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Thailand (IFMSA-Thailand)

Notfallmedizin - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Ich war schon länger interessiert, an einem Famulaturaustausch teilzunehmen, um Auslandserfahrung zu sammeln und mal den Krankenhausalltag in einem anderen Land kennenzulernen. Da ich noch nie in Mexiko und Brasilien war, waren dies meine Erst- und Drittwahl. Nachdem ich 2015 schon einmal für einen Monat in Thailand war und das Land sowie die Leute dort toll fand, wollte ich dieses Mal mehr als nur Urlaub machen. Nach einer Absage im Sommer 2017 durfte ich mich in der Saison Winter 2017/18 über eine Zusage für meine Zweitwahl Thailand freuen.

Vorbereitung

Durch etwas Organisation und die gute Arbeit der bvmd-Mitarbeiter hat es bei meiner Vorbereitung keine Probleme gegeben. Da mein Flug am Rosenmontag ging, also direkt nach dem Semesterende, habe ich kaum Zeit gehabt besondere Vorbereitungen zu treffen, spezielle Kurse zu besuchen o.ä.

Visum

Ich habe mich schon im Juni bei der Botschaft in Berlin per Email erkundigt, was für ein Visum man benötigt. Das Non-Immigrant Visum ED (Education)/S (single entry) wurde ebenfalls von IFMSA Thailand ‚empfohlen‘ und konnte ganz einfach im Generalkonsulat Essen abgeholt werden. Dies ist ganz unkompliziert; ich bin Anfang Januar, als das Konsulat nach den Weihnachtsferien wieder geöffnet war, dort vormittags vorbeigegangen, habe meine Unterlagen abgegeben und konnte trotz des packend vollen Warteraums mein Visum ca. eine Stunde später abholen. Unterlagen waren das ausgefüllte Visa Formular mit Passbild und Adresse in Thailand (Internetseite/Email der Botschaft in Berlin), Acceptance Letter der Uni/ des Krankenhauses in Hat Yai, die Flugtickets (wurde nicht angeschaut), 60€ Gebühr und mein Reisepass, den ich die Stunde dagelassen habe und dann mit Visum drin zurückbekommen habe. Laut den Visabestimmungen kann die Zeit zwischen Abgeben und Visum abholen aber auch 1-3 Werktage sein. Die Visumsbeantragung ist frühestens drei Monate vor Einreise möglich, das Visum ist nämlich drei Monate gültig – in diesem Zeitraum ab Ausstellung muss dann die Einreise erfolgen. Ab Einreise hat man bei dem ED-S-Visum dann 90 Tage Aufenthaltsgenehmigung in Thailand. Man sollte sowohl bei Visumausstellung als auch bei der Einreise kontrollieren, ob die Beamten einem das richtige Visum und den richtigen Zeitraum gestempelt haben. Wenn man während des Aufenthalts vorhat, nach Malaysia zu reisen, kann man sich das Beantragen des Visums sparen – man bekommt bei Einreise ein 30-Tage-Touristenvisum ausgestellt und bei Wiedereinreise aus Malaysia o.ä. erneute 30 Tage. Falls man die Aus- und Einreise allerdings nicht schafft, muss man in Thailand sein Visum verlängern, was wohl umständlicher als in Deutschland und teils teurer als das ED-Visum ist. Wenn man nach der Famulatur in ein anderes Land reist, aber aus z.B. Bangkok zurück fliegt, bekommt man für das Layover ein 30-Tage-Touristenvisum.

Gesundheit

Ich hatte mir neben den normalen und Hepatitis-Impfungen schon vor einer anderen Reise Impfungen gegen Typhus, Tollwut (aufgrund der vielen Straßentiere empfehlenswert, zum Zeitpunkt meines Aufenthaltes gab es beispielsweise eine Tollwut-Epidemie in Zentral-Thailand) und Cholera besorgt, sowie vor der Reise Standby-Malaria-Tabletten geholt. Mir wurde in Hat Yai gesagt, dass Malaria dort gar nicht so häufig ist und dass die Versorgung im Krankheitsfall sehr gut ist, ich habe die Tabletten auch nicht gebrauchen müssen. Häufiger in der Gegend ist wohl Dengue, daher trotzdem genug (starkes) Mückenspray mitnehmen! Im Krankenhaus sollen wohl auch mehr Tuberkulose-Fälle als hier in Deutschland vorkommen, daher lief die Hälfte der Studenten/Ärzte/Schwestern jederzeit mit Mundschutz rum. Irgendwelche Tests musste ich vorher nicht machen oder vorweisen. Ansonsten habe ich das Übliche (Analgetika, Vomex, Imodium, Schlaftabletten, Cetirizin) mitgenommen.

Sicherheit

Dass gleich der dritte Satz im Reiseführer darüber war, dass es in Hat Yai wohl mal Terroranschläge gab, hat mich zuerst kurz verunsichert. Die Bombenanschläge waren wohl 2005/2006, das Auswärtige Amt rät auch immer noch nicht nur von Reisen in die drei südlichsten Provinzen, sondern auch Teilen Songkhlas (Provinz, in der Hat Yai liegt) ab. In der Stadt selbst habe ich allerdings keinerlei Unruhen oder dergleichen mitbekommen und die Studenten, die ich dazu gefragt habe, konnten sich auch an keinerlei Vorkommnisse oder Unruhen in den letzten Jahren erinnern. Was man schon mitkriegt ist, dass es an manchen Straßen, aber auch vor Parkhäusern etc. und dem Krankenhaus, (Polizei)Kontrollen der durchfahrenden Fahrzeuge sowie an Mall-Eingängen Metalldetektoren gibt. Ich persönlich habe mich zu keinem Zeitpunkt in der Stadt unsicher gefühlt, auch nicht wenn wir abends/nachts unterwegs waren. Wie überall in Thailand sollte man im Straßenverkehr aufpassen, da es dort doch etwas chaotischer zugeht als bei uns. Besondere Versicherungen oder andere Vorkehrungen habe ich nicht getroffen.

Geld

In Thailand wird mit Thailändischen Baht (THB) bezahlt, ein Euro entspricht ungefähr 40 Baht. Dass andere Währungen akzeptiert werden, habe ich nirgendwo gesehen. Ich habe Geld einfach mit der Kreditkarte an den wirklich zahlreichen Geldautomaten abgehoben, anstatt in Deutschland oder in einer Wechselstube. Leider schlägt die DKB mittlerweile auch 1,75% pro Abhebung drauf, dazu kommen die 5€ Festpreis pro Abhebung der thailändischen Bank, das summiert sich schon auf. Angeblich gibt es einige Banken, die die 5€ nicht berechnen (Bangkok Bank habe ich gehört), ich selber habe allerdings keine solche gefunden. Des Weiteren habe ich gehört, dass die manche Banken wie die Apobank mittlerweile bessere Auslandsangebote als die DKB haben, aber auch da habe ich mich vor meiner Abfahrt nicht genug schlau gemacht. In allen größeren Supermärkten, in den 7-Elevens und in vielen Cafes und Restaurants kann man mit Kreditkarte bezahlen, man sollte allerdings trotzdem immer genug Bargeld dabei haben für die kleineren Essstände (wie z.B. in der Krankenhaus-Cafeteria) und Geschäfte. Die Lebenshaltungskosten variieren je nachdem wo man hingeht, sind aber generell günstiger als in Deutschland. Im Krankenhaus bekommt man einen Teller Pad Thai oder Fried Chicken mit Reis für unter einen Euro (Essstand 12 und 18, glaube ich), selbst wenn man sich mehrere Teller holt (die Portionen sind recht klein), dazu Getränke, frisches Obst und Nachtisch (hinten rechts in der Ecke), bleibt man pro Mittagessen meist bei so 2-3€/Tag. In Restaurants kann es dann schon etwas teurer werden, meistens sind es aber auch unter 10 Euro pro Gericht oder sogar Essen. Taxifahrten sind mit der App Grab (wie Uber) um einiges günstiger als in Deutschland, meist ein paar Euro pro Fahrt und man spart sich das Verhandeln und kann trotz Sprachbarriere genaue Orte angeben, u.a. auch den Dorm. Was dann doch teurer wird sind die Ausflüge am Wochenende und generell alles Touristischere. Hier muss man teilweise mit 30 Euro pro Weg rechnen, um auf eine Insel zu kommen. Übernachtungen im Hostel kann man relativ günstig bekommen, je nach Ort für fünf bis 20 Euro. Was je nach Gewohnheiten auch noch dazu kommen kann, ist, dass Bier/Alkohol eigentlich überall teurer ist als in Deutschland, selbst im Supermarkt bezahlt man oft über einen Euro pro Flasche, in Bars und Restaurants dementsprechend noch mehr. Für uns Europäer insgesamt natürlich immer noch günstig, aber sowas kann sich bei 4+ Wochenendtrips, teils mit Touren o.ä., dann doch ordentlich aufsummieren.

Sprache

Die Landessprache (und somit auch die Sprache, in der Anamnesen etc. geführt wurden) ist Thai. Ich spreche kein Thai und habe es auch nur geschafft, einige wenige einfache Ausdrücke vorher zu lernen, wie „Hallo“ und „Danke.“ Die Menschen in Thailand können oft zuerst etwas zurückhaltend oder schüchtern sein, reagieren aber nach einer angedeuteten Kopfneigung/ einem Lächeln und/oder einem „Sawadee khrap (bzw. kha als Frau)“ fast immer sofort mit einem Lächeln und einer Verneigung. Das Lernen einiger weniger Ausdrücke hat sich also meiner Meinung nach mehr als gelohnt - man hatte das Gefühl, dass sich viele Patienten schon allein darüber sehr gefreut haben. Im Nachhinein gesehen hätte ich gerne ein paar Begriffe mehr im Voraus gelernt - aber falls man dies nicht schafft, ist es auch nicht schlimm, man kommt mit den wenigen Begriffen und Englisch meist gut zurecht. Die thailändischen Studenten lernen aus amerikanischen Lehrbüchern und kennen die englischen Fachbegriffe dementsprechend viel besser als wir. Das vorher gesagte über die Zurückhaltung/Schüchternheit gilt aber hier erst recht – die thailändischen Studenten (und Ärzte) kennen die Begriffe zwar, da die meisten aber selten Englisch sprechen, wissen sie oft nicht wie man sie ausspricht oder in Sätze einbaut. Um ihr Gesicht zu wahren (ein wichtiger Punkt in der thailändischen Mentalität) und sich nicht zu blamieren, sagen sie oft lieber nichts. Wenn man sie dann aber fragt, was gerade passiert oder wie die Krankengeschichte des Patienten ist, geben sie jederzeit ihr Bestes alles zu erklären. Die etwas älteren Ärzte können alle sehr gut Englisch und erklären ebenfalls viel.

Verkehrsbindungen

Anderthalb Monate vor Praktikumsbeginn lagen die günstigsten Flüge nach Bangkok bei etwas über 600€ hin und zurück, dazu kam noch der Flug nach Hat Yai. Leider kosteten so kurzfristig auch die Billigflüge mit Air Asia mit Gepäck ca. 40-50€, man kriegt manchmal aber auch welche für 20€. Man muss dazu noch sagen, dass alle drei Flüge, die wir mit Air Asia gemacht haben, 30-60min zu spät waren, Thai Lion Air war da verlässlicher in unserem Fall.
In der Stadt lohnt es sich, die App Grab zu benutzen, sie funktioniert wie Uber, ist eigentlich immer günstiger als die Taxis und Rollertaxis, man kann den Dorm als Ziel angeben und spart sich jegliches Feilschen etc. Falls man darauf oder eine spannende Fahrt durch die Stadt Lust hat, sollte man auch mal ein Rollertaxi ausprobieren. Die Songthaews, die auf der großen Straße vor dem Krankenhaus entlangfahren und auf Zuruf halten, fahren ebenjene Straße entlang bis man raus möchte – so kann man für 25ct zu der Central Festival Mall kommen.
In Thailand selbst kommt man aus Hat Yai aus gut rum. Man kann nationale und internationale Flüge, oft für wenig Geld, nehmen. Ein großer Vorteil von Hat Yai ist ebenfalls die Lage im Süden Thailands; man kann für meist ca. 15-30€ öffentliche Minivans vom Minivan Terminal, Busse vom Busbahnhof oder Shuttle+Fähre über eine Tour-Agentur zu den schönen Inseln im Süden nehmen. Besonders zu empfehlen ist m.M.n. Ko Lipe (ca. 4h für Fahrt und Fähre), eine kleine, aber paradiesische Insel) oder Charlie Beach auf Ko Muk (nochmal kleiner und ruhiger/untouristischer), aber auch nach Krabi, Ko Phi Phi, Khao Sok Nationalpark etc. kommt man relativ einfach und günstig. Nach Ko Phangan/Ko Tao muss man über Nacht fahren (ca. 8-9h). Wenn man nett fragt, ist es ab und zu auch in Ordnung ein-zwei Tage früher loszufahren oder später zurückzukommen, damit man mehr Zeit hat, aber auch für das Wochenende allein lohnen sich die näher gelegenen Inseln.

Kommunikation

Ich habe mir am Flughafen eine Touristen-SIM-Card mit 4G für einen Monat und einer bestimmten GB-Menge an mobilem Internet geholt – das Internet war besser als das Aldi-Internet in Deutschland. Da es im Dorm und im Krankenhaus relativ gutes und in den meisten Hostels akzeptables WLAN gibt, braucht man aber eigentlich gar nicht so viel Datenvolumen. Für die Kommunikation mit den thailändischen Studenten und Ärzten sollte man sich die App Line zulegen, kaum jemand benutzt Whatsapp. Ansonsten fragen viele Studenten schnell nach dem Facebook-Account und verlinken einen dann auch bei wirklich jedem Essen auf den hochgeladenen Fotos, was etwas gewöhnungsbedürftig sein kann. Nach Hause kann man wenn man will im Dorm mit Whatsapp, Skype o.ä. problemlos telefonieren, man muss also keine besonderen Vorkehrungen treffen. Auch noch zu erwähnen ist die tolle Unterstützung des International Office-Teams, insbesondere von Pajaree. Zu wirklich jeder Zeit kann man ihr per Whatsapp schreiben mit Fragen, Problemen etc. und innerhalb kürzester Zeit bekommt man Antworten und Hilfe.

Unterkunft

Die Medizinstudenten haben eigene Dorms, wir waren im vierten Stock des wahrscheinlich modernsten der Dorms, Binlha 4, untergebracht. Wir waren zu zweit in einem Dreier-Zimmer (ein Hoch- und ein normales Bett, drei Schränke, drei Schreibtische, ein Decken- und ein Standventilator, eine Toilette, eine Dusche und ein Waschbecken sowie ein kleiner Balkon). Das Bett ist etwas hart, woran man sich gewöhnen musste. Bettwäsche muss man theoretisch nicht mitbringen, es gibt ein Kissen und eine Art großes Handtuch als Decke, was aber absolut gereicht hat. Das Duschwasser ist kalt, aber so erfrischt es einen morgens gut und nach einem heißen Tag sowieso. In dem Dorm selbst gibt es ein kleines Fitnessstudio, wo man das nötigste findet, einen ATM und einen kleinen Kiosk. Hinter dem Dorm gibt es fußläufig einen 7-Eleven (ca. 5min), der 24/7 aufhat. Auf jeder Etage gibt es ein, zwei gemeinsame Kühlschränke für seine Einkäufe und eine Mikrowelle, aber soweit ich weiss keinen Herd o.ä. Es gibt aber einige kleine, günstige Restaurants an der Straße entlang des Campus, die Krankenhaus-Cafeteria, die Fast-Food-Läden im Tesco Lotus gegenüber vom Krankenhaus, und natürlich in der Stadt. Zu empfehlen ist im Dorm ein Besuch auf dem frei zugänglichen Dach, um die Aussicht zu genießen. Auf dem Campus ist außerdem ein Schwimmbad (6-10 und 16-21 Uhr außer montags für wenig Eintritt), eine Bank, Post, mehrere 7-Elevens, und an einigen Tagen ein guter Abendmarkt am Sportcomplex.

Literatur

Wie zuvor gesagt, ich hatte leider nicht genug Zeit mich vorzubereiten. Einen Reiseführer hatte ich mit, aber letztendlich nicht wirklich benutzt, sondern alles über Tripadvisor, Booking.com etc. rausgesucht. Etwas englischsprachige Medizinliteratur im Voraus zu lesen, wäre von Vorteil gewesen, so musste ich mir andauernd mit einer „Medical Abbreviations“-App und Google Translate sowie Amboss behelfen, was auch in Ordnung war – es ist in Thailand anscheinend ganz normal, sein Handy (auch im Krankenhaus) andauernd zu benutzen, selbst für nicht-medizinische Sachen.

Mitzunehmen

Fürs Packen sollte man bedenken, dass die Universität einen Wäscheservice anbietet, für ca. 15€/Monat, wenn ich mich richtig erinnere. Montags, mittwochs und freitags wird die Wäsche vor der Dormzimmer-Tür abgeholt und am nächsten Tag oder, meistens, am nächsten Abholtermin gewaschen und gebügelt wieder vor der Zimmertür abgelegt. Gegen Ende des Aufenthaltes haben wir erfahren, dass man seine Unterwäsche aus Höflichkeit besser selber in den Münzwaschmaschinen im Dormgebäude waschen sollte, nach Absprache mit unserer CP und den Angestellten, haben diese uns aber gesagt, dass es in unserem Fall okay ist. Ich hatte drei Kittel mit, dies hat ganz gut gepasst. Man muss aber schon sagen, dass es selbst in der klimatisierten ZNA in Kittel und langer Hose recht warm werden kann, in anderen Teilen des Krankenhauses oder gar draußen dann sowieso. Als Dresscode wurde uns vorher gesagt, dass wir Kittel, weiße T-Shirts/Hemden und schwarze Hosen anziehen sollten, die Ärzte und Studenten in der Notaufnahme tragen alle einheitliche kurzärmelige Hemden (Studenten mit grünem Streifen, Ärzte ohne diesen und mit Logo des Krankenhauses), die man sich leider nicht vor Ort wie bei uns ausleihen kann, da sie für ca. 10€ für Jeden maßgeschneidert werden, dies würde ich im Nachhinein gesehen im Voraus mal erfragen, ob dies möglich wäre. Ansonsten tragen sie Sneaker oder etwas schickere Schuhe sowie luftigere, aber schick aussehende schwarze Hosen. Ich würde empfehlen, eher solche mitzunehmen als die dicken, schwarzen, jeans-ähnlichen Hosen von H&M, da diese viel zu warm sind. Apropos, meinen Pulli, den ich mithatte, weil es in Deutschland auf dem Weg zum Flughafen sehr kalt war, habe ich nicht einmal in den sieben Wochen Südostasien gebraucht. Wir waren zum Ende der Regenzeit da, und es hat vielleicht 2-3 mal kurz zwischendurch geschüttet, eine dünne Regenjacke hätte bei uns also allemal gereicht. Da ich außerhalb des Krankenhauses eigentlich immer Flipflops getragen habe, war mein zweites Paar Schuhe überflüssig - außer natürlich man will die Krankenhaus-Schuhe nicht auf den weiteren Reisen anziehen. Was ich, trotz des Waschdienstes, zu wenig mithatte, waren Sporthosen, kurze Hosen und T-Shirts/Tanktops, da man diese vor allem am Wochenende haufenweise braucht und dann erst am Mittwoch gewaschen wiederbekommt. Für ein paar Euro kann man sich all diese Sachen aber im Tesco Lotus nachkaufen oder, wenn man zu H&M etc. will, kann man einfach zur Central Festival Mall. Unbedingt denken sollte man an genug Sonnencreme und Mückenspray, da diese unabdingbar und ziemlich teuer in Thailand sind. Fürs Krankenhaus braucht man, wenn überhaupt, ein Stethoskop und einen kleinen Block, sonst nichts. Was ich mithatte, aber wovon ich gerne noch mehr mitgenommen hätte, waren deutsche Süßigkeiten als kleines Dankeschön. Haribo, Werthers, Bahlsen und einige Ritter Sport sowie Kinder Sachen gibt’s in Thailand auch, aber Toffifee z.B. kannten sie glaube ich nicht. Unserer CP Pajaree haben wir welche zu Beginn geschenkt, am liebsten hätten wir ihr aber am Ende noch einiges mehr geschenkt, so viel wie sie für uns getan hat. Auch in der ZNA habe ich am letzten Tag einige deutsche Süßigkeiten aus dem Tesco Lotus gekauft, aber da es so viele Mitarbeiter und Studenten waren, war es dann doch sehr schnell weg.

Reise und Ankunft

Da die Flüge durch bis Hat Yai relativ teuer waren, habe ich den günstigsten Flug nach Bangkok gebucht, in Bangkok ein kostenloses Shuttle vom größeren Suvarnabhumi (BKK) Flughafen zum kleineren Billigflughafen Don Mueang (DMK) genommen (einfach bei Exit 3 raus und Flugticket ab DMK vorzeigen), in einem Hostel 10min vom DMK übernachtet und dann am Tag vor meinem Praktikumsbeginn von dort den ersten Flug nach Hat Yai genommen. Am Flughafen Hat Yai wird man dann von den Mitarbeiterinnen des International Office in einem Van abgeholt und zur Uni bzw. zum Dorm gefahren. Am späten Vormittag/ frühen Mittag war ich dann im Dorm und hatte somit noch viel Zeit fürs Erkunden und Vorbereiten. An meinem ersten Tag musste ich noch einige Einkäufe tätigen, wie z.B. einen Mülleimer und –tüten für die Toilette, Toilettenpapier, Seife, Wasser etc. All dies und mehr gibt es im Tesco Lotus gegenüber des Krankenhauses für relativ wenig Geld. Mir wurden zwar schon bei der Anfahrt im Van einige Gebäude von außen gezeigt, aber es war gut schonmal den Campus und die Umgebung etwas zu erkunden und einen Blick in das Krankenhaus zu werfen. Am nächsten Morgen um halb neun haben wir uns mit unserer CP Pajaree am Dorm getroffen und sind von ihr zu unseren Stationen gebracht und den Ärzten vorgestellt worden, welche uns dann wiederum die Station (bzw. in meinem Fall die ZNA) gezeigt und die anderen Ärzte und Studenten vorgestellt haben.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

In der ZNA wurde mir gesagt, dass ich mir einfach die interessantesten Cases aussuchen und mich dann dazustellen könnte, daher war ich die meiste Zeit im Bereich mit roter Triage-Stufe und habe den Studenten und Ärzten über die Schultern geguckt. Während die Anamnese auf Thai stattfindet, steht man natürlich oft etwas ratlos daneben, aber (außer wenn es sehr geschäftig zuging) meistens stehen genug Studenten daneben, die einem die Anamnese auf Englisch kurz zusammenfassen. Am ersten Tag gab es erstmal kleine Aufläufe von Studenten um einen herum, die wissen wollten, wo man herkommt, wieso man nach Thailand gekommen ist etc., und dies wiederholt sich auch im Monat, da die PJler teils zweiwöchig die Station ändern und die Studenten sowieso. Ansonsten lief der Tag eigentlich wie alle anderen ab; die Arbeitszeit ist von 8 bis 16 Uhr, da mir die Ärztin dies am ersten Tag so gesagt hat, war ich eigentlich immer von 8.30 bis 16.30 Uhr da. Im Vergleich zu anderen Auslandsfamulaturen wie z.B. in Marokko oder Italien also etwas längere Arbeitszeiten. Wenn ihr hierauf nicht so viel Lust habt, solltet ihr in Erwägung ziehen, in die Radiologie des Songklanagarind zu gehen, dort waren die Arbeitstage meist zumindest etwas kürzer und der Betreuer, Dr. Sorracha, war sehr, sehr nett und großzügig, sowohl wenn es um seine Einladung zum Abendessen und Drinks als auch um Urlaubstage ging. Wenn man will, kann man aber auch eine Abendschicht (16-24 Uhr) oder eine Nachtschicht (24-8 Uhr) machen. In der Abendschicht ist wohl am meisten los, also vielleicht weniger Zeit für Erklärungen aber dafür spannendere Sachen. Indem man am Montag eine Nachtschicht macht, kann man das Wochenende natürlich etwas verlängern, wenn man wegfahren will – hier kann auch einiges los sein, in meinem Fall war dies aber absolut nicht so. Mittags wird man eigentlich jeden Tag mit zur Cafeteria genommen, man kann aber natürlich auch eigenständig gehen und könnte dann theoretisch etwas länger Mittagspause machen. Ab dem zweiten Tag, an dem ich meinen eigentlichen Betreuer getroffen habe, musste ich mich jeden Tag um 15 Uhr mit diesem treffen und einen Patienten/Case Report vorstellen. Der junge Arzt, Dr. Teeranai Sakulchit, konnte gut Englisch und hat es auch immer geschafft, aus jedem Task einige interessante Lektionen rauszuholen und alle Fragen zu beantworten. Sowohl die betreuenden Ärzte als auch die Studenten stellen öfters mal Fragen, wenn man diese nicht beantworten kann, heißt es aber eigentlich immer nur „Vielleicht schaust du dir das nochmal an, dann reden wir danach weiter“ (die Mentalität des Nicht-Bloßstellens gilt auch für andere). Wenn man will kann man auf jeden Fall viel Neues dazulernen, und das aus allen möglichen Disziplinen. Ich fand es absolut beeindruckend, wie fit die ganzen Studenten sind (man hat echt den Eindruck, dass sie nichts machen außer Lernen und dann wirklich jede Leitlinie und jeden kleinsten Score auswendig können) und wie viel sie eigenständig machen – zumindest bei den gelben und grünen Triage-Fällen machen sie oft alles, Anamnese, Untersuchung, Sono/EKG-Auswertung/CT- oder Röntgen-Auswertung…, Diagnosefindung und Dokumentation, und ein Arzt schaut vielleicht zwischendurch mal vorbei und stellt ein paar Fragen, erklärt etwas oder macht Vorschläge. Was die praktischen Skills angeht, ist es etwas anders als in Deutschland. Nähen üben darf man auch, wenn man will, Blutabnehmen und Zugänge legen wird aber von den Schwestern erledigt. Wenn man Lust hat, kann man auch arterielle Blutentnahmen aus der A.radialis für BGAs und Thoraxkompressionen bei einer CPR üben, dies habe ich aber nicht versucht. Ein echt krasses und spannendes Erlebnis war für mich meine erste Fahrt in einem RTW, die in Thailand eigentlich nur kleine Vans sind, in die sich ein-zwei Ärzte und zwei Studenten reinquetschen. Am Unfallort konnten die Ärzte leider nichts mehr machen, aber eindrucksvoll war die Fahrt auf jeden Fall. Aber auch in der ZNA kann man einiges miterleben, von medikamentösen und elektrischen Kardioversionen und CPRs, über viele Verkehrsunfälle bis Schlangenbisse. Ich denke zwar, dass die ZNA und die Uniklinik insgesamt relativ gut ausgestattet war, dennoch hatte man manchmal das Gefühl, dass die Ärzte und Studenten mit weniger Mitteln auskommen mussten und dennoch einen guten Job machten – auch dies war mal interessant zu sehen.

Land und Leute

In Hat Yai selbst waren wir sehr oft essen (die thailändischen Studenten gehen anscheinend an die zwei Mal im Jahr feiern, wenn sie „ausgehen“ heißt das meistens, sie gehen etwas schicker essen – es bedarf schon einiger Überredungskünste die Gruppe dann auf ein paar Bierchen nach dem Essen einzuladen…) und wurden dabei auch einige Male eingeladen, da in Thailand die Gastfreundschaft so groß geschrieben wird. Ganz nett fand ich The Sugar Rock, für Mango und Sticky Rice den berühmten Stand auf der Supasarnrangsan Rd. nahe Wat Chu Chang, für Kaffee The Company Coffee (oder wenn es schnell gehen muss eben der McCafe beim Krankenhaus). Einmal sind wir außerdem die halbe Stunde nach Songkla gefahren worden (nicht vom Namen der Uni verwirren lassen, diese und das Krankenhaus sind in Hat Yai und somit nicht am Meer!) und haben dort am Strand Seafood gegessen – der Strand war zwar nicht sehr schön, aber das Abendessen trotzdem ein Erlebnis. Lecker sind auch die Dim Sum zum Frühstück (in beiden Fällen sollte man, falls man gegen Shrimp allergisch ist oder kein scharfes Essen mag, dies vorher sagen). Außerdem sind wir auf einen Berg zu einer großen Buddha-Statue gewandert und haben den Ausblick über Hat Yai genossen und sind einige der sieben Wasserfälle von Hat Yai hochgeklettert. Unsere CP hat uns gegen Ende dann auch noch zu der großen Moschee etwas außerhalb Hat Yais gefahren und mit dem Betreuer meines Mitbewohners waren wir nochmal feiern, das waren dann aber eigentlich auch schon alle Erlebnisse unter der Woche. Am Wochenende hingegen waren wir auf Ko Lipe (unbedingt hinfahren, klein und etwas teurer, aber der Sunrise Beach sieht aus wie man sich die Malediven o.ä. vorstellt), auf Ko Mook/Muk (noch kleinere, muslimische Insel, etwas umständlichere Anfahrt, aber auch freitags noch machbar, falls ihr dort seid am besten zum Charlie Beach – vielleicht nicht ganz so krass wie Ko Lipe, aber natürlicher und leerer (laut einer Einwohnerin so wie Krabi vor 20J. aussah)), Ko Phangan (zur Full-Moon-Party, diese war nicht so toll wie man sie sich vorstellt, aber die Insel ist auf jeden Fall trotz der ganzen Touris sehr schön, vor allem wenn man sie mit dem Roller etwas erkundet und dann zu den Stränden im Norden oder den Resort-Stränden bei Had Rin kommt) und Ko Tao (super zum Tauchen lernen, aber wohl auch ansonsten sehr schön wenn man diese etwas erkundet), Ao Nang (bei Krabi) und Ko Phi Phi (schon schön, aber m.M.n. viel zu touristisch und das, was ich gesehen habe, war nicht so schön wie die vorherigen Inseln, für die bekannte Maya Bay muss man auf Ko Phi Phi schon übernachten. Wenn ihr in Ao Nang seid, unbedingt bei Jungle Kitchen vorreservieren – das beste thailändische Essen in den viereinhalb Wochen) und nach unserem Praktikum im Khao Sok Nationalpark (leider keine Tiere gesehen, aber auf jeden Fall schöne Natur und cool, mal auf einem See zu übernachten – alles wichtige aber vorher klären, man hat ab Beginn der Bootstour keinen Empfang mehr) und ein zweites Mal auf Ko Lipe. Also man muss sagen, durch die Lage als Verkehrsknotenpunkt kann man echt super von Hat Yai aus an den Wochenenden Inselurlaub machen oder Malaysia erkunden (Flüge sind günstig oder aber man nimmt Shuttles). Durch die vielen Touristen ist auf einigen Inseln die Stimmung vieler Thailänder eher genervt oder aufs Geld verdienen ausgelegt, aber umso schöner ist es dann, wenn man nach dem Wochenende wieder nach Hat Yai kommt, wo die Menschen sich sichtlich freuen, Europäer zu sehen, und stets freundlich und höflich sind. Sobald man sich an die anfängliche Schüchternheit vieler Thailänder und die häufigen höflichen Absagen (die Studenten müssen hier oft auch am Wochenende drei Acht-Stunden-Schichten schieben) gewöhnt hat, kommt man auch wirklich gut mit den Studenten und Ärzten aus. Im Gegensatz zu Deutschland habe ich nie Spannungen zwischen Ärzten und Studenten, Schwestern oder Patienten mitbekommen, ebenso wenig mit mir – im Gegenteil, die stetige Freundlichkeit aller Leute ist genau wie die Dankbarkeit der Patienten und die lernintensive Einstellung der Studenten schon echt ansteckend. Man muss sich aber darauf einstellen, dass es ein bisschen wie in Amerika ist; dass alle super freundlich und interessiert an einem sind, einen auch öfters mal zum Essen o.ä. mitnehmen, aber (in diesem Falle durch die vielen Verpflichtungen der Studenten) nur einige wenige sich auch die Zeit nehmen (können), um darüber hinaus etwas mit einem zu unternehmen. Aber selbst wenn man nicht das Glück haben sollte in den Urlaub eingeladen zu werden oder einen netten Mitbewohner zum Reisen zu haben, findet man in Thailand durch die große Backpacker-Szene am Wochenende immer schnell Anschluss.

Fazit

Auch wenn die Famulatur in der ZNA aufgrund der Arbeitszeiten und der täglichen Tasks etwas anstrengender als manch andere Auslandsfamulatur war, so würde ich dennoch ohne zu zögern ein zweites Mal in Hat Yai famulieren. Man lernt echt einiges, sowohl von den Ärzten als auch den Studenten. Was praktische Skills angeht, lernt man vielleicht in einer deutschen ZNA mehr, aber auch auf dem Gebiet kann man wenn man will etwas lernen. Hat Yai an sich ist vielleicht nicht die größte Attraktion, aber im Umkehrschluss auch nicht so anstrengend wie z.B. Bangkok. Die Urlaubsmöglichkeiten übers Wochenende sind von Hat Yai aus ein Traum und im Vergleich zu den anderen Städten natürlich echt einfach und günstig zu realisieren – und die schönen Inseln muss man gesehen haben! Aber auch wenn ihr schon einmal zuvor in Thailand Urlaub gemacht habt, ist eine Famulatur hier eine richtige Bereicherung, da ihr nicht nur ins Gesundheitswesen und die Ausbildung einen interessanten Einblick bekommt, sondern auch die Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Thailänder miterleben dürft – viel mehr noch als in den üblichen Touristendestinationen. Und all das wird wunderbar koordiniert vom International Affairs Office um Pajaree, sodass man sich wirklich um nichts Sorgen oder Stress machen muss und stattdessen seine Zeit vollends genießen kann.

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