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Finland (FiMSIC)

Verschiedene - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Ich habe während meines Studiums schon mit Erasmus in Frankreich studieren dürfen. Das war eine wirklich tolle Zeit. Ins Ausland zu gehen, öffnet den Geist und erweitert den eigenen Horizont und den Blick auf viele Dinge. Ich habe selber zwei Austauschsommer an meiner Uni mitorganisiert und wollte auch die Chance ergreifen nochmal für einige Zeit ins Ausland zu gehen. Den Berichten zufolge fand ich England, Finnland und Portugal vielversprechend. Es ist letztendlich Finnland geworden. Und das war eine super Entscheidung! Ich hatte von ein paar Studenten aus meinem Semester gehört, dass sie dort während ihrer Erasmuszeit gute Erfahrungen gesammelt hatten. Da dachte ich warum eigentlich nicht?!

Vorbereitung

Die Bewerbung war recht unkompliziert online über die BVMD und dann nochmal online über IFMSA. Für Finnland brauchte man einen Notenspiegel auf Englisch, da man nur in Fächern famulieren durfte, von denen man schon einen Schein hatte. Außerdem sollte man seinen Impfausweis, einen negativen MRSA-Abstrich (nicht älter als 1 Monat) und eine Krankenversicherungsbestätigung mitbringen. Ich habe ca. 8 Wochen vor meinem Austausch die Card of Acceptance bekommen und ersten Emailkontakt mit der LEO.

Visum

Da Finnland in der EU ist, hatte ich keine Probleme.

Gesundheit

- MRSA-Abstrich (s.o.)
- ich habe bereits eine Auslandskrankenversicherung für Reisen über die Sparkasse
- normale Reiseapotheke (Übelkeit, Kopfschmerzen, Fieber, Bauchschmerzen, Fenistil)
- Mückenspray (dieses Jahr war es sehr heiß, also gab es keine Mosquitos)
- FSME-Impfung

Sicherheit

Finnland ist ein ziemlich sicheres Land. Da gab es keine Bedenken.
- erschreckend fand ich nur, dass es viele alkoholabhängige Menschen gab, die man natürlich tagsüber gesehen hat. Finnland hat ein massives Alkoholproblem. Alkohol ist zwar mindestens doppelt so teuer, trotzdem trinken die Finnen gerne sehr viel. Das mag wohl mit der langen Zeit der Dunkelheit und Kälte v.a. im Norden zu tun haben. Spielsucht ist genauso ein Thema. In jeden Supermarkt gibt es Spielautomaten, an denen viele Menschen ihr Geld lassen. Ich habe mich jedoch nie bedroht gefühlt, wenn ich stark alkoholisierte Menschen gesehen habe.

Geld

In Finnland gibt es den Euro. Man kann überall bequem mit EC-Karte bezahlen oder mit Kreditkarte Geld abheben. Alles ist doppelt so teuer wie in Deutschland. Besonders Lebensmittel und Alkohol. Essengehen ist auch recht teuer. Spart besser etwas Geld, vor allem wenn ihr vorhabt etwas rumzureisen.

Sprache

In Finnland wird Finnisch und Schwedisch gesprochen. Ich habe mich sprachlich nicht vorbereitet. Viele Finnen können gut Englisch. Im Kontakt mit finnischen Studenten, den anderen Austauschstudenten und den Ärzten war es super einfach in Englisch.

Verkehrsbindungen

Am besten mit dem Flugzeug. Wenn man frühzeitig bucht gibt es günstige Flüge bei Finnair oder Norwegian Air. Ich habe relativ spät gebucht, daher war es relativ teuer. Ich bin nach Helsinki geflogen und nach ein paar Tagen Aufenthalt mit dem Zug nach Oulu. Das sind aber fast 7h. Zugtickets im vorraus sind günstig (ca.27€). Ansonsten kann man auch nach Oulu fliegen sowie es alle anderen Studenten gemacht haben. Der Flug dauert nur ne Stunde und vom Flughafen gibt es einen Bus nach Oulu.
In Oulu selbst wurden uns allen Fahrräder organisiert. Das war am einfachsten. Oulu ist nicht so groß und dank sehr gut ausgebauter Fahrradwege perfekt fürs Fahrrad. Busse sind sehr teuer.
Ich hatte keine Probleme mit irgendwelchen Unpünktlichkeiten.
Im Land selber gibt es günstige Fernbusse wie onnibus.fi oder matkahuolto.

Kommunikation

Dank EU-Roaming wares gar kein Problem. Es gibt überall einwandfreies LTE. Nicht so wie in Deutschland^^ Zudem gab es in meinem Appartment, im Krankenhaus, im Zug und überall in der Stadt freies W-LAN.

Unterkunft

Ich habe bei einer finnischen Medizinstudentin gewohnt. Wir haben uns ihr Appartment geteilt. Am Anfang war ich noch alleine und dann drei Wochen zusammen. Ich habe auf der Schlafcouch im Wohnzimmer geschlafen. Die Wohnung war neu und 5 min mit dem Fahrrad zum Krankenhaus und 10 min in die Stadt. Ich brauchte keine Bettwäsche mitbringen. Zum Glück hatte sie auch eine Waschmaschine. Mit ihr zu wohnen war ganz einfach und für drei Wochen völlig ok. Sie war super nett und ich konnte machen, was ich wollte und auch nachts heimkommen, etc

Literatur

- hatte mir zwei Bücher über Neurochirurgie mitgebracht
- ansonsten habe ich mich online übers Land informiert
- visitfinland.fi ist eine gute homepage mit Tipps für ganz Finnland
- es gibt auch ein Tourist office in Oulu und eine Seite der Stadt Oulu mit Ausflugstipps

Mitzunehmen

- ich hatte zuviele Klamotten
- Kittel und scrubs sind überall frei verfügbar im Krankenhaus
- 1 großes und 2 kleine Handtücher
- Sportsachen, Badesachen
- ein Wörterbuch, was ich nie gebraucht habe
- Tablet, Kamera
- ich musste mir ne Mütze kaufen, da es doch recht windig geworden ist

Reise und Ankunft

Alles kein Problem. Ich bin wie gesagt mit dem Zug nach Oulu gefahren und wurde von der LEO am Bahnhof abgeholt. Wir sind zu Fuß zu meiner Unterkunft, da die nur 10 min entfernt war.
Ich hatte noch ein paar Tage frei und habe diese für einen Ausflug genutzt und um die anderen Austauschstudenten und die Stadt kennenzulernen. Montags wurde ich von meiner Kummi zur Station gebracht. Hat alles wunderbar geklappt. Im Krankenhaus waren alle super nett.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war in der Neurochirurgie. Da ich die Sprache nicht beherrsche, dachte ich ein chirurgisches Fach wäre eine gute Wahl. Der erste Tag war entspannt. Ich habe mich allen vorgestellt und ich war die erste Woche gemeinsam mit einer Erasmusstudentin auf der Station. Morgens fing es um 8h an. Ich hatte ein Schließfach auf Station und konnte mich dort auch umziehen. Die Ärzte und Schwestern waren alle sehr nett. Oft wurde erstmal 20 min lang Kaffee getrunken. Die Stimmung war ziemlich relaxed. Dann bin ich entweder mit auf Visite oder direkt in den Op, wenn es was Spannendes gab. Die Ops haben aber nie vor 9h angefangen und zwischen den Ops gab es immer mindestens ne Pause von 1h. Auf Visite wurde mir viel erklärt und ich konnte auch immer Fragen stellen. Im Op war ich ein paar mal mit am Tisch aber Assistenzärzte hatten natürlich Vorrang und die meisten Ops konnte man viel besser über den Bildschirm des Mikroskops verfolgen. Ich konnte mich überall frei bewegen und das machen worauf ich Lust hatte. Einen Tag war ich auch mit in der Kinderklinik, wo ich bei einer spannenden Op zugeschaut habe. Man kann auch mit in die Sprechstunde in der Poliklinik. Das ist jedoch eher nicht so aufregend.
Alles in allem habe ich mehr beobachtet als selber etwas praktisch getan. Ich wusste, dass es so sein würde und da dies eine zusätzliche und meine letzte Famulatur war, war es ok für mich! Essen gab es übrigens umsonst im Krankenhaus. Nur komischerweise essen die Finnen schon um 10:30 zu Mittag. Die Mensa war daher um 12 oder 13h eher leer.
Die finnische Medizinausbildung scheint etwas verschulter zu sein als in Deutschland. Man muss sich auf die Seminare vorbereiten und es gibt zu jedem Fach immer eine Einstiegsklausur und eine am Ende des Kurses. Ab dem vierten Jahr ist als Studentin auch möglich in den Sommerferien als Junior Doc zu arbeiten. Das ist eine super Sache, da man wie ein Assistenzarzt arbeitet, aber noch keine Verantwortung übernehmen muss. Die finnische Studentin auf meiner Station war somit viel weiter als ich, obwohl wir im selben Ausbildungsjahr waren. Sowieso arbeiten alle finnischen Studenten in ihren Sommersemesterferien, um Geld zu verdienen. Jeder Student bekommt in Finnland auch staatliche finanzielle Hilfe über 500€ plus Wohngeld. Um Medizin zu studieren muss man eine Prüfung ablegen, um angenommen zu werden. Die Plätze sind sehr begehrt, da es auch nur 5 Medizinische Fakultäten in Finnland gibt. Es gibt in Finnland wie in Deutschland einen Ärztemangel vor allem in ländlichen Gebieten, daher ist es recht schwierig einen Ausbildungsplatz für einen Facharzt zu bekommen. Man kann nach dem Studium ohne Probleme als Allgemeinarzt erstmal arbeiten. Der Chefarzt meinte zu mir auch , dass man speziell als Neurochirurg an seine Uniklinik gefesselt ist, da es einfach nicht soviel Zentren in Finnland gibt. Oulu hat z.B. ganz Nordfinnland abgedeckt für neurochirurgische Fälle aber auch andere spezielle Fachgebiete. Patienten von weiter weg, werden täglich per Heli eingeflogen. Da die Bevölkerungsdichte so niedrig ist, macht es nur Sinn größere Zentren zu haben für die medizinische Versorung und kleinere Krankenhäuser oder Gesundheitszentren auf dem Land.

Land und Leute

- ich habe vor meinem Aufenthalt in Oulu mir Helsinki mit meinem Freund angeschaut. Helsinki ist eine hübsche kleine Hauptstadt direkt am Meer mit vielen vorgelagerten Inseln. Unser Hostel war direkt in der Innenstadt und ein Strand war 15 min entfernt. Wir haben das Inselhopping für 8€ gemacht. Dabei fährt man mit einer Fähre vom Marktplatz zu drei verschiedenen Insel u.a. zur Festungsinsel Suomenlinna. Außerdem sind wir einen Nachmittag zum Baden auf die Insel Pirkajasaari mit der Fähre gefahren. Mit dem Zug und Bus kommt man zum Nationalpark Nuksio, wo wir einen Tag wandern waren. Wenn man noch mehr Zeit hat, kann man natürlich einen Tagesausflug mit der Fähre nach Tallin machen. Restaurants zu finden, die v.a. bezahlbar waren, hat sich als etwas schwierig herausgestellt. Es ist halt nicht Paris, wo man an jeder Ecke ein Restaurant hat ;)

Ich habe am nationalen Austauschwochenende teilgenommen. Dafür sind wir aus Oulu bis Tampere mit einem Fernbus bestimmt 7h gefahren, aber es hat sich gelohnt. Wir waren außerhalb an einem See in einem Art Campinglager im Wald untergebracht und haben in Holzhütten übernachtet. Es kamen fast alle Austauschstudenten aus ganz Finnland. Wir haben nachts die Sauna und den kalten See getestet und natürlich einiges an Alkohol getestet. Viele Studenten hatten sogar aus ihren Ländern Schnaps mitgebracht. Samstags haben sich die finnischen Studenten für uns eine Olympiade ausgedacht, was wirklich Spaß gemacht hat und abends gab es Lagerfeuer und nochmal Sauna. Es hat riesigen Spaß gemacht. Das ganze hat 40€ gekostet für Übernachtung, Essen und Trinken ohne die Anfahrt.
In Oulu habe ich oft was mit dem Fahrrad unternommen und bin zum Strand Nalikaari gefahren. Man kommt mit einem Bus auch zur Insel Hailoutu. Es war wunderschön dort, da wir auch noch super Strandwetter hatten und man dort auch durch die Wälder wandern kann.
Einen Tag waren wir wandern in einem nahegelegenen Sumpf-undWaldgebiet, zu dem uns eine Studentin mit dem Auto mitgenommen hat.
Es gibt Ende August die Weltmeisterschaft im Luftgitarrenspielen in Oulu. Das war super lustig und Eintritt frei.
Sowieso gibt es im August die ein oder andere Studentenparty in der Stadt, da Semesterbeginn ist.
Dienstags sind wir ein paar Mal zum Salsaabend gegangen in einer Bar. Das war cool, auch wenn wir alle nicht wirklich tanzen konnten.
Außerdem haben wir es uns ein paar mal geleistet Essen zu gehen, was ziemlich teuer ist. Das Rentieressen für 25€ würde ich mir jedoch nicht entgehen lassen.
Oulu hat außerdem die beste Icehockey-Mannschaft in Finnland. Die Arena ist direkt in der Nähe des Krankenhauses. Wir haben uns ein Spiel angeschaut. Das war schon echt cool.
Einmal waren wir Kajakfahren. Das war wunderschön, da es zwischen den Insel kleine Kanäle gibt und man bei wenig Wellengang auch aufs Meer fahren könnte.
Es gibt auch die Möglichkeit in Oulu einen Surf oder Kitesurfkurs zu machen.
Zudem haben wir die floating Sauna ausprobiert. Eine Sauna in der Stadt auf dem See. War top für 5€.
Mir ist leider ehrlich gesagt etwas das Geld ausgegangen, daher habe ich die Wochenenden doch in Oulu verbracht und kleinere Ausflüge gemacht. Aber wenn man in Finnland ist, sollte man vielleicht ein Wochenende auch nach Lappland oder nach Turku fahren. Von Oulu aus ist nur alles etwas weit weg und ein Auto wäre schon praktischer.
Am besten war es abends einfach am Hafen zu sitzen mit nem Bier und das Meer und den Sonnenuntergang zu beobachten. Ich komme aufjedenfall sehr entspannt zurück.

Fazit

Alles in allem war es eine tolle Erfahrung. Einfach ein neues Land kennenzulernen und eine tolle Zeit mit den anderen Studenten und im Krankenhaus zu haben. In Finnland sind die Arbeitsbedingungen für Ärzte viel besser, wenn nur die Sprache nicht wäre und die Dunkelheit im Winter, würde ich es mir überlegen. Die Einwohner Finnlands waren alle sehr hilfsbereit und freundlich. Ich habe mich nie unwohl gefühlt. Davon können sich die Deutschen eine Scheibe abschneiden. Ich wünsche allen viel Erfolg bei der Bewerbung!

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