zurück

Finland (FiMSIC)

Verschiedene - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Da ich gerne reise und Erfahrungen in anderen Ländern sammle, stand für mich von Anfang an fest, dass ich mindestens eine Famulatur im Ausland verbringen wollte. Nachdem ich dann auch schon Incomings in meiner Lokalgruppe betreut hatte, wollte ich nun selbst über die bvmd umgekehrt an einem Austausch teilnehmen, um ein neues Land, dessen Gesundheitssystem und die Leute kennenzulernen. Ich muss zugeben, dass Finnland nicht meine erste Wahl war, dennoch habe ich mich sehr gefreut, als ich die Zusage bekommen habe. Ich war sehr gespannt darauf, auch einmal den Krankenhausalltag in einem nordeuropäischen Land kennenzulernen und vor allem auch Medizinstudierende aus verschiedenen Ländern zu treffen.

Vorbereitung

Ich hatte mich zur regulären Bewerbungsfrist beworben und alle Dokumente eingereicht. Bald darauf bekam ich dann die Zusage für einen Platz in Finnland. Daraufhin füllte ich die Application Form aus. Dann dauerte es allerdings sehr lange, bis ich die die Card of Acceptance erhielt, was wohl daran lag, dass es schwierig war, einen Platz in den von mir gewählten Fächern in der Klinik zu finden. Letztendlich durfte ich in die Neurochirurgie. Vor meinem Austausch war ich auch schon in der Lokalgruppe an meiner Universität aktiv und habe so auch schon mit anderen Studierenden, die einen Austausch absolviert hatten, gesprochen und war einmal auf einem Infoabend.
Zur Vorbereitung auf meinen Austausch hatte ich einen Reiseführer und hatte vorher schon Kontakt zu den anderen Incomings, die zur gleichen Zeit in Helsinki waren, gehabt und wir haben schon im Vorhinein einen Wochenendausflug nach Lappland geplant.

Visum

Da Finnland Mitglied in der Europäischen Union ist, sind für die Famulatur kein Visum oder andere Formalitäten nötig. Für die Einreise reicht der Personalausweis.

Gesundheit

Die finnische Organisation verlangt von allen Incomings einen MRSA-Nasenabstrich, der nicht älter als vier Wochen sein darf. Dieser hat ca. 50,00 € gekostet und am Ende hat in der Klinik keiner danach gefragt. Ansonsten kam ich nur mit den üblichen Impfungen, die ich vorher schon hatte.
Außerdem benötigt man noch einen Nachweis über eine Auslandskrankenversicherung.

Sicherheit

Helsinki ist im Allgemeinen eine sehr sichere Stadt. Es gab nichts anderes zu beachten, als in deutschen Großstädten auch. Ich kenne keine andere Stadt, in der die Straßen auch nachts noch so gut beleucht sind.
Auch das Reisen ist im Land problemlos möglich.

Geld

In Finnland wird mit dem Euro bezahlt. Man sollte beachten, dass es auch bei kleinen Beträgen sehr gebräuchlich ist, mit Kreditkarte zu bezahlen. Einzeltickets für die Straßenbahn kann man teilweise sogar nur mit Karte am Automaten kaufen. Man sollte unbedingt darauf achten, eine Kreditkarte mitzunehmen, mit dem das Bezahlen auch bei kleinen Beträgen gebührenfrei ist. Dennoch sollte man etwas Bargeld dabei haben. Generell sind Dinge des täglichen Bedarfs etwas teurer als in Deutschland, auch Eintrittsgelder sind teilweise recht teuer (z. B. 13,00 € für Kunstmuseen).

Sprache

In Helsinki wird überwiegend Finnisch gesprochen, eine weitere Amtssprache ist Schwedisch. An der Uni gibt es auch eine schwedischsprachige Minderheit, die eine eigene Studentenorganisation usw. hat.

Die offizielle Sprache in der Klinik und im Alltag ist Finnisch. Allerdings sprechen alle in der Klinik sehr gut Englisch. Auch in der Stadt kommt man überall gut mit Englisch durch. Beschriftungen sind meistens dreisprachig in Finnisch, Schwedisch und Englisch.

Verkehrsbindungen

Helsinki ist gut von Frankfurt aus mit dem Flugzeug zu erreichen. Ich bin mit Lufthansa geflogen und habe insgesamt ca. 300,00 € bezahlt. Vom Flughafen in die Stadt fährt regelmäßig ein Zug. Eine Fahrt kostet 5,00 €. Der Ticketautomat akzeptiert keine Scheine, man kann nur mit Münzen oder mit Kreditkarte bezahlen.
In Helsinki gibt es eine Straßenbahn, eine Metro und Busse. Die Anbindungen sind im Allgemeinen sehr gut. Vom Wohnheim aus fährt tagsüber alle 10 min eine Straßenbahn in die Innenstadt. Auch Busse fahren regelmäßig und pünktlich. Eine Fahrt mit dem Bus kostete mit der Travelcard ca. 3,00 €, eine Fahrt mit der Straßenbahn 1,70 €. Die Travelcard bekommt man von den Contact Persons und man kann sie in vielen Kiosken (R-Kioski) aufladen, die es an fast jeder Haltestelle gibt.

Kommunikation

Da Finnland Mitglied der EU ist, konnte ich meinen Handyvertrag zum normalen Tarif weiter verwenden. Im Wohnheim und in der Klinik gab es ein kostenloses WLAN-Netz und in der Universitätsbibliothek auch Eduroam. Auch in Finnland ist WhatsApp sehr verbreitet und mit den Contact Persons wurde meistens auf diesem Wege kommuniziert. Das Handynetz ist sehr gut und es gab keinerlei Probleme.

Unterkunft

Die finnische Organisation in Helsinki hat ein eigenes Apartment in einem Wohnheim, das ungefähr 10 min mit der Straßenbahn von der Klinik entfernt liegt. Bis ins Stadtzentrum sind es ca. 20 min mit der Bahn. Im Wohnheim und im Nachbarwohnheim wohnen sehr viele Medizinstudierende.
In dem Apartment sind normalerweise zwei Incomings untergebracht. Es gibt ein Badezimmer mit Dusche, eine Spüle und einen Mini-Ofen. Insgesamt ist das Apartment eher klein für zwei Leute. Das Wohnheim wird auch von sehr vielen finnischen Medizinstudierenden bewohnt, sodass einige Contact Persons direkt in der Nähe wohnen. Im Nachbargebäude gibt es auch eine Waschmaschine.

Für das Apartment muss bei der Anreise eine Kaution von 50,00 € hinterlegt werden.

Literatur

Ich hatte einen Reiseführer über Helsinki (aus der Reihe MERIANlive!) und habe mich vorher im Internet informiert. Außerdem bekam ich einen Welcome Letter per Mail einige Wochen vor meiner Abreise, der auch noch einige Informationen enthielt.

Mitzunehmen

Mein Austausch fand im März statt. An meinem Anreisetag betrug die Temperatur in Helsinki Minus 27°C. Meine Contact Person hatte mich diesbezüglich vorgewarnt, allerdings sollte man in den Wintermonaten auf jeden Fall immer warme Kleidung und ggf. Skiunterwäsche mitnehmen. Ansonsten benötigt man keine spezielle Kleidung.

Außerdem sollte man an eine Kreditkarte denken, mit der man auch sehr kleine Beträge gebührenfrei bezahlen kann, da es sehr üblich ist, auch kleine Beträge mit Karte zu bezahlen.

Eventuell lohnt es sich auch, einen internationalen Studierendenausweis mitzunehmen, mein normaler Studierendenausweis wurde allerdings überall akzeptiert.

Die Kleidung für die Klinik wurde komplett gestellt, allerdings sollte man natürlich sein Stethoskop mitbringen.

Reise und Ankunft

Am Anreisetag bin ich von Flughafen in Frankfurt mit Lufthansa direkt nach Helsinki geflogen, wo ich am Flughafen von meiner Contact Person abgeholt wurde. Der Flughafen liegt außerhalb von Helsinki in Vantaa. Spontan konnte ich doch schon in das Apartment einziehen. Ursprünglich hatte ich geplant, die ersten zwei Nächte im Hostel zu übernachten, da mein Austausch offiziell erst zwei Tage später begann.
Bis ich im Wohnheim war, war es schon Abend, aber zum Glück haben die Supermärkte lange geöffnet (mindestens bis 22 Uhr), sodass ich noch etwas einkaufen konnte.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Am meinem ersten Tag in der Klinik wurde ich von meiner Contact Person in die Klinik gebracht. Die Uniklinik in Helsinki hat verschiedene Standorte, die Neurochirurgie in der ich war, ist im Tölöö Hospital, das ungefähr auf dem halben Weg zwischen dem Wohnheim und der Innenstadt liegt. Ich wurde gleich freundlich empfangen und mir wurde alles gezeigt.

An den meisten Tagen war ich im OP, wo es viel Spannendes zu sehen gab. Die Neurochirurgie in Helsinki ist ein großes Zentrum, das ganz Südfinnland versorgt. Dementsprechend kommen dort häufig auch speziellere Fälle vor. Die Kommunikation war mit den Ärzten und Pflegekräften war problemlos, da alle Englisch und manche sogar Deutsch sprechen.

Der Alltag dort läuft ähnlich ab, wie ich es auch aus deutschen Kliniken kannte. Was ich allerdings sehr angenehm fand war, dass der OP-Plan erst später beginnt (meistens erst nach neun Uhr). Der Ablaufplan wurde immer am Nachmittag des Vortages ausgehängt, sodass ich schauen konnte, welche OPs ich mir am nächsten Tag anschauen wollte. Die Abteilung macht Operationen aus dem gesamten Spektrum der Neurochirurgie, auch viele Wirbelsäulenoperationen. Nur pädiatrische Patienten werden in einer anderen Klinik operiert.

Außerdem war ich auch bei der Visite auf der neurochirurgischen Station mit dabei. Diese war natürlich auf Finnisch, aber es war trotzdem interessant, die am Vortag operierten Patienten zu sehen.

Der OP und die Stationen sind vom technischen Standard ähnlich, wie ich es auch aus Deutschland kenne, allerdings ist mir aufgefallen, dass es in der finnischen Klinik mehr Personal gibt, vor allem in der Anästhesie- und Intensivpflege. Die Stimmung in der Abteilung war wirklich sehr gut und ich habe mich dort auch als nicht finnisch sprechender Gast sehr willkommen gefühlt.

Das finnische Gesundheitssystem ist zentralisierter als das deutsche und es gibt daher auch weniger Zentren, die dafür aber auch sehr spezialisiert sind. Die Patienten werden von ihren regionalen Krankenhäusern zugewiesen, die sehr gut miteinander vernetzt sind, sodass vor allem Röntgenbilder und andere Befunde leicht miteinander ausgetauscht werden können.

Einmal in der Woche gab es einen Journal Club, der meistens auf Englisch gehalten wurde und täglich eine Röntgenbesprechung mit den Neuroradiologen auf Finnisch, was allerdings kein so großes Problem ist, wie es zuerst klingt. Die Fachwörter sind meistens sehr ähnlich, sodass man sich nach einigen Tagen einiges versteht und auch erkennt. Einmal in der Woche findet dann noch eine Fortbildung für die ganze Klinik auf Finnisch statt.

Land und Leute

Neben der klinischen Arbeit, war ich auch sehr auf das Land und vor allem Helsinki gespannt.

Helsinki ist die größte Stadt in Finnland und es gibt demnach auch viel zu unternehmen. An meinem ersten Tag habe ich mir erst einmal die Innenstadt angesehen. Das einzig etwas Störende war, dass es sehr kalt war. Allerdings weiß ich jetzt auch, warum es dort hauptsächlich Einkaufszentren gibt:)
Ansonsten habe ich mir in den fast fünf Wochen, in denen ich dort war, so ziemlich alle Sehenswürdigkeiten angesehen. Besonders empfehlenswert finde ich es, mit der Fähre vom Hafen aus nach Suomenlinna zu fahren (ca. 20 min). Das ist eine kleine ehemalige Festungsinsel vor der Küste mit einer sehr bewegten Geschichte. Außerdem muss man natürlich den Dom, der auch nicht zu übersehen ist, gesehen haben. Auch die Bibliothek ist einen Besuch wert. Wer sich für Kunst interessiert kann ins Ateneum (mehr klassische Kunst) oder ins Kiasma (wechselnde Ausstellungen für moderne Kunst gehen).

Essen gehen ist in Helsinki eher teuer, etwas günstigere Alternativen sind z.B. Fafa´s (Falafel) und Hesburger, eine finnische Burger-Kette.

Am ersten Freitagabend waren wir bei einer der Contact Persons eingeladen, sie hatte einige typisch finnische Dinge vorbereitet. Am Tag darauf waren wir dann noch zusammen im Stadtzentrum. Insgesamt waren alle Contact Persons super nett und haben uns immer weitergeholfen. Ursprünglich hieß es, dass in den Wintermonaten kein Social Program angeboten wird. Allerdings haben wir dann doch sehr viel mit den Contact Persons unternommen.

Mit mir waren zur gleichen Zeit noch drei andere Incomings in Helsinki. Mit ihnen hatte ich vorher schon Kontakt und wir haben schon vorab ein Wochenende in Lappland geplant. Leider haben wir dort keine Polarlichter gesehen, da man dafür wohl viel Glück haben muss. Trotzdem war es dort sehr sehenswert und schön winterlich. Unser Hotel war in Ivalo, was eine gute Flugstunde von Helsinki entfernt liegt. Von dort aus kann man gut einen Tagesausflug an den Inarisee unternehmen.

In der Stadt ist mir aufgefallen, dass es fast überall Spielautomaten gibt, eigentlich im Eingangsbereich von jedem Supermarkt, dafür ist der Verkauf von Alkohol sehr streng reguliert und die meisten Produkte gibt es nur in speziellen Läden. Außerdem ist mir die extreme Pünktlichkeit aufgefallen, zum einen bei den öffentlichen Verkehrsmitteln, zum anderen auch bei privaten Terminen. An Treffpunkten sollte man lieber 5 min vorher sein :)

Wenn ich noch mehr Zeit gehabt hätte, hätte ich evtl. noch andere Städte, z. B. Porvoo, besucht.

Fazit

Insgesamt war es ein sehr schöner Austausch und ich würde sofort wieder daran teilnehmen. Wenn ich die Sprache könnte, würde ich auch definitiv überlegen für das PJ dorthin zu gehen. Ich kann nicht nur anderen Studierenden empfehlen, einmal an einem Austausch teilzunehmen, sondern würde dann sogar Finnland/Helsinki als erste Wahl empfehlen.
Vielen Dank an alle, die diesen Austausch ermöglichen.

zurück