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Romania (FSMR)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Hanna, Münster

Motivation

Ich hatte schon einen Teil meines Pflegepraktikums im Ausland (Nicaragua) absolviert und wollte eigentlich auch gerne Famulatur in einem spanischsprachigen Land machen. Allerdings habe ich die Bewerbungsfrist verpeilt und dann gesehen, dass noch Restplätze für Rumänien zu vergeben waren. Weil mich das Land in kultureller Hinsicht, aber auch aus einer medizinischen Perspektive, gereizt hat, habe ich mich spontan für Rumänien beworben (und es auch nicht bereut!).

Vorbereitung

Von der bvmd und dem Famulaturaustausch hatte ich schon in der Vorklinik bei einer Infoveranstaltung erfahren und wollte mitmachen, bis zur Umsetzung des Vorhabens hat es allerdings ein wenig gedauert und letztendlich war alles spontaner und desorganisierter als geplant. Da ich mich über die Restplatzvergabe beworben habe, ist einiges an organisatorischem Aufwand weggefallen und ich hatte zum Beispiel auch nie Kontakt zum lokalen Austauschteam. Worum ich mich frühzeitig kümmern würde, ist das bvmd/daad-Sprachzeugnis, viele Unis bieten die Prüfung nur zu bestimmten Zeitpunkten an, und ich musste zum Beispiel extra nach Düsseldorf fahren, weil ich den Termin in Münster knapp verpasst hatte.

Visum

Da Rumänien zur EU gehört, ist die Einreise mit einem gültigen Personalausweis oder Reisepass möglich.

Gesundheit

Ich habe keine besonderen gesundheitlichen Vorkehrungen getroffen (außer der Reiseapotheke) und halte das in Rumänien auch nicht für notwendig. Über die gesetzliche KV ist man ja in der EU krankenversichert, ich hatte auch noch eine bestehende private Auslandsversicherung. In Anspruch nehmen musste ich nichts davon, überhaupt schätze ich die gesundheitliche Gefährdung in Rumänien eher gering ein. Untersuchungen musste ich nicht durchführen lassen, das hat im Krankenhaus niemand verlangt.

Sicherheit

Auch hier habe ich keine besonderen Vorkehrungen getroffen. Rumänien ist bestimmt unsicherer als Deutschland (kommt auch wie immer darauf an, wo und wann man unterwegs ist), aber als Student im studentischen Umfeld habe ich mich immer sehr gut aufgehoben gefühlt. Natürlich sollte man in einem fremden Land (und möglicherweise ohne Sprachkenntnisse) auf die eigene Sicherheit bedacht sein, aber ich denke, da reicht der gesunde Menschenverstand

Geld

In Rumänien zahlt man mit Lei. Ich hatte eine Kredit- (VISA) und eine EC-Karte dabei und konnte meist mit beiden zahlen (VISA noch besser als EC). Euro konnte man gut wechseln. Abheben war auch kein Problem, in größeren Städten gibt es überall Geldautomaten (aber Achtung, je nach Bank kostet die Auszahlung in Fremdwährung noch mal extra, eine Kreditkarte mit kostenloser Abhebefunktion bietet sich an). Die Lebenshaltungskosten in Rumänien sind etwas geringer als bei uns, riesig sind die Unterschiede allerdings nicht (auch dafür, dass die Menschen dort viel weniger zur Verfügung haben als hier).

Sprache

Die Sprache in Rumänien ist Rumänisch. Da ich vorher überhaupt keine Verbindungen zum Land hatte, konnte ich natürlich kein bisschen Rumänisch und habe mir vorher mit Apps (z.B. Duolingo) und Internetseiten einen kleinen Grundwortschatz angeeignet. Wenn ihr kein Rumänisch könnt, empfehle ich das auch sehr! Erstens ist die Kommunikation mit Patienten, besonders aus ländlichen Gegenden, sonst schwierig bis unmöglich. Zweitens macht es einfach total Spaß, ein bisschen mit den Leuten sprechen zu können, und sei es mit sehr viel Händen und Füßen. Die Rumänen freuen sich auch, wenn man es versucht! Trotzdem war ich bis zur Abreise absolut nicht konversationssicher, zum Glück sprechen gerade die jüngeren Rumänen auch super Englisch (und oft noch Französisch oder Deutsch), so dass die Kommunikation viel besser lief als erwartet.

Verkehrsbindungen

Ich bin mit dem Zug über Budapest nach Rumänien gefahren (mit Zwischenstopps und Sightseeing), das war lustig und interessant und hat besser geklappt als gedacht. Man kann Zugtickets für die rumänische Bahn auch online buchen, funktioniert auch gut, wenn man sich erst mal in die Website eingearbeitet hat. Die Züge sind meist etwas älter und nicht die schnellsten, aber nicht unkomfortabel (finde ich), und die Erfahrung war es wert. Fliegen ist, wenn man rechtzeitig bucht, günstiger und weniger aufwendig, man sieht aber dafür weniger vom Land. Wizz Air hat oft sehr günstige Flüge nach Osteuropa, vielleicht lohnt es sich, da mal zu schauen.
Zwischen den Städten kommt man auch schnell und günstig mit Fernbussen (gibt eine gute Vergleichsseite im Internet) und blablacar hin und her.

Kommunikation

Das mobile Internet in Rumänien ist der Hammer. Wir haben uns am ersten Tag SIM-Karten mit 6€ Guthaben geholt und 50 Gigabyte Promo mobile Daten bekommen. Das hat sogar ausgeglichen, dass es im Wohnheim kein WLAN gab, Hotspot ging super und 4G war fast überall verfügbar. Macht euch da keine Sorgen, Prepaid-SIM-Karten sind leicht zu bekommen (bestimmt hilft euch da auch eine liebe Contact Person).

Unterkunft

Ich war mit einer anderen Austauschstudentin im Wohnheim der Fakultät untergebracht. Eine unserer Contact Persons ist mitgekommen, hat uns angemeldet und dem Wachmann vorgestellt. Das Wohnheim war (für ein Wohnheim) sehr gut, wir haben uns zu zweit ein Zimmer geteilt und hatten sogar ein eigenes Bad. Etwas schade war, dass es in der Küche zwar Spüle, Kühlschrank und Kochplatten gab, aber GAR KEIN Geschirr. Das wäre etwas, was ich vor Abreise abklären würde, vielleicht kann man sich dann einen Becher und Besteck schon mal mitnehmen.

Literatur

Ich hatte den „Reise Know-How Sprachführer Rumänisch - Wort für Wort“ dabei, den ich auch weiterempfehlen kann, weil neben der Sprache auch Infos zu Land und Leuten drin sind. Die Website https://www.rumaenisch-lernen.de/ hat mir auch gut gefallen. Es gibt auch auf YouTube nette Videos zum Rumänisch lernen, sucht einfach mal Romanian with Nico.

Mitzunehmen

Ich habe nicht anders gepackt als für eine normale Reise, man kann eigentlich alles in Rumänien kaufen. Ein Wörterbuch kann man durchaus mitnehmen, je nachdem, wie viel Rumänisch man sprechen möchte. Auch eine gute Idee ist es, Kleinigkeiten aus Deutschland oder eurer Region als Gastgeschenke mitzunehmen, ihr werdet bestimmt sehr viele nette Menschen treffen, denen ihr vielleicht gerne eine kleine Freude machen wollt.

Reise und Ankunft

Die Anreise lief problemlos, ich wurde von einer der Contact Persons am Bahnhof abgeholt, zum Wohnheim gebracht und hatte erst einmal kurz Zeit zum Auspacken und Akklimatisieren. Dann hat mir eine andere CP schon mal ein bisschen die Stadt gezeigt, inklusive Uni und Krankenhaus. Da ich schon Mittwoch in Iasi war und erst Montag im Krankenhaus angefangen habe, hatte ich noch ein bisschen Zeit, die Stadt auch auf eigene Faust zu erkunden. Uns wurde aber angeboten, von Donnerstag bis Sonntag an einem Workshop zum Thema Basic Surgical Skills teilzunehmen, so war ich doch direkt gut beschäftigt. Der Workshop war auf Englisch und echt gut!
Im Krankenhaus habe ich mich dann am Montag vorgestellt (bzw. bin wieder von einer Contact Person vorgestellt worden). Zuerst stand ich etwas verloren herum, weil kein Arzt da war, der Lust hatte sich auf Englisch mit mir zu beschäftigen und ich fühlte mich etwas umhergereicht, dann fand sich aber doch jemand, dem ich zugewiesen werden konnte.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Dann kommen wir jetzt zum spannenden Teil: meiner Zeit im Krankenhaus in Iasi. Wie oben schon angedeutet, kam ich mir am ersten Tag etwas verloren vor. Ich war im großen Emergency Hospital Sf. Spiridon in der Gastroenterologie und wurde erst einmal von dem betreuenden Arzt in die interventionelle Endoskopie mitgenommen. Da dort nicht immer Untersuchungen liefen, wusste ich besonders am Anfang nicht, was ich in der übrigen Zeit machen sollte. Zwischendurch sagte mir immer mal wieder jemand, ich könnte auch auf Station gehen, aber dort stand ich dann meistens mit anderen Medizinstudenten auf dem Flur und wartete darauf, dass etwas passierte.
Man kann in Iasi auch auf Englisch und Französisch Medizin studieren, was für die Uni wohl ein ganz gutes Geschäft ist, daher werden sehr viele internationale Studenten angenommen und in Konsequenz ist das Krankenhaus vormittags immer voller Studenten. Das merkt man auch den Ärzten an, die oft nur wenig Zeit für die Studenten haben (auch wenn sie eigentlich mit der Lehre beauftragt sind) und schnell genervt wirken, wenn ihnen eine Gruppe Internationals hinterherschwirrt, die Praktika auf Station machen.
Positiv hervorzuheben ist die Pflege (zumindest der große Teil), die Schwestern haben sich von Anfang an für mich interessiert und versucht, mich auszufragen, was ich bei ihnen mache, man hatte auch immer ein Lächeln für mich übrig (vor allem, wenn’s mit der Kommunikation auf Rumänisch etwas haperte).
Nachdem ich mich etwas eingewöhnt hatte, kam ich mir seltener so wirklich verloren vor. Ich habe sehr viele interventionelle Verfahren (vor allem ERCPs) gesehen, was ich total spannend fand. Wenn in der Endoskopie nichts los war, habe ich geguckt, ob ich beim Sono mitgucken kann (das hat sich besonders gelohnt, wenn die englischsprachigen internationalen Studenten da waren, dann wurde auf Englisch erklärt). Sonst war ich auch mal auf Station oder habe mit den anderen Studenten auf dem Flur rumgestanden und gequatscht (wenn so gar nichts zu tun war).
Etwas schade fand ich, dass ich selbst kaum aktiv etwas machen durfte, nachmittags wenn nicht so viel los war, durfte ich manchmal bei Untersuchungen assistieren, aber vormittags hatte selten jemand Zeit, einem etwas zu zeigen oder überhaupt Aufgaben an Studenten abzugeben. Gleichzeitig hatte ich durch die Sprachbarriere auch Hemmungen, mit den Patienten zu interagieren, ich wollte dann auch z.B. ungern Blut abnehmen, weil ich dem Patienten gefühlt nicht gut kommunizieren konnte, was passiert, und nicht auf seine Bedürfnisse eingehen konnte.
Ein interessanter Einblick in die Krankenversorgung in Rumänien war das Praktikum allemal. Im ersten Moment sind die Unterschiede gar nicht so deutlich, wie ich finde (natürlich ist das Krankenhaus nicht so schick und modern wie eine Uniklinik hier, aber die Ausstattung war gar nicht schlecht), auf den zweiten Blick fallen dann aber doch einige Dinge auf, die man bei uns so selten sieht (z.B. offenes Fenster im OP?, mehrere Patienten in einem Bett, 12-Bett-Zimmer etc.).
Noch ein kleiner Hinweis: Wenn ihr in den OP wollt, ist es gut zu wissen, dass es nicht Standard ist, dass man als Student mit an den Tisch darf. Wenn ihr schon OP-Erfahrung hab, kann es sein, dass ihr mal ran dürft, aber zu viel erwarten, sollte man nicht, am besten ihr lest noch mal Berichte von Leuten, die in der Chirurgie waren, um euch ein besseres Bild zu machen

Land und Leute

Das Beste kommt ja zum Schluss: Land und Leute. Rumänien ist ein tolles Land und hat mich unglaublich positiv überrascht. Ich bin vor dem Praktikum eine Woche lang durch Transsilvanien gereist und kann euch das nur empfehlen, die Landschaft und die Städte sind wunderschön! Cluj und Sibiu haben mir zum Beispiel echt gut gefallen. Wie erwähnt sprechen besonders die jüngeren Leute sehr gut Englisch, allein zu reisen war für mich überhaupt kein Problem. Die Menschen sind auch grundsätzlich sehr hilfsbereit, auch wenn sie (Schaffner zum Beispiel) manchmal etwas ungeduldig wirken, wenn man sie nicht versteht.
Während meiner Zeit in Iasi habe ich viel in der Stadt unternommen, Shoppen, Spazieren, Partys, Konzerte etc., meistens mit meiner Mitbewohnerin und unseren Contact Persons. Die waren auch alle so lieb und haben versucht, sich um alles zu kümmern, was irgendwie Probleme gemacht hätte und uns alles Sehenswerte in Iasi zu zeigen. Einmal haben wir auch einen kleinen Ausflug zu Sehenswürdigkeiten in der Nähe gemacht, das war auch sehr witzig.
Das rumänische Essen hat mir auch super geschmeckt, es gibt viel leckeres Gebäck (die große rumänische „Fast-Food“-Kette ist so was wie ein Bäcker), Suppen und leckere Sachen mit Schmand. Die Küche ist auch viel weniger fleischlastig als ich erwartet habe, Mămăligă (Polenta) ist Bestandteil vieler Gerichte und sehr lecker.
Die Rumänen habe ich als sehr nett und umgänglich erlebt, besonders die Ärzte im Krankenhaus hatten außerdem echt Sinn für Humor, und haben auch mal einen kleinen sarkastischen Witz gemacht, fand ich gut.
Insgesamt sind die Menschen auf jeden Fall echt gastfreundlich und schön ist, dass sie sich wirklich oft sehr freuen, wenn sie merken, dass man Tourist ist. (Bis auf die, die ständig mit den international students zu tun haben, die sind dann auch mal genervt, wenn man z.B. nicht weiß, wie man sich ein Brötchen auf Rumänisch kauft.)
Rumänien ist das ärmste Land der EU, und die dortige Bevölkerung hat aufgrund der wirtschaftlichen Situation und auch der von Korruption doch stark geprägten Geschichte einen ziemlich negativen Blick auf das eigene Land. Gefühlt freuen sie sich dafür umso mehr, wenn man sich für ihr Land und ihre Kultur interessiert. (Und eben auch versucht, die Sprache zu lernen.) Wenn man sagt, dass man aus Deutschland kommt, reagieren die Leute darauf meist sehr positiv, als Deutscher genießt man, so hatte ich das Gefühl, vorneweg ein hohes Ansehen, auch wenn ich auf den einen oder anderen seltsamen Angela-Merkel-Kommentar hätte verzichten können. ;) (Die politischen Ansichten waren vermutlich auch das, wo ich öfter mal den kulturellen Unterschied zwischen Deutschland und Rumänien gespürt habe.)
Dass Rumänien arm ist, merkt man, wenn man nur mit Studenten unterwegs ist, eher indirekt an den (traumhaften) Plattenbauten, den Straßenhunden oder den Schlaglöchern auf der Straße, als direkt im Kontakt zu Menschen. Wenn man die Augen offenhält, merkt man jedoch deutlich, dass die allgemeine Bevölkerung unter wesentlich schwierigeren Umständen zu leben hat als die meisten von uns hier. Besonders durch die Patienten im Krankenhaus bekommt man ein breiteres Bild von der Lebenssituation vieler Menschen, was für mich eine wichtige Erfahrung war. Hätte ich nur mit unseren Contact Persons lustige Dinge unternommen, wäre ich sicher mit einem anderen Eindruck von Rumänien nach Hause gefahren.

Fazit

Ich hatte eine tolle Zeit in Iasi und möchte auch auf jeden Fall noch einmal nach Rumänien zurück und noch mehr vom Land sehen! Arbeiten wollen würde ich dort eher nicht, die Bedingungen hier sind einfach viel besser, aber ich hoffe sehr, dass sich auch in Rumänien in den nächsten Jahren vieles zum Besseren wendet. Ich kann einen Auslandsaufenthalt über die bvmd uneingeschränkt empfehlen, besonders, wenn ihr euch ein Land aussucht, von dem ihr noch kein festes Bild im Kopf habt, oder eine bestimmte Erwartungshaltung. Der Aufenthalt hat mich auf so vielen Ebenen bereichert (auch, wenn auf der medizinischen möglicherweise noch mehr gegangen wäre). Vielen Dank an alle, die uns mit so viel Mühe so tollen Auslandsaufenthalte ermöglichen!

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