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Notfallmedizin - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Ich wollte zum Ende des Studiums nochmal die Gelegenheit nutzen eine Famulatur im Ausland zu machen, da ich schon vorher gute Erfahrungen mit einem Austausch über die Bvmd gemacht hatte. Da ich in ein englischsprachiges Land und sowieso schon immer mal gerne nach Australien wollte, fiel die Entscheidung recht leicht.

Vorbereitung

Für einen Austausch in Australien muss man sich im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern schon 1,5 Jahre im Voraus bewerben und zum Bewerbungszeitpunkt bereits das 10. Fachsemester abgeschlossen haben. Ansonsten war der Bewerbungsablauf aber gleich und verlief problemlos.

Visum

Für die Famulatur hat er gereicht im Internet das Touristenvisum zu beantragen. Es dauert nur ein paar Minuten und ist kostenlos.

Gesundheit

Für die Bewerbung in Australien werden einige Untersuchungen verlangt wie MRSA-Test, Tuberkulose-Test, Titer-Bestimmungen, sowie Hepatitis A und Grippe-Impfung. Den MRSA-Test kann man für etwa 40 Dollar auch vor Ort durchführen lassen.

Sicherheit

Australien ist insgesamt ein sehr sicheres Land. Auch die Großstadt Perth habe ich als sehr sicher erlebt und hatte keine Angst abends alleine rumzulaufen, allerdings haben mir viele Leute geraten bei Dunkelheit die Gegend um das Krankenhaus (Royal Perth Hospital) zu meiden.

Geld

In Australien wird mit dem Australischen Dollar gezahlt. Kreditkarten werden fast überall akzeptiert und es ist sehr üblich auch kleine Beträge damit zu zahlen. Insgesamt sind die Preise etwas höher als in Deutschland, so dass man z.B. für einen Kaffee gerne mal 4€ zahlt.

Sprache

In Australien wird ausschließlich Englisch gesprochen. Ich habe für den Austausch den Englischtest des DAAD absolviert, ansonsten habe ich mich aber nicht vorbereitet. Sprachlich bin ich im Alltag und bei meiner Gastfamilie gut zurecht gekommen, im Krankenhaus hatte ich aber durch die Abkürzungen und Fachbegriffe schon häufiger Probleme alles zu verstehen.

Verkehrsbindungen

Bei meiner Ankunft wurde ich freundlicherweise von meiner Gastfamilie vom Flughafen abgeholt. In Perth selbst bin ich Bus und Zug gefahren. Uber ist eine gute Alternative zum Taxifahren. Da Perth eine recht große Stadt ist, habe ich morgens etwa 30 Minuten mit dem Bus zum Krankenhaus benötigt. Eine Busfahrt kostet etwa 3 Dollar, eine Zugfahrt etwa 5 Dollar. Für den Nahverkehr können aufladbare Guthabenkarten genutzt oder es kann bar gezahlt werden, ein Monatsticket gab es leider nicht.

Kommunikation

Ich hatte eine australische Simkarte (mir wurde Telstra empfohlen), die etwa 20 Dollar mit Internet und Guthaben gekostet hat. Ansonsten konnte ich bei meiner Gastfamilie das Internet nutzen. Außerdem gibt es in Australien an vielen öffentlichen Stellen freies Internet.

Unterkunft

Ich habe bei einer sehr netten Gastfamilie gelebt und hatte dort mein eigenes Zimmer und Bad. Die Unterkunft wurde mir von dem australischen LEO organisiert. Meine Gastfamilie hat immer für mich mitgekocht und ich konnte auch die Küche selbst nutzen. Bettwäsche und Handtücher brauchte ich nicht mitbringen.

Literatur

Ich habe mir ein paar Reiseerfahrungen im Internet durchgelesen (z.B. Reisebiene.de) und mich bei STA-Travel zu Flügen und unterschiedlichen Touren beraten lassen. Auch die Lonely-Planet Reiseführer sind immer empfehlenswert.

Mitzunehmen

Im Februar/März ist Sommer in Australien, somit sind kurze Klamotten und Badesachen ein Muss. Außerdem würde ich empfehlen Kosmetikprodukte möglichst alle mitzunehmen, da diese vor Ort recht teuer sind. Gastgeschenke sind natürlich auch immer eine gute Idee.

Reise und Ankunft

Meine Anreise verlief problemlos. Ich wurde am Flughafen von meiner Gastfamilie abgeholt, allerdings nimmt die Pass- und Gepäckkontrolle in der Regel viel Zeit in Anspruch. Bis zum Praktikumsbeginn hatte ich zum Glück noch ein paar Tage Zeit. Ich hatte vor Praktikumsbeginn eine Mail mit Treffpunkt, Uhrzeit und dem Namen meines Betreuers erhalten und bin am ersten Tag bin ich alleine ins Krankenhaus gegangen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe meine Famulatur in der Traumatologie des Royal Perth Hospital absolviert. Das Krankenhaus hat eine der größten und bekanntesten traumatologischen Abteilungen des Landes und ein sehr großes Einzugsgebiet. Des Häufigeren werden auch Patienten mit dem Helikopter eingeflogen. Dienstbeginn war morgens um 7Uhr mit der Visite, bei der fast alle Ärzte mitgegangen sind. Während der Visite war es aufgrund des Tempos und der Abkürzungen häufig schwierig alles zu verstehen. In Australien trägt man im Krankenhaus keinen Kittel, sondern zieht sich schick an mit Bluse/Hemd und Hose/Rock. Zudem gibt es je nach Ausbildungsjahr andere Bezeichnungen für Assistenzärzte als bei uns (resident, register, registra). Mit mir war noch eine andere deutsche Studentin und teilweise noch einheimische Studenten auf der Station. Nach der Visite gab es häufig die Möglichkeit mit in den OP zu gehen und dort kleinere Aufgaben zu übernehmen oder in die Notaufnahme zu gehen und bei der Patientenversorgung zu helfen, was häufig sehr spannend war. Besonders häufig waren Verkehrsunfälle. Auf der Station selbst konnten wir als Studenten Patienten eigenständig untersuchen oder Zugänge legen, wobei in Australien ein anderes System genutzt wird. Ansonsten fanden auch Besprechungen oder Verträge statt zu denen wir mitgenommen wurden. Die Arbeitszeiten haben sehr variiert. An manchen Tagen war ich bis 16Uhr da, aber häufig durften wir auch früher gehen, wenn es nicht so viel für uns zu tun gab. Das Ärtzeteam war insgesamt sehr nett und locker und hat auch gerne unsere Fragen beantwortet, allerdings kam die Lehre durch den vollen Terminplan häufig etwas zu kurz, so dass wir uns manchmal auch etwas gelangweilt haben. Der Chef der Abteilung Dr. Rao war selbst zwar nur recht selten auf der Station anwesend, hat aber viel Wert auf die Lehre gelegt. Während meines Aufenthaltes habe ich auch ein paar deutsche Ärzte im Krankenhaus kennengelernt. Das Pflegepersonal wirkte gut ausgebildet und auch der Kontakt zwischen Ärzten und Pflegepersonal ist mir positiv aufgefallen. Insgesamt konnte ich im Arbeitsablauf viele Parallelen zu dem deutschen erkennen. Positiv zu bemerken ist, dass viel im Team gearbeitet wurde und die Abläufe sehr organisiert wirkten. Teilweise gab es Personal, das sich ausschließlich um die Kommunikation mit den Hausärzten bzw. um die Anschlussbehandlung kümmerte, sodass diese Aufgaben den behandelnden Ärzten abgenommen wurden. Außerdem schien generell sowohl auf ärztlicher als auch auf pflegerischer Seite mehr Personal als in Deutschland vorhanden zu sein.

Land und Leute

Perth ist eine sehr schöne und meiner Meinung nach unterschätzte Stadt. Obwohl es die größte Stadt an der Westküste ist, wirkt sie nicht so überfüllt und touristisch, sondern eher entspannt und sehr sauber. Bei gutem Wetter lohnt es sich einen der Strände zu besuchen oder in den Kings Park zu gehen. Ebenfalls sehr lohnenswert ist ein Ausflug nach Rottnest Island (mit der Fähre etwa 30 Minuten entfernt), einer wunderschönen Insel mit Buchten zum Schnorcheln auf der die berühmten kleinen Quokkas hausen. Fremantle ist eine sehr studentische Gegend mit vielen schönen Cafes und Bars (außerdem Fremantle Prison und Markt am Wochenende), die mit dem Zug gut zu erreichen ist. Weitere Empfehlungen sind das Rooftop Cinema und das Northbridge Viertel zum Weggehen. Parties fangen in Australien meistens schon früher an und hören auch früher auf. In Clubs und Bars benötigt man immer seinen Reisepass, da dieser kontrolliert wird. Wenn man etwas mehr Zeit zu Verfügung hat (oder sich ein verlängertes Wochenende nimmt) kann man auch eine längere Tour entlang der Westküste machen, da man dort viele sehr schöne Landschaften entdecken kann, allerdings sollte man die Distanzen nicht unterschätzen! Da es an der Westküste kein gut ausgebautes Fernbus- oder Zugnetz gibt, empfiehlt es sich geführte Touren zu buchen oder selbst mit dem Auto zu fahren (an den Linksverkehr denken). Gute Anbieter für Touren sind zum Beispiel STA-Travel und Peterpans.
Meine Gastfamilie war sehr offen und freundlich und hat mich häufig zu Unternehmungen mitgenommen, so dass ich mich direkt integriert gefühlt habe. Ich würde auch generell empfeheln lieber bei einer Gastfamilie zu wohnen als alleine. Auch insgesamt habe ich die Australier sehr nett und hilfsbereit kennengelernt. Wenn man suchend auf der Straße steht, bieten fremde Leute meist von selbst ihre Hilfe an.
Etwas schade war, dass die einheimischen Studenten kein social Programme wie International dinner oder ähnliches organisiert haben, aber wir Austauchstudenten wurden einander vorgestellt haben dann viel miteinander unternommen.
Da es kein wirklich typisches australisches Gericht gibt (abgesehen vom Barbecue) bekommt man viele unterschiedliche Küchen (z.B. asiatisch, italienisch...), die in der Regel gut schmecken.
Kulturell gesehen ist Australien Europa sehr ähnlich, wodurch man sich dort leicht zu Hause fühlt. Zwar sind die Lebenserhaltungskosten höher, allerdings verdienen die Menschen im Schnitt auch mehr, wodurch es sich wieder ausgleicht.

Fazit

Ich habe in Australien einige Leute aus anderen Ländern kennengelernt, die angefangen haben dort zu arbeiten und würde es auch selbst nicht ausschließen, da die Arbeitsbedingungen sehr gut wirken. Insgesamt war mein Aufenthalt in Australien eine tolle Erfahrung, die ich jederzeit wiederholen würde!

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