zurück

Mexico (IFMSA-Mexico)

Orthopädie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Larissa Shari, Lübeck

Motivation

Ich arbeite bereits seit einiger Zeit für die bvmd als LEO und habe so schon einige Erfahrungen mit Austauschstudenten sammeln können. Ich dachte mir, dass es nun für mich selbst einmal an der Zeit sei, das Ausland zu erkunden und in andere Gesundheitssysteme hinein zu schnuppern. Da ich mich nie hätte entscheiden können, wohin genau ich reisen möchte, da es eine riesig lange Länderliste gibt, habe ich mich kurzerhand auf einen Restplatz beworben. Aufgrund der benötigten Sprachkenntisse kamen für mich in der Bewerbung nur Mexiko und Indonesien in Frage. Da ich schon immer nach Mexiko reisen wollte, habe ich mich sehr gefreut, dass es dieses wunderschöne Land geworden ist.
Große Erwartungen hatte ich nicht an den Austausch. Ich habe gehofft, dass die Menschen freundlich sein würden und dass ich im Krankenhaus viel mit anpacken dürfte.

Vorbereitung

Da ich einen Restplatz bekommen habe, fiel meine Vorbereitungszeit recht kurz aus. Ich habe mich bemüht möglichst schnell alle benötigten Unterlagen zusammen zu bekommen und noch zügig das Englisch- Zertifikat zu machen. Außerdem habe ich angefangen mit Babble Spanisch zu lernen, da ich bis dahin kein Wort der Sprache beherrschte. Ich war überrascht, wie gut das mit der App funktioniert hat.
Den Fahrtkostenzuschuss habe ich auch recht zügig beantragt, damit ich meine Flüge buchen konnte.
Sobald ich wusste, wohin der Austausch in Mexiko genau geht, wurde ich auch schon vom LEO aus Tepic, sowie meiner Mitbewohnerin dort kontaktiert. Es war super schön, bereits vorher in Kontakt zu stehen und sich etwas kennenlernen zu können. Das hat mir viel Sicherheit vermittelt.

Visum

Für Mexiko benötigt man derzeit als deutscher Staatsbürger kein Visum. Man bekommt einfach wie jeder Tourist am Flughafen einen Stempel in den Reisepass, der einem einen dreimonatigen Aufenthalt gestattet. Man bekommt außerdem noch einen extra Zettel mit der Aufenthaltsgenehmigung ausgehändigt, den man immer bei sich tragen sollte, da in öffentlichen Verkehrsmitteln dort gerne mal kontrolliert wird, ob sich dort illegale Einwanderer aufhalten.
Für die Flugreise ist zu bedenken, dass man für die USA und Kanada online eine Genehmigung (ESTA und ETA) beantragen muss, wenn man sich in deren Luftraum aufhält. Das gilt auch, wenn man dort am Flughafen nur umsteigt. Da es unter Umständen etwas dauern kann bis man diese Erlaubnis erhält, sollte man sie frühzeitig beantragen, sonst kommt man gar nicht erst ins Flugzeug.

Gesundheit

Zwecks der Reiseimpfungen habe ich einen Termin in der reisemedizinischen Beratung unserer Uniklinik gemacht. Dort habe ich zusammen mit dem Arzt besprochen, welche Impfungen für mich sinnvoll wären. Da das eine ganze Menge Impfungen waren, war ich sehr froh, dass ich rechtzeitig den Termin gemacht hatte und somit noch die zeitliche Abfolge des Impfprotokolls eingehalten werden konnte.
Zum Glück bin ich bei der Techniker Krankenkasse versichert, die die vollen Impfkosten übernommen hat. Ansonsten hätte ich dafür um die 700 Euro aufbringen müssen.

Sicherheit

Ich habe eine Auslandskrankenvericherung und eine Auslandsfamulaturversicherung über die AXA bei meiner Bank abgeschlossen. Das ist bei der apoBank für Studenten nämlich kostenlos.
Bezüglich der Sicherheitslage in Mexiko habe ich mir Informationen beim Auswärtigen Amt gesucht. Dort gab es Warnungen für einige Teile Mexikos, mein Ziel war glücklicherweise nicht dabei. Ich hatte im Vorfeld die typischen, oberflächlichen Mexiko- Ängste (Drogen, Schusswaffen, Korruption, etc.). Ich habe dann während meines Aufenthaltes aber ziemlich schnell gemerkt, dass das überhaupt nicht nötig war. Ich habe mich zu keiner Zeit unsicher gefühlt. Ich habe mich so verhalten und einfach etwas auf meine Sachen und mich geachtet , wie ich es hier in Deutschland auch tue.

Geld

Mexiko ist für Deutsche ein extrem profitables Reiseland. Im März bekam ich für einen Euro umgerechnet 24 mexikanische Pesos. Damit habe ich mich fast schon ungebührend reich gefühlt und konnte mit meinem eigentlich knappen Budget einen tollen Monat verleben. Ich würde empfehlen Bargeld oder die Kreditkarte einzusetzen. Ich habe im Vorfeld kein Geld umgetauscht, sondern einfach dort vor Ort am Flughafen Geld abgehoben. Wenn man in kleineren Läden mit Kreditkarte bezahlen will, kann es manchmal mit einer VISA Probleme geben. Eine MasterCard hat dagegen immer funktioniert.

Sprache

In Mexiko wird Spanisch gesprochen. Nur wenige Menschen können Englisch. Selbst viele der Studenten konnten kein oder nur sehr schlecht Englisch. Ich hatte mir vor dem Austausch nur Basis- Kenntnisse in Spanisch mit Babble angeeignet. Das hat wider erwarten super funktioniert und auch für die erste Verständigung ausgereicht. Die Mexikaner sind super freundlich und freuen sich, wenn man auch nur ein kleines Bisschen Spanisch versucht. Mit einem A2 Niveau bin ich im Alltag und auch im Krankenhaus gut zurecht gekommen.

Verkehrsbindungen

Um nach Mexiko zu reisen empfiehlt es sich natürlich zu fliegen. Es gibt mittlerweile schon sehr günstige Flüge, wenn man bereit ist mehrmals umzusteigen. Ich würde jedoch dazu raten alles bei einer Airline zu buchen, da einem dann besser geholfen wird, falls es doch einmal zu Flugausfällen oder Verspätungen kommen sollte und man seinen Anschluss nicht bekommt.
In Mexiko selbst bin ich vom Flughafen mit Uber ins Stadtzentrum zum Busbahnhof gefahren. Mit Omnibus de México kann man recht günstig und sehr komfortabel längere Entfernungen bewältigen. Es gibt an Bord der Busse große bequeme Sessel, einen privaten Fernseher für jeden und im Ticketpreis inkludierte Verpflegung.
In den Städten selbst kann man gut mit dem Linienbus, Taxi und vor allem Uber fahren. In Mexico City haben wir auch oft die U-Bahn genutzt. Dort gibt es extra Frauen- Wartebereiche und Frauen-Abteile.

Kommunikation

Für den Kontakt mit meinem mexikanischen Freunden habe ich mir eine TELCEL Simkarte gekauft, die man im OXXO Supermarkt, der wirklich an jeder Ecke ist kaufen und aufladen kann. So hatte ich mobile Daten für unterwegs. Ansonsten konnte ich in der Uni und bei meiner Gastgeberin WiFi kostenfrei nutzen und so auch über WhatsApp mit Freunden und Familie in Deutschland in Kontakt bleiben.

Unterkunft

Mein LEO in Tepic hat mir meine Unterkunft organisiert. Ich habe bei einer Medizinstudentin und ihrer Cousine gewohnt. Die beiden leben in einem kleinen Haus und haben mir ein eigenes Zimmer überlassen. Die Küche, das Bad und das Wohnzimmer konnte ich frei benutzen und habe mich mit den beiden total wohl gefühlt. Ich habe nur meine eigenen Handtücher benutzt, ansonsten konnte ich von den Haushaltsutensilien vor Ort gebrauch machen. Eine Wäscherei und Supermärkte, sowie die nächste Bushaltestelle waren ganz in der Nähe. Ich musste ich lediglich daran gewöhnen, dass in Mexico öfter mal kleine Echsen und Kakerlaken den Weg in die Häuser finden.

Literatur

Ich habe lediglich im Internet über das dortige Gesundheitssystem recherchiert und den Google Reiseführer für Tepic und Umgebung gelesen. Außerdem habe ich mir in der Stadtbücherei bei uns noch einige Mexiko Reisefürer ausgeliehen und darin geblättert. Mein LEO hat für mich einen ganz tollen und aufführlichen Social- Program- Katalog erstellt, in dem ich viele Informationen für meine Freizeitgestaltung finden konnte.

Mitzunehmen

Da ich bei meinem Billig- Flug nur 15kg mitnehmen durfte, habe ich mich bezüglich meiner Kleidung sehr stark eingeschränkt. Da es in Tepic durchgängig warm ist, habe ich nur Sommersachen eingepackt. Generell habe ich nur so gepackt, als würde ich für eine Woche verreisen und dann immer alles in der super günstigen Wäscherei waschen lassen. Ich musste meinen Kittel und Arbeitskleidung (auch Schuhe und OP- Kleidung) selbst mitbringen. Man sollte unbedingt an Insektenspray denken. Allerdings kann man alles was man dann vielleicht doch vergessen hat einfach vor Ort kaufen.

Reise und Ankunft

Meine Anreise verlief etwas holprig, da schon mein erster Flug ausgefallen ist und ich dann eine komplett neue Verbindung buchen musste. Nach den Anfangsschwierigkeiten verlief aber alles glatt. Ich bin am 26.2.18 von Hamburg losgeflogen und aufgrund der Zeitverschiebung am 27.2.18 vormittags in Guadalajara gelandet. Dort hatte ich mich mit der anderen Austauschstudentin, die auch in Tepic sein würde, vorher über Facebook verabredet und wir haben noch zwei Tage dort verbracht und die Stadt erkundet. Anschließend sind wir zusammen mit dem Bus nach Tepic gereist und wurden dort am Busbahnhof total herzlich von unserem LEO und Contact Persons und Hosts empfangen. Sie hatten Schilder gebastelt und Blumen dabei. Sie haben uns direkt in ein tolles Restaurant mitgenommen und danach zu unseren Unterkünften begleitet. Am selben Abend hat meine Mitbewohnerin mir noch den nächsten Supermarkt und das Wohnviertel gezeigt. Am nächsten Morgen wurde ich von meinem LEO und meiner Gastgeberin zum Krankenhaus begleitet. Sie sind mit mir zusammen den Weg im Bus gefahren und haben mir so gezeigt, wie ich in den nächsten Tagen selbstständig zur Arbeit finden kann. Im Krankenhaus hat mein LEO mich in die Orthopädie begleitet und mich dort allen Ärzten vorgestellt. Ich habe mich sehr gut aufgehoben gefühlt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe meine Famulatur in der Traumatologie absolviert. Darunter fällt in Mexiko Orthopädie, Unfallchirurgie und Wirbelsäulenchirurgie. Alle Ärzte und auch das Pflege- und OP- Personal waren sehr nett und haben mich herzlich aufgenommen. Ich durfte meinen Tagesablauf im Krankenhaus relativ frei gestalten. Ich konnte entweder an der Sprechstunde teilnehmen, in der Notaufnahme helfen oder mit den den OP. Ich habe mich bis auf einige Ausnahmen immer für den OP entschieden. Bei jeder Operation durfte ich mit an den Tisch und assistieren. In der letzten Woche durfte ich sogar durch die OP leiten. Es war eine ganz tolle und besondere Erfahrung für mich, da man in Deutschland ja meistens als Student nicht viel mehr machen darf als Haken halten, nähen und den Sauger bedienen. Da die Traumatologie so vielfältig ist, habe ich auch viele unterschiedliche Operationen gesehen. Am meisten Spaß hatte ich bei den Wirbelsäulen- und Hüft- OPs.
In Mexiko gibt es in jeder größeren Stadt mindestes ein staatliches und ein privates Krankenhaus, sowie ein Krankenhaus für Mitarbeiter des Staatsdienstes. Ich war im staatlichen Krankenhaus (IMSS) eingesetzt und konnte somit Erfahrungen mit Patienten aus allen sozialen Schichten machen.
Im Gegensatz zu Deutschland sind die hierarchischen Strukturen unter den Ärzten nicht so ausgeprägt. In Tepic hat uns auch der Chefarzt am Wochenende mit seiner Familie mit zum Strand genommen.
Jeden Freitag gab es für alle Studenten im Krankenhaus Seminare zu speziellen, lokal relevanten, klinischen Themen, wie zum Beispiel die Behandlung nach Skorpion- Stich.
Insgesamt habe ich an vielen Stellen bemerkt, dass für das Gesundheitssystem in Mexiko nicht viel Geld ausgegeben wird. Das Krankenhaus war sehr alt und hatte viele bauliche Mängel. Es wurden vor allem im OP viel mehr wiederverwendtbare Materialien verwendet als hier in Deutschland. Auch hygienische Unertschiede sind für mich deutlich geworden. So fährt man zum Beispiel schon in Arbeitskleidung imBus zum Krankenhaus oder zieht sich im OP nur Überzieher über die Schuhe, die man vorher bereits draußen getragen hat.
Aufgrund der mangelnden Ausstattung und finanziellen Mittel müssen Ärzte und Pfleger sehr viel improvisieren. Wo wir in Deutschland tolle Vakuummatratzen zum Lagern haben, werden in Mexiko abenteuerliche Konstruktionen aus leeren Kanistern gebastelt. Die Patientenversorgung erfolgt aber trotz dieser ganzen Umstände mit viel Herz und sehr gewissenhaft. Erstaunlich für mich war, dass die Post-OP- Infektionsrate nicht erheblich höher war als hier. Am meisten beeindruckt hat mich, wie warmherzig ich von Mitarbeiten und Patienten behandelt wurde. Alle waren zu jeder Zeit bereit mir zu helfen und mir mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Besonders die anderen Studenten im Krankenhaus haben mich ganz toll integriert.

Land und Leute

Mein LEO hatte für jeden Tag ein wunderbares Social Program geplant. Wir haben die Umgebung erkundet, diverse Museen besucht, eine Stadtrundfahrt gemacht und sind ins Kino gegangen. Die Studenten vor Ort haben für uns in den ersten Tagen ein mexikanisches Dinner organisiert, bei dem die andere Austauschstudentin und ich uns einmal quer durch die mexikanische Küche probieren konnten. Wir haben Salsa getanzt und Papier- Laternen fliegen lassen. An den Wochenenden habe ich zusammen mit der anderen Austauschstudentin und mexikanischen Studenten, Ärzten, Krankenschwestern, sowie meiner Gastfamilie unvergessliche Ausflüge unternommen. Wir sind nach Mexico City gereist und haben dort das volle Sight- seeing Programm, inklusive der ca. eine Stunde entfernten Tempelanlage absolviert. Vor Ort wurden wir dort von einem LEO aus Mexico City begleitet. Mit meiner Gastgeberin habe ich ihre Familie besucht und ihre malerische Heimatstadt Santiago erkundet. Die gesamte Familie hat sich das ganze Wochenende Zeit genommen, um mit uns zu verschiedenen Stränden und Stadtfesten und zur Insel Méxicaltitan zu fahren. Zusammen mit unseren Ärzten sind wir zu diversen Stränden gefahren und haben leckere Meeresfrüchte probiert und im Meer gebadet. Ein anderes Wochenende sind wir nach Sayulita und Puerto Vallarta gefahren und haben die mehr touristischen Seiten Mexikos genossen. Eine kleine Bergtour haben wir auch unternommen. Natürlich waren wir auch oft in Bars oder tanzen. Alle haben sich so viel Mühe gegeben um diese Zeit zu einer ganz besonderen Erfahrung zu machen. Ein super einzigartiges Erlebnis war für mich auch die Bootstour La Tovara, bei der man am Ende neben Krokodilen schwimmen konnte.
Generell habe ich bemerkt, dass die meisten Menschen in Mexiko sehr arm sind und wirklich nicht viel Geld zum Leben haben. Dennoch scheint die Mehrheit sehr glücklich und zufrieden zu sein. Familie hat hier einen sehr hohen Stellenwert und so ist es üblich, dass man die Wochenenden als Student nach Hause zur Familie fährt, um gemeinsam Zeit zu verbringen.
Das mexikanische Essen ist genial. Zumindest für mich, da ich sehr gerne scharf esse. Es ist allerdings ziemlich schwierig etwas anderes als mexikanische Küche in den Städten zu finden. Ich glaube internationale Restaurants habe ich nur in Mexico City gesehen. Außer amerikanisches Essen, wie zum Beispiel Chicken- Wings, die kann man echt an jeder Ecke finden.
Mit meinen Gastgeberinnen bin ich hervorragend zurecht gekommen und wir haben uns über den Monat gut angefreundet. Das Einzige, was mich an der Wohnsituation gestört hat, war das andere Verständnis von Sauberkeit und Hygiene, welches die meisten Mexikaner wohl haben. Ich musste mich einfach daran gewöhnen, dass die Sanitäranlagen nirgends wirklich sauber waren und sich der Müll in den Ecken türmte. Aber was den Mexikanern an Hygieneverständnis und Umweltbewusstsein fehlt machen sie durch ihre unschlagbare Herzlichkeit wieder wett.

Fazit

Meine Erwartungen wurden bei Weitem übertroffen. Ich hätte nie damit gerechnet so viele wunderbare Menschen zu treffen und so viele Freunschaften zu schließen. Fachlich habe ich eine Menge mitgenommen und die Arbeitsbedingungen in Mexiko haben mir gezeigt, wie gut wir es hier in Deutschland haben. So dass ich mir vorgenommen habe, mich hier nie wieder über die Gegebenheiten zu beschweren. Ich würde jederzeit, wenn es die finanziellen Mittel erlauben, wieder einen Austausch machen und kann das auch nur jedem wärmstens ans Herz legen. Ich selber überlege derzeit meine nun geknüpften Kontakte für einen Urlaub in Mexiko zu nutzen, um noch mehr von diesem einzigartigen Land kennen lernen zu können.

zurück