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Malta (MMSA)

Orthopädie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Velichka, Lübeck

Motivation

Ich habe letztes Jahr schon an einem Austausch über die bvmd teilgenommen und ich fand es unglaublich lehrreich, sowohl aus medizinischer als auch aus persönlicher Sicht. Es ist wunderschön so viele neue Kulturen, Menschen und einen anderen Umgang mit Patienten und Krankheiten kennenzulernen und das alles innerhalb von nur einem Monat.
Ich wollte, wenn möglich nach einem Englischspachigen Land gehen und da hat sich Malta geboten als ein Land, wo eine der offiziellen Sprachen Englisch ist. Nach einer kurzen Recherche über das Land, wollte ich unbedingt hin, weil es vielversprechend klang.

Vorbereitung

Ich persönlich habe keine spezielle Kurse wegen Malta besucht. Ich habe nur ein bisschen über das Land und die Kultur gelesen. Das war meiner Meinung nach auch ausreichend. Was man aber unbedingt wissen sollte, ist dass die Malteser nicht die beste in Organisation und Pünktlichkeit sind. Teilweise wurden wichtige Infos im letzten Moment erwähnt.

Visum

Da Malta EU ist, brauchte ich kein Visum um einzureisen. Ich bin unproblematisch mit dem Personalausweis gereist (nicht mal Pass).

Gesundheit

Ich wurde eine Woche vor dem Fristablauf benachrichtigt, dass ich spezielle Untersuchungen brauche (z.B. HIV, Hepatitis, TBC, Impfnachweise) und dann war es bisschen knapp, alles rechtzeitig zu erledigen. Also auf jeden Fall, rechtzeitig nachfragen, ob ihr etwas braucht und bis wann es bei denen vorliegen soll. Nasenspray und Ibuprofen war alles was ich mitgenommen habe. Es war auch genug. Auslandskrankenversicherung ist ein Muss. Sie verlangen sie und es ist auch sehr empfehlenswert.

Sicherheit

Malta ist im großen und ganzen ein sicheres Land. Laut der Einheimischen ist die Kriminalität fast gleich 0 da und wenn da was passiert sind das meistens ''Touristen''. Man müsste trotzdem bisschen auf die Tasche achten, wenn man in einem vollem Bus ist oder in der Disko, aber sonst habe ich mich sicher gefühlt auf Malta. Sie haben recht wenige Bürgersteige, also man musste häufig auf der Straße/Autobahn laufen. Das war aber auch das Gefährlichste.

Geld

Die Währung ist Euro und die Preise sind nicht viel anders als in Deutschland. Da Italien ganz nah ist, gab es da viele italienische Lebensmittel, die billiger waren als in Deutschland. Essen zu gehen war auch nicht teurer als in Deutschland, aber auch nicht billiger. Es gibt überall Bankautomaten, wo man sich Geld holen kann und man konnte auch meistens mit Karte zahlen. Es ist aber gut sich bei der eigenen Bank zu informieren, ob man und wie viele Gebühren zahlen muss, falls man da Geld abhebt (ich musste z.b. 6 Euro jedes Mal zahlen)

Sprache

Es gibt 2 offizielle Sprachen auf Malta - Maltesisch und Englisch. Die ältere Generation spricht deutlich mehr Maltesisch als Englisch aber alle die unter 50 sind sprechen wunderbar Englisch. Ein Niveau von B2 ist natürlich empfehlenswert und wenn man Zeit hat, ist es gut wenn man sich bisschen Medical English eineignet.

Verkehrsbindungen

Da Malta sehr sehr klein ist, ist man häufig zu Fuß innerhalb von 15 Minuten in der nächsten Stadt. Sonst bewegt man sich durchs Land mit den öffentlichen Verkehrsmittel - Bus. Eine Buskarte für 2 Stunden kostet 2 Euro und in der Zeit darf man quasi hin und zurückfahren. Man kann sich auch eine 12 Reisen Karte für 15 Euro holen. Taxis sind natürlich auch immer eine alternative, aber relativ teuer.

Kommunikation

Ich hatte in der Wohnung, wo ich war Internet. Sonst habe ich Roaming benutzt. Seit 2017 darf man die nationale Tarif auch im Ausland im Roaming benutzen, ohne extra zu zahlen. Also ich konnte mit allen telefonieren und hatte immer mobile Daten überall. Es ist sehr empfehlenswert mobile Daten zu haben. Also falls es mit dem Roaming nicht gut klappt ist es empfehlenswert sich eine SIM-Karte da anzulegen (kostet um die 15 Euro).

Unterkunft

Die Unterkunft wird von der MMSA organisiert. Es gab eine ausgerichtete Küche, wo man auch kochen konnte. Die Wohnungen waren in der Nähe vom Krankenhaus und nicht so schlimm. Man musste Bettwäsche selber mitbringen, Kissen gab es da, Decken brauchte man nicht, weil es 40 Grad war.

Literatur

Ich habe im Internet einfach bisschen über das Land und über Reisemöglichkeiten gelesen. Es ist empfehlenswert englischsprachige medizinische Literatur zu lesen, bevor man hingeht um besser klar zu kommen, Ich habe es aber nicht gemacht und bin trotzdem gut klar gekommen. Es wäre für mich aber deutlich einfacher gewesen, hätte ich das gemacht.

Mitzunehmen

Ein Regenschirm war doch nützlicher als gedacht, weil es paar Mal geregnet hat. Jacken sind absolut überflüssig, weil das Land ziemlich heiß ist. Badesachen sind sehr wichtig, weil man sehr häufig schwimmen geht.

Reise und Ankunft

Man wird auf Malta leider von niemandem empfangen. Man soll selber den Weg zur Wohnung finden und Kontakt zu den anderen aufnehmen, die schon da sind, damit einer die Tür aufmacht. Um die Schlüssel für die Wohnung musste man sich auch selber kümmern. Ich bin paar Tagen vor dem Praktikumsbeginn angekommen und hatte genug Zeit um mich bisschen einzuleben bevor ich ins Krankenhaus musste. Wir wurden dann von der MMSA ins Krankenhaus an unserem ersten Tag gebracht und unserem Arzt vorgestellt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe in dem Mater Dei Krankenhaus in dem Bereich der operativen Orthopädie gearbeitet. Was man direkt am ersten Tag merkt, ist es, dass es im Krankenhaus schrecklich kalt ist. Die Klimaanlage ist gefühlt auf 15 Grad eingestellt, aber da man sowieso mit Bluse und Hosen unterwegs ist, war das nicht so schlimm. Wir wurden unseren Ärzten vorgestellt und sie haben uns dann von Tag 1 mitgenommen und uns das Krankenhaus und Räumlichkeiten gezeigt. Man durfte sich verschiedene Bereiche von der Abteilung anschauen - also man war nicht die ganze Zeit einfach im OP-Saal. Man konnte mal zu den Outpatients gehen oder zu den Pre-OPs. WIr haben auch an der Visite teilgenommen. Was mir gar nicht gut gefallen hat, war die Tatsache, dass ich mich kein einziges Mal einwaschen durfte. Die Operationen durfte man also nur von der Seite beobachten. Ein mal pro Woche hatte das Team Trauma-OPs. Das hieß, dass sie ziemlich viel gestrahlt haben (meiner Meinung nach zu viel) und da wir als Studenten keine Schürzen bekommen haben, sollten wir alle 20 Sekunden rausgehen, was dazu geführt hat, dass man quasi nichts von der Operationen mitgekriegt hat, weil man einfach im Flur stand.
Jeder Morgen hat mit der Trauma-Meeting angefangen, was immer auf Englisch war, weil es viele ausländische Ärzte gibt, die kein Maltesisch können. Das war interessant und lehrreich.
Die Ärzte haben sich bei der Visite oder bei den Outpatients auch bemüht zu übersetzen und wenn die Patienten es zugelassen haben, haben sie die ganze Zeit mit denen Englisch gesprochen, damit wir alles verstehen konnten. Wenn sie Zeit und Lust hatten, haben sie uns richtig viel erklärt, wenn sie aber einen schlechten Tag hatten, hatten sie uns gar nicht beachtet.
Die Tage im Krankenhaus waren auch relativ kurz. Ich bin selten bis später als 13 Uhr da geblieben und der Tag hat um 7:45 mit der Trauma-Meeting angefangen. Teilweise, wenn es nichts zu tun gab, wurden wir direkt um 9 Uhr nach Hause geschickt. Also wer viel Wert darauf legt, viel zu lernen, dann lieber nicht nach Malta gehen. Wir durften auch so gut wie nichts selber machen - ich habe keinen einzigen Patienten untersucht oder Blut abgenommen (das machen die maltesischen Studenten auch nie).

Die MMSA hat ein Mal pro Woche Seminare organisiert, die sehr praktisch orientiert waren - Anamnese erheben, Basic Life support, Research Paper schreiben. Sie haben 3-4 Stunden gedauert und waren ziemlich interessant und lehrreich. Es war das erste Jahr, dass sie das organisierten, aber es ist auf jeden Fall empfehlenswert hinzugehen.

Land und Leute

Das Sozial Programm auf Malta ist ausgezeichnet. Wir haben fast jeden Tag etwas unternommen. Für vieles haben sie auch Transport organisiert, es hat aber immer 5 Euro gekostet - ziemlich egal, ob es 20 Personen im Bus gab oder 40. Das hat mich ein bisschen irritiert auf Dauer. Aber das Programm war abwechslungsreich, voll mit Partys und Ausflügen. Wir haben auch die nah gelegene Inseln - Gozo und Comino besucht.
Auf Malta gibt es eine Menge Feuerwerk. Eine der Städte feiert jeden Tag eine Feier mit ganz viel Feuerwerk und Musik und Stände mit typischen maltesischen Gerichten und Getränken. In dem einen Monat gab es auch ein Bier-Fest, Wein-Fest, kostenloser Martin Garrix - Konzert. Also es gibt sehr viel zu tun auf Malta im Sommer. Wir sind auch relativ häufig ans Meer gefahren - es gibt viele Stein-Strände, aber es gibt auch genug sandige Strände. Das Wetter war wunderschön zum schwimmen gehen - sowohl tagsüber als auch nachts, und es ist absolut empfehlenswert ein Schnorchel mitzubringen, weil es unter dem Wasser wunderschön ist.
Wir haben häufig die Hauptstadt Valetta besucht. Sie war ca. 30 min zu Fuß von unserer Unterkunft entfernt und einfach wunderschön. Man kann da auch viel unternehmen - essen gehen, Cocktails trinken gehen oder einfach die Sonnenuntergänge genießen. Es gibt in Valetta für jeden was.
Einige von der MMSA waren fast immer dabei. Was ich aber negativ empfunden habe, ist, dass ich meine Kontaktperson kein einziges Mal gesehen habe. Aber man hatte fast immer jemanden, den man nach TIpps fragen konnte, wenn man etwas brauchte. Die Malteser sind unglaublich unpünktlich, damit muss man auch rechnen.
Und da Malta so klein ist, kann man in diesem einen Monat quasi das ganze Land mehrmals erkunden, beziehungsweise die Lieblingsorte mehrmals besuchen.
Von der Natur her, hat Malta im Sommer wenig zu bieten. Die Hauptfarbe da war gelb und grün hat man so gut wie gar nicht sehen können. Sie haben aber wunderschöne Cliffs und Strände, die man genießen konnte.
Ein negatives Aspekt war, dass die Kellner überall schrecklich unhöflich waren und man musste immer als Gruppe bezahlen, was die Situation eigentlich nur erschwert hat. Also am besten in Restaurants mit Karte zahlen, dann hat man weniger Probleme.
Im Großen und Ganzen würde ich sagen, dass Malta. trotz ihrer kleinen Größe, ein wunderschönes Land ist, was der Besuch Wert ist. Es ist an vielen Stellen von ganz vielen Touristen überlaufen, aber man findet trotzdem ruhige nette Stellen.

Fazit

Ich hatte einen wunderschönen Monat auf Malta gehabt. Ich habe ganz viele tolle Menschen und ganz viele neue Kulturen kennengelernt. Wer ganz viel Wert auf das Medizinische legt, ist Malta nicht die beste Option, aber wer ganz viel Spaß haben will, ist Malta der perfekte Ort dafür.

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