zurück

Pädiatrie - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Ich wollte die Famulatur im Ausland verbringen, um einen Einblick in ein anderes Gesundheitssystem zu erhalten und die Möglichkeiten und Einschränkungen sowie Unterschiede in der Gesundheitsversorgung kennen zu lernen. An Südafrika fasziniert mich, dass eine Vielzahl an Kulturen, Traditionen und Sprachen existieren. Das Zusammenspiel dieser verschiedenen Einflüsse, sowie die Geschichte und Politik wollte ich durch meinen Aufenthalt besser verstehen.
Außerdem habe ich noch nie ein Praktikum in einem englischsprachigen Land absolviert und erhoffte mir, ebenfalls mein (medizinisches) Englisch zu verbessern.
Durch diese Famulatur wollte ich weiterhin meine interkulturelle Kompetenz und mein Verständnis für andere Kulturen sowie deren Sicht auf Gesundheit und Krankheit ausbauen. Des Weiteren interessierte mich der Alltag in einem afrikanischen Krankenhaus, sowie dessen Organisationsstruktur.

Vorbereitung

Für meine Auslandsfamulatur habe ich mich im Mai 2017 bei der bvmd beworben. Die Bewerbungsphase geht jeweils von April bis Mai bzw. von Oktober bis November eines Jahres für den Austauschzeitraum im folgenden Winter- bzw. Sommersemester. Nachdem ich die (vorläufige) Zusage der bvmd für eine Famulatur in Südafrika im März 2018 erhalten habe, musste ich noch einige Unterlagen bei SAMSA (South African Medical Students Association) einreichen. Anschließend vermittelte SAMSA mir einen Famulaturplatz in der Pädiatrie im Steve Biko Academic Hospital in Pretoria, einem staatlichen Krankenhaus in der Hauptstadt Südafrikas. Die endgültige Zusage habe ich im Januar 2018 erhalten. Mein LEO in Südafrika beantwortete mir im Rahmen der Vorbereitung viele Fragen und half, wo sie konnte.
Des Weiteren kann man sich bei Fragen zur Bewerbung an Ms Hestelle Malherbe (Administrative Officer International Elective & Education Office der University of Pretoria, Faculty of Health sciences; E-mail: hestelle.malherbe@up.ac.za) wenden.

Visum

Deutsche Staatsangehörige benötigen kein Visum. Man erhält bei der Einreise eine Besuchsgenehmigung („visitor’s visa“), welche 90 Tage lang gültig ist. Der Reisepass muss mindestens 30 Tage über die Reise hinaus gültig sein und muss mindestens zwei freie Seiten für Visastempel haben

Gesundheit

Impfungen: Um mich über erforderliche Impfungen zu informieren, besuchte ich die Reise- und Impfsprechstunde der Bernhard-Nocht-Ambulanz des UKEs in Hamburg. Ich habe mich für folgende Reiseimpfungen entschieden: Hepatitis A, Tollwut, Typhus, Meningokokken ACWY.

Sicherheit

Es gilt ein paar Grundregeln zu beachten: es wird nicht empfohlen, alleine bzw. generell größere Strecken zu Fuß zurückzulegen (vor allem nachts); man sollte aufmerksam sein, Wertgegenstände nicht offen mit sich herumtragen und keinen teuren Schmuck tragen. In Pretoria gibt es viele verschiedene Stadtteile, in manchen ist mehr Vorsicht geboten als in anderen. Um sich fortzubewegen nutzt man am besten „Uber“ (ähnlich wie Taxis, aber mit günstigeren Preisen). Um Uber nutzen zu können, muss man sich die App auf sein Handy laden und sich registrieren. Für Wochenendausflüge haben wir uns problemlos einen Mietwagen ausgeliehen. Generell ist es von Vorteil, wenn man die Möglichkeit hat, sich für den gesamten Aufenthalt ein Auto zu mieten. Viele Einheimische nutzen sogenannte „Metered Taxis“ (Sammeltaxis), die sehr günstig sind und bestimmte Routen innerhalb der Stadt haben.

Der Campus, auf welchem sich u.a. unser Guesthouse befand, war von einem Zaun inklusive Stacheldraht umgeben und wurde am Eingang stets von der Security bewacht. Umzäunte Gebäude, welche von Security bewacht werden, begegnen einem überall in der Stadt und zeichnen u.a. das Stadtbild.
Dennoch kann ich sagen, dass ich mich während meines gesamten Aufenthaltes kein einziges Mal unsicher gefühlt habe. Ich bin auch in keine Situation gekommen, die Anlass zur Sorge gegeben hätte. Da die ganzen Sicherheitsvorkehrungen aber natürlich nicht ohne Grund getroffen werden, sollte man zwar achtsam sein, aber auch nicht ängstlich oder panisch durch die Gegend laufen. Als Tourist in Südafrika ist tagsüber die Sicherheit größtenteils gegeben.

Geld

- Der Famulaturaustausch über die bvmd/SAMSA in Südafrika war unilateral, es sind also keine südafrikanischen Studierenden im Gegenzug nach Deutschland gekommen. Deshalb wurde für den einmonatigen Austausch eine unilaterale Gebühr in Höhe von 600 USD erhoben. Die Gebühr umfasst die Unterkunft, das Essensgeld für ein Mittagessen in der Mensa pro Wochentag, eine Austauschgebühr an die Universität (University of Pretoria elective fee, 50 USD pro Woche) sowie eine Gebühr an das Health Professions Council of South Africa (HPCSA registration fee, 821 Rand). Dazu kommen die Kosten für Flug, weitere Verpflegung und für private Ausflüge.

- Die südafrikanische Währung heißt Rand und (aktuell) entsprechen 1€ ca. 15 Rand. Vor Ort kann fast überall mit Kreditkarte bezahlt werden. Außerdem gibt es an jeder Ecke Geldautomaten. Die Lebenshaltungskosten sind ähnlich wie in Deutschland. Auswärts Essengehen ist allerdings deutlich günstiger.

Sprache

In Südafrika gibt es elf offizielle Amtssprachen: IsiZulu, IsiXhosa, Afrikaans, SePedi, SeTswana, Englisch, SeSotho, SiSwati, TsiVenda, IsiNdebele und XiTsonga. Im Krankenhaus und in der Freizeit konnte ich mich jederzeit auf English verständigen, sodass die Verständigung im Alltag nie ein Problem darstellte. Der Unterricht im Krankenhaus, der generelle Umgang im Krankenhaus und die Patientenakten waren auch in Englisch.

Verkehrsbindungen

Von Deutschland sollte man nach Johannesburg fliegen (internationaler Flughafen, Reisezeit von Hamburg mit Umstieg in Frankfurt nach Johannesburg ca. 14 Stunden) und von Johannesburg kann man schnell und unkompliziert mit einem Shuttle, Uber oder Gautrain nach Pretoria fahren. Pretoria hat lediglich einen nationalen Flughafen.

Kommunikation

Es empfiehlt sich vor Ort eine südafrikanische Simkarte zu kaufen. Ich habe diese direkt am Flughafen in Johannesburg im Vodacom Shop gekauft. Man findet Simkarten aber auch in den meisten Supermärkten oder Tankstellen. Wie auch hier ist in Südafrika Whatsapp die bekannteste App, um miteinander zu kommunizieren.

Unterkunft

Gewohnt habe ich im Medical Guesthouse direkt auf dem Campus der medizinischen Fakultät (http://www.up.ac.za/en/education-in-the-faculty-of-health-sciences/article/2566430/guest-house). Hier wohnen mehrere internationale Studierende für die Zeit der Famulatur oder des PJs, somit konnte ich problemlos in meinen ersten Tagen Anschluss finden und neue Freundschaften knüpfen. Das Krankenhaus war innerhalb von 10-15 Minuten fußläufig zu erreichen.
Neben dem Medical Guesthouse gibt es noch weitere private Gästehäuser in der Nähe des Krankenhauses. Eine Liste mit allen verfügbaren Unterkünften kann auch bei Hestelle angefordert werden.

Literatur

Ich habe mir vorab den MARCO POLO Reiseführer Südafrika bestellt aber mich letzendlich größtenteils vor Ort überraschen lassen. Seiten wie z.B. TripAdvisor sind immer hilfreich. Für meine Famulatur habe ich mir das Pediatrics Pocketcard Set bestellt und einen einmonatigen Zugang für amboss.com (5 USD) gekauft.

Mitzunehmen

- Adapter: Für die Steckdosen braucht man passende Adapter (Typ D, M und N): ich habe meine vorher in Deutschland bestellt, man findet sie aber auch problemlos vor Ort in Supermärkten. Steckdosen, in welche der Typ M-Adapter passt, waren am häufigsten.
- Kleidung im Krankenhaus: Abhängig von dem jeweiligen Fachbereich. Bei uns in der Pädiatrie wurden keine weißen Kittel getragen und der Dresscode war lediglich „neat and tidy“ – man konnte eigentlich anziehen was man wollte. Ich habe mir aus Deutschland Kasacks und Hosen mitgenommen. Die meisten ÄrztInnen haben aber in normaler Alltagskleidung gearbeitet.
- Internationaler Führerschein, falls geplant ist, ein Auto zu mieten.
- Bei der Registrierung am ersten Tag muss man einen Nachweis über die Auslandskrankenversicherung (Ausdruck) und die HPCSA-Registrierung (im Original) vorlegen, die beiden Dokumente sollten also auf jeden Fall eingepackt werden.

Reise und Ankunft

Ich habe einen Shuttle organisiert, der mich am Flughafen in Johannesburg abgeholt und zum Campus nach Pretoria gebracht hat (PS Tours, pstours@lantic.net, 0027 (0)82 452 5818).
Bevor ich die Famulatur im Krankenhaus beginnen konnte, musste ich mich am ersten Tag im International Electives & Education Office auf dem Campus registrieren. Nachdem die Formalitäten geklärt waren, traf ich die studentische Ansprechpartnerin der Pädiatrie. Ich konnte mir für die kommenden Wochen aussuchen, welche pädiatrischen Stationen ich kennen lernen wollte. Da die lokalen Studenten wöchentlich auf eine neue pädiatrische Station rotieren, entschied ich mich ebenfalls hierfür. Ich lernte in dem Monat folgende Stationen kennen: Allgemeine Pädiatrie, pädiatrische Kardiologie sowie Pulmonologie und Neonatologie.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Der Tag startete für alle Studenten in der Pädiatrie um 7:45 Uhr mit einer Vorlesung, einem Seminar oder Unterricht am Krankenbett. Danach ging man auf die jeweilige Station. Meistens schloss ich mich den lokalen Studenten an. Wir suchten uns einen geeigneten Patienten heraus, lasen in der Akte über die Vorgeschichte, erhoben eine eigene Anamnese, führten eine körperliche Untersuchung durch und notierten die Ergebnisse in der Akte. Später fand eine Visite bei allen Patienten statt, bei welcher man den „eigenen“ Patienten vorstellte, über Differentialdiagnosen diskutierte, man die Möglichkeit hatte, Fragen zu stellen, und die weitere Therapie besprochen wurde. Wir Studierenden übten auf Station also vor allem klinisch-praktische Fähigkeiten wie die körperliche Untersuchung.

Generell schloss man sich auf den Stationen und bei der Visite der jeweiligen Firm an. Eine Firm besteht aus Studenten, Interns (nach Abschluss des Studiums müssen ÄrztInnen hier drei Jahre obligatorisch eine Art „Praktikum“ machen, ähnlich dem ehemaligen AiP), Registrars (AssistenzärztInnen in Facharztausbildung), Consultants (FachärztInnen) und Professoren.

Je nach Station gab es an manchen Tagen eine ambulante Sprechstunde („Clinics“), bei welcher man die Möglichkeit hatte, Patienten eigenständig zu untersuchen und über deren Krankheiten zu lernen. Auf der Kardiologie hatte ich die Möglichkeit, das Herzkatheterlabor zu besuchen und dort verschiedene Untersuchungen und Eingriffe anschauen zu können. Im Krankenhausalltag haben Erkrankungen wie HIV-Infektionen, Tuberkulose und Unterernährung einen großen Stellenwert.

Ich hatte auch die Möglichkeit, mit den Patienten bzw. den Eltern ins Gespräch zu kommen. Ich konnte viele Erkrankungen und unterschiedliche Ausprägungen der Symptome sehen und die Techniken der körperlichen Untersuchung intensiv üben. Zudem habe ich vieles über das südafrikanische Gesundheitssystem sowie über die Organisation und den Alltag im Krankenhaus gelernt.

Ich habe einige Erfahrungen gemacht, die ich so schnell nicht vergessen werde. Ich hatte zum Beispiel die Möglichkeit, eine natürliche Geburt zu begleiten, die sich von den deutschen Standards sehr unterschied. Auch anderes unterschied sich deutlich: die hygienischen Vorkehrungen bei Isolationspatienten und die (mangelnde) Verfügbarkeit von Handschuhen, Desinfektionsmittel, Stauschlauch bzw. insgesamt Materialien, die im Krankenhausalltag benötigt werden. Außerdem wird bei der Diagnostik der Schwerpunkt auf die körperliche Untersuchung und auf Basismaßnahmen wie Blutuntersuchung oder Urinteststreifen gelegt, da es hier viel länger als in Deutschland dauert, bis man die Möglichkeit hat, ein Röntgen- oder gar CT- Bild anzufertigen. Die klinischen Fähigkeiten der ÄrztInnen sind sehr gut ausgeprägt und es wird versucht, Diagnosen möglichst klinisch zu stellen, um die nur begrenzt verfügbaren apparativen Verfahren gezielt einzusetzen.

Des Weiteren habe ich viele Kinder mit einem lebensbedrohlichen Herzfehler gesehen, die einen Termin für eine chirurgische Operation erst in den nächsten drei Monaten erhalten konnten, da es erst dann freie Kapazitäten im OP gab. Bis dahin werden die Kinder vorerst entlassen und es wird gehofft, dass sie bis zur OP überleben.

Leider habe ich mich aber auch an vielen Tagen etwas verloren auf den Stationen gefühlt: Es gab oft niemanden, der einem die Station und den Ablauf zeigte oder erklärte wie ich mich auf Station einbringen konnte. Die Interns, welche die meiste Zeit auf Station anwesend waren, waren meist so beschäftigt, dass sie keine Zeit für Studierende hatten. Nur durch hartnäckiges Fragen stellen und Präsenz sowie Motivation zeigen hatte man die Möglichkeit etwas zu lernen. Abschließend hätte ich mir gewünscht, dass die Betreuung von Krankenhausseite intensiver gewesen wäre.

Die Erfahrungen, die ich mit der eher mäßigen Betreuung in der Pädiatrie gemacht habe, lassen sich auf keinen Fall auf alle Fachrichtungen in diesem Krankenhaus übertragen. Ich habe andere internationale Studierende kennen gelernt, die in der Chirurgie oder Inneren Medizin waren, und sehr zufrieden mit dem Ablauf auf Station, den Aufgaben und der Integration im Team gewesen sind.

Land und Leute

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, in Pretoria und in der Umgebung tolle Ausflüge zu machen, um das Land, Leute, Traditionen und die Geschichte Südafrikas kennen zu lernen:
- In Pretoria habe ich folgendes unternommen: Freedom Park, Voortrekker Monument, Union Buildings, Botanischer Garten, Malls, diverse Restaurants, Foodmarkets und südafrikanisches Braai (Grillen).
- Im nördlichen Südafrika habe ich folgende Ausflüge gemacht: Mountain Sanctuary Park in Magaliesberg, Rhino & Lion Nature Reserve, Pilanesberg Nationalpark, Horseback Africa, Walking with Lions, Apartheid Museum in Johannesburg, geführte Fahrradtour durch Soweto, Panorama Route und Blyde River Canyon sowie einen Wochenausflug nach Swasiland.

Hätte ich noch mehr Zeit in Südafrika gehabt, wäre ich noch nach Kapstadt geflogen und hätte gerne die Garden Route bereist. Außerdem lohnt sich ein Besuch in den Drakensbergen mit spektakulären Wanderungen und einem Ausflug ins angrenzende Lesotho.

Südafrika (die „Regenbogennation“) ist ein faszinierendes Land: eine bunte Gesellschaft aus verschiedenen Ethnien – hier treffen verschiedenste Kulturen und Traditionen aufeinander, die friedlich und harmonisch zusammenleben möchten. Landschaftlich ist Südafrika sehr beeindruckend und vielfältig. Die Einheimischen sind mir stets offen, freundlich und hilfsbereit begegnet. Ich habe tolle Ausflüge im nördlichen Südafrika machen können und es sehr genossen.

Trotz alledem merkt man auch heutzutage noch, dass Südafrika viel in der Vergangenheit durchgemacht hat und sich tiefe Gräben durch die Bevölkerung Südafrikas ziehen. Erst seit 1994 mit der Wahl Nelson Mandelas zum ersten schwarzen Präsidenten und dem Ende der Apartheid-Ära sind Schwarze und Weiße vor dem Gesetz gleichgestellt. Probleme wie Armut, Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot, Kriminalität, Probleme im Bildungs- und Gesundheitssystem und HIV/AIDS, infolge der immer noch sehr großen Unterschiede zwischen Arm und Reich, begegnen einem im Alltag.

Fazit

Ich hatte eine wunderschöne Zeit in Südafrika! Auch wenn die Betreuung/Anleitung während der Famulatur vielleicht besser hätte sein können, ziehe ich ein positives Fazit meiner Zeit in der Pädiatrie. Ich konnte wertvolle Erfahrungen sammeln, meine Untersuchungsfähigkeiten ausbauen, mein Wissen erweitern und durfte sowohl Krankenhausalltag als auch Erkrankungen, Patienten und deren Geschichten kennen lernen, die ich in Deutschland nicht hätte sehen können. Ich habe mich durch diesen Austausch weiterentwickelt und konnte neue Freundschaften sowohl mit Südafrikanern als auch mit anderen internationalen Studenten schließen. Des Weiteren hatte ich die Möglichkeit, das nördliche Südafrika zu bereisen und die Schönheit und Vielfältigkeit Südafrikas mit eigenen Augen zu sehen und über die Geschichte des Landes zu lernen. Diese intensive Zeit in Pretoria werde ich nie vergessen, meine Eindrücke sind unbezahlbar und ich werde bestimmt wiederkommen.

zurück