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DENEM(Brazil);Association of genetic variants with clinical manifestations of patients with autoimmune diseases

Verschiedene - SCORE (Forschungsaustausch)
von Noa Sophie, Düsseldorf

Motivation

Da ich schon immer geplant hatte, während meines Studiums ins Ausland zu gehen und ich endlich mein 1. Staatsexamen hinter mich gebracht hatte, habe ich mich für einen bvmd Austausch entschieden. Ich entschied mich in der Restplatzvergabe für Südamerika, und anhand der Anforderungen und möglichen Zeiträume, bot sich am besten Brasilien an. Ich ging mit sehr wenig Erwartungen in den Austausch und wollte mich einfach überraschen lassen, was da auf mich zukommt.

Vorbereitung

Natürlich habe auch ich erstmal einige Erfahrungsberichte gelesen, einen Reiseführer besorgt und mich online (zB Auswärtiges Amt) über alles informiert (Impfungen, Reisewarnungen, Verhaltenstipps etc.). Ansonsten habe ich weder Vorbereitung- noch Sprachkurse gemacht. Ich sprach vor meinem Aufenthalt kein Portugiesisch, da die Anforderungen in Joao Pessoa nur Englisch waren. Im Nachhinein wäre es allerdings gar nicht schlecht gewesen, da der Durchschnitt außerhalb von der Uni/Krankenhäusern in Brasilien eigentlich kein Englisch (wirklich KEIN Englisch) spricht und auch im Labor eher darauf gesetzt wurde, dass ich mit "Portugnol" (eine Mischung aus Portugiesisch und Spanisch) und meinen romanischen Sprachkenntnissen das wichtigste schon irgendwie verstehen werde. Die Kommunikation war also bei meinem Aufenthalt eigentlich das größte Problem, aber alles andere Formelle lief relativ rund.

Visum

Ich habe kein Visum beantragt. Falls man gefragt wird, sollte man meines Wissens einfach sagen, dass man einige Wochen reist.

Gesundheit

Ich habe mich im Tropeninstitut gegen Gelbfieber impfen lassen und meine Titer für Hep A und B auffrischen lassen. Je nachdem wo man in Brasilien ist, sollte man auch Malaria-Schutz plus Prophylaxe mitnehmen, allerdings ist das eher in abgelegeneren Gebieten ein Problem.
Ich habe mir vorsorglich etwas gegen Erbrechen und Durchfall mitgenommen, was ich aber nicht gebraucht habe, obwohl ich auch an Straßenbuden oder auf Märkten gegessen habe.
Eine Auslandskrankenversicherung habe ich über meine Versicherung bei der TK (Envivas) noch relativ kurzfristig abschließen können (etwa 3 Wochen vorher).

Sicherheit

In Brasilien ist das Thema Sicherheit ein großes Problem. Vor allem im ärmeren Nordosten sind Überfälle an der Tagesordnung und man muss sehr aufpassen wo man hingeht. Vor allem als blonde, große Frau bin ich besonders aufgefallen und die Einwohner wissen sofort, dass man fremd in der Stadt ist. Daher habe ich wenig Schmuck mitgenommen und immer eher Klamotten angezogen, die nicht wertvoll aussehen oder auffallen. Ich bin fast nie alleine rumgelaufen, sondern wurde mitgenommen oder habe mir ein Uber gerufen. Dementsprechend ist man schon sehr abhängig und fühlt sich im Vergleich zu unserem Standard in Europa manchmal sehr unfrei. Es ist sehr wichtig, von zB deinem Gastgeber zu hören, was du machen kannst und was du lieber lassen solltest, welche Nachbarschaft in Ordnung ist und wo du lieber nicht hingehen solltest. Für mich und auch andere Europäer war das oftmals überhaupt nicht einzuschätzen.

Geld

In Brasilien bezahlt man mit brasilianischen Real. Ich habe blöderweise bei meinem Zwischenstopp in Madrid Geld getauscht, wobei ich über 300 real Verlust gemacht habe. Daher würde ich raten, wenn überhaupt in Europa nur einen kleinen Teil zu tauschen und ansonsten wenn möglich eher in Brasilien mit der (Kredit)Karte abzuheben, da dabei meistens der tägliche Wechselkurs genommen wird und man dabei keinen Verlust hat.
Die Preise in Brasilien (vor allem im Norden) waren für alle Europäer sehr billig und man kann sich sehr viel mehr leisten, als zu Hause ;).

Sprache

Da Brasilianer im Schnitt fast nur Portugiesisch können, ist man auf jeden Fall klar im Vorteil, wenn man Portugiesisch- oder wenigstens Spanischkenntnisse hat. Außerhalb der Uni kommt man mit Englisch eher sehr schlecht durch, daher ist es immer gut, wenigstens einige wichtige Sätze auf portugiesisch parat zu haben.

Verkehrsbindungen

Ich bin von München nach Madrid und dann nach Recife geflogen, wo mich meine Gastgeberin abgeholt hat, und von dort aus nach 2 stündiger Autofahrt in Joao Pessoa angekommen. Ich habe erst spät buchen können und daher mit 1200€ eher einen teuren Flug bekommen. Man kann allerdings auch günstigere Flüge für ca 700€ finden. In Brasilien habe ich fast nur Uber und Blablacar benutzt (auch das war sehr billig), aber tagsüber kann man auch den Bus benutzen, wenn man ein wenig mehr sparen will. Die Sicherheit der Öffis ist von Region zu Region sehr unterschiedlich, also am besten wieder die Gastgeber oder Betreuer fragen, was sie empfehlen.

Kommunikation

Ich habe mir direkt am Anfang eine Simkarte von vivo geholt und konnte diese dann immer wieder aufladen. Meiner Meinung nach sollte man sich auf jeden Fall eine Simkarte mit Datenvolumen kaufen, um zB Uber überall bestellen zu können.

Unterkunft

Ich habe bei einer Medizinstudentin gewohnt, die in einer 3er WG wohnt und wo ich mir ein Zimmer mit einer Mitbewohnerin geteilt habe. Ich hatte sehr großes Glück mit ihr und habe mich sehr gut aufgehoben gefühlt. Wir sind sehr gute Freunde geworden! :) Mitbringen musste ich nichts, aber das habe ich vorher alles mit ihr abgesprochen.

Literatur

Ich habe im Vorhinein meinen Reiseführer gelesen und geplant, welche Dinge ich besuchen will und natürlich standen dort auch Tips zu Sicherheit, Verhalten u.ä.
Außerdem die Seite des auswärtigen Amtes.

Mitzunehmen

Im Nachhinein habe ich gemerkt, dass meine Reiseapotheke viel zu groß war und ich so gut wie nichts davon gebraucht habe. Es gab an jeder Ecke eine Drogerie oder Apotheke, wo man alles bekommen kann. Am wichtigsten sind Bikinis, luftige, unkomplizierte Klamotten, Sandalen und die Sachen, die man für das Praktikum braucht.

Reise und Ankunft

Meine Gastgeberin hat mich am Flughafen in Recife mit dem Auto abgeholt und mich mit nach Joao Pessoa genommen. Ich hatte 4 Tage bis zum Praktikumsbeginn und habe in der Zeit ein wenig die Stadt kennengelernt. Ich bin erst am 1. Tag des Praktikums ins Labor gefahren und habe somit niemanden im Vorhinein kennengelernt, was auch nicht nötig gewesen wäre.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe in dem Labor der Biotechnologie an der UFPB gearbeitet. Leider wurden kurz vorher viele Mittel gekürzt, wodurch die Mitarbeiter oftmals keine geplanten Experimente durchführen konnten, weil das Geld fehlte.
Meistens bin ich entweder morgens oder nachmittags gekommen und dann den halben Tag geblieben. Es kam aber auch vor, dass nach einer kurzen Zeit nichts mehr für mich zutun war und ich nach Hause geschickt wurde. Das Team war aber sehr nett und bemüht, mir ein paar Sachen auf Englisch / Portugal / Portugiesisch zu erklären. Einige sprachen aber so gut wie kein Wort Englisch, dann habe ich eben zugesehen, ohne mündliche Erklärung. Der Chef des Teams hatte mir am Anfang gesagt, dass sie bewusst Studenten wählen, die KEIN Portugiesisch reden, um die eigenen Mitarbeiter dazu zu bringen, Englisch zu reden, aber die meisten waren zu schüchtern um es zu versuchen. Ich hätte mir einerseits gewünscht mehr zu lernen, aber andererseits gab es bei den Experimenten nicht viel, was ich selber hätte machen können. Im Nachhinein hätte ich wahrscheinlich bei einem Famulaturaustausch mehr gelernt, aber dafür hatte ich mehr Freizeit :D
Ich habe sowohl im Labor als auch im Austausch mit den Studenten sehr viel über das Gesundheitsamt- und Sozialsystem in Brasilien gelernt. Dort ist jeder krankenversichert und alle haben Anspruch auf eine Behandlung. Allerdings sieht man trotzdem viele kranke Menschen auf der Straße, die um Geld für eine Behandlung betteln.
Die Krankenhäuser sind im Vergleich zu unserem Standard natürlich sehr viel einfacher und häufig fehlen die Mittel, um Werkzeuge, Geräte oder andere Utensilien nachzubestellen. Auch Desinfektionsspender hängen dort selten bis gar nicht.
Die medizinische Ausbildung ist ungefähr vergleichbar zu Europa, allerdings gibt es dort viel mehr private Unis mit sehr hohen Studiengebühren. Inwiefern die Qualität der Ausbildung dort besser ist, kann ich aber schlecht beurteilen.
Sie fangen dort außerdem früher mit Praktischem Lernen am Patienten an. Ich hatte den Eindruck, dass von den Studierenden mehr freiwilliger Einsatz in zB Forschung erwartet wird, ich habe im Laufe der zeit aber auch erfahren, dass sie Punkte sammeln müssen, um zum Beispiel bei so etwas wie einem Austausch überhaupt teilnehmen zu dürfen.
Die Studenten haben kleinere Klassen und sind viel weniger Leute im Semester, dh sie haben einen viel persönlicheren Kontakt zu ihren Profs.
Die staatlichen Unis sind eher einfach eingerichtet, die private Uni hingegen hat mich ein wenig an einen Campus in den USA erinnert.

Land und Leute

Joao Pessoa:
- Sonnenuntergang am Hotel Globo schauen, im alten Teil der Stadt. Danach aber schnell ein Uber zurück ins Zentrum nehmen, da der Teil der Stadt eher unsicher ist und man hier nicht im Dunkeln rumlaufen sollte
- Sonnenuntergang am Praia do jacaré schauen, dort ist meistens ein Markt und jeden Abend wird der Sonnenuntergang mit Saxophonmusik begleitet.
- Strände: Nördlich und südlich von Joao Pessoa gibt es einige sehr schöne Strände, die aber leider meistens nur mit dem Auto zu erreichen sind:
Praia de Coqueirinhos (mein Favorit!!!), Praia de tambaba, Praia de Cabedelo.

Caruaru: Hier wohnt die Familie meiner Gastgeberin, die wir ein Wochenende besucht haben. Die Stadt an sich ist nicht sonderlich sehenswert, aber es war sehr nett ihre Familie kennenzulernen und eine Gated Community in Brasilien zu sehen

Pipa: Etwa 3 Stunden nördlich von Joao Pessoa liegt Pipa, ein MUSS, wenn man Zeit hat. Man kann hier gut mit Blablacar hinkommen. Pipa ist ein kleiner Hippie/Party/Strandort, der traumhafte Natur bietet. Abends geht in den Bars immer die Post ab. Außerdem kann man hier gut Bikinis, Strandtücher und Hawaiianer kaufen. Hier trifft man sehr viele andere Reisende, vor allem aus Südamerika (Argentinien, Chile..), also kommt man hier meistens super mit Spanisch durch. Wir haben in einem Hostel übernachtet, das sowohl preislich als auch qualitativ völlig in Ordnung war, wie es eigentlich meistens der Fall ist.

Porto de Galinhas: Liegt ca 4 Stunden südlich von Joao Pessoa, wir sind dort super mit einem Bus von Recife hingekommen. Porto de Galinhas ist schon relativ touristisch, aber trotzdem wunderschön. Bekannt für wunderschöne Strände und tolle Korallenriffe ist es zurecht ein sehr beliebter Badeort. Wir unternahmen von dort aus mehrere Tagesausflüge, die vom Hostel organisiert wurden. Ein Muss sind: Praia dos Carneiros !!!!!!!!, einer der schönsten Strände die ich je gesehen habe, und Ilha de Santo Aleixo.

Die Kultur in Brasilien hat mich oft an die USA erinnert. Man merkt eben, dass es beides im Vergleich zu Europa eher junge Länder sind, die keine Jahrhunderte alte Tradition haben.
Die politische und soziale Situation ist aktuell in Brasilien sehr schwierig, die Schere zwischen Arm und Reich wird immer größer und die Unzufriedenheit führt ähnlich wie in Europa und den USA zu politischen Unruhen.
Das Essen ist sehr fettig, es gibt viel geschmolzenen Käse, Weißbrot und extrem viel Zucker.
Ich hatte am Ende leider nicht genug Zeit, um noch weiter zu reisen, zB hätte ich gerne noch Natal und Fortaleza gesehen.

Fazit

Ich würde definitiv nochmal einen Austausch machen, vielleicht eher einen Famulaturaustausch. Durch die häufigen Sprachprobleme wäre ich aber lieber in ein spanischsprachiges Land in Südamerika gegangen, zB Argentinien, Peru, Chile, Kolumbien.. Trotzdem war es eine sehr wertvolle Erfahrung, ich habe tolle Leute kennengelernt, viel über mich gelernt, ein wenig portugiesisch gelernt und weiß sehr vieles zu schätzen, was ich vorher für selbstverständlich gehalten hätte! :)

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