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Atahualpa (Ecuador)

Notfallmedizin - SCOPH (Public-Health Austausch)
von Miriam, Freiburg

Motivation

Ich wollte gerne nach Ecuador, da ich gerne in ein spanischsprachiges Land wollte, um dort meine Spanischkenntnisse zu verbessern und um Lateinamerika kennenzulernen. Das Programm mit der Sprachschule war toll für mich, da ich davor nur ein ganz kleines bisschen Spanisch sprechen konnte und so die Möglichkeit hatte vor dem Austausch nochmal richtig Spanisch zu lernen. Meine Erwartungen für den Auslandsaufenthalt waren neben der Sprache noch die Möglichkeit die Kultur kennenzulernen und im Krankenhaus vor allem praktisch viel zu lernen und zu sehen, ob Ecuador oder ein anderes Land in Lateinamerika für ein PJ-Tertial für mich in Frage kommt.

Vorbereitung

Für meinen Auslandsaufenthalt habe ich mich nicht sehr speziell vorbereitet. Ich habe mir einen Reiseführer gekauft und die wichtigsten Reiseimpfungen durchgeführt. Was auch sicherlich nicht schlecht ist sind Dinge wie: 2.Kreditkarte beantragen (vor allem eine, mit der man im Ausland umsonst abheben kann: DKB, ApoBank), sich um die Sicherung von Fotos kümmern im Ausland (es wird schon sehr viel geklaut), einen Kasack besorgen für das Krankenhaus (Pflegekasack oder OP-Kleidung), das braucht man und wird nicht gestellt, und Arztkittel reicht nicht, man braucht Beides.

Visum

Mit dem Visum war es ziemlich einfach. Man kann einfach das Touristenvisum (90 Tage) vor Ort nehmen, und das war auch kostenlos. Das Einzige, was zu beachten ist, ist, dass der Reisepass bei Einreise noch mindestens 6 Monate gültig sein muss.

Gesundheit

Ich habe eine Impfberatung gemacht und mir die wichtigsten Reiseimpfungen geholt. Damit frühzeitig anfangen, weil Tollwut ja z.B. einen Monat dauert. Davor lohnt es sich auch bei der Krankenkasse nachzufragen, einige übernehmen bei studienbedingten Aufenthalten nämlich die Kosten. Reiseapotheke würde ich die Standardsachen für Reisen empfehlen: Ein bisschen Verbandsmaterial, Desinfektionsspray, Vomex, Schmerzmittel, Pille, Loperamid, antibakterielle Salbe. Aber es ist auch eigentlich nicht wichtig das alles mitzunehmen, weil man dort alles rezeptfrei in der Apotheke bekommt. Ich war trotzdem froh ein bisschen was dabei zu haben, wenn man Ausflüge macht über mehrere Tage oder so.

Sicherheit

Wie oben erwähnt habe ich mir eine 2.Kreditkarte fürs Ausland gemacht und mir eine Sicherung in meine Dropbox eingerichtet, dass die Fotos immer automatisch übertragen werden. Dann hatte ich auch eine Geldkatze dabei, die ich tatsächlich bei jeder Busfahrt getragen habe (vor allem, wenn ich mit meinem kompletten Gepäck lange Busreisen gemacht habe). In Ecuador ist es sehr sicher, auch als Frau alleine zu reisen, unwohl habe ich mich nie gefühlt, aber man muss natürlich die allgemeinen Regeln wie nachts nicht durch dunkle Gassen zu spazieren oder nachts noch einen öffentlichen Bus zu nehmen, beachten. Geklaut wird allerdings richtig viel. Mir selbst wurde nichts geklaut, aber ohne Untertreibung so ziemlich Jedem, den ich dort getroffen habe. Deshalb würde ich wie gesagt 2 Karten mitnehmen und wirklich schauen, dass ich die Wertsachen immer am Körper trage (Kreditkarte oder Cash in den BH fand ich tatsächlich auch eine gute Taktik).

Geld

In Ecuador wird mit US-Dollar bezahlt. Bankautomaten gibt es überall und insgesamt ist alles billiger als in Deutschland (außer Sonnencreme, Nutella und Markenhygieneprodukte). Sehr preiswert sind die almuerzos oder meriendas (mittag/abendessen), da gibt es komplette Menüs für 1,50 bis 3 Dollar.

Sprache

In Ecuador wird spanisch gesprochen. In den touristischen Gebieten auch vermehrt englisch, vor allem z.B. beim Reisen in Hostels oder so. Aber es können sehr, sehr viele Leute kein Englisch, vor allem im Krankenhaus spricht auch kaum Jemand Englisch. Also lohnt es sich schon davor mit Spanisch anzufangen, um ein Grundniveau zu haben, so kann man auch am Besten vom Spanischkurs profitieren

Verkehrsbindungen

Man kommt mit dem Flugzeug nach Ecuador, entweder über Madrid oder auch über die USA. Der Flug kostet zwischen 600 und 1000 Euro (meiner war 720 oder so). Dort bewegt man sich vor allem mit Bussen fort, die fahren überall hin, Und Nachts in der Stadt kann man gut Taxi fahren, ist auch nicht besonders teuer (aber immer darum bitten, dass der Fahrer das Taximeter anmacht). Ansonsten gibt es auch Uber und eine ganz tolle App offline ist MapsMe, ist wie google Maps, nur besser und auch offline möglich.

Kommunikation

Ich habe mir eine ecuadorianische SIM-Karte geholt und fand auch, dass sich das auf jeden Fall gelohnt hat. WLAN gibt es zwar schon auch fast überall, aber es war echt gut, dass ich auch über Telefon mit den anderen Internos und Ärzten kommunizieren konnte, wenn man z.B. abends Mal weg war oder so.

Unterkunft

Ich habe bei einer Gastfamilie gewohnt und vor allem im Hinblick auf Spanisch hat sich das total gelohnt. Klar ist es manchmal gewöhnungsbedürftig, aber man lernt richtig viel Spanisch und auch über die Kultur und die Familien können einem meist tolle Tipps geben über die Umgebung oder Fortbewegung etc.

Literatur

Ich habe mir den Lonely Planet gekauft und war total zufrieden. Internetseiten habe ich keine gelesen, aber ich habe mich vor Ort viel mit Leuten ausgetauscht, was sie gesehen haben und empfehlen können.

Mitzunehmen

Vermisst habe ich nichts, ausser wie oben schon erwähnt die OP-Kleidung und Kittel und Stethoskop würde ich auch empfehlen. Ansonsten ist meine Empfehlung nicht zu viel mitzunehmen, außer genug Sonnencreme. Den Rest kann man dort wirklich billig kaufen und es macht ja auch Spaß, ein paar neue Sachen wieder mitzubringen.

Reise und Ankunft

Die Anreise verlief ohne Probleme, ich wurde von Vicente (der Mann von Martha, die die Sprachschule führt) abgeholt und bin dann zur Sprachschule gefahren. Der Flughafen ist etwas weit weg, ein Taxi kostet 20 bis 30 Dollar in die Stadt (auf keinen Fall mehr bezahlen). Es gibt auch Busverbindungen, die dauern allerdings etwas länger, sind dafür aber billiger.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war in der Notaufnahme. Die erste Woche war etwas schwierig, weil total viele Leute dort arbeiten, und niemand so wirklich für mich zuständig war, und es gab eine gewisse sprachliche Barriere am Anfang. Danach habe ich mich dann aber supergut eingearbeitet, es gibt immer rotierende Teams, die "Turno" zusammen haben, also "Schicht" quasi. Und irgendwann kannte ich dann die meisten Teams, habe mich auch mit den ecuadorianischen PJlern gut angefreundet und auch mit den Ärzten. Ab da war es dann eine richtig coole Famulatur (eine meiner Besten). Ich durfte komplett alleine Nähen, überall immer dabei sein und mithelfen, wenn es etwas zu helfen gab, untersuchen usw.
Das Einzige, was man machen muss, ist Initiative zeigen. Es kommt niemand auf einen zu und sagt einem, was man machen soll, sondern man muss eben auch Mal fragen, ob man das und das machen darf, was man lernen will und eben gut mit den Ärzten kommunizieren.
Der Arbeitsaufwand war nicht besonders groß, ich bin meistens morgens gekommen und konnte dann nachmittags auch wieder gehen. Ich musste keine Schichten mitmachen, hätte es aber gekonnt, wenn ich gewollt hätte.
Der Tag fängt meistens mit der Visite an, da werden alle Patienten vorgestellt und die PJler abgefragt (ich wurde nachdem der Chefarzt mitbekommen hat, dass ich Spanisch kann, auch mitabgefragt, aber ganz nett, also ist auch gar kein Stress, wenn man was nicht weiß, und man kann auch immer behaupten, dass man die Frage nicht verstanden hat).
Danach geht man dann mit seinem Arzt oder den PJlern zu Patienten, die warten, untersucht sie, oder wenn es was zu nähen gibt, näht sie, und wenn ein Notfall reinkommt, dann sind meistens alle Ärzte dort, da kann man dann auch immer zuschauen. Außerdem legen die PJler auch selbst die EKGs an und bewerten diese auch. Blutabnahmen und Zugänge werden von zuständigem Personal gemacht, aber wie gesagt, wenn man das gerne lernen möchte, dann kann man einfach nachfragen und das absprechen (eine andere Praktikantin wollte das z.B. bei Kindern lernen und hat sich dann darum gekümmert und durfte das dann auch machen). Man kann denke ich auch problemlos in eine andere Abteilung wechseln, das wollte ich nicht, weil es mir supergut gefallen hat, aber das ist wirklich kein Problem, die sind alle sehr offen und supernett, und man ist eigentlich echt sehr frei in der Gestaltung seiner Famulatur. Was auch toll war, dass man Krankheitsbilder sieht, die hier nicht so häufig vorkommen, z.B. Dengue-Fieber, Tuberkulose, viele Schwangere (z.B. mit Uterusatonie), Verbrennungen, Intoxikationen etc.
Ich finde also es hat sich wirklich gelohnt und ich konnte auch einiges Lernen.

Land und Leute

Ich bin nach der Famulatur noch ein paar Wochen gereist. Auch während der Famulatur habe ich Ausflüge in den Dschungel gemacht am Wochenende, oder war raften. Ecuador hat wahnsinnig viel zu bieten, ich liebe dieses Land einfach, es gibt so unfassbar viel zu sehen.
Ecuador hat Berge, Dschungel, Küste und die Galapagos-Inseln. Ich hatte zum Glück genügend Zeit mir alles anzuschauen nach der Famulatur, und wenn man die Möglichkeit hat, dann würde ich das auch Jedem empfehlen so viel Zeit wie möglich noch in dem Land zu verbringen. Tena liegt am Dschungel, dort kann man also am Wochenende super raften gehen, oder eine Dschungeltour machen, das kann ich auf jeden Fall sehr empfehlen. In Tena selbst gibt es ein paar coole Bars und "Las Galleras", eine richtig coole Disko, dort war ich mit den Ärzten am Wochenende oft feiern. In Tena gibt es auch einen coolen Park in dem man gut Sport machen kann. Quito, die Hauptstadt hat auch echt viel zu bieten, von dort aus kommt man überall relativ schnell hin und man kann von Quito aus auch tolle Wochenendausflüge machen, zum Beispiel zum Cotopaxi oder nach Banos oder zum Mitad del mundo.
Ich war nach Tena in Banos, in Alausi, auf dem Quilotoa-Loop (3 Tages Trek zu einer mega schönen Lagune), dann nochmal in Tena, danach in Quito auf dem Pinchincha (da kann man mit der Teleferiquo hoch und dann noch weiter hochlaufen). Danach war ich in otavalo, an der Küste in Mompiche, Canoa und Montanita. An der Küste kann man wunderbar surfen und vor allem in Montanita sehr gut feiern. Aber auch einfach so zum entspannen ist die Küste von Ecuador wirklich wunderschön.
Mein persönliches Highlight waren dann die Galapagos Inseln. Ich habe ein paar Wochen davor (aus Ecuador) supergünstige Flüge für 150 Dollar hin und zurück gefunden und bin dann eben am Ende noch 10 Tage dort hingeflogen. Galapagos ist wirklich ein Traum und für Menschen die gerne Schorcheln oder Tauchen noch viel mehr. Ich habe dort ein paar Tauchgänge gemacht und es waren die schönsten meines Lebens. Es ist wirklich Wahnsinn, was für eine Artenvielfalt es dort gibt, und das nicht nur im Meer, sondern auch auf Land. Also dort hat sich wirklich jeder Cent gelohnt (auch dort ist das Essen noch billiger als in Deutschland und Hostels gibt es zwischen 15 und 20 Dollar).
Noch kurz ein paar Worte zu den Leuten: Ich finde sie einfach Wahnsinn. Es ist wirklich cool, wie entspannt und glücklich alle sind, und mir hat es total gefallen für 3 Monate ein Teil dieser Lebensart zu sein und die Kultur kennenzulernen.

Fazit

Ich würde jede Minute wieder zurückfliegen, wenn ich könnte. Ich habe mich sehr in Ecuador und seine Menschen verliebt und von meinen ganzen Reisen und Praktika bisher, war das eindeutig eine meiner Schönsten, wenn nicht sogar die Schönste. Für mich gibt es nichts, was dagegen spricht, ich kann jedem nur empfehlen, geht nach Ecuador und bleibt so lange wie ihr könnt!

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