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Atahualpa (Ecuador)

Intensivmedizin - SCOPH (Public-Health Austausch)
von Stephanie, Freiburg

Motivation

Ich wollte schon immer nach Südamerika reisen, weil ich mich leidenschaftlich für Tanz und Musik begeistere und mich der Salsa schon immer fasziniert hat. Ich wollte gerne die Kultur, die Geschichte, die Sprache und Menschen kennenlernen, die diese Kultur geformt haben.
Und schließlich studiere ich Medizin auch aus einem bestimmten Grund und daher interessiert mich auch die Arbeit in sozial schwächeren Ländern, wo ein Zugang zu gesundheitlichen Leistungen noch nicht selbstverständlich ist.
Daher bot sich das Public Health Projekt der bvmd perfekt meinen Ansprüchen an. Und Ecuador kannte ich von anderen Reiseberichten, die alle die Vielfalt des Landes lobten.

Vorbereitung

Die größte Vorbereitung für mich war wohl die Bewerbung über die bvmd, wobei sich das auch gut im Rahmen hielt. Danach wurde das meiste schön für einen organisiert, d.h. die Unterkunft, der Sprachkurs, die Famulatur wurden miteinander abgestimmt bezüglich der Zeiten. Man sollte sich keine Sorgen machen, wenn man in Deutschland noch nicht so viel Rückmeldung bekommt, die Planung passiert meist erst spontan und recht flexibel bei der Ankunft, also im Voraus einfach entspannt anreisen. Südamerika ist nicht gleich Deutschland. Bei mir hat alles perfekt funktioniert. Lediglich einen Arztkittel und ein Stethoskop habe ich mitgebracht.

Ich hatte die ersten zwei Wochen Sprachkurs parallel zur Famulatur und das hat wunderbar gepasst.

Visum

Für Ecuador benötigt man kein Visum mit einem deutschen Pass (90 Tage Aufenthalt).
Man sollte nur darauf achten, sich bei einen Transit Aufenthalt in USA früh genug um ein ESTA (einige Tage mindestens im Voraus) zu kümmern, da einem sonst die Weiterreise verweigert werden kann (Ja, tatsächlich bin ich einer Reisenden begegnet der das passiert ist).

Gesundheit

Eine Gelbfieberimpfung wird empfohlen. Diese, sowie gegen Tollwut und Typhus habe ich mich impfen lassen. Auch eine Malariaprophylaxe und ein Antibiotikum hatte ich stets dabei. Man kann sich gut übers Internet informieren oder zu einem Tropenmediziner gehen. Meistens lässt sich der Großteil auch von der Krankenkasse erstatten.
Ich selbst habe in Ecuador immer Hahnwasser getrunken und hatte keine Probleme. Jedoch variiert das sicher von Person zu Person.

Sicherheit

Insgesamt habe ich mich in Ecuador sicher gefühlt, was mein Leibeswohl anging. Taschendiebstähle kommen jedoch sehr oft vor, sowohl von anderen Reisenden als auch selbst habe ich derartige Erfahrungen machen müssen, wobei ich Glück hatte und nichts Essentielles verloren hatte. Man sollte daher wenn möglich immer nur eine Reisepasskopie mit sich führen, und am besten auch Smartphones/Kreditkarten in der Wohnung lassen wenn man ausgeht.

Geld

Ecuador führt den USD, und ich hatte nie Probleme beim Abheben an den meist zahlreich vorhandenen ATM’s.
Sehr preiswert und empfehlenswert sind die Mittagsmenüs (almuerzo) für ca. 2-3$ mit Suppe, Saft und Hauptspeise.
Insgesamt ist Ecuador recht günstig, wenn auch im Vergleich zu anderen südamerikanischen Ländern etwas teurer. Einkaufen empfiehlt sich eher auf dem Markt als in den Supermärkten da diese frischer, unverpackter und günstiger sind und auch super sind, um seine Sprachkenntnisse anzuwenden.

Sprache

Das Spanisch in Ecuador (und vor allem um Quito herum in der Sierra Region) ist hervorragend um Spanisch zu lernen. Im Gegensatz zu peruanischem, kolombianischen oder chilenischen Spanisch ist die Aussprache sehr klar und etwas langsamer.
Ich hatte nicht wirklich Spanischkenntnisse bei meiner Ankunft, aber durch den 2 wöchigen Kurs und viel Kontakt zu Locals war ich nach einem guten Monat schon imstande, einfache Konversationen zu führen. Die App SpanishDict mit Offline Funktion (und allen Zeiten/Konjugationen) ist sehr zu empfehlen.

Verkehrsbindungen

In Ecuador kommt man mit Bussen überall hin. Lange Strecken sind sehr einfach über den Busbahnhof zu buchen, es reicht meistens wenn man an dem Tag der Weiterreise die Tickets kauft und man zahlt etwa 1$ pro Stunde Fahrt. Es ist also sehr günstig. Eine für manche attraktive Variante stellen sicherlich auch die Nachtbusse dar.
In Städten selbst zahlt man pro Fahrt 0,25$ wobei da das Liniensystem manchmal etwas verwirrend sein kann, aber im Notfall einfach fragen und ausprobieren.
Ansonsten kann man auch gut Taxis oder Uber nutzen. (Bei Taxis sollte man evtl. Darauf achten, dass es offizielle Taxis mit Nummernplakette und Taximeter sind).

Kommunikation

In der Gastschule gab es einen WLAN Zugang sowie auch in Cafes oder Restaurants.
Ich habe mir zusätzlich eine SimCard von movistar für 4$ gekauft worauf man dann Guthaben buchen konnte. Internetoptionen waren jedoch vergleichsweise teuer.

Unterkunft

Ich habe in einer WG mit einer anderen Sprachschülerin gewohnt, d.h. Wir haben uns zu zweit die Küche und das Bad geteilt. Die Wohnung war direkt über der Sprachschule lokalisiert und somit von optimaler Lage. Die Küche war einfach aber wunderbar ausreichend ausgestattet um zu kochen. Auch mit meiner Mitbewohnerin hatte ich wohl Glück, da wir sehr gut miteinander auskamen: Eine zauberhafte Lehramtsstudentin aus Kölle. Ich habe diese Wohnform der in einer Gastfamilie vorgezogen und war auch sehr froh mit meiner Wahl, da man einfach seine Privatsphäre hat. Und den Kontakt zu Einheimischen konnte man trotzdem zu genüge haben.

Literatur

Ich habe mir einen Reiseführer von Reise-Know-How zugelegt, der ganz praktisch war. Jedoch erfährt man das meiste auch vor Ort über einen Austausch mit Locals oder anderen Reisenden. Manche Dinge findet man eben nicht in Reiseführern. Sonst habe ich auch ab und an in Blogs recherchiert. Die App maps.me mit Offline Funktion und allen möglichen Wanderrouten ist auch sehr zu empfehlen.

Mitzunehmen

Mitgenommen habe ich nicht viel außer einem Kittel und ein Stethoskop für die Famulatur. Ansonsten ist auch Sonnenschutz empfehlenswert, da dieser ziemlich teuer zu kaufen ist. Und falls man gerne Wanderungen machen will, und z.B. evtl. Auf den Cotopaxi möchte auch genug Wintersachen, da es oben dann doch ziemlich kalt und eisig werden kann.

Reise und Ankunft

Die Anreise verlief problemlos. Ich wurde am Flughafen von der Sprachschule abgeholt und direkt in mein Apartment (über der Sprachschule) gebracht. Am nächsten Tag wurde ich zum Frühstück bei der Besitzerin der Sprachschule eingeladen wo sie mir alles wichtige erklärte. Auch kümmerte sie sich um den reibungslosen Ablauf mit der Klinik und brachte mich an meinem ersten Famulaturtag auf die Station.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich absolvierte meine Famulatur auf der Intensivstation des Hospital Ingles, welches sehr zentral gelegen war und daher auch sehr gut zu Fuß aus von meiner Sprachschule zu erreichen war. Ich wurde bereits an meinem ersten Tag sehr herzlich von Dr. Miguel empfangen, der für meine Praktikumszeit mein Betreuer und Lehrer war. Man wird trotz Intensivsituation von einer unglaublichen Wärme, Gelassenheit und Reggaetonklängen aus dem Radio willkommen geheißen, wie man es aus Deutschland nicht gewohnt ist. Dr. Miguel nahm mich zunächst auf einen kompletten Klinikrundgang mit, wo er mich auf allen Stationen vorstellte und mir auch was dazu erzählte. Das verstand ich natürlich gerade am Anfang eher weniger, da ich ja noch kein Spanisch sprach, und er kein Englisch. (Auf die Frage, warum das Krankenhaus Ingles hieße, meinte er, er weiß es ehrlich gesagt auch nicht genau.) Aber bereits nach einigen Tagen (und eben intensiven Sprachkurs) ging es immer besser und wirklich überraschend schnell mit der Verständigung voran, sodass ich schon bald mit dem Klinikteam und dem Arzt gut kommunizieren konnte.
Da es sich um eine Intensivstation handelte, sah man sehr viele verschiedene und eindrückliche Krankheitsbilder, was gerade für mich sehr interessant war. Von neurologischen Traumen über exazerbierten chronischen Erkrankungen bis zu Intoxikationen, Unfällen, Reanimationen war alles dabei. Ich schaute Dr. Miguel bei den Untersuchungen und kleineren Eingriffen zu, kam mit auf die Visite, bzw. Untersuchte auch mit. Er war stets sehr freundlich, erklärte viel, und man konnte ihn wirklich alles fragen. Da die meisten Patienten nicht ansprechbar waren, konnte ich aber leider keine Anamnesen mit den Patienten durchführen (was aber für eine Intensivstation auch normal ist.)
Auffallend für mich war auf jeden Fall im Vergleich zu deutschen Klinikstandard, dass trotz privatem Krankenhaus es Mangel an Mitteln, einfachen Bestecken, Geräten gab. Auch wenn die Ärzte steril arbeiteten, konnte man es nicht mit dem Ablauf in Deutschland vergleichen. Selbst mit Handschuhen und Kitteln musste sparsam umgegangen werden. Und auch Isozimmer konnten nicht so isoliert werden wie in Deutschland.
Auch in der Diagnostik und Therapie (z.B. aufgrund Mangels an radiologischer Diagnostik) wurden minimal unterschiedliche Leitlinien verfolgt als in Deutschland. Ich denke, dies zeigt deutlich, wie sehr die gesundheitliche Versorgung in Ländern wie Ecuador doch an fehlenden Mitteln leidet. Umso mehr war ich überrascht von der ausgesprochenen Kompetenz der Ärzte, die ja viel Technisch nicht mögliche mit ihrem Wissen, teilweise sogar Kreativität und praktischen Fähigkeiten ausgleichen mussten. Dennoch ging es manchmal etwas chaotischer zu bzw. Fehlten ein logischer Algorithmus (z.B. Schockraum).
Ich war immer ca. 4 Stunden anwesend, von 12 Uhr bis 16 Uhr.
Insgesamt hat es mir sehr gut auf der Station gefallen, ich habe viel über die verschiedenen Krankheitsbilder gelernt und gesehen. Lediglich etwas wenig machen konnte ich.
Ich habe wohl auch selten einen Arzt wie Dr. Miguel kennengelernt, der fachlich so gut und breit aufgestellt war.
Auch war der Umgang zwischen den Ärzten und der Pflege sehr inspirierend. Trotz schwierigerer Lage oft behandelte man sich stets und auch in den stressigsten Situationen mit Respekt.

Land und Leute

Ich war und bin begeistert von dem Land und den Leuten. Außerhalb der Famulatur bin ich nach meiner Schicht meistens noch die Stadt erkunden gegangen, und Quito hat mich wirklich positiv überrascht. Bei vielen kritischen Urlaubsberichten, die die Sicherheit und den Großstadtsmog betrafen, war ich zunächst etwas skeptisch, was mich erwarten würde.
Jedoch ist die Stadt wirklich wunderschön, in den Wolken gelegen, und sehr grün mit vielen sehr schönen Parks mit atemberaubenden Ausblicken. Mein Lieblingspark zum Joggen war der Park Itchimbia. Auch die Altstadt und UNESCO Welterbe ist sicherlich ein Highlight. Abends füllen sich die Straßen mit Menschen, Salsamusik aus allen Ecken, und an der Straße wird Canelazo (ein typisches Apfelvanillepunsch Getränk mit Zimt und Likör) verkauft. Ein Lebensgefühl. Auch sind die Menschen unglaublich offen und herzlich, wodurch man schnell Leute kennenlernt und auch sein Spanisch immens verbessert.
Auch naturmäßig hat Ecuador sehr viel zu bieten. Ich habe während der Famulatur am Wochenende kleinere Tages- / Wochenendausflüge gemacht, untere anderem den Cotopaxi Vulkan, die atemberaubenden aber anstrengende Wanderung (Cocablätter und Ibuprofen mitnehmen!) auf den Pinchincha, sowie zur Mitte der Welt und nach Mindo, einem dschulgeligen Urlaubsort mit tollen Wasserfällen.
Ein Highlight war sicherlich auch der ecuadorianische Karneval den wir mit der Großfamilie unserer Sprachschulbesitzerin in einem kleinen Dorf gefeiert haben. Wir haben zusammen gefeiert, getanzt, gegessen, weiter getanzt, und uns mit Eiern, Farbe und Mehl beworfen bis wir alle Pfannkuchen auf den Köpfen hatten.
Nach meiner Famulatur bin ich noch anderthalb Monate weitergereist. Ich habe eine Wanderung an dem azurblauen Vulkankratersee in Quilotoa gemacht, in Realität noch bestechend schöner als auf Fotos. Außerdem war ich in Banos, wo man total viel Wasseraktivitäten und Wanderungen machen konnte oder seine Zeit in den Heilbädern verbringen konnte.
Ein absolutes Highlight waren auf jeden Fall die Galapagos Inseln, die ihr euch nicht entgehen lassen solltet. Ich habe noch nie eine derart schöne exotische Vielfalt an Tieren und Pflanzen erlebt, und das Schöne ist, dass man das Gefühl hat, man teilt sich mit all diesen Tieren die Inseln. So viel Liebe und Respekt der Natur gegenüber spürt man heutzutage selten. Bevor ich weiter nach Peru gefahren bin, habe ich noch gute zwei Wochen in Montanita verbracht, wo man surfen, relaxen, oder auch viel tanzen gehen konnte.

Fazit

Ich habe mein Herz an Ecuador verloren, und werde sicherlich irgendwann nochmal zurückkommen. Die tolle Natur, die super Herzlichkeit, die netten Menschen, die Musik und der Tanz haben mich verzaubert.

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