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Fundacion Omar Mosquera (Ecuador)

Verschiedene - SCOPH (Public-Health Austausch)
von Franziska, Leipzig

Motivation

Mein Vorhaben einer Famulatur in Ecuador startete damit, dass ich bereits eine Reise nach Lateinamerika geplant hatte. Um meine Zeit dort nicht nur reisend, sondern auch lernend zu verbringen, informierte ich mich über Projekte auf dem weit entfernten Kontinent – wobei mein erster Weg natürlich zur bvmd führte, da ich schon einmal gute Erfahrungen (in Tunesien) gamacht hatte. Als ich den Restplatz (ich war natürlich reichlich spät dran mit meiner Bewerbung…) für das Public-Health-Projekt in Ecuador entdeckte, wusste ich, dass ich dort hinmusste! Ich interessiere mich schon länger für alternative Heilmethoden und eine Gelegenheit, lateinamerikanischen Schamanen bei ihrer Arbeit über die Schulter zu schauen, wollte ich mir nicht entgehen lassen. Auch der zweite Teil des Austauschs, die Arbeit mit der Fundación auf dem Land, die arme Bevölkerung unterstützend, wobei ich ganz bestimmt Dinge sehen und lernen würde, die bei anderen Famulaturen nicht alltäglich sind, reizte mich. So war innerhalb kürzester Zeit die Entscheidung gefallen: Ich bewarb mich auf den Platz.

Vorbereitung

Da es sich bei meiner Bewerbung um einen Restplatz handelte, war alles recht unkompliziert. Ich hatte keinen B1-Sprachnachweis, hatte aber 4 Jahre lang Spanisch in der Schule gelernt und dafür ein Sprachenzertifikat bekommen, das ich dann stattdessen einreichte. Auf die endgültige Zusage wartete ich eine Weile, weil es sich als nicht so leicht herausstellte, Kontakt zu Dr. Solis aufzunehmen. Anfang Dezember, ca. 2,5 Monate vor Projektbeginn (März), bekam ich dann aber die erfreuliche Nachricht, dass alles klappt. Da ich bereits Ende Januar meine Reise Richtung Lateinamerika mit erstem Ziel Chile antreten wollte, hatte ich alle Hände voll zu tun mit Vorbereitungen für meinen Aufenthalt: In Chile würde ich auf ein Festival gehen und mich ansonsten reisend fortbewegen, brauchte also ein handliches Zelt, Isomatte, Schlafsack und alles, was man sonst zum Überleben in der Natur dabei haben sollte. Da blieb leider keine Zeit, die Angebote (Vorbereitungskurse etc.) der bvmd wahrzunehmen. Auch den Kontakt zur Gastfamilie stellte ich tatsächlich erst relativ spät her. Ansonsten bemühte ich mich aber, das in den Tiefen meines Gedächtnisses vergrabene Spanisch wieder auszubuddeln, indem ich hin und wieder einen Film auf Spanisch schaute, ein Buch las oder ähnliches.

Visum

In Lateinamerika bekommt man als Reisender ein dreimonatiges Touristenvisum, teilweise braucht man als Deutscher sowieso überhaupt keins, sodass der Aufwand einer vorherigen Beantragung entfällt. Manchmal möchten die Behörden schon bei der Einreise einen Nachweis über die anschließende Ausreise sehen, was bei mir aber nicht der Fall war. Ich hatte das Gefühl, mich vollkommen frei dort bewegen zu können. Hach ja, die Vorteile eines deutschen Reisepasses…

Gesundheit

Es wird empfohlen, für Ecuador eine Gelbfieber-Impfung durchführen zu lassen. Ich habe das nicht gemacht und brauchte es auch nicht. Wer aber für längere Zeit in die Selva (den Dschungel) möchte, sollte sich das vielleicht doch lieber durch den Kopf gehen lassen. Gelbfieber kommt in Ecuador zwar nach wie vor selten vor, aber sicher ist sicher. Ich selbst war nur zwei, drei Tage im Regenwald und habe mich immer reichlich mit Insektenschutz eingesprüht.

Sicherheit

Vor Beginn meiner Reise habe ich über die AOK eine zusätzliche Reiseversicherung abgeschlossen, sodass ich für den Fall der Fälle zügig zurück nach Deutschland gebracht werden könnte (das war sehr billig, hat nicht mehr als ca. 30 Euro gekostet).
Ansonsten ist Ecuador kein Land, das für seine außerordentlich hohe Kriminalitätsrate bekannt ist, jedenfalls nicht, was Gewalt angeht. Auf seine persönlichen Sachen und Wertgegenstände sollte man aber trotzdem immer eine gutes Auge haben und sie an der Frau oder am Mann tragen. Mir wurde im Bus, während ich geschlafen habe, mein Handy geklaut. Das war dann schon ärgerlich, aber auch kein Weltuntergang. Man kann sich in Ecuador recht günstig Handys aus zweiter Hand kaufen (ich nehme an, dass das auch das Schicksal meines alten Handys war...irgendwo in einem scheinbar offiziellen Geschäft als gebrauchtes Telefon verkauft zu werden… ;)
Zu den Bussen lässt sich generell sagen, dass die Fahrten an sich ein Erlebnis sind. :D Wer sich nicht wohl fühlt, bei hohen Geschwindigkeiten durch die Serpentinenstraßen der Anden zu rasen, sollte sich überlegen, ob eine Busreise etwas für ihn ist. Ich persönlich hatte damit kein Problem und bin auch nachts gefahren, wo es angeblich noch gefährlicher ist und es manchmal wohl auch zu Unfällen kommt. Hin und wieder werden Busse anscheinend sogar überfallen und ausgeraubt, aber verletzt wird dabei normalerweise niemand. Ich kenne solche Stories nur vom Hörensagen, mir selbst ist nichts dergleichen passiert.

Geld

In Ecuador bezahlt man mit amerikanischen Dollar. Andere Währungen werden nicht akzeptiert. Ich habe, wann immer es ging, mit der Kredit-, manchmal auch EC-Karte bezahlt, weil Geld abheben jedes Mal zwischen 4 und 8 Euro gekostet hat. Im Vergleich zu Deutschland ist dort so ziemlich alles extrem günstig (Bus, Taxi, Essen). Teuer ist vor allem der Alkohol, zumal z.B. Wein eigentlich immer importiert ist (meistens aus Chile). Auch Hostels etc. waren immer sehr bezahlbar und echt schön!

Sprache

In Ecuador wird im Prinzip ausschließlich Spanisch gesprochen, weshalb es schon empfehlenswert ist, wenigstens halbwegs gute Grundkenntnisse zu haben. Ich mit meinem Schulspanisch (und den nach der Schule vergangenen Jahren, die ich bestens nutzen konnte, um vieles wieder zu verlernen… :D ) war froh, dass ich vorher einen Monat in Chile war und mich dort an das Spanischsprechen gewöhnen konnte – zumal die Chilenen ein wirklich unsauberes und schwer verständliches Spanisch sprechen). In Ecuador spricht man zum Glück ein sehr freundliches, langsames und gut verständliches Spanisch. Während des Praktikums habe ich aber trotzdem vieles nicht verstanden (da wurde aber manchmal auch Quechua gesprochen…), was ein bisschen ärgerlich war, aber auch nicht tragisch. Ich hatte mir ein Wörterbuch auf mein Handy heruntergeladen, sodass ich immer mal Wörter nachschauen konnte.
Sehr zu empfehlen ist die Sprachschule von Myriam. Man bekommt Einzelunterricht und kann selbst entscheiden, auf welche Themen man sich konzentrieren möchte. Hat mir viel gebracht!

Verkehrsbindungen

Ich bin von Chile aus mit dem Flugzeug in Ecuador eingereist. Von Quito aus ging es dann mit dem Bus weiter nach Riobamba. Alles sehr unkompliziert, ich hab mich einfach durchgefragt. Die Busse fahren ständig, auch über Nacht, und sind schrottbillig. 7 Dollar kostete die 4-stündige Fahrt. Generell habe ich mich für Wochenendausflüge eigentlich immer mit dem Bus fortbewegt. Zum Krankenhaus fahren ebenfalls mehrere Buslinien. Das Stadtbussystem ist allerdings ein etwas anderes als hier: Man hält die Busse selbst an, indem man winkt, und die Haltestellen werden auch nicht angesagt, sodass man anfangs am besten den Busfahrer bittet, an der entsprechenden Haltestelle Bescheid zu geben, damit man den Ausstieg nicht verpasst. Bei mir hat es eine ganze Weile gedauert ehe ich ohne Hilfe des Busfahrers die richtige Haltestelle erwischt habe… :)

Kommunikation

Sobald ich in Riobamba angekommen war, besorgte ich mir eine ecuadorianische SIM-Karte. Das war ein bisschen kompliziert, weil man dafür einen ecuadorianischen Ausweis vorlegen muss, sodass ich Ines um Hilfe bat, was aber kein Problem war. Mit dieser SIM konnte ich dann Internet nutzen, was ja heutzutage im Prinzip fast ausreichend ist, sogar um zu telefonieren. Es kam schon mal vor, dass das Datenvolumen aufgebraucht war oder es sonst irgendeinen nicht nachvollziehbaren Fehler gab, aber bei Ines gab es WLAN und man kommt ja auch mal einen Tag ohne Internet aus… ;)

Unterkunft

Wie die meisten anderen Austauschler habe ich bei Ines gewohnt, mit der ich schon zuvor Kontakt und mich angekündigt hatte. Für mich war das die perfekte Wahl, ich hatte ein Zimmer für mich und viel Ruhe, die ich nach einem aufregenden Monat in Chile gut gebrauchen konnte. Ich war im März auch die einzige Austauschstudentin dort, was mir zu der Zeit sehr recht war. Bei Ines habe ich für die zwei Wochen, die ich dort verbrachte, 150 Dollar gezahlt und durfte mich dafür wie zu hause fühlen, mich jederzeit am Kühlschrank bedienen und bekam köstliches Essen von Ines. Mitbringen musste ich weiter gar nichts.

Literatur

Ich bin ein Mensch, der ganz gern in den Tag lebt und die Kultur des Landes lieber ohne vorherige Einfärbung durch Bücher oder Reiseführer erfährt. Entsprechend hatte ich an Literatur kaum etwas dabei, habe mich treiben lassen und mir lieber vor Ort von Menschen empfehlen lassen, was ich mir anschauen sollte oder nicht. Die indigene Kultur ist allerdings so interessant, dass ich letztlich natürlich doch öfter Mal Sachen nachgelesen habe – aber das Internet ist ja so reichhaltig, dass es nicht nötig war, extra landesspezifische Literatur zu besorgen. Für mich jedenfalls nicht. :)

Mitzunehmen

Da ich vorher einen Monat in Chile reisen war, hatte ich nicht viel dabei. Zelt, Schlafsack und Isomatte hätt eich in Ecuador natürlich nicht unbedingt gebraucht, stellten sich aber für das Wochenende in der Selva als ganz nützlich heraus. Wichtig: Sonnencreme!! Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie teuer die dort ist, und man braucht sie bei der Äquatorsonne WIRKLICH (ich bekomme eigentlich nie Sonnenbrand, aber dort hat es sich doch besser angefühlt mit ein bisschen UV-Schutz auf der Haut...). Einen Kittel hatte ich nicht dabei, war aber nicht schlimm, weil Ines welche zu Hause hat. Wer die Möglichkeit hat, Stehoskop, Othoskop etc mitzubringen, sollte dies tun, vor allem für die Arbeit mit der Fundación. Auch Medikamente sind immer willkommen. Außerdem ist zu bedenken, dass es in Ecuador nicht nur warm ist. Abends braucht man auch mal einen Pulli und eine lange Hose. Wer Vulkane besteigen will, sollte sogar über eine Winterausrüstung nachdenken, da oben schneit's!

Reise und Ankunft

Wie oben schon erwähnt bin ich mit dem Flieger in Quito angekommen und dann mit dem Bus weiter nach Riobamba gefahren, was unproblematisch war. Am Busbahnhof wurde ich dann von Ines abgeholt und wir fuhren zusammen mit dem Taxi zu ihr – ein Weg, den man eigentlich auch gut laufen kann, es sind keine 15 min zu Fuß. Praktikumsbeginn war für mich bereits am nächsten Tag. Mein Besuch im Krankenhaus, bei dem Ines mich am ersten Tag begleitete, beschränkte sich allerdings auf ein kurzes Kennenlernen mit Dr. Solis und Besprechen des allgemeinen Ablaufs, welche Stationen ich gern besuchen wollte usw., sodass ich dann den Tag noch Zeit hatte, mich um bestimmte Besorgungen (SIM-Karte, Sprachschule etc.) zu kümmern.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Im Hospital Andino gibt es drei verschiedene Heilbereiche – die klassische Schulmedizin, alternative Medizin und die andine Schamanenmedizin. Da ich über die Schulmedizin auch bei jeder anderen Famulatur etwas lernen kann, entschied ich mich dafür, meine zwei Wochen im Hospital Andino auf den weniger herkömmlichen Stationen in einem Krankenhaus zu verbringen. So führte mich mein erster Weg zu den Schamanen, denen ich eine Woche lang bei ihrer Arbeit zusah. Leider muss ich sagen: Es beschränkte sich wirklich aufs Zusehen. Selber Hand anlegen durfte ich nicht, aber was sollte man auch erwarten – bis man Schamane wird, ist es ein langer Weg und natürlich fehlten mir dazu die entsprechenden Fertigkeiten. Außerdem war auch durchaus ein gewisses Misstrauen gegenüber der Schulmedizin – der „chemischen Meidizin“ - zu spüren. Alle Schamanen dort waren fest in ihrem Glauben an natürliche Heilmethoden verankert. Wohlwissend, dass die Famulanten dort eben Studenten der Schulmedizin sind, musste man sich durch eine große Offenheit und Interesse an Ihrer Arbeit erst einmal ihr Vertrauen einholen. Da ich persönlich tatsächlich ein großes Interesse an dieser Art von Heilung habe und auch daran glaube, gelang mir das wohl recht gut. Trotzdem fand ich es schade, dass insgesamt noch immer relativ wenig erklärt wurde, höchstens auf ganz konkrete Nachfrage. Es machte auf mich ein wenig den Eindruck, als ob sie ihr schamanisches Wissen ungern teilen wollten. Ich muss aber auch zugeben, dass ich nicht immer alles verstand und nicht alle Nase lang nachfragen und die Behandlung unterbrechen wollte. Behandelt wurden aus meiner Perspektive hauptsächlich Probleme psychosomatischer Natur, wofür sich die schamanische Medizin auch bestens eignet. Da wurden Waschungen, Gespräche, Ernährungsberatungen und Diagnostiken mit Kerzen durchgeführt, es wurde sich immer sehr viel Zeit für den Patienten genommen und Fragen gestellt, um das Problem des Patienten wirklich zu erkennen und zu verstehen, manchmal nahm der Schamane die Patienten auch mit auf einen kleinen Spaziergang, um ihnen zu zeigen, wie sie sich etwas Gutes tun, sich beruhigen und sich wieder mit der Natur verbinden können, um zum Beispiel Schlafstörungen oder Stresssymptomatiken zu kurieren. Je nach Schamane wurde mit viel oder weniger Rauch gearbeitet, was mir manchmal Kopfschmerzen machte.
Auf der alternativen Station konnte man sich Praktiken wie Osteopathie, Massagen und Duftheilungen anschauen, ebenfalls alles aus einer Beobachterperspektive. Insgesamt war das ein wirklich sehr ruhiges Praktikum. Morgens um 8 bzw. um 9 ging es los, mittags konnte man schon wieder nach Hause. Wie viel man von diesem Praktikum mitnimmt, hängt extrem stark von der eigenen Initiative und Intention ab.

Der zweite Teil des Praktikums war aufregender. Die Arbeit mit der Fundación hat großen Spaß gemacht, war aber für mich auch sehr frustrierend. Ich war dort mit einer Gruppe Spanier, die meisten Krankenpfleger oder ganz frische Ärzte ohne Facharztausbildung, alle so zwischen 22 und 30. Niemand von uns hatte also besonders viel Erfahrung, aber wir hatten unsere eigenen Patienten, die wir untersuchten und therapierten – wobei sich die „Therapien“ hauptsächlich darauf beschränkten, Medikamente, und zwar vor allem Schmerzmittel, zu verschreiben und auszuhändigen, was für mich der frustrierende Teil der Arbeit war. Zumal man ihnen mit Schmerzmitteln meiner Meinung nach nicht wirklich geholfen hat. Eine Änderung der Lebensführung, gesündere Ernährung, mehr sauberes Wasser, weniger Arbeit auf dem Feld und Sonnenbrillen bei der Arbeit tragen, wäre das, was wichtig gewesen wäre, anstatt den schmerzenden Körper auf stumm zu schalten. Noch frustrierender war es, zu sehen, dass eben genau die Medikamente das waren, wonach die Menschen fragten: Die Zaubermittel aus Europa, die man sich sonst gar nicht leisten konnte. Unter den gegebenen Lebensumständen auf dem Land ist ihr Denken gut nachvollziehbar, bedarf meines Erachtens aber der ein oder anderen Änderung, die man an einem einzigen Tag natürlich nicht erzeugen kann. Zwar hielten wir jeden Tag sogenannte „Charlas“, Aufklärungen über gesunde Ernährung und Lebensweise, aber ein 20-minütiger Vortrag reicht wohl kaum aus, um in den Köpfen der Menschen und in ihrem Alltag tatsächlich etwas zu verändern. Ich hätte mir gewünscht, dass man, anstatt jeden Tag in ein anderes Dorf zu fahren, lieber ein oder zwei Wochen am Stück an einem Ort verbringt, dort MIT den Menschen zusammen arbeitet, und zwar ganzheitlicher als nur Medikamente zu verteilen, mit ihnen zusammen kocht, um das Konzept einer gesunden und ausgewogenen Ernährung zu verdeutlichen, vielleicht sogar mit anderen Fachrichtungen zusammen arbeitet, Wasseranlagen für sauberes Trinkwasser baut oder ähnliches. Der Gedanke der Fundación ist ein guter, nur bringt er aus meiner Sicht nicht das hervor, was angestrebt ist. Vielen Menschen bringt man kurzfristig Schmerzfreiheit, macht im schlimmsten Fall ihre Probleme damit aber langfristig nur schlimmer, weil sie eben nicht mehr auf ihren Körper hören. Es gab aber auch ganz tolle Momente. Einigen Menschen konnten wir tatsächlich helfen. Besonders ein Moment ist mir warm in Erinnerung geblieben – als wir nämlich einer weitsichtigen Frau eine der aus Europa mitgebrachten Brillen schenken konnten und sie damit endlich wieder lesen konnte (sie hatte sich gewünscht, die Bibel zu lesen).
Für die Arbeit mit der Fundación ist es auf jeden Fall super, übrige Medikamente von zu Hause oder aus der Klinik mitzubringen, auch Arbeitsutensilien wie Cremedöschen, kleine Behälter für Tropfen etc. kann Omar immer gut gebrauchen. Wir mussten oft genug improvisieren…
Insgesamt aber trotz aller Kritik eine wundervolle, intensive und lehrreiche Erfahrung, die ich auf keinen Fall missen möchte!

Land und Leute

Unter der Woche verlebte ich in Riobamba extrem ruhige Tage, vormittags im Krankenhaus, nachmittags Spanisch lernend, mit Ines oder der großartigen abuelita plaudernd, mir Riobamba anschauend, Tagebuch schreibend, im Garten in der Sonne liegend oder malend. Sicher kann man einiges mehr unternehmen, das nightlife Riobambas auskosten, zum Yoga gehen etc. Ich war glücklich mit der Ruhe. :) Lohnen tut sich auf jeden Fall ein Besuch bei den verschiedenen Märkten und natürlich muss man sich UNBEDINGT einen Wollpulli mitnehmen, die sind echt schön.
Am Wochenende war ich immer unterwegs, habe mir in Absprache mit Dr. Solis auch mal einen Tag frei nehmen dürfen für längere Ausflüge (z.B. nach Montanita an die Küste...da ist man recht lange, ca. 8 Stunden, unterwegs, aber es looooohnt sich!! Direkt neben Montanita ist Olon, im Vergleich zur „Partystadt“ Montanita etwas ruhiger, aber es gibt kaum einen schöneren Ort zum Surfen!!). Ansonsten habe ich ein Wochenende in der Wildnis der Selva verbracht, war in Banios (auch SEHR empfehlenswert für alle, die Abenteuer und Natur mögen), habe mir Cuenca angeschaut und habe schließlich am Schluss meines Aufenthalts noch eine gute Woche an der Küste drangehängt, weil es da so schön war.
Die Ecuadorianer sind ein sehr ruhiges, aber unglaublich freundliches und hilfsbereites Völkchen. Ich war aus Lateinamerika bislang nur die Chilenen gewöhnt, die eher laut und extrovertiert sind. In Ecuador ist man zurückhaltender, sodass man ein bisschen genauer hinsehen muss, um die Wärme und Herzlichkeit (die definitiv in großem Maße vorhanden ist!) zu erfühlen. Grundsätzlich wurde mir bei jedem Problem und jeder Frage weitergeholfen und ich fühlte mich sehr wohl. Man merkt aber schon, dass vieles (noch?!) anders funktioniert als bei uns in Europa, der Kapitalismus ist gerade bei seinem Einmarsch, viele Menschen sind extrem auf Geld fixiert (zumal es eben nicht gerade in großen Mengen vorhanden ist) und wollen aus allem ein Geschäft machen, die Polizei ist korrupt und nutzt ihre Position allzu oft aus. Viele Regeln empfand ich als sinnlos (ich durfte mich in Guayaquil am Busterminal zum Beispiel weder draußen aufhalten noch mich auf den Boden setzen…). Als Touristin (als die ich mit grünen Augen und blonden Haaren natürlich immer sofort identifiziert wurde) wurde man oft anders behandelt als der Rest, insbesondere auf den Märkten, wo einem die Sachen immer erstmal zum doppelten Preis angedreht wurden, was ich aber nicht besonders schlimm fand und meist auch gern mehr bezahlte. Zwei Dollar sind für uns nicht viel, bedeuten für die Menschen dort aber einen gewaltigen Unterschied.
Das ecuadorianische Essen...chrm chrm. :D I'm not a fan. Es gibt ein paar echt leckere Gerichte, aber insgesamt ist das Essen nicht besonders abwechslungsreich und fast immer sehr schwer und fettig. Viel Reis, viel Mais und viel Fleisch (unter anderem isst man dort Meerschweinchen), sodass mir als Vegetarierin oft nicht viele Optionen blieben und ich am Ende meist Zuflucht im Salat gefunden habe. Der wiederum ist wunderbar! Es gibt reichlich Avocados, die mir zu einem Grundnahrungsmittel wurden… und zum Glück hatte Ines einst ein Restaurant, sodass das Essen bei ihr zu Hause im Vergleich zum Standardessen in Ecuador immer spitzenmäßig und abwechslungsreich war, und sie auch immer Rücksicht auf mich nahm und eine vegetarische Alternative zauberte.
Sowohl bei Ines zu Hause als auch sonst überall in Ecuador fühlte ich mich pudelwohl – mit Ausnahme des Busterminals in Guayaquil (wo man auf dem Weg nach Montanita umsteigen muss). Für mich der schrecklichste Ort, an dem ich mich in Ecuador aufhielt, viel zu voll, viel zu laut, viel zu seltsame Regeln. Auf der Rückfahrt von Guayaquil wurde mir übrigens auch mein Handy geklaut….bad signs! ;) Das war dann aber auch so ziemlich die schlimmste Erfahrung, die ich in der ganzen Zeit in Ecuador gemacht habe.

Fazit

Eine unvergessliche, erlebnisreiche, traumhafte Zeit. Ich will und werde definitiv wiederkommen, es gibt noch so viele Sachen, für die zu wenig Zeit war – ein ausgiebiger Besuch in der Selva zum Beispiel und NOCH MEHR SURFEN. :)
Tatsächlich kann ich mir sogar vorstellen, dort zu arbeiten, dann allerdings in eigener Praxis, nicht am Krankenhaus (geht mir in Deutschland aber genauso). Auf jeden Fall vermisse ich schon jetzt den spirit Lateinamerikas, die Lebensfreude, die Offenheit, das Gefühl, dass alles möglich ist… und die Natur! Diese atemberaubende Natur!

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