man dort am besten direkt anruft.

Mitzunehmen

Ich hatte zu viel lange Kleidung dabei. Selbst nachts bleibt es warm genug für kurze Sachen und nur an der Küste war mal etwas frischerer Wind. Eigentlich habe ich zwei Monate lang nur Kleider getragen, von daher würde ich beim nächsten Mal mehr Hosen weglassen und Kleider einpacken. Ansonsten gilt: Weniger ist mehr. Man kann dort alles nachkaufen. Das einzige was sich bei mir als sehr schwierig und dann unglaublich teuer herausgestellt hat, war Kontaktlinsenflüssigkeit. Die sollte man definitiv selbst mitbringen und außerhalb der großen Städte ist Mückenspray und gute Sonnencreme auch schwierig zu finden.

Reise und Ankunft

Ich bin bereits zwei Wochen vor meinem Praktikumsbeginn in Ghana angekommen und dann einen Tag vorher nach Kumasi gefahren. Dort hätte ich zuerst zur School Administration gemusst, um bestimmte Formulare abzuholen. Da ich krank war, haben das die Ghanaer für mich erledigt, was aber eine Ausnahme war. Mit dem Brief wurde ich dann morgens zum Head of Department gebracht, um dort einem Rotationsteam zugeteilt zu werden. Es stellte sich jedoch heraus, dass dieser in Accra war und so sollte ich zwei Tage später wiederkommen. Letztendlich habe ich mit einer Woche Verzögerung begonnen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Meine Famulatur fand in der Gynäkologie und Geburtshilfe (nur O&G genannt) statt. Am ersten Tag wurde ich einem Team von Ärzten zugeteilt, mit denen ich jede Woche rotiert bin. Jeder Morgen beginnt um 8:30 Uhr mit einem Morning Meeting, bei dem das diensthabende Team von der letzten Nacht berichtet und alle anliegenden Themen besprochen werden. Das dauert locker eine Stunde. Danach ging es in die verschiedenen Abteilungen: Montags stand Consulting an. Das entspricht einer Sprechstunde, in der vor allem schwangere Patientinnen vorbei kommen. Hier war die Kommunikation etwas schwierig, da mit den Patienten auf Twi gesprochen wurde. Dienstags hatte mein Team Duty auf der Geburtsstation. Das ist eigentlich ein 24h Dienst, ich habe mich jedoch im Laufe des Nachmittags oder Abends immer verabschiedet. Der Tag war der beste der Woche, da ich nach langem Warten eine Geburt selbst durchführen konnte und viele weitere Geburten und Kaiserschnitte gesehen habe. Mittwoch fanden Visiten auf allen Stationen statt. Das war manchmal sehr lehrreich, aber auch oft schwierig zu verstehen, da die Umgebung sehr laut und die vorstellenden Ärzte sehr leise sprachen. Donnerstags war OP-Tag. Hier habe ich sehr spannende OPs zu sehen bekommen, allerdings wartet man zwischen zwei OPs mindestens eine Stunde. Freitags ist Family Planning. Mein Highlight war meine erste Geburt. In Ghana ist es fester Bestandteil des Curriculums, dass die Studenten mehrere Geburten selbst durchführen und so gab es eine Art „Schlange“ von Studenten. Nach drei Wochen und einem 12h Dienst bot sich dann mir endlich die Gelegenheit und unter Anleitung und Aufsicht der Hebamme habe ich einen kleinen Jungen zur Welt gebracht. Insgesamt sollte man aber nicht erwarten, dass man viel selbst machen darf. Die Famulatur bestand in erster Linie aus beobachten. Wichtig ist, dass du fragst, wenn du was lernen willst. Von alleine wurde mir eigentlich nichts angeboten, aber auf Nachfrage dann schon ein wenig gezeigt. Die medizinische Ausbildung in Ghana ist deutlich zeitintensiver als in Deutschland und setzt teilweise sehr unterschiedliche Schwerpunkte. Die Studenten haben eigentlich kaum Ferien und die meiste Zeit des Jahres wird von morgens bis abends gelernt. Insofern hatte ich Glück, dass die Ghanaer grade den ersten entspannten Monat ihres Studiums hatten und daher mehr Zeit für uns Austauschstudenten aufbringen konnten. Leider fanden zu dem Zeitpunkt meiner Famulatur keine O&G Rotationen statt, weswegen keine weiteren Studenten in meinem Team waren.

Land und Leute

Das Highlight des Austausches waren für mich die Menschen, die ich kennengelernt habe. Das Exchange Committee in Kumasi vernetzt einen direkt mit den anderen Austauschstudenten und so hatten wir immer eine kleine Gruppe für Ausflüge zusammen. Zusammen waren wir übers Wochenende am Lake Bosomtwe und im Mole Nationalpark und nach dem Ende der Famulatur in der Volta Region und in Ada Foah. Alles Ausflüge, die ich sehr empfehlen kann. In die Volta Region sind wir durch kleine Dörfer und über den See selbst gereist. Das hat 1,5 Tage gedauert, aber war ein lohnenswertes Abenteuer, da die Reise selbst schon ein Highlight war. Der Mole Nationalpark ist ebenfalls eine lange Reise, aber die Elefanten nah zu erleben, sind die Strapazen absolut wert. Am Lake Bosomtwe kann man prima entspannen und dem Trubel der Stadt ein wenig entfliehen. Da ich bereits zwei Wochen vor Beginn der Famulatur in Ghana angekommen bin, hatte ich Zeit mir in Ruhe die Küste anzusehen. Dabei kam ich durch Cape Coast, Elmina, Busua und Butre, wobei man sich das Cape Coast Castle als Stück der Geschichte nicht entgehen lassen sollte. In Busua kann man sehr gut und sehr günstig surfen lernen und Butre ist ein wunderschöner, sehr ruhiger kleiner Ort. Die Ghanaer sind sehr herzliche und hilfsbereite Menschen und mit einigen der Studenten habe ich mich so eng angefreundet, dass ich nach meiner Famulatur zu ihren Familien eingeladen wurde und einige Tage dort mitgelebt habe. Das war eine besonders schöne Erfahrung. Das Ghanaische Essen war für mich sehr gewöhnungsbedürftig. Es besteht überwiegend aus Reis oder verschiedenen zusammengekneteten Zutaten und ist entweder sehr scharf oder sehr fettig. Aber man findet immer etwas, das man mag. Für uns sehr ungewöhnlich ist der Umgang mit Religion in Ghana. Sie ist praktisch überall, egal ob es Veranstaltungen im Studentenwohnheim sind, die das ganze Gebäude mit Musik füllen oder es der Pfarrer im Bus ist, der einem für die erste Stunde der Fahrt etwas über den Glauben erzählt. Generell kann man erstmal davon ausgehen, dass jeder Ghanaer in der Woche irgendwann zur Kirche oder zur Moschee geht, alle anderen sind deutlich in der Minderheit. Wenn man sich mal einen Gottesdienst ansehen will, empfiehlt es sich Zeit und Oropax mitzubringen, da alles über Lautsprecher in einer unglaublichen Lautstärke übertragen wird. Eine eigene Erfahrung ist auch der Central Markt in Kumasi. Er ist riesengroß und voll mit Ständen und Menschen. Persönlich hat mir ein Ausflug dorthin gereicht, aber wenn man günstig shoppen will, findet man dort alles.

Fazit

Meine Erwartungen wurden nicht nur erfüllt, sondern weit übertroffen. Ghana ist ein faszinierendes Land und ich werde auf jeden Fall irgendwann zurückkehren und auch mindestens einen weiteren Austausch machen.

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