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IFMSA-Brazil(Brazil);Genetic Predisposition to Complex Diseases: Cancer, Autoimmunity and Infectious Diseases

Verschiedene - SCORE (Forschungsaustausch)
von Christoph, Köln

Motivation

Motivationen für meinen SCORE-Austausch gab es viele. Als Mediziner lernt man viel, verbringt die meisten Tage an der heimischen Uni und erfährt wenig über globale Zusammenhänge und andere Länder. Im Modellstudiengang der Universität zu Köln ist in der vorklinischen Studienphase ein wissenschaftliches Projekt vorgesehen. Hier sah ich meine Chance, diesen ohnehin notwendigen Forschungsaufwand mit einem Auslandsaufenthalt zu verbinden.

Vorbereitung

Die Vorbereitung verlief über einen recht langen Zeitraum, allerdings nicht sehr intensiv. Immer mal wieder habe ich mir im Internet Informationen über Brasilien und Belém beschafft. Es gibt zahlreiche Artikel über den gefährlichen Norden Brasiliens. Da darf man sich nicht verrückt machen lassen, worauf ich im Abschnitt zur Sicherheit genauer eingehe. Je näher das der März rückte, desto konkreter wurden meine Bemühungen. Einige Dinge, wie zum Beispiel das Buchen der Flüge, wollte ich erst nach der finalen Zusage aus Brasilien erledigen. Für die Reise habe ich nicht einen Koffer, sondern einen großen Rucksack mitgenommen, was rückblickend eine super Idee war. So konnte ich all mein Gepäck am Körper tragen und war sehr flexibel.
Inhaltlich habe ich mich auf die Tätigkeit im Labor kaum vorbereitet. Genetik war für mich kein unbekanntes Thema, sodass ich zuversichtlich war, meinen Aufgaben gewachsen zu sein. Und genau so war es auch. Im Labor wurde mir viel erklärt und niemand erwartete Kenntnisse, die über die schon in der Schule und im Studium erworbenen hinausgehen.

Visum

In Brasilien benötigt man als Deutscher kein Visum, wenn der geplante Aufenthalt nicht länger als 90 Tage dauert. Da ich ein einmonatiges Praktikum absolviert habe, musste ich mich im Vorfeld nicht um ein Visum bemühen. Ich habe allerdings gelesen, dass für einzelne Studentenwohnheime in Sao Paulo ein studentisches Visum notwendig ist. Da solltet ihr eure Gastgeber einmal nach den Vorgaben eurer Unterkunft fragen.

Gesundheit

Vor einer Reise nach Brasilien empfiehlt es sich, den Impfpass zu prüfen und gegebenenfalls einen Arzt für Reisemedizin zu besuchen. Die klassischen Reiseimpfungen für tropische Länder konnte ich alle vorweisen und somit blieben mir weitere Impfungen erspart. Man sollte diesen Arztbesuch möglichst früh absolvieren, um noch genügend Zeit für eine Immunisierung zu haben. Da Malaria offiziell in Belem nicht verbreitet ist, habe ich auf eine Prophylaxe verzichtet. Auf Mückenstiche müsst ihr euch allerdings einstellen. Ich habe täglich Repellent benutzt, um zumindest einige Stiche zu vermeiden.
Die eigene Gesundheit vor Ort ist mit Sicherheit auch ein großes Thema. Die Abdeckung mit Ärzten und stationären Einrichtungen in Belém ist gut. Es gibt zahlreiche Krankenhäuser und mit etwas Glück findet man einen Arzt mit Englischkenntnissen. Die brasilianische Austauschorganisation verlangt eine gültige Auslandskrankenversicherung. Reiseversicherungen sind nicht teuer und decken in der Regel auch unbezahlte Praktika im Ausland ab. Zumindest bei meiner Krankenversicherung, der Union Krankenversicherung, war ein Zeitraum von 6 Wochen im Regeltarif enthalten.
In Belem gab es zahlreiche Krankenhäuser. Von innen habe ich nur die öffentlichen Lehrkrankenhäuser der Universität gesehen. Ich selber hätte mich im Notfall lieber in einem der privaten Krankenhäuser behandeln lassen. Anfallende Kosten werden von der Auslandskrankenversicherung übernommen, unabhängig davon, ob es sich um ein privates Haus handelt.

Sicherheit

Dieser Punkt hat mir im Vorfeld meiner Reise einige Sorgen bereitet. Nahezu alle Recherchen zur Stadt Belem verwiesen auf die prekäre Sicherheitslage im Norden Brasiliens. Vor allem meine Familie war sehr besorgt. Aber ich kann alle potentiellen Outgoings in dieser Hinsicht beruhigen. Natürlich ist diese Region statistisch gesehen gefährlich, aber wenn man sich an gewisse Verhaltensregeln hält, bekommt man keine Probleme. Alle meine Kontaktpersonen in Brasilien waren sehr um meine Sicherheit bemüht. Ich wurde vom Flughafen abgeholt, wohnte in einer Gaited Community und fühlte mich dort zu keinem Zeitpunkt unsicher. Auch die Innenstadt wirkte auf mich sehr geschäftig und durch die vielen Menschen verhältnismäßig sicher. Die Omnipräsenz von Sicherheitspersonal trug vermutlich einen Großteil zu diesem Empfinden bei.
Mein Host nahm mich täglich mit dem Auto mit ins Labor und die Rückfahrt bestritt ich meist mit einem Uber. Taxi fahren war für deutsche Verhältnisse wirklich sehr günstig, sodass ich lieber ein paar Euro in ein Taxi investierte. Nachdem ich den Weg ins Labor kannte und mich an die Stadt gewöhnt hatte, habe ich auch mehrfach den Bus genommen. Öffentliche Verkehrsmittel waren definitiv ein Erlebnis. Mit neugierigen Blicken, Straßenhändlern und unangenehmer Hitze ist in den häufig sehr vollen Bussen zu rechnen, aber unsicher habe ich mich nie gefühlt.

Geld

m Gegensatz zu fast allen südamerikanischen Ländern, die den Peso verwenden, ist die Währung in Brasilien der Reais. Der Wechselkurs lag im Frühjahr 2018 bei etwa 1 zu 4,5. Es macht Sinn, sich im Vorfeld etwas mit den Lebenskosten vor Ort zu beschäftigen und eine Budgetplanung zu erstellen. Ein Tauschen von Euro in Fremdwährung ist allerdings nicht notwendig. Dafür ist es absolut unumgänglich, sich vor der Reise eine Kreditkarte zu besorgen, da das die einfachste und sicherste Möglichkeit ist, zu bezahlen. Fast überall wurden Kreditkarten akzeptiert, selbst an Snackautomaten oder auf Märkten. Bargeld habe ich kaum gebraucht. Internationale Banken gibt es in Belém mehrere (Santander, Banco do Brasil usw.). Das Geldabheben mit Kreditkarte hat immer reibungslos funktioniert. Manche unabhängige Geldautomaten (z.B. in Supermärkten) erheben eine Gebühr; die großen Banken allerdings nicht.
Da ich bei meiner Gastfamilie kostenfrei leben und essen konnte und ein Mittagessen in der Kantine der Uni umgerechnet etwa 50 Cent gekostet hat, brauchte ich vor Ort nicht viel Geld. Die größten Ausgaben waren mit Sicherheit die für Freizeitaktivitäten, Museumseintritte, Restaurantbesuche oder Souvenirs. In Belém selber habe ich somit in fünf Wochen etwa 300 Euro ausgegeben; in Deutschland wäre es definitiv mehr gewesen. Wenn man nicht den Anspruch hat, täglich europäisches Essen zu essen, kann man seine Zeit in Belém auch mit kleinem Budget genießen.

Sprache

Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, im Vorfeld etwas Portugiesisch zu lernen. Leider stellte sich das Wintersemester als sehr stressig heraus, sodass ich nach meinen letzten Klausuren mit nicht viel mehr als zehn Wörtern Portugiesisch in meinem Wortschatz nach Brasilien aufbrach. Ich war zu Beginn also vollkommen auf meine und vor allem die Englisch- und Spanischkenntnisse der Einheimischen angewiesen. Wie für südamerikanische Länder zu erwarten, sprach der Großteil der Bevölkerung wenig bis gar kein Englisch. Ich versuchte es immer wieder, aber im auf der Straße gab ich die englische Sprache schnell auf. Im Labor und der Uniklinik hatte ich mehr Glück. Die meisten der Ärzte und Studenten sprachen zumindest ein wenig Englisch. Eine wirklich fließende Konversation war allerdings nur mit wenigen Menschen möglich. Dazu gehörte zum Glück mein Host, sodass ich zu Hause sehr gut meine Fragen mit ihm klären konnte. Seine Eltern und kleinen Geschwister sprachen ausschließlich Portugiesisch.
Deutlich besser kam ich mit meinen mittelmäßigen Spanischkenntnissen zurecht. Auf der Straße war es am einfachsten, sich auf Spanisch zu verständigen. Auch wenn die meisten Menschen selbst kein Spanisch sprachen, konnten sie aufgrund der Ähnlichkeit zum Portugiesischen zumindest verstehen, was ich zu sagen hatte. Das erwies sich beim Taxifahren oder Einkaufen im Supermarkt als sehr hilfreich.

Verkehrsbindungen

Den Verkehr in Belem kann man mit nichts vergleichen, was ich bisher in Europa gesehen habe. Die Stadt ist mit ihren zahlreichen Satellite Cities ein weitläufiges Gebiet, in dem sich fast zwei Millionen Menschen täglich fortbewegen müssen. Ein Schienennetz hilft dabei nicht. Straßenbahnen und Züge sind nur in internationalen Metropolen wie Rio der Janeiro zu finden. Das heißt, alle Pendler begeben sich auf die Straßen der Stadt. Die Qualität dieser ist sehr variabel. Es gibt vielspurige Schnellstraßen und gleichzeitig unbefestigte Seitenstraßen. Meinem Eindruck nach fahren die meisten Menschen mit dem eigenen PKW, was zu ununterbrochenen Staus führt. Nicht nur zu Stoßzeiten, sondern über den ganzen Tag verteilt die Straßen sehr voll. Ich bin nie selber mit dem Auto gefahren, da es schon eine gewisse Souveränität benötigt, um sich in diesem sehr chaotischen Verkehr zu behaupten. Meine Uber-Fahrer schienen allerdings immer sehr geschickt und brachten mich in Seelenruhe von einem zum anderen Ort.
Ein Öffentliches Verkehrsnetz gibt es ausschließlich in Form von Bussen. Auch wenn es davon viele gibt, sind diese meist recht voll. Konkrete Fahrpläne gibt es nicht. Man stellt sich an eine Haltestelle und winkt den ersten Bus heran, an dem das gewünschte Ziel angeschlagen ist. Händler preisen während der Fahrt lautstark ihre Produkte an. Eine Busfahrt ist auf jeden Fall ein Erlebnis in Belem.

Kommunikation

Über 9.000 km weg von zu Hause ist Kommunikation ein großes Thema. Ich persönlich habe mich dazu entschieden ein altes Handy mitzunehmen, welches ich vor Ort benutzen konnte. Die Abdeckung mit WLAN ist ähnlich gut wie in Deutschland. In der Uni, sowie in Restaurant kann man sich meist kostenfrei einwählen. Alle meine Bezugspersonen vor Ort haben Whatsapp benutzt, was für Absprachen und Nachfragen super war. Am ersten Tag schon habe ich mir im Supermarkt eine Prepaid-Simkarte gekauft, die mir auch außerhalb von WLAN-Netzwerken beste Dienste geleistet hat. Es gibt zahlreiche Anbieter und ich denke, dass zwischen diesen keine großen Unterschiede bestehen. Insgesamt habe ich für die Karte und alle anfallenden Aufladungen etwa 15 Euro bezahlt, worüber ich mich absolut nicht beschweren möchte.

Unterkunft

Untergebracht wurde ich bei der Familie eines Medizinstudenten der Universidade Federal do Para. Darüber freute ich mich von Anfang an wahnsinnig. Ein eigenes Apartment oder Wohnheimzimmer hätte mir zwar in manchen Momenten mehr Privatsphäre verschafft; das ist korrekt. Trotzdem möchte ich meine Zeit bei Familie Martin nicht missen. Die sechsköpfige Familie wohnte in einer Wohnung in einem Vorort der Millionenstadt. Die ganze Familie war unfassbar herzlich und hat mich vom ersten Tag an mit offenen Armen aufgenommen.
Die beiden jüngsten Geschwister gingen noch zur Schule, sodass sie immer zu Hause waren, wenn ich aus dem Labor zurückkam. Mit den beiden habe ich nicht nur so manchen Abend mit Filmen verbracht, sondern wir haben uns auch gegenseitig Englisch, beziehungsweise Portugiesisch beigebracht. Mit Caio, dem ältesten Sohn und Medizinstudent, verbrachte ich meine Wochenenden. Er stellte mich seinen Freunden vor, mit denen ich sehr viel Spaß hatte. In einem Apartment hätte ich definitiv nicht so schnell und so gut Anschluss gefunden. Am ersten Tag war ich etwas besorgt bei der Vorstellung, mir fünf Wochen lang ein Schlafzimmer mit einem der Söhne zu teilen, allerdings hat mich das überraschend wenig gestört. Ich würde jedem Outgoing mit geringen Sprachkenntnissen den Aufenthalt in einer Gastfamilie empfehlen. Auch wenn ich bis heute nicht wirklich Portugiesisch spreche, habe ich meinen kleinen Wortschatz in erster Linie gemeinsam mit meiner Familie auf Zeit aufgebaut.

Literatur

Für mein Forschungsprojekt habe ich im Vorfeld keine Literatur benötigt. Im Internet kann man zahlreiche Veröffentlichungen finden. Ein wichtiger Begleiter während der gesamten Zeit in Brasilien war mein Reiseführer von Lonely Planet, den ich nur empfehlen kann! Bewaffnet mit ein paar Apps auf dem Handy konnte ich auch die Sprachbarriere in einigen Situationen überwinden. Die Google Translator App übersetzt gesprochenen und geschriebenen Text erstaunlich gut.

Mitzunehmen

Es gibt ein paar Dinge, die man definitiv mitnehmen sollte. Kurz und knapp ein paar Dinge, die ich nicht missen wollte: Repellent (im Zweifel vor Ort kaufen, weil diese stärker sind), Sonnencreme, Reiseführer.
Apotheken mit guter Auswahl ermöglichen es, mit einem recht kleinen Erste-Hilfe-Set zu reisen. Das hängt ein bisschen von den Reisezielen ab, die man vor und nach dem Praktikum noch besuchen möchte.

Reise und Ankunft

Meine Reise verlief reibungslos trotz einer recht spannenden Reiseroute. Die Flüge buchte ich sofort nach Zusage durch die brasilianische IFMSA etwa 2 Monate im Voraus. Insgesamt habe ich für die Langstreckenflüge in etwa die in im Fahrtkostenzuschuss angesetzten 750 Euro bezahlt.
Da der günstigste Langstreckenflug über Rio de Janeiro ging, entschied ich mich dazu, zwei Tage diese unglaubliche Stadt zu besuchen. Zwei Tage waren eine kurze Zeit, aber ich habe versucht, so viel wie nur möglich zu sehen. Nachdem ich in ein sehr zentral gelegenes Hostel an der Copa Cabana eingecheckt hatte, buchte ich gleich eine eintägige Stadttour. Wahrscheinlich habe ich mit 60 Euro einen absurd hohen Touristenpreis gezahlt, aber ich war trotzdem begeistert. In einem Kleinbus mit einer sehr kleinen Reisegruppe ging es auf direktem Wege von einer berühmten Sehenswürdigkeit zur nächsten. Zuckerhut, Christusstatue etc waren absolut überwältigend. Den folgenden Inlandsflug von Rio nach Belém habe ich aus Deutschland heraus gebucht und dafür knapp unter 100 Euro bezahlt. Vor Ort habe ich dann festgestellt, dass die Preise auf den brasilianischen Websites deutlich günstiger sind. Eventuell könnt ihr euren Host beten, für euch Inlandsflüge zu buchen und so etwas Geld sparen. Zurück ging es dann vier Tage nach meinem Praktikumsende aus der Küstenstadt Fortaleza, in der ich ein paar Tage Surfunterricht genossen habe. Ein fantastischer Abschluss für eine tolle Zeit in Brasilien.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Da ich mich noch in der Vorklinik befinde und leider keinen Famulatur-Austausch machen konnte, habe ich mich für den Forschungs-Austausch entschieden. Nachdem meine Wahl auf Brasilien gefallen war, stand ich einer Vielzahl von Projekten in der Datenbank der IFMSA gegenüber. Da Genetik mich schon immer fasziniert hat, konnte ich mir gut vorstellen, einen Monat mit diesem Thema zu verbringen. Der Name meines Projekts lautete „Genetic Predisposition to Complex Diseases: Cancer, Autoimmunity and Infectious Diseases”.
Mein erster Tag im Labor hätte kaum besser starten können. Ich wurde jedem der etwa zehn Mitarbeiter vorgestellt und da es gleichzeitig der letzte Tag eines Incomings aus Paraguay war, gab es eine kleine Party mit Getränken und brasilianischen Snacks zum Abschied, beziehungsweise zu meiner Begrüßung. Fast alle Kollegen sprachen verhältnismäßig fließend Englisch, was einen Anschluss deutlich leichter machte. Am zweiten Tag ging es dann mit der eigentlichen Arbeit los. Der Leiter des Labors händigte mir ganz stolz ein paar Veröffentlichungen aus, die er in den vergangenen Jahren publiziert hatte, welche ich mir mit der Zeit durchlas. Das Labor war natürlich nicht mit den Universitätslaboren in Deutschland zu vergleichen. Die Geräte waren alt und teilweise defekt, aber dafür waren die Forscher sehr erfinderisch, um trotzdem an ihr Ziel zu kommen. Die Hauptaufgabe der Abteilung für Humangenetik war zu meiner Zeit dort die Testung von Blutproben aus dem Amazonasgebiet auf bestimmte genetische Sequenzen, bei denen im Vorfeld Korrelationen mit bestimmten Autoimmunerkrankungen nachgewiesen worden waren. Aus dem in der Klinik gewonnen Blut extrahierte ich in Zusammenarbeit mit meinen Kollegen DNA, vervielfältigte sie und testete sie im Anschluss auf diverse Sequenzen. Dadurch lernte ich einige essentielle Techniken kennen, wie zum Beispiel die Polymerase-Chain-Reaction (PCR), oder die Dünnschichtchromatographie. Tag für Tag durfte ich immer mehr Aufgaben eigenständig erledigen, was auch gut funktioniert hat.
Prinzipiell rechnete man mit mir von Montag bis Freitag von 9 Uhr bis etwa 15 Uhr. Allerdings hatte nie jemand etwas dagegen, wenn ich schon nach der Mittagspause einen Ausflug geplant hatte. Ich besuchte mit meinen Kollegen fast täglich die Kantine der Universität, in der es für umgerechnet etwa 50ct ein typisches brasilianisches Mittagessen gab. Bohnen und Reis wurden täglich um eine andere Fleischsorte ergänzt. Alle Kollegen waren sehr offen, erklärten mir viel, beantworteten mir alle Fragen und zeigten mir sogar einige Teile der Stadt.

Land und Leute

Land und Leute haben mich in Brasilien gleichermaßen fasziniert. Generell ist die Offenheit der Brasilianer herauszustellen. Nicht nur die für mich zuständigen Studenten und Forscher, sondern wirklich alle Menschen waren unfassbar hilfsbereit. Meine Gastfamilie hat mich mit offenen Armen empfangen, ich wurde täglich bekocht und konnte in allen Lebenslagen Hilfe bekommen. Außerdem wurde ich zu allen Aktivitäten mit Freunden mitgenommen, habe viele junge Menschen kennengelernt und schnell Anschluss gefunden.
Die brasilianische Küche ist allerdings recht einseitig. Um Reis, Bohnen und vor allem Fleisch kommt man im Alltag kaum herum. Für diesen kurzen Zeitraum konnte ich mich sehr gut damit arrangieren. Es ist schwer, sich gesund zu ernähren, da häufig auch Fastfood gegessen wird. Wenn man allerdings aktiv nach Alternativen sucht, findet man sehr leckeren Fisch und Gerichte der Ureinwohner, die zum Beispiel Shrimps und Gemüse enthalten. Vermissen werde ich auch die riesigen Avocados, die es zu einem im Vergleich zu Deutschland sehr geringen Preis überall zu haben gab.
Politisch und gesellschaftlich möchte ich hier nicht zu sehr auf Brasilien eingehen; dazu gibt es sehr viel Im Internet zu finden. Zu Korruption kann ich wenig sagen. Die wirtschaftliche Lage der Nation und die Vermögensverteilung in der Bevölkerung sind allerdings deutlich zu erkennen. Trotz hoher Besteuerung ist die Infrastruktur im Vergleich zu europäischen Ländern schlecht. Der Verkehr ist ein Desaster und Müll ist omnipräsent. Favelas gibt es in nahezu allen Bereichen der Stadt, sowohl in Rio als auch in Belém. Ich habe in meiner Zeit Familien besuchen dürfen, die in Penthousewohnungen oder riesigen Häusern lebten. Dafür musste ich allerdings immer ein Tor mit bewaffnetem Sicherheitspersonal passieren. Der Großteil der Bevölkerung lebt in armen Verhältnissen. Armut prägt das Stadtbild, sobald man Downtown verlässt.
Das Land Brasilien bietet natürlich eine einzigartige Natur. Ich habe mich auch in fünf Wochen vor Ort nicht an den beindruckenden Regenwald und den überwältigenden Amazonas gewöhnen können. Tier- und Pflanzenwelt sind sehr eindrucksvoll und das trotz oder auch gerade wegen der Nähe zu vollen, chaotischen und lauten Städten. Ich habe meine Zeitz vor Ort gut genutzt und viel unternommen. Es gibt zahlreiche Museen zur Kolonialgeschichte und auch zur Natur Brasiliens. Rio war mit Sicherheit eines meiner Reisehighlights. Einen Besuch dort kann ich jedem nur empfehlen, wenn es sich mit der Reiseroute kombinieren lässt.

Fazit

Ich habe in Brasilien eine unvergessliche Zeit verbracht und bin sehr froh, mich für dieses facettenreiche Land entschieden zu haben. Nicht nur fachlich, sondern vor allem kulturell und persönlich habe ich sehr viel gelernt. Die Erinnerungen an diese Zeit werden mich noch lange begleiten. Eine chaotische südamerikanische Großstadt und sehr einfach ausgestattete Krankenhäuser werden genauso Bilder in meinem Kopf bleiben wie der beindruckende Amazonas und die überwältigenden Regenwälder.
Die Organisation seitens der BVMD und der brasilianischen IFMSA hat sehr gut funktioniert. Wirklich alle meiner Kontaktpersonen vor Ort waren unfassbar bemüht und haben versucht, mir so viel wie möglich zu zeigen. Meine Gastfamilie habe ich ins Herz geschlossen und ich freue mich jetzt schon darauf, ihnen irgendwann einmal Deutschland zeigen zu können.
Die Arbeit im Labor hat mir Grundprinzipien der klinischen Forschung nähergebracht und definitiv ein Interesse daran geweckt. Ich bin gespannt auf Erfahrungen in deutschen Labors, in denen die Bedingungen vermutlich ganz anders sein werden als in Brasilien.
Auch wenn ich inhaltlich wenig gelernt habe, was ich aktiv für das Medizinstudium brauche, sind es die kulturellen und persönlichen Erfahrungen, die ich jedem angehenden Mediziner wünsche.

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