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Ukraine (UMSA)

Pädiatrie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Nathalie , Düsseldorf

Motivation

Warum gerade die Ukraine? Das haben mich viele gefragt und ehrlich gesagt wollte ich unglaublich gerne sehen, wie die Medizin in Osteuropa von Statten geht. Und da ich schon immer gerne nach Kiev wollte, war die Entscheidung einfach. Ich wollte gerne sehen, wie und vor allem mit welchen Mitteln und Standards dort gearbeitet wird und wie dort der Alltag in Krankenhäusern abläuft.

Vorbereitung

Wirklich großartig vorbereitet habe ich mich nicht. Ich konnte noch Russisch lesen, da ich es für zwei Jahre in der Schule hatte und auch ein paar Wörter und Sätze konnte ich noch sagen, was mir unglaublich geholfen hat, denn allein, wenn man auf Russisch fragen konnte, ob jemand Englisch spricht, wurde man gleich viel freundlicher behandelt. Von daher wäre es von großem Vorteil, wenn man zumindest das kyrillische Alphabet kennt.

Visum

Glücklicherweise musste ich kein Visum beantragen. Der Reisepass alleine reicht und man kommt ohne Probleme durch die Kontrollen beim Flughafen.

Gesundheit

Für den Fall der Fälle hatte ich ein paar Schmerztabletten und etwas gegen Übelkeit dabei, aber eine größere Reiseapotheke habe ich nicht eingepackt, und Gott sei Dank auch nicht gebraucht. Da all meine Impfungen aufgefrischt waren, musste ich auch dort keine extra Vorkehrungen treffen, was die ganze Vorbereitung auch sehr entspannt machte. Ich brauchte lediglich einen MRSA-Nachweis (bzw. einen Beleg, dass dieser negativ ist) und als ich angekommen bin, habe ich dort vor Ort ein Röntgen-Thorax bekommen, da dies Pflicht für alle Ärzte in dieser Klinik ist, denn gerade Tuberkulose ist in der Ukraine ein großes Problem.

Sicherheit

Da zur Zeit Krieg im Osten der Ukraine herrscht, war ich mir anfangs noch unsicher, wie sicher es sein würde, in solch ein Land zu reisen. Doch als ich vor Ort war, habe ich nichts von dem ganzen Drama im Osten mitbekommen. Lediglich in den Nachrichten war es jeden Abend zu sehen, jedoch waren die Straßen selber sicher. Ich habe mich während meines gesamten Aufenthaltes nicht einmal unsicher gefühlt.

Geld

Die ukrainische Währung heißt Hrywnja und der Umrechnungskurs liegt immer ungefähr um 32 (1€ gleich 32 Hrywnja). In Deutschland konnte ich leider weder in meiner Bank noch am Flughafen Geld tauschen, da die Währung zu dem Zeitpunkt gesperrt war, jedoch war das in der Ukraine überhaupt kein Problem, denn es gibt fast an jeder Ecke eine Möglichkeit sein Geld einzutauschen. Das sollte man auch tun, denn mit Euro kann man nirgends bezahlen. Ansonsten werden aber auch allerlei Karten akzeptiert. Generell sind die Preise sehr billig im Vergleich zu Deutschland. Eine Busfahrt kostet gerade einmal 20 Cent, ein Coffee to go 70 Cent.

Sprache

In der Ukraine spricht man ukrainisch und russisch. Englisch wurde im Krankenhaus von fast allen Ärzten gesprochen, ansonsten findet man auf der Straße eher seltener Menschen, die Englisch sprechen und einem weiterhelfen können, selbst unter der jungen Generation. Da ich noch Grundkenntnisse in russisch hatte, hat mir das wirklich sehr geholfen und ich konnte sogar noch ein bisschen dazulernen.

Verkehrsbindungen

Zur Klinik selbst habe ich jeden Tag fast 90 Minuten gebraucht, da ich erst einen Bus, dann die Metro nehmen musste und zum Schluss noch ein Stückchen laufen musste - also die öffentliche Verkehrsanbindung ist wirklich schlecht und man muss viel Zeit einplanen um von A nach B zu kommen.

Kommunikation

Ich habe mein Handy mitgenommen und die Studentin, bei der ich schlafen durfte hat mir eine ukrainische Simkarte besorgt, sodass ich den ganzen Monat in der Ukraine telefonieren konnte und Internet hatte um nach Hause den Kontakt zu halten. Ansonsten hatte ich zu Hause WLAN und auch in den meisten Cafes und Restaurants bekommt man ohne Probleme kostenloses WLAN.

Unterkunft

Untergekommen bin ich bei einer Studentin, die selbst Medizin studiert. Ich habe dort zusammen mit ihr und ihren Eltern gewohnt und habe mich sehr wohl gefühlt. Ich wurde von Anfang an sehr herzlich aufgenommen und voll in ihr Leben integriert.

Literatur

Viel Literatur habe ich ehrlich gesagt vor meiner Abreise nicht gelesen. Ich habe mich im Internet über ein paar grundsätzliche Dinge informiert und ansonsten bin ich relativ blind an die Reise herangegangen. Ich habe von meiner Mama vor der Abreise noch einen Kiew Reiseführer geschenkt bekommen und dort konnte ich dann immer noch einmal ein paar Kleinigkeiten nachlesen.

Mitzunehmen

Mitgenommen habe ich sehr viele warme Anziehsachen, da es sehr kalt war und ansonsten alles, was man sonst im Alltag an Hygieneartikeln so benötigt. Für die Klinik musste ich Wechselschuhe, Kittel, Stethoskop und einen eigenen Kasack mitbringen, denn dort werden diese nicht von der Klinik bereitgestellt. Für meine Gastfamilie habe ich noch ein paar deutsche Süßigkeiten mitgenommen, worüber sie sich sehr gefreut haben.

Reise und Ankunft

Meine Anreise lief komplett problemlos. Ich bin von Köln direkt nach Kiew durchgeflogen und wurde dort von der Studentin, bei der ich geschlafen habe, und ihrem Papa empfangen. Sie haben mich mit dem Auto abgeholt und dann sind wir erst einmal zu ihnen nach Hause gefahren. Dort angekommen gab es noch Abendbrot und dann war der Tag auch schon vorbei. Vor meinem Praktikumsbeginn hatte ich dann noch einen vollen Tag frei, an dem ich mich aber schon einmal in der Klinik vorgestellt habe und am nächsten Tag ging es dann regulär los.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war im größten pädiatrischen Kardiologiezentrum in der Ukraine. Der Behandlungsfokus war hier auf die ganz kleinen Patienten (Neonatal bis drei Jahre) gerichtet, aber auch größere Kinder wurden untersucht und behandelt. Dort gab es eine Ambulanz, eine normale Kardiologie Station und verschiedene Intensivstation. Mein erster Tag war sehr entspannt. Ich habe normalerweise zwischen 8:00 und 9:00 angefangen und an dem Tag wurde mir erst einmal das Krankenhaus und die Stationen gezeigt. Ich wurde einigen Ärzten vorgestellt und konnte so schon einmal ein paar erste Eindrücke sammeln. Eigentlich hatte ich den Famulatur Platz in der Kardiochirurgie, jedoch waren dort Famulanten am untersten Ende der Nahrungskette und man konnte wenn man Glück hatte nur von außen zusehen. Deswegen wollte ich dann lieber auf den Stationen und in der Ambulanz tätig werden. Ich bin morgens immer in die Klinik gekommen, habe mich dann kurz mit der Assistenzärztin abgesprochen und wurde dann eingeteilt. Die meiste Zeit habe ich in der Ambulanz verbracht, wo die Kinder für die ersten Untersuchungen hinkommen. Vor allem die Echokardiographie steht dort im Mittelpunkt. Nachdem ich ein paar mal zusehen durfte und mir erklärt wurde wie ich die Bilder zu interpretieren habe, durfte ich auch selbst schallen. Wenn ich auf Station war, durfte ich die kleinen Patienten untersuchen, auch hier Ultraschall machen und bei kleineren Tätigkeiten assistieren. Im OP war ich auch einige Male, aber nur zur Beobachtung. Die Hierarchie und der Konkurrenzkampf unter den Chirurgen spielte doch eine große Rolle. Es war dennoch sehr interessant und faszinierend die winzigen Herzen von Neugeborenen offen schlagen zu sehen und beobachten zu können, wie verschiedenste Herzfehler korrigiert wurden. Auch im Herzkatheterlabor konnte ich einige Untersuchungen und Interventionen beobachten. Ich durfte überall zusehen und teilweise auch mithelfen und die Ärzte haben alles sehr gut erklärt und haben immer sichergestellt, dass ich alles verstehe und viel lerne. Da es in der Ukraine ganz anders geregelt ist, was Praktika und Famulaturen angeht, war ich die einzige Praktikantin zwischen den ganzen Ärzten und immer, wenn jemand einen besonders interessanten Fall hatte oder es etwas besonderes zu sehen gab, wurde ich gerufen und gerade dadurch habe ich unglaublich viel gesehen und gelernt und konnte sehr viel mitnehmen. Ich konnte an Fortbildungen und Konferenzen teilnehmen, Vorträge hören und generell war jeder Tag anders und deswegen wurde es nie langweilig.

Land und Leute

Neben meiner Zeit im Krankenhaus habe ich auch viel erlebt. Die Studenten dort haben mir jede Ecke von Kiew gezeigt und auch so konnte ich innerhalb der Ukraine viel sehen. Nach dem Praktikum habe ich nicht oft mit ihnen dort getroffen und wir haben etwas zusammen unternommen. Die Menschen sind, wenn man sie erst einmal richtig kennengelernt hat, sehr offen und sehr hilfsbereit und vor allem auch an einem selbst interessiert Und sehr viele verstehen sogar ein bisschen Deutsch, auch wenn es nur ein oder zwei Sätze sind. Auch an der Uni war ich einige Male um verschiedene Kurse zu besuchen, was wirklich sehr viel Spaß gemacht hat. Ich habe sehr schnell und leicht Anschluss gefunden, aber das habe ich auch vor allem den Studenten dort zu verdanken. Alle waren sehr freundlich und ich habe mich besonders mit der Studentin, bei der ich geschlafen habe, sehr gut verstanden. An den Wochenenden bin ich zweimal verreist und habe dort jeweils den Nachtzug genommen, was eine wirklich lustige Erfahrung war. Man teilt sich die Schlafkabine mit drei anderen Menschen, schläft in Doppelstockbetten und wenn man Glück (oder Unglück) hat dann singen die Mitfahrer die ganze Nacht oder trinken auch mal das ein oder andere Bierchen. Auf diesem Weg habe ich Odessa und Lviv entdeckt und auch dort haben sich Studenten um mich gekümmert und mir die Städte gezeigt, sodass ich nie allein sein musste. Die Städte waren unglaublich schön und vor allem der Strand und das Meer in Odessa waren unglaublich. Da hat man sich gefühlt als wäre man im Urlaub. Die Menschen in der Ukraine haben eine ganz andere Mentalität als wir. Viele erscheinen im ersten Eindruck etwas kühl, lernt man die Menschen jedoch besser kennen, sind sie sehr herzlich. Die politische Lage ist bekannterweise etwas kritisch, vor allem durch den Krieg im Osten, jedoch habe ich davon kaum etwas mitbekommen, höchstens im Fernsehen. Nicht einmal habe ich mich unwohl oder unsicher gefühlt. Vor allem in der Familie wo ich untergekommen bin, habe ich nicht sehr wohl gefühlt. Sie haben nicht so herzlich aufgenommen und haben alles dafür getan, dass ich mich wohl fühle. Der Papa hat nur russisch, die Mama russisch und ein wenig englisch gesprochen, aber das war überhaupt kein Problem. Mit der Studentin konnte ich mich sogar auf deutsch unterhalten und zur Not auch auf Englisch. Ich habe mich wie ein Teil der Familie gefühlt und bin sehr froh, dass ich sie kennenlernen durfte. Abends haben wir meist zusammen gesessen und gegessen und dann wurde auch noch ein bisschen geredet. Und auch die Oma war öfter einmal da, sodass ich sie auch treffen konnte. Ich habe so die Kultur und das Leben in der Ukraine noch besser erleben können.

Fazit

Der Monat in der Ukraine war sehr lehrreich, interessant und hat einfach unglaublich viel Spaß gemacht. Ich habe viel gelernt, durfte dann auch selber mit anpacken und habe viele nette und vor allem interessante Menschen kennenlernen dürfen. Ich kann nur jedem eine Famulatur im Ausland empfehlen, weil man so auch einmal andere Denk- und Herangehensweisen lernt.

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