zurück

Thailand (IFMSA-Thailand)

Gynäkologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Leonie, Freiburg

Motivation

Ich hatte hauptsächlich mal wieder Lust auf einen Ortswechsel :D Thailand habe ich ausgewählt, um mal ein anderes Krankheitssprektrum, als in Europa zu erleben.

Vorbereitung

Zur Vorbereitung habe ich ein Pre-Departure Training besucht, was mir auf jeden Fall geholfen hat, mich auf den Aufenthalt und eventuelle Schwierigkeiten vorzubereiten. Ansonsten habe ich einen Reiseführer gekauft ;)

Visum

Für eine Famulatur in Thailand benötigt man ein sogenanntes „Education“ Visum (Type ED, 90 Tage gültig, einfache Einreise). Von Freiburg aus war das Honorarkonsulat in Stuttgart die nächste Stelle für die Beantragung. Ich kann dieses definitiv empfehlen, man geht einfach zu den Öffnungszeiten möglichst früh hin und bekommt das Visum direkt am selbe Tag -bei mir hats gerade mal eine halbe Stunde gedauert! Hier die Internetseite mit allen Infos und benötigten Unterlagen: http://www.thaikonsulat.de/index2.html

Gesundheit

Da ich bereits zwei Jahre zuvor Asien unterwegs war, habe ich keine neuen Reiseimpfungen gemacht. Ich bin außer allen in Deutschland üblichen Impfungen (inkl. natürlich Hepatitis A und B) gegen Tollwut, Meningokokken (ACWY), japanische Encephalitis und Typhus geimpft, all das ist aber für Thailand nicht unbedingt nötig. Die Malariaprophylaxe (Malarone) hatte ich dabei, aber auch das ist in Thailand nicht wirklich nötig. Wenn ihr nicht gerade in den abgelegensten Bergdörfern unterwegs seid ist die Gesundheitsversorgung super und man muss sich wirklich keine Sorgen machen, zumal ihr ja auch an einer Uniklinik sein werdet ;) Ich habe eine Auslandskrankenversicherung über die ApoBank/DÄF.

Sicherheit

Ich habe mich in Thailand immer sehr sicher gefühlt, obwohl ich auch viel ganz allein unterwegs war. Natürlich gibt’s auf den großen Märkten Taschendiebe -wie überall, wo viele Menschen unterwegs sind, einfach ein bisschen auf die Wertsachen aufpassen, nicht anders als z.B. auf deutschen Weihnachtsmärkten!

Geld

Die thailändische Währung ist der Baht, 1 Euro entsprechen ca. 38 Baht. Ich habe eine Kreditkarte von der Apobank, mit der ich kostenlos im Ausland abheben kann, habe also immer an den zahlreich vorhandenen Geldautomaten abgehoben. Geld wechseln ist aber auch kein Problem, es gibt überall Wechselstuben, die auch Euro wechseln. Die Lebenshaltungskosten sind natürlich niedriger als in Deutschland, in meinem Krankenhaus in der Kantine konnte ich ein warmes Essen für ca. 1€ bekommen und der öffentliche Nahverkehr in Bangkok ist auch sehr kostengünstig (Busse 6,50-14 Baht, Sky Train max. 45 Baht), um ein paar Beispiele zu nennen.

Sprache

In Thailand wird Thai gesprochen. Die Ärzt*innen und Studierenden sprechen meist gut Englisch, in touristischen gebieten sprechen auch die meisten anderen Menschen (Taxifahrer*innen, Verkäufer*innen etc.) zumindest einige Brocken Englisch, allerdings muss man schon häufig mit Händen und Füßen aushelfen. Thais freuen sich immer sehr, wenn man zumindest einfach Worte wie "Guten Tag" oder "Danke" auf Thai kann ;)

Verkehrsbindungen

Ich bin von Zürich aus mit einem Direktflug nach Bangkok geflogen, hat um die 800 Euro gekostet. Es gibt z.B. von Frankfurt aus durchaus günstigere Verbindungen, diese haben aber meist einen Zwischenstopp irgendwo in den arabischen Emiraten, da hatte ich mich aus reiner Bequemlichkeit dagegen entschieden :D Meinen Flug habe ich ca. 2 Monate vor Beginn der Famulatur gebucht. Vom Flughafen Sunamabhuri gibt es einen Zug (Airport Rail link) nach Phaya Thai, von wo Ramathiboti Hospital nur 1,5 km entfernt ist, also perfekt angebunden!
In Bangkok selber gibt es super viel Busse, diese sind extrem günstig (zwischen 6,50 und 14 Baht, je nach Strecke und Bus) und man kommt fast überall hin damit. Nachteil ist natürlich, dass man öfters mal im Stau steht, aber wenn man es nicht eilig hat kann man so auch die Stadt ganz gut entdecken ;)
Ansonsten ist in Bangkok der Sky Train eine wunderbare Möglichkeit schnell von a nach b zu kommen (Preise zwischen 20 und 50 Baht, je nach Strecke).
Innerhalb Thailands bin ich entweder mit dem Zug oder mit Fernbussen gefahren. Von Bangkok kommt man überall hin, es gibt Terminals für die Fernbusse sowie einen großen Bahnhof, von dem Züge in alle Richtungen fahren. Es lohnt sich Züge im Voraus zu buchen, wenn man zu einer bestimmten Zeit, eine längere Strecke fahren möchte, geht am besten an den Bahnstationen an den Ticketschaltern oder auch in Reisebüros.

Kommunikation

Ich habe mir am Flughafen eine Thai Simkarte (True) gekauft mit mobilen Daten. Die speziellen „Touristentarife“ sind zwar nicht ganz billig (ca. 15 € für 30 Tage), aber es ist der schnellste und einfachste weg direkt vernetzt zu sein. Im Krankenhaus gab es wlan, den Zugang habe ich für 100 Baht für einen Monat über das international Office bekommen.

Unterkunft

Ich habe ein Zimmer im student dormitory direkt auf dem Campus gehabt. Es war eigentliche ein 4-Bett-Zimmer, wir waren aber nur zu zweit: eine weitere Austauschstudentin aus Indien und ich. Wir hatten ein eigenes Bad, sowie einen Kühlschrank und eine Mikrowelle im Zimmer. Bettwäsche wurde gestellt und einmal die Woche wurde durch einen Reinigungsservice geputzt. Es gab abschließbare Schränke und einen kleinen Balkon zum Wäschetrocknen. Eine Klimaanlage war auch vorhanden.

Literatur

Ich hatte einen Reiseführer Thailand dabei, ein kleines „Medical English“ Pocket Wörterbuch und einen Gynäkologie Klinikleitfaden/den Herold innere Medizin als Nachschlagewerk. Es gab aber auch eine Bibliothek, wo man englische Lehrbücher ausleihen konnte.

Mitzunehmen

Fürs Krankenhaus: eine weiße Bluse, ein dunkler Rock (übers Knie) und das Tragen eines Kittels darüber war vorgeschrieben. Einen Rock kann man auch ganz einfach vor Ort kaufen, quasi in jedem Einkaufszentrum, kostet 200-250 Baht. Auch mein Stethoskop hatte ich dabei.
Ich war mit einem Rucksack unterwegs, hatte also nicht allzu viel Kleidung dabei: natürlich Sommersachen, T-Shirts/Blusen, lange lockere Hosen etc. man kann in Thailand problemlos Shorts/kurze Röcke tragen, allerdings darf man so nicht in die Tempel. Hier gilt: schultern und Knie bedecken!
Sonnencreme und Moskitospray sollten auf jeden Fall dabei sein, auch wenn man das alles auch in Thailand kaufen kann. Einen Adapter für die Steckdosen braucht man nicht, die deutschen passen rein, wenn auch manchmal etwas locker. Für die heiße Zeit ist ein Hut/andere Art der Kopfbedeckung außerdem sehr nützlich bzw. ein Regenschirm für die Regenzeit.

Reise und Ankunft

Ich kam vom Flughafen mit dem Airport Rail Link in Phaya Thai an und habe mich dann entschieden zum Krankenhaus zu laufen (1,5 km) um die Gegend schonmal zu erkunden (war im Nachhinein nicht die beste Idee, da es voll in der Mittagshitze war, ein Taxi wäre wohl eine gute Investition gewesen...: D). Im Krankenhaus musste ich mich dann ein bisschen durchfragen, wo das Wohnheim ist, war aber dann ganz easy zu finden. Das Personal wusste Bescheid, dass ich komme und ich konnte direkt in mein Zimmer und eine kalte Dusche nehmen ;) Eigentlich hätte ich eine contact Person haben sollen, diese ist aber wohl kurzfristig selber ins Ausland gegangen und so musste ich mich am Anfang erstmal allein zurechtfinden. Einer der LEOs hat mit mir einen kurzen Rundgang übers Gelände gemacht, aber das meiste habe ich selbstständig erkundet.
Ich bin am 28.2. angekommen und mein Praktikum sollte eigentlich am 1.3. beginnen, da war aber Feiertag, was ich bei meiner Ankunft erfuhr und so hatte ich noch einen Tag mehr vor Beginn der Famulatur.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war zuerst 2 Wochen auf der Gynäkologie/Geburtshilfe und dann noch 2 Wochen in der Inneren (Kardiologie).

GYNÄKOLOGIE
Am ersten Tag bekam ich einen Stundenplan, mit Räumen und Ansprechpersonen, das war super! In der ersten Woche war ich vor allem in der Ambulanz, in der zweiten dann hauptsächlich im Kreißsaal eingeteilt.
Erste Woche: ich war jeden Tag von 9-12 und dann nochmal von 13-16 Uhr in verschiedenen Bereichen der Ambulanz bzw. in verschiedenen Sprechstunden. Da es in Thailand keine niedergelassenen Gynäkolog*innen gibt, kommen die Patientinnen zu Checkup Untersuchungen, Beratungen zu Kontrazeption etc. und Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen ins „out patient department“ der Gynäkologie. Ich war immer zusammen mit zwei Thai Studierenden aus dem 5. Studienjahr, die gerade ihr letztes „Elective“ machten. Ich habe hauptsächlich zuschauen dürfen, also keine Untersuchungen selber machen dürfen. Ich war auch bei Beratungen zum Schwangerschaftsabbruch dabei, was für mich ein wenig überraschend kam und mich auch im ersten Moment echt überfordert hat, da ich die Gesetzeslage in Thailand natürlich nicht kannte und auch nicht wusste, dass hier hauptsächlich medikamentös induzierte Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt wurden. Ich habe mich danach dann aber lange mit der Thai Studentin, die dabei war unterhalten und auch der Professor hat bei einem nächsten Termin viel erklärt.
Zweite Woche: Jetzt ging es jeden Tag schon um 7 los mit der Visite im Kreißsaal, dann von 8-9 ein kurzes Seminar (versch. Themen) und dann wieder von 9-12 und 13-16 Uhr verschiedene Stationen, hauptsächlich im Kreißsaal.
Im Kreißsaal habe ich einige Geburten gesehen und ich war auch bei mehreren Sectios dabei. Ansonsten war ich noch einen Vormittag in der Pränataldiagnostik (Amniozentese) und in der Anomalie-Sprechstunde, wo Patientinnen mit auffälliger Amniozentese oder Sono-Befunden beraten wurden.

KARDIOLOGIE
Der erste Tag war ein wenig unorganisiert und ich musste mich ein wenig durchfragen, wann ich wo sein sollte. Ich war zusammen mit 3 Thai Studierenden, die mir immer halfen, wenn ich mal nicht wusste wohin. An den Vormittagen war ich immer zuerst auf der kardiologischen Intensivstation zur Visite und dann jeden zweiten Tag bei der Runde des Konsildienstes dabei. An den Nachmittagen gab es entweder Seminare zu verschiedenen Themen oder Fallbesprechungen, oder ich war in der Ambulanz. Einmal die Woche war ich dann noch bei der Herzinsuffizienz Sprechstunde dabei. Bei der Visite und in den Sprechstunden durfte ich immer selbst körperliche Untersuchungen vornehmen. Das Highlight der zwei Wochen in der Kardiologie: Der eines amerikanischen Gastprofessors am Harvey Simulator zum Thema Herzauskultation. Ich habe selten innerhalb 2 Stunden so viel gelernt!

Land und Leute

Die Thais sind sehr freundliche Menschen und ich habe mich immer sehr wohl gefühlt. In Bangkok gibt es soooo viel zu erleben. Wir (meine Zimmergenossin und ich) waren u.a. in Chinatown, in den verschiedenen großen Tempeln (Wat Sutat, Wat Pho, Wat Arun usw.), dem großen Palast (der Eintritt ist leider für Touristen ziemlich teuer und es ist immer recht voll...), Siam-Viertel, Lumpini-Park, Chatuchak-Market, Yodpiman-Flower Market und Pier (hier kann man mit toller Aussicht auf den Chao Phraya River abends Essen und ein Bierchen trinken), Asiatique-River Front (auch toll Abends), Platinum Mall und natürlich auch in der berühmt-berüchtigten Khao San Road (Backpacker soweit das Auge reicht :P). Meine Highlights: Fähre fahren auf dem Chao Phraya River, der Marmortempel Wat Benchamabophit (nur ca. 1 km von Ramathiboti Hospital entfernt!) und der Erawan-Shrine mitten in „Downtown Bangkok“ (Siam). Ich kann einen Tagesausflug nach Ayutthaya empfehlen (sehr interessante Tempelruinen, man kann hier viel über die Geschichte Thailands und des (thailändischen) Buddhismus lernen) und, wenn man nicht viel Zeit hat und nur mal ein Wochenende am Strand verbringen will, die Insel Koh Larn (vor Pattaya). Die Insel ist zwar mittlerweile kein Geheimtipp mehr, dennoch hat sie wunderbare Strände zu bieten und man kann schnorcheln, Jetski fahrenund vieles mehr. Wer wie ich Berge mag wird sich wohl im Norden, in Chiang Mai auch sehr wohl fühlen. Dort war ich nach Ende der Famulatur noch für eine Woche unterwegs, von dort aus habe ich u.a. Wat Suthep, den Doi Inthanon National Park und Samoeng, ein kleines Bergdorf -ohne Touristen- besucht.
Mein Geheimtipp: wenn euch mal alles zu viel oder zu laut ist und ihr einfach mal nur in Ruhe ein Buch lesen wollt, in Bangkok gibt es tolle Parks, z.B. den Chatuchak und Queen Sirikit Park und auch in den zahlreichen Tempeln gibt’s fast immer eine ruhige Bank im Schatten ;)
Kurzer Kommentar zum Essen: Ich bin eigentlich Veganerin, eine vegane Ernährung war aber quasi unmöglich. Auch vegetarisch ist schwierig, die Thais essen sehr, sehr viel Fleisch. Im Krankenhaus gab es in der Kantine einen vegetarischen Stand, aber wenn ich unterwegs war wurde es schon schwieriger. Ich schreibe das hier, weil ich das nicht wusste bevor ich dort ankam und es mir in den ersten Tagen ziemlich Probleme gemacht hat. Irgendwann wusste ich aber welche Gerichte vegetarisch sind oder vegetarisch gemacht werden können und habe, wenn es gar nicht anders ging auch mal Fisch oder Schrimps etc. gegessen.



Fazit

Eine Famulatur in Thailand ist was ganz anderes als eine in Deutschland. Vom Aufbau und zeitlichen Aufwand hat es mich eher an ein Blockpraktikum erinnert und es wurde viel Wert auf die Lehre gelegt. Ich hätte zwar gerne mehr selber gemacht, z.B. körperliche Untersuchungen, aber das war den Thai Studierenden vorbehalten und ich wusste auch vorher, dass das mit ausländischen Studierenden so gehandhabt wird. Alles in allem, war die Zeit im Krankenhaus eher entspannt, ich habe aber trotzdem sehr viel gelernt und spannende Einblicke bekommen.

zurück