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France (ANEMF)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Konstanze, Leipzig

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Motivation

Ich habe meinen Austausch über die bvmd nach Frankreich, Nancy gemacht. Für mich war immer klar, dass ich in einem französisch sprachigen Land für eine Zeit lang leben wollte, weil ich die Sprache liebe und sie unbedingt wieder sprechen wollte. Außerdem hat mich interessiert wie die Ärzte in Frankreich arbeiten, wie die Stationsarbeit abläuft und wie die Studenten sind, was es für Unterschiede zu Deutschland gibt. Frankreich bot sich da an und Nancy war nicht so weit weg, die Anfahrt also auch nicht so teuer.

Vorbereitung

Ich hatte während des 5. Semesters sowohl einen Kurs Französisch für Mediziner als auch Englisch für Mediziner besucht, ich halte diese Kurse aber nicht für notwendig. Das meiste lernt man vor Ort. Für die Bewerbung hatte ich noch mein DALF Diplom aus der Schulzeit was ich vorzeigen konnte, ich musste also nur noch die Englischprüfung für das Englischzertifikat ablegen.
Die einzige Schwierigkeit, die sich ergab war, dass ich laut Studienverlaufsbescheinigung bei der Bewerbung im 9. Fachsemester war, mir aber nur 7 angerechnet werden konnten, da ich ein Jahr ausgesetzt hatte und vom Stoff her das 7. Semester belegte, darauf sollte man bei dem Punkteformular achten.

Visum

Da Frankreich der EU angehört, musste ich kein Visum beantragen.

Gesundheit

Vor meinem Austausch musste ich meinen Impfausweis hochladen, der war vollständig. Besondere Extraimpfungen musste ich nicht vornehmen, ein Röntgen-Thorax oder ein Tuberkulose-Test waren nicht gefordert. Was das angeht verlief die Vorbereitung also völlig unproblematisch.

Sicherheit

Ich habe keine speziellen Vorkehrungen hinsichtlich der Sicherheit getroffen. Allerdings merkt man, dass sich Frankreich seit der Terroranschläge immer noch im Ausnahmezustand befindet. Regelmäßig, egal zu welcher Uhrzeit, patrouillieren Gruppen von 4-5 Personen der Armee stark belebte Orte wie Plätze in der Innenstadt, den Hauptbahnhof, Veranstaltungen wie Märkte oder Konzerte. Nichtsdestotrotz oder gerade deswegen, je nachdem wie man es sieht, habe ich mich zu keinem Zeitpunkt bedroht gefühlt.

Geld

Die Währung in Frankreich ist der Euro, was das Bezahlen sehr einfach macht. Man kann fast überall mit Karte zahlen wenn man möchte, bar geht natürlich genauso. Ich hatte im Vorhinein eine bestimmte Summe in bar mitgenommen, da das Geld abheben mit der EC-Karte Geld kostete, habe aber das meiste dann kostenfrei per selbiger gezahlt.
Die Lebenshaltungskosten sind im Vergleich zu Deutschland etwas höher würde ich schätzen. Lebensmittel wie Käse, Wurst, Obst und Gemüse sind etwas teurer.

Sprache

In Frankreich sprechen die wenigsten Englisch, es ist quasi obligat Französisch zu sprechen, zu mindest wenn man mit Ärzten, Schwestern, Pflegern und Patienten kommunizieren und etwas lernen will. Ich würde also jedem empfehlen zu mindest B1 Niveau vor dem Austausch zu erreichen. Allerdings habe ich auch von einem anderen Incoming gehört, dass der Arzt alles ins Englische übersetzt hat aber ich glaube das ist eine Ausnahme. Ich habe während der Schulzeit an verschiedenen Austauschen ins französisch sprachige Ausland teilgenommen und ein DALF C1 Diplom abgelegt. Nach 5 Jahren Studium und wenig Französischsprechen war mein Niveau sicher nicht mehr ganz so hoch aber ich war zwei Wochen vor dem Austausch mit meiner ehemaligen Gastfamilie im Urlaub wodurch ich wieder in die Sprache reinkam und in der Woche in Paris konnte ich auch wieder mehr Französisch sprechen. Ansonsten habe ich mir das Buch von Thieme „Französisch für Mediziner“ gekauft, das ist ganz hilfreich zu Beginn aber ansonsten lernt man das Fachvokabular am besten vor Ort. Ich denke einen Extrakurs „Französisch für Mediziner“ muss man nicht besuchen, die lateinischen Fachwörter sind gleich.

Verkehrsbindungen

Ich bin eine Woche vor Beginn des Autauschs von Düsseldorf aus für 50€ nach Paris geflogen und habe die Stadt besichtigt. Anschließend bin ich mit dem TGV für 40€ innerhalb von 1,5 Stunden nach Nancy weitergefahren, es gibt aber auch günstigere Angebote, zum Beispiel kommt man mit dem Bus innerhalb von 5 Stunden für 10€ von Paris nach Nancy.
In Nancy selbst verkehrt eine Straßenbahn zwischen dem Hauptbahnhof und dem Krankenhaus in Brabois (das ist das Krankenhaus in dem ich gearbeitet habe, es gibt aber auch noch eins zentral in der Innenstadt). Außerdem gibt es verschiedene Buslinien. Von meinem Appartment aus waren es 5 Minuten zu Fuß zur nächsten Bushaltestelle, von dort aus waren es circa 40 Minuten Busfahrt zum Krankenhaus. Das klingt erst mal lang aber da wir jeden Morgen erst um 8:30 Uhr angefangen haben, ging das. Uns wurden Tickets für 30 Einzelfahrten zur Verfügung gestellt. Für die letzte Woche habe ich mir eine weitere 10er Karte für 9,60€ gekauft. Eine Einzelfahrkarte kostet wenn man sie im Bus kauft 1,50€, an den Automaten 1,30€. Achtung: Tickets kann man in der Tram selbst nicht kaufen und es wird häufig kontrolliert.

Kommunikation

Leider gab es in meinem Appartment kein WLAN, das ist mir im 21. Jahrhundert etwas unverständlich aber ich hatte 5GB Auslandsdatenvolumen in meinem Vertrag inklusive, außerdem gilt seit letztem Jahr die EU-Roamingverordnung, sodass man für Internet auf dem Handy nicht extra zahlen muss. Als mein Datenvolumen aufgebraucht war, bin ich immer in die Bibliothek oder in die Nähe des nächsten Unicampus gegangen um das Eduroam-Netz zu nutzen.
Mit meiner Familie und Freunden habe ich per Telefonat oder Whatsapp kommuniziert, was mich alles nichts extra gekostet hat.

Unterkunft

Mir wurde das Appartment der Schwester meines Gastgebers zu Verfügung gestellt, die während der Ferien bei ihren Eltern gelebt und dort gearbeitet hat. Ich hatte die Wohnung also für mich. In Frankreich ist es so, dass alle, die auch ins Ausland zum Famulaturaustausch wollen, auch eine Person aus dem Ausland aufnehmen und ihm/ihr eine Unterkunft stellen müssen. So kam es, dass mir das Apparment umsonst zur Verfügung gestellt wurde. Das Appartment war mit 20 Quadratmetern recht klein aber völlig ausreichend. Ich hatte gehofft in eine WG zu kommen um auch zu Hause französisch sprechen zu können aber so war es auch vollkommen in Ordnung und ich hatte nach der Arbeit meine Ruhe. Es gab einen Kühlschrank, einen Gefrierschrank, zwei Herdplatten, also alles um sich eine Kleinigkeit zu essen zuzubereiten. Ich hatte extra vorher meinen Gastgeber gefragt, Bettwäsche sowie Decke und Kissen wurden mir gestellt, ein Handtuch musste ich mitbringen. Das Beste war, dass das Appartment so zentral lag. Ich war völlig frei in meiner Freizeitgestaltung. In unmittelbarer Nähe gab es 3 Bäckereien, einen Supermarkt, einen Waschsalon (im Appartment/gesamten Gebäude gab es keine Waschmaschine) und die Innenstadt war nur 10 Minuten Fußweg entfernt. Außerdem war der wunderschöne Parc Pépinière auch nur wenige Gehminuten entfernt. Ein kleines Manko war der lange Anfahrtsweg zum Krankenhaus aber den habe ich gerne für die zentrale Lage in Kauf genommen.

Literatur

Ich kann das Buch von Thieme "Französisch für Mediziner" empfehlen. Außerdem habe ich mich auf der Homepage des CHU Brabois über das Krankenhaus informiert, ansonsten habe ich keine andere Literaturrecherche im Vorhinein betrieben.

Mitzunehmen

Ich hatte einen Kittel und ein Stethoskop mit. Der Kittel war überflüssig, das Stethoskop hat sich als nützlich erwiesen. Einen Reflexhammer braucht man nicht. Im Sommer sollte man unbedingt an Sonnencreme denken :)

Reise und Ankunft

Als ich in Nancy ankam hat mich mein Gastgeber vom Bahnhof abgeholt und zum Appartment seiner Schwester gefahren, das ich für den kommenden Monat bewohnen sollte. Anschließend hat mir mein Gastgeber noch die Stadt und das Krankenhaus gezeigt, er ist sogar mit mir ins Krankenhaus gegangen und hat die richtige Station gesucht. Das CHU in Brabois (Centre hospitalier universitaire) ist riesig und besteht aus mindestens 5 Gebäudekomplexen mit jeweils 10 Stockwerken aber das kennt man ja – Krankenhäuser sind Irrgärten. Ich war also dankbar, dass wir zusammen den richtigen Weg suchten. Anschließend waren wir noch was essen und er hat mich zurück zu meinem Appartment gebracht - das kommende Wochenende verbrachte ich damit die Stadt und meine Umgebung zu erkunden und für die nächsten Tage einzukaufen. An meinem ersten Tag im Krankenhaus wurde ich freundlich begrüßt, ich habe mich beim Pflegepersonal und dem diensthabenden Interne (Assistenzarzt) vorgestellt, mir wurden Hose und Kasak gestellt, die Umkleideräume gezeigt und ich begann meinen ersten Tag im Secteur 2 in der Hepato-Gastro-Enterologie. Bei der Bewerbung wurde mir kein Sektor zugeteilt, deshalb habe ich zufällig den zweiten gewählt und hatte damit großes Glück.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe in der Hepato-Gastro-Enterologie im zweiten von drei Sektoren, also Stationen, gearbeitet. Mein Interne, der Assistenzarzt der Station, war unglaublich nett, sehr interessiert und ein guter Lehrer. Er war immer daran interessiert, dass ich alles verstehe und wenn es doch mal Schwierigkeiten gab, war er es nicht Leid, es mir noch einmal zu erklären. Außerdem stellte er mir und der Externe (das sind französische Studenten ab dem 3. Jahr, die arbeiten während der Ferien drei Monate vormittags oder anderthalb Monate ganztags auf Station mit) oft Fragen zu Krankheitsbildern, wodurch wir viel nachdenken und mitdenken mussten, was Spaß machte und wodurch wir einiges lernten. Es ist nicht wie in Deutschland, dass die Studenten das Blut abnehmen übernehmen, das machen die Schwestern meist schon um 5 Uhr morgens, sodass man um 8:30 Uhr wenn die Visite beginnt, bereits die aktuellsten Parameter vor sich hat. Allerdings durften wir andere Aufgaben übernehmen wie arterielle Punktionen durchführen, EKGs schreiben, die wir zusammen auswerteten, Aszites punktieren, Abschlussuntersuchungen vor Entlassungen durchführen und in der letzten Woche durften wir bei bestimmten Patienten die Visite übernehmen. Die Externe werden mit 100€ pro Monat vergütet und müssen dafür viele administrative Aufgaben übernehmen: Röntgenscheine ausfüllen und faxen, Aufnahmen schreiben, Briefe für Konsile an Kollegen verfassen, telefonisch Termine für Patienten ausmachen. Anfangs hatte ich insbesondere vor den Telefonaten etwas Angst aber wenn man ein bestimmtes Level an Französischkenntnissen mitbringt, geht auch das. Außerdem standen Interne und Externe immer für Nachfragen zur Verfügung. Mittags bin ich immer mit der Externe meiner Station und dem der anderen Station in der Kantine essen gegangen. Das Essen war gar nicht schlecht und wurde uns von der Organisation bezahlt. Da die Externes in der Hepato-Gastro-Enterologie immer nur bis mittags gegen 12/13 Uhr arbeiten mussten meinten die Internes immer, dass ich auch gehen kann wenn ich möchte, deshalb hatte ich eine sehr entspannte Zeit im Krankenhaus. Wenn ich wollte konnte ich in die Endoskopie gehen wo ich neben Colo- und Gastroskopien auch ERCPs gesehen habe und auch dort waren die Ärzte sehr freundlich wenn man sich bemüht man französisch zu sprechen. Ich denke, dass Ärzte und Pflegepersonal ähnlich gestresst waren wie in Deutschland aber auf meiner Station hatte ich großes Glück, dass alle so freundlich waren. Auffällig war, dass nicht wie in Deutschland die Patienten zu zweit oder zu dritt auf einem Zimmer sind, hier hatte jeder Patient ein Einzelzimmer aber das ist wohl nicht in jeder Fachrichtung so. Im Gespräch mit den französischen Studenten ist mir aufgefallen, dass sie keine Pflichtveranstaltungen haben und wie gesagt ab dem 3. Studienjahr mit im Krankenhaus arbeiten, das finde ich sehr gut, da sie so den Klinikalltag eher und intensiver kennenlernen als wir durch unsere Famulaturen. Allerdings haben sie kaum Seminare und ihnen werden keine Vorlesungsfolien zur Verfügung gestellt wodurch sie alles mit Büchern lernen müssen was ich persönlich sehr trocken finde.

Land und Leute

Ich war jeden Tag nach der Arbeit in der Stadt spazieren oder war im Park und habe dort gelesen. In Nancy selbst habe ich das Naturkundemuseum und den botanischen Garten besucht, der mit seinem Gemüse- und Obstgarten besticht und zum Probieren von Tomaten, Äpfeln, Feigen und Ähnlichem einlädt. Sehenswert sind außerdem der Markt, auf dem es neben Obst und Gemüse auch Käse, Wurst und verschiedenstes frisches Fleisch aber auch Süßspeisen zu kaufen gibt, Place Carnot und die verschiedenen Kathedralen.
Mindestens einmal in der Woche haben wir uns mit allen Incomings, wir waren circa 10 aus aller Herren Länder wie zum Beispiel, Griechenland, Japan, China, Brasilien, Kroatien und Portugal, getroffen und den Abend zusammen verbracht. In diesen Momenten haben wir ein bisschen den Geist dieses Austauschs kennengelernt und waren glücklich und dankbar dafür, dass wir so einen kulturellen Austausch erleben können und unsere Länder sich nicht im Krieg gegeneinander befinden. Wir waren etwas trinken in einer Bar, essen in verschiedenen Restaurants, haben zusammen Billard und Kicker gespielt. An einem Abend hatte der Externe meiner Station uns zu einer Party bei Freunden eingeladen.
An den Wochenenden habe ich Städtereisen mit meinem Gastgeber und einer anderen Incoming aus dem Libanon gemacht. Wir haben Metz, Straßburg und Dijon besichtigt, was alles mit Bus, Bahn und Mitfahrgelegenheit gut zu erreichen war. Wenn man in Nancy ist, bietet es sich an, die umliegenden Städte zu besichtigen. Besonders Metz und Straßburg sind wunderschöne Städte und wir hatten immer Glück mit dem Wetter. Gerne hätte ich auch noch Colmar besichtigt aber dafür waren die vier Wochen dann zu kurz.
Ich habe mich zu jedem Zeitpunkt wohl gefühlt in Frankreich, ich hatte den Eindruck, dass die Leute freundlich, gastfreundlich und jedem, der sich bemüht französisch zu sprechen, aufgeschlossen begegnen.
Das Essen war sehr gut. Es gibt an jeder Ecke kleine, traditionelle Bäckereien und die Tartelettes Mirabelles, Citron oder Framboise sind himmlisch. Die verschiedenen Croissants und Baguettesorten muss man auch probiert haben. In Nancy war es Tradition, dass man wenn man den Sektor gewechselt hat, Croissants oder anderes Gebäck mitgebracht hat, so kam ich in den Genuss von Mandelcroissants, Schokocroissants und Schoko-Rosinen-Schnecken.
An Restaurants gibt es in Nancy alles was das Herz begehrt. Wir waren einmal im "Le bouche à oreille" wo es alles mit Käse gab. Von Fondue über Raclette bis zu Flammkuchen mit Camembert - wenn man ein Käseliebhaber ist, ist ein Besuch dort ein Muss.

Fazit

Ich habe jeden Moment meines Austauschs genossen, es war genau so wie ich es mir gewünscht und erhofft hatte. Ich kann es jedem nur empfehlen einen solchen Austausch zu wagen und bereits in der zweiten Woche habe ich angefangen zu überlegen wohin ich meinen nächsten Austausch machen möchte. Mir hat es in Frankreich so gut gefallen, dass es nicht ausgeschlossen ist, dass ich das Land noch einmal wählen werde. Ich werde immer glücklich auf diese Zeit zurückblicken und bin sehr froh, dass ich diesen Austausch machen konnte.

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