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Atahualpa (Ecuador)

Intensivmedizin - SCOPH (Public-Health Austausch)
von Sophie Maria, München

Motivation

Es war schon mein ganzes Studium lang mein Wunsch, eine Famulatur im Ausland zu machen, um einmal einen Einblick in ein anderes Gesundheitssystem zu bekommen und auch, um meinen Horizont im Hinblick auf meine spätere Arbeit als Ärztin v.a. bezüglich des Umgangs mit verschiedensten Patienten zu erweitern. Da ich mir seit dem 6. Semester neben der Uni endlich meinen Traum, Spanisch zu lernen, erfüllt hatte, wollte ich den Auslandsaufenthalt gleichzeitig nutzen, um mit der Sprache weiterzukommen. Daher war klar, dass ich ins spanischsprachige Ausland gehen wollte. Da ich noch nie in Mittel- oder Südamerika war und mich der Kontinent sehr reizte, viel meine Wahl darauf. Erwartungen hatte ich eigentlich keine. Ich bin während des Studiums viel gereist und bei meinen neuen Zielen immer sehr offen, ich lasse die neuen Eindrücke einfach auf mich zukommen.

Vorbereitung

Da ich selbst als LEO an meiner Uni tätig bin, kannte ich mich mit den verschiedenen Möglichkeiten, über die bvmd ins Ausland zu gehen, relativ gut aus. Da mein Spanisch aber bei meiner Bewerbung auf einem zu niedrigen Niveau (A2) für die meisten angebotenen Auslandsfamulaturen war und mein Herz sowieso für die Entwicklungshilfe schlägt, klang ein Public Health Austausch genau richtig. Da ich mein Spanisch aufbessern wollte, war die Kombination mit einem Sprachkurs in der Atahualpa Sprachschule in Quito, Ecuador, perfekt für mich. Ich habe mich zusammen mit einer Freundin beworben. Für die Atahualpa Sprachschule muss man sich sowohl über die bvmd, als auch bei der Sprachschule direkt bewerben. Auf der Internetseite der Schule findet man schnell das Bewerbungsformular und kann sich genau aussuchen, wie man den Aufenthalt gestalten will (Zeitraum des Sprachkurses, Zeitraum der Famulatur, nacheinander oder gleichzeitig, wohnen in einer Gastfamilie oder alleine in einem Apartment etc.). Eine Woche nach dem Abschicken der Bewerbung an die Sprachschule kam schon die Zusage. Selbst, als sich (zwei mal) unser geplanter Zeitraum etwas verschoben hat, war es kein Problem, das mit der Sprachschule bzw. Thomas Grammel, dem Koordinator in Deutschland, abzusprechen und umzuorganisieren. Die Bewerbung bei der bvmd war etwas stressiger, was bei mir aber daran lag, dass ich eine Woche vor Ende der Bewerbungsfrist erst aus dem Urlaub wiederkam und das Englisch- und Spanischzertifikat sowie alle weiteren Unterlagen innerhalb dieser Woche besorgen musste. Das hat aber auch alles gut geklappt. 1 1/2 Monate später kam dann auch die Zusage von der bvmd. Danach habe ich mich im April für den Fahrtkostenzuschuss beworben (für Ecuador bekommt man eine erhebliche Summe). Das kann ich auch nur jedem ans Herz legen, sich rechtzeitig dafür zu bewerben, da kurze Zeit später das Jahresbudget für 2018 aufgebraucht war. Ansonsten habe ich mich, abgesehen von meinem regulären Spanischkurs im Semester, nicht auf Ecuador vorbereitet, was aber auch daran lag, dass ich einen Tag vor dem Abflug meine Abschlussklausuren hatte.

Visum

Ein Visum muss man für Ecuador nicht beantragen. Man bekommt bei Einreise ein 90-Tage-Visum, man wird lediglich gefragt, wie lange man bleibt (undzwar die genaue Tagesanzahl, das kann man sich vorher mal überlegen, aber ich hatte es auch nur geschätzt und es war in Ordnung so). Dann bekommt man den Stempel und kann einreisen.

Gesundheit

Ich habe mich bei meinem Hausarzt bezüglich der Reiseimpfungen beraten lassen. Zwar muss man keine Gelbfieberimpfung für die Einreise nach Ecuador nachweisen, da aber 2017 wieder einige Fälle auch in Ecuador dokumentiert wurden, habe ich mich für die Gelbfieberimpfung entschieden. Außerdem habe ich wegen der Arbeit im Krankenhaus eine Polio- und Meningokokkenauffrischung bekommen. Wegen einer Reise nach Asien hatte ich ein halbes Jahr vorher bereits die Tollwut- und Typhusimpfung hinter mir, die ich auch für Ecuador empfehlen würde, da hier auch streunende Hunde herumlaufen und es Typhus auch in Ecuador gibt. Ansonsten sollten alle regulären Impfungen sowie Hep A und Hep B aktuell sein. Meine Reiseapotheke bestand aus Metamizol, Pantoprazol, Vomex (unbedingt mitnehmen), Perenterol (als Prophylaxe), Imodium akut lingual (unbedingt mitnehmen!!), Malarone als Standby-Medikation gegen Malaria und Mückenspray. Das tolle an Quito (und der gesamten Sierra, also den Anden in Ecuador) ist, dass die Städte i.d.R. über 2000m hoch liegen und es hier keine Mücken gibt. Will man aber in den Oriente, also ins Amazonasgebiet, oder an die Costa, die Küste, die wieder auf 0m liegt, sollte man genügend Mückenspray dabei haben. Es muss einem bewusst sein, dass es in Ecuador Malaria und Dengue-Fieber gibt, also sollte man vorbereitet sein.

Sicherheit

Ich hatte schon gehört, dass es in Mittel- und Südamerika durchaus vorkommen kann, dass Rucksäcke, Handys, Geld etc. oft geklaut werden. Daher habe ich meine Lieblingsklamotten Zuhause gelassen und mir für die Reise eine 2. Kreditkarte besorgt, falls mir eine gestohlen wird. Bezüglich der Sicherheitslage in Ecuador gab es keine Warnungen oder ähnliches, wobei sich die Beschreibungen auf der Seite des auswärtigen Amtes ja immer ziemlich schlimm anhören. Ich habe nichts gemerkt und die Lage in Ecuador war durchgehend stabil.

Quito ist zu Beginn eine riesige und überwältigende Stadt, aber bedroht oder unsicher habe ich mich nie gefühlt. Da ich mit einer Freundin unterwegs war, ging alles vermutlich noch etwas leichter. Aber auch, wenn wir mal abends nach Hause gelaufen sind, gab es nie Probleme. Man sollte einfach die gängigen Regeln beachten, nicht im Dunkeln alleine unterwegs sein, nur Taxis nehmen, wo auch Taxi draufsteht, keinen Schmuck tragen oder Handy, Geld oder andere teuren Gegenständen offen zur Schau tragen. Dann kommt man wie überall gut durch. Auch von den Klamotten her kann man ganz normal herumlaufen, da sind die Ecuatorianer/innen sehr westlich geprägt. Man merkt natürlich, dass man oft angeschaut und angesprochen wird, aber das kann man einfach ignorieren.

Geld

In Ecuador bezahlt man mit US Dollar. Ich hatte mir schon vor der Reise in Deutschland 250$ mitgenommen, aber der Wechselkurs im Land selbst ist immer etwas besser. Da wir über Miami geflogen sind, konnte man sich auch dort am Flughafen Geld abheben, bevor man in Ecuador ankam. Je kleiner die Scheine, desto besser. In den meisten Bäckereien und kleineren Läden sollte man am besten mit 5$ oder Münzgeld bezahlen, größeres kann meistens einfach schlecht gewechselt werden, wenn dann eher gegen Abend. Die großen Scheine sollte man daher eher für das Bezahlen von Hostels oder im Supermarkt verwenden. Banken gibt es in Quito einige, wo man problemlos und sicher Geld von der Kreditkarte abheben kann. Ich bin gut mit meinen beiden Kreditkarten gefahren und hatte sonst nichts anderes dabei. Ecuador ist vom täglichen Leben her sehr günstig. Eine Busfahrt kostet in eine Richtung 0,25$, ein Taxi bei einer Strecke von 1h max. 15$. Ein Mittagessen mit Vor- und Nachspeise plus Getränk bekommt man schon für 2,50$, in Restaurants ist es natürlich teuerer, aber da kann man auch ein gutes und großes Abendessen mit Getränk für 7-12$ oder weniger bekommen. Für einen Wocheneinkauf ist es hier ähnlich wie in Deutschland, man gibt ca. 20$ pro Woche aus.

Sprache

In Ecuador wird Spanisch gesprochen, die wenigstens Leute sprechen Englisch und wenn, eher bruchstückhaft. Leute, die viel mit Touristen zu tun haben, können meistens relativ "gut" Englisch, aber für den Alltag sollte man ein bisschen Spanisch können. Ich hatte bis zum Auslandsaufenthalt die B1.1 Stufe in Spanisch abgeschlossen und kam erstaunlich gut zurecht. Man muss einfach reinkommen, gerade mit dem Sprechen. Ecuador ist dafür bekannt, dass seine Einwohner sehr langsames und deutliches Spanisch sprechen, ideal zum Lernen. Das kann ich auf jeden Fall bestätigen, gerade die Menschen der Sierra sprechen gut verständliches Spanisch. Man merkt die Fortschritte, die man in der Sprache über die Zeit macht, auch ziemlich schnell. Man merkt, dass die Ecuadorianer beim Sprechen eher viel umschreiben und nicht so auf den Punkt formulieren wie wir Deutschen. Daran gewöhnt man sich aber und man lernt die Sprache dadurch nur noch besser.

Verkehrsbindungen

Nach Ecuador muss man fliegen, in der Regel fliegt man über die USA, die Preise variieren stark (mehr dazu bei Reise und Ankunft). In Quito fährt man kurze Strecken, z.B. zum Krankenhaus, in dem man die Famulatur macht, oder ins historische Stadtzentrum, mit den blauen Stadtbussen. Weitere Strecken, z.B. zum Flughafen oder zu den Busbahnhöfen fährt man am besten mit dem Taxi, die aber hier sehr günstig sind. Wenn man es sich zutraut bzw. sich gut genug auskennt, kann man auch mit den Stadtbussen fahren, muss aber mehrmals umsteigen und es dauert lange. Von Quito aus fahren in alle großen und touristischen Städte Langstreckenbusse, die pro Stunde Fahrtzeit 1$ kosten, also sehr günstig sind. Man sollte immer die „ejecutivos“ buchen, was aber meistens automatisch der Fall ist, diese sind die „First-Class-Busse“ mit sehr bequemen Sitzen und einem Fernseher im Bus, auf denen immer ein Film gezeigt wird. Manchmal gibt es auch eine Toilette an Board. Man sollte aber möglichst tagsüber fahren, da es nachts wohl häufiger zu Unfällen kommt. Für sehr lange Strecken empfiehlt es sich, dann doch eher zu fliegen, vor allem, wenn man nur ein Wochenende Zeit hat. Inlandsflüge sind recht teuer, je nach Angebot zwischen 65 - 90$ pro Strecke, aber die Zeitersparnis ist erheblich. Das muss aber jeder selbst entscheiden.

Kommunikation

Ich hatte auf der Reise mein Handy und mein Tablet dabei. In der Sprachschule gibt es WLAN, das mal besser, mal schlechter funktioniert. Ich habe über WhatsApp Kontakt mit Familie und Freunden gehalten, auch über WhatsApp calls und Skype, das ging mit gelegentlichen kleinen Unterbrechungen ganz gut. Ich habe auch regelmäßig Fotos als Status in WhatsApp gepostet, um ein paar Eindrücke zu vermitteln. Da das WLAN ausreichend gut war, habe ich mir auch keine ecuadorianische Simkarte besorgt, man konnte alles gut im Voraus organisieren und in den Hostels gab es auch immer ausgezeichnetes WLAN.

Unterkunft

Wir haben uns bei unserem Aufenthalt für das Wohnen im Apartment der Sprachschule entschieden, was man alles bereits bei der Bewerbung auf der Seite der Sprachschule auswählen konnte. Insgesamt gibt es drei Betten hier, zwei in einem Zimmer, eins in einem Nebenraum, der durch einen Vorhang abgetrennt ist. Jeder hat ein Nachtschränkchen und einen Kleiderschrank. Es gibt eine Küche, die ausreichend gut ausgestattet ist (Gläser, Tassen, Teller (klein, groß, tief), Töpfe, Pfannen, Gasherd, Kühlschrank), ein Esszimmer mit Tisch und zwei Stühlen und ein Badezimmer. Als Alternative kann man in einer Gastfamilie wohnen. Entweder, man wohnt bei der Besitzerin der Sprachschule, Martha, und ihrem Mann Vicente (dort gibt es drei Zimmer) oder man kommt zu einer anderen Gastfamilie, was auch außerhalb von Quito in einem Nachbardorf sein kann. Am Anfang muss man sich etwas an das Apartment gewöhnen, da natürlich alles etwas spartanischer als in Deutschland ist, aber es gibt alles was man braucht, v.a. heißes Wasser. An dieser Stelle ist eine wichtige Information, dass es im Apartment Steckdosen des Typ A gibt (Typ B gibt es hier gar nicht und ich habe es auch in keinem Hostel gesehen, also spart euch den Adapter, der Adapter Typ A passt sowieso auch in B). Wir haben uns immer selbst bekocht, dafür war alles ausreichend vorhanden. Die Unabhängigkeit wusste ich schon sehr zu schätzen im Apartment. Wenn man mit Martha und Vicente gewohnt hat, wurde zwar drei mal am Tag für einen gekocht und die Wäsche immer für einen gewaschen, aber zum Essen musste man eben immer da sein und die fanden auch zu festen Zeiten statt. Wenn ich aber alleine hergekommen wäre, hätte ich mich aber auch für das Wohnen in der Gastfamilie entschieden. Dort hat man wiederum mehr Spanisch gesprochen bei den gemeinsamen Mahlzeiten.

Literatur

Ich habe ein halbes Jahr vorher den Reiseführer Ecuador von LonelyPlanet bekommen, die ich für alle meine Reisen nehme und immer sehr gut damit gefahren bin. Ich habe ihn drei Monate vorher mal durchgeschaut und mir schon ungefähr überlegt, welche Städte ich besuchen wollte. Genau nachgelesen habe ich die Sachen dann aber immer direkt vor Ort vor dem anstehenden Trip.

Im Apartment der Sprachschule hat jemand das Buch „Kulturschock Ecuador“ von Julia Pfaffenholz und Raúl Jarrin da gelassen, dass ich in den ersten Wochen gelesen habe. Es war sehr interessant und für diejenigen, die Zeit dafür haben, kann ich es auch schon im Vorhinein empfehlen, um bereits einen Eindruck zu bekommen und sich etwas über Land, Leute und Geschichte zu informieren.

Mitzunehmen

Da es in Quito, das auf 2850m liegt, maximal 21°C warm wird im August und nachts 9°C oder weniger hat, empfiehlt es sich, ausreichend lange und dicke Sachen mitzubringen. Ich hatte einen langen Schlafanzug, zwei Jeans, zwei Sportjacken, eine Sporthose, ein paar Tops und Tshirts und nur eine kurze Hose dabei. Ein langärmliges dünnes Shirt, was man drunterziehen kann, würde ich noch empfehlen, um gegebenfalls einen Zwiebellook machen zu können. Ein Hut ist ein Muss, da die Sonne am Äquator dermaßen stark ist, dass man mit einem hellen Hauttyp sofort einen Sonnenbrand bekommt. Sonst hatte ich noch solche Sachen wie Handtücher, Bikini, Duschzeug, Kosmetik etc. dabei. Hier sei auch zu ausreichend Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 50+ geraten. Ansonsten hatte ich meine Sportschuhe fürs Wandern, normale Sneakers, Sandalen und Flipflops zum Duschen dabei, das hat mehr als gereicht. Ich hatte noch Mütze, Schal und Handschuhe dabei, da ich eine Wanderung auf einen der Vulkane geplant hatte. Solltet ihr das auch Vorhaben, seien euch diese Sachen hiermit wärmstens ans Herz gelegt, denn auf Höhen von um die 4000m wird es verdammt kalt! Für die Famulatur habe ich einen Kittel, zwei dunkelblaue Kasacks plus Hosen und mein Stethoskop mitgebracht, so wurde es in den Erfahrungsberichten, die ich gelesen hatte, empfohlen. Auch sollte man noch Einmalhandschuhe und Mundschütze für sich mitbringen, die wir aber nicht gebraucht haben. Zusätzlich sollte man Geschenke für das Krankenhaus mitbringen, wobei eine Packung Handschuhe oder Desinfektionsmittel gereicht hätte. Wir haben in Deutschland viele Spenden gesammelt und hatten auch noch Metallbesteck, Plastikpinzetten, Nierenschalen etc. dabei, darüber hat sich die Pflege sehr gefreut! Schreibt einfach mal ein paar Krankenhäusern oder Hausärzten, oft gibt es Sachen, die hier weggeschmissen werden, aber noch gut zu gebrauchen sind. Ich habe mir noch ein Buch für die Kitteltasche gekauft: "Spanisch im klinischen Alltag" von Sabine Müllauer aus dem lehmanns Media Verlag. Das enthält viele nützliche Vokabeln fürs Krankenhaus. Außerdem hatte ich ein kleines Wörterbuch Deutsch-Spanisch von Langenscheidt dabei. Das war sowohl in der Famulatur, also auch im Sprachunterricht und im Alltag oft sehr nützlich.

Reise und Ankunft

Wir haben einen sehr günstigen Flug für 880€ von München nach Quito über Idealo.de gefunden, etwa fünf Monate vor Abflug. Die Fluggesellschaft war Iberia/American Airlines, wir sind in Madrid und Miami zwischengelandet und hatten in Miami eine Nacht Aufenthalt, was aber kein Problem war. Wir haben ein günstiges Hotel in Flughafennähe über Booking.com mit kostenlosem Shuttle gefunden (Runway Inn). Bis Miami lief alles gut, beim letzten Flug nach Quito hatten wir leider wegen Unwetter einen verspäteten Start und unser Gepäck kam nochmal drei Stunden später mit dem nächsten Flieger aus Miami in Quito an, aber das kann ja immer mal passieren. Ansonsten lief alles super. Wir wurden von einem Freund von Martha aus der Sprachschule abgeholt, er hat mit einem Schild am Ausgang gewartet und das auch noch nach drei Stunden Verspätung. Er ist dann mit uns im Taxi zur Sprachschule gefahren, hat uns das Apartment gezeigt und den Schlüssel gegeben. Normalerweise holt aber Martha einen vom Flughafen ab. Wir sind am Samstagabend in Quito angekommen, haben am Montag mit dem Sprachkurs begonnen und am Mittwoch dann mit der Famulatur. Bis zum Tag der Famulatur erfährt man nicht, wohin man kommt, aber es ist auf jeden Fall immer schon alles soweit organisiert. Nach zwei Wochen kamen nach und nach drei weitere Medizinstudenten aus Deutschland in der Sprachschule an. Das war sehr nett, wir haben ab da alle unsere Ausflüge gemeinsam unternommen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Die ersten zwei Wochen haben wir immer vormittags von 8.30-12.30 Uhr unseren Sprachkurs gehabt. Unsere Lehrerin Lusmila war sehr nett. Neben dem Unterricht in der Schule haben wir auch sehr viele Ausflüge in und um Quito unternommmen, wodurch wir die Stadt sehr gut kennengelernt haben und viel rumgekommen sind. Unsere Famulatur haben wir im Hospital Ingles auf der Intensivstation absolviert, einer der besten Intensivstationen in Quito. Wir wurden von Dr. Miguel Llano betreut. Wir waren immer von 16-20 Uhr abends auf der Station. Die ersten 2 1/2 Wochen waren wir zu zweit dort, dann eine Woche zu dritt und in unserer letzten Woche zu viert. Das war aber voll okay, so hatte man viele Leute zum Unterhalten. Dr. Llano ist ein sehr netter und kompetenter Arzt. Am ersten Tag wurden wir von unserer Lehrerin mit dem Bus zum Krankenhaus gebracht, Dr. Llano vorgestellt und dann ging’s direkt los. Der Tag begann mit der Visite mit dem Assistenzarzt, der die Station über den Tag betreut hatte. Danach wurden bestimmte Probleme bei den Patienten genauer angegangen und verschiedenste Diagnostik durchgeführt. Besonders die Diagnostik mit dem Sonographiegerät wird auf der Intensivstation viel genutzt. Mit dem Doppler-Sono werden hier z.B. die Hirngefäße A. cerebri anterior und media durch ein Knochenfenster an den Schläfen sowie die A. basilaris vom Nacken aus von Dr. Llano geschallt (er führt dazu auch eine Studie durch). So etwas habe ich in Deutschland noch nie gesehen, ich wusste nicht, dass das überhaupt möglich ist. Diese Art der Sonographie gehört hier auch zur Hirntoddiagnostik, die wir auch einmal miterleben konnten. Auch ein Hämatothorax wird hier sonographisch mit einem bestimmten Schallkopf diagnostiziert, den ich auch noch nie zuvor gesehen hatte. Röntgenbilder werden mit einem portablen (und sehr alten) Röntgengerät direkt am Patientenbett durchgeführt. CTs und MRTs werden in der Radiologie im Keller gemacht (dorthin geht es auch immer mal wieder mit Dr. Llano wegen Fragen oder Fehlern bei den Bildern). Insgesamt sind die meisten Fälle auf dieser Intensivstation neurologisch gewesen, man lernt bzw. wiederholt hier sehr viel, von Hirntoddiagnostik über Hirndruckbehandlung und Intubationen bis Schädel-CT-Befundung. Abends werden dann häufig kleine Eingriffe wie das Legen eines Tracheostomas durchgeführt, bei dem ich auch einmal assistieren durfte. Auch durften wir einmal mit in den OP und bei einer Entdeckelung eines Patienten nach traumatischer Hirnblutung zusehen. Auch haben wir zweimal die neonatologische Intensivstation besucht, wo uns der leitende Arzt viel erklärt hat und wir viele Fragen stellen durften. Der Tagesablauf hing aber immer davon ab, wie viele Patienten auf Station waren. Manchmal saßen wir auch einfach nur rum, während Dr. Llano in einer Besprechung war oder Akten bearbeiten musste. Hier bot es sich an, ein Buch z.B. den Reiseführer dabeizuhaben und den nächsten Trip zu planen. Das Pflegepersonal war immer sehr nett und auch die Assistenzärzte der Station waren freundlich und haben uns auch mal abgefragt oder etwas erklärt. Praktisch konnten wir aber leider nicht wirklich etwas machen, die Blutabnahmen werden von der Pflege oder einem Blutabnahmedienst gemacht, die Sonos wurden von Dr. Llano durchgeführt, Katheter wurden von den Assistenzärzten gelegt. Da war das Assistieren beim Tracheostoma schon ein Highlight. Man hat aber nichtsdestotrotz durch das ständige Zusehen viel gelernt. Dr. Llano hat immer viel erklärt zu allem und sich stets bemüht, langsam und deutlich zu sprechen. Wir durften uns auch immer einfach die Akten, Bilder und Befunde der Patienten nehmen und uns alles anschauen und durchlesen. Fragen waren auch immer erwünscht. Alle fünf Tage haben wir mit Dr. Llano in einem anderen Krankenhaus gearbeitet, im Hospital Militar. Hier lagen wiederum andere Fälle z.B. Patienten mit Herzinfarkt, Pneumonie oder Multiorganversagen. Da im Hospital Ingles die komplexeren Fälle lagen, war es dort aber stets interessanter. Die Unterschiede im Vergleich zu Deutschland sind aber schon eingängig, es ist alles etwas einfacher ausgestattet (wobei es hier die gleichen Perfusoren und die neuesten Beatmungsgeräte gibt) und vor allem Sterilität und Isolation werden hier in Ecuador einfach nicht so strikt gehandhabt wie in Deutschland. Einmal haben wir uns mit einem der Assistenzärzte unterhalten, der uns erzählt hat, dass in Ecuador alle Behandlungen und Diagnostik jedes Patienten in öffentlichen Krankenhäusern vom Ministerium für Gesundheit übernommen wird, d.h. alle Rechnungen werden direkt ans Ministerium geschickt. In der Assistenzarztzeit in Ecuador müssen wohl alle erst einmal ein Jahr in ein öffentliches Krankenhaus und danach nochmal zwei Jahre in allgemeine Disziplinen, erst danach darf man sich spezialisieren und in den Fachbereich wechseln, in dem man später arbeiten will. Auch Dr. Llano hat uns einiges über die Verhältnisse erzählt und auch über die Rechtslage, die in Ecuador wohl für Ärzte recht angespannt ist, es wird hier viel geklagt. Diese Einblicke waren sehr spannend. Einige Fälle gingen auch sehr unter die Haut. Es gab einen 24-jährigen Patienten, der in seiner Wohnung überfallen wurde und auf der Flucht aus dem Fenster gesprungen war. Er landete auf beiden Füßen, dabei verschob sich sein C5-Wirbel nach hinten. Die Beine waren von Anfang an gelähmt, nach zwei Operationen in der Unfallchirurgie hatte er eine beidseitige Fallhand, davor konnte er zumindest seine Arme und Hände noch normal bewegen. Die Hälfte seines Zwerchfells war gelähmt und letztendlich bekam er ein Tracheostoma. Dieser Verlauf gab einem schon sehr zu denken, besonders die Verschlechterung nach seinen Operationen. Aber es gab auch viele Patienten, die sich tatsächlich erholt haben. Diese haben wir an unserem letzten Tag auf den Intermediate Care Stations besucht, das war wirklich ein toller Abschluss, nochmal sehen zu können, wie sehr sich viele Patienten verbessert hatten.

Land und Leute

Wie oben schon mal erwähnt, ist Quito eine riesige Stadt mit 2,5 Mio. Einwohnern. Am Anfang habe ich die Stadt als sehr überwältigend wahrgenommen, es ist sehr laut mit viel Straßenlärm und den Alarmanlagen der Autos, es ist voll, die Häuser sind einfach und es ist relativ dreckig, insbesondere was die Luftverschmutzung durch die Abgase der Autos und Busse angeht. Aber nach ein paar Tagen hat man sich daran gewöhnt und durch die vielen Ausflüge mit der Sprachschule lernt man die Stadt wirklich zu schätzen. Wir haben Ausflüge in das historische Viertel gemacht, wo wir auch die wöchentliche Zeremonie am Plaza Grande mit dem Präsidenten und Ministern Ecuadors und Quitos miterleben konnten, waren in verschiedensten Kirchen und haben das Monument und ein interaktives Museum am Äquator (Mitad del Mundo) besucht. Es war wirklich toll, diese Ausflüge mit unserer Lehrerin zu machen. Auch Martha und Vicente, die Besitzer der Sprachschule, waren immer freundlich und haben uns mit allen Fragen stets geholfen. Auf eigene Faust waren wir noch auf einem Markt in der Nähe der Bushaltestelle Amazonas (nahe des Hospital Ingles), im Museo Nacional del Ecuador (nur 15 Gehminuten von der Sprachschule) und am TeleferiQuo, der Seilbahn am Rande von Quito, die einen auf 4100m Richtung Pichincha-Berge bringt. Der Ausblick ist atemberaubend. Hier sei kurz erwähnt, dass uns die Höhe bei der Ankunft keine wirklichen Schwierigkeiten gemacht hat. Am Anfang fällt einem schon auf, dass die Luft etwas dünner ist, aber das geht schnell vorbei. Auf den Wanderungen um die 4000m habe ich dann aber schon mal Kopfschmerzen bekommen und man musste langsamer machen, aber das war alles im Rahmen. An den Wochenenden haben wir Ausflüge in weiter entfernte Orte gemacht. Als erstes waren wir in Baños, eine nette kleine Touristenstadt mit Wasserfällen, Thermalquellen (die immer überfüllt sind) und Möglichkeiten zum Wandern. Am Wochenende darauf haben wir einen Tagesausflug auf den Samstagsmarkt in Otavalo gemacht. An diesem Tag ist der Markt am größten und am längsten geöffnet (von 7-16 Uhr). Es gibt tolle Mitbringsel von Kunst wie Bildern und Schnitzereien über Schmuck und Taschen bis hin zu Schals und allen möglichen Kleidern. Auf jeden Fall sehr empfehlenswert! Ein Wochenende waren wir in Cuenca, einer wunderschönen Stadt im spanischen Kolonialstil und für mich ein Highlight der Reise. Zum Schluss sind wir einen Tag nach Quilotoa gefahren, wo wir um einen Kratersee gewandert sind (3980m), was absolut einmalig war! Danach haben wir uns einen Tag nach Papallacta (drei Stunden von Quito mit dem Bus Richtung Tena) aufgemacht und dort ein paar Stunden in den Thermen verbracht. Egal wo wir waren, habe ich mich immer sicher gefühlt und die Leute waren stets freundlich und hilfsbereit. Insgesamt muss ich sagen, dass ich den viel erwähnten Machismo als Touristin nicht wirklich gemerkt habe. In Cuenca habe ich eine ecuadorianische Freundin getroffen, die dort lebt, sie hat mir zur politischen Lage erzählt, dass die Ecuadorianer vom neuen Präsidenten Lenin Moreno wohl nicht sehr viel halten, da er derselben Partei wie der vorherige Präsident Rafael Correa angehört und politisch wohl nicht wirklich etwas verändert. Auch hat sie mir von einem Besuch in Esmeraldas und dem Gebiet nahe der kolumbianischen Grenze abgeraten, da es dort erst vor einigen Monaten Entführungen von ecuadorianischen Soldaten und drei Journalisten durch die kolumbianische Drogenmafia gab. Alle entführten wurden getötet. Auch soll es von diesen Gruppen Bombendrohungen für Quito, Guayaquil und Cuenca gegeben haben, doch diese seien zum Glück bisher ausgeblieben. Nach Ende der Famulatur hatten wir noch eine Woche zum Reisen eingeplant. Wir wollten gerne auf die Galapagos Inseln. Tatsächlich haben wir zwei Wochen vorher in einem Reisebüro ein tolles Angebot gefunden: vier Tage, drei Nächte auf einer Luxusyacht für 1000$ und Flüge für 300$ (selbst gebucht mit Avianca), ein wirkliches Schnäppchen! August und September bieten sich dafür an, da es nicht die Hauptreisezeit ist und viele Boote im September in Wartung gehen. Das Reisebüro befindet sich in der Straße Venezuela N 9-82 y Oriente (wenn man vom Plaza Grande Richtung Basilica geht). Die Dame dort heißt Paulina Núñez, ihre Mailadresse für alle ebenfalls an den Galapagos Inseln Interessierten ist paulina@galapagosrealvoyage.com. Am besten ist aber, man geht persönlich vorbei und lässt sich unverbindlich beraten. Martha und Vicente haben uns beim Kauf der Flüge geholfen, da es mit einer ecuadorianischen Kreditkarte deutlich günstiger war, als mit unserer deutschen (da ist Ecuador doch etwas nationalistisch). Was soll ich sagen: die Tage auf den Galapagosinseln waren absolut einmalig, einfach großartig. Jede Insel war wie eine eigene Welt mit ihrer außergewöhnlichen Flora, so etwas habe ich noch nie zuvor gesehen. Auch haben wir alle Tiere, die es nur dort zu finden gibt, tatsächlich zu Gesicht bekommen. Nach dem Bootstrip sind wir noch zwei Nächte in Puerto Baquerizo Moreno, der politischen Hauptstadt der Inseln auf San Cristóbal geblieben. Es ist ein liebenswertes, kleines Dörfchen, in dem man nochmal richtig durchatmen konnte. Wenn ihr also die Möglichkeit habt, auf die Galapagosinseln zu fahren, nutzt die Chance unbedingt!

Fazit

Alles in allem war es eine großartige Reise, die ich definitiv nochmal machen würde. Die Sprachschule war super, man hat viel gelernt und wurde immer nett betreut. Mit festem Standort in Quito ist es schon sehr entspannt, man lebt nicht die ganze Zeit aus dem Koffer, sondern hat ein richtiges Zuhause, man hat Ansprechpartner, Zeit sich an alles zu gewöhnen, die vielen Ausflüge mit den Lehrern und man lernt andere Studenten aus der Sprachschule kennen. Die Famulatur war super interessant und sehr viel entspannter als in Deutschland, man bekommt einen guten Einblick ins ecuadorianische Gesundheitssystem. Ecuador ist wirklich ein super Land zum Eintauchen in Südamerika, sehr sicher im Vergleich zu anderen südamerikanischen Ländern, mit sehr netten und hilfsbereiten Menschen, gut zu verstehendem Spanisch und einzigartiger Natur. Ich würde auf jeden Fall nochmal hinfahren. Das Public Health Projekt mit der bvmd und der Atahualpa Sprachschule in Quito, Ecuador ist sehr empfehlenswert und das Geld auf jeden Fall wert.

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