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Atahualpa (Ecuador)

Intensivmedizin - SCOPH (Public-Health Austausch)
von Franziska, München

Motivation

Ich war schon immer sehr sprachenbegeistert und daher habe ich während des Studiums 4 Semester lang einen Spanischkurs an der Uni belegt. Gegen Ende des Studiums wollte ich mein Spanisch dann noch intensivieren und vor allem auch mal praktisch nicht anwenden. Da ich vorher noch nie in Südamerika war, wollte ich meine letzte Famulatur dort machen. So hat sich der Public-Health-Austausch in Ecuador also ideal angeboten.

Vorbereitung

Von der bvmd habe ich über eine Freundin erfahren, die an unserer Uni im AK Ausland mitarbeitet. Da wir gemeinsam die Spanischkurse belegt hatten, kam ihr die Idee, dass wir ja noch gemeinsam eine Famulatur über die bvmd in Ecuador machen könnten. Die Bewerbung war dann relativ einfach: die Formulare online ausfüllen und zusätzlich noch eine Bewerbung an die Sprachenschule schicken. Ich habe dann noch ein DAAD-Sprachzertifikat gemacht um das Spanisch-Niveau A2 nachweisen zu können. Allerdings gibt es auch immer wieder Leute, die ganz ohne Sprachkenntnisse ankommen, was ich mir aber etwas schwierig vorstelle, da auch im Krankenhaus nur Spanisch gesprochen wird und hier kaum jemand Englisch spricht. Wir hatten uns dazu entschieden, die Famulatur direkt in Quito zu machen und gemeinsam in dem Apartment in der Sprachenschule zu wohnen und uns selbst zu versorgen. Wir hatten uns Gott sei dank auch rechtzeitig für den Fahrkostenzuschuss beworben (das Budget war wahnsinnig schnell aufgebraucht) und daher über 700€ bekommen. Die Flüge haben wir erst relativ spät gebucht. Als Vorbereitung habe ich mir noch den Lonely Planet Reiseführer für Ecuador gekauft.

Visum

Für Ecuador selbst braucht man unter 3 Monaten kein Visum. Da wir allerdings über Miami geflogen sind, brauchten wir ein gültiges ESTA-Visum.

Gesundheit

Ich habe mich im Vorfeld gegen Gelbfieber, Typhus, Tollwut, Cholera (soll auch bei anderen Magen-Darm-Infekten helfen) und Meningitis impfen lassen. Bei der Reiseapotheke ist es auf jeden Fall sinnvoll ausreichend für Magen-Darm-Infekte ausgestattet zu sein. Außerdem ausreichend Insektenschutz und Sonnenschutz mitnehmen, da die Sonne am Äquator und auf knapp 3000m doch deutlich stärker ist als zuhause. Außerdem Kosmetikartikel möglichst von zuhause mitbringen, da diese hier echt teuer sind.

Sicherheit

Ecuador gilt als relativ sicheres Land. Die Sprachenschule liegt direkt gegenüber einer Polizeidienststelle und das Viertel gilt im Allgemeinen als sehr sicher. In der Öffentlichkeit sollte man allerdings unbedingt auf seine Wertsachen aufpassen und immer nur das Nötigste mitnehmen. Auch in den Bussen empfiehlt es sich, die Wertsachen immer körpernah zu halten. In der Dunkelheit sollte man nicht (alleine) rumlaufen. Wirklich unsicher habe mich aber eigentlich nie gefühlt.

Geld

Ich hatte mir von zuhause kein Geld mitgenommen, sondern in Miami das erste Geld abgehoben. In Quito selbst gibt es aber auch diverse Banken, an denen man sich ohne Probleme Geld abheben kann. Allerdings sollte man darauf achten, keine größeren Scheine als 20$ mitzunehmen, da meistens nur Scheine bis 20$ akzeptiert werden. Generell ist hier das Meiste vergleichsweise günstig. Außer im Supermarkt, da sind die Preise ähnlich wie bei uns.

Sprache

In Ecuador wird bis auf ein paar wenige Ausnahmen ausschließlich Spanisch gesprochen. Ich hatte vorher insgesamt 4 Semester Spanisch an der Uni belegt. Am Anfang fiel es mir etwas schwer, es auch anzuwenden. Das Spanisch in Ecuador ist aber sehr klar und gut verständlich und alle bemühen sich, möglichst langsam zu reden und so kommt man schnell rein. Nach den zwei Wochen Sprachkurs fühlte ich mich doch recht sicher. Auch wenn mein Spanisch sicher nicht perfekt ist, konnte ich mich dann gut verständigen.

Verkehrsbindungen

Bei den Flügen nach Quito muss man Glück haben, je flexibler man ist, desto leichter ist es, ein gutes Angebot zu finden. Wir waren leider nicht sehr flexibel, haben dann aber von München doch einen relativ guten Tarif bekommen 860€ (Hin und zurück) mit American Airlines über Madrid und Miami. In Quito selbst zahlt man für eine Busfahrt 0,25$, allerdings ist die Busstruktur extrem undurchsichtig und schwer zu verstehen. Taxis sind nicht besonders teuer und findet man an fast jeder Ecke. Durch Ecuador kommt man am einfachsten mit den Überlandbussen – sehr bequem und günstig (1$ pro Fahrstunde), wobei man Nachtfahrten eher meiden sollte.

Kommunikation

Zu Beginn hatte ich überlegt, mir vor Ort eine Sim-Karte zu holen. Da wir im Apartment aber Wlan hatten (die Verbindung war allerdings teilweise mehr schlecht als recht) habe ich mir keine geholt. Es gibt auch in vielen Restaurants und Cafés kostenloses Wlan.

Unterkunft

Ich habe zusammen mit einer Freundin im Apartment in der Sprachenschule in Quito gewohnt. Es befindet sich in einem Gebäude mit der Wohnung der Gastfamilie (Martha und Vicente), man wohnt quasi gegenüber. Bei der Bewerbung an der Sprachschule hatten wir das direkt mit angeben müssen, ob wir in einer Gastfamilie (mit Vollverpflegung) oder in einem eigenständigen Apartment wohnen möchten. Das Apartment selbst war sauber, in der Dusche gibt es auch meistens warmes Wasser. Allerdings ist es sehr hellhörig und nicht gedämmt bzw. geheizt. Tagsüber, solange die Sonne darauf scheint wurde es im Apartment ziemlich warm. Abends, sobald die Sonne weg ist (spätestens um 18:30 Uhr) wird es schnell kalt. Es gibt ein Doppelzimmer und ein weiteres, das durch einen Vorgang abgetrennt ist. Außerdem eine Küche mit Gasherd und -ofen.

Literatur

Ich habe mich vorher hauptsächlich über die Erfahrungsberichte informiert. Vor Ort habe ich mich dann mit Hilfe des Lonely Planet Reiseführer informiert. Ich selbst hatte sonst keine Literatur mitgebracht, ich hatte allerdings eine Wörterbuch-App auf dem Handy, die sich als sehr hilfreich erwiesen hat.

Mitzunehmen

Das Wetter ist in Quito sehr wechselhaft. Die erste Woche im August hat es fast täglich geregnet und daher war es relativ kalt (ca. 12 Grad). In der Sprachenschule meinten sie noch, es wäre wie im Winter. Ab der zweiten Woche wurde das Wetter dann konstanter und besser. Tagsüber in der Sonne wird es sehr warm (gefühlt 30 Grad). Also sollte man auf jeden Fall genügend Sonnencreme (möglichst hoher LSF), eine Kopfbedeckung und eine Sonnenbrille mitbringen. Ansonsten ist Zwiebel-Look angesagt, denn sobald die Sonne mal weg ist, wird es richtig frisch. Möglichst auch an eine winddichte Jacke denken. Außerdem haben wir jeweils 2 Kasack und Hosen zusätzlich zum Kittel für den Klinikalltag mitgebracht. Es heißt ja auch, dass man Geschenke für die Klinik mitbringen soll. Martha meinte, es reicht, wenn man eine Packung Handschuhe bzw. Mundschutz oder Desinfektionsmittel mitbringt. Wir hatten beide noch bei unseren Hausärzten und Kliniken angefragt und diverse Dinge mitbekommen. Es war viel OP-Besteck, das aus irgendwelchen Gründen aussortiert wurde, aber noch wunderbar funktioniert. Zudem noch Nierenschalen und diverse andere Schalen, alles aus Metall. Die Leute in der Klinik haben sich riesig gefreut und uns auch erzählt, wenn es benutzt wurde. Also einfach mal bei diversen Kliniken und Praxen anfragen, die schmeißen solche Dinge oft einfach weg!

Reise und Ankunft

Unsere Reise ging über Madrid und Miami, bis dahin lief alles problemlos. Wir hatten eine Nacht Aufenthalt in Miami. Der Flug von Miami aus hatte leider aufgrund eines Gewitters 2 Stunden Verspätung. Am Flughafen in Quito wurden wir abgeholt. Normalerweise machen das Martha und Vicente persönlich. Bei uns war es ein Freund der Familie, der trotz der Verspätung noch am Flughafen mit einem Schild – und unseren Namen – wartete. In Quito selbst ist dann leider nur die Hälfte unseres Gepäcks angekommen (wir hatten jeweils 2 Gepäckstücke, da im jeweils zweiten die Geschenke für die Klinik waren). Das war ziemlich ärgerlich, da wir eh schon deutlich verspätet angekommen waren. Am Flughafen wurde uns dann gesagt, dass unser Gepäck mit dem nächsten Flugzeug aus Miami kommen würde – 2 Stunden später. Somit waren wir dann insgesamt fast 6 Stunden später im Apartment (um halb 3 Uhr morgens, statt 20 Uhr abends), aber zumindest hatten wir dann unser ganzes Gepäck wieder.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Wir sind am Sonntag morgen angekommen und hatten dann die ersten 2 Tage nur Spanischkurs. Ab Mittwoch ging dann die Famulatur los. Das wollten wir so, da der Mittwoch der 01.08. war und es somit anrechnungstechnisch einfacher war mit den 30 Tagen. Am ersten Tag wurden wir von unserer Spanischlehrerin in die Klinik, Hospital Inglés, gebracht und dort unserem betreuenden Arzt Dr. Llano vorgestellt. Von ihm wurden wir direkt nett empfangen und auf seiner Station, der Intensivstation, sowie in diversen anderen Teilen der Klinik vorgestellt. Das Personal dort ist sehr freundlich und aufgeschlossen. Unsere Tage in der Klinik waren immer von 16-20 Uhr, da Dr. Llano nur in dieser Zeit dort arbeitet. Die meisten Ärzte in Ecuador arbeiten in mehreren Krankenhäusern parallel und so arbeitet er jeden 5. Tag im Hospital Militar 24-Stunden-Schichten. Dort waren wir dann an den entsprechenden Tagen auch von 16-20 Uhr. Der Tag auf Station begann meist mit einer Visite, bei der alle Patienten durchgesprochen werden. Dort haben die Ärzte pro Patient deutlich mehr Zeit als bei uns und so hat er uns immer gerne unsere Fragen beantwortet. Dr. Llano ist ein wahnsinnig kompetenter Arzt und ein wandelndes Lexikon. Zudem ist er auch sehr nett und warmherzig. Er fuhr uns jeden Abend mit dem Auto nach Hause, weil er meinte im dunkeln will er uns nicht alleine gehen lassen und es läge sowieso auf seinem Weg. Auf Station konnten wir leider praktisch nichts selber machen, da vieles von den Schwestern bzw. Pflegern gemacht wird. Wir durften bei diversen Sonos zusehen. Das wird hier für alles benutzt. Ich fand es erstaunlich, mit welch einfachen Mitteln gute Diagnostik doch möglich ist. Ich habe oft den Eindruck, dass man sich in Deutschland gern auf diverse elektronische Geräte verlässt, die das Ergebnis gleich mit ausspucken. Das fand ich hier sehr beeindruckend, auch wenn es teilweise sehr alte Geräte waren. Zum Teil gab es auch einige wenige ziemlich moderne Geräte. Zum Röntgen wurde immer ein portables Gerät herangeschafft und dann meist auch ohne jeglichen Röntgenschutz gearbeitet. Sterile Tücher oder Instrumente sind in Papier eingewickelt, das habe ich vorher auch noch nie so gesehen. Sogar im OP sind alle Kittel und Tücher wiederverwendbar. Einmal durften wir bei einer Entdeckelung nach traumatischer Hirnblutung mit in den OP. Die meisten Instrumente sind dort ähnlich denen, die bei uns verwendet werden. Allerdings gab es auf Station immer wieder Infektionen, daher sind wir uns nicht sicher, wie steril die Sachen doch verpackt sind, bzw. wie sauber gerbeitet wird. Und einmal durfte eine von uns bei einer Tracheostomie auf Station assistieren. Der Fall, der mich am meisten berührte, war ein junger Mann (Anfang 20), der aus dem Fenster seiner Wohnung gesprungen ist, weil er ausgeraubt wurde. Er ist auf seinen Füßen gelandet und hat sich dadurch zwei Wirbel in der HWS verschoben. Vor Ort musste er wohl schon zwei mal reanimiert werden. In der Klinik wurde dann eine Lähmung ab T1 festgestellt. Er wurde dann zwei mal operiert, wobei bei der zweiten ein Teil der Motorik der Arme verletzt wurde. Die Aussage von Dr. llano war: "Traumatologen halt …“ . Mithilfe von viel Physiotherapie kann er in Zukunft hoffentlich selbstständig atmen und irgendwann vielleicht auch seine Arme wieder vernünftig bewegen.

Land und Leute

Ecuador ist ein sehr schönes und vor allem sehr vielfältiges Land. Die Menschen sind sehr herzlich, offen und immer hilfsbereit. An den Wochenenden hatten wir immer frei und somit genügend Zeit, Ecuador zu erkunden. Wir sind nach Baños, Otavalo, Cuenca, Quilotoa und Papallacta gefahren, teilweise auch mit den anderen Schülern der Sprachenschule. Sehr zu empfehlen ist Cuenca, mit seiner wunderschönen Altstadt im Kolonialstil. Dort ist alles kleiner, ruhiger und weniger dreckig als in Quito. Otavalo ist schon fast Pflichprogramm mit seinem großen Markt. Dort findet man fast alles was das Herz begehrt – und v.a. schöne Mitbringsel für zuhause (und natürlich für sich selbst). Einen Ausflug Wert ist auf jeden Fall auch der Quilotoa-Vulkankrater um den wir einmal außenrum gewandert sind. Die Natur dort ist einfach wunderschön! Man sollte dafür aber auf jeden Fall mindestens 6 Stunden einplanen. Die Thermalquellen von Papallacta liegen am Rande des Oriente und haben einen gewissen Dschungel-Flair, sie sind nochmal deutlich schöner (v.a. bei Sonnenuntergang) und viel weniger überlaufen als die Quellen in Baños. Im Rahmen des Sprachkurses haben wir mit unserer Lehrerin Lusmila viele Ausflüge in und um Quito gemacht. Dank ihr sind wir zu Orten gekommen, die wir sonst vermutlich nicht gesehen hätten. Wir sind mit ihr auf die Basilika in der Altstadt gegangen, zum Panecillo, Mitad del Mundo, Itchimbia usw. Einmal haben wir mit der gesamten Sprachschule eine Wanderung im Grünen um den Norden der Stadt gemacht. Mit Lusmila waren wir auch oft in unserer Straße bei einem dieser kleinen Lokale, die Almuerzos (Menü für 2,50$) anbieten. Die kann man auch mit empfindlichem Magen ohne Probleme essen. Meist gibt es eine Suppe und Reis mit Huhn. Um die Ecke gibt es außerdem ein süßes Café – Coffee Shop Atelier - (das einzige in diesem Viertel) dort kann man sich „Coffee-to-go“ holen, aber auch super lecker frühstücken.
Wir hatten von Anfang an geplant, die letzten Tage auf die Galapagosinseln zu fliegen. Da uns immer gesagt wurde, wir sollten vor Ort buchen, da es günstiger wäre, hatten wir lange keinen Plan. Wir haben irgendwann diverse Reisebüros in der Altstadt angesteuert und in einem ein richtig gutes Angebot gefunden. Im letzten haben wir dann ein super Angebot für eine Cruise gefunden und zugeschlagen. Das Reisebüro kann ich wärmstens empfehlen: Galapagos Real Voyage (Paulina Nuñez, Adresse: Venezuela St. N9-82 und Oriente St., www.galapagosrealvoyage.com). Die Galapagosinseln sind selbst einfach einzigartig und auf jeden Fall einen Besuch wert! Wir waren auf vier verschiedenen Inseln - die meisten von den Menschen unbewohnt, dafür mit vielen Leguanen, Seelöwen, verschiedensten Vögeln und Riesenschildkröten. Es war einfach einmalig und unvergesslich!

Fazit

Ich hätte gerne noch mehr Zeit gehabt, Ecuador zu erkunden. Es gäbe noch genügend zu sehen, die Küste, den Amazonas usw. aber leider haben unsere Zeitpläne das nicht zugelassen. Nichts desto trotz war es eine einmalige und unvergessliche Zeit und ich würde es jederzeit wieder machen.

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