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IFMSA(Jordan);Screening of Succinylacetone for Diagnostic Tyrosinemia Type I

Verschiedene - SCORE (Forschungsaustausch)
von Moses Kamal Dieter, Homburg

Motivation

Es gibt meiner Meinung nach kaum eine bessere Möglichkeit seinen Horizont zu erweitern und sich persönlich zu entwickeln als ins Ausland zu gehen. Dabei bietet die bvmd Studenten eine günstige und sichere Möglichkeit während des Studiums ins Ausland zu reisen.
Da ich unbedingt eine neue Kultur kennenlernen wollte, zog es mich in den Nahen Osten. Da Jordanien ein sicheres Land ist und der Anteil der englisch sprachigen Bevölkerung relativ hoch ist, wurde es zu meinem Wunschziel.
Da ich noch am Beginn meiner Studienzeit stehe, habe ich mir vor allem erhofft einen Einblick in neue universitäre Einrichtungen zu gewinnen und schon einmal in die Welt der Forschung hinein zu schnuppern.

Vorbereitung

Wirklich intensiv vorbereitet, habe ich mich für den Aufenthalt in Jordanien nicht. Da wahrscheinlich jeder über ausreichende Englischkenntnisse verfügt, denke ich das ein Sprachkurs auch nicht nötig ist.
Sonst ist es vielleicht auch ganz hilfreich, sich schonmal Erfahrungsberichte durchzulesen, um einen Eindruck zu gewinnen, was einen erwartet.

Visum

Ein Visum für Jordanien bekommt man als deutscher Staatsbürger direkt im Flughafen. Die Ausstellung ist auch sehr unkompliziert, schnell und kostete mich 40 jordanische Dinar. Ein Besuch in der Botschaft oder sonstige Vorbereitungen sind dafür nicht nötig.

Gesundheit

Bestimmte Vorkehrungen hinsichtlich der Gesundheit habe ich nicht getroffen. Bestimmte Impfungen musste ich auch nicht machen und generell ist mir in Jordanien hinsichtlich der gesundheitlichen Lage nicht wirklich etwas aufgefallen.
Eine Auslandskrankenversicherung ist generell ein Muss.
Apotheken gibt es in Amman auch überall, so dass im Notfall auch sowas wie ein Aspirin schnell besorgt werden kann.
Da ich generell bei Medikamenten etwas vorsichtiger bin, nahm ich solche Sachen aus Deutschland mit.

Sicherheit

Mir war klar, dass der Nahe Osten quasi ein Pulverfass ist, was Konflikte angeht. Jordanien ist dabei auch relativ nah vom "Geschehen": Jordanien hat einen langen Grenzverlauf zu u.a. Israel, Syrien und dem Irak, so dass man schon ein "mulmiges" Gefühl hat, wenn man überlegt das einige Hundert Kilometer nördlich Krieg ist.
Es blieb aber bei diesem Gefühl: Jordanien ist ein relativ sicheres Land.
Vor allem die Touristenzentren sind sehr gut bewacht und zeigten eine ausgeprägte Polizeipräsenz. Große Menschenansammlungen, wie bei Demonstrationen und Orte, die keine typischen Touristengegenden sind, würde ich trotzdem meiden. Außerdem würde ich die Grenzgebiete meiden und nicht ohne Einheimischen auf Durchreise gehen.

Geld

Zahlungsmittel der Wahl ist der Jordanische Dinar (JD). Teilweise kann man auch mit US-Dollar bezahlen. Das aber nur in großen Shoppingzentren. Geldwechseln würde ich nicht im Flughafen, da dort der Wechselkurs relativ schlecht ist. Kreditkartenzahlung ist auch nur in größeren Geschäften möglich. Für öffentlichen/privaten Personenverkehr oder in kleineren Geschäften bezahlt man am besten Bar. Die Preise sind aufgrund des schlechten Wechselkurses vergleichbar mit derer in Deutschland. Teilweise sind Lebensmittel aber um einiges günstiger. Dabei sollte man achten Lebensmittel aus der Region zu kaufen, da importierte Ware sehr oft teuer ist. Ich würde empfehlen genug Bargeld aus Deutschland mitzunehmen. Dies ist aber kein Muss, da man in lokalen Banken relativ gut per Kreditkarte an Geld kommt. Zu beachten sind dabei natürlich die Gebühren.

Sprache

Amtssprache ist Arabisch. Jedoch kommt man mit Englisch sehr weit. Vor allem an der Universität, in Einkaufsläden und in Restaurants reicht Englisch komplett aus. Ich hatte auch das Gefühl, dass in Jordanien auch relativ gut englisch gesprochen wird. Außerhalb von Touristenzentren und universitären Einrichtungen kann das natürlich komplett anders sein.
Zu beachten ist, dass Taxifahrer und Verkäufer in kleineren Läden oftmals kaum Englisch verstehen, so dass es auch zu schwierigeren Situationen kam. Mit ein bisschen Gestik kommt man aber auch da gut klar.
Die Leute in Jordanien haben sich sehr gefreut, wenn ich versucht habe ein paar Worte arabisch zu sprechen. Deshalb empfehle ich ein paar einfache Wörter und Floskeln vorab zu erlernen. Das bringt sicherlich Sympathiepunkte :)

Verkehrsbindungen

Im Gegensatz zu Europa ist das Taxi in Jordanien das Verkehrsmittel der Wahl und als solches sehr zuverlässig und beliebt (es sei denn man mietet sich ein Auto). Normalerweise findet man überall Taxis. Eine Taxifahrt in Jordanien ist viel günstiger als in Deutschland. Man kann aber nicht den gleichen Komfort und Qualität erwarten, wie hier. Die Autos sind oft relativ alt und haben die ein oder andere Delle. Außerdem schnallt sich niemand an und der Fahrstil ist auch relativ "temperamentvoll". Es passiert auch oftmals, dass sich die Taxifahrer nicht an die Geschwindigkeitsvorschriften halten und relativ riskante Fahrmanöver einschlagen.
Schlimmer ist es in den Bussen: Die Busse sind privat organisiert und der Fahrer fährt mit einer Lizenz für bestimmte Strecken. Eine einfache Busfahrt würde ich niemandem empfehlen. Es ist sehr eng, stickig und gefährlich. Die Busse sind oftmals überfüllt und als einziger Tourist im Bus, fühlte ich mich immer beobachtet und unwohl. Außerdem sprechen die Busfahrer kein Englisch. Dafür sind die Busfahrten sehr günstig.
Empfehlen würde ich aber definitiv nur die Nutzung gelber Taxis. Es gibt auch weiße Sammeltaxis. Diese fahren aber nur bestimmte Strecken ab. Englisch sprechen die Taxifahrer jedoch meistens auch nicht. Gerade für Touristen bieten sich die Dienste von "Uber" oder dem lokalen "Kareem" an, die genauso funktionieren, wie in Deutschland. Die Nutzung eines Ubers ist relativ unkompliziert und bequem, kostet aber etwas mehr, als eine vergleichbare Taxifahrt. Zur Nutzung dieser Dienste muss man einfach die App auf dem Smartphone installieren.

Kommunikation

Als aller erstes, habe ich mir, auf Empfehlung meiner Kontaktperson, eine jordanische Simkarte gekauft. Dabei gibt es mehrere Anbieter, die eine Simkarte für 30 Tage anbieten. Ich habe mich für "Zain" entschieden und für 13.50 JD eine Anrufflatrate in das Zainnetz und 4 GB Internet erhalten. So war es für mich viel einfacher, mit den Kontaktpersonen zu kommunizieren. Das Zainnetz erschien mir als sehr zuverlässig und ist zu empfehlen.
Da es mittlerweile möglich ist über WhatsApp oder Facebook zu telefonieren, hatte ich auch keine Probleme mit meiner Familie in Deutschland zu sprechen und den Kontakt nach Hause aufrechtzuerhalten.
In meiner Unterkunft hatte ich auch eine zuverlässige W-Lan-Verbindung.

Unterkunft

Untergekommen bin ich in einer Wohnung in der Nähe der Universität. So wie ich es verstanden habe, handelte es sich dabei, um ein privates Gebäude mit Studentenwohnungen für Männer. Die Unterkunft hat mir die Kontaktperson organisiert. Dabei musste ich mich um nichts kümmern, was natürlich sehr angenehm für mich war. Die Unterkunft war relativ groß und sehr sauber. Es gab einen Kühlschrank, ein Fernseher, ein Waschbecken, ein kleines Bad mit Dusche, einen großen Kleiderschrank, ein bezogenes Bett mit Kissen und Decke und eine Klimaanlage. Auf dem Flur gab es eine kleine, relativ unsaubere "Küche", die aus einer Herdplatte bestand. Allgemein, hab ich mich dort relativ wohl und sicher gefühlt und von der Verwaltung war eigentlich jeden Tag einer im Haus, der auch von meinem Aufenthalt wusste. Gestört hat mich nur die sehr kleine und wirklich unschöne Küche.

Literatur

Auf jeden Fall empfehle ich die Seite des Auswärtigen Amtes. Dort stehen alle erforderlichen Informationen zum Land: Gesundheit, Sicherheitslage, Einreisebestimmungen, Visaangelegenheiten und so weiter.
Sonst, hab ich mir natürlich im Internet angeguckt, was es für interessante Orte in Jordanien gibt. Dabei kann ich die Seite "tripadvisor" empfehlen.
Einen Reiseführer hab ich mir nicht angeguckt.

Mitzunehmen

Für die Arbeit an der Universität hab ich meinen Laborkittel und meine Laborbrille mitgenommen, die ich aber nicht gebraucht habe. Sonst ist mir aufgefallen, dass die Leute an der Uni relativ formell gekleidet sind, deshalb sollte man darauf achten, nicht mit Shorts und Sandalen in die Universität zu gehen, sondern eher eine lange Hose und ein Hemd tragen sollte. Außerdem empfehle ich, unbedingt Sonnencreme mitzunehmen. Da man im sonnigen Jordanien sonst relativ schnell einen Sonnenbrand bekommt und Sonnenschutzmittel dort auch vergleichsweise teuer sind.
Krankenkassenkarte, Reisepass und die Dokumente zur Bestätigung der Reiseversicherung sind natürlich obligatorisch. Einen Impfpass hab ich fürsorglich auch mitgenommen.
Wer in Jordanien Autofahren möchte, der muss sich um ein internationalen Führerschein bemühen. Mit normalem EU-Führerschein ist das Autofahren nicht erlaubt.

Reise und Ankunft

Die Anreise war relativ anstrengend, da ich in Paris zwischenlanden musste und sich so die Reisedauer etwas verlängert hat. Es besteht auch die Möglichkeit von Frankfurt und Berlin aus direkt nach Amman zu fliegen. Der Direktflug ist jedoch fast doppelt so teuer.
Empfangen wurde ich nach Absprache von meiner Kontaktperson. Diese war auch pünktlich und zuverlässig und hat mir die Unterkunft gezeigt und mich zu einem Lebensmittelladen gefahren, so dass ich mich auch um 23 Uhr noch mit Lebensmittel für die nächsten Tage eindecken konnte.
Der Empfang war sehr angenehm und unkompliziert. Die Kontaktperson war sehr hilfsbereit, zuvorkommen und gastfreundlich.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich reiste an einem Mittwoch an und hatte eigentlich erwartet, dass am nächsten Tag die Tätigkeit an der Universität direkt anfängt. Die Kontaktperson sagte mir, ich solle mich erstmal ein Tag von der langen Reise erholen und sagte, dass das Programm am Sonntag beginnen würde (Freitag und Samstag sind in Jordanien frei). Ich war etwas verblüfft, da ich so eine "Gemütlichkeit" aus Deutschland nicht gewöhnt war. Ich nutzte die ersten Tage zur Entspannung und erkundigte mich etwas in der Umgebung. Am Samstagabend schrieb ich der Kontaktperson, um mich zu erkundigen, wie das Programm nun ablaufen würde. Ich sollte relativ schnell erkennen, dass wir Deutsche tatsächlich eine wirklich einzigartige Arbeitsmentalität haben und uns sehr an Regeln und Abmachungen gebunden fühlen. Deshalb war es auch sehr unangenehm für mich, als die Kontaktperson die Vorstellung an der Uni jedesmal verschob. Mir wurde gesagt, dass der leitende Professor sehr beschäftigt sei und ich warten solle. Mir wurde von der Kontaktperson angeboten mit an die Universität zu gehen. Dieses Angebot ging ich nach und die Kontaktperson (selber Student) zeigte mir die medizinische Fakultät. Ich lernte einige neue Leute kennen und besuchte einige Vorlesungen. Es war natürlich eine schöne neue Erfahrung, aber im Prinzip, nicht das, wofür ich nach Jordanien gegangen bin. Ich hatte erwartet, dass ich im Institut für Stammzellenforschung bei einem spannenden Projekt mithelfen konnte. Ich hatte auch erwartet ein Zeitplan zu erhalten, so dass ich mein Tag planen kann und genau weiß, wann ich an die Universität muss. Das alles gab es bis zum Ende nicht.
Erst in der zweiten Woche hat mir die Kontaktperson die Telefonnummer der Assistentin des besagten Professors vermittelt. Ich konnte mich dann endlich mit der Versuchsleiterin treffen und mich vorstellen. Sie zeigte mir das Labor und erklärte mir etwas über das Projekt. Es wirkte auf mich so, dass die Leute überhaupt nicht auf mich eingestellt waren und gar nicht wussten, was sie mit mir machen sollen. Als wüsste niemand, dass ich ein Monat hergekommen bin, um tatsächlich etwas zu machen. Das Forschungsprojekt selber wurde mir nur sehr spärlich erklärt. Mir wurde auch keine Literatur bereitgestellt oder erklärt, wie ich mich auf das Projekt vorbereiten sollte. Eigentlich hatte ich das Gefühl, dass ich dies auch nicht machen musste, da ich sowieso eher die Rolle eines "Betrachters" hatte. Das tatsächliche Projekt hatte auch nichts mit dem eigentlichen Projekt zu tun, für das ich mich beworben hatte und den Professor, der für mich zuständig war, konnte ich auch während des gesamten Aufenthaltes nicht treffen.
Das Labor an sich war relativ klein und nicht auf dem Campus der medizinischen Fakultät, sondern im Bereich der Biologie. Die zwei Versuchsleiterinnen haben Biologie studiert und sollten eine Studie durchführen, die untersuchen soll, was für Nebenwirkungen ein spezielles Tumormittel hatte.
Das Projektthema, als auch die "Arbeit" empfand ich als sehr langweilig und teilweise auch unnötig. Ich habe eigentlich nichts gelernt und es wirkte auf mich nicht anders, als Versuche, die ich auch im Rahmen des chemischen Praktikums im ersten Semester durchgeführt habe: Die Versuchsleiterinnen mischten bestimmte Substanzen zusammen, stellten sie in eine Wärmekammer, dann ein paar Tage gewartet, die Substanzen zentrifugiert und anschließend analysiert. Ich habe mich bemüht viele Fragen zu stellen, damit ich wenigstens etwas von der Laborarbeit mitzunehmen.
Die Arbeitszeiten waren auch relativ kurz. An vielen Tagen hatte ich frei.
Wirklich etwas mitgenommen, habe ich hinsichtlich der Laborarbeit nichts. Ich fühlte mich durchgängig fehl am Platz und auch nicht wirklich willkommen. Ich hatte eher das Gefühl, dass die beiden Versuchsleiterinnen nicht wussten, wie sie mit mir umgehen sollen.
Da das Labor sich nicht in der medizinischen Fakultät befand und ich keinen Kontakt zu Ärzten oder anderen Medizinstudenten hatte, kann ich über die medizinische Ausbildung und dem Gesundheitssystem nicht viel sagen.
Aus Gesprächen mit der Kontaktperson, hab ich den Eindruck bekommen, dass das Medizinstudium in Jordanien eher dem Modellstudiengang in Deutschland ähnele und allgemein relativ viel Druck auf die Medizinstudenten lasten soll. Es herrsche Vorlesungspflicht und es gäbe auch nur insgesamte 20 vorlesungsfreie Tage im Jahr. Außerdem sei es relativ kostspielig in Jordanien zu studieren. Wenn ich dies mit dem deutschen System vergleiche, wird mir klar, dass wir es hier in Deutschland sehr gut haben.

Abschließen kann ich sagen, dass ich hinsichtlich meiner eigentlichen Forschungstätigkeit sehr enttäuscht war: Der Professor hatte keine Zeit, das Projekt war einmal ein komplett anderes und meine Kontaktpersonen konnte mir auch nicht wirklich helfen und wirkten eher planlos.

Land und Leute

Da ich relativ viel Zeit hatte und sowieso das Gefühl hatte, dass das Forschungsprojekt nicht wirklich ernstgenommen wurde, konnte ich meine Freizeit relativ frei gestalten. Amman ist echt eine extrem riesige Stadt. Sie zu Fuß zu erkunden ist unmöglich. Zumal Amman echt nicht fußgängerfreundlich ist: überall sind Erhebungen, es gibt teilweise keine Fußgängerwege und Zebrastreifen und Fußgängerampeln sucht man auch vergeblich. Fortbewegungsmittel der Wahl ist das Taxi.
Ich hab dennoch versucht meine Gegend zu erkunden und bin oft spazieren gegangen. Das war zwar relativ anstrengend, aber auch immer ein Abenteuer, da es sich teilweise wie eine Bergwanderung angefühlt hat.
Das Wetter war im Vergleich zu Deutschland fast schon sommerlich. Es gab vereinzelt wolkige und auch regnerische Tage. Eine dicke Winterjacke brauchte ich nicht. Und eine gewisse Bräune nahm ich im Endeffekt auch wieder mit nach Deutschland, wo mich dann der kalte Regen empfing.
Das Essen war erwartungsgemäß sehr lecker. Leitungswasser sollte man nicht trinken. Draußen findet man relativ leicht und zu günstigen Preisen arabische Fastfoodvarianten, wie Falafel oder Schawarma. Was allzu Gesundes, kann man da aber nicht erwarten. Besonders gefiel mir in der Downtown Amman das Restaurant "Hashem", welches bei Touristen sehr beliebt ist. Dort kann man günstig traditionell Essen und schwarzen Tee trinken.
Die Downtown fand ich generell sehr schön. Dort war immer sehr viel los, es gab viele bunte Geschäfte und Märkte und viele Möglichkeiten lecker zu Essen. In der Mitte der Altstadt liegt die bekannte King-Hussein-Mosque. Dort werden auch jeden Freitag regimekritische Demonstrationen veranstaltet, die man am besten meiden sollte.
In Amman selber habe ich noch einige große Shopping-Malls besucht, die eher an Amerika erinnern und viel größer sind, als das, was wir aus Deutschland kennen. Außerdem sind die Produkte da wirklich sehr teuer.
In Amman selber hab ich mir noch das antike römische Theater angeguckt.
Was mich sehr gefreut hat war, dass in der Nähe meiner Unterkunft ein kleines Fitnessstudio war. Dieses nutzte ich gegen eine Gebühr von 30 JD. Generell kann man sagen, dass Freizeitangebote in Jordanien sehr teuer sind und auch schwer zu Fuß zu erreichen sind.
Außerhalb Ammans, war ich ein Tag am toten Meer, welches an der Grenze zu Israel liegt und auf jeden Fall zu empfehlen ist und einmal im Süden Jordaniens in der ehemaligen Felsenstadt "Petra".
Bei Petra handelt es sich um eine Ruinenstätte, die in der Antike als Hauptstadt der Nabatäer fungierte. Sie zählt zu den sogenannten "7 neuen Weltwunder" und das Highlight ist die beeindruckende "Schatzkammer", die man auch aus Fotos kennt.
Beide Orte habe ich mit dem Fernbus erreicht. Dabei kann ich den Anbieter "Jett" empfehlen. Dieser bietet auch Fahrten in benachbarte Städte an.
Ich hätte noch sehr gerne die Küstenstadt Aqaba besucht. Diese liegt am roten Meer, welches aufgrund der Korallenriffe und der Unterwasserwelt ein Taucherparadies darstellen soll.
Was mir besonders aufgefallen ist und auch in Erinnerung bleibt, ist, dass die "normalen" Menschen denen ich flüchtig auf der Straße begegnet bin, immer sehr gestresst, unglücklich und hektisch wirkten. Ich hab wirklich niemanden lächeln sehen und die meisten Gesichter wirkten sehr grimmig. Auch die Taxifahrer wirkten immer sehr getresst, haben geflucht und wirkten nicht wirklich entspannt. Natürlich laufen in Deutschland längst nicht alle mit breiten Grinsen herum, aber man erkennt wirklich "Leben", wenn man nach draußen schaut: Leute treffen sich in Parks, trinken was zusammen, lachen oder hören Musik; Leute gehen mit der Familie oder Hund spazieren; Leute sonnen sich und genießen das Wetter. Sowas sieht man in Jordanien eigentlich garnicht. Es könnte daran liegen, dass es auch relativ wenig Möglichkeiten gibt, seine Zeit draußen zu verbringen. Grünanlagen, Spielplätze oder Sportanlagen findet man kaum. Kinos, Theater, Pubs nur in den riesigen Malls. Wahrscheinlich spielt sich das Leben eher im "Geschlossenen" ab: In Autos, zu Hause oder in Restaurants. Es wirkte auf mich etwas, wie ein offenes Gefängnis. Natürlich auch, weil Amman ohne Auto nicht begehbar ist und die Orte immer extrem weit von einander entfernt sind.
Ein weiterer Erklärungsansatz ergab sich aus Gesprächen mit mehrern Personen: Das Leben in Jordanien sei ziemlich anstrengend und stressig und das zeige sich auch in den Gesichtern der Jordanier. Die Lebenshaltungskosten seien extrem hoch, im Vergleich zu den niedrigen Löhnen; die Arbeitslosigkeit sei extrem hoch, vor allem unter Jugendlichen und auch trotz abgeschlossenem Studium herrsche oft Perspektivlosigkeit. So musste ich oft feststellen, dass mein Uberfahrer eigentlich hochqualifizierter, Uniabsolvent ist, aber einfach keinen Job findet. Außerdem gäbe es in Jordanien kein Sozialsystem; kein Arbeitslosengeld, kaum Krankenversicherungen und somit generell kein richtiges Gefühl von finanzieller Sicherheit. Außerdem spielt die politische Situation eine Rolle: Es herrscht eine konstitutionelle Monarchie. Meinungsfreiheit gäbe es nicht.
Im Vergleich dazu führen wir in Deutschland ein relativ entspanntes und abgesichertes Leben. Man muss sich auch mal vorstellen, was für ein Druck auf junge Medizinstudenten lastet: Jedes extra Semester kostet extrem viel Geld, so dass dort der Leistungsdruck viel höher ist, als hier.
Trotzdem sind die Menschen meiner Meinung nach sehr herzlich, gastfreundlich, hilfsbereit, interessiert und offen. Außerdem sind die Menschen auch sehr höflich und zuvorkommend. Aus Gesprächen mit Einheimischen habe ich sehr viel gelernt und habe dadurch viele neue Eindrücke erhalten und auch eine ganz andere Sichtweise auf unser wirklich freies und relativ entspanntes Leben in Westeuropa erhalten.

Fazit

Abschließen kann ich sagen, dass ich hinsichtlich meiner eigentlichen Forschungstätigkeit sehr enttäuscht war: Der Professor hatte keine Zeit, das Projekt war ein komplett anderes und total uninteressant und meine Kontaktpersonen konnte mir auch nicht wirklich helfen und wirkten eher planlos.
Später wurde mir erklärt, dass es daran lag, dass Austausche im Winter/Frühjahr in Jordanien unüblich seien und deshalb alles nicht "so gut organisiert war". Diesen Entschuldigungsversuch musste ich akzeptieren.
Im Gegensatz zur Forschungsarbeit konnten mich Land und Leute wirklich überzeugen, so dass ich dennoch sagen kann, dass der Aufenthalt schön war. Ich habe viele neue Leute und Geschichten kennengelernt; einige beeindruckende neue Orten gesehen, darunter ein "neues Weltwunder"; leckeres, orientalisches Essen gegessen und mich auch selber besser kennengelernt.
Es war das erste Mal, dass ich solang am Stück alleine außerhalb Europas war. Sicherlich eine schöne, lehrreiche und eindrucksvolle Erfahrung.
Einen Austausch im Rahmen der bvmd empfehle ich wirklich jedem, der unkompliziert und sicher ins Ausland möchte. Seitens der bvmd war alles super organisiert und bei Fragen und Problemen, gab es immer schnelle, freundliche und hilfreiche Antworten.
Für die Organisation im Gastgeberland kann die bvmd natürlich nichts. Deshalb würde ich das Land Jordanien für einen Forschungsaustausch auch auf keinen Fall empfehlen. Es gibt sicherlich Länder, die die Organisation besser hinbekommen.
Für einen Urlaub ist Jordanien dennoch ein interessantes und vielseitiges Land mit sehr netten und gastfreundlichen Leuten!

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