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IFMSA-China(China);Molecular signatures of chemoresistance in human ovarian cancers

Chirurgie - SCORE (Forschungsaustausch)
von Christian Jürgen, Recklinghausen

Motivation

Ehrlich gesagt, habe ich mich relativ spontan dazu entschieden, ein SCORE über die bvmd zu machen. Ich habe davon auf einer Informationsveranstaltung der Lokalvertretung am Anfang meines ersten Semesters erfahren und fand dieses Programm extrem interessant, so dass ich mich gleich informiert habe, was ich alles benötige, um an einem Projekt im Rahmen des SCORE Programms teilzunehmen. Da ich meine Einsätze im Rahmen meines Pflegepraktikums bereits so geplant hatte, dass ich die Semesterferien zwischen dem zweiten und dritten Semester auch komplett frei hatte, habe ich mir gedacht, dass das doch die perfekte Möglichkeit wäre, einmal etwas in wissenschaftliche Arbeit hineinzuschnuppern. Die Mitglieder der Lokalvertretung waren super hilfsbereit und haben mich in allen Belangen die ganze Zeit sehr gut unterstützt. Ich habe mich in der ersten Bewerbungsphase eigentlich für ziemlich interessante Projekte in Schweden beworben, jedoch war mir bewusst, dass ich aufgrund der Tatsache, dass ich noch ganz am Anfang meines Studiums war und daher eine vergleichsweise ziemlich niedrige Bewerbungspunktzahl hatte, nicht so gute Chancen haben würde, ein Projekt zu ergattern. So war es dann auch. Jedoch habe ich mich dann einfach auf einen Restplatz in China nach Abschluss der offiziellen Bewerbungsphase beworben und diesen dann glücklicherweise auch bekommen. Dazu muss jedoch gesagt sein, dass man Restplätze eigentlich ziemlich leicht ergattern kann, wenn man sich nur rechtzeitig darum kümmert, da dies Plätze sind, die in der ersten Bewerbungsphase nicht vergeben wurden und unter den Restplatzbewerbern nach dem Prinzip „First come, first serve!“ verteilt werden. Obwohl ich China bis dahin gar nicht so sehr auf dem Schirm hatte, erschien mir allein die Möglichkeit, sich so einfach mal in ein kleines Abenteuer zu stürzen und ein (aus europäischer Sicht) ziemlich fernes und fremdes Land zu erkunden, ziemlich attraktiv. Gleichzeitig war dies auch eine gute Option zu erkunden, ob China wirklich so aufstrebend ist, wie es in den Medien immer propagiert wird. So habe ich mich einfach dazu hinreißen lassen, mich zu bewerben und den Platz schlussendlich bekommen.

Vorbereitung

Da mich sowohl die Bochumer Lokalvertretung stetig unterstützt hat als auch ich mich selbst dann im Laufe des ersten Semesters für die Arbeit der bvmd-Lokalgruppe begeistert habe, war es für mich persönlich gar nicht so schwierig alle geforderten Unterlagen, die auch alle auf der bvmd-Website aufgelistet sind, zusammenzutragen. Als Sprachzertifikat konnte ich glücklicherweise noch mein in der Oberstufe erworbenes Cambridge Certificate einreichen. Da ich noch nie vorher einen Reisepass benötigte und demnach auch keinen hatte, musste ich nur diesen noch neu beantragen, aber diesen habe ich ebenfalls wie alle anderen Dokumente noch rechtzeitig einreichen können. Nur meinen Letter of Recommendation musste ich nachreichen, da ich meine letzten Klausuren erst nach der Einsendefrist geschrieben habe. Dies war aber auch kein Problem. Trotz dieses bis dahin reibungslosen Ablaufes kam natürlich im Nachhinein doch noch eine Problematik auf: Die Projekte, die im Restplatzverfahren noch als verfügbar klassifiziert waren, als ich mich auf diese beworben habe, waren doch nicht mehr verfügbar. Jedoch konnte ich mich zum Glück kurzfristig noch auf andere Projekte bewerben. Meinen Invitation Letter bekam ich hingegen ohne Probleme exakt im Rahmen der Fristen, auch wenn ich ein anderes Projekt in Shenyang zugeteilt bekam, als ich eigentlich priorisiert habe, was sich jedoch im Nachhinein als echten Glücksfall herausstellen sollte. So musste ich als letztes nur noch ein Visum für China beantragen.
Außerdem habe ich das „Predeparture Training“ in Tübingen besucht, wodurch ich zusätzliche wertvolle Tipps über China selbst, aber auch zum interkulturellen Kontakt mit anderen Menschen bekommen habe. Auch eine Vorbereitung auf Situationen sowohl im medizinischen als auch wissenschaftlichen Kontext fand statt, wodurch man deutlich sorgloser nach diesem Wochenende auf die bevorstehende Reise blickte.

Visum

China ist eins unter den (wenigen) Ländern, für die man auch mit einem deutschen Pass ein Visum benötigt. Ich habe vorher noch nie ein Visum beantragt, da ich sonst nur in Europa auf Reisen war. Doch der Antragsprozess war viel einfacher als gedacht. Glücklicherweise müsste ich nicht ins chinesische Generalkonsulat nach Frankfurt am Main, sondern konnte das Visum auch in der Düsseldorfer Zweigstelle beantragen. Es empfiehlt sich, sich ca. 3 Tage bevor man das Visum beantragen möchte online auf der Internetseite des Düsseldorfer Konsulates einen Termin zu reservieren, da man ansonsten länger warten muss. Jedoch war ich früh morgens an einem Brückentag nach einem Feiertag da und so hielt sich die Wartezeit ebenfalls in Grenzen. Man sollte auf keinen Fall eher als drei Monate vor dem geplanten Einreisetermin das Visum beantragen, da die typischen Visa, die man für einen derartigen Aufenthalt bekommt, üblicherweise nur eine dreimonatige Gültigkeit besitzen. Zudem sollte man sich vorher auf der Internetseite der Zweigstelle informieren, welche Unterlagen man für den Antrag mitbringen muss (z.B. Reisepass, Invitation Letter, …) und auch schon das Antragsformular im Vorhinein ausfüllen. Auf diese Weise spart man enorm Zeit im Konsulat selbst. In diesem Antragsformular muss man verschiedene Angaben beispielsweise zu seiner Person machen, die Anschrift, unter der man hauptsächlich während des Aufenthaltes in China erreichbar ist, eintragen und auch den genauen Zeitraum des Einsatzes (im Labor oder im Krankenhaus) beziffern. Laut einiger Erfahrungsberichte, die ich vor der Beantragung durchgelesen habe, gab es früher wohl Schwierigkeiten bei der Beantragung, wenn man nur den Invitation Letter und kein offizielles Einladungsschreiben speziell der Universität vorgelegt hatte. Dies war bei mir gar kein Problem; man sollte nur darauf achten, dass wirklich JEDES Feld ausgefüllt ist. So war bei meinem Invitation Letter zum Beispiel nicht die offizielle Adresse des NOREs der IFMSA-China aufgelistet. Jedoch wurde ich sehr nett darauf hingewiesen, dass ich dies doch bitte nachtragen soll. Ich habe dann spontan einfach die Adresse der medizinischen Universität Peking eingetragen, da die IFMSA-China diese als ihren Hauptsitz im Internet angibt. Zudem sollte man darauf achten, dass man als „Reisezweck“ eindeutig klar macht, dass man an einem „Research Project“ teilnimmt und nicht nur an einem „Exchange Program“. So bekommt man nämlich ein spezielles Visum für derartige Belange. Diese Änderungen waren aber alle kein Problem und konnten vor Ort kurzfristig bewältigt werden. Somit konnte das Visum dann auch ohne Probleme genehmigt werden und ich konnte es schon eine Woche später abholen. In der Regel haben die Visa, die man für ein derartiges Austauschprogramm bekommt, eine Gültigkeit von drei Monaten und man darf sich nach der Einreise 60 Tage in China aufhalten.

Gesundheit

Vor meiner Abreise habe ich mich über die Internetseite des Auswärtigen Amtes informiert. Neben den regulären Impfungen, die ich alle hatte, wurde nur noch extra eine Hepatitis-A- Impfung empfohlen, die ich dann auch habe machen lassen. Wer jedoch in den Süden Chinas, und nicht wie ich in den Nordosten, reist, sollte sich bei einem Arzt darüber informieren, inwiefern eine Prophylaxe gegen Malaria nötig ist, da diese Krankheit in diesen Regionen Chinas stets ein Risiko aufgrund des Klimas darstellt. Wie immer bietet es sich an, sich um diese Sachen zeitig zu kümmern. Zudem ist es ja auch sehr notwendig, eine Auslandskrankenversicherung zu haben. Dabei würde ich persönlich auch darauf achten, dass eine kostenlose Rückholung inklusive ist, da man sonst bei schwerwiegenderen Krankheiten recht schnell ernsthafte Probleme bekommen könnte, da zum einen viele Ärzte kein Englisch sprechen und zum anderen die Standards bezüglich Sterilität in keiner Weise mit den deutschen zu vergleichen sind.

Sicherheit

Auch wenn mein Vater nicht begeistert war, als ich ihm erzählte, dass ich im Sommer nach China reisen möchte, ist sicherheitstechnisch in China aus meiner Sicht überhaupt nichts zu beanstanden. Die Sicherheitsvorkehrungen sind zwar ziemlich hoch, aber ich habe mich auch nie in Gegenden unwohl gefühlt, in denen die öffentlichen Sicherheitsvorkehrungen nicht so hoch waren. Es werden jedoch vor allem bei der Einreise alle persönlichen Daten, biometrische Bilder und alle Fingerabdrücke gespeichert. Zudem ist im Gegensatz zu Deutschland die Videoüberwachung und auch die Zahl von Wachpersonal deutlich erhöht. Des Weiteren ist zu empfehlen, stets ein Ausweisdokument, sei es Personalausweis oder Reisepass, bei sich zu haben. Ansonsten könnte man bei Kontrollen durch die Polizei, in die ich jedoch nie gekommen bin, Schwierigkeiten bekommen und man kann auch keine Zugtickets oder dergleichen erwerben, da es nötig ist, dass die Ausweisnummer auf dem jeweiligen Ticket unbedingt vermerkt ist. Vor allem beim Buchen von Hotels oder Hostels ist es vonnöten einen REISEPASS vorzulegen, da alle Daten und eine Kopie abgespeichert werden müssen. Da die lokalen Polizeibehörden stets darüber informiert werden müssen, welche ausländischen Reisenden sich in ihrem Zuständigkeitsbereich aufhalten, müssen diese Informationen von den Einrichtungen nämlich an entsprechende Behörden weitergeleitet werden. Wenn man irgendwo bei Privatpersonen unterkommt, muss man sich selbst um die Unterrichtung entsprechender Dienststellen kümmern.
Zudem wird das Internet in China streng überwacht und zugleich zensiert. Daher würde ich unbedingt empfehlen, vor der Abreise in Deutschland sich einen VPN-Tunnel herunterzuladen. Auch wenn gute VPN-Tunnel ein paar Euro kosten, lohnt es sich!

Geld

In China erfreut sich das Bezahlen über bestimmte Bezahl-Apps per Handy sehr großer Beliebtheit, obgleich eigentlich noch sehr viel mit Bargeld bezahlt werden kann. Nur halt mit Kreditkarte kann man maximal an Geldautomaten Bargeld abheben. Ich habe zu diesem Zweck die VISA-Karte der apoBank beantragt, da man damit weltweit kostenlos Geld abheben und bezahlen kann. Die einzige für Ausländer verfügbare Bezahl-App ist „Alipay“, da man seine eigene Kreditkarte damit koppeln kann. Jedoch benötigt man dafür eine chinesische Telefonnummer, ergo man benötigt eine chinesische SIM-Karte. Ich habe versucht, eine zu kaufen, jedoch zeigten sich dadurch bei meinen sehr rudimentären chinesisch Kenntnissen bald Grenzen auf und auch meine Kollegen aus dem Labor oder meine Contact Persons konnten mir im Nachhinein dabei nicht helfen, da der Verkäufer mir aufgrund meines ausländischen Passes keine SIM-Karte verkaufen wollte/konnte. Später habe ich noch andere ausländische Studenten aus Shanghai getroffen, die sich einfach die SIM-Karte von ihren Contact Persons mit deren eignen Ausweisen haben kaufen lassen. Es wäre also zu empfehlen, dies mit den Contact Persons im Vorhinein abzuklären. Jedoch habe ich dadurch keine Nachteile erfahren, da ich mit dem abgehobenen Bargeld voll und ganz zurechtkam. Allgemein ist im Gegensatz zu deutschen Verhältnissen alles extrem günstig. So kosten vollwertige Mahlzeiten selten mehr als zwei bis drei Euro, häufig sogar unter einem Euro. Zudem hatte ich von der medizinischen Universität in Shenyang eine Essenskarte bekommen, so dass ich sowohl Mittag- als auch Abendessen kostenlos bekommen habe. Auch die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel ist extrem günstig, so dass man für eine Busfahrt nie mehr als 65 Cent ausgibt oder auch für die U-Bahn selten mehr als 60 Cent bezahlt. Zugleich ist es in China nicht selten der Fall, dass Gäste häufig eingeladen werden. Daher hat mein Tutor aus dem Labor immer, wenn wir etwas zu Essen während der Arbeit bestellt haben, für mich bezahlt. Zugleich war er anfangs etwas irritiert, als ich fragte, ob ich nicht meinen Teil übernehmen soll. Es hat sich dann aber geklärt, dass es in China anscheinend so üblich ist, dass man vor allem als Gast häufiger eingeladen wird. Ich habe dann als kleines Dankeschön an meinem letzten Arbeitstag das Laborteam, welches mich betreut hat, zum Abendessen eingeladen.
Man benötigt also nicht allzu viel Geld, jedoch würde ich empfehlen (vor allem wenn man in größeren Städten, wie Peking oder Shanghai, typische chinesische Souvenirs, z.B. Jade-Figuren oder echte chinesische Perlenketten, kaufen möchte) 6.000 bis 8.000 RMB (ca. 1000 €) zur Sicherheit zurückzuhalten, so dass man auch einmal in China herumreisen kann oder sich auch kurzfristig (falls nötig) irgendwo in Hotels oder Hostels einmieten kann. Diese sind vor allem in größeren internationalen Städten nahe dem Stadtzentrum vergleichsweise ziemlich kostspielig. Ich habe trotz unerwarteter Extrakosten, wie hohe Hotelkosten, längst nicht das volle Budget von ca. 8.000 RMB aufgebraucht. (Tipp: Vor allem an Ständen, aber auch in normalen Souvenirläden kann man unter Umständen durch Handeln ein paar 100 RMB sparen.)

Sprache

Da ich schon mitbekommen habe, dass viele in China kaum bis gar kein Englisch sprechen können, habe ich mich dazu entschlossen, wenigstens ein bisschen Chinesisch im Voraus zu lernen. Jedoch war die Zeit begrenzt und daher konnte ich nur ein Programm über drei Monate je einmal die Woche absolvieren. Aufgrund der Tatsache, dass es Einzelunterricht war und ich aufgrund meines Stundenplans keinen Unikurs besuchen konnte, war es ein ziemlich kostenintensives Unterfangen. Doch es hat sich schlussendlich voll gelohnt, da wirklich kaum jemand Englisch spricht. Auch viele Ärzte im Krankenhaus und auch Studenten im Labor konnten kaum Englisch sprechen. Gott sei Dank waren jedoch mein Tutor als auch der Projektleiter sehr redegewandt in der englischen Sprache, so dass ich mich mit ihnen problemlos unterhalten konnte. Auf der Straße, zum Beispiel bei der Kommunikation mit Taxifahrern, wäre ich auch in großen internationalen Städten wie Peking oder Shanghai ohne etwas Chinesisch aufgeschmissen gewesen. Vielleicht wäre ich trotzdem von A nach B gekommen, aber es wäre vermutlich deutlich schwieriger gewesen. (So wollte ich beispielsweise vom Pekinger Flughafen zum Bahnhof und habe versucht dies einem Taxifahrer auf Englisch mitzuteilen. Dieser wollte daraufhin beinahe wieder losfahren, weil er mich nicht verstanden hat. Als ich es jedoch mit meinem rudimentären Chinesisch versucht habe, hat er mich breitwillig mitgenommen.) Allgemein reagieren die Leute deutlich aufgeschlossener, wenn man sie in ihrer Landessprache anredet, auch wenn unter Umständen nach ein paar Sätzen schon Schluss ist.

Verkehrsbindungen

Da mein Hotel in Shenyang ziemlich zentral gelegen war, konnte ich alle Freizeitattraktionen fußläufig erreichen. Wie schon erwähnt, sind Busse ansonsten ziemlich günstig (nie mehr als 65 Cent), ebenso wie Taxen (manchmal legen Taxifahrer vor der Fahrt den Preis schon vorab fest, aber auch dabei lohnt es sich, durch Handeln zu versuchen, den Preis zu drücken). Shenyang baut aktuell seine U-Bahn gerade erst aus und so sind auch nur zwei Strecken (eine Nord-Süd- und eine Ost-West-Strecke) zurzeit befahrbar. In größeren Städten wie Peking oder Shanghai ist die U-Bahn dagegen perfekt ausgebaut und sehr günstig, so dass man pro Fahrt je nach Länge zwischen 40 und 91 Cent bezahlt. Ansonsten ordern Chinesen häufig via App extra Fahrer, die praktisch „bessere“ Taxifahrer sind. So waren wir zum Beispiel auch am Wochenende mobil, wenn ich mit meinem Tutor aus dem Labor unterwegs war und er mir die Sehenswürdigkeiten Shenyangs gezeigt hat. Zudem sind Leihfahrräder ganz beliebt, die man überall in der Stadt abstellen kann und man via App freischalten kann.
Zwischen den Städten in China sind die Zugverbindungen hervorragend. Ich empfehle aufgrund der enormen Entfernungen in China stets einen Schnellzug zu nehmen, da damit das Reisen deutlich schneller und komfortabler vonstattengeht. So benötigt man mit dem Schnellzug für eine Strecke 5h, für die normale chinesische Züge (vergleichbar mit deutschen Regionalbahnen) 15h benötigen. Im Vergleich zu deutschen Preisen sind die Zugtickets für Schnellzüge zudem sehr günstig, die Zugverbindungen sind extrem zuverlässig und pünktlich. Diese Art des Reisens ist in China nur zu empfehlen!

Kommunikation

Wie bereits angedeutet, wird das Internet überwacht und stark zensiert. So sind über einen chinesischen Internetzugang keinerlei Google-Dienste verfügbar. Jedoch sind alle anderen E-Mail-Dienste verfügbar. Auch die Suchmaschine „bing“ funktioniert in eingeschränktem Maße. Dennoch sollte man unbedingt einen VPN-Tunnel zur Anwendung haben, ansonsten ist man vom westlichen Internet für die Dauer des Aufenthaltes nahezu komplett abgeschnitten. Zudem sollte man vorab „wechat“ installieren; das ist praktisch das chinesische „WhatsApp“ („WhatsApp“ funktioniert ohne VPN-Tunnel nämlich in China auch nur sehr sporadisch). Über diese App bezahlen die Chinesen hauptsächlich auch. Eine SIM-Karte ist auch praktisch (Telefon- und Internetgebühren sind ohne extra Tarif nämlich ansonsten sehr teuer), daher sollte man vielleicht seine Contact Persons bitten, sich vorab zu erkundigen, wie man eine SIM-Karte für Ausländer bekommen kann. Ich habe keinen zweiten Versuch gestartet eine SIM-Karte zu bekommen, da ich ziemlich gut auch ohne überall klar kam. Wechat funktioniert, einmal aktiviert, über normales Wifi und sowohl im Labor als auch in meinem Hotel hatte ich unbegrenzten Zugang zu kostenlosem Wifi.

Unterkunft

Da dieses Austauschprogramm in Shenyang zum ersten Mal in diesem Jahr anlief, hat das internationale Büro der Universität keine Kosten und Mühen gescheut, mir ein Hotelzimmer für den gesamten Monat August zu buchen. So konnte ich innerhalb von einer Minute zum Krankenhaus kommen, in dem das Labor untergebracht war. Daher war meine Unterbringung dementsprechend sehr komfortabel, inklusive kostenlosem Frühstück.

Literatur

Der ‚Lonely Planet‘ Reiseführer über China hat mir sehr geholfen, einen groben ersten Eindruck über mein Reiseziel zu bekommen. Ein paar Dokumentationen über China haben auch geholfen einen ungefähren Eindruck zu bekommen, jedoch ist die reale Erfahrung natürlich immer etwas anderes und gleichzeitig viel aufschlussreicher und interessanter. Ebenso habe ich im Vorhinein ein paar Paper über das Projekt meines Tutors durchgelesen.

Mitzunehmen

Man benötigt einen Steckeradapter, da man ansonsten je nach dem Schwierigkeiten beim Aufladen von Akkus oder der Benutzung elektrischer Geräte bekommen kann. Ein chinesisches Wörterbuch ist hilfreich. Auch gute Schuhe sind für längere Stadttouren empfehlenswert. Es kann sowohl ziemlich warm als auch zeitweise deutlich kühler im Sommer in China sein, weshalb man auf jeden Fall neben Sommerkleidung auch Regensachen dabei haben sollte. Zugleich ist es nie verkehrt eine Basisausstattung an Medikamenten mitzunehmen, da einige Produkte in China ziemlich teuer sind.

Reise und Ankunft

Die meisten Flüge aus Deutschland nach China gehen hauptsächlich über Amsterdam. So auch meiner: Ich habe einen Flug von Düsseldorf nach Peking mit Flugzeugwechsel in Amsterdam gebucht. Dieser Teil der Reise lief dann auch komplett problemlos. Von Peking sollte dann ein Anschlussflug weiter nach Shenyang gehen. Wie sich vermuten lässt, war dies nicht der Fall: Das Flughafenpersonal hat, obwohl nur drei Leute vor mir in der Schlange an der Gepäckaufgabe standen, über eine Stunde gebraucht, das Gepäck dieser drei Passagiere aufzugeben (an den anderen Schaltern ging es zudem nicht schneller voran!). So war meine Boarding-Frist abgelaufen und ich habe den Flug nicht mehr nehmen können. Daher empfehle ich, darauf zu achten, dass bei Anschlussflügen (wenigstens von Peking aus) zwischen den jeweiligen Flügen mindestens eine Zeitspanne von mehr zwei Stunden liegt, so dass man genügen Pufferzeit hat. Vielleicht habe ich auch nur einen unpassenden Zeitpunkt erwischt, aber so passiert euch vielleicht nicht das gleiche „Unglück“ wie mir. So habe ich dann versucht mein Ticket umzubuchen, jedoch hatte irgendwie keiner vom Flughafenbegleitpersonal so richtig Ahnung, wie man mit so einer Situation umgehen solle. Zudem ist an dieser Stelle zu erwähnen, dass auch nicht jeder Mitarbeiter vom Flughafenpersonal, vor allem vom Sicherheitsdienst, Englisch spricht. Also hat man mich stundenlang quer durch den ganzen Flughafen geschickt, bis ich an jemanden geraten bin, der mir mitteilen konnte, dass der nächst mögliche Flug nach Shenyang erst spät abends geht. Daher habe ich mich dann dazu entschieden per Zug weiterfahren und kam trotz Schnellzug mit einer 12stündigen Verspätung an. Folglich konnten mich auch meine Contact Persons nicht Empfang nehmen. Also: Einfach deutlich mehr Zeit für die Gepäckaufgabe in Peking einplanen, als man von europäischen Standards her gewohnt ist und dann muss man sich auch nicht wie ich, 700km spontan durch China schlagen.
Glücklicherweise hatte ich jedoch keine so großen Probleme mit dem Jetlag, obgleich die chinesische Zeitzone, in der ich mich aufhielt, sechs Stunden vor der deutschen ist.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Wie schon erwähnt habe ich ein anderes Projekt bekommen, als ich mir eigentlich aus der IFMSA-Datenbank ausgesucht habe, jedoch kann ich mir aus jetziger Sicht nicht vorstellen, dass es besser gewesen wäre als das Projekt, was ich schlussendlich bekommen habe.
Sowohl der Einsatz meines Tutors als auch der des Projektleiters war beispiellos. Das Projekt, dem ich zugeteilt wurde, war gleichzeitig das persönliche PhD-Projekt meines Tutors, so dass er den kompletten Überblick darüber hatte und ich unter seiner Anleitung voll in alle Projektstrukturen und -prozesse eintauchen konnte. Dennoch war der Rest des Laborteams, von dessen Mitarbeitern, jeder an seinem eignen PhD-Projekt arbeitete, sehr nett zu mir, auch wenn nicht jeder Englisch sprechen konnte (in der Schule erlernen Jugendliche nämliche eigentlich nur das Lesen und Schreiben in englischer Sprache). Mein Tutor selbst testete verschiedene Formen von Immuntoleranz nach Transplantationen. In diesem Kontext durfte ich sogar einmal bei einer Herztransplantation zwischen zwei Mäusen assistieren. Da mein Tutor die einzige Person war, die an dem Projekt arbeitete, war er über den ganzen Monat mein persönlicher Betreuer und ich durfte auch Experimente und andere Laborarbeiten, wie immunchemische Färbetechniken oder das Versorgen von Zellkulturen, erst unter seiner Aufsicht und später komplett alleine durchführen. Das war enorm hilfreich, Techniken, die ich bis dahin nur theoretisch kannte, praktisch zu vertiefen. Des Weiteren habe ich mit meinem Tutor auch Studien und Paper zusammen aufbereitet, die er seinen Kollegen daraufhin vorstellen musste. Als Ergebnis erklärte sich mein Tutor, der zudem sehr engagiert und an mir und Deutschland sehr interessiert war, sich sogar dazu bereit, mich als Coautor in seiner nächsten Publikation zu erwähnen. (Das möchte er durchaus als kleinen Anreiz für zukünftige Studenten, die möglicherweise ebenfalls einen Austausch in diesem Team absolvieren möchten, zu verstehen wissen.)
Jedoch habe ich dank des überaus freundlichen Projektleiters, der die Aufsicht über die meisten der Projekte der Mitarbeiter des Labors hatte, enorm viel klinische Praxis zu Gesicht bekommen. Der Leiter des Projektes war nämlich zugleich der leitende Oberarzt der Allgemeinchirurgie des First Hospital of China Medical University. Zugleich war diese Klinik das medizinische Zentrum aller drei Provinzen im Nordosten Chinas. Es hat ein Einzugsgebiet von ca. 100 Mio. Menschen. Dementsprechend überfüllt war das Krankenhaus, jedoch konnte man dadurch auch viele interessante Fälle zu Gesicht bekommen. Dadurch konnte ich sowohl die Arbeit auf Station als auch im OP kennenlernen. Des Weiteren wurde mir angeboten, den typischen Alltag eines Clinical Scientist in China mitzuerleben. Das führte dann dazu, dass ich mit meinem Tutor mehrere Nachtschichten in der Notaufnahme und bei Notoperationen mitmachen durfte. Darüber hinaus ließen mich sowohl mein Tutor als auch der leitende Oberarzt bzw. Projektleiter nicht nur beobachten, sondern auch assistieren. Natürlich beinhaltete das die typischen Studentenaufgaben wie Haken halten, aber so konnte man schon einmal austesten, ob man fünf oder mehr Stunden am OP-Tisch überhaupt stehen kann.
Daher kann zusammenfassend gesagt werden, dass das Team in Shenyang einem extrem viel sowohl in wissenschaftlicher als auch klinischer Hinsicht beibringt und über die normalen Maße hinaus engagiert ist. Auch wenn ich ziemlich lange arbeiten musste (durchschnittlich 11-12h), habe ich das in keiner Weise als belastend empfunden. Zugleich zeigten sich alle Beteiligten stets aufgeschlossen gegenüber eigenen Vorschlägen oder Anfragen meinerseits. Fachlich ist dieses Laborteam in Shenyang somit nur weiterzuempfehlen!

Land und Leute

Allgemein habe ich den Eindruck, dass das chinesische Volk eines der freundlichsten der Welt ist. So zeigt es sich auf jeden Fall gegenüber Ausländern. Man wird manchmal regelrecht persönlich von völlig fremden Leuten mit Handschlag und mit den Worten „Welcome to China!“ begrüßt. Auch das manche Chinesen Fotos mit einem aufnehmen wollen, da sie noch nie einen Ausländer gesehen haben, ist mitunter keine Seltenheit. Auch wenn sie merken, dass man sich nicht so gut auf Chinesisch verständigen kann, zeigen sich die aller meisten doch sehr hilfsbereit. Zudem genießt Deutschland unter Chinesen ein sehr hohes Ansehen und alles aus Deutschland wird erst einmal per se für gut bis exzellent gehalten. Jedoch sollte man solche Komplimente auch nicht allzu ernst nehmen, da Chinesen damit gerne einmal aus reiner Höflichkeit um sich werfen.
Zugleich herrscht allgemein ein anderes Verständnis von Sauberkeit und Hygiene. Daher stört es auch keinen, wenn jemand auf die Straße rotzt oder spuckt. Auch was das Anstellen in Schlangen betrifft sollte man nicht mit allzu hohen Erwartungen nach China kommen. Diese Empfehlung lässt sich ebenfalls für das Verhalten im Straßenverkehr aussprechen. Wer darauf wartet, dass chinesische Autofahrer an einem Zebrastreifen anhalten, nur weil Fußgänger dort warten, wird vermutlich den ganzen Tag dort stehen bleiben. Auch wenn es am Anfang vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig ist, sollte man einfach die Straße überqueren; die anderen achten schon auf einen. So ist dies auch im normalen Autoverkehr, der sich umfassend als „organisiertes Chaos“ beschreiben lässt, da man sich praktisch nicht darauf verlassen kann, dass sich jeder an die Regeln hält und daher jeder auf jeden Acht geben muss. Nichtsdestotrotz ist aufgrund dieser Mentalität die Unfallrate jedoch ziemlich hoch. (Übrigens: Nicht wundern, die wenigsten Taxen oder Autos haben Anschnallgurte an den Rücksitzen angebracht. Mir konnte auch keiner so richtig erklären, warum das so ist. Mein Tutor hat mir nur einmal die Begründung geliefert: „Es macht einfach keiner.“) So offensiv sich Chinesen im Straßenverkehr auch zeigen mögen, so defensiv und zurückhaltend sind sie im persönlichen Kontakt. Vor allem junge chinesische Frauen erscheinen bisweilen ziemlich schüchtern. (Trotzdem kann es sein, dass man in Touristen-Hotspots, wie Peking oder Shanghai, von wild fremden jungen Chinesen angesprochen wird, die sich entweder einfach mit einem unterhalten wollen oder einem die Stadt zeigen wollen. Ohne Hintergedanken! Dennoch sollte man Vorsicht walten lassen, da manche einem auch einfach direkt etwas verkaufen wollen.) Gleichzeitig hat die Familien auch einen hohen Stellenwert, so dass Respekt und Achtung vor allem vor Älteren als sehr wichtig erachtet wird. Die Familiensolidarität ist sogar so fest in der chinesischen Gesellschaft verankert, dass die Strukturen des Gesundheitssystems darauf aufbauen: Solange nämlich ein Patient Verwandte hat, kümmern diese sich während seines Aufenthaltes um ihn, versorgen ihn mit Essen und bringen ihn auch zu Untersuchungen. So schlafen Familienmitglieder dann auch über Nacht auf Isomatten oder Liegen in den Krankenhausfluren. Zusätzlich werden die Verwandten in finanzielle Verantwortung genommen, falls ein Patient die Behandlung selber nicht bezahlen kann. Die Einheit und gesellschaftliche Institution „Familie“ wird sogar so hochgehalten, dass schwerwiegende Diagnosen, wie zum Beispiel Krebs, in der Regel nicht dem Patienten selbst sondern den Verwandten mitgeteilt werden. Die Mentalität, dass die „Masse“ mehr zählt als das „Individuum“, ist auch durch den immer noch ziemlich präsenten Kommunismus in manchen Situationen des Alltags bisweilen immer wieder zu spüren.
Zudem erschienen mir persönlich die Chinesen nicht unbedingt als das flexibelste und spontanste Volk. So wurde beispielsweise ein National Trip nach Peking, für den ich mich angemeldet hatte, kurzfristig eine Woche vor Start abgesagt, weil ein paar kleinere organisatorische Schwierigkeiten auftauchten und die lokalen Studenten nicht wussten, wie sie damit kurzzeitig umgehen sollten. (Drei andere Austauschstudenten und ich haben dann den Trip für uns kurzer Hand allein organisiert und wir haben alle den extra Aufwand nicht bereut. Peking muss man wirklich einmal, schon wegen der Chinesischen Mauer, gesehen haben, wenn man in China ist.) Dennoch kann man aber als Ausländer im Allgemeinen auf die Unterstützung der chinesischen Bevölkerung sehr gut zählen.
Auch meine Contact Persons waren beinahe schon besorgt darum, dass es mir stets gut geht und haben sich regelmäßig erkundigt, wie es mir ginge. Zwar konnten sie, wie ich schon angedeutet habe, in den ersten zwei Wochen nicht da sein. Dies lag zum einen daran, dass sie mich bei meiner Ankunft nicht vom Flughafen abholen konnten, da ich ja meinen Flug verpasst habe. Zum anderen fielen die ersten zwei Wochen meines Aufenthaltes in die Ferien der chinesischen Universitäten und da 99% der Studenten auf dem Unicampus wohnen und dieser während der Ferien geschlossen ist, müssen fast alle Studenten in dieser Zeit nach Hause. Da die Heimatstädte meiner Contact Persons zugleich ziemlich weit weg waren und es für die sehr teuer gewesen wäre, die Zeit über bei mir in Shenyang zu bleiben, konnten sie mich daher nicht persönlich betreuen. Aber wie gesagt, war dies gar kein Problem, da ich meistens sowieso den ganzen Tag im Labor oder der Klinik war und ich am Wochenende mit meinem Tutor und/oder anderen Kollegen aus dem Labor einen kleinen Teil Chinas erkunden konnte.
Jedoch blieb es Gott sei Dank nicht bei diesem „kleinen“ Teil. Auch wenn Shenyang, da es in der Qing Dynastie kurzzeitig die Hauptstadt Chinas war, kulturell einiges zu bieten hat (z.B. eine Palastanlage, Grabmäler, verschiedene Museen, …), sind in anderen Teilen Chinas viel stärker die Gegensätze von Tradition und Moderne zu beobachten. So bekommt man in und um Peking sowohl die traditionelle Seite, wie die Verbotene Stadt oder die Chinesische Mauer, als auch die hochtechnologische moderne Seite, wie das Businessviertel oder den Olympiapark, zu Gesicht. Im Gegensatz dazu ist beispielsweise Shanghai sehr viel internationaler und daher auch durch moderne Stadtviertel geprägt. Zwar ist noch ein Teil der Shanghaier Altstadt erhalten und wird stetig restauriert, jedoch vorwiegend als Attraktion für Touristen. Zugleich sind viele alte traditionelle Gebäude restauriert, da sie mitunter teilweise durch die Kulturrevolution zerstört wurden. Dennoch haben viele Institutionen die Jahrhunderte bis Jahrtausende überstanden. (So empfiehlt sich ein Besuch von Suzhou, einer Stadt nahe Shanghai, die noch ziemlich gut erhaltene Relikte alter Dynastien beherbergt.)

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass China ein sehr faszinierendes Land, voll von Gegensätzen, Tradition und Moderne ist. Teils erlebt man noch sehr eingefahrene Strukturen, teils lernt man ein unglaublich aufstrebendes fortschrittliches Land kennen. Es wird viel über China erzählt und berichtet. Mein Tipp: Reist auf jeden Fall selbst dorthin! Wenn ihr euch auch nur ein bisschen dafür interessiert, wie es heute in China aussieht und einmal eine in Teilen ganz andere Kultur kennenlernen wollt, wird es sich auf jeden Fall dort für euch lohnen. Dieser Austausch hat meinen Horizont sehr erweitert und meine Ansichten über die asiatische Kultur, natürlich vorwiegend über die chinesische, komplett verändert. Sowohl in fachlicher als auch menschlicher Hinsicht habe ich in Shenyang sehr viel dazu gelernt. Daher ist ein Forschungsaustausch auch allgemein (unabhängig vom Ort) nur zu empfehlen, wenn man einmal ein bisschen die medizinische Wissenschaft kennenlernen möchte und dabei auch noch das Verlangen hat, in eine andere Kultur einzutauchen. China ist meiner Meinung nach dafür ein perfektes Land!

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